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Hallesche Beiträge zu den
Gesundheits- und
Pflegewissenschaften
sapere aude
Soziale Beziehungen im Alter
Eine gerontologisch-epidemiologische Vergleichsstudie
an in natürlichen Lebensumwelten und in Heimen lebenden
Menschen
von Prof. Dr. Christa Winter-von Lersner
Herausgeber: Johann Behrens
Redaktion & Gestaltung: Gero Langer
5. Jahrgang
ISSN 1610–7268
4
Vor der Veröffentlichung werden Beiträge im üblichen »peer review«-Verfahren auf ihre Publikationswürdigkeit hin begutachtet.
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Gesetzt mit LATEX 2ε in der Stempel Garamond
Redaktionsschluß: 13. Oktober 2006
IMPRESSUM
Die »Halleschen Beiträge zur Gesundheits- und Pflegewissenschaft« werden herausgegeben von Prof. Dr. phil. habil. Johann Behrens
Redaktion & Gestaltung: Dipl. Pflege- u. Gesundheitswiss. Gero Langer
Kontakt: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg · Medizinische Fakultät · Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft ·
German Center for Evidence-based Nursing · Magdeburger Straße 8 · 06112 Halle/Saale · Deutschland
Telefon 0345 – 557 4454 · Fax 0345 – 557 4471 · E-Mail [email protected]
Website http://www.medizin.uni-halle.de/pflegewissenschaft/index.php?id=341
ISSN 1610–7268
Alle Rechte vorbehalten.
© Prof. Dr. Johann Behrens, Halle/Saale, Deutschland
Abstract
The present study investigated egocentric social networks in old age, focusing on the relation
between the elderly’s network structures and the type and amount of social support received. The
study had two major parts: Firstly, a detailed descriptive analysis of egocentric social networks
as well as social support in elderly people was undertaken, based on a randomized sample of 211
subjects aged 65 years and older who lived partly in private homes and partly in homes for the
elderly. Special attention was paid to the modulating variables very old age (>80years), widowhood,
and living in residents. In a second step, it was investigated which parameters exert beneficial versus
impeding influence on egocentrical networks and social support in old age. Methods used were the
multidimensional German-language interview on »Social Network and Social Support« (Baumann,
Laireiter, Pfingstmann & Schwarzenbacher, 1987) in a version adapted to elderly populations;
univariate analyses of variance with Bonferroni alpha-adjustments were conducted to determine
general as well as specific relations between the parameters.
Conform to the hypothesis, very old people, widows and subjects living in homes for the elderly
had smaller personal networks with different structures than young old, spouses and subjects
living in private homes. Of the three variables, biographical age had the least influence on social
networks and social support, while living situation and marital status were more important. In
particular, inhabitants of old people’s homes had less relationships to family members, neighbors
and friends; on the other hand, they showed more relationships to other inhabitants. Widows
had less partners or other household members, but more children and professional staff in their
networks. A differential network reduction was observed here, in that the decrease of social
networks in widows was especially due to a loss of non-family relationships. Children were, in
general, the most stable sources of social support even in very old age, widowhood and living
situation in homes for the elderly. Emotionally positive social support was experienced more by
married subjects, while widows reported a marked lack of positively experienced support.
In conclusion, the the results stress the importance of a differential perspective in social gerontology. It is shown that ageing does not necessarily lead to a reduction of social relationships, but
that losses may in part be actively compensated by the old people. Furthermore, the importance
of a positive emotional quality of social support in old age is underlined by the results; further
studies should be conducted on this aspect.
Schlagworte
• Soziale Netzwerke
• Egocentric social networks
• Unterstützung im hohen Alter
• Social support in old age
Über die Autorin
von Lersner-Winter, Christa Olga Erika, geb. Freiin von Lersner, Professorin für Pflegewissenschaft, Pflegeforschung und Pflegepraxis der Fachhochschule Fulda (2005-1995); Professorin für
Pflegepädagogik und Psychologie der Katholischen Fachhochschule Freiburg (1994 -1993), wiss.
Mitarbeiterin der Universität Göttingen, Zentrum für Psychosoziale Medizin (1993-1991) und der
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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Universität Osnabrück (1983-1980); Dozentin für Psychologie und Altenpflege am Bildungswerk
für Sozial- und Gesundheitswesen GmbH, Leipzig (1991- 1990); Studium der Psychologie (Universität Osnabrück, Heidelberg); Lehrerin für Pflegeberufe am Schulzentrum Hannover (1973-1970),
an der Schwesternschule der Universität Heidelberg (1970-1966); psychiatrische Weiterbildung
in Kiel (1966-1965), Ausbildung zur Krankenschwester an der Schwesternschule der Universität
Heidelberg (1965-1962); 1-jähriges Vorpraktikum in Frankreich (1962-1961); Abitur in Stuttgart
(1961), geboren in Wien (1940).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
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Lebenslagen alter und hochaltriger Menschen in Deutschland
1.1 Altersstrukturwandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.2 Geschlechtsverteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.3 Familienstandsstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.4 Haushaltsstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.5 Wohnform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.6 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Theoretische und empirische Grundlegung: Soziale Beziehungen im Alter
2.1 Theoretische Grundlegung I: Theorien sozialer Beziehungen im Alter . .
2.1.1 Theorien des sozialen Austauschs . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.2 Ressourcentheorien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1.3 Entwicklungspsychologische Theorien sozialer Beziehungen . . .
2.1.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.2 Theoretische Grundlegung II: Netzwerk- und Unterstützungsforschung
2.2.1 Soziale Integration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.2.2 Soziales Netzwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.2.3 Soziale Unterstützung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.3 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Empirische Grundlegung: Einflußgrößen sozialer Netzwerke und sozialer Unterstützung im Alter
3.1 Alter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.2 Familienstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3 Wohnform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Ableitung der Fragestellung
4.1 Fragestellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4.2 Hypothesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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5
Methode
5.1 Design und Untersuchungsplan . . . . .
5.2 Stichprobe . . . . . . . . . . . . . . . . .
5.3 Meßinstrument und Skalenkonstruktion .
5.4 Datenerhebung . . . . . . . . . . . . . .
5.5 Datenanalyse . . . . . . . . . . . . . . . .
5.6 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . .
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Ergebnisse
6.1 Deskriptive Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.1.1 Stichprobenbeschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.2 Inferenzstatistische Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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6.3
6.2.1 Effekte sozialer Variablen auf egozentrierte Netzwerke
6.2.2 Effekte sozialer Variablen auf emotionale Beziehungen
Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.3.1 Generelle Bezüge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6.3.2 Einzelbezüge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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48
48
7
Diskussion
50
8
Ausblick: Interventionsmöglichkeiten
56
Literatur
58
Dank
69
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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Einleitung
Soziale Netzwerke und Soziale Unterstützung im Alter werden dann zum Gegenstand empirischer
Forschung, wenn sie aus irgendeinem Grunde brüchig geworden sind (Dowd, 1980; Sosna &
Wahl, 1983; Welz, 1994). Die Reduktion egozentrierter Netzwerke im Alter wird vor allem auf den
soziodemographischen Wandel in stärker entwickelten Ländern zurückgeführt. Die gegenwärtige
Sozialstruktur der älteren Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland ist, vergleichbar mit
anderen westlichen Industrienationen, durch Tendenzen der Feminisierung, Singularisierung und
Hochaltrigkeit gekennzeichnet (Lehr, 1998). Feminisierung des Alters beinhaltet, daß infolge der
höheren Lebenserwartung von Frauen mit zunehmendem Lebensalter der Anteil der weiblichen
Bevölkerung gegenüber der männ-lichen Bevölkerung überwiegt. Der Anteil der 60jährigen und
älteren Frauen an der weiblichen Gesamtbevölkerung lag 1910 bei 8,4 %, im Jahre 1991 lag er
mit 24,7 % fast drei mal höher. Der Anteil der 60jährigen und älteren Männer an der männlichen
Gesamtbevölkerung betrug im Jahre 1910 7,1 %, im Jahre 1991 lag er mit 15,9 % etwas mehr als
doppelt so hoch (Bundesdrucksache, 1994; Lehr, 1998). Als Gründe für die Feminisierung des
Alters in stärker ent-wickelten Ländern werden neben der höheren Lebenserwartung von Frauen
die Tendenz vieler Frauen genannt, einen älteren Partner zu heiraten. Ein weiterer Einflußfaktor
der Feminisierung des Alters ist als Kohorteneffekt einzuschätzen: Menschen, die heute über 65
Jahre alt sind, haben zwei Weltkriege erfahren. In der Altersgruppe der heute 65jährigen sind
in-folge der beiden Weltkriege mehr Männer als Frauen gestorben. Ein zweites Phänomen der
über 65jährigen in der Bevölkerung ist die unfreiwillige Singularisierung. Die häufigste Ursache
hierfür ist die Verwitwung. Mit der Verwitwung geht oftmals ein Prozeß der Entfamiliarisierung
einher: Beziehungen zu Kontaktpersonen und Verwandten des verstorbenen Part-ners werden
vernachlässigt oder ganz aufgegeben (Prahl & Schroeter, 1996, S.113). Ein drit-tes Merkmal des
soziodemographischen Wandels westlicher Industrienationen ist die zu-nehmende Hochaltrigkeit. Hochaltrig oder hochbetagt werden Menschen mit 80 Jahren oder älter bezeichnet (Lehr,
1998). Gesicherten Befunden zufolge wirkt sich Hochaltrigkeit negativ auf Netzwerkumfang
und emotionale Beziehungen aus (Prahl & Schroeter, 1996, S.113; Baltes, Horgas, Klingenspor,
Freund, Carstensen, 1996; Lehr, 1998). Bei Hochbetagten fehlen oftmals ganze Segmente von
Teilnetzen (Netzwerksegment von Berufskollegen, Nachbarn, Ehepartner) mit der Folge einer
weiteren Reduktion des egozentrierten Netzwerks (Wagner, Schütze, Lang, 1996). Die genannten
Bestimmungsfaktoren des Alterns (Feminisierung, Singularisierung, Hochaltrigkeit) gelten einzeln und gemeinsam als Riskofaktor des Alterns, der negative Folgewirkungen auf psychosoziale
Aspekte der Gesundheit alter Menschen haben kann (Cutrona, Russell & Rose, 1986; Prahl &
Schroeter, 1996).
Sozial bedingte Einflußfaktoren auf Lebenslagen alter und hochaltriger Menschen fordern
heraus, die Struktur und Funktion sozialer Netzwerke und sozialer Unterstützung unter Berücksichtigung der genannten Parameter zu analysieren, um so frühzeitig Risikogruppen im
Alter zu identifizieren, die mittels einer differentiellen netzwerkorientierten Intervention in der
Bewältigung individueller Lebenslagen unterstützt werden können.
Ziel der empirischen Untersuchung an 65jährigen oder älteren Menschen ist es, am Beispiel von
drei Risikogruppen des Alterns (Hochaltrige, Verwitwete, Heimbewohner) auf der Grundlage von
Querschnittdaten die Frage eines systematischen Zusammenhangs zwischen sozialen Variablen,
Struktur egozentrierter Netzwerke und Ausmaß und Art emotionaler und Unterstützungsbeziehungen zu bestimmen (Antonucci, 1990).
Ansätze einer netzwerkorientierten Intervention schließen die Arbeit ab.
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1 Lebenslagen alter und hochaltriger Menschen in
Deutschland
Es werden einige statistische Daten hinsichtlich des Alters der Bevölkerung in der Bundesrepublik
Deutschland und den damit verknüpften individuellen und sozialen Folgen genannt, um den
allgemeinen Rahmen anzudeuten, in dem sich die vorliegende Untersuchung bewegt.
1.1 Altersstrukturwandel
Einschlägige Bevölkerungsvorausschätzungen liegen vor von den Vereinten Nationen (1992) in einer hohen und einer niedrigen Version und in der 9. Koordinierten Bevölkerungsvorausschätzung
für die Bundesrepublik Deutschland (UN World Population Prospects, 1992; Statistisches Bundesamt, 2001). Die Prognosen erstrecken sich bis ins Jahr 2025 (UN-Vorausschätzung) bzw. 2050
(Statistisches Bundesamt, 2001). Die niedrige Variante der UN-Bevölkerungsvorausschätzung und
die 9. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung haben ähnliche Ergebnisse (vgl. Statistisches
Bundesamt, 2001; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, BMfFSFJ, 1997, S.
47). Danach sinkt in der Bundesrepublik Deutschland1 die Bevölkerungszahl von 82 057,4 Millionen (1997) auf voraussichtlich 58 352,9 Millionen. Gleichzeitig verschieben sich die Altersgruppen
zugunsten der Älteren: Im Jahre 1997 war etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung 60 Jahre oder
älter. Im Jahre 2050 wird mehr als ein Drittel der Bevölkerung 60 Jahre oder älter sein (Statistisches
Bundesamt, 2001, S. 26). Bei einer geschätzten Bevölkerungszahl der BRD im Jahre 2010 von 80,9
Millionen betrüge der Anteil der 60jährigen oder Älteren 25, 8 % der Gesamtbevölkerung. Bei
einer sinkenden Gesamtbevölkerungszahl von 64,4 Millionen im Jahre 2050 stiege der prozentuale
Anteil der 60jährigen oder Älteren auf 37,6 %. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei dem
steigenden Anteil an Hochaltrigen zu, d.h. der Zahl der 80jährigen oder Älteren: Die Zahl der
Hochaltrigen in der BRD betrug im Jahre 2000 3,6 % und wird im Jahr 2030 auf 6,2 % der
Bevölkerung geschätzt (alte Bundesländer: 6,4 %; neue Bundesländer: 5,7 %; BMfFSFJ 1997, S.
215).
1.2 Geschlechtsverteilung
Die Feminisierung des Alters drückt sich dahingehend aus, daß in der Altersgruppe der 6574jährigen das Verhältnis von Männern zu Frauen bei 1: 2 liegt; zwischen 75 und 84 Jahren bei 1: 3
und bei den 85jährigen oder Älteren beim Zahlenverhältnis von 1: 4 liegt. Daraus ist zu schließen,
daß Frauen im Alter mit höherer Wahrscheinlichkeit alleinlebend sind als Männer (Tews, 1993;
Statistisches Bundesamt, 2001).
1.3 Familienstandsstruktur
Familienstandsstrukturen stehen in Verbindung mit Eheschließungen, Ehelösungen infolge des
Todes des Partners / der Partnerin (Verwitwung) oder infolge von Ehelösungen durch das
Gericht (Scheidung). Darüber hinaus stehen Familienstandsstrukturen in Verbindung mit soziodemographischen Prozessen (BMfFSF&J, 1997, S. 71). Wesentlich mehr der 60jährigen oder
älteren Männer sind im Vergleich zu gleichaltrigen Frauen verheiratet. Ferner leben Männer im
1
Die Zahlenangaben berücksichtigen die Daten von Ost- und Westdeutschland
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Alter durchschnittlich in zahlenmäßig größeren Haushaltungen als gleichaltrige Frauen. Frauen
im Alter sind hingegen häufiger verwitwet und leben allein: 1991 waren 80% der 60jährigen oder
älteren Männer verheiratet, hingegen lediglich 39% der gleichaltrigen Frauen. Von den 60jährigen
oder älteren Männer waren 13% verwitwet, hingegen 47,5% der Frauen. Ledig waren 4% der
60jährigen oder älteren Männer und 8 % der Frauen. Geschieden waren 3% der 60jährigen oder
älteren Männer und 5 % der Frauen (BMfFSF&J, 1997, S. 71). Geschlechtsspezifische Unterschiede
setzen sich also bis ins hohe Alter fort.
Zahlenmäßige Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sind bei Verheirateten und
Verwitweten im Alter kaum, bei Ledigen und Geschiedenen etwas stärker zu verzeichnen: 1991
waren in den alten Bundesländer unter den 60jährigen oder älteren Männern 4% ledig und 3%
geschieden, bei gleichaltrigen Frauen waren 9 % ledig und 4% geschieden (BMfFSF&J, 1997, S.
71; Statistisches Bundesamt, 1994).
1.4 Haushaltsstruktur
Neuere sozialgerontologische Studien belegen, daß die häufigste Wohnform im Alter der EinPersonen-Haushalt ist (Reimann, 1994; Schubert, 1990). 1991 lebten 97 % der 60jährigen und
Älteren in den neuen und alten Bundesländern in Privathaushalten, wobei über ein Drittel in EinPersonen-Haushalten lebte. Die Entwicklung der Haushaltsstrukturen in den vergangenen Jahren
zeigt einen weiter ansteigender Anteil an Ein-Personen-Haushalten im Alter, insbesondere bei
Frauen. Lebten 1991 noch 24,3 % der 60-64jährigen und 71,4 % der 80jährigen oder älteren Frauen
im Einzelhaushalt, so lag der Anteil bei 60-64jährigen Männern bei 14, 5 % und bei 80jährigen
oder älteren Männern bei 32,3% (BMfFSF&J, 1997, S. 63, S. 84; Mikrozensus 1991). Der Trend
nach selbstbestimmtem Wohnen trotz alternsspezifischer Beeinträchtigungen setzt sich bis ins
hohe Alter fort und wird als zentraler Bestimmungsfaktor dafür gesehen, daß nur ein geringer
Anteil älterer Menschen in Heimen lebt (Krings-Heckemeier & Pfeiffer, 1994; BMfFSF&J, 1997, S.
69). Autonomie im Alter kann jedoch nur erfolgreich gelebt werden, wenn egozentrierte Netzwerk
und emotionale Beziehungen verfügbar sind, auf die alte Menschen im Bedarfsfall zurückgreifen
können (Kruse, 1999).
1.5 Wohnform
Gegenwärtig leben etwa 660 000 Personen der BRD in stationären Alteneinrichtungen.
450 000 (68,2 %) von ihnen sind pflegebedürftig. Als Folge des soziodemographischen Wandels
wird eine weitere Zunahme an Heimbewohnern erwartet: Für das Jahr 2030 liegt der geschätzte
Wert an hilfe- und pflegebedürftige Personen in Heimen bei 730 000 Personen (Müller, 1995;
Schneekloth, 1997; BMfFSF&J, 1997, S. 108). Heimbewohner unterscheiden sich hinsichtlich ihrer
Sozialstruktur in vielfacher Hinsicht von der Altenbevölkerung in Privat-haushalten: In Heimen
überwiegen Hochaltrige, Frauen, Verwitwete, Ledige und alte Menschen mit defizitären egozentrierten Netzwerken und mangelnder emotionaler und hauswirtschaftlicher Alltagsunterstützung
(Klein & Gabler, 1996; Klein, Salaske, Schilling, Schneider, Wunder, 1997, S. 55). Bezogen auf
die Merkmale Hochaltrigkeit, Familienstand, Geschlecht heißt dies: In Heimen sind 52,9 % der
Bewohner zwischen 80 und 89 Jahre alt, hingegen nur 16,2 % in Privathaushalten. 90 Jahre oder
älter sind 18,9 % der Heimbewohner gegenüber 1,3 % der im Privathaushalt lebenden Personen.
Mit Blick auf den Familienstand leben in Heimen 67,2 % Verwitwete, 19,7 % Ledige und 13,9 %
Verheiratete. Im Gegensatz hierzu leben im Privathaushalt 30,7 % Verwitwete und 4,3 % Ledige.
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Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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In bezug auf die Geschlechtsverteilung zeigt sich, daß 80,4 % der 65jährigen oder älteren Heimbewohner weiblichen Geschlechts ist, im Privathaushalt hingegen nur 60,9 % (Schneekloth, 1997).
Bezüglich der Struktur sozialer Kontakte zeigen die Befunde, daß die betreffenden Personen vor
Heimeintritt zu 39,9 % keinen Kontakt zu Nachbarn hatten, im Privathaushalt lebende Personen
hingegen nur zu 37, 0 %. Befragungen von Bewohnern ergaben, daß es sich vor Heimeintritt im
überwiegenden Maße um instrumentelle Unterstützungsleistungen zur Aufrechterhaltung von
Alltagsanforderungen handelte, im Privathaushalt Lebende sich hingegen emotional stärker im
sozialen Umfeld eingebunden fühlten (Klein, Salaske, Schilling, Schneider, Wunder, 1997, S. 57).
Auch die Ergebnisse der Berliner Alternsstudie belegen die spezifische Sozialstruktur von Heimbewohnern und den relativ hohen Anteil psychosozialer Risikofaktoren (Mayer & Baltes, 1996;
Wagner, Schütze, Lang, 1996): Danach kumulieren verschiedene Einflußfaktoren: Heimbewohner
sind nach den Befunden in hohem Maße hochaltrig, verwitwet, kinderlos und ledig; verfügen über
kleinere und defizitäre Netzwerke und leiden häufiger unter emotionaler Einsamkeit als gleichaltrige im Privathaushalt lebende Menschen. Kinderlosigkeit wird im Alter nur dann zum sozialen
Risikofaktor, wenn sie mit anderen kritischen Lebensereignissen wie Verwitwung, Krankheit oder
Heimübersiedelung verbunden ist (Lang, 1994). Soziale Isolation von Heimbewohner resultiert
weniger daraus, daß persönlich nahestehende Personen fehlen, sondern daß Heimbewohner im
sozialen Umfeld ein schwächeres Verpflichtungsgefühl zur Kontaktaufnahme hervorrufen als im
Privathaushalt lebende Personen. Heimbewohner gelten als »gut versorgt« (Wagner, Schütze, Lang,
1996, S. 317).
1.6 Zusammenfassung
Kennzeichen des Altersstrukturwandels werden herausgearbeitet, die zugleich potentielle Einflußgrößen für die Reduktion sozialer Netzwerke und emotionaler Beziehungen im Alter dar-stellen:
Ein steigender Anteil an Hochaltrigen, eine Zunahme von Alleinstehenden / Einpersonenhaushalten vor allem als Folge der Verwitwung (Singularisierung) sowie eine Verschiebung der Geschlechterrelation zugunsten der Frauen u.a. aufgrund der höheren Lebenserwartung (Feminisierung).
Als weiterer Risikofaktor für die Einschränkung egozentrierter Netzwerke im Alter und für den
Mangel an emotionaler Unterstützung wird die Zunahme an Heimbewohnern als soziale Folge von
Hochaltrigkeit und Kinderlosigkeit im Alter erkennbar. Der steigende Anteil an Hochaltrigkeit,
Verwitwung und Heimaufenthalt als Merkmal des Altersstrukturwandels wurde zugleich als
potentieller Riskofaktor stabiler Netzwerke und emotionaler Beziehungen zur Aufrechterhaltung
der Selbstbestimmung im Alter identifiziert.
2 Theoretische und empirische Grundlegung: Soziale
Beziehungen im Alter
Im vorangehenden Kapitel wurde der Wandel der Lebenslagen älterer Menschen aufgezeigt. Inhalt
des vorliegenden Kapitels ist, die durch diese Lebenslagen bestimmten sozialen Beziehungen
von Menschen im Alter genauer zu bestimmen. Im Rahmen einer theoretischen Grundlegung
werden zunächst einige allgemeine Theorien sozialer Beziehungen aufgearbeitet, die Aussagen
darüber zulassen, nach welchen Kriterien Beziehungen im Alter initiiert, aufrechterhalten oder
auch beendigt werden. Anschließend werden unter den Begriffen »Soziales Netzwerk« und
»Soziale Unterstützung« aktuelle Konzeptionen zur empirischen Analyse sozialer Beziehungen
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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erörtert, die auch die Basis der vorliegenden Untersuchung bilden. Im Rahmen der empirischen
Grundlegung werden vorhandene Befunde zu Einflußgrössen egozentrierter Netzwerke und
sozialer Unterstützung dargelegt.
2.1 Theoretische Grundlegung I: Theorien sozialer Beziehungen im
Alter
Neuere Theorien der sozialen Entwicklung des Menschen zeigen, daß Menschen über die gesamte
Lebensspanne hinweg soziale Beziehungen aktiv gestalten (Brandstädter, 1990). Ins-besondere die
Life-span-development psychology (Baltes, 1987) hebt lebenslange dynamische Veränderungsprozesse des Menschen während der psychosozialen Entwicklung hervor (Baltes & Brim, 1979;
Baltes, 1987; Baltes, 1990). Aus der Vielzahl der theoretischen An-sätze zur Struktur und Funktion sozialer Beziehungen werden im folgenden diejenigen darge-stellt, die zur Erklärung und
Vorhersage sozialer Beziehungsmuster im Alter relevant sind. Dazu zählen Theorien des sozialen Austauschs (Homans, 1961; Thibaut & Kelley, 1959; Blau, 1964; Drigotas & Rusbult, 1992);
Ressourcentheorien (Foa & Foa, 1980; Teichman & Foa, 1975; Mikula, 1985; Feger, 1985; Feger
& Auhagen, 1987) sowie entwicklungspsychologische Theorien sozialer Beziehungen (Kahn &
Antonucci, 1980; Carstensen, 1991, 1993).
2.1.1 Theorien des sozialen Austauschs
Soziale Austauschtheorien wie die von Homans (1961), Thibaut & Kelley (1959) und Blau (1964)
beziehen sich in ihren Grundannahmen auf sozioökonomische Theorien des Utilitarismus (A.
Smith, 1723-1790) sowie auf lerntheoretische Ansätze des Behaviorismus, wonach menschliches
Verhalten als Funktion der Konsequenzen von Handeln betrachtet wird (Miku-la, 1985). Soziale
Austauschtheorien gehen von der Grundannahme aus, daß Menschen in sozialen Interaktionen
danach streben, ein Maximum an Befriedigung durch Belohnung bei einem Minimum an Kosten
zu erzielen (Homans, 1961). Als Belohnung oder Nutzen werden all jene Faktoren zusammengefasst, die das Individuum in Verbindung mit sozialen Interaktionen anstrebt: Das Erlangen
von immateriellen Gütern (Anerkennung, Prestige, positive Wertschätzung) oder das Erlangen
von materiellen Gütern (Besitz, Geld). Soziale Beziehungen enthalten neben Belohnungen immer auch Kosten. Als Kosten werden jene Faktoren zusammen-gefasst, die das Ausüben einer
sozialen Handlung hemmen oder für den Partner mit negativen Konsequenzen verbunden sind: z.
B. Zeitaufwand, psychische Anstrengung, Statusverlust (Bierhoff, 1997; Thibaut & Kelley, 1959).
Sowohl der Nutzen als auch die Kosten werden je nach Bedeutungsgehalt von der austauschenden
Person unterschiedlich eingeschätzt. Dadurch entsteht ein Interpretationsspielraum darüber, ob
ein Austausch als gerecht bzw. nicht gerecht einzuschätzen ist (Blau, 1964; Gouldner, 1960).
Sozial bedeutsame Austauschprozesse werden nach den Autoren nur dann wiederholt, wenn für
beide Interaktionspartner das Ergebnis positiv ist, d.h., wenn Belohnungen die Kosten überwiegen.
Dabei wird bei den Austauschpartnern die Bewertung einer Interaktionssequenz auf der Grundlage von zwei Kriterien vorgenommen: Zunächst wird nach dem Prinzip des Vergleichsniveaus
vorgegangen (comparison level, Thibaut & Kelley, 1959): Es findet ein Vergleich darüber statt, in
welchem Ausmaß eine soziale Beziehung die an sie geknüpften Erwartungen erfüllt oder erfüllen
kann. Das Vergleichsniveau bestimmt, von welchen Interaktionspartnern in welcher Situation
welches Ergebnis zu erwarten ist. Sodann wird nach dem zweiten Kriterium, dem Vergleichsniveau
für Alternativen (comparison level for alternatives), von jedem Interaktionspartner abgeschätzt, ob
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Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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unter den gegebenen gleichen Bedingungen eine andere Alternative eine höhere Nettobelohnung2
erwarten lässt (Thibaut & Kelley, 1959). Das Vergleichsniveau für Alternativen bestimmt auch
den geringsten Nutzen, den eine soziale Beziehung für den Interaktionspartner haben darf, ohne
daß diese zugunsten einer alternativen sozialen Beziehung verlassen wird. Auf der Grundlage
des Vergleichsniveaus kann vorausgesagt werden, warum von einer Person angesichts fehlender
Alternativen im egozentrierten Netzwerk auch solche Sozialbeziehungen aufrechterhalten werden,
welche die an die Beziehung geknüpften Erwartungen nicht erfüllen (Mikula, 1985).
Gerontologische Studien zeigen, daß mit zunehmendem Alter auch die physische und emotionale Vulnerabilität zunimmt. Dies hat zur Folge, daß der Wirkungseinfluß, den die soziale Umwelt
auf das Individuum ausübt, zunimmt (Dowd, 1984; Baltes, 1987).
2.1.2 Ressourcentheorien
Ressourcentheorien ergänzen die oben genannten austauschtheoretischen Ansätze um Aspekte
der Art und der Inhalte, die in sozialen Beziehungen ausgetauscht werden. Danach ist zwischenmenschliches Handeln gekennzeichnet durch ein Zur-Verfügung-Stellen (Geben) bzw. ein
Vorenthalten (Nehmen) einer oder mehrerer Ressourcen (Foa & Foa, 1980; Teich-man & Foa,
1975; Feger, 1985; Mikula, 1985). Nach Foa & Foa (1980) werden soziale Ressourcen in zwei
Dimensionen unterschieden: Nach dem Grad an Partikularität versus Universalität und nach dem
Grad an Konkretheit versus Symbolhaftigkeit. Die Dimension konkret (versus symbolisch) erfasst,
in welchem Ausmaß eine Ressource gegenständlich ist bzw. eine konkrete Aktivität impliziert (z.
B. Unterstützung beim Spaziergang). Symbolische Ressourcen hingegen werden über ein Zeichensystem vermittelt, z. B. in Form von persönlicher Wertschätzung oder Information. Hinsichtlich
der Dimension universal versus partikular bezeichnet universal, die Verfügbarkeit von Ressourcen
ist nicht allein an eine bestimmte Person gebunden (z. B. Dienstleistung). Sind Ressourcen im
allgemeinen hingegen an eine bestimmte Person gebunden (z. B. emotionale Beziehungen, Liebe),
dann handelt es sich um eine partikulare Ressource. Nach ressourcentheoretischem Ansatz werden
Ressourcen umso bevorzugter gegeneinander ausgetauscht, je mehr sie sich im Ausmaß ihrer
Konkretheit und Partikularität ähneln. Und weiter: Der Austausch ähnlicher Ressourcen führt zu
einer höheren Zufriedenheit als der Austausch von Ressourcen, die im Grad ihrer Partikularität
(Universalität) und Konkretheit (Symbolhaftigkeit) weit auseinanderliegen (Foa & Foa, 1980).
Auf der Grundlage dieser Beschreibungsebenen unterscheiden Foa und Foa (1980) sechs Kategorien von Ressourcen: Die Ressourcenkategorie Liebe (1) als Ausdruck menschlicher Zuneigung,
Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit; Status (2) als Ausdruck positiver Wertschätzung und Respekt
gegenüber der Person; Information (3) als das Zur-Verfügung-Stellen von persönlichen Instruktionen; Dienstleistung (4) als Ressourcenkategorie, die vor allem auf körperliches Wohlbefinden
bezogen ist; Geld (5) als Ressource zur Existenzsicherung und materielle Güter (6) als universale
Ressource zur Lebensgestaltung. Die begriffliche Abgrenzung der Ressourcen in die genannten
Kategorien wurde empirisch bestätigt (Foa & Foa, 1980).
Hinsichtlich eines befriedigenden Ressourcenaustauschs im Alter ist von Bedeutung, inwieweit
angesichts eines Mangels an individuell bedeutsamen Ressourcen diese durch andere, ähnliche
Ressourcen, die vom Empfänger als gleichwertig akzeptiert werden, substituiert wer-den können.
Neben Konkretheit und Partikularität von Ressourcen hängt deren Substituierbarkeit auch von
individuellen Bedürfnissen der Austauschpartner ab (Foa & Foa, 1980).
2
Die Nettobelohnung errechnet sich aus der Bruttobelohnung minus Kosten (Bierhoff, 1987).
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Einen erweiterten Beitrag zur Erklärung des Konzeptes sozialer Beziehungen liefert die sozialpsychologische Ressourcentheorie (Feger, 1985; Feger & Auhagen, 1987). Diese Theorie baut
ebenfalls auf austauschtheoretische Annahmen auf, wonach der Gestaltung sozialer Beziehungen
eine implizite Kosten-Nutzen-Rechnung zugrunde liegt (Feger & Auha-gen, 1987). So bedingen
soziale und gesundheitliche Beeinträchtigungen im Alter eine Verminderung des Ressourcenpotentials; in gleichem Maße gelten sie als Ursache für ein gesteigertes Bedürfnis des Individuums nach
Ressourcen. Die Verfügbarkeit von Ressourcen fördert Potentiale zur Bewältigung belastender
Lebensereignisse im Sinne eines Vorbeuge-Effektes (Feger & Auhagen, 1987). Sind zu wenig
emotionale Ressourcen verfügbar, wie dies oftmals bei Verwitweten und Heimbewohnern beobachtet wird, so können sich aufgrund des fehlenden Vorbeuge-Effektes negative Folgewirkungen
hinsichtlich der Bewältigung von Belastungen einstellen (Feger & Auhagen, 1987).
2.1.3 Entwicklungspsychologische Theorien sozialer Beziehungen
Die Theorie des sozialen Konvois (social convoy; convoy of social support; Kahn & Antonucci, 1980) stellt ein Entwicklungsmodell sozialer Beziehungen über die Lebensspanne dar, das
gleichermaßen intraindividuelle wie auch interindividuelle Aspekte der sozialen Entwicklung
des Menschen berücksichtigt (Antonucci, 1985a). Die Theorie des »social convoy« basiert auf
Grundannahmen der Attachmenttheorie und der Rollentheorie insofern die Bedeutung einer
sozialen Unterstützung in der frühen Kindheit sowie Anforderungen und Erwartungen an
Rollenveränderungen im Erwachsenenalter aufgegriffen werden (Ainsworth, Blehar, Waters &
Wall, 1978; Ainsworth, 1982). Mit dem Begriff des »social convoy« kennzeichnen die Autoren
jene Personen, die einen Menschen über eine bestimmte Zeitspanne seines Lebens begleiten und
durch einen wechselseitigen Prozeß des Gebens und Empfangens von emotionalen Beziehungen
mit ihm verbunden sind. In bezug auf das hohe Alter und damit einhergehender Statuspassagen (z.
B. Partnerverlust, Heimübersiedelung), nimmt die emotionale Unterstützung durch einen sozialen
Begleitkonvoi eine zentrale, protektive Funktion ein. Demzufolge impliziert das Konzept des
»social convoy« sowohl moderierende als auch interaktive Effekte.
Die Theorie der sozioemotionalen Selektivität (Carstensen,1991, 1992, 1993) stellt ein entwicklungspsychologisches Konzept der sozialen Motivation dar, das vor allem Aussagen zur Wahl
von Interaktionspartnern über die Lebensspanne macht und den funktionalen Wandel sozialer
Beziehungen im Alter bestimmt. Der Theorie liegt – analog zu austausch- und ressourcentheoretischen Modellen – die Annahme zugrunde, daß Individuen danach streben, Kosten und Risiken
sozialer Interaktionen zu minimieren und den Nutzen zu maximieren. Eine motivationspsychologische Erklärung der Reduktion egozentrierter Netzwerke im Alter liefert die sozioemotionale
Selektivitätstheorie (Carstensen, 1993), wonach die Reduktion egozentrierter Netzwerke im Alter
darauf zurückzuführen ist, daß Menschen im Alter – im Unterschied zu jungen Erwachsenen
– eine Beziehungsaufnahme vorrangig nach Kriterien des emotionalen Gewinns ausrichten: Die
Kontaktaufnahme eines Menschen im Alter ist davon abhängig, wie hoch die Wahrscheinlichkeit
eingeschätzt wird, daß eine konkrete Beziehung emotional angenehm ist. Sprechen Vorerfahrungen dagegen oder wird die Wahrscheinlichkeit für emotional angenehme Beziehungen als
zu gering eingeschätzt, so kann dies dazu führen, daß Menschen im Alter soziale Beziehungen
abbrechen und den Zustand des Alleinseins einer Beziehungsaufnahme vorziehen (Carstensen,
1993). Ausgehend von dieser Erkenntnis entwickelte Carstensen (1993) eine Theorie, nach der
Menschen soziale Interaktionen selektiv gestalten und an Nutzenerwartungen ausrichten. Soziale
Beziehungen dienen nach der Autorin über die gesamte Lebensspanne drei unterschiedlichen
Funktionen: der Informationssuche; der Entwicklung und Stabilisierung des Selbstbildes sowie
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der emotionalen Regulation. Während die Funktionen über einzelne Lebensabschnitte weitgehend identisch bleiben, verändert sich mit dem Alter deren subjektive Bewertung und Bedeutung
(Carstensen, 1993): Im Alter werden Informationsaufnahme und -verarbeitung vor allem durch
angesammelte Wissensbestände und vorhandene Erfahrungen gesteuert, so daß neue Informationen zielgerichteter gesammelt werden. Die Autorin konnte zeigen, daß alte Menschen ihren
Kenntnisstand in subjektiv bedeutsamen Wissens- und Erfahrungsbereichen gezielt ausweiten
und Kontakte hauptsächlich dann aufnehmen, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit persönlich
bedeutsame Informationen zur Verfügung stehen. Ferner bevorzugen Menschen im Alter solche
Interaktionspartner und Kommunikationsstrategien, die zu einer Bestätigung des Selbstbildes
führen. Außerdem werden soziale Interaktionen nach dem Prinzip der Homogenität ausgewählt,
um mit ähnlich gesinnten Menschen kommunizieren und soziale Vergleichsprozesse vornehmen
zu können (Festinger, 1954). Kontakte im Alter dienen in erster Linie dazu, soziale Vergleiche zu
ermöglichen, durch die das eigene Selbst nicht in Frage ge-stellt wird. Ein zentrales Phänomen
von Hochaltrigkeit ist, daß weniger Personen verfügbar sind, zu denen ein homogener Austausch
möglich ist oder gemeinsame biographische Erinnerungen ausgetauscht werden können. Dies kann
bei Hochaltrigen das Gefühl, »übrig geblieben zu sein«, auslösen (Bury & Holme, 1991). Im Blick
auf die emotionale Regulation gilt, daß alte Menschen stärker als jüngere danach streben, solche
sozialen Umwelten aufzusuchen, die als emotional angenehm erlebt werden (Carstensen, 1993).
2.1.4 Zusammenfassung
Es wurden Theorien sozialer Beziehungen erörtert, die Aussagen über die Beziehungsgestaltung
bei alten Menschen zulassen. Die Austauschtheorien weisen darauf hin, daß soziale Beziehungen
auf einer Kosten-Nutzen-Kalkulation basieren, im Rahmen derer positive »Aus-tauschgüter«
oder Ressourcen gegen potentielle Kosten einer Interaktion abgewogen werden. Im Alter sind
informelle soziale Unterstützungsressourcen in der Form emotionaler Beziehungen im allgemeinen weniger verfügbar, bei steigendem Bedarf an Ressourcen. Gleich-zeitig steigen die Kosten
unverhältnismäßig an (z. B. Selbstwertkränkung durch verringerte Attraktivität). Die Theorie der
sozioemotionalen Selektivität spezifiziert auf der Ebene der Motivationen im Alter, daß sich bei alten Menschen die relative Gewichtung der Nutzenaspekte zugunsten der emotionalen Regulierung
verschiebt, wohingegen andere Ressourcen an Relevanz verlieren.
2.2 Theoretische Grundlegung II: Netzwerk- und
Unterstützungsforschung
Soziale Beziehungen werden innerhalb der Netzwerk- und Unterstützungsforschung unter den
Begriffen »soziale Integration«, »soziales Netzwerk« und »soziale Unterstützung« behandelt,
wobei die Begriffe verschiedenen Dimensionen zugeordnet werden (House, Umberson & Landis,
1988, Laireiter, 1993).
2.2.1 Soziale Integration
In der Literatur wird der Begriff der sozialen Integration unterschiedlich definiert. Häufig wird unter sozialer Integration die soziale Einbindung in Gruppen, Gemeinden und in das gesellschaftliche
Leben verstanden (Laireiter, 1993). Des weiteren gilt die Verfügbarkeit von informellen Netzwerken wie Familie, Freunde, Nachbarn als Kriterium für soziale Integration. Als Indikator für das
Ausmaß sozialer Integration kann auch die Verfügbarkeit und der Zugang zu sozialen Ressourcen
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gelten, wobei die Zahl aktiver Bindungen, die eine Person aufrechterhält, ausschlaggebend ist
(House, Umberson & Landis, 1988). Aus soziologischer Perspektive gilt als ein zentrales Kriterium
für soziale Integration die Internalisierung von Werten, Normen und sozialer Rollen des jeweiligen
Gesellschafts- und Kultursystems, in dem das Individuum lebt (Sosna & Wahl, 1983). Auch wird
die Anzahl sozialer Rollen, die eine Person ausübt, als Indikator sozialer Einbindung gesehen
(Thoits, 1982; Laireiter & Bau-mann, 1989). Im Alter stellt sich die Frage sozialer Integration
erneut und wird unter den Begriffen Rollenlosigkeit (Rosow, 1985) oder strukturelle Diskrepanz
(Riley, 1983, 1987) diskutiert: Rollenlosigkeit (Rollenverlust) im Alter wird beschrieben als die
individuell kaum beeinflußbare Folge des alternsabhängigen Ausstiegs aus dem Berufsleben, aus
gesellschaftlichen Organisationen, des Auszugs der Kinder aus dem Familienverbund sowie der
Verwitwung. Mit dem Begriff der strukturellen Diskrepanz beschreibt Riley (1983) das Mißverhältnis zwischen individuellen Potentialen älterer Menschen, gesellschaftlich sinnvolle soziale
Rollen zu übernehmen und den sozialen Strukturen der westlichen Welt, die zu wenig attraktive
Funktionen für ältere Menschen zur Verfügung stellt und folglich das Risiko einer strukturellen
sozialen Desintegration erhöht (Riley & Riley, 1994).
2.2.2 Soziales Netzwerk
Der Begriff des sozialen Netzwerkes bildet die zweite Ebene. Er wurde von dem Kulturanthropologen Barnes (1954) eingeführt. Zur Analyse von Kulturen entwickelte der Autor neue theoretische
und methodische Zugänge zu sozialen Netzwerken von Bevölkerungsgruppen, indem er die spezifischen Merkmale einer Kultur weniger in deren normativen Orientierungen wie z.B. Recht, Ethik
und Moral suchte als in deren informellem Beziehungsgefüge. Am Beispiel einer norwegischen
Gemeinde zeigte Barnes (1954), daß sich soziales Leben als Muster von interaktiven Beziehungen
darstellen läßt, mit gegenseitiger Unterstützung, sozialem Beisammensein, der Vermittlung von
Arbeitsplätzen. Darauf aufbauend definierte Barnes ein soziales Netz: »Jede Person ist (...) in
Kontakt mit einer Anzahl anderer Leute, wovon einige im direkten Kontakt zueinander stehen
und andere nicht (...). Ich finde es praktisch, von einem solchen sozialen Feld als Netzwerk zu
sprechen« (Barnes, 1954: S. 43-44, Übersetzung v. Keul, 1993: S. 45). Eine ähnliche Definition
beschreibt soziale Netzwerke als Set interpersonaler Beziehungen, die durch soziale Funktionen
oder Inhalte charakterisiert sind (Mitchell, 1969: pp.1-50).
Im Konzept des sozialen Netzwerks wird eine soziologische und eine psychologische Betrachtungsweise unterschieden. Nach soziologischer Sicht ist das Erleben und Verhalten von Personen
nur dann voll erfassbar, wenn es in Abhängigkeit von Strukturen sozialer Netzwer-ke untersucht
wird; die psychologische Betrachtungsweise ist hingegen lediglich geeignet, soziale Netzwerkstrukturen als Summe stabiler sozialer Handlungsmuster darzustellen (Berkowitz,1982, 1988;
Röhrle, 1994: S. 23). Eine Erweiterung der psychologischen Zugehensweise zu sozialen Netzwerken gibt Röhrle (1994), indem er zwei unterschiedliche psychologische Forschungsstrategien
identifiziert: Innerhalb der ersteren werden psychologische Theorien (z.B. Austauschtheorien,
Ressourcentheorien) auf Individuen bezogen, wohingegen in der zweiten Forschungsstrategie die
individuenzentrierte Sichtweise zugunsten einer auf das Individuum in seinem sozialen Netzwerk
zentrierten Perspektive vernachlässigt wird.
Inzwischen liegen Arbeiten vor, die theoretisch wie empirisch eine begriffliche Präzisierung der
Konstrukte »Soziales Netzwerk« und »Soziale Unterstützung« leisten. Danach wird ein soziales
Netzwerk definiert als »komplexes (..) System, das sich aus unterschiedlichen Formen sozialer
Beziehungen und sozialer Kontakte zusammensetzt« (Laireiter, 1993, S. 18; Boissevain, 1977).
Beim partiellen Netzwerk, auch egozentriertes Netzwerk genannt, werden soziale Beziehungen im
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Hinblick auf die interviewte Person erhoben, wohingegen beim totalen Netzwerk (Gesamtnetzwerk) gleichrangig soziale Beziehungen aller, dem sozialen Netz angehörenden Personen erhoben
werden (Barnes, 1954).
Mit Sozialen Netzwerken setzten sich Anfang der 70er Jahre vor allem Sozialepidemiologen,
Soziologen und Gemeindepsychologen auseinander (Cassell, 1974, Hall & Wellman, 1985, Keupp
& Röhrle, 1987, Ziegler, 1987, Schwarzer & Leppin, 1989, S. 3). Der Schwerpunkt der Anfänge der
Netzwerkforschung lag auf der Erhebung struktureller Parameter egozentrierter Netzwerke wie
der Größe der Netzwerke; der Dichte, d.h. der Zahl derer im sozialen Netzwerk, die jeden anderen
im selben sozialen Netz kennen; der Homogenität, d.h. der Ähnlichkeit der Netzwerkmitglieder
z. B. in bezug auf Alter, Geschlecht, sozialer Status. Die ältere Netzwerkforschung erhoffte sich
mit der Erhebung dieser Netzwerkparameter, einzelne Risikogruppen zu identifizieren, um vor
Beginn einer potentiellen Erkrankung zu intervenieren und präventiv auf Bedingungsfaktoren
einzuwirken (Schwarzer & Leppin, 1989, Hurrelmann, 1994). Mit zunehmendem Interesse der
Psychologie (Sozialpsychologie, Klinische Psychologie) an Zusammenhängen zwischen Sozialem
Netzwerk, Sozialer Unterstützung und individuellem Wohlbefinden wurden verstärkt Forschungsarbeiten kritisiert, die beanspruchten, mit der Erhebung objektiver Parameter das Ausmaß von
sozialer Unterstützung vorherzusagen. Ferner wurde kritisch angemerkt, daß objektive Netzwerkparameter allein nicht ausreichten, um das Ausmaß sozialer Unterstützung vorherzusagen
(Schwarzer & Leppin, 1989, S. 3): So zeigen neuere Befunde einen eher schwachen Zusammenhang
zwischen strukturellen Netzwerkparametern und funktionalen Unterstützungsparametern (Pierce,
Sarason & Sarason, 1996). In der neueren Netzwerkforschung interessieren neben der Größe und
Dichte sozialer Netzwerke andere Parameter wie die Multiplexität (die Anzahl unterschiedlicher
Arten sozialen Austausches, die das Individuum gleichzeitig als Netzwerkperson aufrechterhält),
die Reziprozität im Austausch von Sozialbeziehungen (z.B. der Grad, in dem Unterstützung
gegeben und erhalten wird), sowie die subjektive Zufriedenheit mit Zahl, Häufigkeit und Art von
Unterstützung (Veiel, 1987b; Antonucci & Jackson, 1989). Die Zentrierung auf derartige Parameter sozialer Netzwerke enthält einen höheren Anteil an erklärter Varianz hinsichtlich Struktur,
Funktion und Inhalten sozialer Netzwerke als das Wissen über die bloße Anzahl von Beziehungen,
die ein Individuum aufrechterhält (Milardo, 1992). Neben der Vielzahl von Netzwerkcharakteristika heben andere Untersuchungen die Bedeutung qualitativer Unterstützungsparameter (z. B.
Zufriedenheit mit emotionalen Beziehungen) hervor (Antonucci, 1990).
Theorien, die speziell zur Erklärung und Vorhersage von unterstützenden Netzwerken formuliert sind, liegen derzeit nicht vor (Röhrle, 1994). Zur Erläuterung einiger Aspekte sozialer
Netzwerke werden daher sozialpsychologische Theorien herangezogen, wie z.B. Theorien über
Paarbeziehungen (Adams, 1965). Soziale Netzwerke werden dann als Menge von Paarbeziehungen
beschrieben. Die bekannteste dieser Theorien besagt, daß in Paarbeziehungen der Wunsch nach
Ausgewogenheit besteht (Adams, 1965). Ob Ausgewogenheit vorhanden ist und ob es sich lohnt,
die Beziehung weiterhin aufrechtzuerhalten, wird von den Betroffenen nach einer »impliziten inneren Kosten-Nutzen-Analyse« errechnet. Die theoretische Grundlage liefert die Equity-Theorie
(Adams, 1965) und die Austauschtheorie (Kelley & Thibaut, 1978). Konsens besteht, daß das
Konzept des sozialen Netzwerks ein Instrumentarium zur Analyse sozialer Strukturen darstellt,
um Gesetzmäßigkeiten im Sinne einer Tiefenstruktur sozialer Realität zu identifizieren (Barnes,
1972). Beispiele hierzu bietet die Forschung an Freundschafts- und Verwandtensystemen (Bott,
1957).
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1. Methodische Zugänge zu sozialen Netzwerken
Da die Zahl der Netzwerkpersonen eines Individuums grundsätzlich eine überdimensionale Größe
annehmen kann, werden als methodische Filter zur Erreichung eines theoretisch sinnvollen und
methodisch ermittelbaren Maßes an Netzwerkpersonen Zusatzkriterien erhoben: Infolge empirischer Voruntersuchungen werden soziale Rollen- und Lebensbereiche wie auch emotionsbezogene
Beziehungen erhoben, die in einem zeitlichen Referenzbereich (letztes 1/2 Jahr) aufrechterhalten
wurden (Laireiter, Baumann, Feichtinger, Reisenzein, Untner, 1997).
Die Qualität sozialer Beziehungen wird entweder beziehungs- und bedürfnistheoretisch (Boissevain, 1977) oder strukturell-rollentheoretisch definiert (van Sonderen, Ormel, Brilman, van
Heuvell, van Linden, 1990). Nach bedürfnistheoretischem Ansatz werden Beziehungen als phylogenetisch verankerte und zentral beziehungsstiftende Momente definiert (Henderson, Byrne,
Duncan-Jones, 1981). Der strukturell-rollentheoretische Ansatz der Beziehung nimmt an, daß
Lebens- und Sozialbereiche (Verwandtschaft, Nachbarschaft) bedeutsame beziehungsinitiierende Strukturen darstellen. Begriffliche und empirische Analysen konnten zeigen, daß sich beide
Ansätze ergänzen und weniger widersprechen. Empirische Befunde egozentrierter Netzwerke
können folglich sowohl nach beziehungstheoretischen als auch nach strukturell-rollenbezogenen
Kriterien beschrieben werden (van Sonderen, Ormel, Brilman, van Heuvel, van Linden, 1990).
Trotz der begrifflichen Unschärfe einiger Unterstützungsrollen (z. B. Freunde) hat sich der methodische Zugang zum egozentrierten Netzwerk über die Erhebung von sozialen Rollen, die in
unterschiedlichen Lebens-lagen Unterschiedliches bedeuten können, bewährt. Ergänzt wird der
methodische Zugang über die Erhebung sozialer Rollen, um die Erhebung persönlich nahestehender Personen und um evaluative Parameter wie z. B. Zufriedenheit mit Anzahl, Häufigkeit und
Qualität emotionaler Beziehungen (Reisenzein, Baumann & Reisenzein, 1993, S. 68).
Durchgesetzt haben sich folgende Operationalisierungen egozentrierter Netzwerke:
• Die Erhebung aller für ein Individuum persönlich wichtiger und bedeutsamer Personen
(affective approach; van Sonderen, Ormel, Brilman, van Heuvell, van Linden, 1990),
• die Erhebung von Netzwerkpersonen nach sozialen Rollen, die diese gegenüber dem Individuum einnehmen (role related approach; z. B. Freund, Nachbar, Helfer; van Sonderen,
Ormel, Brilman, van Heuvell, van Linden, 1990; Reisenzein, Baumann & Reisenzein, 1993),
• die Erhebung realer und / oder potenzieller sozialer Unterstützung (exchange approach;
received support; perceived support; Barrera, 1981),
• die Erhebung evaluativer Parameter (z. B. Erhebung von Zufriedenheit mit emotionalen
Beziehungen und Unterstützung (Laireiter, Baumann, Feichtinger, Reisenzein, Untner,
1997).
2. Soziale Teilnetze
Die Gesamtstruktur egozentrierter Netzwerke betreffend werden innerhalb der Netzwerkforschung der Integrationsansatz und der Differenzierungsansatz unterschieden (Boissevain, 1977;
Laireiter & Baumann, 1987; Milardo, 1992). Der Integrationsansatz nimmt an, daß ein egozentriertes Netzwerk ein komplexes, ganzheitliches Gefüge darstellt, das sich in verschiedene begrifflich
unterscheidbare Segmente unterteilen läßt (z. B. das Netzwerk nahe-stehender Personen mit hoher
Interaktionsfrequenz), nicht jedoch in reale Einzelteile (Milardo, 1992; Baumann, 1987a,b; Laireiter
& Baumann, 1989; Laireiter, 1993, S. 19). In diesem Kontext konnten Reisenzein, Baumann &
Reisenzein (1993) zeigen, daß sich die genannten Teilnetzwerke empirisch lediglich hinsichtlich der
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Beziehungskriterien, nicht jedoch hinsichtlich der personalen Zusammensetzung differenzieren
lassen. Dem Differenzierungsansatz zufolge besteht ein egozentriertes Netz nicht nur theoretisch,
sondern auch in der Realität aus unterschiedlichen, voneinander differenzierbaren Teilnetzwerken,
die durch eine nur geringe gegenseitige Überlappung gekennzeichnet sind und als konzeptuell
eigenständig angesehen werden. Vertreter dieses Ansatzes unterscheiden das Gesamtnetzwerk
(global network, total network), das alle Personen umfasst, die ein Individuum namentlich kennt,
von Teilnetzwerken (partielles Netzwerk, partiel network). Ein Gesamtnetz enthält folgende
Teilnetzwerke:
• Netzwerk wichtiger und emotional nahestehender Personen (significant network; network of
significant others, Milardo, 1992). Dieses Teilnetz umfaßt Personen, die für das Individu-um
in irgendeiner Weise bedeutsam sind.
• Affektives Netzwerk (affective network; Milardo, 1992) umfasst emotional nahestehende
Personen (Vertraute, Freunde).
• Interaktionsnetzwerk (interactive network; Milardo, 1992) umfasst jene Personen, mit denen
ein Individuum in häufigem Kontakt steht. Das Interaktionsnetzwerk überlappt sich nur
zum Teil mit dem »significant network«. Als vierten Typ führt Milardo (1992) das
• Austausch- und Unterstützungsnetzwerk ein (exchange network; Milardo, 1992). Dies
besteht aus Personen, die Unterstützung geben bzw. geben würden (z. B. Freunde, Angehörige).
Aus theoretischer und empirischer Sicht besteht Konsens, daß der Begriff des Unterstützungsnetzwerks vom interaktiven Netzwerk zu unterscheiden ist. Gezeigt werden konnte, daß sich der
Begriff »Unterstützungsnetzwerk« auf sehr selektive Kriterien und Bedürfnisse bezieht, die der
eigentlichen Intention des Begriffs »Interaktionsnetzwerk« als interpersonales Beziehungs- und
Kontaktsystems nur partiell entspricht. Der Begriff des Unterstützungsnetzwerks wird demzufolge als Erweiterung des Unterstützungskonstruktes gesehen (van Sonderen, Ormel, Brilman, van
Heuvel & van Linden, 1990; Laireiter, 1993).
3. Netzwerkumfang
Befunde aus der Netzwerkforschung zeigen, daß die Netzwerkgröße im Adoleszenten- und jungen
Erwachsenenalter mit durchschnittlich 30 Personen am umfangreichsten ist und mit zunehmendem
Alter kontinuierlich abnimmt (Antonucci, 1985; Rummerstorfer, 1993). Bei älteren, in natürlichen
Lebensumwelten lebenden Personen liegt die mittlere Netzwerkgröße bei 15 Personen. Bei Bewohnern reduziert sich der mittlere Wert auf neun Personen (Antonucci, 1985, Vaux & Harrison,
1985). Die Gründe für reduzierte Netzwerke im Alter sind komplex. Sie liegen in der sozialen
Rolle älterer und hochaltriger Personen in unserer Gesellschaft aber auch im sozialen Umfeld.
Häufige Gründe für die Übersiedelung in ein Altenheim (Pflegeheim) sind ein bereits vor dem
Heimeintritt bestehender reduzierter Netzwerkumfang sowie reduzierte Unterstützungsressourcen als Folge von Hochaltrigkeit, der Verlust persönlich nahestehender Personen, Verwitwung,
Kinderlosigkeit und Beein-trächtigungen der Gesundheit (Lang, 1994). Gleichwohl verfügt ein
Altenheim über vielfältige Möglichkeiten zur Kompensation der Verluste von emotionalen Beziehungen und Unterstützungsressourcen durch die kontinuierliche Verfügbarkeit von Personal und
Mitbewohnern. Empirische Befunde zeigen, daß zahlenmäßig reduzierte egozentrierte Netzwerke
dennoch funktionsfähig sein können, vereinzelt auch, wenn weniger als eine Vertrauensper-son
verfügbar ist (Baltes, Horgas, Klingenspor, Freund & Carstensen, 1996). Dennoch behält die
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Frage defizitärer Netzwerke, emotionaler und Unterstützungsbeziehungen im Alter Aktualität
angesichts des soziodemographischen Wandels der Bevölkerung, der Zunahme von Hochaltrigkeit
und der damit verknüpften erhöhten Wahrscheinlichkeit von Verwitwung und Heimübersiedelung
(Smith & Baltes, 1996; Vaux & Harrison, 1985).
2.2.3 Soziale Unterstützung
1. Begriffsbestimmung
Werden mit dem Begriff des »Sozialen Netzwerks« Strukturen sozialer Beziehungen beschrieben,
so beinhaltet der Begriff »Soziale Unterstützung« zentrale Funktionen emotionaler Beziehungen,
die über Netzwerkstrukturen vermittelt werden. Erste Definitionen des Begriffs »Soziale Unterstützung« formulierte Cassel (1974), der soziale Unterstützung allein durch die Anwesenheit
Dritter als gegeben sieht. Nach Cobb (1976) liegt der Schwerpunkt sozialer Unterstützung auf
der Information, die das Individuum davon überzeugt, versorgt, geliebt, geschätzt zu werden und
zu einem Netzwerk von Kommunikation und gegenseitiger Verpflichtung zu gehören (Cobb,
1976; Lin, Dean & Ensel, 1986; Röhrle, 1994: S. 73). Bildlich veranschaulichen Kahn & Antonucci
(1980) das Verhältnis zwischen beiden Konzepten dergestalt, daß Soziale Netzwerke das »Vehikel«
bilden, mit Hilfe dessen soziale Unterstützung ausgetauscht wird (Kahn & Antonucci, 1980).
Soziale Unterstützung wird als multidimensionales Konstrukt beschrieben, das strukturelle,
kognitive, interaktionale und emotionale Komponenten enthält (Barrera, 1986). Die folgenden
Definitionen verdeutlichen die verschiedenen Komponenten von sozialer Unterstützung: Einer
eher allgemeinen Begriffsbestimmung zufolge wird Soziale Unterstützung definiert als »resources
provided by other persons« (Cohen & Syme, 1985, p. 4). In einer die unterschiedlichen Dimensionen des Begriffs »Soziale Unterstützung« umfassenden Definition wird soziale Unterstützung
beschrieben als »The degree to which a person’s basic social needs are gratified through interaction
with others basic social needs include affection, esteem, or approval, belonging, identity and
security. These needs may be met either by the provision of socioemotional aid (e.g. affection,
sympathy and understanding, acceptance and esteem from significant others) or the provision of
instrumental aid (e.g. advice, information, help, with family or work responsibilities, financial aid«;
Kaplan, Cassel & Gore, 1977: p. 47).
Eine den interaktiven Aspekt hervorhebende Definition beschreibt soziale Unterstützung als
»...diejenigen sozialen Interaktionen oder Beziehungen, die jemanden mit tatsächlicher Unterstützung versehen oder die jemanden in einen sozialen Zusammenhang einbinden, von dem angenommen wird, er schaffe Liebe, Fürsorge oder Zuwendung gegenüber einer geachteten sozialen
Gruppe oder Dyade« (Hobfoll, 1989; Leppin & Schwarzer, 1997, S. 359).
Soziale Beziehungen werden untergliedert in informelle und in formelle Beziehungen (Wagner,
Schütze, Lang, 1996, S. 311): Soziale Unterstützung durch Freunde, Bekannte, Nachbarn, Verwandte und Freizeitpersonen werden als informelle emotionale Beziehungen bezeichnet. Formelle
soziale Unterstützung wird hingegen durch professionelle Helferberufe wie z. B. Arzt, Seelsorger,
Pflegende, Physiotherapeut angeboten (Baltes, 1996; Wagner, Schütze, Lang, 1996; Minnemann,
1994). Neben einem konkreten Aspekt von sozialer Unterstützung symbolisiert diese immer auch
persönliche Zuwendung, Wertschätzung und persönliche Anteilnahme, was emotional-positive
Auswirkungen auf das Selbst des Empfängers haben kann.
2. Taxonomien sozialer Unterstützung
Die Literatur zur sozialen Unterstützung enthält unterschiedliche Kategorisierungen, deren Vielzahl darauf zurückgeführt werden, daß es sich beim Begriff der sozialen Unterstützung um ein
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mehrdimensionales Konzept handelt, das unterschiedliche Komponenten (kognitive, emotionale, instrumentelle) beinhaltet und neben quantitativen Anteilen auch qualitative Anteile enthält
(z. B. Zufriedenheit mit sozialer Unterstützung; Antonucci, 1985; Laireiter, 1993; Thoits, 1996;
Leppin, & Schwarzer, 1997). Neben unterschiedlichen inhaltlichen Aspekten von sozialer Unterstützung wird zwischen (objektiv) erhaltener Unterstützung (received support) und (subjektiv)
wahrgenommener Unterstützung (perceived support) unterschieden (Barrera, 1986). Bezüglich
der erhaltenen Unterstützung geht es um tatsächlich erhaltene Hilfe und Unterstützung (z. B.
»Folgende Personen haben mich gestern aufgemuntert«). Bei der wahrgenommenen Unterstützung geht es um die Frage, was eine Person aus ihrem persönlichen Gesamtnetz an Unterstützung
grundsätzlich für möglich hält (z.B. »Wenn Sie irgendein Problem hätten, wer von den eben
genannten Personen würde Ihnen wohl dabei helfen?«). Bei den Begriffen »erhaltene« und »wahrgenommene« Unterstützung lassen sich quantitative Maße (Anzahl der Unterstützungsleistungen)
und qualitative Maße (Grad der Zufriedenheit mit emotionaler Unterstützung) unterscheiden.
Eine vielfach verwendete Taxonomie der sozialen Unterstützung unterscheidet die sechs Ebenen:
Wertschätzung, Information, instrumentelle Hilfe, soziales Beisammensein, motivationale Unterstützung und rollenbezogene Unterstützung (Cobb, 1976; Wills, 1985; Barrera, 1986; House &
Kahn, 1985; Diewald, 1991). In bezug auf eine rollenbezogene Unterstützung hebt Wills (1985)
hervor, daß allein das Vorhandensein bestimmter Rollenbeziehungen, d.h. ihre bloße Existenz
positive Rückwirkungen auf die Zufriedenheit der Person haben kann. So kann im Alter das
Vorhandensein von erfolgreichen Kindern, die in sozial akzeptierten Beziehungen leben, eine
selbstwertstabilisierende Funktion (status support, Wills, 1985) ausüben, indem diese Beziehungen
den alten Eltern signalisieren, daß ihnen die Erziehung der Kinder gut gelungen ist
(Wills, 1985). Andererseits bewirkt das Fehlen bestimmter Rollenbeziehungen, z.B. weil lebenslang keine Kinder vorhanden waren oder soziale Unterstützung durch Kinder vernachlässigt
wurden, daß im Alter eine entsprechende rollenbezogene Unterstützung fehlt (vgl. Cumming &
Henry, 1961).
Andere Arbeiten unterscheiden zwischen einem quantitativ-strukturellen Anteil und einem
funktional-inhaltlichen Anteil sozialer Unterstützung (House, Umberson & Landis, 1988). Beim
quantitativ-strukturellen Aspekt sozialer Unterstützung wird von der Zusammen-setzung des
Unterstützungsnetzes und der Zahl an Unterstützungspersonen direkt auf die erhaltene Unterstützung geschlossen. Beim funktional-inhaltlichen Aspekt sozialer Unterstützung wird nach dem
Zusammenhang zwischen Funktion und Inhalt sozialer Unterstützung (z. B. emotionale Beziehungen und Zufriedenheit mit sozialer Unterstützung) gefragt. Die Mehrzahl der Taxonomien
des Begriffs »Soziale Unterstützung« enthalten die Dimensionen »emotional support«, »cognitive
guidance« und »appraisal support« / »cognitive support«. Das Konstrukt »emotional support« beinhaltet Begriffe wie Liebe, Beziehung, Bindung; Ansprache, Aufmunterung, emotionale Ventilation
und Sich-Verlassen-Können. Das Konstrukt »cognitive guidance« umfaßt informationsbezogene
Unterstützungformen mit Orientierung und Anleitung. Der Begriff »appraisal-support« / »cognitive support« grenzt nur schwach von der informationalen Unterstützung ab (Sarason & Sarason,
1994; Schwarzer & Leppin, 1989, S. 20). »Appraisal-support« beinhaltet, daß bewertende Informationen sich vorrangig auf das Verhalten der betreffenden Person beziehen, was zur Folge haben
kann, eigene Fähigkeiten (Grenzen) präziser einzuschätzen (Cutrona & Russel, 1990; Vaux, 1988).
3. Bezugsbereiche und Inhalte sozialer Unterstützung
Die Unterstützungsforschung unterscheidet verschiedene Inhalte und Bezugsbereiche sozialer
Unterstützung (Laireiter, Baumann, Feichtinger, Reisenzein & Untner, 1997). Empirische Studien
zur sozialen Unterstützung haben gezeigt, daß es zweckmäßig ist, zwischen alltagsbezogener
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sozialer Unterstützung und krisenbezogener sozialer Unterstützung zu unter-scheiden. Eine auf
akute Krisen fokussierende Unterstützung beinhaltet z.B. die Unterstützung bei einer akuten
Erkrankung oder bei der Heimübersiedelung (Veiel, 1987). Breiter erforscht ist hingegen die
alltagsbezogene soziale Unterstützung, die auch Gegenstand der hier beschriebenen Untersuchung
ist. Formal wird alltagsbezogene Unterstützung unterteilt in
• instrumentelle Formen der Alltagsunterstützung (Geben von Informationen; Alltagsunterstützung, finanzielle Unterstützung (House, 1981; Barrera & Ainlay, 1983);
• emotionsbezogene Formen der Alltagsunterstützung (Zuwendung, Aussprache, Selbstwertstabilisierung; soziales Beisammensein, Interaktion). Aber auch
• subjektiv belastende Aspekte sozialer Beziehungen im Alter werden hier subsumiert (Ambivalenz; Konflikte; Angst; Kummer / Sorgen; Rook, 1992; Laireiter & Lettner, 1993).
• kognitive- und Einschätzungsunterstützung (Orientierung, Klärung, Problemlösung; Bewertung; House, 1981; Barrera, 1986; Barrera & Ainlay, 1983).
Auf der inhaltlichen Ebene werden psychologische Formen von instrumentellen Formen sozialer
Unterstützung unterschieden. Unter psychologischen Formen sozialer Unterstützung werden emotionale Beziehungen, Selbstwertunterstützung, Bindung, Kontakt und kognitive Unterstützung
zusammengefasst. Instrumentelle Formen sozialer Unterstützung umfassen z. B. Unterstützung
durch Information, Hilfe bei Aktivitäten des täglichen Lebens wie z.B. der Körperpflege (Lawton
& Brody, 1969).
4. Wirkungsmechanismen sozialer Unterstützung
Die Social-Support-Forschung unterscheidet zwischen Direkteffekt (Haupteffekt) sozialer Unterstützung und Puffereffekt, d.h. moderierendem Effekt sozialer Unterstützung (Cobb, 1976,
Cohen & Wills, 1985; Umberson & Landis, 1988). Der Direkteffekt sozialer Unter-stützung
beinhaltet, daß Unterstützungsbeziehungen eine unmittelbar protektive Wirkung auf das Individuum ausüben. Direkteffekte schaffen günstige Bedingungen, belastende Lebensereignisse zu
bewältigen und akuten Lebenskrisen oder Erkrankungen vorzubeugen (Cobb, 1976; Antonucci &
Jackson, 1989). Der Puffereffekt sozialer Unterstützung beinhaltet, daß Beziehungen eine indirekte, moderierende Wirkung auf das Individuum in der Art stressmildernder Effekte ausüben,
z.B. indem die Risikowirkung belastender Einflüsse reduziert wird (Cobb, 1976; Cohen & Wills,
1985; House, Umberson & Landis, 1988). Empirisch konnten häufiger Puffereffekte emotionaler
Unterstützung bestätigt werden als Haupteffekte. Z.B. in Verbindung mit der Verfügbarkeit von
Freunden (Cohen & Wills, 1985), emotional positiver Ressourcen (z.B. Anerkennung) oder in
Verbindung mit emotionaler Beziehungen durch Personen, die vom Individuum als bedeutsam
erachtet werden (Leppin & Schwarzer, 1997).
Die Literatur zur Sozialen Unterstützung unterscheidet verschiedene Wirkungsmechanismen.
Entsprechend entwickelt wurden die Schutzschildhypothese (Abschirmhypothese), die Kompensationshypothese, die Unterstützungs- und Mobilisierungshypothese, die Pufferungshypothese (im
engeren Sinn) und die Toleranzhypothese (Gottlieb 1978; Berkman 1985; Nestmann, 1988). Die
Schutzschildhypothese beinhaltet, daß eine angemessene soziale Integration und stabile Einbindung
in einem egozentrierten Netzwerk zur Reduktion des Auftretens belastender Lebensereignisse
führt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, belastende Situationen erfolgreich zu bewältigen (Cohen
& Wills, 1985). Das Eingebundensein in ein soziales Netz-werk erweist sich im allgemeinen als
günstig für das allgemeine Wohlbefinden und die Widerstandskraft gegen pathogene Einflüsse
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(Thoits, 1982; Cohen & Wills, 1985; Röhrle, 1994). Der Kompensationshypothese zufolge befriedigt
die Verfügbarkeit emotional bedeutsamer Netzwerkpersonen und die daraus wahrgenommene Unterstützung grundlegende Bedürfnisse nach sozialem Austausch und Kontakt, stabilisiert
Selbstwertgefühl und subjektives Befinden und gleicht Belastungserleben infolge kritischer Lebensereignisse aus (Cohen & Wills, 1985; Barrera, 1986, Röhrle, 1994). Die Unterstützungsund Mobilisierungshypothese besagt, daß im Umkehrschluß psychosoziale Belastungen im allgemeinen zur Mobilisierung kognitiver, emotionaler und / oder instrumenteller Unterstützung
führen. Das Aufsuchen von sozialer Unterstützung übt in der Regel einen positiven Effekt auf
die Belastungsbewältigung aus (Röhrle, 1994). Die Pufferungshypothese im engeren beinhaltet,
daß die Verfügbarkeit von Unterstützungspersonen in einer belastenden Situation einen geringeren »impact« auf die betreffende Person ausübt (Cobb, 1976, Cohen, & McKay, 1984). Soziale
Unterstützung kann ferner bewirken, daß kritische Lebenssituationen in einem stärkeren Ausmaß verarbeitet werden und Belastungssymptomen vorgebeugt wird (Berkman, 1985). Nach der
Toleranzhypothese wirkt soziale Unterstützung in Form von emotional-positiven Beziehungen
direkt auf die Fähigkeit ein, belastende Lebensereignisse zu bewältigen ohne Sekundärsymptome
auszulösen (Röhrle, 1994).
Neben der Direkt- und Pufferwirkung sozialer Unterstützung werden auch interaktive Wirkungen sozialer Unterstützung diskutiert (Hurrelmann, 1994). Interaktive Wirkungen zeigen sich in
einer Abschwächung des Wirkungszusammenhangs zwischen Risikofaktoren und Belastungsreaktion sowie zwischen Reaktionen auf Belastungserleben und Auftreten von Symptomen. Im Bereich
der Klinischen Psychologie und Rehabilitationspsychologie werden ebenfalls günstige Effekte in
Verbindung mit sozialer Unterstützung beschrieben, z. B. bei Herz - und Kreislauferkrankungen,
Tumorerkrankungen und seelischen Erkrankungen (Coyne, Wortman & Lehman, 1988; Dean, Lin
& Ensel, 1986b). Ergebnisse einer Metaanalyse zeigen, daß Direkteffekte sozialer Unterstützung
homogene Wirkungen zeigen, Puffereffekte hingegen eher heterogene Ergebnisse aufweisen (Lin,
Woelfel & Light, 1986; Lin, Dumin & Woelfel, 1986; Laireiter, 1993). Andere Studien zeigen, daß
Haupt- und Puffereffekte nicht allein durch unterschiedliche Aspekte der ihnen zugrundeliegenden Konstrukte vermittelt werden, sondern durch unterschiedliche Wirkungspfade (Barrera, 1986):
Haupteffekte sozialer Unterstützung werden demnach hauptsächlich durch Abschirmprozesse
vor stressinduzierenden Einflüssen und durch die Befriedigung basaler Bedürfnisse vermittelt.
Puffereffekte kommen in Verbindung mit Belastungen zustande, indem z. B. die Stresstoleranz
erhöht und die Mobilisierung von emotionaler und instrumenteller Unterstützung gefördert wird,
was ein »Abpolstern« von Belastungen bewirkt (Cohen & Wills, 1985).
5. Quelle sozialer Unterstützung
Der Analyse der Quelle sozialer Unterstützung kommt in der neueren Unterstützungsforschung
eine zunehmende Bedeutung zu: Die Identifikation wichtiger Rollenträger und deren Funktion im
Alter zeigt, daß informellen sozialen Unterstützungressourcen (z. B. Freunde) eine stärkere direkt
stützende Funktion zukommt als formellen sozialen Unterstützungsformen (z. B. Helfer; Cobb,
1976; House, 1981).
2.3 Zusammenfassung
Es werden zentrale Konstrukte der Netzwerk- und Unterstützungsforschung dargestellt, die
sowohl aus soziologischen als auch psychologischen Herangehensweisen stammen. Soziale Netzwerke sind dabei als das Vehikel aufzufassen, über das emotionale Beziehungen und Unterstützung
vermittelt wird. Netzwerke differieren in ihrer Zusammensetzung stark in Abhängigkeit vom
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Lebensalter und sozialen Variablen. EmotionaleBeziehungen und Unterstützung als eine zentrale
Funktion von Netzwerken wirkt über unterschiedliche Mechanismen auf das Befinden von Menschen im Alter ein: Zum einen üben sie eine direkt protektive Wirkung gegenüber Belastungen aus,
zum anderen nehmen sie eine Pufferfunktion in kritischen Lebensituationen ein. Dabei wird qualitativ zwischen verschiedenen Unterstützungsformen unterschieden, wobei der Direktwirkung
eine stärkere, protektive Wirkung zukommt.
3 Empirische Grundlegung: Einflußgrößen sozialer
Netzwerke und sozialer Unterstützung im Alter
3.1 Alter
Das Alter übt empirischen Befunden zufolge einen direkten negativen Einfluß auf den Netzwerkumfang aus und wirkt ferner verändernd auf die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke,
emotionaler und Unterstützungsbeziehungen (Murphy, 1985; Zautra, 1983; Wagner, Schütze &
Lang, 1996). Die durchschnittliche Netzwerkgröße beträgt bei Erwachsenen 30 Personen und
nimmt mit zunehmendem Alter kontinuierlich ab (Vaux & Harrison, 1985).
Eine Differenzierung zwischen der Gruppe der »jungen Alten« (65-79 Jahre) und der »alten
Alten« (Hochaltrige, 80 Jahre oder älter) findet erst seit den letzten zwei Jahrzehnten statt (Sarason
& Pierce, 1990). Ältere Untersuchungen beziehen sich hauptsächlich auf die Gruppe der jungen
Alten (Palmore, 1968). Dies wird als eine Ursache der heterogenen Befundlage in der Sozialgerontologie gesehen. Neuere Studien liefern ebenfalls Belege für einen negativen Alternseffekt in
bezug auf die Netzwerkgröße. Die Effekte sind jedoch weniger stark ausgeprägt als angenommen.
Ferner zeigen Längsschnittstudien insgesamt schwächere Negativeffekte als Querschnittstudien
bezüglich des Netzwerkumfangs (Antonucci, 1990; Rummerstorfer, 1993; Mayer & Baltes, 1996;
Wagner, Schütze & Lang, 1996).
Ein weiterer Beleg für reduzierte Netzwerke und Unterstützungsressourcen im Alter liefert eine
empirische Studie aus Oesterreich, welche die egozentrierten Netzwerke junger Erwachsener (N =
63; 20 - 60 J.) und alter Menschen aus Pensionistenheimen (N = 38, 61 - 91 J.) vergleicht. Sie zeigt,
daß junge Erwachsene über größere egozentrierte Netzwerke und über mehr vertraute Personen
verfügen als alte Menschen (61 Jahre oder älter). Egozentrierte Netzwerke der jüngeren Erwachsenen umfassen im mittleren Wert 29,1 Personen (SD 15,16), die Netzwerke alter Heimbewohner
umfassen im mittleren Wert lediglich 10,9 Personen (SD 3,52). Zugleich ist die Anzahl an Vertrauten aber auch an belastenden Beziehungen im Ge-samtnetz der jungen Erwachsenen höher als bei
Heimbewohnern (junge Erwachsene: 5,92 Vertraute / SD 5,16; Heimbewohner: 2,89 Vertraute
/ SD 2,28). Der prozentuale Anteil von Vertrauten im Gesamtnetz der beiden Vergleichsgruppen unterscheidet sich – erwartungsgemäß – nicht signifikant: Vertraute im egozentrierten Netz
junger Erwachsener: 22,49 (Prozentwert); Vertraute im egozentrierten Netz von alten Menschen
(Heimbewohner): 26,55 (Prozentwert; Rummerstorfer, 1993; Brauchard, 1994, S. 149, 158). Ferner
enthalten die egozentrierten Netzwerke junger Erwachsener häufiger Freunde und emotionale
Beziehungen als die Netzwerke alter und hochaltriger Heimbewohner. Im Umkehrschluß nehmen
junge Erwachsene mehr belastende Beziehungen wahr als alte Menschen (Brauchard, 1994, S. 162).
Auch die Ergebnisse der Berliner Alternsstudie weisen darauf hin, daß die Abnahme von Unterstützungsressourcen im hohen Alter vorrangig bei entfernteren Netzwerkpersonen (Nachbarn,
Vereinsmitglieder) erfolgt, während persönlich nahestehende Personen (z. B. Kinder) auch im
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höheren Alter verfügbar bleiben (Lang & Carstensen, 1994; Baltes, Maas, Wilms & Borchelt, 1996).
Dieses Phänomen wird auf ein Verpflichtungsgefühl auf seiten der Kindergeneration zurückgeführt,
das stabil und relativ unabhängig von der Beziehungsqualität zwi-schen Eltern und Kindern ist
(Cicirelli, 1982, 1989; Roberts & Bengtson, 1990). Insgesamt zeigen die Befunde hingegen, daß
Hochaltrigkeit einen Risikofaktor darstellt, der zur quanti-tativen Verkleinerung und zu qualitativen Einbußen egozentrierter Netzwerke führen kann (Killworth, Johnson, Bernard, Shelley &
McCarty, 1990; Smith & Baltes, 1996). Insgesamt differieren die Befunde in Abhängigkeit von
sozialen Variablen, worauf in den folgenden Abschnitten bezug genommen werden soll (Kahn &
Antonucci, 1984; Antonucci, 1990).
Bezüglich der Reduktion sozialer Netzwerke bei Hochaltrigen existieren konkurrierende wie
auch einander ergänzende Erklärungsansätze. Zum einen wird die Reduktion sozialer Netzwerke
im Alter auf eine Rollenreduktion als Folge der Berufsaufgabe zurückgeführt: Kontakte zu Berufskollegen, Vorgesetzten, Mitarbeitern, Klienten oder Kunden brechen als Folge der Pensionierung /
Berentung ab; nicht selten gehen auch Kontakte zu Berufskollegen in der Folge des Ausscheidens
aus dem Berufsleben zurück. Ferner können sich Rollenverluste durch den Auszug erwachsener
Kinder aus dem Familienverbund ergeben (Rosow, 1974).
An zweiter Stelle wird der Partnerverlust (Tod; Trennung) genannt, der häufig mit einem
sozialen Rückzug des Hinterbliebenen einhergeht. Oftmals bilden sich in der Folge von Tod
(Trennung) vom Lebenspartner ganze Kontaktsegmente des Verstorbenen (Getrennten) zurück
(Rosow, 1974; Arling, 1976a; Arling, 1976b; Lauth & Viebahn, 1987; Stappen, 1988).
Mit zunehmendem Alter steigt zudem die Wahrscheinlichkeit von sensorisch-motorischen
Fähigkeitsstörungen oder kognitiven Defiziten (z. B. Demenz). Dies kann negative Wirkungen hinsichtlich der Partizipation am gesellschaftlichen Leben haben: Soziale Anpassungs- und
Selbstregulierungsprozesse gehen zunehmend verloren und leisten sekundär bedingten Verhaltensauffälligkeiten und gesundheitlichen Krisen Vorschub (Lauth & Viebahn, 1987). Schließlich ist
die Verringerung des materiellen Handlungsrahmens zahlreicher älterer Menschen, vor allem der
Gruppe der älteren Frauen zu nennen: Auch finanzielle Einbußen im Alter können sich negativ
auswirken hinsichtlich der Teilhabe an sozialen und gesellschaftlichen Aktivitäten (Schubert, 1990).
Aus austauschtheoretischer Perspektive wird zudem darauf verwiesen, daß alte Menschen über
weniger Ressourcen verfügen, die für jüngere Interaktionspartner attraktiv sind, oder aber, daß
alte Menschen selbst die Überzeugung haben, für Jüngere keine attraktiven Gesprächspartner zu
sein (Dowd, 1980). Da soziale Interaktionen nach Dowd (1980) immer der Zustimmung beider
Interaktionspartner bedürfen, ist der Erhalt sozialer Unterstützung im Al-ter vom Wohlwollen
der Jüngeren abhängig, was bis zum Kontaktabbruch führen kann. Andere Erklärungsansätze
verweisen auf die aktiv steuernde Rolle alter Menschen in ihren sozialen Beziehungen. So nimmt
die klassische, wegen ihrer normativen Ausrichtung allerdings kontrovers diskutierte Disengagementtheorie an, daß Menschen im Alter ein »natürliches« Bedürfnis nach sozialem Rückzug
erkennen ließen, dem das gesellschaftliche Umfeld ent-sprechen sollte (Cumming & Henry, 1961).
Eine aktive Rolle des alten Menschen wird auch von der neueren, motivationspsychologischen
Theorie der sozioemotionalen Selektivität (Lawton, 1987; Carstensen, 1991, 1993) angenommen,
welche postuliert, daß alte Menschen soziale Beziehungen primär am emotionalen Gewinn ausrichten. Selbstinduzierte Sozialkontakte werden – wie bereits berichtet – vom alten Menschen auch
abgebrochen, sofern ein solcher emotionaler Gewinn für ihn nicht erwartbar ist (Carstensen, 1993;
Lang, 1994).
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3.2 Familienstand
Die Befundlage zur Frage des Zusammenhangs zwischen Familienstatus und Netzwerkstruktur ist
heterogen. Als Ursache dafür werden die geringe Vergleichbarkeit der Stichproben in-folge einer
häufig fehlenden Repräsentativität der Grundgesamtheit, differierende Alterskategorisierungen
(ab 60 J.+; ab 65 J.+; ab 70 J.+) sowie die Heterogenität des methodischen Vor-gehens genannt
(Palmore, 1968; Mayer & Baltes, 1996).
Untersuchungen von Antonucci & Akiyama (1987) zufolge verfügen Verheiratete und Frauen über größere Netzwerke als Unverheiratete und Männer (Antonucci & Akiyama, 1987). Zu
ähnlichen Ergebnissen kommen Autoren der Berliner Altersstudie: Sie stellen ebenfalls einen
Unterschied in der Größe des sozialen Netzes zwischen Verheirateten und Verwitweten fest: Bei
Verheirateten beträgt der Umfang sozialer Netzwerke im mittleren Wert 14,1 Netzwerk-personen,
bei Verwitweten 10,6 Personen und bei Geschiedenen 7,8 Netzwerkpersonen (Wagner, Schütze,
Lang, 1996, S. 310 - 311). Nach den Befunden zeigt der Familienstatus mehrheitlich Auswirkungen
auf die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke: Die Netzwerke Verheirateter sind gekennzeichnet durch mehr familiale Beziehugen; die Netzwerke unverheirateter Menschen im Alter
enthalten hingegen mehr außerfamiliale Personen (Lin, Dean, En-sel, 1986; Hobfoll, Shoham &
Ritter, 1991). Verwitwung stellt infolge der steigenden Lebenserwartung und der Altersdifferenz
zum Zeitpunkt der Eheschließung in erster Linie ein Risiko für Frauen im Alter dar. In bezug auf
die egozentrierten Netzwerke von Verwitweten ist die Befundlage heterogen: Es wird berichtet,
daß sich der Netzwerkumfang von Verwitweten nicht wesentlich von dem von Verheirateten unterscheidet, Verwitwete aber stärker als Ver-heiratete von subjektivem Einsamkeitserleben betroffen
sind und dies unabhängig davon, ob die Partnerbeziehung konfliktreich war oder nicht (Vaskovics & Linke, 1985; Lopata, 1988; Labouvie-Vief, De Voe & Bulka, 1989; Fooken, 1990). Ferner
reduzieren sich infolge von Verwitwung oftmals soziale Beziehungen zu den Kontaktpersonen
des Verstorbenen (Carey, 1980; Rubinstein, 1985, Borchelt, Gilberg, Horgas, Geiselmann, 1996, S.
458). Als zentraler Risikofaktor des Alterns gilt ferner, daß verwitwete Frauen zu den ökonomisch
benachteiligten Bevölkerungsgruppen zählen und demzufolge auch benachteiligt sind in der Partizipation am gesellschaftlichen Leben (Schneider, 1989; Rubinstein, 1985). Andere Untersuchungen
berichten, daß Verheiratete im Alter dazu tendieren, verwitwete Freunde zu meiden, weil eine
Auseinandersetzung mit dem nahen Tod gemieden wird oder weil Verwitwete in einer sozialen
Situation verankert sind, für die Verheiratete wenig bereit sind, Verständnis aufzubringen. Ferner
zeigen die Ergebnisse, daß mehr Witwer eine Wiederheirat im Alter realisieren, Frauen hingegen
eine Wiederheirat eher meiden, um ihre (oft erstmals) gewonnene Autonomie nicht zu gefährden
oder um nicht ein weiteres Mal mit hohen psychophysischen Belastungen einer Angehörigenpflege
konfrontiert zu werden (Lopata, 1980, Blau, 1961). Die hohe Relevanz einer netzwerkorientierten
Intervention bei Verwitweten im Alter heben verschiedene gerontologische Studien hervor (Arling,
1976a; Lopata, 1980; Vaskovics & Linke, 1985, Stevens, 1989). Gezeigt wurde ferner, daß die Bedeutung an emotional befriedigenden Beziehungen bei Alleinlebenden im Alter steigt (Carstensen,
1992; Wagner, Schütze & Lang, 1996, S. 316). Angesichts dieser Befunde besteht Forschungsbedarf
bezüglich der Frage, auf welche Weise soziale Verluste im Alter kompensiert werden können.
Eine Analyse sozialer Unterstützungsnetze alter Menschen im ländlichen Raum hat ergeben,
daß in privaten Haushalten die Hauptquelle sozialer Unterstützung Ehepartner und erwachsene
Kinder bilden (Schubert, 1992). Aus der Sicht der Befragten stehen mit 42, 7 % an erster Stelle
erwachsene Kinder, zu 20,4 % (Ehe-) Partner (Schubert, 1992, S. 30). Unter den an zweiter Stelle
genannten Personen überwiegen mit 43,5 % Kinder, Schwiegerkinder (9,7 %), Nachbarn (9,7 %)
und professionelle Helfer (9,7 %). Wurde eine dritte Personengruppe genannt, so waren dies zu
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54,5 % Kinder, zu 9,1 % Enkel, zu 6,1 % Nachbarn und zu 6,1 % Helfer (Schubert, 1992, S. 30).
Nach den Ergebnissen von Schubert (1992) stellen emotionale Beziehungen durch Partner und
Kinder einen zentralen protektiven Faktor des Alterns dar.
3.3 Wohnform
Eine Repräsentativbefragung der Altenbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland hat gezeigt,
daß 5,1 % der 65jährigen oder älteren Personen derzeitig in einem Heim leben (Schneekloth, 1997,
S. 165). Davon sind 93 % alleinstehend und alleinlebend. Ferner sind bei Heim-bewohnern 64
% verwitwet, 21 % ledig, 8 % geschieden und nur 7 % verheiratet. Die höhere Lebenserwartung
von Frauen äußerst sich auch darin, daß in Heimen 79,2 % Frauen, hin-gegen nur 20,8 % Männer
leben (Schneekloth, 1997, S. 165).
Andere Studien bestätigen, daß sich Heimbewohner hinsichtlich der Größe egozentrierter
Netzwerke signifikant von den im Privathaushalt Lebenden unterscheiden (Schneekloth & Müller, 1995): So liegt der mittlere Wert egozentrierter Netze alter Menschen im Privathaushalt bei
fünfzehn Personen und bei Heimbewohnern bei neun Personen (Gottesleben, 1996, Enzlberger,
1994). Eine Erhebung an Heimbewohnern in Mannheim hat ergeben, daß bei den nichtverheirateten 70jährigen im Vergleich zu gleichaltrigen verheirateten Personen die Wahrscheinlichkeit der
Heimübersiedelung um das 7,5- fache höher liegt. Bei 90jährigen
oder älteren Nichtverheirateten liegt die Wahrscheinlichkeit der Heimübersiedelung um das 8,5fache höher als bei gleichaltrigen Verheirateten (Zimber & Weyerer, 1999).
Psychosoziale Risiken in der Altenbevölkerung werden häufig mit Verwitwung und sozialer
Isolation in Verbindung gebracht (Borchelt, Gilberg, Horgas, Geiselmann, 1996, S. 458; Dörner,
Hopfmüller, Röttger-Liepmann, 2001). Bei Heimbewohnern kumulieren derartige Risikofaktoren
des Alterns: Bewohner sind häufig hochaltrig und verfügen bereits vor der Heimübersiedelung über
kleinere egozentrierte Netze als verheiratete Personen. Auch leiden Heimbewohner häufiger unter
subjektiver Einsamkeit als in natürlichen Lebenswelten lebende Personen. Interpretiert werden die
Befunde sozialer Isolation und Einsamkeit von Heimbewohnern dahingehend, daß weniger die
Tatsache der Nichtverfügbarkeit von persönlich nahe-stehenden Personen die Ursache für derartige
Beeinträchigungen von Heimbewohnern dar-stellt, sondern daß Heimbewohner im Unterschied
zu Gleichaltrigen, die in natürlichen Lebensumwelten leben, im sozialen Umfeld weniger soziale
Verpflichtungsgefühle hervor-rufen, da sie ja formal »gut versorgt« sind. Informelle Beziehungen
im Alter sind multifunktional ausgerichtet: Neben der konkreten Unterstützung symbolisieren
sie zugleich persönliche Zuwendung und Wertschätzung, die selbstwertstabilisierend wirken und
Negativeffekte des Alterns wirksam abpolstern (Crohan & Antonucci,1989; Wagner, Schütz, Lang,
S. 311).
Die Folge der reduzierten egozentrierten Netzwerke von Heimbewohnern ist, daß Bewohner
hohe interaktive Erwartungen an das Heimpersonal herantragen, die nicht unbeantwortet bleiben
können. Netzwerkorientierte Interventionen, die von den Bewohnern auch akzeptiert werden,
zählen zu den vorrangigsten Aufgaben einer zeitgemäßen Heimgestaltung.
Zu anderen Ergebnissen kommt eine vergleichende Studie über die Wirkung sozialer Beziehungen zwischen Witwen und Familienmitgliedern (Kinder) bzw. zwischen Witwen und Freunden
bzw. Nachbarn. Die Untersuchung zeigt, daß Beziehungen zu Freunden und Nach-barn eine größere emotionale Zufriedenheit bewirken als dies bei Beziehungen zu Familienmitgliedern geäußert
wird (Arling, 1976b). Die Autorin interpretiert die Befunde dahingehend, daß Beziehungen zu
Freunden und Nachbarn durch Freiwilligkeit und die Bereitschaft zur wechselseitigen Unterstüt-
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 24 –
zung gekennzeichnet sind, Beziehungen zwischen Familienmitgliedern jedoch vorrangig durch
normative Verpflichtungsgefühle zwischen Eltern und Kindern gesteuert werden und folglich im
allgemeinen ein geringeres Maß an Zufriedenheit bewirken (Arling, 1976a, S. 757- 768; Cooper,
Mahnkopf & Bickel, 1984).
Befunde der quantitativen Reduktion egozentrierter Netzwerke werden vorwiegend auf der
Grundlage von Querschnitterhebungen berichtet. Nicht hinreichend beforscht ist hingegen, in wieweit quantitative Einbußen egozentrierter Netzwerke auch im Rahmen von Längsschnittstudien
nachgewiesen werden können (Antonucci, 1985, Wagner, Schütze & Lang, 1996).
3.4 Zusammenfassung
Aus der Netzwerk- und Unterstützungsforschung lassen sich relevante soziodemographische und
soziale Variablen ableiten, die sich auf die Gestaltung sozialer Beziehungen im Alter auswirken. So
stellt Hochaltrigkeit einen zentralen Risikofaktor dar hinsichtlich der Verkleinerung egozentrierter
Netzwerke und potentieller Einschränkung der sozialen Unterstützung im Alter. Geschlechtereffekte sind neueren Befunden zufolge weniger relevant als ursprünglich angenommen. Stärkere
Effekte auf soziale Beziehungen im Alter zeigt hingegen der Familienstatus (Verwitwete haben deutlich kleinere Netzwerke mit einen Verlust an emotional nahestehenden Personen) und
die Wohnform (Heimbewohner büßen ganze Netzwerksegmente von emotional nahestehenden
Personen ein). Neueren Untersuchungen zufolge zeigen die Absolutwerte der Netzwerk- und
Unterstützungsdaten stärkere Einbußen als die Prozentwerte (relationaler Anteil einer Netzwerkkategorie am egozentrischen Gesamtnetz).
4 Ableitung der Fragestellung
4.1 Fragestellung
Die soziale Netzwerk- und Unterstützungsforschung als Teil der Sozialgerontologie kann derzeitig
nur in wenigen Bereichen auf konsistente Befunde zurückgreifen. Es besteht z. B. Konsens, daß
z.B. die Reduktion des Netzwerkumfangs negativ mit dem biographischen Alter korreliert. Die
allgemein heterogene Befundlage wird vor allem auf die zu großen Unterschiede in Konzeptualisierung, Begriffsdefinition, Operationalisierung, Stichprobenrekrutierung und methodischem
Vorgehen bei der Erhebung von Sozialem Netzwerk und Sozialer Unterstützung zurückgeführt
(Welz, 1994, S. 65; Laireiter, 1993, S. 98). Diese Situation er-fordert weitere und systematische
Untersuchungen an randomisierten Stichproben, die neben der Einflußvariablen Alter auch andere zentrale Bestimmungsfaktoren für egozentrierte Netzwerke und soziale Unterstützung im
Alter in ihrem systematischen Einfluß auf Struktur und Funktion sozialer Netzwerke und soziale
Unterstützung untersucht und Bezüge zwischen den drei Variablengruppen berücksichtigt.
Die im folgenden dargestellte Studie setzt an dieser Problemsituation an und beabsichtigt sowohl generelle Bezüge als auch spezielle Bezüge zwischen sozialen Variablen, egozentrierten
Netzwerken und sozialer Unterstützung zu beleuchten. Dabei bedient sie sich einer theo-retisch
abgesicherten Methode und einer hinreichend großen Zufallsstichprobe. Die Untersuchung hat
zum Ziel, einen Beitrag zu einer differentiellen Sozialgerontologie zu leisten.
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 25 –
4.2 Hypothesen
Vor dem oben aufgezeigten theoretischen und empirischen Hintergrund werden folgende Hypothesen abgeleitet:
1. Hochbetagte, verwitwete und in Heimen lebende Personen verfügen über kleinere und
anders zusammengesetzte egozentrierte Netzwerke als junge Alte, Verheiratete und in
privaten Haushalten lebende Personen.
2. Emotional-positive Beziehungen im Alter nehmen häufiger verheiratete als verwitwete
Personen wahr.
3. Egozentrierte Netzwerke von hochaltrigen, verwitweten und in Heimen lebenden Menschen zeigen stärkere Einbußen im Rollennetzwerk als im Bereich emotional-positiver
Beziehungen (Absolut- und Prozentwerte).
5 Methode
Die Darlegung des methodischen Vorgehens beginnt mit einer Beschreibung des Untersuchungsdesigns und der untersuchten Stichprobe. Ferner wird das in der vorliegenden empirischen Untersuchung verwendete Erhebungsinstrument vorgestellt. Daran anschließend wird die Stichprobenaquirierung und die Durchführung der Untersuchung beschrieben. Der letzte Abschnitt des
Methodenteils ist der Datenaufbereitung gewidmet.
5.1 Design und Untersuchungsplan
In Abhängigkeit von den sozialen Variablen »Alter«, »Familienstand« und »Wohnform«3 und
den definierten operationalen Kriterien zur Hypothesenbildung, wurden die einzelnen Untersuchungsgruppen unter Verwendung univariater Variananalysen4 analysiert bezüglich
• der Unterschiedshypothese zwischen jungen Alten und Hochaltrigen hinsichtlich des Umfangs egozentrierter Netzwerke und ihrer Zusammensetzung (Hypothese 1),
• der Unterschiedshypothese zwischen emotional - positiven Beziehungen bei verheirateten
und bei verwitweten Studienteilnehmern (Hypothese 2) sowie bezüglich
• der Unterschiedshypothese zwischen stärkeren quantitativen Einbußen hinsichtlich der
Netzwerkparameter (Absolut- , Prozentwerte) anstelle emotionaler und Unterstützungsbeziehungen5 im Alter (Hypothese 3; vgl. Tabelle 1). Die statistischen Ergebnisse der
Gruppenvergleiche hinsichtlich der egozentrierten Netzwerke werden in den Tabellen
Auf die Darlegung statistischer Ergebnisse der Variablen »Geschlecht«, »Bildung«, »beruflicher Status«,
»Elternstatus«, »Sozialstatus« und »Depressionen« wird an dieser Stelle verzichtet, da die Variablen – vergleichbar der Befunde ähnlicher Alternsstudien - kaum bis keine Auswirkungen auf Netzwerkstruktur
und Unterstützungsressourcen zeigen (Mayer & Baltes, 1996).
4
Die Befunde der durchgeführten Kruskal-Wallis H-Tests (Signifikanztests für verteilungsfreie, einfaktorielle Varianzanalysen) stimmen mit den Ergebnissen der F-Tests überein. In den Tabellen 2-13 abgebildet
sind jeweils die Kennwerte der F-Tests.
5
Emotionale Beziehungen werden unterteilt in emotional-positive Beziehungen (Freunde, sonstige unterstützende Personen; Anerkennung-Wahrnehmen, Sich-Verlassen-Können, Sich-Gemocht-Fühlen); bela3
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 26 –
2-4 (Absolutwerte) und den Tabellen 5-7 (Prozentwerte) dargestellt. Die Ergebnisse der
Gruppenvergleiche hinsichtlich der emotionalen Beziehungen werden in den Tabellen 8-10
(Absolutwerte) und in den Tabellen 11-13 (Prozentwerte) abgebildet. Tabelle 14 enthält
die unter-suchten Hypothesen mit dem Ergebnis ihrer Verifzierung bzw. Falsifikation: Die
ersten bei-den Hypothesen konnten bestätigt werden; die dritte Hypothese wurde zum Teil
bestätigt und zum Teil verworfen (vgl. Kapitel 7).
Tabelle 1: Untersuchungsplan und operationale Kriterien der Hypothesenprüfung
Soziodemographische Werte
Alter (N = 211)
• junge Alte (65 – 79 Jahre)
• Hochaltrige (80 – 103 Jahre)
Geschlecht (N = 211)
• Männer
• Frauen
Familienstatus (N = 207)
• ledig
• verheiratet / mit Partner lebend
• verwitwet
Häufigkeiten:
Absolutzahl (n)
M = 80,2 / Min = 65,0
101
110
• geschieden
Elternstatus (N = 210)
• kinderlos
• Eltern
Wohnform (N = 211)
• Privathaushalt (Duderstadt)
• Altenheim
AH Fulda
AH Duderstadt
Häufigkeiten:
Prozentwert (%)
S=7,7/ Max =103,0
47,9
52,1
Operationale Kriterien
der Hypothesenprüfung
junge Alte
versus Hochaltrige
64
147
30,3
69,7
Männer versus Frauen
38
54
111
18,4
26,1
53,6
verheiratet versus ledig
4
1,9
71
139
33,8
66,2
Eltern versus
Kinderlosigkeit
91
120
62
58
43,1
56,9
51,7
48,3
Privathaushalt versus
Altenheim
verheiratet / mit Partner lebend
versus verwitwet
5.2 Stichprobe
Die Stichprobe umfasst 211 Personen, die 65 jährig oder älter sind, in privaten Haushalten oder in
Heimen leben und als drei randomisierte Stichproben in Duderstadt und Fulda gezogen wurden
(Duderstadt: Stichprobe 1 / alte Menschen in Privathaushalten; Stichprobe 2 / Heimbewohner
in Duderstadt. Fulda: Stichprobe 3 / Heimbewohner). Zum Befragungszeitpunkt lebten von
der Gesamtstichprobe 91 Personen in privaten Haushalten (n=43,1 %) und 120 Personen im
Altenheim (56,9 %). Das Lebensalter betreffend waren zum Befragungszeitpunkt 62 Personen
(29, 4 %) zwischen 65 und 74 Jahre alt; 84 Personen (39,6 %) waren zwi-schen 75 und 84 Jahren
alt, 60 Personen (28,4 %) zwischen 85 und 94 Jahren und fünf Personen (2,4 %) zwischen 95
und 103 Jahre alt. 64 Personen (30,3 %) sind männlichen Geschlechts und 147 Personen (69,7
%) sind weiblichen Geschlechts. Verwitwet waren zum Befragungszeitpunkt mehr als die Hälfte
der Studienteilnehmer (n = 111; 53,6 %); verheiratet waren 54 Personen (26,1 %), ledig waren
38 Personen (18,4 %) und geschieden waren vier Personen (1,9 %). Zwei Drittel der Stichprobe
waren Eltern (n = 139; 66,2 %) und ein Drittel war kinderlos (n = 71; 33,8 %; vgl. Tabelle 1).
stende Beziehungen (Konfliktpersonen, Ambivalenzpersonen, Kummerpersonen, Angstpesonen) und
instrumentell-informationale Beziehungen (Informationen-Erhalten; Arbeit-Abnehmen; GeldbeträgeLeihen).
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Einschlußkriterien für die Teilnahme an der Erhebung waren ein Mindestalter von 65 Jahren
und der erste Wohnsitz in Duderstadt (Stichprobe 1, 2) bzw. Fulda (Stichprobe 3). Ausschlußkriterien waren eine stationäre Behandlung zum Erhebungszeitpunkt und eine starke kognitive
Beeinträchtigung (Demenz). Letztere wurde mit dem Brief-Assessment-Interview diagnostisch
abgeklärt (BAI; Weyerer, Platz, Eichhorn, Mann, Ames & Graham, 1988).
5.3 Meßinstrument und Skalenkonstruktion
Als Methode wurde das standardisierte und strukturierte Selbstbeurteilungsverfahren »Soziales
Netzwerk und Soziale Unterstützung« (SONET-3) zur Erfassung der Struktur egozentrierter
Netzwerke und den aus den Netzwerken resultierenden Unterstützungsressourcen verwendet
(Baumann, Laireiter, Pfingstmann & Schwarzenbacher, 1987b; Laireiter, Baumann, Feichtinger,
Reisenzein & Untner, 1997). Hierbei handelt es sich um ein Interviewverfahren, das im natürlichen
Felde eingesetzt wurde, d.h. in einem vom Interviewer möglichst unbeein-flussten Lebensraum
alter Menschen, mit dem Ziel, eine hohe externe Validität der Befunde zu erhalten. Die mündliche
Erhebungsform wurde gewählt, da diese der Situation von Menschen im Alter besser anzupassen
ist als ein schriftliches Erhebungsverfahren.
Bei SONET-3 handelt es sich um ein Erhebungsinstrument, das modulartig aufgebaut ist und
strukturelle, interaktionale und evaluative Variablen beinhaltet (Henderson, Byrne, Duncan-Jones,
Adcock, Scott & Steele, 1978; Baumann, Laireiter, Pfingstmann & Schwarzenbacher, 1987, S. 429).
SONET baut auf der Grundannahme auf, daß ein Individuum normaler-weise in verschiedene
Rollen- und Lebensbereiche integriert ist (Familie, Freunde, Nachbarn; Milardo, 1992). Die zweite
Annahme von SONET gründet in beziehungstheoretischen Überlegungen, wonach Menschen
neben einer soziostrukturellen Integration noch eine davon unabhängige affektive Dimension
der sozialen Verankerung zeigen. Diese ist durch informelle und freundschaftliche Beziehungen
charakterisiert, die für das Individuum bedeutsam sind (Argyle & Henderson, 1986; Laireiter &
Baumann, 1989; Laireiter, 1993).
Um die grundsätzlich unendliche Zahl an Netzwerkpersonen eines Individuums auf ein methodisch ermittelbares, sinnvolles Maß zu begrenzen, wurden zwei methodische Filter (Kriterien)
eingesetzt: Es werden zum einen Rollen- und Lebensbereiche, zum anderen emotionale Beziehungen der Personen erhoben (Laireiter, Baumann, Feichtinger, Reisenzein, & Untner, 1997).
Emotionale Beziehungen werden vorwiegend als freiwillig gewählte Interaktionen verstanden, die
durch unterschiedliche Ausprägungsgrade von Bindung und Freundschaft charakterisiert sind.
Untersuchungen zeigen, daß egozentrierte Netzwerke neben positiv konnotierten Bindungen
auch emotional belastende Beziehungen (Konflikte, Angst, Kummer / Sorgen) enthalten können
(Rook, 1992; Veiel, 1994). Entsprechend erhebt SONET sowohl emotional – positive als auch
belastende Netzwerkbeziehungen (Rook, 1992; Veiel, 1987b). Es geht ferner davon aus, daß eine
Person normalerweise in unterschiedliche Arten sozialer Teilnetze integriert ist: Das Netzwerk
persönlich wichtiger und nahestehender Personen (affective network; significant network) umfasst
jene Personen, zu denen das Individuum eine emotional bedeutsame Beziehung unterhält. Das
Interaktionsnetzwerk (interactive network) schließt Personen ein, zu denen der Proband in regelmäßigem Kontakt steht. Das Austauschnetz (exchange network) umfasst Personen, die dem
Individuum regelmäßig kognitive, emotionale bzw. instrumenmentelle Unterstützung gewähren.
Und weiter: Das Rollennetzwerk (role network) beschreibt diejenigen Personen eines egozentrierten Netzwerks, zu denen die befragte Person in verschiedenen Rollen- und Lebensbereichen in
kontinuierlichem Kontakt steht (Milardo, 1992).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 28 –
SONET bestimmt diejenigen Netzwerkpersonen, die das Kriterium einer Mindestkontaktdichte
im Referenzzeitraum6 erfüllen, wobei der Begriff »Kontakt« operationalisiert wird mit: »Kontakt
haben heißt, mit jemandem telefonieren oder ihm schreiben, mit jemandem sprechen, jedoch
mehr als ihn bloß grüßen« (Baumann, Laireiter, Reisenzein, Feichtinger, Rummerstorfer, Untner,
Lettner, Pfingstmann & Schwarzenbacher; 1992, S. 4).
Das Konstrukt »Kontakt« wird erhoben über die Parameter Kontaktfrequenz (z. B. wöchentlich, 1x im halben Jahr), Kontaktart (persönlich, telefonisch, schriftlich), geographische Entfernung
zwischen den Kontaktpersonen (z.B. bis 10 km, bis 100 km), Beziehungsdauer (z. B. Monate, Jahre)
sowie die Beziehungsqualität (z.B. erfreulich, weniger erfreulich, nicht erfreulich). Bei persönlich
wichtigen und bedeutsamen Personen wird auf das objektive Kriterium der Kontaktfrequenz
verzichtet und stattdessen das Kriterium der subjektiven Einschätzung als persönlich wichtig oder
bedeutsam eingesetzt. Operationalisiert wird »wichtig« mit:
»Wichtig oder bedeutsam können z. B. Personen sein, zu denen Sie eine engere Beziehung haben,
mit denen Sie persönliche Dinge besprechen können, die in irgendeiner Weise hilfreich für Sie
sind« (Baumann, Laireiter, Reisenzein, Feichtinger, Rummerstorfer, Untner, Lettner, Pfingstmann
& Schwarzenbacher; 1992, S. 4).
Daran anschließend wird die Einschätzung der Beziehung nach interaktiven und funktionalen Merkmalen erhoben: Interaktive Merkmale umfassen die Dauer der Beziehung, Häufigkeit,
geographische Entfernung zwischen Netzwerkperson und Befragtem sowie die Kontaktart. Hinsichtlich des affektiven Netzwerks werden emotional positive Beziehungen (Vertraute, Freunde)
und emotional belastende Beziehungen (Ambivalenz-, Konflikt-, Angst-, Kummerbeziehungen)
erhoben. Hinsichtlich des Unterstützungsnetzwerks wird über alle zuvor gelisteten Personen die
erhaltene emotionale Unterstützung ermittelt (Anerkennung; Besonders-Mögen; Sich-VerlassenKönnen). Ferner wird die instumentell-informationale Unterstützung erhoben (Erleichterung;
Informationen; Kleinere - Geldsumme-Leihen; Arbeiten – Abnehmen). Schließlich wird die individuelle Bedeutung einzelner Netzwerkpartner bestimmt (»wichtige« Kontaktpersonen). Evaluative
Parameter erheben die Qualität sozialer Unterstützung und die Zufriedenheit nach verschiedenen
Unterscheidungskriterien (Anzahl; Häufigkeit; Art). SONET umfasst in seiner Gesamtheit 54
Items, was einer Interviewdauer von 75-90 Minuten entspricht (Laireiter, Baumann, Feichtinger,
Reisenzein & Untner, 1997).
Die methodische Qualität von SONET wurde an den Standardversionen (SONET- 3 / N=114;
SONET- 4 / N=196) geprüft. Dafür wurden repräsentative Stichproben gezogen. Die Prüfung
der psychometrischen Charakteristika wurde für die Netzwerk- und Unterstützungsindikatoren
vorgenommen. Die Prüfung der Reliabilität von SONET erfolgte über ein Test-Retest-Verfahren
mit kurzem (5-7 Tage), mittlerem (15-17 Tage) und längerem Abstand (1 Monat, 3 Monate)
zwischen den Messungen. Die Retest-Werte rtt = .70 und rtt = .80 sind als hoch bis sehr hoch
einzuschätzen (Laireiter, Baumann, Feichtigner, Reisenzein & Untner, 1997).
Zur Bestimmung der Validität von SONET wurden Verfahren verwendet zur Feststellung
der internen Validität7 , der Kriteriumvalidität8 , der differentiellen Validität9 . Ferner wurde die
6
7
8
9
vergangenes halbes Jahr
Faktorenanalysen, Vergleich der Interviewform von SONET mit der Fragebogenform.
Vergleich: Selbst- und Fremdbeurteilung.
Unterschiede zwischen verschiedenen Personengruppen nach Alter, Geschlecht, beruflichem Status,
Sozialstatus, Wohnsituation sowie unterschiedlichen Altersgruppen (Kinder, Erwachsene, alte Menschen
).
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Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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Konstruktvalidität10 bestimmt. Zur Bestimmung der klinischen Validität11 wurden verschiedene
Patientengruppen befragt. Insgesamt wird auch die Validität von SONET hoch eingeschätzt (Laireiter, Baumann, Feichtigner, Reisenzein & Untner, 1997). Die Rohdaten wurden unter Annahme
von Intervallskalenniveau kodiert, unter Verwendung computergestützter Verfahren (SPSS-X)
aufbereitet und teststatistisch mittels univariater Varianzanalysen und F-Tests bearbeitet (vgl.
Tabellen 2-13; Bortz, 1984; Bortz & Döring, 1995).
5.4 Datenerhebung
Die Datenerhebung erstreckte sich vom 01.03. bis 31.07.1993 (Duderstadt) und vom 01.03. bis
31.07. 1998 (Fulda). Sie umfasste die Ziehung der Zufallsstichproben, Einholung der Zustimmung
der Studienteilnehmer; die schriftliche Aufforderung zur Teilnahme; Terminfestlegung und Bestätigung, Interviewführung und Ergebisprotokollierung. Auf die Durchführung von Pretests
wurde verzichtet, da diese bei SONET bereits mehrfach durchgeführt worden sind (vgl. Laireiter,
Baumann, Feichtinger, Reisenzein & Untner, 1997).
Mit Zustimmung der Projektleitung der Georg-August-Universität Göttingen (Prof. Dr. med.
H. Pohlmeier) und dem Psychologischen Institut der Paris-Lodron-Universität Salzburg (Prof. Dr.
A.-R. Laireiter), in welchem das Erhebungsinstrument entwickelt wurde, konnte die Befragung
zum »Sozialen Netzwerk und Sozialer Unterstützung« von der Verfasserin geplant, durchgeführt
und ausgewertet werden. Nach Ziehung der Zufallsstichproben wurde jeder Studienteilnehmer vor
Beginn der Erhebung angeschrieben und um eine Mitarbeit gebeten. Ein Bericht in der Lokalpresse
informierte über die Erhebungszeit. Fernmündlich wurde vor Befragungsbeginn der konkrete
Termin vereinbart. Im Falle der Verhinderung wurden zwei Nachtermine vereinbart. Der vorgelegte Datensatz und die Gesamtheit der Auswertungen beziehen sich auf die in Duderstadt und
in Fulda erhobenen Interviews (N = 211). An der Durchführung wirkten je vier Studierende des
Psychologischen Instituts der Universität Göttingen und des Fachbereichs Pflege und Gesundheit
der Fachhochschule Fulda mit. Alle Interviewer absolvierten vorab ein mehrtägiges Interviewertraining in der Abteilung Medizinische Psychologie (Göttingen) bzw. im Fachbereich Pflege und
Gesundheit (Fulda). Die Studieren-den erhielten Instruktionen über den theoretischen Bezugsrahmen und die Durchführung der Studie. Die Befragungen verliefen zeitlich parallel, wodurch
eine kontinuierliche Begleitung und Beratung der Studierenden möglich war. Die Auswertung der
Daten erfolgte in inhaltlich und methodisch getrennten wissenschaftlichen Arbeiten und ohne
Beteiligung durch Dritte.
5.5 Datenanalyse
Die statistische Datenverarbeitung erfolgte mittels des computergestützten Datenanalysesystems
»Superior Performing Software System« (SPSS-X)12 . Im ersten Versuchsabschnitt (Stichprobe1:
Duderstadt) wurden die statistischen Berechnungen von der Autorin im Rechenzentrum der
GWDG m.b.H., Göttingen13 , durchgeführt. Der zweite Teil der Erhebung (Stichprobe 2: Fulda)
wurde an Rechnern der Fachhochschule Fulda und am privaten PC der Autorin ausgewertet.
Vergleiche mit Skalen zur wahrgenommenen und erhaltenen Unterstützung.
depressive, schizophrene, Angst, AIDS- Patienten; somatisch und psychosomatisch Erkrankte.
12
Die Bezeichnung bis 1980 war: »Statistical Package for the Social Sciences«; SPSS; Friede & SchirraWeirich, 1992, S. 11.
13
GWDG m..b.H. = Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung m.b.H., Göttingen
10
11
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– 30 –
Entsprechend der Zielsetzung der Erhebung, generelle Bezüge14 als auch Einzelbezüge15 auf
egozentrierte Netzwerke und emotionale Beziehungen im Alter zu be-stimmen, wurden univariate Varianzanalysen gewählt (Laireiter, Ganitzer & Baumann, 1993, S. 93). Zur Testung der
empirischen Verteilung der Stichprobe mit der theoretischen Verteilung wurde der KolmogorovSmirnov-Test verwendet. Er ergab signifikante Unterschiede zwischen der theoretischen und der
empirischen Verteilung, was die Annahme einer non-parametrischen Verteilung der Stichprobe
bestätigt16 . Nach Bortz (1984) erweisen sich Varianzanalysen als robust und führen »auch dann
zu richtigen Entscheidungen, wenn die Populationsverteilungen erheblich von der Normalität
abweichen«, vorausgesetzt, es handelt sich um hinreichend große Stichproben. Als hinreichend
groß werden Stichproben dann be-zeichnet, wenn die zu untersuchenden Teilstichproben einen
Zahlenwert von N > 15 umfassen. Dies trifft für die vorliegende Erhebung zu (Bortz, 1984, S. 347
– 348). Zur Datenanalyse wurden Kruskal-Wallis H-Tests (für nonparametrische Verteilungen)
und F-Tests gewählt. Die Durchführung der Kruskal-Wallis H- Tests hat die gleichen Werte wie
die F-Tests erzielt. In den Tabellen 2-13 sind folglich lediglich Kennwerte der F-Tests aufgeführt.
Wegen der erforderlichen zahlreichen statistischen Einzelvergleiche17 wurde zur Vermeidung des
Fehlers erster Art eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni eingeführt (5%-Signifikanzniveau:
p <=.0045 bei 11 Einzelvergleichen / Netzwerkparameter und p<= .0035 bei 15 Vergleichen /
Parameter emotionaler und Unterstützungsbeziehungen; Bortz, 1984).
5.6 Zusammenfassung
Beschrieben wurden das statistische Design, der Untersuchungsplan, die Rekrutierung der Zufallsstichprobe sowie der Versuchsablauf der Felduntersuchung. Ferner wurde auf die Methode
der Erhebung von egozentrierten Netzwerken und sozialen Unterstützungsressourcen bei alten
Menschen eingegangen und das standardisierte und strukturierte Interviewinstrument »SONET«
dargestellt (Friede & Schirra-Weirich, 1992).
6 Ergebnisse
Im folgenden Kapitel wird ein Überblick über die deskriptive Statistik der Stichprobe gegeben
(Tabelle 1). Danach folgen univariate Varianzanalysen der egozentrierten Netzwerke, emo-tionaler
Beziehungen und Unterstützungsbeziehungen, unterschieden nach den Parametern Alter, Familienstatus und Wohnform (Kap. 6.1.). Geprüft wird die Frage eines statistisch signifikanten
Zusammenhangs zwischen sozialen Variablen, demographischen Variablen, Netzwerkumfang,
emotionalen und Unterstützungsbeziehungen. Dies erfolgt auf zwei unterschied-lichen Ebenen:
Effekte von Alter, Familienstatus und Wohnform auf die Netzwerk- und Unterstützungsstruktur
(Absolut- und Prozentwerte)
15
Anzahl der einzelnen Effekte (Wohnform, Familienstatus, Alter) auf egozentriertes Netzwerk und
soziale Unterstützungsressourcen.
16
Mit dem Kolmogorov-Smirnov-Test wurde die empirische Verteilung der Variablen »Alter«, »Familienstatus« und »Wohnform« mit der theoretischen Verteilung verglichen. Dabei zeigte sich in allen Fällen
ein hochsignifikantes Ergebnis (2-tailed p <= .000). D.h., die HO-Hypothese, daß kein Unterschied
zwischen der empirischen und der theoretischen Verteilung besteht, musste verworfen werden. Die
jeweils getesteten Variablen entsprechen nicht der Gleichverteilung (Friede & Schirra-Weirich, 1992, S.
230 - 232).
17
11 Netzwerkparameter; 15 Parameter emotionaler Beziehungen und Beziehungen zu Unterstützern.
14
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
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Auf der Ebene der Absolutwerte wird die Zahl der angegebenen Personen pro Netzwerkkategorie
wiedergegeben. Die erhaltenen Kategorienwerte werden sodann auf signifikante Unterschiede
untersucht. Auf der Ebene der Prozentwerte wird die relative Ausprägung jeder Kategorie am
egozentrierten Gesamtnetz berechnet (z. B. der relative Anteil an Vertrauten am Gesamtnetz)18 .
Diese Ausgangswerte werden sodann in die Varianzanalysen einbezogen. Mit der zweiten Berechnungsart werden – in der Netzwerkforschung bislang eher selten – Befunde zur Frage erwartet, ob
und in welcher Weise sich bei Hochaltrigkeit, Verwitwung und Heimaufenthalt, neben reduzierten
Absolutwerten, auch der prozentuale Anteil einzelner Netzwerkkategorien am egozentrierten
Gesamtnetz ändert (Laireiter, Ganitzer & Baumann, 1993, S. 93). Ausschlaggebend für die Beantwortung dieser Frage ist, ob ange-sichts der im Alter zu erwartenden quantitativen Reduktion
egozentrierter Netzwerke der relationale Anteil einzelner Netzwerkkategorien (z. B. Prozentwerte: Freunde; emotional-positive Beziehungen) am egozentrierten Gesamtnetz stabil bleibt. Die
Verfügbarkeit von mindestens einer emotional verbundenen Person (z. B. Freund) gilt in der SocialSupport-Forschung als Prädiktor für Zufriedenheit mit emotionalen Beziehungen (Antonucci,
1985a).
6.1 Deskriptive Ergebnisse
6.1.1 Stichprobenbeschreibung
Die Gesamtstichprobe, die sich aus drei unabhängigen Teilstichproben zusammensetzt, umfasst
211 Personen im Alter zwischen 65 Jahren und 103 Jahren, die zur Befragungszeit ihren ersten
Wohnsitz am Erhebungsort hatten und in Heimen oder im Privathaushalt lebten.
Die Teilstichprobe 1 (n = 91; 43,1 %) entstammt der seit 1988 am Zentrum für Psychosoziale
Medizin der Georg-August-Universität Göttingen durchgeführten prospektiven Alternsstudie
(Welz, Lindner, Klose & Pohlmeier, 1989). Diese gerontologische Feldstudie hat zum Ziel, im
5-Jahres-follow-up die Prävalenz von Depressionen, Demenz, körperlichen Fähigkeitsstörungen
sowie die Frage des Zusammenhangs zwischen körperlichen und psychischen Erkrankungen im
Alter an einer zuvor bestimmten Bevölkerungsregion (catchment area) zu bestimmen. Ausgewählt
wurde die südniedersächsische Kleinstadt Duderstadt aufgrund ihrer geringen Bevölkerungsmobilität und hohen sozialen Stabilität, die auch nach der Wiedervereinigung fortbestand (Welz,
Lindner, Klose & Pohlmeier, 1989; Welz, 1994). Das Melderegister der Stadt Duderstadt wies
im Jahre 1988 1.676 Personen aus, die 65 Jahre oder älter waren und ihren ersten Wohnsitz in
Duderstadt hatten. Aus der Gesamtzahl wurden per er-neuter Zufallsziehung 280 Personennamen
gezogen. Studienteilnehmer, die sich zum Erhebungszeitpunkt in stationärer Behandlung befanden,
wurden aus ethischen und pragmatischen Gründen nicht in die Untersuchung einbezogen. Abzüglich der Probanden, die aufgrund von Adressenänderung, Abwesenheit oder Nichteinwilligung
nicht befragt werden konnten, verblieben 247 Personen, von denen 190 Personen die Interviews
vollständig beantworteten. Während der zweiten Querschnitterhebung wurde erstmalig und zusätzlich das In-terview »Soziales Netzwerk und Soziale Unterstützung« (SONET) aufgenommen
(Baumann, Laireiter, Reisenzein, Feichtinger, Rummerstorfer, Untner, Lettner, Pfingstmann &
Schwarzenbacher, 1992). Zur Zeit der zweiten Querschnitterhebung waren aus der Gesamtstich18
Prozentwerte werden errechnet über die mathematische Operation: Summenwert einer Kategorie
geteilt durch individuelle Gesamtsumme mal 100 (Laireiter, Ganitzer & Baumann, 1993, S. 93). Das
erhaltene Zahlenergebnis bildet den Ausgangswert für die weitere Berechnung von Signifikanzen unter
Verwendung der einfaktoriellen Varianzanalysen und F-Tests (Bortz, 1984, S. 347; Bortz & Döring,
1995; Backhaus, Erichson, Plinke & Weiber, 1996).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 32 –
probe (N = 190) 48 Personen verstorben (25,3 %; n = 34 Frauen, n = 14 Männer), vier Personen
waren verzogen (0,02 %; n = 3 Frauen, n = 1 Mann) und 39 Personen verweigerten die Mitarbeit19
(20,5 %; n = 32 Frauen; n = 7 Männer). Von den verbliebenen 99 Personen (n = 64 Frauen; n = 35
Männer) nahmen 91 Personen vollständig an der Erhebung teil20 . Entgegen der Erwartung lebten
alle 91 Probanden in Privathaushalten. Da eine Vergleichsstudie an in natürlichen Umwelten und
in Heimen lebenden Menschen geplant war, wurde eine weitere Zufallsstichprobe aus den Heimen
von Duderstadt gezogen (Welz, 1994).
Teilstichprobe 2 (n = 58; 48,3 %): Auch die Heimstichprobenziehung erfolgte über das Melderegister von Duderstadt. Nach erfolgter Zustimmung der Heimleitung wurden auf der Grundlage
von Bewohnerlisten per Zufallsziehung 103 Personennamen gezogen, von denen etwas mehr als
die Hälfte die Einschlußkriterien erfüllten (n=58) und vollständig an der Erhebung teilnahmen. 50
Bewohner erfüllten die Einschlußkriterien nicht bzw. verweigerten die Mitarbeit.
Teilstichprobe 3 (n = 62; 51,7 %): Zur Ausbalancierung der Heimbewohnerstichprobe wurde
in Fulda in sechs von insgesamt sieben Heimen im Frühjaht 1998 eine zweite Heimstichprobe
auf der Grundlage von Bewohnerlisten gezogen (n = 78). Fulda als Ort der Zufallsziehung einer
Heimstichprobe bot sich aufgrund der ähnlichen Bevölkerungsstruktur, geographischen Lage
und aufgrund der beruflichen Tätigkeit der Autorin an. Abzüglich der Teilnehmer, die nicht
befragungsfähig waren (n = 13; 16,6 %) und derjenigen, die eine Mitarbeit verweigerten (n = 3; 0,4
%), nahmen vollständig an der Befragung in Fulda 62 Bewohner (79,5 %) teil.
1. Alter der Studienteilnehmer
Der größte Anteil der 211 Personen umfassenden Stichprobe ist im Alter zwischen 75 und 84
Jahren (n = 84; 39,6 %). Etwas weniger als ein Drittel der Gesamtstichprobe ist zwischen 65 und
19
20
Die mündlichen Nachforschungen bezüglich der hohen Verweigerungsrate nach Ablauf von 5 Jahren
zeigten drei Aspekte: (1.) Hochaltrige Probanden fühlten sich gesundheitlich nicht mehr in der Lage,
an einer 70-90 Minuten umfassenden Befragung teilzunehmen; (2.) andere Probanden lebten sozial
stark zurückgezogen und wünschten nicht, daß Außenstehende über sie selbst und ihr soziales Umfeld
Informationen einholten. (3.) Ein weiterer Grund könnte in der Pressemitteilung liegen, in der die
Erhebung der Prävalenz von Depressionen und Demenz genannt wurde. Einige Probanden äusserten
den Interviewern gegenüber die Sorge, sich im Falle eines positiven Befundes in stationäre Behandlung
begeben zu müssen und lehnten trotz Information, daß dies nicht die Absicht der Erhebung sei, die
weitere Mitarbeit ab.
Erhebungsinstrumente der 1. Querschnitterhebung waren: (1.) Eine eingehende allgemeinmedizinische
Erhebung durch einen approbierten Arzt; (2.) Fragen zum Tagesablauf, zur Wohnform, soziodemographische Fragen; (3.) Ein Brief-Assessment-Interview zur Erhebung von depressiven, dementiellen und /
oder körperlichen Erkrankungen (BAI, Weyerer, Platz, Eichhorn, Mann, Ames & Graham, 1988; Weyerer, Geiger-Kabisch, Kröper, Denzinger & Platz ,1990); (4.) Erhebung lebensverändernder Ereignisse
und current social stressors
(Welz, 1994); (5.) Social support-Fragebogen zur Erhebung des Sozialen Netzwerks und der Sozialen
Unterstützung (social support-Fragebogen nach Veiel, 1985 ); (6) Nürnberger Alters-SelbstbeurteilungsSkala (NAS-D), Einzelskala aus dem Nürnberger-Alters-Inventar zur Selbstbeurteilung von Schlaf,
Gedächtnis, Konzentration, Stimmung, körperlicher Leistungsfähigkeit, Appetit; Aktivitäten des täglichen Lebens, sozialen Kontakten, Zufriedenheit (12 Items; Nürnberger-Alters-Selbstbeurteilungs-Skala
D (NAS-D), Einzelskala des Nürnberger-Alters- Inventar / NAI; Oswald & Fleischmann, 1986); (7)
Nürnberger-Alters-Fragebogen (NAF-D), Einzelskala: Nürnberger-Alters-Inventar (NAI) zur Selbsteinschätzung der allgemeinen Befindlichkeit im Alter (32 Items; Oswald & Fleischmann, 1986); (8)
Nürnberger-Alters-Alltags-Skala (NAA-D) Einzelskala aus dem Nürnberger-Alters- Inventar (NAI)
zur Selbsteinschätzung des aktuellen Zustandes (Aktivitäten des täglichen Lebens; Mobilität; Sehfähigkeit, Gedächtnis; soziale Kontakte (20 Items; Oswald & Fleischmann, 1986; Welz, 1994).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 33 –
74 Jahre alt (n = 62; 29,4 %) und zwischen 85 und 94 Jahre alt ( n = 60; 28,4 %). Eine kleine Anzahl
der Teilnehmer ist zwischen 95 und 103 Jahren (n = 5; 2,4 %; vgl. Tabelle 1).
Unterteilt man die Gesamtstichprobe in die Teilgruppen junge Alte (65-79 Jahre) und Hochaltrige (80 Jahre oder älter), so zählt knapp die Hälfte der Studienteilnehmer zur Gruppe der jungen
Alten (n =101; 47,9 %) und etwas mehr als die Hälfte zur Gruppe der Hochaltrigen (n =110; 52,1
%; Baltes, Horgas, Klingenspor, Freund & Carstensen, 1996; Field & Minkler, 1988; Palmore,
1968; vgl. Tabelle 1).
2. Familienstand
Etwas mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer ist zum Erhebungszeitpunkt verwitwet (n= 111;
52,6 %). Ein Viertel der Stichprobe ist verheiratet oder lebt in Partnerschaft (n = 54; 25,6 %).
Ledig sind zum Befragungszeitpunkt weniger als ein Fünftel der Studienteilnehmer (n = 38; 18,5
%). Geschieden sind 7 Personen (3,3 %; vgl. Tabelle 1).
3. Wohnform
Zum Befragungszeitraum lebt etwa die Hälfte der Stichprobe im Privathaushalt (43,1 %; n= 91)
und etwas mehr als die Hälfte im Heim (n = 120; 56,9 %). Die Gruppe der Bewohner besteht zu
74,8 % (n = 89) aus weiblichen Personen und zu 25,26 % (n = 30) aus männlichen Personen. Im
Umkehrschluß überwiegen im Privathaushalt männliche Personen gegenüber weiblichen (Männer:
n = 33 / 52,4 % von N=64 ; Frauen: n = 58 / 39,5 % von N=147).
6.2 Inferenzstatistische Ergebnisse
Im folgenden werden der Netzwerkumfang, die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke sowie einzelne Parameter emotionaler Beziehungen und Unterstützungsbeziehungen, unter-schieden
nach den Variablen Alter, Familienstand und Wohnform, auf signifikante Unterschiede untersucht.
6.2.1 Effekte sozialer Variablen auf egozentrierte Netzwerke
1. Absolutwerte
1.1. Junge Alte versus Hochaltrige
Junge Alte (n = 96; 45,5 %) verfügen im mittleren Wert über 13,7 Personen im egozentrierten
Gesamtnetz. Hochaltrige Personen (46,4 %; n = 98) verfügen mit 11,3 Personen im mittleren
Wert über kleinere egozentrierte Netzwerke als die Gruppe der jungen Alten (p <=.006). Beim
alpha-adjustierten statistischen Vergleich von elf Netzwerkparametern zu Umfang und Zusammensetzung der egozentrierten Netzwerke junger Alter und hochaltriger Personen ergeben sich
vier Effekte (36,4 %): Hochaltrige Personen verfügen seltener über einen Partner (Partnerin) im
egozentrierten Netz (p <=.000), über im eigenen Haushalt lebende Personen (p <=.002) und (sonstige) unterstützenden Personen (p <= .002). Ferner verfügen Hochaltrige seltener über Vereinsund Clubpersonen (p <=.002). Im Umkehrschluß verfügen Hochaltrige in Heimen häufiger über
Kontaktpersonen aus dem Heim (p <=.000). Keine Effekte ergeben sich hinsichtlich der Variablen
Kinder, Verwandte, Nachbarn, Freizeitpersonen, Helfer und Heimpersonal (vgl. Tabelle 2).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 34 –
Tabelle 2: Rollennetzwerk junger Alter (65-79 Jahre) und Hochaltriger (80-103 Jahre):
Effekte auf die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwert / M; Standardabweichung / SD im Rollennetzwerk;
F-Tests; Anzahl der Netzwerkpersonen).
Junge Alte
1
Variable
n %
Netzwerkumfang
99 (46,9)
Hochaltrige
1
M
SD
n %
13.70
6.59
98 (46,4)
M
11.26
SD
5.53
P2
F (df)
F (1,192) = 7.84
.006
Partner / Ehepartner
99 (46,9)
0.35
0.48
98 (46,4)
0.09
0.29
F (1,195) = 21.35
.000
Kinder
99 (46,9)
1.32
1.43
98 (46,4)
1.60
1.77
F (1,195) = 1.48
n.s.
Im Haushalt lebende Personen
96 (45,5)
0.60
0.97
98 (46,4)
0.21
0.71
F (1,192) = 10.30
.002
Verwandte
96 (45,5)
5.56
3.81
98 (46,4)
4.19
3.67
F (1,192) = 6.50
.n.s
Nachbarn
96 (45,5)
2.25
5.77
98 (46,4)
1.07
1.65
F (1,192) = 3.78
n.s
Vereins- / Clubpersonen
96 (45,5)
1.07
2.17
98 (46,4)
0.33
0.95
F (1,192) = 9.71
.002
Freizeitpersonen
96 (45,5)
0.46
1.26
98 (46,4)
0.56
1.98
F (1,192) = 0.19
n.s.
Professionelle Helfer
96 (45,5)
1.05
1.48
96 (45,5)
1.47
1.87
F (1,190) = 2.93
n.s.
Bezugspersonen im Altenheim
96 (45,5)
0.63
1.36
98 (46,4)
1.71
2.46
F (1,192) = 14.53
.000
Heimpersonal als
Kontaktpersonen
96 (45,5)
0.59
1.96
95 (45,0)
0.74
1.71
F (1,189) = 0.29
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen. D.h., die oben
angegebenen Werte geben jeweils nur die Ergebnisse an, die das Signifikanzniveau von mindestens p<=.0045 erreichen..
1.2. Verwitwete versus Verheiratete: Effekte auf die Zusammensetzung der Netzwerke
Die Absolutwerte der egozentrierten Netzwerke von verwitweten Studienteilnehmern zeigen
bei elf statistischen Vergleichen vier Effekte: Der Umfang egozentrierter Netzwerke im Alter
differiert in Abhängigkeit vom Familienstand (p <=.002). Mit 15,2 Personen im mittleren Wert
verfügen Verheiratete / mit Partner Lebende (n = 46; 21,8 %) im Vergleich zu allein-lebenden
Personen (n = 113; 53,6 %; Verwitwete / Geschiedene / Ledige; p <=.002) über einen größeren
Netzwerkumfang: Verwitwete und geschiedene Studienteilnehmer verfügen im mittleren Wert
über 11,7 Personen; ledige Studienteilnehmer verfügen mit 11,5 Personen über die vergleichsweise
kleinsten Netzwerke.
Verwitwete verfügen erwartungsgemäß seltener über einen Partner (p <=.000) und auch seltener
über im eigenen Haushalt lebende Personen (p <=.000). Über Kinder im egozentrierten Netz
verfügen Ledige seltener als Verwitwete und Verheiratete (p <=.000). Die Vergleichsgruppen
unterscheiden sich nicht signifikant hinsichtlich der Anzahl bestimmter informeller Netzwerkpersonen (Verwandte, Nachbarn, Vereins- und Freizeitpersonen, Kontaktpersonen im Heim) und
formeller Netzwerkpersonen (Heimpersonal, weitere Helferberufe). Der posteriori durchgeführte
Gruppenvergleich zwischen den einzelnen Gruppen zeigt, daß sich lediglich Ledige in bezug auf
Kinder im egozentrierten Netz signifikant von den Vergleichsgruppen unterscheiden (p <=.000;
Tabelle 3). Ohne Alpha-Adjustierung zeigen die Befunde, daß Verheiratete / mit Partner Lebende
in ihren egozentrierten Netzwerken über mehr Verwandte verfügen als Alleinlebende (p <=.006).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 35 –
Tabelle 3: Rollennetzwerk Verwitweter und Verheirateter: Effekte auf die Zusammensetzung der egozentrierten Netzwerke
(Univariate Varianzananalysen; Gruppenvergleiche von »ledig« vs. »verheiratet / mit Partner
lebend« vs. »verwitwet / geschieden«): Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) im
Rollennetzwerk; F-Tests; Anzahl der Netzwerkpersonen.
Ledige
Variable
n 1%
M (SD)
Verheiratete / mit
Partner Lebende
n 1%
M (SD)
Verwitwete /
Geschiedene
n 1%
M (SD)
113 (53,6)
6.11 5.76
F (2, 191) = 6.32
002
F (df)
p2
Netzwerkumfang / Ledige /
Verheiratete, mit.Partner
Lebende/Verwitwete/
Geschiedene
35 (16,6) 11.46
46 (21,8)
15.22 (6.00)
Partner/Ehepartner
37 (17,5) 0.00 (0.00)
47 (22,3)
0.68 (0.47)
113 (53,6) 0.00 (0.00)
F (2, 194) = 59.21
000
Kinder
37 (17,5) 0.00 (0.00)
47 (22,3)
1.77 (1.73)
113 (53,6) 1.79 (1.58)
F (2, 194) = 19.97
000
Im Haushalt lebende
Personen
35 (16,6) 0.20 (0.63)
46 (21,8)
1.07 (1.22)
113 (53,6) 0.20 (0.58)
F (2, 191)= 21.00
000
Verwandte
35 (16,6) 4.00 (2.89)
46 (21,8)
6.39 (3.83)
113 (53,6) 4.52 (3.88)
F (2, 191) = 5.33
n.s.
Nachbarn
35 (16,6) 1.60 (2.97)
46 (21,8)
1.72 (2.45)
113 (53,6) 1.65 (5.11)
F (2, 191) = 0.01
n.s.
Vereins-/ Clubpersonen
35 (16,6) 0.43 (1.15)
46 (21,8)
0.98 (1.98)
113 (53,6) 0.66 (1.72)
F (2, 191) = 1.08
n.s.
Freizeitpersonen
35 (16,6) 0.14 (0.43)
46 (21,8)
1.02 (2.83)
113 (53,6) 0.42 (1.15)
F (2, 191) = 3.30
n.s.
Professionelle Helfer
34 (16,1) 1.09 (1.56)
46 (21,8)
1.00 (1.67)
112 (53,0) 1.42 (1.74)
F (2, 189) = 1.21
n.s.
Kontaktpersonen im Heim
35 (16,6) 1.49 (1.36)
46 (21,8)
0.74 (2.67)
113 (53,6) 1.26 (1.94)
F (2, 191) = 1.53
n.s.
Heimpersonal als
34 (16,1) 0.68 (1.82)
46 (21,8)
0.30 (1.21)
111 (52,6) 0.81 (2.04)
F (2, 188) = 1.24
n.s.
Kontaktpersonen
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen. D.h., die oben
angegebenen Werte geben jeweils nur die Ergebnisse an, die das Signifikanzniveau von mindestens p<=.0045 erreichen.
A posteriori durchgeführte Einzelvergleiche mittels F-Tests ergaben, daß sich die Mittelwerte der Gruppen der „Ledigen" und der
„Verwitweten / Geschiedenen" signifikant von der Gruppe der „Verheirateten / mit Partner Lebenden" unterscheiden.
A posteriori durchgeführte Einzelvergleiche mittels F-Tests ergaben, daß sich die Mittelwerte
der Gruppen der »Ledigen« und der »Verwitweten / Geschiedenen« signifikant von der Gruppe
der »Verheirateten / mit Partner Lebenden« unterscheiden.
3. Heimbewohner und im Privathaushalt lebende Personen: Effekte auf die
Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke
Der mittlere Wert egozentrierter Netze von im Privathaushalt lebenden Menschen (n = 77; 36,5
%) liegt mit 14,7 Personen höher als bei Heimbewohnern (n = 117; 55,5 %), die im mittleren Wert
über 11,0 Personen (p <=.000) verfügen. Bei insgesamt elf statistischen Vergleichen der einzelnen
Netzwerkparameter von Heimbewohnern und im Privathaushalt Lebenden ergaben sich acht
hochsignifikante Effekte (p <=.000). Im Alter verfügen im Privathaushalt lebende Personen demnach über größere egozentrierte Netzwerke (p <=.000) und über mehr unterstützende Personen
(p <=.000) als Heimbewohner. Ferner verfügen im Privathaushalt lebende Personen häufiger über
einen (Ehe-) Partner (p <=.000) und über im eigenen Haushalt wohnende Personen (p <=.000).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 36 –
Darüberhinaus enthalten die Netzwerke der im Privathaushalt lebenden Personen häufiger Verwandte (p <=.000) und Vereinspersonen (p <= .000). Keine Effekte ergeben sich hinsichtlich
der Kinder und Freizeitpersonen im Netzwerk von im Privathaushalt bzw. im Heim lebenden
Studienteilnehmern. Reduzierte Kontakte im Nahbereich alter Menschen (Verwandte, Nachbarn)
können den Befunden zufolge durchaus kompensiert werden durch die in der Institution Heim
vorfindbaren sozialen Beziehungen zu professionellen Helfern (Pflegepersonal, Arzt, Seelsorger)
und Heimmitbewohnern: So verfügen Bewohner häufiger über Kontakte zum Personal (p <=.000),
zu professionellen Helfern (p <=.000) und Heimmitbewohnern (p <=.000) im Unterschied zur
Vergleichsgruppe (Tabelle 4).
Tabelle 4: Rollennetzwerk von Heimbewohnern und im Privathaushalt Lebender: Effekte
auf die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwerte (M), Standardabweichungen (SD) im Rollennetzwerk; F-Tests; Anzahl der Netzwerkpersonen).
Privathaushalt
Altenheim
Variable)
n1 %
M
SD
n1%
M
SD
Netzwerkumfang
Privathaushalt/ Altenheim
77 (36,5)
14.69
6.94
117 (55,5)
11.0
5.16
F (df)
p2
F(1, 192) =17.97
.000
Partner/Ehepartner
80 (38,0)
0.38
0.49
117 (55,5)
0.12
0.33
F (1, 195) = 19.44
.000
Kinder
80 (38,0)
1.74
1.66
117 (55,5)
1.27
1.56
F (1, 195) = 4.00
n.s.
Im Haushalt lebende
Personen
77 (36,5)
1.00
1.14
117 (55,5)
0.02
0.13
F (1, 192) = 86.17
.000
Verwandte
77 (36,5)
6.75
4.22
117 (55,5)
3.63
2.89
F (1, 192) = 37.40
.000
Nachbarn
77 (36,5)
2.32
2.98
117 (55,5)
1.21
4.88
F (1, 192) = 3.20
.000
Vereins-/Clubpersonen
77 (36,5)
1.30
2.29
117 (55,5)
0.30
1.00
F (1, 192) = 17.31
.000
Freizeitpersonen
77 (36,5)
0.58
1.44
117 (55,5)
0.46
1.80
F (1, 192) = 0.25
n.s.
.000
Professionelle Helfer
77 (36,5)
0.51
0.66
115 (54,5)
1.77
1.97
F (1, 190) = 29.17
Bezugspersonen im Heim
77 (36,5)
0.00
0.00
117 (55,5)
1.91
2.36
F (1, 192) = 47.09
.000
Heimpersonal als
Kontaktpersonen
77 (36,5)
0.00
0.00
114 (54,0)
1.11
2.27
F (1, 189) = 18.47
.000
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni
vorgenommen. D.h., die oben angegebenen Werte geben jeweils nur die Ergebnisse an, die das Signifikanzniveau von
mindestens p<=.0045 erreichen.
2. Prozentwerte
2. 1. Junge Alte und Hochaltrige: Effekte auf die Zusammensetzung egozentrierter Netze
Bei 10 statistischen Vergleichen unterscheidet sich das Rollennetzwerk der Hochaltrigen hinsichtlich des relationalen Anteils einzelner Netzwerkkategorien am Gesamtnetz durch drei Effekte:
Hochaltrige verfügen in ihrem Rollennetzwerk seltener über persönlich nahestehende Netzwerkpersonen wie (Ehe-) Partner (p <=.000) und im eigenen Haushalt lebende Personen (p <=.001). Im
Umkehrschluß verfügen Heimbewohner relativ häufiger über Kontaktperso-nen aus dem Heimsektor (p <=.000). Keine signifikanten Gruppenunterschiede ergeben sich im relationalen Anteil
der Netzwerkkategorien »Kinder«, »professionelle Helferberufe«, »unterstützende Personen«
sowie »Vereins- und Clubpersonen« (Tabelle 5). Ohne Alpha-Adjustierung zeigen die Ergebnisse,
daß Hochaltrige seltener in ihren Netzwerken eigene Kinder (p <=.049), sonstige Unterstützungs-
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– 37 –
personen (p <=.045), Vereins- und Clubpersonen (p <=.026) wahrnehmen, hingegen häufiger
professionelle Helfer (p <=.034).
Tabelle 5: Rollennetzwerk junger Alter und Hochaltriger: Effekte auf die Zusammensetzung egozentrierter Netze
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwerte (M) und Standardabweichung (SD) im Rollennetzwerk; F-Tests; prozentualer Anteil der genannten Bezugspersonen am Gesamtnetzwerk).
Junge Alte
Variable
1
n (%)
M
Hochaltrige
SD
1
n (%)
M
SD
F (df)
p2
Partner/Ehepartner %
97 (45,9)
3.14
4.99
97 (45,9)
0.83
3.26
F (1, 192) = 14.64
.000
Kinder %
97 (45,9)
10.77
13.25
97 (45,9)
14.93
15.91
F (1, 192) = 3.93
n.s.
im Haushalt lebende Personen %
94 (44,5)
5.05
8.16
97 (45,9)
1.54
5.17
F (1, 189) = 12.74
.001
Verwandte %
94 (44,5)
41.38
22.38
97 (45,9)
36.36
25.46
F (1, 189) = 2.09
n.s.
Nachbarn %
94 (44,5)
11.75
16.30
97 (45,9)
9.22
13.68
F (1, 189) = 1.35
n.s.
Vereins-/ Clubpersonen %
94 (44,5)
6.81
13.43
97 (45,9)
3.09
9.05
F (1, 189) = 5.06
n.s.
Freizeitpersonen %
94 (44,5)
3.19
7.99
97 (45,9)
3.20
9.47
F (1, 189) = 0.00
n.s.
Professionelle Helfer %
94 (44,5)
9.03
14.27
95 (45,0)
14.17
18.48
F (1, 187) = 4.58
n.s.
Bezugspersonen im Heim %
94 (44,5)
4.98
11.12
97 (45,9)
15.81
19.97
F (1, 189) = 21.27
.000
Heimpersonal als Kontaktpersonen %
94 (44,5)
3.62
9.27
94 (0,45)
6.40
14.22
F (1, 187) = 2.51
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen. D.h.,
die oben angegebenen Werte geben jeweils nur die Ergebnisse an, die das Signifikanzniveau von p<=.0045 übersteigen.
2. 2. Verwitwete und Verheiratete: Effekte auf die Netzwerkzusammensetzung
Der relative Anteil einer Netzwerkkategorie am personalen Gesamtnetz von verwitwerten,
ledigen, geschiedenen und verheirateten Personen im Alter zeigt bei insgesamt zehn statistischen
Gruppenvergleichen vier Effekte:Verwitwete verfügen – was selbstevident ist – signifikant seltener
über einen Partner (p <=.000). Darüber hinaus verfügen Verwitwete aber auch seltener über im eigenen Haushalt lebende Personen (p <=.000) und über Verwandte im individuellen Gesamtnetz (p
<=.006). Hingegen verfügen Verwitwete signifikant häufiger über nichtfamiliale Kontaktpersonen
aus dem Heimbereich (p <=.002). Keine Effekte zwischen den Vergleichsgruppen ergeben sich
hinsichtlich der Netzwerkkategorie »Verwandte«, »Nachbarn«, »Vereins- und Clubpersonen«,
»Freizeitpersonen« und »professionelle Helfer«. Der posteriori durchgeführte Gruppenvergleich
zwischen Verwitweten / Geschiedenen, Verheirate-ten / mit Partner Lebenden und Ledigen ergab
erwartungsgemäß, daß sich Ledige in bezug auf Kinder im egozentrierten Netz signifikant von
den Vergleichsgruppen der Verheirateten und Verwitweten unterscheiden (p <=.000; vgl. Tabelle
6). Die nicht alpha-adjustierten
Befunde zeigen, daß bei Verwitweten und Ledigen der relative Netzwerkanteil »professionelle
Helfer« häufiger vertreten ist als dies bei verheirateten Studienteilnehmern der Fall ist (p <=.050).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 38 –
Tabelle 6: Rollennetzwerk Verwitweter und Verheirateter: Effekte auf die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke
(Univariate Varianzananalysen; Vergleich des relationalen Anteils der einzelnen Netzwerkkategorien am egozentrierten Gesamtnetz lediger, verheirateter / mit Partner lebender, verwitweter
und geschiedener Personen im Alter (Prozentwerte); Mittelwerte/ M und Standardabweichung
/ SD im Rollennetzwerk; F-Tests).
Ledige
Variable
n 1(%)
M (SD)
Verheiratete /
mit Partner
n1
M (SD)
Verwitwete /
Geschiedene
N 1(%)
F (df)
p2
Partner/Ehepartner %
37 (17,5)
0.53 (2.34) 46
Kinder %
37 (17,5)
1.17 (4.53) 46 12.99 (14.71) 111 (52,6) 16.69 (15.03) F (2, 191) = 18.07 .000
Im Haushalt lebende Personen %
35 (16,6)
1.41 (4.38) 45
Verwandte %
35 (16,6) 36.16 (21.87) 45 42.42 (20.60) 111 (52,6) 38.22 (25.98)
F (2, 188) = 0.75
n.s.
Nachbarn %
35 (16,6) 11.27 (14.77) 45 12.05 (16.15) 111 (52,6)
9.57 (14.73)
F (2, 188) = 0.50
n.s.
Vereins-/ Clubpersonen %
35 (16,6)
4.65 (12.12) 45
6.25 (13.31) 111 (52,6)
4.46 (10.62)
F (2, 188) = 0.40
n.s.
Freizeitpersonen %
35 (16,6)
1.69 (5.66) 45
3.71 (8.67) 111 (52,6)
3.46 (9.56)
F (2, 188) = 0.64
n.s.
Professionelle Helfer %
34 (16,1) 11.88 (16.80) 45
6.44 (12.92) 110 (52,1) 13.65 (17.65)
F (2, 186) = 3.05
n.s.
Bezugspersonen im Altenheim %
35 (16,6) 16.55 (16.91) 45
3.64 (13.45) 111 (52,6) 11.34 (17.64)
F (2, 188) = 6.30 .002
Heimpersonal als Kontaktpersonen %
34 (16,1)
5.77 (13.91) 45
5.46 (5.37) 111 (52,6)
M (SD)
8.21 (8.90) 111 (52,6)
1.91 (6.35) 109 (51,7)
1.03 (3.62) F (2, 191) = 23.89 .000
1.85 (5.85) F (2, 188) = 17.16 .000
6.05 (13.06)
F (2, 185) = 1.98
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund von fehlenden Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
A posteriori durchgeführte Einzelvergleiche mittels F-Tests ergaben, daß sich die Mittelwerte der Gruppen der "Ledigen" und
der Verwitweten / Geschiedenen" signifikant von der Gruppe der "Verheirateten/mit Partner" unterscheiden.
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen.
D.h., die oben angegebenen Werte geben jeweils nur die Ergebnisse an, die das Signifikanzniveau von p<=.005 übersteigen.
3. 3. Heimbewohner und im Privathaushalt Lebende: Effekte auf die Zusammensetzung
egozentrierter Netzwerke
In bezug auf zehn untersuchte Netzwerkrollen zeigen sich bei Heimbewohner und im Privathaushalt lebenden Studienteilnehmern sieben hochsignifikante Effekte bezüglich des relativen
Anteils einzelner Netzwerkkategorien am Gesamtnetz (vgl. Tabelle 6). Heimbewohner verfügen
demnach seltener über Ehepartner / Partner (p <=.001), über im Haushalt leben-de Personen (p
<=.000), Verwandte (p <=.000), Nachbarn (p <=.000) und über Vereins- und Clubpersonen (p
<=.002). Demgegenüber zeigen die Befunde, daß Heimbewohner relativ häufiger das Netzsegment
»professionelle Helfer« (p <=.000) und »Kontaktpersonen im Heim« (p <=.000) wahrnehmen als
im Privathaushalt lebende Studienteilnehmer (vgl. Tab.7).
6.2.2 Effekte sozialer Variablen auf emotionale Beziehungen
Emotionale Beziehungen werden im folgenden untergliedert in »emotional - positive Unterstützungsbeziehungen« (8 Variablen), »subjektiv belastende Beziehungen« (4 Variablen) und in
»instrumentell-informationale Unterstützungsbeziehungen« (3 Variablen; vgl. Tabellen 9-14). Die
Gruppe der emotional-positiven Unterstützungsbeziehungen wird ferner unterteilt in die Gruppe
emotional-positiver Unterstützungspersonen (Vertraute, Freunde, Bekannte, sonstige unterstützende Personen) und in die Gruppe emotional-positiver Unterstützungsressourcen (Anerkennung-
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 39 –
Tabelle 7: Rollennetzwerk von Heimbewohnern und im Privathaushalt lebenden Studienteilnehmern: Effekte auf die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke
(Univariate Varianzananalysen; Gruppenvergleich; Mittelwert / M; Standardabweichung / SD;
F-Tests; prozentualer Anteil der genannten Bezugspersonen am Gesamtnetzwerk).
Privathaushalt
Variable
1
n (%)
M
Altenheim
SD
Partner / Ehepartner %
80 (37,9)
3.17
4.97
Kinder %
80 (37,9)
13.30
13.64
Im Haushalt lebende Personen %
77 (36,5)
7.94
9.22
Verwandte %
77 (36,5)
46.70
Nachbarn %
77 (36,5)
Vereins-/ Clubpersonen %
Freizeitpersonen %
1
n (%)
114 (54,0)
M
SD
F (df)
p2
1.16
3.68 F (1, 192) = 10.52
.001
114 (54,0) 12.53
15.54 F (1, 192) = 0.13
n.s.
0.11
0.85 F (1, 189) = 81.38
.000
22.25
114 (54,0) 33.52
23.88 F (1, 189) = 14.77
.000
15.66
17.06
114 (54,0)
6.95
12.41 F (1, 189) = 16.67
.000
77 (36,5)
8.00
13.68
114 (54,0)
2.84
9.34 F (1, 189) = 9.62
.002
77 (36,5)
3.65
8.73
114 (54,0)
2.88
8.79 F (1, 189) = 0.35
n.s.
Professionelle Helfer %
77 (36,5)
4.87
12.04
112 (53,0) 16.25
17.85 F (1, 187) = 23.84
.000
Bezugspersonen im Heim %
77 (36,5)
1.56
11.59
114 (54,0) 16.51
17.58 F (1, 192) = 47.09
.000
Heimpersonal als Kontaktpersonen %
77 (36,5)
0.00
0.00
2.27 F (1, 189) = 18.47
.000
114 (54,0)
114(54,0)
1.11
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen. D.h., die oben
angegebenen Werte geben jeweils nur die Ergebnisse an, die das Signifikanzniveau von p<=.0045 übersteigen.
Wahrnehmen, Sich-Gemocht-Fühlen, Sich-Verlassen-Können, Erleichterung-Wahrnehmen). Die
Gruppe der belastenden Beziehungen umfasst Ambivalenzpersonen, Konfliktpersonen, Angstpersonen und Kummerpersonen. Zur Gruppe der instrumentell-informationalen Unterstützung zählen Informationen und Hinweise-Geben, Geldbeträge-Leihen und Kleinere-Arbeiten-Abnehmen.
Alle Gruppierungsvariablen wurden getrennt nach den Variablen »Alter«, »Familienstand« und
»Wohnform« untersucht. Die Variablen Wohnform (p <=.000); Familienstand (p <=.002) und
Alter (p <=.006) zeigen hochsignifikante bzw. signifikante Effekte auf den Netzwerkumfang (vgl.
Tabelle 2 - 4). Hinsichtlich der Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke ergeben sich in den
Absolutwerten die meisten Effekte bei Heimbewohnern / im Privathaushalt Lebenden (7 Effekte),
verwitweten / verheirateten Personen (4 Effekte) und bei jungen Alten / Hochaltrigen (4 Effekte;
vgl. Tabellen 8-13).
1. Absolutwerte
1.1. Emotionale Beziehungen bei jungen Alten und Hochaltrigen21
Bei fünfzehn statistischen Vergleichen der emotionalen Beziehungen junger Alter (65-79 J.) und
Hochaltriger (80 –103 J.) zeigt sich nach Einführung der Alpha-Adjustierung lediglich ein Effekt:
Hochaltrige nehmen weniger Unterstützer wahr als junge Alte (65-79 J.; p <=.002; vgl. Tab.8). Die
nicht-alphaadjustierte Berechnung ergibt, daß Hochaltrige weniger emotional-positive Beziehungen wahrnehmen (Anerkennung; p <=.016), Sich Gemocht – Fühlen; (p < =.007) und weniger
21
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p <=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni
vorgenommen. D.h., die oben angegebenen Werte geben jeweils nur die Werte an, die das Signifikanzniveau von mindestens p<=.0035 erreichen.
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 40 –
unterstützende Personen (p <=.045) wahrnehmen. Im Umkehrschluß nehmen junge Alte häufiger
belastende Beziehungen wahr (Konfliktpersonen; p <=.013).
Tabelle 8: Emotionale Beziehungen bei jungen Alten und Hochaltrigen
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwerte / M, Standardabweichungen / SD; F-Tests; Anzahl unterstützender Rollen, emotional-positiver Beziehungen, belastender Beziehungen und
instrumentell-informationaler Beziehungen; N=211).
Junge Alte
Variable
n %
Hochaltrige
M
SD
n%
M
SD
F (df)
p2
Vertraute
96 (45,5)
0.82
1.80
98 (46,45)
0.87
1.80
F (1, 192) = 0.03
n.s.
Freunde
96 (45,5)
1.27
1.97
97 (45,97)
0.86
1.98
F (1, 191) = 2.13
n.s.
Bekannte
96 (45,5)
1.01
1.86
98 (46,45)
0.91
1.75
F (1, 192) = 0.16
n.s.
Unterstützende Personen
69 (32,7)
10.04
6.74
61 (29,0)
6.70
4.91
F (1,128) = 10.18
.002
Anerkennung-Wahrnehmen
96 (45,5)
6.85
6.45
96 (45,50)
4.90
5.72
F (1, 190) = 4.96
.n.s.
Sich-Gemocht-Fühlen
96 (45,5)
4.02
4.14
96 (45,50)
2.64
2.70
F (1, 190) = 7.54
n.s.
Sich-Verlassen-Können
96 (45,5)
3.08
3.43
96 (45,50)
2.90
3.48
F (1, 190) = 0.14
n.s.
Erleichterungen wahrnehmen
96 (45,5)
2.55
2.61
97 (45,97)
2.86
2.72
F (1, 191) = 0.63
n.s.
Ambivalenzpersonen
96 (45,5)
0.29
1.03
95 (45,0)
0.15
0.48
F (1, 189) = 1.54
n.s.
Konfliktpersonen
96 (45,5)
0.19
0.53
95 (45,0)
0.04
0.20
F (1, 189) = 6.26
n.s.
Angstpersonen
96 (45,5)
0.10
0.42
95 (45,0)
0.02
0.14
Kummerpersonen
96 (45,5)
0.34
0.94
96 (45,5)
0.27
Informationen und Hinweise
96 (45,5)
2.55
3.03
97 (46,0)
2.40
Geldbeträge leihen
96 (45,5)
1.77
2.29
97 (46,0)
1.37
Arbeit abnehmen
96 (45,5)
1.76
1.78
97 (46,0)
1.87
F (1, 189) = 3.30
n.s.
0.86
F (1, 190) = 0.31
n.s.
2.78
F (1, 191) = 0.13
n.s.
1.39
F (1, 191) = 2.15
n.s.
2.18
F (1, 191) = 0.14
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p <=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni
vorgenommen. D.h., die angegebenen Werte geben jeweils nur Ergebnisse an, die das Signifikanzniveau von p <=.0035 übersteigen.
1.2. Emotionale Beziehungen bei Verwitweten und Verheirateten
Die alpha-adjustierten Berechnungen ergaben bei fünfzehn statistischen Vergleichen der Unterstützungsressourcen von verwitweten, verheirateten, ledigen und geschiedenen Studienteilnehmern
drei hochsignifikante Effekte. Verheiratetete nehmen häufiger emotional-positive Beziehungen
in Form von Anerkennung (p <=.000), Sich-Gemocht-Fühlen (p <=.000) und Sich - Verlassen Können (p <=.000) wahr als Ledige und Verwitwete (vgl. Tabelle 9). Die nicht-alphaadjustierten
Berechnungen ergeben ferner, daß Verheiratete häufiger Erleichterung wahrnehmen als ledige und
verwitwete Studienteilnehmer (p <=.011).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 41 –
Tabelle 9: Emotionale Beziehungen bei Verwitweten und Verheirateten
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwerte / M, Standardabweichung / SD; F-Tests; Anzahl unterstützender Rollen, emotional-positiver Beziehungen, belastender Beziehungen und
instrumentell-informationaler Beziehungen; N=207).
Ledige
Variable
n
M (SD)
Verheiratete/
mit Partner
n
M (SD)
Verwitwete/
Geschiedene
N
M (SD)
F (df)
p2
Vertraute
35 (16,9 %) 1.17 (1.85) 46 (22,2 %) 0.78 (2.02) 113 (54,6 %) 0.77 (1.69)
F (2,191) = 0.70
n.s.
Freunde
35 (16,9 %) 1.06 (2.73) 46 (22,2 %) 1.48 (2.13) 112 (54,1 %) 0.89 (1.61)
F (2,190) = 1.43
n.s.
Bekannte
35 (16,9 %) 1.11 (2.05) 46 (22,2 %) 1.20 (2.17) 113 (54,6 %) 0.81 (1.54)
F (2,191) = 0.89
n.s.
unterstützende Personen
18 (8,7 %) 6.28 (4.87) 41 (19,8 %) 9.80 (5.36)
F (2, 127) = 2.18
n.s.
Anerkennung-
34 (16,1 %) 5.74 (5.50) 46 (22,2 %) 9.30 (7.46) 112 (54,1 %) 4.51 (5.19)
F(2,189) = 10.93 .000
Sich-Gemocht-Fühlen
34 (16,1 %) 3.44 (3.71) 46 (22,2 %) 5.17 (5.33) 112 (54,1 %) 2.54 (2.02)
F (2,189) = 9.84 .000
71 (34,3 %) 8.27 (6.74)
Sich-Verlassen-Können
34 (16,1 %) 3.35 (4.28) 46 (22,2 %) 4.15 (4.80) 112 (54,1 %) 2.40 (2.18)
F (2,189) = 9.84 .000
Erleichterung-
35 (16,9 %) 2.83 (2.43) 46 (22,2 %) 3.09 (3.49) 112 (54,1 %) 2.51 (2.32)
F (2,189) = 4.60
n.s.
Ambivalenzpersonen
34 (16,1 %) 0.35 (0.85) 46 (22,2 %) 0.20 (0.62) 111 (53,6 %) 0.19 (0.86)
F (2,188) = 0.57
n.s.
Konfliktpersonen
34 (16,1 %) 0.12 (0.41) 46 (22,2 %) 0.13 (0.40) 111 (53,6 %) 0.11 (0.41)
F (2,188) = 0.05
n.s.
Angstpersonen
34 (16,1 %) 0.06 (0.24) 46 (22,2 %) 0.07 (0.33) 111 (53,6 %) 0.06 (0.34)
F (2,188) = 0.00
n.s.
Kummerpersonen
34 (16,1 %) 0.24 (0.89) 46 (22,2 %) 0.28 (0.86) 112 (54,1 %) 0.34 (0.93)
F (2,189) = 0.20
n.s.
Informationen
35 (16,9 %) 2.89 (2.61) 46 (22,2 %) 3.02 (4.52) 112 (54,1 %) 2.13 (1.97)
F (2,190) = 2.01
n.s.
Geldbeträge leihen
35 (16,9 %) 1.83 (2.64) 46 (22,2 %) 1.74 (1.95) 112 (54,1 %) 1.42 (1.58)
F (2,190) = 0.86
n.s.
Arbeit abnehmen
35 (16,9 %) 1.63 (1.59) 46 (22,2 %) 1.96 (2.63) 112 (54,1 %) 1.81 (1.80)
F (2,190) = 0.27
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen. D.h., die oben
angegebenen Werte geben jeweils nur die Werte an, die das Signifikanzniveau von mindestens p<=.0035 erreichen.
1.3. Emotionale Beziehungen bei Heimbewohnern und im Privathaushalt Lebenden
Die alpha-adjustierten Analysen von fünfzehn unterschiedlichen Unterstützungsressourcen bei
Heimbewohnern und in Privathaushalten lebenden Befragten zeigen drei Effekte: In natürlichen
Lebenswelten lebende Menschen im Alter nehmen signifikant häufiger emotional positive Beziehungen wahr als Bewohner: In Privathaushalten lebende Personen nehmen häufiger Freunde (p
<=.000 ), unterstützende Personen (p <=.000) und Anerkennung wahr (p <=.004) als Heimbewohner (vgl. Tabelle 10). Nicht alpha-adjustierte Analysen ergeben, daß Bewohner seltener gute
Bekannte (p <=.040) und emotional-positive Beziehungen wahrnehmen (Anerkennung: p <=.004;
Gemocht-Fühlen: p <=.029) und häufiger belastende Beziehungen wahrnehmen (Ambivalenz: p
<=.028), als dies im Privathaushalt lebende Personen angeben.
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 42 –
Tabelle 10: Emotionale Beziehungen bei Heimbewohnern und im Privathaushalt Lebenden
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwerte / M, Standardabweichungen / SD; F-Tests; Anzahl unterstützender Rollen, emotional-positiver Beziehungen, belastender Beziehungen und
instrumentell-informationaler Beziehungen; N=211).
Privathaushalt
Variable
n1%
M
Altenheim
SD
n1%
M
SD
P2
F (df)
Vertraute
77 (36,5)
0.74
2.05
117 (55,5)
0.91
1.61
F (1, 192) =
0. 44
n.s.
Freunde
77 (36,5)
1.94
2.71
116 (55,0)
0.48
0.94
F (1, 191) = 28.35
.000
Bekannte
77 (36,5)
1.29
2.15
117 (55,5)
0.74
1.50
F (1, 192) =
4.28
n.s.
Unterstützende Personen
77 (36,5)
10.51
6.69
53 (25,1)
5.53
3.72
F (1, 128) = 24.16
.000
Anerkennung-Wahrnehmen
77 (36,5)
7.43
7.19
115 (54,5)
4.83
5.13
F (1, 190) =
8.51
n.s.
Sich-Gemocht-Fühlen
77 (36,5)
4.01
4.46
115 (54,5)
2.87
2.72
F (1, 190) = 4.87
n.s.
Sich-Verlassen-Können
77 (36,5)
3.49
4.06
115 (54,5)
2.65
2.94
F (1, 190) =
n.s.
2.77
Erleichterung wahrnehmen
77 (36,5)
2.61
2.79
116 (55,0)
2.77
2.59
F (1, 191) = 0.16
n.s.
Ambivalenzpersonen
77 (36,5)
0.06
0.30
114 (54,0)
0.32
1.00
F (1, 189) = 4.89
n.s.
Konfliktpersonen
77 (36,5)
0.16
0.43
114 (54,0)
0.09
0.39
F(1, 189) = 1,29
n.s.
Angstpersonen
77 (36,5)
0.05
0.28
114 (54,0)
0.07
0.34
F (1, 189) =
0.15
n.s.
Kummerpersonen
77 (36,5)
0.27
0.84
115 (54,5)
0.33
0.94
F (1, 190) =
0.19
n.s.
Informationen / Hinweise
77 (36,5)
2.56
3.18
116 (55,0)
2.42
2.71
F (1, 191) =
0.10
n.s.
Geldbeträge leihen
77 (36,5)
1.86
2.20
116 (55,0)
1.38
1.65
F (1, 191) =
2.96
n.s.
Arbeit abnehmen
77 (36,5)
2.04
1.94
116 (55,0)
1.66
2.02
F (1, 191) =
1.65
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p <=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen. D.h., die oben angegebenen Werte geben jeweils nur die Werte an, die das Signifikanzniveau von mindestens p <=.0035 erreichen.
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 43 –
2. Prozentwerte
2. 1. Emotionale Beziehungen bei jungen Alten und Hochaltrigen
Der alpha-adjustierte statistische Vergleich des relativen Anteils einzelner Unterstützungskategorien am Gesamtnetz von jungen Alten und Hochaltrigen zeigt bei fünfzehn Vergleichen keine
Effekte. Ohne Alpha-Adjustierung zeigen die Befunde, daß Hochaltrige weniger Anerkennung (p
<=.016) und weniger Unterstützungspersonen wahrnehmen als junge Alte (p <=.045, Tabelle 11).
Tabelle 11: Emotionale Beziehungen bei jungen Alten und Hochaltrigen
Junge Alte
1
Hochaltrige
1
M
SD
n %
Vertraute %
96 (45,5)
6.10
12.58
98 (46,4)
7.01
14.30
F (1, 192) = 0.22
n.s.
Freunde %
96 (45,5)
9.88
15.50
97 (46,0)
6.60
12.80
F (1, 191) = 2.57
n.s.
Unterstützende Personen %
69 (32,7)
68.20
25,51
61 (28,9)
58,26
30.33
F (1,128) = 4.12
n.s.
Bekannte %
96 (45,5)
5.97
9.82
98 (46,4)
7.37
13.52
F (1, 192) = 0.68
n.s.
Anerkennung %
96 (45,5)
49.29
36.73
95 (45,0)
37.09
32.63
F (1, 189) = 5.89
n.s.
Sich-Gemocht-Fühlen %
96 (45,5)
30.20
26.95
95 (45,0)
24.19
23.51
F (1, 189) = 2.70
n.s.
Sich-Verlassen-Können %
96 (45,5)
25.40
25.39
95 (45,0)
26.79
24.86
F (1, 189) = 0.14
n.s.
Erleichterung %
96 (45,5)
21.93
22.91
97 (46,0)
26.44
23.99
F (1, 191) = 1.78
n.s.
Ambivalenzpersonen %
96 (45,5)
2.16
7.29
95 (45,0)
1.27
3.89
F (1, 189) = 1.09
n.s.
Konfliktpersonen %
96 (45,5)
1.44
5.20
95 (45,0)
0.49
2.42
F (1, 189) = 2.63
n.s.
n
M
SD
F (df)
p2
%
Variable
Angstpersonen %
96 (45,5)
1.32
6.54
95 (45,0)
0.22
1.53
F (1, 189) = 2.52
n.s.
Kummerpersonen %
96 (45,5)
2.95
8.13
96 (45,5)
2.65
8.45
F (1, 190) = 0.06
n.s.
Informationen %
96 (45,5)
21.50
23.28
97 (46,0)
21.54
21.00
F (1, 191) =.0.00
n.s.
Geldbeträge leihen %
96 (45,5)
15.11
21.72
97 (46,0)
12.25
12.89
F (1, 191) = 1.24
n.s.
Arbeit abnehmen %
96 (45,5)
15.52
18.55
97 (46,0)
17.22
19.55
F (1, 191) = 0.39
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p<=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenomment.
D.h., die oben angegebenen Werte geben jeweils nur die Werte an, die das Signifikanzniveau von p <=.0035 übersteigen.
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Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 44 –
2. 2. Emotionale Beziehungen bei verwitweten und verheirateten Studienteilnehmern
Nach Einführung der Alpha-Adjustierung zeigen die Ergebnisse der fünfzehn statistischen Analysen der Unterstützungsressourcen von verheirateten / mit Partner lebenden und verwitweten, ledigen und geschiedenen Studienteilnehmern, daß Anerkennung als prozentualer Anteil
emotional-positiver Beziehungen am Gesamtnetz häufiger von Verheirateten wahrgenommen
wird als von Ledigen und Verwitweten (p <=.003; vgl.Tab.12). Die nicht alpha-adjustierten Analysen ergeben keine Effekte.
Tabelle 12: Emotionale Beziehungen bei Verwitweten und Verheirateten
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwerte / M, Standardabweichungen / SD / F-Tests; prozentualer Anteil emotional-positiver Beziehungen, belastender Beziehungen, informationalinstrumenteller Unterstützung am egozentrischen Gesamtnetz)
Ledige
Variable
n 1(%)
M (SD)
Verheiratete/
mit Partner
n 1(%)
M (SD)
Verwitwete/
Geschiedene
n 1(%)
M (SD)
F (df)
p2
Vertraute %
35 (16,9)
8.79 (14.95)
46 (21,8)
4.48 (11.29)
113 (53,6)
6.72 (13.76) F (2, 191) = 1.04
n.s.
Freunde %
35 (16,9)
7.76 (14.99)
46 (21,8)
9.46 (13.47)
112 (53,1)
7.87 (14.45) F (2, 190) = 0.22
n.s.
Unterstützende Personen %
18 ( 8,5) 54.05 (29.11)
71 (33,6) 65.70 (29.29) F (2, 127) = 1.24
n.s.
7.73 (13.65)
41 (19,4) 63.96 (25.61)
Bekannte %
35 (16,9)
Anerkennung %
34 (16,1) 45.02 (35.37)
45 (21,3) 57.86 (37.52)
46 (21,8)
6.24 (9.88)
112 (53,1) 36.80 (32.57) F (2, 189) = 6.11 .003
113 (53,6)
6.53 (12.03) F (2, 191) = 0.18
n.s.
Sich-Gemocht-Fühlen %
34 (16,1) 28.67 (29.04)
45 (21,3) 34.33 (32.41)
112 (53,1) 23.90 (20.15) F (2, 188) = 2.83
n.s.
Sich-Verlassen-Können %
34 (16,1) 29.56 (28.89)
45 (21,3) 27.35 (27.55)
112 (53,1) 24.53 (22.81) F (2, 188) = 0.60
n.s.
Erleichterung %
35 (16,9) 25.94 (24.97)
46 (21,8) 22.08 (25.64)
112 (53,1) 24.52 (22.26) F (2, 190) = 0.29
n.s.
Ambivalenzpersonen %
34 (16,1)
2.82 ( 7.61)
46 (21,8)
1.05 (3.12)
111 (52,6)
1.66 (6.10) F (2, 188) = 0.91
n.s.
Konfliktpersonen %
34 (16,1)
0.64 ( 2.17)
46 (21,8)
0.75 (2.41)
111 (52,6)
1.15 (4.99) F (2, 188) = 0.29
n.s.
Angstpersonen %
34 (16,1)
0.51 ( 2.08)
46 (21,8)
0.38 (1.80)
111 (52,6)
1.01 (6.05) F (2, 188) = 0.35
n.s.
Kummerpersonen %
34 (16,1)
2.82 (11.03)
46 (21,8)
1.56 (4.04)
112 (53,1)
3.30 (8.60) F (2, 189) = 0.72
n.s.
Information %
35 (16,9) 26.18 (24.95)
46 (21,8) 20.81 (27.03)
112 (53,1) 20.35 (18.71) F (2, 190) = 0.96
n.s.
Geldbeträge leihen %
35 (16,9) 15.15 (22.89)
46 (21,8) 12.44 (18.17)
112 (53,1) 13.71 (15.98) F (2, 190) = 0.23
n.s.
Arbeit abnehmen %
35 (16,9)
46 (22,2)
112 (54,1)
n.s.
1.63 ( 1.59)
1.96 ( 2.63)
1.81 ( 1.80) F (2,190) = 0.27
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die jeweiligen Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p <=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen.
D.h., die oben angegebenen Werte geben jeweils nur die Werte an, die das Signifikanzniveau von mindestens p <=.0035 erreichen.
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Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 45 –
2. 3. Emotionale Beziehungen bei Bewohnern und in Privathaushalten lebenden Personen
Nach Einführung der Alpha-Adjustierung zeigen die fünfzehn statistischen Analysen des relativen
Anteils einzelner Unterstützungskategorien von Heimbewohnern und in natürlichen Lebensumwelten lebende Studienteilnehmer am egozentrierten Gesamtnetz einen hochsignifikanten Effekt:
In Privathaushalten lebende Studienteilnehmer nehmen häufiger emotional-positive Beziehungen (Freunde; p <=.000) wahr als Heimbewohner (vgl. Tabelle 13). Die nicht alpha-adjustierten
Berechnungen zeigen ferner, daß Heimbewohner relativ weniger (sonstige) unterstützende Personen in ihren Unterstützungsnetzwerken wahrnehmen als im Privathaushalt lebende Personen (p
<=.004) und weiter, daß Heimbewohner häufiger be-lastende Beziehungen wahrnehmen als dies
im Privathaushalt Lebende (p <=.014).
Tabelle 13: Emotionale Beziehungen bei Heimbewohnern und im Privathaushalt Lebenden
(Univariate Varianzananalysen; Mittelwert / M, Standardabweichung / SD; F-Tests; prozentualer Anteil unterstützender Rollen emotional-positiver -, belastender Beziehungen und
instrumentell-informationaler Beziehungen; N=211).
Privathaushalt
Variable
n1%
M
Altenheim
SD
n1%
M
SD
F (df)
p2
Vertraute %
77 (36,5)
5.20
13.79
117 (55,5)
7.46
13.21
F (1, 192) = 1.32
n.s.
Freunde %
77 (36,5)
12.75
16.35
116 (55,0)
5.23
11.84
F (1, 191) = 13.70
.000
Bekannte %
77 (36,5)
7.82
12.77
117 (55,5)
5.93
11.15
F (1, 192) = 1.19
n.s.
Unterstützende Personen %
77 (36,5)
69.40
26.33
53 (25,1)
55.02
28.92
F (1, 128) = 8.64
n.s.
Anerkennung-Wahrnehmen %
77 (36,5)
48.90
37.84
114 (54,0)
39.39
32.91
F (1, 189) = 3.40
n.s.
Sich-Gemocht-Fühlen %
77 (36,5)
27.84
28.21
114 (54,0)
26.78
23.45
F (1, 189) = 0.08
n.s.
Sich-Verlassen-Können %
77 (36,5)
25.85
26.66
114 (54,0)
26.25
24.05
F (1, 189) = 0.01
n.s.
Erleichterung %
77 (36,5)
20.22
23.35
116 (55,0)
26.83
23.34
F (1, 191) = 3.71
n.s.
Ambivalenzpersonen %
77 (36,5)
0.46
2.02
114 (54,0)
2.57
7.28
F (1, 189) = 6.15
n.s.
Konfliktpersonen %
77 (36,5)
1.14
3.94
114 (54,0)
0.85
4.19
F (1, 189) = 0.24
n.s.
Angstpersonen %
77 (36,5)
0.28
1.46
114 (54,0)
1.11
6.05
F (1, 189) = 1.38
n.s.
Kummerpersonen %
77 (36,5)
2.00
5.64
115 (54,5)
3.34
9.63
F (1, 190) = 1.21
n.s.
Informationen %
77 (36,5)
18.88
21.99
116 (55,0)
23.27
22.11
F (1, 191) = 1.84
n.s.
Geldbeträge leihen %
77 (36,5)
14.73
20.56
116 (55,0)
12.97
15.85
F (1, 191) = 0.45
n.s.
Arbeit abnehmen %
77 (36,5)
16.77
19.79
116 (55,0)
16.12
18.59
F (1, 191) = 0.05
n.s.
Informationen %
96 (45,5)
21.50
23.28
97 (46,0)
21.54
21.00
F (1, 191) = 0.00
n.s.
Geldbeträge leihen %
96 (45,5)
15.11
21.72
97 (46,0)
12.25
12.89
F (1, 191) = 1.24
n.s.
Anmerkungen:
1
Aufgrund fehlender Daten addieren sich die Fallzahlen nicht auf den Gesamtstichprobenumfang von N = 211.
2
Bei der Festlegung des Signifikanzniveaus auf p <=.05 wurde eine Alpha-Adjustierung nach Bonferroni vorgenommen. D.h., die oben
angegebenen Werte geben jeweils nur die Werte an, die das Signifikanzniveau von mindestens p <=.0035 erreichen.
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 46 –
6.3 Zusammenfassung
Zur statistischen Prüfung der Frage eines Zusammenhangs zwischen sozialen Variablen, Netzwerkparametern und Parametern emotionaler Beziehungen wurden an elf Netzwerkparametern
und fünfzehn Parametern emotionaler Beziehungen22 univariate Varianzanalysen, Kruskal - Wallis H - Tests23 und F - Tests durchgeführt. Zur Vermeidung des Fehlers erster Art wurde eine
Alpha-Adjustierung (Bonferroni-Test) vorgenommen. Im folgenden werden dem-nach nur Effekte aufgeführt, die nach eingeführter Alpha-Adjustierung zumindest das 5 %-Signifikanzniveau
erreichen. Bei Einzelvergleichen an elf Netzwerkparametern entspricht dies dem Signifikanzniveau
von mindestens p <=.0045 (vgl. Tabellen 2 - 7); bei fünfzehn Parametern emotionaler Beziehungen
und Unterstützung entspricht dies dem Signifikanzniveau von p <=.0035 (vgl. Tabellen 8 - 13).
Tabelle 14 zeigt die in Kapitel 3 formulierten Hypothesen und stellt dar, in wieweit diese auf der
vorliegenden Datenbasis bestätigt bzw. verworfen wurden.
Tabelle 14: Hypothesengetreue Befunde
Hypothesen
Befund
Tabelle
____________________________________________________
________
__________________
1.
Hochbetagte, verwitwete und in Heimen lebende Personen verfügen über
nicht
Tab. 3 / Tab. 4 /
kleinere und anders zusammengesetzte egozentrierte Netzwerke als junge
falsifiziert
Tab..5 / Tab. 6 /
Alte, Verheiratete und in privaten Haushalten lebende Personen.
2.
3.
Tab.7 / Tab. 8
Emotional – positive Beziehungen nehmen im Alter häufiger verheiratete
nicht
als verwitwete Personen wahr
falsifiziert
Egozentrierte Netzwerke von hochaltrigen, verwitweten und in Heimen
nicht
lebenden Menschen zeigen stärkere Einbußen (Absolut- und Prozent-werte)
falsifiziert
im Rollennetz als im Bereich emotional-positiver Unterstützungsbeziehungen.
Tab. 10 / Tab. 13
Tab. 3 – Tab 14
Tab. 3 / Tab. 5 /
falsifiziert:
Tab. 6 / Tab. 8
Kinder
Bei der Prüfung der Netzwerkparameter auf Normalverteilung ergab der Kolmogorov-Smirnov-Test ein
hochsignifikantes Ergebnis
(2-tailed p <= .000). Folglich wurden für die statistischen Berechnungen univariate Varianzanlaysen
für nonparametrische Verteilungen verwendet (Friede & Schirra-Weirich, 1992, S. 230-232). Die Berechnungen der 3 untersuchten Variablen auf ihre Wirkungen in Absolut- und Prozentwerten bezüglich 11
Netzwerkparametern und 15 Parametern emotionaler und informational-instrumenteller Beziehungen
ergeben insgesamt 153 Vergleiche (3x11+3x10+3x15+3x15). Zur Vermeidung des Fehlers erster Art
wurde eine Alpha-Adjustierung (Bonferroni-Adjustierung) vorgenommen.
23
Die Durchführung der Kruskal-Wallis H-Tests erzielte dieselben Kennwerte wie die F-Tests, sodaß auf
die Abbildung der Datenwerte der Kruskal-Wallis H-Tests verzichtet werden konnte.
22
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 47 –
6.3.1 Generelle Bezüge
Generelle Bezüge wurden an den drei Variablen »Alter«, »Familienstand« und Wohnform bestimmt24 . Die Ergebnisse zeigen, daß der Netzwerkumfang mit allen drei untersuchten Variablen in
einem signifikanten Zusammenhang steht, wobei dieser jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt ist:
Die Wohnform zeigt die stärkste Auswirkung (p <=.000) auf den Netzwerkumfang, gefolgt vom
Familienstand (p <=.002). Das Alter wirkt sich vergleichsweise gering auf den Netzwerkumfang
aus (p <=.006). In bezug auf die Zusammensetzung egozentrierter Netzwerke zeigt sich die gleiche
Rangfolge: Die Wohnform ergibt in den Absolut-werten die meisten Effekte (19 Effekte), gefolgt
vom Familienstand (12 Effekte) und dem Alter (9 Effekte). Hinsichtlich der Personvariablen
ergeben sich die meisten Effekte in nicht-verwandtschaftlichen Beziehungen (17 Effekte). Deutlich
weniger Effekte ergeben verwandtschaftliche Beziehungen (9 Effekte). Die Effekte aus formellen
Netzwerkbeziehungen er-geben sich allesamt aus der Wohnform (3 Effekte).
Die Analyse der emotionalen und Unterstützungsbeziehungen der untersuchten Gruppen ergibt bei 90 Vergleichen insgesamt nur wenige Effekte(8 Effekte): Signifikante Ergebnisse ergeben
sich allein im Bereich der emotional-positiven Beziehungen. Vier Effekte zeigen sich in Verbindung
mit dem Familienstand, drei Effekte ergeben sich durch die Wohnform und ein Effekt ergibt sich
in Verbindung mit dem Alter. Keine Effekte ergeben belastende Beziehungen sowie informationalinstrumentelle Beziehungen (0 Effekte). Zusammengefasst lassen die Befunde erkennen, daß das
Alter nur einen mäßig starken Einfluß auf egozentrierte Netzwerke und emotionale Beziehungen
ausübt; die Mehrheit der Effekte resultiert aus der Wohnform und dem Familienstand. Ferner
ergeben sich im Alter weit mehr Effekte durch die Struktur egozentrierter Netzwerke und nur
wenige durch emotionale Beziehungen.
6.3.2 Einzelbezüge
Bei 153 statistischenVergleichen (78 Vergleiche zu Absolutwerten; 75 Vergleiche zu Prozentwerten)
ergeben sich nach Einführung der 5 %- Alpha-Adjustierung 40 Effekte (26,15 %). Ohne AlphaAdjustierung ergeben sich 44 Effekte (28,76 %). Die Berechnungen der Abolutwerte ergeben 24
signifikante Ergebnisse (30,8 %), die der Prozentwerte ergeben hingegen lediglich 16 Effekte (21,3
%).
Statistische Einzelvergleiche ergeben bezüglich des Umfangs und der Zusammensetzung des
egozentrierten Netzwerks bei jeweils 21 statistischen Vergleichen 16 Befunde (76,1 %) in bezug
auf die Wohnform, wobei sich neun Effekte (42,8 %) im Absolutbereich und sieben Effekte (33,3
%), d.h. etwas weniger, im Prozentbereich ergeben. Der Familienstand ergibt acht Effekte (38,1
%), wobei je vier Effekte (19,1 %) auf den Absolutbereich und den Prozentbereich (19,1 %)
entfallen. Das Alter wirkt sich mit acht Effekten (38,1 %) auf das Rollennetz aus: Fünf Effekte
(23,8 %) ergeben sich im Absolutbereich und drei Effekte (14,3 %) im Prozentbereich. Aus der
Datenbasis ist zu folgern, daß sich die Reduktion egozentrierter Netzwerke im Alter stärker in den
Absolutwerten widerspiegelt als in den Prozentwerten (Absolutwerte: 27 Effekte; Prozentwerte:19
Effekte), wobei sich nur der Familienstand gleich-mäßig auf Absolut- und Prozentwerte auswirkt
(Laireiter, Ganitzer & Baumann, 1993).
24
Nicht dargestellt sind im vorliegenden Text die statistischen Ergebnisse hinsichtlich des Elternstatus
(4 Effekte) und des Vorliegens einer Depression (0 Effekte). Hierüber soll an anderer Stelle berichtet
werden.
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 48 –
1. Einzelbezüge in Absolut- und Prozentwerten Ein knappes Drittel der Befunde zeigt sich in
den Absolut- wie auch in den Prozentwerten und ist als stabiler Datenwert25 einzuschätzen (16
Effekte von insgesamt 42 Effekten).
Die Zusammensetzung des Rollennetzwerks der Heimbewohner zeigt die meisten Unterschiede:
Heimbewohner verfügen seltener über (Ehe-) Partner, Verwandte, Nachbarn, Vereins- und Clubpersonen. Hinsichtlich der emotionalen Beziehungen zeigt sich, daß Heimbewohner signifikant
weniger emotional-positive Beziehungen wahrnehmen als in Privathaushalten lebende Personen.
Im Umkehrschluß sind in den egozentrierten Netzen von Bewohnern mehr professionelle Helfer
und Kontaktpersonen aus dem Heim enthalten, sodaß angenommen wer-den kann, daß diese
Netzwerkgruppen auch beziehungsstiftende Funktionen übernehmen. Im Rollennetzwerk zeigt
sich, daß Verwitwete und Hochaltrige über weniger informelle Unterstützungspersonen im egozentrierten Netz verfügen (Partner, im Haushalt lebende Personen) als Verheiratete und junge Alte.
Ferner ergeben die Datenwerte, daß Verwitwete am wenigsten emotional - positive Beziehungen
(persönliche Anerkennung) wahrnehmen (vgl. Tab. 13). Der Begriff Anerkennung beinhaltet neben
persönlicher Wertschätzung immer auch die Anerkennung / Wertschätzung des gesellschaftlichen
Status der betreffenden Person (Prahl & Schroeter, 1996). Verwitwete entbehren demnach mehr
als andere altersgleichen Gruppen persönliche wie auch gesellschaftliche Anerkennung. Die egozentrierten Netzwerke der Verwitweten zeigen ferner, daß erwachsene Kinder als zuverlässige
Bereitsteller von sozialer Unterstützung häufiger vorhanden sind als in den Netzwerken von
Verheirateten: Ihr prozentualer Anteil übersteigt sogar die Zahlenwerte von verheirateten Personen (mittlerer Wert der Netzwerkkategorie »Kinder« am Gesamtnetz: bei Verwitweten: 16,7; bei
Verheirateten: 13,0).
2. Einzelbezüge in Absolutwerten des Rollennetzwerks
Einzeleffekte in Absolutwerten des Rollennetzwerks zeigen ebenfalls ein differentielles Bild: So
verfügen Hochaltrige über weniger informelle Netzwerkpersonen (Freizeitpersonen) als junge
Alte; Bewohner verfügen hingegen über mehr formelle Netzwerkpersonen (Heimpersonal) als in
privaten Haushalten lebende Personen.
3. Die Einzelbezüge in Prozentwerten des Rollennetzwerks
Die Zahlenwerte der Verwitweten und Ledigen zeigen prozentual deutlich mehr Kontaktpersonen aus dem Heimbereich als Verheiratete angeben (Verwitwete: 11.34%; Ledige: 16,55 %;
Verheiratete: 3.64 %). Aufgrund des Datenmaterials kann angenommen werden, daß defizitäre
Rollennetzwerke im Alter durchaus auch kompensiert werden können. Auch zeigen die Daten,
daß Hochaltrige und Verwitwete häufiger über nicht-verwandtschaftliche Netzwerkpersonen
verfügen als junge Alte und Verheiratete (Heimmitbewohner, Heimpersonal).
4. Einzelbezüge im Bereich der Absolutwerte emotionaler Beziehungen
Einzeleffekte in Absolutwerten emotionaler und unterstützender Beziehungen werden vor
allem durch den Familienstand und die Wohnsituation moderiert, wohingegen das biographi-sche
Alter nur schwache Auswirkungen auf die emotionale Beziehungen zeigt. Die Daten zeigen, daß
Hochaltrige und Heimbewohner weniger unterstützende Personen nennen als junge Alte und im
Privathaushalt Lebende. Die Daten zeigen ferner, daß Verwitwete und Bewohner seltener über
emotional-positive Beziehungen verfügen: Verwitwete nehmen weniger persönliche Anerkennung,
Sich-Gemocht-Fühlen und Sich-Verlassen-Können wahr als Verheiratete.
5. Einzelbezüge in den Prozentwerten emotionaler Beziehungen ergeben die Befunde nicht.
25
Stabil werden Befunde dann bezeichnet, wenn sowohl die Absolutwerte als auch die Prozentwerte
derselben Parameter Effekte aufweisen (Laireiter, Ganitzer & Baumann, 1993).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 49 –
6. Keine Einzelbezüge in Absolut- und Prozentwerten im Bereich des Rollennetzwerks bei
Hochaltrigen / jungen Alten und Verwitweten / Verheirateten ergeben sich hinsichtlich informeller
Netzwerkpersonen (Kinder, Verwandte, Nachbarn, Freizeitpersonen). Bei Hochaltrigen zeigen
sich ebenfalls keine Effekte bezüglich formeller Netzwerkpersonen (Heimpersonal, weitere Helferberufe). Bei Heimbewohnern bzw. im Privathaushalt Lebenden bleiben die Datenwerte von
Kindern und Freizeitpersonen als Netzwerkpersonen stabil.
Im Bereich der emotionalen Beziehungen zeigen die Daten, daß die überwiegende Mehrzahl der
emotionalen Beziehungen (emotional positive, belastende, informational-instrumentelle Beziehungen) keine Gruppenunterschiede aufweisen. D.h. unter Berücksichtigung des biographischen Alters,
des Familienstandes und der Wohnform bleiben emotionale Beziehungen im Alter mehrheitlich
stabil.
7 Diskussion
Die vorliegende Untersuchung zeigt, daß sich egozentrierte Netzwerke und emotionale Beziehungen im Alter nicht konform verhalten, sondern abhängig von weiteren sozialen Einflußvariablen
ein sehr unterschiedliches Bild aufweisen. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse erneut die Notwendigkeit, Gerontologie – und hier spezifisch die Sozialgerontologie – unter einer differenziellen
Perspektive zu betrachten (vgl. Mayer, Baltes, Baltes, Borchelt, Delius, Helmchen, Linden, Smith,
Staudinger, Steinhagen-Thiessen & Wagner, 1996, S. 612; Lehr, 1996). Im folgenden werden die
Hauptergebnisse, gegliedert nach den drei Untersuchungshypothesen, konkreter erörtert:
In Übereinstimmung mit Hypothese 1 konnte bestätigt werden, daß hochbetagte, verwitwete
und in Heimen lebende Personen über kleinere und anders zusammengesetzte egozentrierte Netzwerke verfügen als junge Alte, Verheiratete und in privaten Haushalten lebende Personen. Dabei
ergab sich der interessante Befund, daß das biographische Alter die vergleichsweise geringsten
Auswirkungen auf die Gestaltung der Netzwerke sowie auf die emotionalen Beziehungen hatte.
Hochaltrige unterschieden sich hinsichtlich ihrer sozialen Ressourcen nur in wenigen Netzwerkparametern von den jungen Alten. Als weitaus bedeutsamer erwiesen sich hingegen die untersuchten
Variablen Wohnform und Familienstand. So ergaben sich abhängig von der Wohnform deutliche
Unterschiede dergestalt, daß die befragten Heimbewohner in ihren egozentrierten Netzwerken
und emotionalen Beziehungen weniger Nachbarn, Vereins- und Clubpersonen, Verwandte, unterstützende Personen und Freunde angeben; andererseits Kontaktpersonen aus dem Heimbereich,
Heimpersonal und andere Helferberufe des egozentrierten Netzwerkes nennen. Der Verlust von
Verwandtenbeziehungen läßt sich vor dem Hintergrund sozialgerontologischer Befunde interpretieren, wonach in Verbindung mit Individualisierungstendenzen in modernen Gesellschaften
auch Menschen im Alter sich aktiv aus Verwandtenbeziehungen zurückziehen, sofern diese nicht
aufgrund defizitärer Unterstützungsstrukturen existentiell notwendig sind (Lee, 1979). Sozialgerontologischen Studien zufolge wird im Alter oftmals auf derartige Beziehungen verzichtet, da
Verwandtenbeziehungen auf der Grundlage von Verpflichtungsgefühlen bestehen und erhebliche
psychische Kosten beim alten Menschen verursachen können, z. B., wenn von Verwandten ein
Bedarf nach sozialer Unterstützung unterstellt wird und bei der betreffenden Person das Gefühl
des Angewiesenseins auf andere Selbstwertgefühl und Autonomiebestreben gefährden (Prahl &
Schroeter, 1996; Mayer & Baltes, 1996). Denkbar ist, daß auch auf seiten der Angehörigen ein
Rückzug stattfindt, weil sie die alten Menschen aufgrund der Institutionalisierung als formal
hinreichend versorgt ansehen und auch mögliche Schwellenängste bestehen (Wagner, Schütze &
Lang, 1996). Andererseits ist jedoch auch zu berücksichtigen, daß das Fehlen verwandtschaftli-
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Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 50 –
cher Beziehungen bzw. die Brüchigkeit der Netzwerke schon im vorhinein zur Heimaufnahme
beigetragen haben könnte (Crohan & Antonucci, 1989).
Der Verlust von Freundschaften im Alter wird ebenfalls in anderen sozialgerontologischen
Studien belegt (Fischer, 1982 ; Crohan & Antonucci, 1989). Ein Blick auf die Dynamik von Freundschaftsbeziehungen zeigt, daß für die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Freundschaften –
anders als bei Verwandtenbeziehungen – gegenseitige Wahlentscheidungen, symmetrische Beziehungen, Sympathie, gemeinsame Interessen und Lebensstil sowie Reziprozität bestimmend sind.
Freundschaften erhöhen das Selbstwertgefühl beider Partner (Fischer,1982; Prahl & Schroeter,
1996, S. 110; Antonucci & Jackson, 1986, p. 14). An Grenzen stoßen Freundschaften vor allem
dann, wenn sich eine Asymmetrie der sozialen Beziehungen entwickelt und die Balance zwischen
Geben und Nehmen ihr Gleichgewicht verliert. Z.B., wenn längerfristig mehr emotionale Beziehung erwartet als anderen gegeben wird, wie dies bei Heimbewohnern oftmals der Fall ist
(Antonucci & Jackson, 1986; Fischer, 1982).
Zusammenfassend lässt sich für die Gruppe der Heimbewohner feststellen, daß bei ihnen
im Vergleich zu den Studienteilnehmern aus Privathaushalten weniger informelle Beziehungen
bestehen, gleichwohl aber ein Zuwachs an formellen Beziehungen zu verzeichnen ist. Beide Beziehungstypen unterscheiden sich insofern, als formelle Beziehungen eine nur begrenzte Dauer
beanspruchen und eine andere Gesprächsform erfordern, als wenn nur mal »vorbei-geschaut« wird.
Ferner sind informelle Beziehungen wie z.B. Freundschaften im Alter stärker multifunktional
ausgerichtet als formelle Beziehungen (Wagner, Schütze & Lang, 1996, S. 317): Neben konkreter
Unterstützungleistungen wird über alltägliche Gespräche, kleine Gesten, Aufmerksamkeiten, die
wenig Aufwand erfordern sozusagen »nebenbei« immer auch persönliche Anerkennung vermittelt.
Persönliche Anerkennung enthält die beiden Komponenten »persönliche Wertschätzung« und
»Status-Vermittlung« (Prahl & Schroeter, 1996, S. 73). Im Alter wird beiden Teilaspekten von
persönlicher Anerkennung eine hohe Schutzfunktion zugeschrieben (vgl. Schutzschildhypothese;
Pufferungshypothese; Cohen & Wills; 1985; Cobb, 1976; Hurrelmann, 1994). Informelle Unterstützung geht mit selbstwertstabilisierende Effekten einher und polstert negative Folgewirkungen,
z.B. von emotionaler Ein-samkeit, ab (Wagner, Schütze & Lang, S. 311). Der Verlust an informellen
Beziehungen (Freundschaften, nachbarliche Kontakte, Verwandtenbeziehungen) bei den Heimbewohnern geht also mit dem Verlust bestimmter Beziehungssegmente einher, die durch formelle
Beziehungen nicht in gleicher Weise vermittelt werden, und stellt somit einen psychosozialen
Risikofaktor dar.
Auf der anderen Seite läßt sich der Zugewinn an formellen Beziehungen auch als Ergebnis
einer adaptiven Alltagskompetenz26 von Menschen im Alter interpretieren, wodurch alternsspezifische Verluste sozialer Ressourcen aktiv und kompetent ausgeglichen werden. Hinsicht-lich
der Netzwerke von Heimbewohnern sind also nicht ausschließlich Verlustereignisse zu verzeich26
Alltagskompetenz wird von M. M. Baltes als ein Zweikomponentenmodell diskutiert, wonach eine basale
Kompetenz (Basic Competence; BaCo) von einer erweiterten Kompetenz (Expanded Competence;
ExCO) unterschieden wird (Baltes, Maas, Wilms & Borchelt, 1996). Die basalen Kompetenzen sind
durch Aktivitäten gekennzeichnet, die stärker routinemäßig ablaufen und universellen Charakter haben.
Z. B. Selbstpflegefähigkeiten (Körperpflege, Ankleiden) sowie »einfache« instrumentelle Aktivtitäten
des täglichen Lebens (Einkaufen, Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel). Erweiterte Kompetenzen
sind hingegen stärker durch individuelle Motive, Präferenzen und Ziele bestimmt und beziehen sich auf
komplexere instrumentelle und soziale Aktivitäten (z. B. Gestaltung sozialer Beziehungen im Alter). Sie
können dazu dienen, »eine bloße Existenz in ein lebenswertes Leben zu wandeln« und sind daher stark
kulturell beeinflusst (Baltes, Maas, Wilms & Borchelt, 1996, S. 527).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 51 –
nen, sondern durchaus auch spezifische Netzwerkerweiterungen und Zugewinne, was erneut auf
die Notwendigkeit einer differentiellen Betrachtung hinweist (vgl. Lang, 1994; Baltes, Maas, Wilms
& Borchelt, 1996, S. 525).
Auch in Abhängigkeit vom Familienstand ergeben sich Unterschiede im Hinblick auf Netzwerkparameter: Verwitwete unterscheiden sich von Verheirateten dahingehend, daß sie über kleinere
egozentrierte Netzwerke verfügen, in denen – erwartungsgemäß – seltener (Ehe-) Partner enthalten sind wie auch im Haushalt lebende Personen, im Umkehrschluß aber mehr Kinder und
Heimpersonal enthalten sind. Auch hier ist jedoch keine einseitige Reduktion egozentrierter Netze
festzustellen, sondern es ergibt sich ein differenzierteres Bild: Die Netzwerke der Verwitweten
zeigen, daß erwachsene Kinder als zuverlässige Bereitsteller von sozialer Unterstützung sogar häufiger enthalten sind als in den Netzwerken von Verheirateten. Auch formelle Netzwerkpersonen
(Heimpersonal) wurden von den Verwitweten häufiger genannt als von den Verheirateten. Auch
hier kann von einer Kompensation verlorengegangener Netzwerksegmente gesprochen werden.
Wichtige Unterschiede in Abhängigkeit vom Familien-stand zeigten sich auch im Bereich sozialer
Unterstützung. Sie werden unter Hypothese 2 eingehender diskutiert.
Als weiteres Ergebnis ist hervorzuheben, daß die Reduktion der Netzwerke vor allem durch
den Verlust nicht-verwandter Netzwerkpersonen (Vereinspersonen, Nachbarn, Freunde) und
weniger durch verwandte Netzwerkpersonen (insbesondere Kinder) bedingt ist. Dieser Befund
stimmt auch mit Ergebnissen von Wagner, Schütze und Lang (1996) überein. Einen sinnvollen
Erklärungsansatz für die Reduktion egozentrierter Netzwerke im Bereich nicht-verwandter
Netzwerkpersonen bietet die bereits erörterte Equity-Theorie von Adams (1965). Demnach
werden soziale Beziehungen nach dem Prinzip der relativen Gerechtigkeit gestaltet, wobei sich
Gewinne proportional zu den Investitionen verhalten (Müller & Crott, 1984). Beziehungen
zwischen Kontaktpersonen werden dann brüchig, wenn die Basis einer relativen Ausgewogenheit
sozialer Beziehungen instabil geworden ist. Hochaltrigkeit, Heimaufenthalt und der damit oftmals
verbundene erhöhte Unterstützungsbedarf gefährden die Ausgewogenheit des wechselseitigen
Gebens und Nehmens in sozialen Beziehungen und können damit zu einer Ausdünnung von
Beziehungen bzw. zu Beziehungsabbrüchen gerade seitens nichtverwandter Personen führen (vgl.
Fischer, 1982; Prahl & Schroeter, 1996, S. 110).
Hinsichtlich der Kinder als Netzwerkpersonen ergibt sich dagegen ein anderes Bild: Trotz Hochaltrigkeit, Verwitwung und Heimaufenthalt bleiben emotionale Beziehungen durch eigene erwachsene Kinder den Ergebnissen zufolge relativ stabil. Die Stabilität der Eltern-Kind-Beziehung im
Alter – auch angesichts einer aktuellen Unausgewogenheit hinsichtlich der Reziprozität zwischen
den Generationen und angesichts reduzierter Attraktivität alter Menschen als Gesprächspartner
für Jüngere – wird auch aus anderen Alternsstudien berichtet (Dowd, 1980; Mayer & Baltes, 1996).
Für diesen Befund bieten sich zwei unterschiedliche, einander ergänzende Erklärungsansätze an.
Auf seiten der alten Menschen läßt sich die Annahme der sozioemotionalen Selektivitätstheorie
anführen, wonach soziale Beziehungen von Personen im Alter vorrangig nach dem Prinzip des
emotionalen Gewinns aufrechterhalten werden (Carstensen, 1992). Beziehungen zu eigenen Kindern sind für die Mehrheit alter Menschen – unabhängig von potentiellen Konflikten – emotional
bedeutsam und werden von ihnen aktiv aufrechterhalten. Auf seiten der Kinder läßt sich dagegen
die innerfamiliäre Solidarität27 als das zentrale Bindeglied zwischen Kindern und alten Eltern
annehmen (Roberts & Bengtson, 1990). Demnach erhalten Kinder die sozialen Beziehungen zu
27
Roberts & Bengtson (1990) nennen als Teilkomponenten der Solidarität zwischen Eltern und Kindern:
Zuneigung (affection), (Ver-) bindung (association) und Übereinstimmung (consensus; Roberts &
Bengtson, 1990; Lehr, 1996, S. 270).
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
– 52 –
ihren alten Eltern vor allem nach den Prinzipien von Solidarität und Verpflichtung aufrecht. Beide
Ansätze tragen zur Erklärung des Befundes bei, daß erwachsene Kinder für Menschen im Alter zu
den stabilsten Unterstützungslieferanten zählen, wobei die Kontaktfrequenz in Zeiten kritischer
Lebensereignisse (z. B. Verwitwung) den Daten zufolge sogar noch zunehmen kann.
Die zweite Hypothese der Studie, wonach emotional - positive Beziehungen im Alter häufiger
von verheirateten als verwitweten Personen wahrgenommen wird, konnte ebenfalls bestätigt
werden. Bei verwitweten Studienteilnehmern zeigte sich ein signifikanter Mangel an emotional positiven Beziehungen. Im Unterschied zu Heimbewohnern, Hochaltrigen und Verheirateten im
Alter nahmen Verwitwete weniger emotional - positive Unterstützung in Form persönlicher Anerkennung28 , Sich-Gemocht-Fühlens29 oder Sich-Verlassen-Könnens30 wahr, obwohl sie zugleich –
wie bereits oben berichtet – häufiger als Verheiratete über nahestehende Personen wie z. B. Kinder31 und über Heimpersonal32 in egozentrierten Netzwerken verfügten. Verschiedene Autoren
konnten zeigen, daß emotionale Beziehungen durch einen Begleitkonvoi (Antonucci, 1985a), d.h.
die Verfügbarkeit von Freunden und anderen emotional bedeutsamen Personen stärkere Direkteffekte sozialer Unterstützung bewirkt, als dies bei Kindern und Helfern als Netzwerkpartnern
zutrifft (Antonucci, 1985a; Leppin & Schwarzer, 1997). Ähnliche Befunde erzielten Untersuchungen zu Beziehungsqualitäten zwischen Verwitweten und Kindern und zwischen Verwitweten und
Freunden. Sie zeigen, daß Beziehungen zu Freunden mit mehr emotionaler Zufriedenheit verbunden sind, als dies bei Beziehungen zu Kindern referiert wird (Arling, 1976 b). Kinder zählen – wie
bereits genannt – zu den zuverlässigsten Unterstützungsbringern im Alter, doch ihre Unterstützungsleistungen scheinen Befunden zufolge vorwiegend instrumentell-informational ausgerichtet
zu sein (Cobb, 1976; House, 1981; Hobfoll, 1985; Antonucci, 1985a; Crohan & Antonucci, 1989).
Dies läßt sich dahingehend interpretieren, daß Beziehungen zwischen erwachsenen Kindern und
Eltern vorrangig durch normative Verpflichtungsgefühle bestimmt werden und infolgedessen
emotional weniger befriedigen als Beziehungen zu Freunden und Nachbarn, die stärker durch
Freiwilligkeit gekennzeichnet sind (Arling, 1976a, S. 757-768; House, 1981).
Diese Befunde verdeutlichen die hohe präventive Relevanz der Berücksichtigung der Quelle
sozialer Unterstützung und der Identifikation zentraler emotional-positiver Unterstützungsfunktionen im Alter, denen – Befunden zufolge - eine stärker direkt stützende und moderierende
Funktion zukommt als instrumentell-informationalen oder formellen Unterstützungsträgern
(Cobb, 1976; House, 1981). Die geringere persönliche Anerkennung, die von Verwit-weten berichtet wird, weist neben dem Mangel an Wertschätzung zudem noch auf einen weiteren Aspekt
hin: Laut Prahl & Schroeter (1996) beinhaltet Anerkennung neben persönlicher Wertschätzung
immer auch die Anerkennung des gesellschaftlichen Status’ der betreffenden Person. Verwitwete entbehren demnach mehr als andere altersgleiche Gruppen persönliche und gesellschaftliche
Anerkennung (Foa & Foa, 1980).
Die dritte Hypothese der Untersuchung besagte, daß egozentrierte Netzwerke von hochaltrigen, verwitweten und im Heim lebenden Personen zum einen stärkere Einbußen im sozialen
Rollennetzwerk als im Unterstützungsnetzwerk zeigen. Zum anderen beinhaltete die Hypothese
aufgrund von Vorbefunden die Annahme, daß stärkere Einbußen im Bereich der Absolut-werte
in Absolut- und Prozentwerten
in Absolutwerten
30
in Absolutwerten
31
in Absolut- und Prozentwerten
32
in Prozentwerten
28
29
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– 53 –
egozentrierter Netzwerke und Unterstützungsressourcen zu erwarten seien als in den Prozentwerten, d.h. des relationalen Anteils einzelner Netzwerk- und Unterstützungskategorien am
Gesamtnetz (vgl. Laireiter, Ganitzer & Baumann, 1993). Die hier vorgelegten Befunde bestätigen
hypothesengemäß, daß sich (nach Alpha-Adjustierung) deutlich mehr Effekte im Rollennetzwerk
als im sozialen Unterstützungsnetz ergeben.
Zur Interpretation der Befunde bietet sich die These an, daß mit zunehmendem Alter eine
Zunahme multiplexer sozialer Rollen erfolgt, wonach vor dem Hintergrund der Reduktion sozialer
Netze im Alter Netzwerkpartner gleichzeitig mehrere Rollen inne haben. So werden alternsspezifische Verluste von Netzwerkrollen kompensiert, indem die verbliebenen Netzwerkpartner
zusätzliche Funktionen mit übernehmen, die vormals andere Personen innehatten.
Z. B. können Nachbarn bei einem hochaltrigen, sozial isolierten Menschen über übliche nachbarschaftliche Kontakte hinaus eine fürsorgende »Elternfunktion« übernehmen; oder die er-wachsene
Tochter / der erwachsene Sohn nimmt bei hilfebedürftigen Eltern die Rolle der / des Vertrauten
ein, die ehemals dem Ehepartner vorbehalten war (Veiel, 1987b). Auch hier unter-streichen die
Befunde die Notwendigkeit, die Annahme einer globalen Reduktion sozialer Netzwerke und
Unterstützungsressourcen im Alter einer weiteren Differenzierung und Prüfung zu unterziehen:
Verluste sozialer Rollen können teilweise durch andere Netzwerkpartner kompensiert werden,
und der relationale Anteil bestimmter Netzwerk- und Unterstützungsparameter am egozentrierten
Netz verändert sich weniger als deren Absolutwerte (Laireiter, Ganitzer & Baumann, 1993; S. 93).
Betrachtet man abschließend die Studienergebnisse unter dem Blickwinkel der unterschiedlichen
Formen und Qualitäten sozialer Unterstützung im Alter, so zeigen sich bei den unter-suchten
Personengruppen Mängel insbesondere hinsichtlich der bisher wenig erforschten emotionalen Unterstützung. Den Befunden zufolge weisen emotional-positive Beziehungen in allen untersuchten
Alternsgruppen Defizite auf. So entbehren Heimbewohner Freunde und unterstützende Personen;
Hochaltrige entbehren ebenfalls unterstützende Personen und Verwitwete entbehren persönliche
Anerkennung, Gefühle des Sich-Gemocht-Fühlens und des Sich-Verlassen-Könnens auf andere.
Aus ressourcentheoretischer Sicht kommt jedoch gerade der Ressourcenkategorie »Liebe«33
, als Ausdruck von zärtlicher Aufmerksamkeit und Zuneigung, neben der Ressourcenkategorie »Status«34 , als Ausdruck gesellschaftlicher Wertschätzung, Prestige oder Respekt, ein hoher
Vorbeuge-Effekt gegenüber sozialen Beeinträchtigungen zu (Feger & Auhagen, 1987). Sind bestimmte Potentiale vermindert, wie dies die hier vorgelegten Daten von Hochaltrigen, Verwitweten
und Heimbewohnern erkennen lassen, so kann dies zudem einen gesteigerten Bedarf an diesen Ressourcen erzeugen (Feger & Auhagen, 1987). Die Autoren heben ferner hervor, daß Ressourcen um
so bevorzugter ausgetauscht werden und zu einer höheren Zufriedenheit in sozialen Interaktionen
führen, je mehr sie sich in ihrem Ausmaß an Konkretheit (Symbolhaftigkeit) bzw. Partikularität
(Universalität) ähneln (Foa & Foa, 1980). Emotional-positive Unterstützung als partikulare und
symbolische Ressource ist vermutlich weniger vom alten Menschen aktiv zu mobilisieren bzw.
über Helferberufe zur Verfügung zu stellen als etwa eine instrumentelle pflegerische Maßnahme
(Hilfeleistung beim Ankleiden), die zu den Routinehandlungen der Pflegenden zählt. Im Bereich
der emotionalen Unterstützung besteht also bei den untersuchten Personengruppen ein besonderer Mangel und Interventionsbedarf; zugleich werden hier Forschungsdefizite hinsichtlich dieser
wichtigen, aber an Altenpopulationen bisher noch wenig untersuchten Unterstützungskategorie
deutlich.
33
34
als Beispiel einer partikularen Ressource (Foa & Foa, 1980)
als Beispiel einer symbolischen Ressource (Foa & Foa, 1980)
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Methodenkritik
Die vorliegende empirischen Untersuchung stützt im Ergebnis vorangegangene sozialgerontologische Studien bzw. ergänzt diese. Die Ergebnisse sind jedoch auch vor dem Hintergrund der
methodischen Grenzen der vorliegenden Studie zu diskutieren, welche methodisch modifizierte, weiterführende Untersuchungen erforderlich machen. So weist insbesondere das verwendete
statistische Design Grenzen auf:
1. Nach der Einführun der Alpha-Adjustierung (p <=.005 bei zehn statistischen Vergleichen;
p <=.0045 bei elf und p <=.0035 bei 15 statistischen Vergleichen) fällt die Anzahl der Effekte unter die Grenze des Zufallsniveaus, was zur Folge hat, daß – wie im Ergebnisteil
vermerkt – soziale Variablen nur einen geringen bzw. keinen Einfluß auf Netzwerkumfang,
Zusammensetzung und Unterstützungsressourcen zeigen. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu gesicherten Befunden aus der sozialgerontologischen Netzwerkforschung, die in
vergleichbaren Studien weit mehr positive Effekte erzielten (Baltes & Mayer, 1996; Wagner,
Schütze & Lang, 1996; Antonucci, 1990; Kahn & Antonucci, 1985, Schwarzer & Leppin,
1989; Hautzinger, 1985; Gottesleben, 1996).
2. Befunde aus der sozialgerontologischen Forschung haben ergeben, daß mehrere der untersuchten Parameter miteinander konfundieren35 , sich wechselseitig bedingen36 oder durch
eine dritte Variable beeinflußt werden37 , wie dies bei den untersuchten Variablen zutrifft
(Baltes, 1996). Auch dieser Tatbestand zeigt die Grenze des methodischen Designs der vorliegenden Arbeit auf, die auf univariaten Analyseverfahren beruht. Da Ziel der empirischen
Untersuchung war, generelle Bezüge und Einzelbezüge zu bestimmen, sollten auch zukünftig univariate Analyseverfahren beibehalten, jedoch um multivariate Analyseverfahren
ergänzt werden. Um neben objektiven Netzwerk- und Unterstützungsparametern auch
subjektive Bewertungen der wahrgenommenen Unterstützung (z. B. Zufriedenheit mit
emotionalen Beziehungen) zu erheben, sind quantitative Erhebungsverfahren um qualitative
Verfahren zu ergänzen (Lamnek, 1989; Mayring, 1991).
3. Ferner sind Grenzen in bezug auf die mündliche Befragung deutlich geworden: Mündliche
Interviews ermöglichen eine optimale Anpassung an spezifische Lebenslagen im Alter und
wurden deshalb auch in der vorliegenden Studie einem schriftlichen Erhebungsverfahren
vorgezogen. Mündliche Befragungen fordern vom Befragten aber auch inhaltlich zugespitzte
Antworten, was angesichts des hohen Anteils von hochaltrigen Studienteilnehmern in der
Gesamtstichprobe (N = 110) das Risiko einer mentalen und emotionalen Überforderung
auslösen kann und ethische Grundprinzipien des Forschens tangiert.
4. Darüber hinaus besteht die begründete Annahme, daß bei wertesensiblen Fragen (z. B.
belastende Beziehungen im sozialen Nahbereich; negative support, Rook, 1992) besonders bei alten Menschen die Wahrscheinlichkeit einer systematischen Antwortverzerrung
steigt. D.h., daß bei den Befragten die Tendenz besteht, angesichts von Tabufragen wie z. B.
Negativbeziehungen im Alter (Konflikte, Angst, Ambivalenz) nach dem Prinzip sozialer
Erwünschtheit zu antworten, anstatt den Interviewern die tatsächliche Einschätzung einer
z. B. Alter, Geschlecht und Familienstand
z. B. Hochaltrigkeit und Wohnform
37
Hochaltrigkeit und Wohnform werden durch Singularisierung im Alter moderiert
35
36
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– 55 –
bestimmten Beziehungsqualität »zuzumuten«38 : So besteht die begründete Annahme, daß
das Fehlen von Effekten im Bereich belastender Beziehungen auch als ein Antworten nach
dem Kriterium der sozialen Erwünschtheit zu sehen ist, d.h. einen Methodenartefakt in Verbindung mit der mündlichen Befragung darstellt. Die Tendenz der Verzerrung tatsächlicher
Einschätzungen läßt es sinnvoll erscheinen, in Folgestudien ergänzend zu den quantitativen
Erhebungsverfahren auch qualitative Interviews39 einzusetzen. Qualitative Verfahren lassen
den Interviewten mehr zu Wort kommen, indem er als Subjekt das Gespräch quantitativ
und qualitativ bestimmt; sie eröffnen die Möglichkeit, die Interaktion zwischen Interviewer
und Interviewten stärker zu berücksichtigen und als Informationsquelle Deutungen des
Interviewers zuzulassen (Lamnek, 1989).
8 Ausblick: Interventionsmöglichkeiten
Die vorliegende Untersuchung gibt einen facettenreichen Einblick in die unterschiedlichen egozentrierten Netzwerke und sozialen Unterstützungressourcen von Hochaltrigen, Verwitweten und
Heimbewohnern. Sie macht deutlich, daß eine systematische Berücksichtigung alternsspezifischer
Lebenslagen unverzichtbare Voraussetzung für eine präzise Netzwerk- und Unterstützungsdiagnostik und eine daraus abgeleitete Intervention und emotionale Beziehungen ist. Insbesondere
bei Heimbewohnern und Verwitweten wurde hier ein Bedarf an emotional-positiven Beziehungen offensichtlich. Zugleich lässt die Untersuchung erkennen, daß Altern nicht zwingend mit
Verlusten einhergehen muß, sondern daß Verluste in egozentrierten Netzwerken vom alten Menschen durchaus aktiv kompensiert werden können, wie dies die Befunde an Heimbewohnern und
Verwitweten erkennen lassen. Die Untersuchungsergebnisse erhellen aber auch das bislang nur
unzureichend untersuchte Gebiet der emotional-positiven Beziehungen im Alter und bringen hier
bei allen untersuchten Gruppen spezifische Defizite zutage, die als ein wichtiger psychosozialer
Risikofaktor des Alterns zu betrachten ist.
Im folgenden soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die erkennbar gewordenen Defizite
an sozialer Unterstützung im Alter durch spezifische Interventionen ausgeglichen werden können.
Interventionsmöglichkeiten eröffnen sich hier in zweifacher Hinsicht: Zum einen stützen die
Ergebnisse das Bemühen innovativer (Aus-) Bildungseinrichtungen und Pflegewissenschaftler,
Auszubildenden in Sozial- und Gesundheitsfachberufen gezielter als bisher neben soliden Fachund Handlungskompetenzen auch soziale – und personale Kompetenzen zu vermitteln und diese
Die Interviewer und die Verfasserin machten während der Interviews die Beobachtung, daß tatsächlich
vorhandene subjektiv belastende beziehungen im egozentrierten Netz der Interviewten bestanden, die
konkrete Frage nach belastenden Beziehungen hingegen verneint wurde.
39
Qualitative Interviews (z.B. narrative Interviews; problemzentrierte Interviews; fokussierte Interviews;
Tiefeninterviews; rezeptive Interviews) beinhalten unabhängig davon, um welchen Typ es sich handelt,
z.B. folgende methodologischen Kriterien: »Prinzip der Reflexivität von Gegenstand und Analyse«;
d.h. der Gesprächsgegenstand und die Art der Formulierung werden prozeßhaft gedanklich begleitet;
»Prinzip des Alltagsgesprächs«, d.h. qualitative Interviews lassen den Befragten mehr zu Wort kommen;
»Prinzip der Zurückhaltung durch den Forscher«, d.h. der Befragte ist nicht nur Datenlieferant, sondern
bestimmt als Subjekt das Gespräche qualitativ und quantitativ; »Prinzip der Kommunikativität«, d.h.
der Interviewer passt sich an das kommunikative Regelsystem des Befragten an; »Prinzip der Offenheit«,
d.h. der Interviewer ist offen für unerwartete Botschaften des Befragten.; »Prinzip der Prozeßhaftigkeit«,
d.h. im qualitativen Interview ermittelt der Interviewer im Verlauf des Gesprächs bevorzugte Deutungsund Handlungsmuster. »Prinzip der datenbasierten Theorie«, d.h. das qualitative Interview dient eher
der Genese als der Prüfung von Theorien (vgl. Lamnek, 1989, S. 64).
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einzuüben (Neuman, 1998; Peplau, 1952, 1992). Dadurch können Angehörige von Helferberufen
besser befähigt werden, frühzeitig und differenziert einen Bedarf an emotionaler Beziehung
und Unterstützung wahrzunehmen, zu reflektieren und situations- und personadäquat darauf
zu antworten. Die Befunde der vor-liegenden Studie legen nahe, daß hier auf seiten der alten
Menschen insbesondere ein Bedarf an emotionaler Beziehung besteht, den es seitens persönlich
nahestehender Personen und der professionellen Helfer wahrzunehmen und aufzufangen gilt (vgl.
Neuman, 1995, 1998; Pep-lau, 1992).
Eine weitere Interventionsmöglichkeit, mit Hilfe derer alten Menschen gezielte soziale Unterstützung vermittelt werden kann, eröffnet die über traditionelle Konzepte hinausreichende
Methode der Netzwerkintervention (Röhrle, 1999; Röhrle, Sommer & Nestmann, 1998, Wills,
1990). Mit diesem Begriff werden Maßnahmen bezeichnet, mit Hilfe derer strukturelle, relationale
oder funktionale Merkmale sozialer Netzwerke verändert werden können (Röhrle, Sommer &
Nestmann, 1998). Netzwerkinterventionen bei alten Menschen beziehen sich dabei insbesondere auf funktionale Merkmale sozialer Netzwerke, indem im natürlichen sozialen Umfeld an
individuell bedeutsamen Bedürfnissen alter Menschen angeknüpft wird (Kaufmann, Engelbert,
Herth, Meier & Strohmeier, 1989). Bei Verwitweten und Heimbewohnern haben sich hierbei –
nach sorgfältiger Netzwerkdiagnostik – sowohl personorientierte als auch organisationsorientierte
Netzwerkinterventionen bewährt, wobei sich eine Zentrierung auf emotionsorientierte Interventionen (fördernd - stützende) als wirksam erwiesen hat (Wagner, Schütze & Lang, 1996, S. 313;
Röhrle, Sommer & Nestmann, 1998). Dies steht in guter Entsprechung zu dem oben geschilderten Befund, daß gerade bei der emotionalen Unterstützung besondere Defizite unter den alten
Menschen bestehen.
Ferner lassen sich bei Netzwerkinterventionen diffuse sowie spezifische Ziele verfolgen.
Diffuse Netzwerkinterventionen (z. B. Friendly Visitors Programs) bewähren sich bei Heimbewohnern, indem sie gezielt informelle Kommunikationsprozesse zwischen Heimbewohnern,
Angehörigen, professionellen Helfern und Laien mobilisieren und Raum bieten, altersspezifische
Verlustereignisse zu bearbeiten. »Friendly Visitors Programs« zielen gleichzeitig auch auf eine soziale Aktivierung von Bewohnern, was eine »emotionale und kognitive Revitalisierung« bewirken
kann (Röhrle, Nestmann & Sommer, 1998, S. 19).
Damit verbunden werden Direkteffekte im Sinne protektiver Wirkungen auf das Befinden
alter und hochaltriger Personen als auch Puffereffekte zur Bewältigung von alternsspezifischen
Anforderungen bzw. Verlusterlebnissen. Abhängig von der Zielgruppe können mit Hilfe netzwerkorientierter Interventionen zudem auch spezifische Ziele verfolgt werden, z. B. wenn in
homogenen Verwitwetengruppen Verlusterfahrungen und Trauer ausgesprochen werden und
dadurch emotional-positive Unterstützung mobilisiert wird (Gottlieb, 1988).
Hinsichtlich der Interventionsebene werden mikrosoziale, mesosoziale und makrosoziale Ebenen unterschieden (Röhrle, Sommer & Nestmann, 1998). Im Alter erweisen sich mikro-soziale
netzwerkorientierte Interventionen, d.h. beziehungs- und unterstützungsfördernde Interventionen
in kleinen Gruppen, die eine verbesserte informelle Kommunikation und Harmonisierung des
Zusammenlebens bewirken können, als besonders günstig. Mesosoziale Netzwerkintervention
haben sich für Organisationen, hier besonders für Heime bewährt, mit dem Ziel, informelle und
formelle Kommunikationsprozesse (z. B. zwischen Pflegenden und Bewohnern) zu analysieren
und netzwerkorientiert zu intervenieren. Z. B. könnten hier informelle Kommunikationsformen
zwischen Helfern und Bewohnern gefördert und Helfer sensibilisiert werden, über formelle
Interaktionen hinaus (z. B. Unterstützung bei der Körper- pflege) kontinuierlicher im kommuni-
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kativen Austausch mit Bewohnern zu stehen und Menschen im Alter dadurch häufiger persönliche
Anerkennung und Wertschätzung entgegen-zubringen (vgl. Neuman, 1995, 1998; Baltes, 1995).
Auf die hier vorgelegten Befunde bezogen, kann gefolgert werden, daß sich bei hochaltrigen
Personen und Heimbewohnern vorwiegend diffuse Netzwerkinterventionen (Friendly Visitors
Programs) eignen, wie z. B. das gemeinsame Feiern von Festen in kommunikationsfreundlichen
Räumen, welche die Integration in informelle Gesprächs- und Gestaltungsgruppen fördert, brach
liegende basale Bedürfnisse mobilisiert und eine aktive Gestaltung sozialer Beziehungen im Alter
begünstigt, die wiederum protektive Wirkungen bei hochaltrigen und emotional-vernachlässigten
Menschen hervorbringen (Röhrle & Sommer, 1998, S. 19).
Bei Verwitwung als besonderem Risikofaktor des Alters sind darüber hinaus homogene Gruppenbildungen mit mikrosozialen Interventionen wünschenswert, die person- und gruppenbezogen
ausgerichtet, emotionsbezogene Interventionen fördern, die eine kompensatorische und revitalisierende Wirkung auf Verwitwete und andere emotional vernachlässigte Menschen haben können
(Wagner, Schütze & Lang, 1996, S. 313; Röhrle, Sommer & Nestmann, 1998; Wills, 1990).
Abschließend läßt sich feststellen, daß die vorliegende Untersuchung den noch zu wenig
untersuchten Bereich der sozialen Unterstützung im Alter – und hier insbesondere einen Mangel
an emotional-positiver Unterstützung – erhellt und weiteren Forschungsbedarf deutlich macht.
Zugleich ist festzuhalten, daß für den Bereich der sozialen Unterstützung bereits eine breite Palette
von Interventionsmöglichkeiten besteht, die jedoch noch zu wenig aufeinander bezogen sind und
stärker auf das Ziel einer Stabilisierung oder Optimierung der psychosozialen Befindlichkeit im
Alter fokussiert werden sollten.
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Dank
Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. habil. J. Behrens, Direktor des Instituts für
Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Herrn
Assistenz-Professor Dr. A.- R. Laireiter, Psychologisches Institut der Paris - Lodron - Universität
Salzburg, die beide fachkundig und mit Geduld bei inhaltlichen und methodischen Fragen zur
Seite standen und in ermutigender Weise die Fertigstellung der Arbeit unterstützt haben.
Mein Dank gilt ferner Herrn Prof. Dr. med. H. Pohlmeier, dem Initiator des vorliegenden
Forschungsprojekts und dem im August 1996 verstorbenen Direktor der Abteilung Medizinische
Psychologie der Universität Göttingen.
Ich danke allen Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern, die durch ihre engagierte
und nicht immer beschwerdefreie Mitarbeit die Durchführung der Untersuchung überhaupt erst
ermöglichten. Den Studierenden des Psychologischen Instituts der Georg-August-Universität
Göttingen und des Fachbereichs Pflege und Gesundheit der Fachhochschule Fulda, die bei den
mündlichen Interviews mitwirkten, sei an dieser Stelle ebenfalls gedankt. Besonders danke ich
meiner Tochter Dr. phil. C. Winter-Barnstedt, Dr. phil. K. M. Neher und Herrn Dipl. Psych. U.
Petsch, alle drei Berlin, für anregende Diskussionen bei methodischen Fragen.
C. Winter-von Lersner (2006): Soziale Beziehungen im Alter
Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 4
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