W i r b r i n g e n d i e W i r t s c h a f t i n s U N TE R L A G E aktuelle K l a s s e n z i m m e r Praxisfälle zur Unternehmensgründung Ideelle und materielle Unterstützung erhalten wir von unseren Projektpartnern: 73 Dez. | 2012 aktuelle U N TE R L AG E Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Mag. Erika Bernhard-Weindl Mag. Julia Hampl Einleitung 3 Entrepreneurship fördern 4 Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef 9 Baustein 2: Ich packe es an 17 Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in 29 Baustein 4: Mein erstes Jahr 38 Baustein 5: Ich habe es geschafft 53 Literatur 68 DIDAKTIK Übungsblätter Lösungsvorschläge Kopiervorlagen ISBN 978-3-9502430-1-7 Hinweis: Im Sinne einer leichten Lesbarkeit werden geschlechtsspezifische Bezeichnungen nur in ihrer männlichen Form angeführt. 2 60 66 69 Einleitung 73 | Dez. | 2012 Einleitung Liebe Lehrerinnen, liebe Lehrer, im Jahr 2001 veröffentlichte die AWS ein Medienpaket zum Thema Unternehmensgründung. Es wurde eine unserer nachgefragtesten Publikationen. Seither gab und gibt es zahlreiche weitere Initiativen zu diesem so wichtigen Feld bzw. zum weiter gefassten Thema Entrepreneurship. An dieser Stelle seien die ebenfalls von der Wirtschaftskammerorganisation getragenen bzw. unterstützten Initiativen Unternehmerführerschein, an dessen Entwicklung und Weiterentwicklung die AWS stets beteiligt war, und JUNIOR Österreich – Schüler/innen gründen Unternehmen genannt. Deshalb hat die AWS in den letzten Jahren auch keine weiteren Unterlagen zu diesem Bereich erstellt. Die anhaltend hohen Zugriffe auf unser altes Medienpaket haben uns nun aber veranlasst, die Unterlage, wel- che Sie in Händen halten, herauszubringen. Sie ist kein Konkurrenzprodukt zu den oben genannten Initiativen, sondern ergänzt diese bzw. macht Lust und weckt Interesse, auch die „großen“ Projekte Unternehmerführerschein und JUNIOR im Unterricht umzusetzen. Anhand von zwei Fällen aus der Praxis zeichnet die Aktuelle Unterlage fünf Phasen der Unternehmensgrün- dung und erfolgreichen Führung eines Unternehmens in den ersten drei Jahren nach. Mit diesem didaktischen Zugang hoffen wir, das Interesse Ihrer Schülerinnen und Schüler für dieses Thema noch weiter zu steigern und Ihnen eine gute Basis für die Gestaltung Ihres Unterrichts in die Hand zu geben. Bei der Erstellung der betriebswirtschaftlichen Hintergrundinformationen wurde auf das AWS-Medienpaket aus dem Jahr 2001 und auf die vielen ausgezeichneten Informationsmaterialien der Wirtschaftskammerorganisation zum Thema Unternehmensgründung zurückgegriffen. Wir wünschen Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern viel Freude und Lernerfolg mit dieser Aktuellen Unterlage. Erika Bernhard-Weindl, Julia Hampl (Autorinnen) Josef Wallner, Gudrun Dietrich, Karin Schweiger (Redaktion) 3 aktuelle U N TE R L AG E Entrepreneurship fördern Entrepreneurship fördern Unternehmerführerschein®/Entrepreneur’s Skills Certificate® Der Unternehmerführerschein®/Entrepreneur’s Skills Certificate® ist ein Europäisches Best Practice Beispiel für Entrepreneurship Education mit österreichischen Wurzeln. Der Unternehmerführerschein® bietet wirtschaftliches Basiswissen und unternehmerische Kompetenzen in vier Modulen. E-Learning und ein internetbasiertes Testsystem garantieren vergleichbare Standards auf nationaler und internationaler Ebene. Die Absolventen haben somit einen leichteren Start im Berufsleben – sei es als Angestellte oder Selbstständige. Unternehmerische Kompetenzen und selbstgesteuertes Lernen mit modernen Medien bereiten auf den Übergang von der Schule auf das Berufsleben vor. Fundiertes Wissen über wirtschaftliche Beziehungen, Arbeits- und Unternehmensrecht, Marketing, Banken- und Kreditwesen, Versicherungspflichten, sowie Steuer- und Sozialsystem ist für jetzige und kommende Generationen unerlässlich. In Österreich haben Schüler/innen bereits mehr als 36.000 Module erfolgreich abgeschlossen und somit die standardisierten Unternehmerführerschein® Zertifikate erworben. Obwohl ursprünglich für Allgemeinbilden- de Höhere Schulen entwickelt, wird der Unternehmerführerschein®, bzw. werden einzelne Module des Un- ternehmerführerscheins® verstärkt auch von Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen nachgefragt. Dieses ist von hoher Relevanz für Österreichs Wirtschaft, da sich ein hoher Prozentsatz von Unternehmerfüh- rerschein® Absolventen später für die Selbstständigkeit entscheidet. Die Jungunternehmer bilden das wirtschaftliche Rückgrat der kommenden Jahre! Der Unternehmerführerschein® wurde bereits 2006 anlässlich der Osloer Konferenz zu Entrepreneurship Edu- cation als Best Practice Beispiel ausgewählt. Dieses war gleichzeitig das Startsignal für die weitere Verbreitung des Unternehmerführerscheins® nach Deutschland, Frankreich, Albanien, Polen und Tschechien. Die Niederlande, Belgien, die Schweiz und die Türkei werden ab 2013 folgen. Weiterführende Informationen finden Sie unter www.unternehmerfuehrerschein.at 4 Entrepreneurship fördern 73 | Dez. | 2012 JUNIOR Company Programm Mit dem JUNIOR Company Programm erleben 15 - 19-jährige Schüler/innen (9. bis 12. Schulstufe) unsere Wirt- schaftswelt hautnah, indem sie ein eigenes real wirtschaftendes Unternehmen mit echten, gegen Entgelt am (schulnahen) Markt angebotenen Produkten oder Dienstleistungen gründen und führen. Die Schüler/innen von heute und Unternehmer/innen von morgen entwickeln eine Geschäftsidee, treffen alle unternehmerischen Entscheidungen selbst und wachsen im Team an den Aufgaben und Herausforderungen der Unternehmenswelt. Sie lernen, ihr unternehmerisches Potenzial zu entdecken und ihre sozialen Fertigkeiten zu entwickeln. Die JUNIOR Betreuungslehrer/innen und JUNIOR Wirtschaftsexperten unterstützen die JUNIOR Company durch Feedback an das Team bei Konflikten und Problemlösungen, Zeitmanagement sowie in allen Fragen der Unternehmenswelt. Lehrer/innen arbeiten dabei in einer neuen Weise als Coach mit ihrem Team zusammen. Im Schuljahr 2010/2011 wagten mehr als 2000 Schüler/innen in mehr als 160 JUNIOR Companies und JUNIOR for Juniors Companies (für 13 - 15-Jährige) das Abenteuer Selbstständigkeit. Sie werden in nahezu allen Schultypen für Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren integriert. Besonders nachhaltige Lerneffekte zeigen sich bei Schüler/innen, die neben dem JUNIOR Company Programm auch die Module des Unternehmerführerscheins® der Wirtschaftskammer Österreich absolviert haben. Das JUNIOR Innovationcamp ist ein weiteres erfolgreiches Bildungspraxisprogramm, in dem Schüler/innen verschiedener Schultypen in Teams gemeinsam mit einem Partnerunternehmen an einer Aufgabenstellung aus dem realen Wirtschaftsleben arbeiten. Innerhalb von 24 Stunden entwickeln die Jugendlichen einen Businessplan und eine Präsentation, um ihre Konzepte einer Fachjury des Partnerunternehmens vorzustellen. Unter der Lizenz von Junior Achievement Young Enterprise Europe (JA-YEE) und JA Worldwide sowie eingebettet in das Netzwerk der Volkswirtschaftlichen Gesellschaften und von deren Mitarbeiter/innen unterstützt, agiert JUNIOR Enterprise Austria in den Bundesländern direkt an den Schulen. Gefördert wird der gemeinnützige Verein durch Mittel der WKÖ, des BMWFJ, bm:ukk sowie der Jungen Wirtschaft und unterstützt von der Jungen Industrie. Die Kompetenzen von JUNIOR liegen in der Entwicklung und Umsetzung von wirtschaftsbezogenen Bildungspraxisprogrammen, sowie der Schaffung einer Verbindung von Wirtschaft und Schule. Nähere Informationen zu JUNIOR und den durchgeführten Programmen auf: www.junior.cc 5 aktuelle U N TE R L AG E Entrepreneurship fördern Start Up! Vom Lehrling zum Chef Start Up ist ein Wirtschaftsspiel der besonderen Art. Du arbeitest in einem Unternehmen, das Hover Boards herstellt. Das sind neuartige High-Tech Sportgeräte, die über dem Boden schweben. Dein Chef bittet dich, ihn für ein Jahr zu vertreten und den Betrieb zu führen. Beweise dein Geschick in den drei Abteilungen und versuche, möglichst wirtschaftlich Boards herzustellen und zu verkaufen. Alles liegt in deiner Hand… Bist du erfolgreich, wirst du der neue Chef im Unternehmen! ■ Einkauf: Im Einkauf vergleichst du die Preise und Lieferbedingungen der verschiedenen Lieferanten und bestellst das notwendige Material für die Produktion der Hover Boards. ■ Verkauf: In deinem Geschäft bedienst du die Kunden. Zu deinen Aufgaben gehört es auch, die richtigen Preise für deine Boards zu bestimmen. ■ Produktion: In der Produktion kaufst du Maschinen, stellst Mitarbeiter ein und verteilst die Arbeitsaufträge, um die Boards herzustellen. Hier geht es zum Spiel „Start Up! Vom Lehrling zum Chef“: ibw4.m-services.at/startup/ Innovation braucht Bildung – Jugendliche, die Ideen umsetzen Iris, Alexandra, Juli und Anna lösen mit ihrer Idee „Fit Kids“ das Problem des Übergewichts und der Abneigung von Sport mancher Jugendlichen. Viktoria will, dass die Österreicher/innen in Zukunft mehr als drei Zahnbürsten pro Jahr verbrauchen und bietet mit Press, Brush & Kiss ein etwas anderes Abo-Service an. Chantal, Melanie und Georg liefern mit der Zeitung in der Früh ihr Frühstücksbrötle mit, damit der Morgen mit einem guten Frühstück beginnt. Ein paar Ideen, die von Schüler/innen aus Handelsakademien und Handelsschulen entwi- ckelt wurden. Seit sieben Jahren findet der BA Ideen- und Businessplanwettbewerb statt – selbst eine Ideen von Schüler/innen und Lehrer/innen – in diesem Jahr nehmen 150 Teams aus ganz Österreich teil. Viele der Ideen werden im Rahmen des Maturaprojektes umgesetzt werden. Jugendliche als Ideenentwickler – das ist gelebte Individualisierung und gibt der Schule einen ganz persönlichen Sinn. Ideen aus Österreich sind auch international sehr erfolgreich, die letzten zwei Jahre ging der European Young Entrepreneur of the Year Award jeweils nach Österreich. Entrepreneurship zu unterrichten bedeutet nicht, dass die Schule eine Kaderschmiede für Jungunternehmer/ innen wird. Mit Entrepreneurship wird die Ideen- und Chancenorientierung betont. Es ist eine Haltung, die jeder Mensch im alltäglichen Leben brauchen kann. Ideen für das eigene Leben, die Wirtschaft und die Gesell- schaft einzubringen ist eine wichtige Frage der Wirtschaftskompetenz und der Werteverfassung des Einzelnen, einer Gesellschaft und damit auch der ökonomischen und demokratiepolitischen Bildung. Zu Weiterbildung für Lehrer/innen (quer durch den Fächerkanon) werden Schilfs (schulinterne Fortbildungen) angeboten. Termi- ne können individuell mit dem eesi-Bundeskoordinator/innen vereinbart werden www.eesi-impulszentrum.at. Weitere Details siehe www.entrepreneurship.at 6 Entrepreneurship fördern 73 | Dez. | 2012 Basis Schilf Entrepreneurship Education an der Schule stärken Der Workshop bietet eine Einführung in die Möglichkeiten zur Stärkung der Entrepreneurship Education für Schüler/innen, mit direkt einsetzbaren Ansätzen im Unterricht und weiterer Schritte im Rahmen der Schulentwicklung. Aufbau Schilf Sustainability meets Entrepreneurship Der Workshop bietet die Möglichkeit, von „Best-Practice-Beispielen“ zu lernen und will Mut geben, selbst die „Next-Practice“ mitzugestalten. Für den Workshop gibt es ein Lehrer/innenhandbuch, mit 30 Fallstudien. Der Workshop folgt den Motto: „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.“ Aufbau Schilf Misch dich ein – der Debattierclub Gründen Sie einen Debattierclub an Ihrer Schule und schaffen Sie damit Freiraum des offenen Austausches zu Problemen, die uns alle angehen, und eine Möglichkeit, neue Ideen für die Zivilgesellschaft zu entwickeln. Der Workshop bietet eine Einführung in die Methode Debattierclub. Demokratische Prozesse und Werte kann man nicht auswendig lernen. Ihre Entfaltung benötigt eine Mischung aus Zuhören, überzeugender Argumentation und der Bereitschaft aufeinander einzugehen. Für den Workshop gibt es ein Lehrer/innenhandbuch mit 20 Themenbereichen und 75 Motions, sowie einem umfangreichen Übungsteil. 7 aktuelle U N TE R L AG E Entrepreneurship fördern GründerService Gründen | Nachfolgen | Franchise Das Gründerservice der Wirtschaftskammern ist an über 90 Standorten in ganz Österreich die erste Adresse für fundierte Gründungsberatung. Es bietet rund um Gründungen, Betriebsnachfolgen und Franchising pro- fessionelle Unterstützung. Die Beratungsleistungen der Gründerservice-Stellen in ganz Österreich umfassen u. a. rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung (Gewerberecht, Rechtsform, Sozialversicherung, Steuern, Finanzierung, Förderungen, Standort, Betriebsanlagengenehmigung), Konzept-Erstellung und Konzept-Check sowie Neufög-Beratung. Auch online (www.gruenderservice.at) finden Gründungsinteressierte alles, was sie für einen erfolgreichen Start brauchen. Mit speziellen e-Services wie der Mindestumsatzberechnung und der Businessplansoftware Plan4You Easy bietet das Gründerservice praktische Werkzeuge an, die beim Unternehmensaufbau helfen. Im One-Stop-Shop Gründerservice kann das Gewerbe auch unkompliziert elektronisch angemeldet werden. Produkte und Services Publikationen ■ Leitfaden für Gründerinnen und Gründer ■ Leitfaden zur Betriebsnachfolge ■ Leitfaden zum Franchising ■ Vorbereitung auf das Bankgespräch ■ Leitfaden zur Unternehmensgründung für Künstlerinnen und Künstler ■ Das verflixte 3. Jahr und weitere praktische Tipps für die Nachgründungsphase Merkblätter Ergänzend zu den Leitfäden bieten die Gründerservices Merkblätter zu Themen wie Betriebsanlagengenehmi- gung, Kleinunternehmerregelung, Sozialversicherung etc. an. Zusätzlich werden Informationen in mehreren Fremdsprachen angeboten. Beratungen: Rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung (Gewerberecht, Rechtsform, Sozialversiche- rung, Steuern, Finanzierung, Förderungen, Standort, Betriebsanlagengenehmigung) etc. Events: Gründertage in ganz Österreich, Expertenvorträge, Nachfolge- und Franchise-Veranstaltungen Internet und mehr … ■ www.gruenderservice.at ■ Businessplan-Software „Plan4You Easy“ – www.gruenderservice.at/businessplan ■ Handbuch „Plan4You Easy“ – www.gruenderservice.at/publikationen ■ Mindestumsatzberechnung – www.gruenderservice.at/mindestumsatzberechnung ■ Podcast-Serie: "Unternehmen gründen: So geht´s!" – www.gruenderservice.at/podcast ■ Gründerservice auf Facebook: Das Gründerservice ist auch im sozialen Netzwerk Facebook vertreten. Aktuelles unter http://www.facebook.com/gruenderservice ■ Nachfolgebörse – www.nachfolgeboerse.at ■ Franchisebörse – www.franchiseboerse.at ■ i2b Businessplan-Initiative – www.i2b.at Gründerservice: Gründlich beraten, erfolgreich starten 8 Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef 73 | Dez. | 2012 Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef In diesem Baustein erfahren Sie, ■ welche Vorteile und Herausforderungen die Zufälligerweise entdeckt Susanne dann ein Inserat in einer Tageszeitung: Selbstständigkeit hat, ■ welche persönlichen und fachlichen Voraussetzungen ein Unternehmer braucht, ■ wie ein Unternehmen gegründet werden kann. Praxisfall 1: Die Singers gründen ein Nachhilfeinstitut Susanne Singer ist 35 Jahre alt. Sie wurde in Graz ge- boren. Schon als Volksschülerin wusste Susanne, was sie später einmal werden möchte: Lehrerin. Nachdem sie das Bundesrealgymnasium in Graz abgeschlossen hatte, übersiedelte sie nach Wien und begann dort das Lehramtsstudium für Biologie und Geschichte. Wollen Sie sich selbstständig machen? Unser Nachhilfeinstitut bietet Lernunterstützung für alle Fächer und alle Altersstufen. Seit bereits einigen Jahren betreiben wir ein erfolgreiches Franchisesystem mit mehreren Einrichtungen in ganz Österreich. Wenn Sie sich selbstständig machen wollen, sich für Bildung interessieren, gern mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, dabei jedoch ein möglichst geringes Gründungsrisiko haben wollen, dann werden Sie auch Teil unseres Franchisesystems. Kontaktieren Sie uns noch heute unter: [email protected] Während dieser Zeit lernte sie auch ihren zukünfti- gen Mann, Manfred Singer, kennen. Er ist ein ausgebildeter Kindergartenpädagoge. Nach Abschluss des Studiums begann sie in einem Gymnasium in Wien die Fächer „Biologie und Umweltkunde“, „Geschichte und Sozialkunde“ und „po- Dieses Inserat traf genau auf die beiden zu. Was man jedoch unter Franchise versteht, mussten sie noch recherchieren. wurde, desto mehr wünschte sie sich ihre eigene Che- Praxisfall 2: Thomas Kandl übernimmt einen Spenglereibetrieb die berufliche Selbstständigkeit, wenn möglich sogar Thomas Kandl ist 42 Jahre alt und lebt seit seiner litische Bildung“ zu unterrichten. Je älter sie jedoch fin zu sein. Auch ihr Mann überlegt sich den Schritt in gemeinsam mit Susanne. Kindheit in Mödling. Seine Eltern betreiben eine Bauspenglerei. Da Thomas sehr geschickt bei handwerk- lichen Arbeiten ist und gerne auch im Freien arbeitet, absolvierte er nach Abschluss der Pflichtschule eine Lehre als Spengler in einem mittelgroßen Schlos- serei- und Metallbaubetrieb. Nachdem er die Lehre erfolgreich beendet hatte, sammelte er noch einige Jahre berufliche Erfahrungen. In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Manuela kennen, die ihn dazu motivierte, die Meisterprüfung zu machen. Als sich die Eltern von Thomas aus dem Betrieb zu- rückziehen wollen, entschließt sich Thomas, der mittlerweile genug Erfahrung hat, den Betrieb zu übernehmen. 9 aktuelle Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef U N TE R L AG E 1.1 Welche Vorteile und Herausforderungen bringt die Selbstständigkeit? Der/die Unternehmer/in ... WISSEN 1 entwickelt risikoorientiertes und vorausschauendes Denken. kann das eigene Unternehmen selbst gestalten. kann ein Hobby zum Beruf machen. erhält direkte Selbstbestätigung durch gute Arbeit. ! hat keine geregelte Arbeitszeit. ! braucht viel Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und Motivation. kann sich die Arbeitszeit selbst einteilen. ! erhält keine Sonderzahlungen durch den Arbeitgeber. ! hat oft keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn der Geschäftsaufbau scheitert. muss sich nicht an Vorgaben des Arbeitgebers halten. kann die eigenen Stärken optimal nutzen. ! hat meist unscharfe Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit. hat Entscheidungsfreiheit. kann erwirtschaftete Gewinne behalten. ! muss im Stande sein eigenständig und selbstverantwortlich zu arbeiten. kann selbststrukturiert arbeiten. kann die eigenen Ideen verwirklichen. 10 ! ist mit einem größeren Risiko konfrontiert. kann ein hohes Einkommen erzielen bei guter Geschäftslage. ! hat kein sicheres und regelmäßiges Einkommen. ! muss Verluste eigenständig ausgleichen. Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef 73 | Dez. | 2012 1.2 Bin ich ein Unternehmertyp? Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, sollte der/die Unternehmer/in neben fachlichen Qualifikationen auch über persönliche und unternehmerische Qualifikationen verfügen. Qualifikationen eines Unternehmers/einer Unternehmerin Fachliche Qualifikationen Persönliche Qualifikationen ■ gute Ausbildung ■ fundiertes Branchenwissen ■ technisches Know-how ■ reichlich praktische Erfahrung ■ zukunftsorientiertes Denken ■ Verantwortungs- bewusstsein ■ Risikotoleranz ■ Kommunikationsfähigkeit ■ Belastbarkeit ■ Toleranz Unternehmerische Qualifikationen ■ kaufmännische Kompetenzen ■ Führungsqualitäten ■ Verhandlungsgeschick 1.3 Wie kann ich gründen? Es gibt viele Möglichkeiten, ein Unternehmen zu gründen. Vier der häufigsten sind folgende: Häufige Möglichkeiten der Unternehmensgründung Neugründung Innovation Imitation Unternehmensnachfolge Franchising Innovation Das neue Unternehmen bietet ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung an. Das heißt, es hat in dieser Art und Weise vorher nicht existiert. Imitation ideen aus dem Ausland, die am inländischen Markt eingeführt werden. Oft muss man hierbei auch mit dem Erfinder abklären, ob man das Produkt oder die Dienstleistung nachmachen darf. Bei der Imitation wird ein bereits bestehendes Pro- Natürlich sind auch Überschneidungen zwischen In- kopiert. Das heißt, es besteht bereits in dieser Art und men entwickelt ein tolles neues Produkt, hat aber dukt oder eine Dienstleistung bzw. ein Unternehmen Weise und wird nun noch einmal vermarktet. Oft handelt es sich bei Imitationen auch um Geschäfts- novation und Imitation möglich, z. B. ein Unterneh- viele andere im Programm, die auch weitere Unternehmen anbieten. 11 aktuelle Unternehmensnachfolge Vorteile Eigentum an einem bestehenden Unternehmen so- ■ Es liegen bereits Erfahrungswerte vor. Bei der Unternehmensnachfolge erwirbt jemand das wie die Rechte und Pflichten seines Vorgängers. In unserem Praxisfall 2 soll die Spenglerei von Herrn Kandl senior an seinen Sohn Thomas Kandl übergeben werden (Generationswechsel). Die Unternehmensnachfolge kann zu Lebzeiten als auch nach dem Tod eines/einer Unternehmers/in erfolgen. Eine Übergabe ist sowohl innerhalb der Familie als auch familienextern (z. B. Kauf, Pacht eines bestehenden Unternehmens durch einen Dritten) möglich. ■ Ein Unternehmenskonzept ist bereits vorhanden. ■ Das Unternehmen hat einen eingeführten, bekannten Namen und Standort. ■ Produkte, Absatzmärkte und Kundenstock sind bereits vorhanden. ■ Es gibt ein Team von erfahrenen und eingespielten Mitarbeitern. ■ Es gibt ein Netz von Geschäftspartnern (Lieferanten), mit denen in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet wurde. ■ Es liegen bereits konkrete Unternehmenszahlen vor (aufgrund von Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen etc.). Sowohl als Nachfolger als auch als Übergeber sind ne- ■ Ein laufender Betrieb hat höhere Ertragschancen. legungen anzustellen, um Risiken besser einschätzen Herausforderungen Als Nachfolger sind folgende Fragen wichtig: ■ Sind die Produktionsmittel (z. B. Maschinen) noch ■ Passt das Unternehmen zu mir? ■ Akzeptieren die Mitarbeiter und Kunden den ■ Welche Vorteile hat die Übernahme eines ■ Es ist möglicherweiser ein größerer Kapitalbedarf ben rechtlichen Fragen vorab viele persönliche Überzu können und um Übergabefehler zu vermeiden. ■ Bin ich als Nachfolger wirklich geeignet? ■ Habe ich die notwendigen Qualifikationen? bestehenden Unternehmens? ■ Welche Verpflichtungen kommen auf mich zu? Welche Vorteile und Herausforderungen gibt es bei ■ Ich muss prüfen, ob die Produkt- und Leistungs­ palette nicht veraltet ist. in Ordnung? Übergang? notwendig als bei Neugründung. Dadurch ergibt sich auch ein höheres Risiko. ■ Man trägt Verantwortung gegenüber den übernommenen Mitarbeitern. einer Betriebsübernahme? ■ Man übernimmt Verpflichtungen aus Wer ein bestehendes Unternehmen übernimmt, ■ Man haftet auch für bestehende Schulden. währtes Unternehmenskonzept. Es können viele Jah- Damit eine Betriebsübergabe sowohl für Nachfolger Betriebsinhaber kann relativ rasch seine eigenen rechtzeitig die Betriebsnachfolge zu planen und indi- übernimmt ein bereits vorhandenes, in der Praxis be- re der Aufbauarbeit übersprungen werden. Der neue Ideen und Vorstellungen in einem funktionierenden Betrieb verwirklichen. 12 Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef U N TE R L AG E vorhandenen Verträgen. als auch Übergeber optimal läuft, ist es notwendig, viduelle Beratung einzuholen. Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef 73 | Dez. | 2012 Franchising Franchising ist ein Kooperations- und Vertriebssystem, in dem rechtlich selbstständige Unternehmen Waren und Dienstleistungen vermarkten. Dabei gibt es zwei Parteien: den Franchisegeber und den Franchisenehmer. Der Franchisegeber hat die Aufgabe ein Franchisepa- ket zur Verfügung zu stellen. Dieses Paket beinhaltet gewisses Know-how, das heißt Wissen über die Grün- dung und Führung eines bestimmten Unternehmens. Der Franchisenehmer verpflichtet sich dieses Paket zu nutzen und dafür eine bestimmte Geldsumme zu zahlen. Er ist selbstständiger Unternehmer. Zwischen dem Franchisegeber und dem Franchisenehmer besteht ein Franchisevertrag, der die Zusam- menarbeit regelt. Diese Zusammenarbeit ist meist sehr eng und auf Dauer ausgerichtet. Die folgende Übersicht veranschaulicht noch einmal die Funktionen und den Zusammenhang der beiden Parteien: Das franchisesystem Franchisegeber Franchisenehmer Franchisevertrag, regelt die Zusammenarbeit stellt Franchisepaket mit gewissem Know-how zur Verfügung Auf weitere Leistungen von Franchisegeber und -nehmer wird im nächsten Punkt noch genauer eingegan- gen. verpflichtet sich, das Paket entgeltlich zu nutzen Welche Leistungen haben Franchisegeber und Franchisenehmer zu erbringen? In den meisten Franchisesystemen stehen einem Bekannte Franchisesysteme in Österreich sind: Franchisegeber mehrere Franchisenehmer gegen- Body Shop. Generell wird das Franchising in Öster- haben spezielle Aufgaben und bilden daher eine ge- reich immer beliebter. über. Beide Parteien (Franchisegeber und -nehmer) wisse Arbeitsteilung. Diese Konzentration auf gewis- se Bereiche steigert die Produktivität. pcruciatti / Shutterstock.com McDonald’s, Palmers, Yves Rocher, OBI, Pizza Hut und 13 aktuelle Die Leistungen des Franchisegebers sind dabei Der Franchisenehmer verpflichtet sich, die Zurverfügungstellung ■ unternehmerisches Engagement und ■ eines erprobten und bekannten Unternehmenskonzepts und somit einer Gründungsidee und ■ einer Software, die eine einheitliche Buchhaltung und ein einheitliches Controlling ermöglicht der Aufbau eines Franchise-Systems inklusive ■ einer Vertragsgestaltung ■ einem Franchise-Handbuch und ■ eines System-Managements (Controlling, Betriebsvergleiche, Verwaltung, EDV) die Durchführung ■ eines System-Marketings und ■ überregionaler Werbung Hilfestellung bei ■ der Marktforschung ■ der Standortwahl ■ der Beratung ■ der Finanzierung und ■ der Geschäftseinrichtung Sicherung von Schutzrechten bezüglich ■ Marken ■ Patente ■ Lizenzen und ■ Design Sonstige Pflichten: ■ Gemeinsame Warenbeschaffung und dadurch Ermöglichung von Preisvorteilen ■ Motivation der Franchisenehmer und Schaffung eines guten Klimas innerhalb des Systems ■ Weiterbildung der Franchisenehmer und deren Mitarbeiter ■ Erhaltung und Weiterentwicklung des Systems Die Leistungen des Franchisenehmers sind im Gegen- satz dazu etwas überschaubarer. 14 Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef U N TE R L AG E Risikobereitschaft zu zeigen, ■ die Arbeitsleistung persönlich zu erbringen, ■ das notwendige Kapital zur Verfügung zu stellen, ■ die vereinbarten bzw. vorgegebenen Franchise­ gebühren zu zahlen, ■ das nötige Personal einzustellen und zu führen, ■ die Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, ■ Kunden gut zu betreuen, ■ Markt- und Erfolgsinformationen des Unternehmens an den Franchisegeber weiterzugeben, ■ sich so zu verhalten, wie es das System verlangt, ■ aktiv an der Weiterentwicklung des Systems mitzuarbeiten, ■ die Pflicht zur Geheimhaltung zu wahren und ■ nicht gegen das Wettbewerbsverbot zu verstoßen (z. B. mit einem Konkurrenten zusammen­arbeiten). Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef 73 | Dez. | 2012 Welche Vorteile und Herausforderungen haben Franchisesysteme? VORTEILE FÜR FRANCHISENEHMER HERAUSFORDERUNGEN FÜR FRANCHISENEHMER ■ Der Franchisenehmer kann in ein bereits bestehendes und erprobtes Konzept eintreten. ■ Der Franchisenehmer hat ein geringeres Gründungs- und Unternehmerrisiko. ■ Durch die Gruppe der Franchisenehmer ergeben sich bessere Einkaufs- und Verhandlungskonditionen. ■ Der Franchisenehmer ist Mitglied eines Teams und kann sich stets Informationen und Hilfe von den anderen Teammitgliedern holen. ■ Der Franchisenehmer hat einen überschaubaren Kapitalbedarf, den er meist im Vorhinein schon ziemlich genau berechnen kann. ■ Der Franchisenehmer kann das Know-how des Franchisegebers nutzen. ■ Der Franchisenehmer hat nur einge­ schränkte Möglichkeiten, das bestehende System zu ändern. ■ Der Franchisenehmer hat nur eingeschränkte unternehmerische Freiheit und muss sich an die Vorgaben des Konzepts halten. ■ Der Franchisenehmer muss immer Kompromisse mit den anderen Franchisenehmern und dem Franchisegeber finden. ■ Der Franchisenehmer muss dem Franchisegeber laufend Informationen liefern. ■ Der Franchisenehmer muss regelmäßig Gebühren an den Franchisegeber abführen. VORTEILE FÜR FRANCHISEGEBER HERAUSFORDERUNGEN FÜR FRANCHISEGEBER ■ Der Franchisegeber kann neue Geschäfts­ ideen mit Hilfe der Franchisenehmer umsetzen. ■ Der Franchisegeber kann seinen Marktauftritt ohne zusätzliches Kapital verstärken. ■ Der Franchisegeber muss laufend für Schulungs- und Informationsveran­ staltungen sorgen. ■ Der Franchisegeber muss das System aufrecht erhalten, laufend verbessern und an der Beziehung zwischen den Franchisenehmern arbeiten. ■ Je größer das System wird und je mehr Franchisenehmer es gibt, desto schwieriger wird es für den Franchisegeber den Überblick zu bewahren. In vielen Franchisesystemen gibt es auch Franchisevertreter. Diese setzen sich für die Rechte der Franchise- nehmer ein, was natürlich auch einen wesentlichen Vorteil für die Franchisenehmer darstellt. 15 aktuelle Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef U N TE R L AG E Welche Formen von Franchising gibt es? Es können drei unterschiedliche Franchisesysteme nach der Geschäftstätigkeit unterschieden werden: Formen von Franchising Produktions-Franchising Vertriebs-Franchising Produktions-Franchising Bei dieser Art von Franchising wird lediglich das Know-how zur Produktion eines Produkts überlassen. Dienstleistungs-Franchising Beim Dienstleistungs-Franchising wird das Knowhow zur Dienstleistungserbringung überlassen. Die Das heißt, der Franchisenehmer erfährt, wie er be- Produktion oder der Verkauf von Produkten steht rialien, Maschinen und Vorgänge er dafür braucht). Dienstleistungs-Franchising sind Sonnenstudios, Rei- Vertriebs-Franchising des Franchisings dem Vertriebs-Franchising mengen- der Verkauf von Gütern im Vordergrund. Diese Art des nehmender Beliebtheit. stimmte Produkte erzeugen kann (z. B. welche Mate- Beim Vertriebs-Franchising steht der Vertrieb, sprich Franchisings ist im Moment die am häufigsten durch- dabei eher im Hintergrund. Typische Beispiele für sebüros oder Nachhilfeinstitute. Obwohl diese Art mäßig noch hinterherhinkt, erfreut es sich jedoch zu- geführte Art. Die oben erwähnten großen Franchise- Wann ist man für ein Franchisesystem geeignet? diese Form von Franchising an. Im Vordergrund steht ■ generell den Wunsch der Selbstständigkeit hat, systeme wie McDonald’s, Palmers, Obi usw. wenden unter anderem der Verkauf von Burger, Unterwäsche und Baumarktartikeln. 16 Dienstleistungs-Franchising Als Franchisenehmer ist man geeignet, wenn man ■ jedoch eher risikoscheu ist und ■ die Zusammenarbeit mit anderen bevorzugt. Baustein 2: Ich packe es an 73 | Dez. | 2012 Baustein 2: Ich packe es an In diesem Baustein erfahren Sie, einmalige Einstiegsgebühr von 500 Euro bezahlen. ■ in welcher Form ein Unternehmen gegründet Franchiseunternehmen des Instituts zu besuchen, um werden kann, ■ wie die Gründung eines Unternehmens finanziert werden kann, ■ wo ein Unternehmen gegründet werden sollte, ■ warum ein Unternehmensgründer einen Businessplan erstellt. Sie hatten in dieser Zeit auch die Möglichkeit, andere einen Einblick in deren Arbeitsweise zu bekommen. Zusätzlich bekamen sie auch ein Franchisehandbuch, indem genau festgehalten war, wie das Nachhilfeinstitut zu führen ist. Die Schulungen absolvierten sie zur gleichen Zeit, in der sie mit Hilfe eines Immobilienmaklers einen pas- senden Standort suchten. Für die Kosten der Schulungen mussten Susanne und Manfred selbst auf- Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers gründen ein Nachhilfeinstitut aber es mussten einige kleine Umbauarbeiten durch- Aufgrund des Inserats nahmen Susanne und Manfred holten sich Susanne und Manfred auch einige Tipps Kontakt mit dem Nachhilfeinstitut auf und besuchte kommen. Die Lage und Größe des Standorts passten, geführt werden. Für die Einrichtung des Standorts vom Franchisegeber und anderen Franchisenehmern. einen Franchiseinformationsabend des Instituts. Da- Sie schafften es dann, den Standort mit ihrem einge- terschreiben, um genauere Informationen über Um- vorgegebenen Standards des Franchisegebers und bei mussten sie eine Geheimhaltungserklärung un- planten Budget so einzurichten, dass er sowohl den satzzahlen und organisatorische Details zu erhalten. auch ihren Vorstellungen entsprach. Einige Zeit später bekamen sie ein Muster eines Fran- Für die Einrichtung einer passenden Bibliothek muss- chisevertrags. Es wurde dann ein individueller Ge- schäftsplan erstellt wurde und beide Parteien konn- ten sie eine Paketgebühr an den Franchisegeber zahlen, um mit allen notwendigen Büchern und Kopier- ten sich über die Vertragsinhalte einigen. Der Vertrag vorlagen ausgestattet zu werden. Noch während der einen reibungslosen Betrieb ihres Nachhilfeinstituts sich Susanne und Manfred daran, einen Marketing- wurde unterzeichnet. Damit Susanne und Manfred gewähren konnten, gründeten sie eine OG mit dem Standort umgebaut und eingerichtet wurde, machte plan und einen Businessplan zu erstellen. Dabei gab es Namen „Singer OG“. Als Startkapital mussten sie zwar ein paar Vorgaben vom Franchisegeber, den Groß- vorweisen. Da sie diesen Betrag bereits angespart stimmen. Für alle Kosten für Werbeaktivitäten würden beim Franchisegeber einen Betrag von 35.000 Euro teil konnten bzw. mussten jedoch die beiden selbst be- hatten, mussten sie dafür keinen Kredit aufnehmen. sie selbst aufkommen müssen. Im Franchisehandbuch Den Großteil dieses Betrags benötigten sie für die An- onen und Richtlinien, die sie beim Entwurf ihrer Wer- ketingaktivitäten. Außerdem mussten sie auch eine plante Susanne z. B. ein Fest mit Livemusik. mietung des Standorts, Schulungen und diverse Mar- fanden sie unter anderem die notwendigen Informatibemaßnahmen zu beachten hatten. Für die Eröffnung 17 aktuelle U N TE R L AG E Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl übernimmt einen Spenglereibetrieb Thomas freut sich über das Vertrauen seines Vaters, Über den Standort braucht er sich zunächst einmal lich geeignet ist. Bis jetzt war Thomas angestellt, terhin mieten kann. Langfristig möchte er sich aber hat aber dennoch Zweifel, ob er als Nachfolger wirk- hatte ein regelmäßiges Einkommen und musste sich nicht um die finanziellen Angelegenheiten der Firma kümmern. Er fragt sich, ob er den Erfolg des Unter- nehmens fortführen kann? In welcher Form soll er das Unternehmen fortführen? Soll er eine GmbH gerne in einem kleinen Gewerbegebiet ansiedeln. Die Büroarbeiten wird voraussichtlich seine Frau Manue- la erledigen. Am meisten beunruhigt Thomas, dass in den Win- gründen oder wie sein Vater ein Einzelunternehmen termonaten die Auftragslage sehr gering ist und er Da Herr Kandl senior beabsichtigt, seinem Sohn das Bank ausverhandeln muss, um die laufenden Kosten betreiben? Unternehmen zu schenken, ist der anfängliche Kapi- talbedarf nicht hoch. Thomas weiß aber, dass in na- wahrscheinlich einen Überziehungsrahmen mit der (Miete, Mitarbeiter etc.) in dieser Zeit abzudecken. her Zukunft einige Anschaffungen notwendig sein Bevor er zur Bank geht, möchte er seine Ideen in einem neuesten Stand der Technik und die Reparaturen des seiner finanziellen Mittel machen. Außerdem möchte werden. Ein paar Maschinen sind nicht mehr am Klein-LKWs häufen sich. Für Anfangsinvestitionen hat Thomas 25.000 Euro in Form von Wertpapieren an- gespart. Zusätzlich hat er noch eine Lebensversicherung, in die er monatlich 100 Euro einzahlt. 18 keine Gedanken machen, da er die Werkstatt wei- Businessplan zusammenfassen und eine Aufstellung er wissen, ob es Förderungen für Unternehmensgrün- der gibt. Dazu informiert sich Thomas bei der Wirt- schaftskammer und holt sich zusätzlich fachkräftige Unterstützung von einem Steuerberater. Baustein 2: Ich packe es an 73 | Dez. | 2012 2.1 Welche Unternehmensformen gibt es in Österreich? Gründet jemand in Österreich ein Unternehmen, muss er dafür eine Unternehmensform wählen. Die folgen- WISSEN 2 de Abbildung gibt einen Überblick über die verschiedenen Unternehmensformen. UNTERNEHMENSFORMEN Öffentliche Unternehmen protokolliert Private Unternehmen Einzelunternehmen nicht protokolliert Gesellschaften bürgerlichen Rechts Gesellschaftsunternehmen Handels- gesellschaften Personengesellschaften Offene Gesellschaft (OG) Kommanditgesellschaft (KG) Stille Gesellschaft Genossenschaften Kapitalgesellschaften Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Aktiengesellschaft (AG) Ein Einzelunternehmen kann sehr rasch und einfach Die Gesellschaftsunternehmen lassen sich weiter anmeldung oder Bewilligung. Ab einer bestimmten Handelsgesellschaften und Genossenschaften. gegründet werden. Es entsteht mit der Gewerbe- Jahresumsatzgrenze (2012: 700.000 Euro) muss das Einzelunternehmen protokolliert, sprich in das Fir- untergliedern in Gesellschaften bürgerlichen Rechts, Die Handelsgesellschaften wiederum gliedern sich in menbuch eingetragen werden. Liegt der Jahresum- Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. suchen, ob er das Unternehmen protokollieren lassen dass die Inhaber von Personengesellschaften auch satz unter dieser Grenze, kann sich der Inhaber aus- will oder nicht. Der Inhaber eines Einzelunternehmens übernimmt das volle Risiko des Unternehmens. Er haftet unbeschränkt und mit seinem privaten Vermö- gen. Andererseits steht ihm jedoch auch der gesamte Gewinn alleine zu. Er muss das Unternehmen nicht alleine betreiben, sondern kann auch Arbeitnehmer beschäftigen. Bis zur oben genannten Jahresumsatz- Der wesentlichste Unterschied hierbei besteht darin, mit ihren Privatvermögen haften. Bei Kapitalgesellschaften ist dies nicht der Fall. Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht über die Un- terschiede und Merkmale der Personen- und Kapital- gesellschaftsformen. grenze ist der Einzelunternehmer berechtigt, lediglich eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu führen. 19 aktuelle Baustein 2: Ich packe es an U N TE R L AG E GESELLSCHAFTSFORM MERKMALE Personengesellschaften Offene ■ Kann für jeden unternehmerischen und nicht-unternehmerischen Zweck gegründet ■ Die Gründung erfolgt durch einen formfreien Gesellschaftsvertrag zwischen ■ Sie muss auf jeden Fall in das Firmenbuch eingetragen werden. ■ Die Gläubiger der OG können jeden Gesellschafter zur Bezahlung der Schulden Kommandit- ■ Die Kommanditgesellschaft ist ähnlich aufgebaut wie die Offene Gesellschaft. ■ Der Komplementär haftet unbeschränkt (mit dem Privatvermögen), solidarisch (er Gesellschaft (OG) werden, einschließlich freiberuflicher und land- und forstwirtschaftlicher Tätigkeit. mindestens zwei Personen. ■ Alle Gesellschafter sind zur Mitarbeit verpflichtet und berechtigt. Sie haften auch mit ihrem Privatvermögen (unbeschränkte Haftung). heranziehen (solidarische Haftung). gesellschaft (KG) Es gibt jedoch den Unterschied, dass zumindest ein Gesellschafter ein Kommanditist und ein weiterer ein Komplementär sein muss. haftet für die gesamten Schulden) und direkt (der Gläubiger kann sich sofort an ihn wenden und muss nicht zuerst die Gesellschaft klagen). ■ Der Kommanditist hingegen haftet nur bis zu einem gewissen Betrag, der auch in das Stille ■ Eine stille Gesellschaft entsteht dadurch, dass sich eine Person mit einem gewissen ■ Meist ist eine stille Gesellschaft nach außen nicht erkennbar. ■ Er ist jedoch auch berechtigt, Anteile des Gewinns zu bekommen. Firmenbuch eingetragen wird. Gesellschaft Betrag oder einer Arbeitsleistung an einem anderen Unternehmen beteiligt. ■ Der stille Gesellschafter verpflichtet sich, Verluste bis zur Höhe seiner Einlage zu tragen. Kapitalgesellschaften Gesellschaft ■ Im Unterschied zu den Personengesellschaften kann eine GmbH auch nur durch eine mit beschränkter Person errichtet werden. Haftung (GmbH) ■ Die GmbH hat eine eigene Rechtspersönlichkeit. Das heißt, sie kann Rechte erwerben, Verbindlichkeiten eingehen, klagen und geklagt werden. ■ Sie ist daher unabhängig von den Gesellschaftern. Die Gesellschafter haften also nicht ■ Um eine GmbH gründen zu können, muss ein Stammkapital von 35.000 Euro ■ Eine GmbH wird auf jeden Fall in das Firmenbuch eingetragen. Aktien- ■ Eine AG kann, so wie die Personengesellschaften, nur von zwei oder mehreren Personen ■ So wie die GmbH, hat auch die AG eine eigene Rechtspersönlichkeit. Das heißt, auch die ■ Auch bei der AG ist ein Betrag bei der Gründung zu zahlen. Er wird Grundkapital ■ Dieses Grundkapital wird in Aktien zerlegt. Diese Aktien können auch von anderen mit ihrem privaten Vermögen. aufgebracht werden. Die Hälfte von diesem Betrag muss bar eingezahlt werden. gesellschaft (AG) gegründet werden. 20 Inhaber einer AG haften nicht mit ihrem Privatvermögen. genannt und beträgt 70.000 Euro. Personen gekauft werden. Auch die AG muss in das Firmenbuch eingetragen werden. Baustein 2: Ich packe es an 73 | Dez. | 2012 2.2 Wie wird die Unternehmensgründung finanziert? Für eine erfolgreiche Unternehmensgründung und auch für den weiteren Geschäftsbetrieb ist ein realistischer Finanzplan notwendig. Der/die Unternehmer/in muss wissen, wie viel Geld in der Gründungsphase benötigt wird (z. B. für den Kauf von Maschinen) und wie hoch die Umsätze sein müssen, damit ich meine laufenden Kosten (z. B. Miete, Mitarbeiter) abdecken kann. Wichtig ist, dass das Unternehmen zahlungsfähig (= liquide) bleibt und offene Rechnungen begleichen kann. Ein Finanzplan soll aufzeigen, wann mit welchen Ausgaben, in welcher Höhe zu rechnen ist und wie diese Ausgaben finanziert werden (Erspartes, Kredite, Einnahmen). Je realistischer ein Finanzplan erstellt wird, desto geringer ist das Risiko, in einen finanziellen Engpass zu kommen. Ein Finanzplan ist auch notwendig, wenn man – wie Thomas Kandl im Praxisfall – bei seiner Bank einen Kredit (Überziehungsrahmen am Konto) bekommen möchte. In der Gründungsphase sollte man die Kosten etwas höher kalkulieren und eine Reserve von ca. 10 % ein­ planen. Wenn man zu knapp kalkuliert, kann es sehr rasch zu einem finanziellen Engpass kommen. ERMITTLUNG DES KAPITALBEDARFS 21 aktuelle Woher kommt das Geld? ■ Welche Voraussetzungen braucht es ■ Wie viel Erspartes (= Eigenkapital) gibt es? Um einen Kredit bei einer Bank zu bekommen, ist es mögensstand, z. B. Sparguthaben, Wertpapiere, zu legen. Eine gute Geschäftsidee und eine möglichst Es ist notwendig, eine Aufstellung über den Vermachen und zu überlegen, welche Sicherheiten für etwaige Kredite vorhanden sind, z. B. Lebensversicherungen, Bausparverträge, Grundstücke. Der Unternehmer Thomas Kandl hat z. B. Wertpapiere in Höhe von 25.000 Euro, um damit seine Anfangsinvestitionen zu finanzieren und verfügt auch über eine Lebensversicherung. Viele Banken verlangen – abhängig von der Höhe der Finanzierung und der Branche – üblicherweise einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 30 %. ■ Soll mit Partnern eine Gesellschaft gegründet werden? Die Unternehmer Susanne und Manfred gründen für den Betrieb des Nachhilfeinstituts eine Personenge- sellschaft, die Singer OG. Es ist einfacher Eigenkapital aufzubringen, wenn ein Unternehmen aus mehreren Partnern besteht. ■ Gibt es Förderungen? Es gibt zahlreiche Förderungen für Unternehmens- gründer. Einen Überblick bietet die Förderdatenbank der Wirtschaftskammern: www.wko.at Um Förderungen muss man ansuchen, bevor eine Anschaffung gemacht wird. Danach ist es kaum mehr für einen Bankkredit? meist nötig, einen ausführlichen Businessplan vorzugenaue Vorstellung über die Höhe des benötigten Kredits sind notwendig. Es gibt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, die auch unterschiedlich teuer sind. Mögliche Finanzierungen: - Investitionskredit z. B. zum Finanzieren von Maschinen; Laufzeit zwischen vier und 20 Jahren - Kontokorrentkredit für den laufenden Zahlungsverkehr; bis zur vereinbarten Höhe kann man frei über den Kredit verfügen (Kontoüberziehung), dient kurzfristigen Finanzierungen - Leasing z. B. KFZ-Leasing; Es wird gegen Entgelt ein Gegenstand/Gebäude etc. zur Nutzung überlas- sen. Man ist aber nicht Eigentümer des geleasten Gegenstandes, trägt aber trotzdem alle Risiken z. B. Reparaturen beim KFZ. - Lieferantenkredit: Ein Kunde kauft z. B. Waren und bezahlt nicht bei Erhalt, sondern der Lieferant räumt ihm ein Zahlungsziel z. B. 30 Tage ein. - Kundenanzahlungen: Kunde bezahlt einen Teil der Rechnung im Voraus. Davon können z. B. Wareneinkäufe für den Auftrag bezahlt werden. Es ist wichtig, sich von mehreren Banken und Kredit- instituten Vorschläge machen zu lassen und die Angebote zu vergleichen. möglich, Förderungen zu erhalten. Ob ein Kredit gut ist, hängt ab von Welche Förderungen gibt es? - der Laufzeit, - Zuschüsse z. B. für Investitionen, Beihilfen - Günstige Kredite - Übernahme von Bürgschaften und Garantien - Geförderte Beratung z. B. kostenlose Rechtsberatung - Befreiung von bestimmten Gebühren und Abgaben z. B. Neugründungsförderung 22 Baustein 2: Ich packe es an U N TE R L AG E - den Zinsen, - der Höhe der Raten, - den zusätzlich anfallenden Kosten. Um die verschiedenen Kreditangebote vergleichen zu können, muss man den Effektivzinssatz kennen. Der Effektivzinssatz berücksichtigt alle einmaligen Gebüh- ren und laufende Spesen, Entgelte und Gebühren. Baustein 2: Ich packe es an 73 | Dez. | 2012 2.3 Was ist ein Finanzplan? Die Gegenüberstellung der Zahlungseingänge und der Zahlungsausgänge erfolgt im Finanzplan. 23 aktuelle Baustein 2: Ich packe es an U N TE R L AG E 2.4 Welche Voraussetzungen muss ein geeigneter Standort erfüllen? Die Wahl des passenden Standorts ist neben der Finanzierung und der Wahl der Unternehmensform eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Unternehmensgründung. Folgende Faktoren sollten bei der Standortwahl beachtet werden: Faktoren bei der Standortwahl Kosten Verkehrslage Infrastruktur Verfügbarkeit von Arbeitskräften Wettbewerbslage Rechtliche Vorschriften und Auflagen Bevölkerungsdichte und Kaufkraft der Kunden Staatliche Förderungen Entfernung zu Lieferanten Betriebserweiterungsmöglichkeiten Erreichbarkeit für Kunden 2.5 Was ist ein Business Plan? Ein Businessplan ist ein schriftliches Unternehmenskonzept. Es enthält die Gesamtstrategie des Unternehmens, die geplanten Schritte zur Realisierung und eine Aufstellung über die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen. Man präsentiert ein Gesamtkonzept für die Unternehmensgründung und analysiert die Erfolgsbedingungen des Umfeldes des Unternehmens. Der Businessplan dient auch zur Kontrolle, ob die Ziele letztendlich erreicht wurden. Für wen wird ein Businessplan überhaupt erstellt? ■ für den/die Unternehmer/in selbst (er/sie denkt und plant) ■ für die Gesellschafter eines Unternehmens z. B. die Mitunternehmer der Singer OG ■ für die Kreditgeber z. B. Kreditinstitut und andere Kapitalgeber ■ für öffentliche Stellen z. B. wenn man um Förderungen ansuchen möchte Welche Fragen soll der Businessplan beantworten? ■ Welchen Nutzen bietet das Unternehmen seinen Kunden? ■ Gibt es einen Markt? Gibt es ausreichend Kunden für das Unternehmen? ■ Wodurch hebt sich das Produkt oder die Dienstleistung von der Konkurrenz ab? ■ Ist das Geschäftskonzept in sich schlüssig? ■ Überzeugt das Management? usw. 24 Baustein 2: Ich packe es an Welche Inhalte finden sich notwendigerweise in einem Businessplan? 1. Executive Summary (Zusammenfassung) Es soll kurz und bündig das Wesentliche des Unterneh- mens (Geschäftsidee, Leistungsangebot, Gründung des Unternehmens etc.) dargestellt werden. 2. Unternehmensprofil ■ Eckdaten des Unternehmens: Firmenwortlaut, Sitz des Unternehmens etc. ■ Geschäftsidee darstellen: In welchem Bereich ist das Unternehmen tätig? 73 | Dez. | 2012 6. Finanzierung ■ Welchen Umsatz erwartet man im ersten Jahr? In den nächsten fünf Jahren? ■ Bei welchem Umsatz liegt der Break-Even-Point? ■ Welche Kosten werden erwartet? ■ Wie hoch ist der Kapitalbedarf in der Gründungsphase? ■ Muss man einen Kredit aufnehmen? … 7. Ausblick Wie könnte die Zukunft aussehen? ■ Fachliche/kaufmännische Qualifikationen darstellen ■ Motivation zur Selbstständigkeit darlegen ■ Standortwahl begründen … 3. Leistungsangebot ■ Welche Leistungen werden angeboten? ■ Wie unterscheidet sich der/die Gründer/in von der Konkurrenz? ■ Wer werden die Kunden sein? Wie können sie … gewonnen und gehalten werden? 4. Branche, Markt und Wettbewerb ■ In welcher Branche ist das Unternehmen tätig? Welche Merkmale sind charakteristisch für diese Branche? ■ In welcher Region wird das Unternehmen tätig? ■ Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? ■ Beschreibung der Stärken und Schwächen der Konkurrenten im Vergleich zu den eigenen … Stärken und Schwächen. 5. Marketing & Public Relation ■ Wie werden die Preise gestaltet? ■ Wie sollen die Produkte/Leistungen vertrieben werden? ■ Welche Werbemaßnahmen/Aktionen sind geplant? 25 aktuelle Baustein 2: Ich packe es an U N TE R L AG E 2.6 Was ist Marketing? Das Marketing Grundlage des langfristigen Unternehmenserfolges ist ein funktionierendes Marketing. Wie lange würde wohl ein Unternehmen am Markt existieren, wenn es zwar produziert, aber sich nicht darum kümmert, ob seine Produkte/Dienstleistungen überhaupt nachgefragt werden und dass die Kunden von den Produkten/Dienstleistungen Bescheid wissen. Unter Marketing versteht man ein ganzes Bündel an Aktivitäten, die hier in einem kurzen Überblick dargestellt werden sollen. marketing Marktforschung und Marktbeobachtung Marketing-Mix Produkt- und Sortimentspolitik Preispolitik Basis für das Marketing ist die Marktbeobachtung und die Marktforschung. Aufgabe dieser beiden Be- reiche ist es, die Wünsche und Bedürfnisse der potenziellen Kunden zu erheben. Kommunikationspolitik Die Marktforschung lässt sich in die primäre und in die sekundäre Marktforschung einteilen. Die primäre Marktforschung gewinnt ihre Informati- onen aus einer Untersuchung mit Marktteilnehmern. Bei der Marktbeobachtung und Marktforschung gilt Methoden, um zu den Informationen zu gelangen, wortung von Marketingfragen zu beschaffen. Die- gen und Workshops. es daher, systematisch Informationen zur Beantser Prozess basiert meistens auf wissenschaftlichen sind Interviews, Gruppendiskussionen, Beobachtun- Methoden, die das Marktgeschehen und das Unter- Die sekundäre Marktforschung bedient sich aus be- gewinnen und zu analysieren. tiken, Reklamationen, Lagerbestandsmeldungen, Ka- nehmensumfeld beobachten, um Informationen zu Folgende Phasen sind bei der Marktbeobachtung und Marktforschung relevant: reits erhobenen Daten. Quellen dafür können Statistaloge von Mitbewerbern und vieles mehr sein. ■ Formulierung des Zweckes der Untersuchung Aufgrund der Ergebnisse der Marktforschung kommt ■ Festlegung der Informationsquellen im Marketing. Das bedeutet, dass Fragen wie „Wie ■ Erstellung eines Untersuchungsdesigns ■ Beschaffung der Informationen ■ Analyse und Interpretation der Daten ■ Präsentation der Forschungsergebnisse 26 Distributionspolitik es mittels des Marketing-Mix zu konkreten Aktionen und wo machen wir Werbung?“ oder „Wie und wo vertreiben wir unsere Produkte?“ und viele mehr mit- tels Marketing-Mix abgestimmt werden. Baustein 2: Ich packe es an Der Marketing-Mix unterscheidet vier zentrale Berei- che, die 4 P’s des Marketings: ■ product (Produkt- und Sortimentspolitik) 73 | Dez. | 2012 Mitbewerber) beeinflusst und in Einzelfällen durch staatliche Preisregulierung gebunden. Der Preis soll einerseits die Kosten decken und einen ■ price (Preispolitik) Gewinn ermöglichen. Er soll andererseits für die Ziel- ■ promotion (Kommunikationspolitik) prinzipiell interessant sein könnte und die es nachfra- ■ place (Distributionspolitik) Produkt- und Sortimentspolitik gruppe (das sind jene Personen, für die das Produkt gen könnten) akzeptabel sein. Da gibt es natürlich oft große Spielräume. Während der Preis für einen Wecken Brot sich nur in einem engen Rahmen bewegen Auf Basis dieser Daten kann dann das Sortiment kann, können sich die Preise für Parfums, Mode, Rei- nehmens) zusammengestellt werden. Die Abstim- sionen bewegen. Produkte und die Umgestaltung der Produkte sind Distributionspolitik politik. Unter einem Produkt wird alles verstanden, (= Verteilung). Ein Produkt kann entweder direkt an (= gesamte Produkt-/Leistungspalette eines Unter- mung des Sortiments sowie die Einführung neuer die Aufgabenbereiche der Produkt- und Sortiments- was einer Person, einem Unternehmen oder einer Organisation angeboten werden kann, um ein Bedürfnis oder einen Wunsch zu befriedigen. Viele Produkte müssen immer wieder weiter entwi- ckelt werden, um konkurrenzfähig zu bleiben. Waschmittel bekommen neue Zusätze, einen anderen Duft etc. Für ein Unternehmen ist es wichtig, seinen Marktanteil zu halten oder sogar auszubauen, indem es durch die ständige Weiterentwicklung des Pro- duktes einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hat. Es gibt jedoch auch Produkte, die seit langem unver- ändert sind und das für Marketingzwecke besonders betonen: „Originalrezept seit über 100 Jahren“. Preispolitik Ein hoher Stellenwert im Marketing-Mix fällt der Preis- politik zu, da über den Preis sehr häufig die Entschei- dung des Kunden über Kauf oder Nicht-Kauf eines Produktes bzw. einer Dienstleistung getroffen wird. Im Rahmen der Preispolitik wird nicht nur der Preis der Waren und Dienstleistung festgelegt, sondern auch die weiteren Preiskonditionen, wie Rabatte und Skonti, sowie Zahlungsziele, die den Kunden gewährt sen, Spielzeug etc. in ganz unterschiedlichen Dimen- Ebenso von Bedeutung ist die Distributionspolitik den Kunden verkauft werden oder über selbstständi- ge Zwischenhändler (Groß- und Einzelhandelsunternehmen), angestellte Außendienstmitarbeiter, eigene Filialen, mit Hilfe von Katalogen, über das Internet etc. Aufgabe der Distribution ist daher die Organisation der Absatzwege und die Wahl des Betriebsstandortes. Wichtig ist, dass die Waren und Dienstleistungen den Kunden dort angeboten werden, wo sie sie nachfragen. Für den Produzenten eines Waschmittels ist es da- her wichtig, dass sein Produkt von allen großen Supermarktketten und Drogeriemärkten angeboten wird. Kommunikationspolitik Die Kommunikationspolitik ist jener Bereich, der im allgemeinen Sprachgebrauch immer als erstes mit Marketing in Verbindung gebracht wird. Darunter versteht man abgesehen von der klassischen Medi- enwerbung (Schaltung von Inseraten im Fernsehen, im Rundfunk, in Zeitungen und Zeitschriften, Plakate etc.) auch den persönlichen Verkauf und die Öffent- lichkeitsarbeit (Sponsoring von diversen Veranstal- tungen, Homepage des Unternehmens, Berichterstattung in Medien etc.). Wichtig ist, die Zielgruppe werden. Die Preisgestaltung des Unternehmens kann über das Produkt und seine Vorzüge gegenüber on orientieren, sondern wird je nach Marktmacht Produkt kennen und in der Lage sein, es von anderen, sich dabei nicht nur an der eigenen Kostensituati- durch die Preisgestaltung anderer Unternehmen (der Konkurrenzprodukten zu informieren. Sie sollen das ähnlichen Produkten zu unterscheiden. 27 aktuelle Baustein 2: Ich packe es an U N TE R L AG E Was ist ein Marketingplan? Der Marketingplan dient dazu, alle Überlegungen zum Thema Marketing auf Papier zu bringen und bietet die Möglichkeit, das Konzept nochmals zu überdenken und eventuell zu verbessern. Ein Marketingplan sollte im Optimalfall folgenden Aufbau haben: Marketingplan Situation analysieren mit Hilfe der Marktforschung Markt: – Kunden – Konkurrenz – Absatz – Umfeld Unternehmen: – Stärken – Schwächen – Unternehmensphilosophie Ziele und Strategien festlegen Maßnahmen planen und durchführen mit Hilfe des Marketing-Mix Kontrolle (Soll-Ist-Vergleich) Ein Marketingplan sollte auf alle Fälle auch mit der Unternehmensidentität abgestimmt werden. 2.7 Was ist Corporate Identity? Corporate Identity (CI) bedeutet Unternehmensidentität. Sie bildet den Charakter eines Unternehmens ab. Denn ähnlich wie bei einer realen Person, besitzt auch jedes Unternehmen eine eigene Persönlichkeit, die sich durch gewisse Handlungen und Werte nach außen präsentiert. Die Unternehmensidentität lässt sich unter anderem weiter untergliedern in: ■ Unternehmensdesign (Corporate Design): Gestaltung des Unternehmenslogos, des Briefpapiers, der Visitenkarten, der Website, der Arbeitskleidung, der Arbeitsräumlichkeiten usw. ■ Unternehmenskommunikation (Corporate Communication): Gestaltung von Werbemaßnahmen und der Öffentlichkeitsarbeit ■ Unternehmensverhalten (Corporate Behaviour): Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit, den Kunden, den Mitarbeitern, den Lieferanten und anderen Partnern 28 Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in 73 | Dez. | 2012 Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in In diesem Baustein erfahren Sie, ■ welche Behördenwege bei der Gründung zu erledigen sind, Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl übernimmt einen Spenglereibetrieb Einige Kunden haben bereits von der Unternehmens- ■ welche gewerberechtlichen Voraussetzungen übergabe gehört und Thomas hat schon einige Auf- ■ wer ihn/sie dabei unterstützt. ne durchführen und im Mai einen Spengler anstellen. ein/e Gründer/in zu erfüllen hat, träge in Aussicht. Er möchte die ersten Aufträge allei- Davor hat er noch einige Behördenwege zu erledigen. Er hat sich gut informiert und außerdem noch Un- terstützung vom steuerlichen Vertreter seines Vaters Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers gründen ein Nachhilfeinstitut geholt. Endlich wurde das Nachhilfeinstitut Singer eröffnet. Wirtschaftskammer. Um sich Wege zu ersparen, ver- Das Interesse beim Eröffnungsfest war groß. Bereits an diesem Tag gab es acht Anmeldungen und die Tage darauf folgten weitere 13. Susanne und Manfred möchten Studenten als Nach- Thomas besucht die Neugründungsberatung bei der sucht er so viel wie möglich online zu erledigen. Er meldet sein Gewerbe an, beantragt beim Finanzamt eine Steuernummer und meldet sich bei der Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft. hilfelehrer gewinnen. Von anderen Franchiseneh- Um Mitarbeiter anmelden zu können, muss bei der gute Erfahrungen gemacht wurden. Auch Hinweise mer angefordert werden. Außerdem muss er sich mern haben die beiden erfahren, dass mit Studenten haben sie bekommen, wo man am besten nach ge- Gebietskrankenkasse noch eine Beitragskontonum- noch bei der Gemeinde melden, da er für seinen Mit- eigneten Studenten suchen sollte. Manfred formu- arbeiter Kommunalsteuer abzuführen hat. dieses im Internet und in verschiedenen Zeitungen. Zumindest braucht er keine neue Benützungsbewil- lierte daher gleich ein Stelleninserat und publizierte Relativ schnell konnte ein kleines Lehrerteam aus gut qualifizierten Studenten für unterschiedlichste Unterrichtsfächer zusammengestellt werden. Sobald ligung für die Werkstatt, da er das Unternehmen sei- nes Vaters fortführt. die Lehrer zu unterrichten begannen, wurden sie als freie Dienstnehmer angestellt und mussten daher auch bei der Gebietskrankenkasse gemeldet werden. Die Informationen zur Anmeldung der Lehrkräfte mussten sich Susanne und Manfred selbstständig einholen. Ende Februar konnten schon die ersten Nachhilfe- stunden beginnen. Für die Preiskalkulation bekamen die Singers einen Richtwert vom Franchisegeber. So- mit konnten sie sich eine aufwändige Preisberech- nung ersparen. Der Franchisegeber gab den Preis nicht vor, er verlangte jedoch einen bestimmten Mindest- bzw. Höchstpreis. 3.1 Angebote der Wirtschaftskammern für Gründer Für Jungunternehmer bietet das Gründerservice der Wirtschaftskammern umfangreiche Beratung an. Im Zusammenhang mit einer Neugründung werden ei- nige Abgaben, Beiträge und Gebühren, die bei einer Unternehmensgründung anfallen, nicht eingehoben, wenn man sich von der Wirtschaftskammer beraten lässt und das Formular für Neugründungsförderung (NEUFÖG) beantragt. 29 aktuelle U N TE R L AG E Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in Erklärung der Neugründung (Thomas Kandl), Formular Download: www.bmf.gv.at WISSEN 3 30 Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in 73 | Dez. | 2012 3.2 Rechtsanwalt oder Notar 3.4 Gewerbebehörde Die Singer OG wird durch Abschluss eines Gesell- Bei der Gewerbebehörde (Magistrat oder Bezirks- schaftsvertrages errichtet. Er regelt die Rechte und hauptmannschaft) muss sich Thomas Kandl den Ge- Pflichten – z. B. Haftung oder Gewinnverteilung – der werbeschein ausstellen lassen. Die Anmeldung kann sowohl schriftlich als auch mündlich geschlossen dung (siehe unten). ist aber empfehlenswert. Die Gewerbeordnung unterscheidet folgende Arten 3.3 Firmenbuch ■ Freie Gewerbe: es ist kein Befähigungsnachweis Gesellschafter (mindestens zwei Personen) und kann werden. Die Mitwirkung eines Anwalts oder Notars Die Singer OG entsteht erst mit Eintragung in das Firmenbuch. Die Gesellschafter (Susanne und Man- fred Singer) können selbst den Antrag auf Eintragung verfassen. Die Unterschriften sind jedoch von einem Notar oder vom Gericht zu beglaubigen. Das Firmenbuch ist ein öffentliches Verzeichnis, das von den Landesgerichten und in Wien vom Handels- gericht geführt wird. Dort werden Tatsachen wie z. B. persönlich erfolgen oder über eine Online-Anmel- von Gewerben: vorgeschrieben; z. B. Werbeagentur, Handelsgewerbe, Grafiker ■ Reglementierte Gewerbe: für diese Gewerbe ist ein Befähigungsnachweis (z. B. Meisterprüfung, Befähigungsprüfung) notwendig; z. B. Tischler, Gärtner, Spengler ■ Teilgewerbe: die Befähigung kann auf vereinfachte Art nachgewiesen werden (Lehrabschlussprüfung, Praxiszeiten); z. B. Friedhofsgärtnerei Name/Gesellschafter/Geschäftsführer und auch Ur- Welche Unterlagen braucht man eines Unternehmens offengelegt. ■ Gültiger Reisepass oder Geburtsurkunde kunden wie der Gesellschaftsvertrag oder die Bilanz In das Firmenbuch sind unter anderem folgende Unternehmen einzutragen: ■ Einzelunternehmen, wenn sie einen Jahresum- satz von 700.000 Euro (= Grenze der Rechnungslegungspflicht) erreichen oder wenn sie sich frei- willig eintragen lassen. Wenn sie im Firmenbuch eingetragen sind, dann müssen sie zum Firmennamen den Zusatz „eingetragener Unternehmer“ (e.U.) führen. zur Gewerbeanmeldung? ■ Staatsbürgerschaftsnachweis oder Aufenthaltstitel bei Nicht-EU-Bürger ■ Heiratsurkunde, wenn der aktuelle Name vom Geburtsnamen abweicht ■ Nachweis der Befähigung (wenn notwendig) ■ Meldebestätigung, wenn kein Wohnsitz im Inland vorliegt ■ Auszug aus dem Strafregister (wer nicht oder weniger als fünf Jahre in Österreich wohnhaft ist) ■ Personengesellschaften (OG, KG) ■ Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ■ Aktiengesellschaften (AG) Jedem Unternehmen wird eine Nummer, die Firmenbuchnummer, zugewiesen. 31 aktuelle U N TE R L AG E Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in Auszug aus der Gewerbeanmeldung von Thomas Kandl, Download Formular: Beim jeweiligen Bundesland, z. B. www.noel.gv.at 32 Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in 73 | Dez. | 2012 5. Finanzamt Innerhalb eines Monats ist dem Wohnsitzfinanzamt bekannt zu geben, dass eine gewerbliche Tätigkeit Thomas Kandl hat den Fragebogen gemeinsam mit seinem Steuerberater ausgefüllt. Er rechnet im ersten begonnen wurde. Es genügt ein formloses Schreiben Jahr mit einem Umsatz von ca. 80.000 Euro. Trotzdem bogen zugesandt, der ausgefüllt retourniert werden da er doch einige Investitionen tätigen muss. an das Finanzamt. Man bekommt dann einen Frage- muss. Folgende Punkte sollte man sich schon überlegt haben: ■ Mit welchem Umsatz rechnet der/die Unter­ nehmer/in im ersten Jahr/im folgenden Jahr? ■ Wie hoch wird der Gewinn (Einnahmen wird sich im ersten Jahr kaum ein Gewinn ergeben, Da seine Umsätze mehr als 30.000 Euro ausmachen werden, ist er kein Kleinunternehmer und muss Um- satzsteuer in Rechnung stellen. Außerdem hat er vor einen Mitarbeiter einzustellen. Danach erhält er vom Finanzamt die Steuernummer zugewiesen. abzüglich Ausgaben) voraussichtlich sein? ■ Werden Mitarbeiter eingestellt? ■ Muss Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden oder gilt die Kleinunternehmerregelung, da der Umsatz weniger als 30.000 Euro ausmacht? 33 aktuelle U N TE R L AG E Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in Finanzamts-Fragebogen (Thomas Kandl), Download Formular: www.bmf.gv.at 34 Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in 73 | Dez. | 2012 Sozialversicherung Gebietskrankenkasse Besitzt man einen Gewerbeschein, ist man in der Bevor Thomas Kandl und die Singer OG Mitarbeiter Regel bei der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (GSVG) versichert. Innerhalb von 14 Tagen nach Aufnahme der Tätigkeit ist eine Meldung erforderlich. Die Beiträge werden von der Sozialversicherung vierteljährlich vorgeschrieben und sind vom steuerpflichtigen Gewinn abhängig. Als Neugründer eines Unternehmens wird man in den ersten drei Jahren auf eine niedrigere Beitragsgrund- anmelden können, müssen sie eine Beitragskonto- nummer bei der zuständigen Gebietskrankenkasse beantragen. Über diese Beitragskontonummer werden dann die Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn ange- meldet. Alle Meldungen an die Krankenkassen – z. B. An- oder Abmeldungen der Mitarbeiter – erfolgen über elektronische Datenfernübertragung (ELDA). lage eingestuft. Die Kosten für die Sozialversicherung Gemeinde/Stadt ons- und Unfallversicherung. Für Tätigkeiten, die üblicherweise nicht in Wohnun- Beitragssätze 2012: Handel, braucht man für den ausgewählten Betriebs- betragen ca. 145 Euro/Monat für die Kranken-, Pensi- gen/Wohnhäusern ausgeübt werden, z. B. Handwerk, Pensionsversicherung (PV) Unfallversicherung (UV) EUR 8,25/Monat Krankenversicherung (KV) Betriebliche Vorsorgekasse 17,50 % standort eventuell eine Widmung und eine Benüt- 7,65 % zungsbewilligung. 1,53 % Beschäftigt man Dienstnehmer, muss man ebenfalls Hinweis: Nachdem der Steuerbescheid eines Jahres vor- liegt, werden die vorläufigen Sozialversicherungsbei- eine Meldung an die Gemeinde bzw. Stadt machen, da Kommunalsteuer abzuführen ist. träge aufgrund des steuerlichen Gewinns nachbemessen und es kommt oft zu höheren Nachzahlungen. Gewerbetreibende können eine Ausnahme von dieser Pflichtversicherung beantragen, wenn ■ der erwartete Gewinn unter der sogenannten Geringfügigkeitsgrenze (derzeit 2012 376,26 Euro/ Monat bzw. 5.515,12 Euro/Jahr) liegt ■ der Umsatz nicht höher als 30.000 Euro ist ■ man innerhalb der letzten 60 Kalendermonate nicht mehr als zwölf Monate in der GSVG versichert war 35 aktuelle U N TE R L AG E Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in Gebietskrankenkasse: Anforderung einer Betragskontonummer durch Thomas Kandl Formular Download: www.sozialversicherung.at 36 Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in 73 | Dez. | 2012 37 aktuelle U N TE R L AG E Baustein 4: Mein erstes Jahr Baustein 4: Mein erstes Jahr In diesem Baustein erfahren Sie, ■ was bei der Beschäftigung von Mitarbeitern zu beachten ist, Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl übernimmt einen Spenglereibetrieb Thomas Kandl hat schon einige Auftragseingänge. ■ welche Kosten für Mitarbeiter entstehen, Da er die Arbeit nicht mehr alleine bewältigt, hat er ■ wie der Gewinn/Verlust ermittelt wird. zustellen. Thomas hat sich im Vorfeld schon erkun- ■ wie das System der Umsatzsteuer funktioniert, sich nun endgültig entschieden, einen Spengler an- digt und weiß, dass er für seinen neuen Mitarbeiter zumindest einen Dienstzettel ausstellen und auch verrechnung beauftragt er einen Bilanzbuchhalter. Mit den ersten Kunden und Zahlungen wurden auch Der Bilanzbuchhalter klärt Thomas auch über die Ge- OG nur einen geringen Umsatz erwirtschaftete, wa- der Organisation der Buchhaltung. Da seine Umsätze buchhalterische Aufzeichnungen nötig. Da die Singer ren Susanne und Manfred berechtigt, lediglich eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu führen. Wie so eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung funktioniert, hat Susanne im Rahmen der Einschulungen vor Eröffnung des Instituts gelernt. Als die Schüler und damit verbunden auch die Einnahmen und Ausgaben mehr wurden, entschied Susanne jedoch, die Buchhaltung Abwicklung der Anmeldung und die laufende Lohn- winnermittlungsvorschriften auf und hilft ihm bei noch nicht so hoch sind, kann er den Gewinn mittels Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln. Thomas Frau Manuela unterstützt ihren Mann. Sie erstellt die Rechnungen und kümmert sich um den Zahlungseingang. Die Umsätze der Spenglerei wer- den voraussichtlich höher als 30.000 Euro sein, daher an einen Bilanzbuchhalter auszulagern. Susanne sind die Rechnungen mit Umsatzsteuer auszustel- Belege sortieren und an den Bilanzbuchhalter schi- wichtig ist, dass die Rechnungen den gesetzlichen musste daher von nun an nur noch jeden Monat alle cken. In den ersten Monaten mussten generell viele len. Der Bilanzbuchhalter erklärt Manuela, dass es Merkmalen entsprechen, da sie sonst keine Vorsteuer Telefonate mit dem Franchisegeber geführt werden, abziehen kann. Er erläutert beiden, was Betriebsaus- mit der korrekten Vorgehensweise gab. sollen und welche Fristen beachtet werden müssen. weil es auch bei einigen Geschäftsfällen Unsicherheit Rund acht Monate nach der Eröffnung konnten die laufenden Kosten durch die laufenden Einnahmen gedeckt werden. Im Juni, am Ende des Semesters, nahmen bereits 47 Schüler die Nachhilfe des Instituts in Anspruch. Insgesamt gab es dafür 19 Lehrkräfte. Zu diesem Zeitpunkt war das Institut bereits jeden Tag von Montag bis Freitag von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit teilten sich Susanne und Manfred die Anwesenheit im Nachhil- feinstitut auf. Dies hatte den großen Vorteil, dass keine Kosten für Büroangestellte entstanden. 38 laufend Arbeitsaufzeichnungen führen muss. Für die Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers gründen ein Nachhilfeinstitut gaben sind, wie die Unterlagen aufbereitet werden Thomas ist froh, dass er für seine wirtschaftlichen An- gelegenheiten einen Bilanzbuchhalter hat. So kann er sich ganz auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren. Baustein 4: Mein erstes Jahr 73 | Dez. | 2012 4.1 Mitarbeiter/innen Die Singer OG hat aufgrund von Inseraten Studenten gefunden, die als freie Dienstnehmer angemeldet wor- WISSEN 4 den sind. Thomas Kandl hat einen Mitarbeiter fix angestellt. Die folgende Abbildung zeigt die Unterschiede zwischen diesen Dienstnehmern. Unterschiede zwischen dienstnehmern „echte“ Dienstnehmer „freie“ Dienstnehmer ■ „echter“ Dienstvertrag regelt z. B. – Beginn und Dauer – Probezeit/Kündigungsfristen – Arbeitszeit – Einstufung Kollektivvertrag – Sonderzahlungen – Urlaub (fünf bis sechs Wochen) – Entgeltfortzahlung bei Krankheit ■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension) ■ Betriebliche Vorsorgekasse ■ Anspruch auf Kranken- und Arbeitslosengeld ■ Mutterschutzgesetz (MSchG): Schutz in Schwangerschaft; Anspruch auf Karenz ■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt) ■ Ohne entsprechende Vereinbarung kein Anspruch z. B. auf – fixen Arbeitszeiten – Kollektivvertragslohn – Sonderzahlungen – Urlaub (fünf bis sechs Wochen) ■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension) ■ Betriebliche Vorsorgekasse ■ Anspruch auf Krankengeld (wird von Krankenkasse bezahlt) und Arbeits­ losengeld ■ Kein Mutterschutzgesetz (MSchG): d. h. kein Kündigungsschutz, kein Anspruch auf Karenz, Elternteilzeit ■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt) auch möglich als Geringfügig Beschäftigte ■ Einkommen ≤ EUR 376,26 pro Monat (Wert 2012) ■ Mitarbeiter sind nur Unfall versichert ■ Freiwillige Versicherung (Krankenversicherung, Pensionsversicherung) durch Mitarbeiter selbst möglich Die Singer OG hat von der Gebietskrankenkasse bereits eine Beitragskontonummer erhalten, damit sie ihre Mitarbeiter anmelden kann. Die Anmeldungen und auch sämtliche Meldungen (Abmeldung, Änderung der Stundenanzahl etc.) an die Krankenkassen erfolgen normalerweise nicht mehr in Papierform, sondern über das Programm ELDA (Elektro- nische Datenerfassung). Alle Dienstnehmer sind vor Arbeitsantritt anzumelden. 39 aktuelle Dienstzettel Mit dem Arbeitsantritt muss dem Dienstnehmer vom Arbeitgeber ein Dienstzettel ausgestellt wer- Die Angaben ■ Dauer der Kündigungsfrist und Kündigungstermin, den (nicht notwendig, wenn es einen detaillierten ■ Gewöhnlicher (oder wechselnder) Arbeitsort, Angaben enthalten (Quelle: Wirtschaftskammer Ös- ■ Urlaubsausmaß und Dienstvertrag gibt). Der Dienstzettel muss folgende terreich, http:// portal.wko.at): ■ Name und Anschrift des Arbeitgebers und Arbeitnehmers, ■ Beginn des Arbeitsverhältnisses, ■ Ende des Arbeitsverhältnisses (bei Befristungen), ■ Dauer der Kündigungsfrist und Kündigungstermin, ■ Gewöhnlicher (oder wechselnder) Arbeitsort, ■ Einstufung in ein generelles Schema, ■ Anfangsbezug, Fälligkeit des Entgelts, ■ Vereinbarte tägliche oder wöchentliche Normalarbeitszeit können auch durch Verweis auf Gesetze, Kollektivver- träge, Betriebsvereinbarungen oder betriebsübliche Reiserichtlinien erfolgen. Arbeitsaufzeichnungen Es ist verpflichtend, für alle Mitarbeiter Arbeitsauf- zeichnungen zu führen. Fehlen diese Aufzeichnun- ■ Verwendung, gen, kann es zu empfindlichen Strafen bei Prüfungen ■ Urlaubsausmaß, zeichnungen sind u. a. auch wichtig für den Nachweis ■ Anfangsbezug, Fälligkeit des Entgelts, ■ Vereinbarte tägliche oder wöchentliche Normalarbeitszeit, ■ Kollektivvertrag, Satzung, Mindestlohntarif, Betriebsvereinbarungen u. dgl., ■ Name und Anschrift der Mitarbeitervorsorgekasse. Formular zur Arbeitszeitaufzeichnung Formular Download: www.arbeitsinspektion.gv.at 40 Baustein 4: Mein erstes Jahr U N TE R L AG E durch das Arbeitsinspektorat kommen. Diese Aufvon geleisteten Überstunden. Baustein 4: Mein erstes Jahr 73 | Dez. | 2012 Lohnnebenkosten Thomas Kandl und die Singer OG müssen für ihre Dienstnehmer folgende Abgaben abführen: ■ Sozialversicherungsbeiträge (an die Krankenkasse) ■ Lohnsteuer (an das Finanzamt) ■ Lohnabgaben (= Lohnnebenkosten): – Kommunalsteuer (an die Gemeinde) – Dienstgeberabgabe „U-Bahnsteuer“ – nur in Wien (an die Gemeinde) – Dienstgeberbeitrag (an das Finanzamt) – Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (an das Finanzamt) – Mitarbeitervorsorgekasse (wird von der Krankenkasse eingehoben) Die Lohnsteuer und der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherung werden vom Bruttogehalt abgezogen. Der Dienstnehmer bekommt nur das verbleibende Nettogehalt ausbezahlt und muss sich um nichts mehr küm- mern. Der Mitarbeiter der Firma Kandl, Herr Rosinger, bekommt im Mai einen Bruttolohn (inkl. Zulagen z. B. für Montage) von 2.099,68 Euro. Nach Abzug der Sozialversicherung und der Lohnsteuer verbleibt ein Nettogehalt von 1.512,41 Euro. Lohnabrechnung für Erwin Rosinger (Mitarbeiter von Thomas Kandl) 41 aktuelle Baustein 4: Mein erstes Jahr U N TE R L AG E Die Beiträge sind dann am 15. des Folgemonats an die entsprechenden Einrichtungen zu entrichten. Auszahlungsjournal 4.2 Gewinnermittlung Sind die Umsätze (= verkaufte Waren/Dienstleistun- Bevor Thomas Kandl und die Singer OG mit der lau- Jahr, dann unterliegen Einzelunternehmen und Perso- fenden Erfassung ihrer Unterlagen beginnen, müs- sen sie prüfen, welche Vorschriften der Gewinnermittlung anzuwenden sind. Bei neu gegründeten Unternehmen ist die häufigste Art der Gewinnermittlung die Einnahmen-Ausgaben- Rechnung. Dabei werden alle Einnahmen, die in diesem Jahr zuge- nengesellschaften (z. B. die Singer OG) der Rechnungs- legungspflicht nach dem Unternehmensgesetzbuch (UGB). Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) unterliegen immer der Rechnungslegungspflicht nach dem UGB. Anstelle der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist dann ein Jahresabschluss zu erstellen. Der Gewinn wird dabei in zweifacher Form ermittelt: in der Aufstellung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrech- flossen sind (z. B. für den Verkauf von Waren) und alle nung (G. u. V. ). material), die tatsächlich bezahlt wurden, gegenüber- In der Bilanz wird das Vermögen (z. B. Gebäude, Fahr- Ausgaben (z. B. für Einkauf von Material, Miete, Büro- gestellt. Sind die Einnahmen höher als die Ausgaben, erzielt man einen Überschuss („Gewinn“). 42 gen) eines Unternehmens höher als 700.000 Euro pro zeuge, Ware) dem Kapital (Eigen- und Fremdkapital) gegenübergestellt. Baustein 4: Mein erstes Jahr 73 | Dez. | 2012 Gliederung einer Bilanz In der Gewinn- und Verlustrechnung wird festgestellt: Hat das Unternehmen in einer bestimmten Periode einen Gewinn oder Verlust erzielt? Es werden die Aufwendungen mit den Erträgen einer Wichtige steuerlich absetzbare Betriebsausgaben: ■ Waren, Rohstoffe, Hilfsstoffe: Materialeinkauf, Fremdleistungen z. B. die Spenglerei Kandl lässt von einer anderen Firma diverse Bleche zuschneiden. Periode (eines Jahres) verglichen. Sind die Erträge hö- ■ Personalaufwand: Gehälter, Beiträge an die dungen höher, von einem Verlust. ■ Abschreibungen: Investitionen in Maschinen und her spricht man von einem Gewinn, sind die Aufwen- Nicht bei jedem Geldausgang spricht man von einem Aufwand (d. h., dass man ärmer wird). Wenn ein Un- ternehmer eine Kreditrate zurück bezahlt, sind nur die Zinsen ein Aufwand (machen den/die Unternehmer/ Gebietskrankenkasse, Finanzamt etc. Einrichtungen, die mehr als 400 Euro ausmachen, können nicht auf einmal als Ausgabe erfasst werden. Sie müssen auf mehrere Jahre verteilt in der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung berücksichtigt werden. in ärmer). Die Rückzahlung der Schulden macht den ■ Reise- und Fahrtspesen: Fahrkarten, Flugtickets von Geld ja auch nicht reicher (nur zahlungsfähig). ■ Kilometergelder: wenn ein Fahrzeug weniger als Unternehmer nicht ärmer; er wird durch Ausborgen Wird eine Ware geliefert bzw. eine Leistung erstellt, so entsteht bereits ein Ertrag, auch wenn die Bezahlung erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. 4.3 O rganisation der Buchhaltung bei einer Einnahmen-AusgabenRechnung Betriebsausgaben Diese können mit einem Spesenverteiler (z. B. Excel- Sheet) oder mit Hilfe eines Buchhaltungsprogrammes erfasst werden. etc. zu Kunden, Lieferanten. 50 % betrieblich genützt wird, können je betrieblich gefahrenem Kilometer 0,42 Euro angesetzt werden. Die Führung eines Fahrtenbuchs ist Voraussetzung. ■ Diäten, Taggelder: für betrieblich veranlasste Reisen z. B. Kundenbesuch, Seminare können Diäten geltend gemacht werden. Voraussetzung: Reise dauert länger als drei Stunden und Ort ist mindestens 25 km entfernt. ■ Tatsächliche laufende KFZ-Kosten: wird ein Auto mehr als 50 % für den Betrieb genützt, dann können die tatsächlichen Kosten z. B. Tankrechnung, Reparatur angesetzt werden. Voraussetzung: Fahrtenbuch. 43 aktuelle Baustein 4: Mein erstes Jahr U N TE R L AG E ■ Werbung: z. B. Inserate, Druck von Flyer oder Laufende betriebliche Belege ■ Übrige Ausgaben: z. B. Arbeitskleidung (Schutz- bons) sind zu sammeln und mindestens sieben Jahre Visitenkarten. anzüge, Sicherheitsschuhe), Telefon, Internet, Büromaterial, Fachliteratur, Porto. Anstelle der tatsächlichen Ausgaben bzw. wenn die Belege fehlen, können 12 % bzw. 6 % (z. B. bei Schriftsteller, Vortragenden) der Einnahmen als Betriebs- ausgaben abgesetzt werden (= Betriebsausgaben- Alle betrieblichen Belege (z. B. Rechnungen, Kassa- aufzubewahren (Aufbewahrungsfrist). Ohne Beleg keine Buchung! ■ Bankkonto: es ist sinnvoll für die betrieblichen Einnahmen und Ausgaben ein eigenes Bankkonto zu haben. Die Bankauszüge und die dazugehöri- gen Belege werden zeitlich aufsteigend abgelegt. pauschale). ■ Kassabuch: Bareinnahmen und Barausgaben sind Auch Ausgaben, die vor der Betriebseröffnung entste- ■ Wareneingangsbuch: gewerbliche „Einnahmen- hen, z. B. Geschäftsumbau, Miete für Geschäftslokal vor Betriebseröffnung, können steuerlich berücksich- tigt werden, wenn sie eindeutig mit der Einkunfts- quelle zusammenhängen. täglich zu erfassen (Grundaufzeichnungen). Ausgaben-Rechner“ (= Person) sind verpflichtet, ein Wareneingangsbuch zu führen. Darin sind alle Waren und Rohstoffe zu erfassen, die der Unternehmer gewerblich weiterverkauft. Auszug aus dem Wareneingangsbuch von Thomas Kandl Grundsätzlich sind alle Belege mit einer fortlaufenden Nummer zu versehen und chronologisch abzulegen. Nach Erfassung der Belege kann man am Monatsende anhand einer Saldenliste (listet alle Konten auf) oder Erfolgsrechnung (zeigt nur die erfolgswirksamen Konten) sehen, ob man einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet hat. Die Firma Kandl hatte im Monat Juni Einnahmen von 5.832 Euro und Ausgaben (z. B. Waren, Löhne, Miete, Werbung) von 8.299,86 Euro. Thomas Kandl hat somit im Juni einen Verlust von 2.467,86 Euro erzielt. 44 Baustein 4: Mein erstes Jahr 73 | Dez. | 2012 Erfolgsrechnung von Thomas Kandl 45 aktuelle Baustein 4: Mein erstes Jahr U N TE R L AG E 4.4 Umsatzsteuer (USt) Kleinunternehmer Die Singer OG gibt Schülern Nachhilfe und bekommt Euro netto (d. h. ohne Umsatzsteuer) bleiben, be- Unternehmer, deren Umsätze jährlich unter 30.000 dafür ein Entgelt (sonstige Leistung). Thomas Kandl zeichnet man als Kleinunternehmer. Sie müssen kei- montiert diese (sonstige Leistung). Aus seiner Werk- aber auch keine Vorsteuer (VSt) abziehen. liefert einem Kunden Dachrinnen (Lieferung) und statt nimmt er ein Blech mit nach Hause, das er für seine Gartenhütte benötigt (Eigenverbrauch). In allen drei Fällen ist Umsatzsteuer in Rechnung zu ne Umsatzsteuer in Rechnung stellen, können sich Wenn ein Kleinunternehmer sehr viel investieren muss, z. B. Umbau Geschäftslokal, und bei den Rechnungen die Vorsteuer abziehen möchte, kann er auf stellen. Werden Lieferungen und Leistungen von ei- die Kleinunternehmerbefreiung verzichten und Re- gegen Entgelt verkauft, ist Umsatzsteuer zu verrech- Jahre umsatzsteuerpflichtig. Schallplattensammlung, fällt keine Umsatzsteuer an. Exkurs: Innerhalb der Unternehmerkette stellt die nem Unternehmer im Rahmen seines Unternehmens nen. Verkauft Thomas Kandl hingegen seine private gelbesteuerung beantragen. Er ist dann aber für fünf Umsatzsteuer keinen Kostenfaktor dar („durchlau- Die Umsatzsteuer beträgt im Normalfall 20 % vom fender Posten“). Erst beim Verkauf der Ware oder tungen gibt es auch reduzierte Steuersätze, z. B. 10 % verbraucher) wird die Umsatzsteuer für diesen Letzt- Nettoentgelt. Für bestimmte Lieferungen und Leisfür Bücher, Lebensmittel. Erbringung der Leistung an einen Privaten (= Letztverbraucher zum Kostenfaktor. System der Umsatzsteuer 46 Produzent Großhändler Spengler Privater Erzeugung von Dachrinnen 100,00 + 20,00 Ware + USt Vertrieb von Dachrinnen 1. Zahlung 120,00 2. 20,00 VSt vom Finanzamt retour 150,00 + 30,00 Ware + USt Verkauf und Monage Einfamilienhaus 1. Zahlung 180,00 2. 30,00 VSt vom Finanzamt 200,00 + 40,00 Ware + USt Zahlung 240,00 Baustein 4: Mein erstes Jahr Umsatzsteuer im EU-Raum Liefert Thomas Kandl seine Dachrinnen nach Deutschland oder bezieht er seine Bleche, z. B. aus Frankreich, fällt er unter die Binnenmarktregelungen. Lieferungen in den EU-Raum bezeichnet man als innergemeinschaftliche Lieferungen. Erhält man Liefe- rungen aus dem EU-Raum, spricht man von innerge- meinschaftlichen Erwerben. In beiden Fällen wird die Rechnung ohne Umsatzsteuer ausgestellt und auf die Steuerbefreiung hingewiesen. Verwendet die Singer OG für ihre Homepage einen Internetprovider aus Deutschland, so handelt es sich 73 | Dez. | 2012 Für diese Zwecke brauchen die Unternehmen eine Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID-Nummer). Die UID-Nummer vergibt das Finanzamt. Über Finanz­ online kann Thomas Kandl auch jederzeit abfragen, ob die UID-Nummer seines Lieferanten oder Kunden gültig ist. Umsatzsteuer im Drittland Liefert Thomas Kandl seine Dachrinnen nach Geor- gien, spricht man von einer Ausfuhrlieferung, da es sich um ein Drittland (= kein EU-Land) handelt. Diese Lieferungen sind steuerbefreit. Es wird keine Umsatz- um Leistungen, bei denen die Steuerschuld auf den steuer verrechnet. (Reverse Charge). Die Rechnung wird vom deutschen Kauft Thomas Kandl Waren aus dem Drittland muss Leistungsempfänger, also die Singer OG, übergeht Internetprovider ohne Umsatzsteuer ausgestellt. Bauleistungen er Einfuhrumsatzsteuer bezahlen, die er bei der Umsatzsteuervoranmeldung wieder zurück bekommt. Eine große Baufirma beauftragt Thomas Kandl für Meldefrist der Umsatzsteuer (Einfassungen, Dachrinnen) durchzuführen. Da diese monatlich bzw. quartalsweise bis zum 15. des zweit- eine Wohnhausanlage sämtliche Spenglerarbeiten Baufirma üblicherweise Bauleistungen (Herstellung Der Unternehmer hat Umsatzsteuer einzuheben und folgenden Monats an das Finanzamt abzuführen. von Gebäuden) erbringt und Thomas auch, wird die Gleichzeitig bekommt er die „bezahlten“ Vorsteuern die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger, die zurück (Umsatzsteuervoranmeldung). Rechnung ohne Umsatzsteuer ausgestellt. Es geht Baufirma, über. von seinen ordnungsgemäßen Rechnungsbelegen 47 aktuelle U N TE R L AG E Umsatzsteuervoranmeldung von Thomas Kandl 48 Baustein 4: Mein erstes Jahr Baustein 4: Mein erstes Jahr 73 | Dez. | 2012 Lieferungen und bestimmte Leistungen in die EU sind am Ende des folgenden Monats mittels Zusammen­ fassender Meldung (ZM) ebenfalls dem Finanzamt zu melden. 49 aktuelle U N TE R L AG E Baustein 4: Mein erstes Jahr Damit Thomas Kandl und die Singer OG sich von den bezahlten Rechnungen auch wirklich die Vorsteuer zurück holen können, müssen diese die folgenden Rechnungsmerkmale aufweisen. Rechnungsmerkmale Wenn Thomas Kandl Rechnungen ausstellt bzw. beim Einkauf Rechnungen erhält, ist es wichtig, dass er kontrolliert, ob die Rechnungen alle gesetzlichen Bestandteile laut Umsatzsteuergesetz enthalten. Bei Rechnungen bis 150 Euro (=Kleinbetragsrechnungen) 1 Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmens 4 Tag bzw. Zeitraum der Lieferung 3 5, 6 7 Menge und Bezeichnung der Ware oder Dienstleistung Entgelt und Steuerbetrag in einer Summe Steuerprozentsatz Bei Rechnungen über 150 Euro 1 Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmens 3 Menge und Bezeichnung der Ware oder Dienstleistung 2 4 5 6 7 8 9 10 11 50 Name und Anschrift des Empfängers Tag bzw. Zeitraum der Lieferung oder Leistung Nettoentgelt Steuerbetrag Steuersatz oder Hinweis auf eine Steuerbefreiung Rechnungsdatum Fortlaufende Nummerierung UID-Nummer des liefernden oder leistenden Unternehmens ab einem Betrag von 10.000 Euro brutto: UID-Nummer des Leistungsempfängers Baustein 4: Mein erstes Jahr 73 | Dez. | 2012 Rechnung von Thomas Kandl 51 aktuelle Baustein 4: Mein erstes Jahr U N TE R L AG E 4.5 Was ist die Gewinnschwelle? Beispiel für das Nachhilfeinstitut Singer Die Gewinnschwelle wird auch mit einem englischen Im Fall des Nachhilfeinstituts Singer OG würde die Ge- Begriff als Break-Even Point bezeichnet. Sie zeigt den Punkt an, bei dem die Kosten und der Erlös eines Produktes oder einer Dienstleistung gleich groß sind. An diesem Punkt wird daher weder ein Gewinn noch ein Verlust gemacht. Alles was unter der Gewinnschwelle liegt, ist ein Verlust. Alles was über der Gewinn- schwelle liegt, ist ein Gewinn. winnschwelle folgendermaßen aussehen: Die Singers hatten in den ersten Monaten 2.700 Euro an laufenden Kosten monatlich. Diese Kosten ent- standen hauptsächlich durch die Miete des Stand- orts, die Bezahlung der Lehrkräfte, verschiedene Wer- beaktivitäten, Bezahlung der Strom- und Gaskosten, diverses Büromaterial und Kopien. Die Einnahmen lagen jedoch anfangs nur bei etwa 2.200 Euro monatlich. Somit waren die Kosten anfangs um 500 Euro höher als die Einnahmen. Es ergab sich daher ein Verlust in dieser Höhe. Das Nachhilfeinstitut befand sich zu die- ser Zeit noch unter der Gewinnschwelle. Nach einigen Monaten gab es jedoch immer mehr Schüler, womit sich auch die Einnahmen erhöhten. Sobald also die laufenden Kosten durch die laufenden Einnahmen gedeckt werden, ist die Gewinnschwelle kaum, da es sich um Gruppenkurse handelte und daher die Unterrichtsstunden der Lehrer nicht mehr erreicht. Alle weiteren Einnahmen bringen daher ei- wurden. Etwa nach acht Monaten lagen die Einnah- Mit Hilfe der sogenannten Gewinnschwellenanaly- hilfeinstitut bereits über der Gewinnschwelle. nen Gewinn. se (Break-even-Analyse) kann bestimmt werden, bei welcher Umsatzmenge die Kosten gedeckt werden. 52 Die Kosten erhöhten sich bis zu diesem Zeitpunkt men schon bei 3.100 Euro, womit sich ein Gewinn von 400 Euro ergab. Zu diesem Zeitpunkt war das Nach- Grafisch lässt sich das Ganze so darstellen: Baustein 5: Ich habe es geschafft 73 | Dez. | 2012 Baustein 5: Ich habe es geschafft In diesem Baustein erfahren Sie, ■ was ein Unternehmer immer im Blick haben sollte. Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers gründen ein Nachhilfeinstitut Susanne und Manfred haben sich nach zwei Jahren Da die Geschäfte mittlerweile sehr gut laufen, überle- müssen daher nicht mehr so viel Zeit für administra- Nachbarwohnung zu mieten und die Institutsräum- gut in die Abläufe des Instituts eingearbeitet und tive und organisatorische Tätigkeiten aufwenden. Su- sanne musste feststellen, dass es sehr schwierig ist, Studenten als Lehrkräfte zu halten. Die meisten üben diese Tätigkeit ein paar Monate aus, hören dann aus gen Susanne und Manfred bereits eine leer stehende lichkeiten dadurch zu erweitern. Dafür hat Manfred bereits einen Finanzierungsplan erstellt. und eine Fixanstellung anstreben. Da es jedoch viele Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl übernimmt einen Spenglereibetrieb zu geben, ist es für Susanne und Manfred kein Prob- Thomas Kandl hat zwei sehr erfolgreiche Jahre hin- Zeitmangel auf oder weil sie das Studium beenden Studenten gibt, die daran interessiert sind Nachhilfe lem, rasch Ersatz zu finden. Mit dem Franchisesystem sind Susanne und Manfred sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit dem Fran- ter sich. Im zweiten Jahr konnte er sogar noch einen Mitarbeiter anstellen, um die Aufträge erfüllen zu können. chisegeber funktioniert sehr gut. Regelmäßig gibt es Den bei Firmenstart angedachten Kauf eines neuen werden. Als Gegenleistung müssen Susanne und einer Generalüberholung doch noch gute Dienste Treffen, bei denen Probleme und Fragen besprochen Manfred eine jährliche Gebühr des Umsatzes an den Franchisegeber abführen und auch regelmäßig Ge- schäftsberichte und Marketingpläne liefern. Kosten und Umsatzerwartungen lagen im kalkulierten Be- reich. Beim Start gab es einige Unklarheiten: Welche Abga- ben muss ich wann und wie an das Finanzamt machen? Wie melde ich Mitarbeiter bei der Gebietskrankenkasse an? Bei welcher Krankenkasse muss ich als Selbstständiger gemeldet sein? Muss ich mein Un- ternehmen in das Firmenbuch eintragen lassen? Und falls ja, wie funktioniert das? Hilfestellung kam u. a. von der Wirtschaftskammer. LKWs hat er verschoben, da das alte Fahrzeug nach verrichtete. Aufgrund der guten Auftragslage möchte Thomas sein Materiallager erhöhen. Damit stößt er aber schon an die Grenzen der gemieteten Werk- statt. Eigentlich wollte er schon immer eine eigene Werkstatt und einen ordentlichen Lagerplatz haben. Er überlegt, ein Grundstück im neu umgewidmeten Gewerbegebiet zu erwerben. Vielleicht gemeinsam mit einem Schulfreund, einem Schlosser. Sie möchten gemeinsame Synergien nützen und überlegen – aus steuerlichen und Haftungsgründen – eine GmbH zur gründen. Bis es soweit ist, haben beide als Einzelun- ternehmer noch einiges an Einkommenssteuer und Sozialversicherung abzuführen... 53 aktuelle U N TE R L AG E Worauf muss man als Unternehmer achten? Die Startphase ist gut gelungen und die Singer OG und die Spenglerei Thomas Kandl haben ihre ersten WISSEN 5 beiden Jahre erfolgreich absolviert. Um unange- nehme Überraschungen, z. B. Steuernachzahlungen, Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, ist es wichtig, vorausschauend zu handeln. 5.1 Steuern Da der Steuerbescheid oft erst bis zu zwei Jahre spä- Erfolg mit dem Einnahmen-Ausgaben-Rechner er- mittelt, kann z. B. Ausgaben vorziehen – er bezahlt die Waren schon im Dezember statt im Jänner (Ausgaben erhöhen sich) – oder vereinnahmt die Kundenrech- nungen erst im Jänner (Einnahmen vermindern sich). Thomas Kandl hatte mit seinem Unternehmen im ersten Jahr einen Gewinn von fast 50.000 Euro und im zweiten Jahr von fast 74.000 Euro erwirtschaftet. Mit so einem Ergebnis konnte er nicht rechnen. Da- her hat er im ersten Geschäftsjahr keine Einkommensteuervorauszahlungen geleistet und im folgenden ter ins Haus flattert, ist es für einen Unternehmer Jahr nur ca. 10.500 Euro. Auf Anraten seines Steuer- ginnen. Wenn die tatsächlichen Gewinne deutlich auf ein Sparkonto gelegt, um davon Nachzahlun- Nachzahlungen kommen. Wurde nicht vorgesorgt, Nachzahlung voraussichtlich sein wird, wurde er vom wichtig, rechtzeitig mit dem „Steuersparen“ zu be- über den geschätzten liegen, kann es zu erheblichen ist es unter Umständen für ein kleines Unternehmen existenzgefährdend. beraters hat er vorsorglich einen Teil der Einnahmen gen leisten zu können. Da er wusste, wie hoch seine Steuerbescheid nicht überrascht. In der folgenden Abbildung finden Sie die Einnah- Im Falle von hohen Nachzahlungen ist es möglich mit men-Ausgaben-Rechnung des letzten Jahres und Begleichung der Schuld in mehreren Teilbeträgen, zu erbescheid. Thomas Kandl ist sehr sparsam bei dem Finanzamt Zahlungserleichterungen, z. B. durch vereinbaren. Am besten ist es, wenn man als Unternehmer noch vor Ende des jeweiligen Geschäftsjahres mit einem Buchhalter bzw. Steuerberater das laufende Jahr be- spricht. Es finden sich immer Möglichkeiten, um die Steuerlast zu senken. Der Unternehmer, der seinen 54 Baustein 5: Ich habe es geschafft den Einkommensteuerbescheid und Umsatzsteu- seinen Ausgaben. Die Gehaltskosten machen knapp 28 % seines Umsatzes aus. Insgesamt verbleiben ihm 42 % von seinem Umsatz. Davon muss er natürlich noch die gesamte Einkommensteuer (Einkommen- steuervorauszahlungen sind keine Ausgaben und vermindern daher nicht den Gewinn) und die Nachzahlung der Sozialversicherung abziehen. Baustein 5: Ich habe es geschafft 73 | Dez. | 2012 Einnahmen-Ausgaben-Rechnung von Thomas Kandl 55 aktuelle U N TE R L AG E Baustein 5: Ich habe es geschafft Auszug aus dem Einkommensteuerbescheid von Thomas Kandl *Anmerkung: Die Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb weichen von der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ab, da noch Investitionsbegünstigungen berücksichtigt wurden, die nur in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden. Thomas muss ca. 11.500 Euro Einkommensteuer nachzahlen. 56 Baustein 5: Ich habe es geschafft 73 | Dez. | 2012 Auszug aus dem Umsatzsteuerbescheid für Thomas Kandl 5.2 Sozialversicherung Der Unternehmer bezahlt während des Jahres Sozialversicherung von einer geschätzten Beitragsgrundlage. Erst wenn der Einkommensteuerbescheid des jeweiligen Jahres da ist, wird die Sozialversicherung endgültig berechnet. Da in den Gründungsjahren die vorläufige Bemessungsgrundlage sehr gering ist, kommt es häufig zu empfindlichen Nachzahlungen. Somit hat das Unternehmen zusätzlich zu den laufenden Zahlungen noch die Nachzahlungen der Vorjahre zu finanzieren. Um derartige Überraschungen zu vermeiden, macht es Sinn, schon rechtzeitig Geld anzusparen. Thomas Kandl hat von der Sozialversicherung eine Jahresvorschau für das nächste Jahr bekommen, damit er sich seine Zahlungen besser einteilen kann. Er muss für das zweitvorangegangene Jahr insgesamt fast 11.800 Euro nachzahlen und wurde für das kommende Jahr mit der Höchstbeitragsgrundlage eingestuft. Falls nächstes Jahr sein Unternehmen nicht so gut laufen sollte, kann er bei der Sozialversicherung beantragen, dass die laufenden Beiträge herabgesetzt werden. Die Nachzahlung muss er allerdings in vier Teilbeträgen leisten. Zum Glück hat Thomas dafür Geld weggelegt, sonst würde er wahrscheinlich finanziell ins Schleudern kommen. 57 aktuelle Baustein 5: Ich habe es geschafft U N TE R L AG E Sozialversicherungsbeitrag von Thomas Kandl 5.3 Kredite – Rating 5.4 Businessplan Wenn man für die Unternehmensgründung einen Der Businessplan ist der „Masterplan“ für die Entwick- ordnungsgemäß zu tilgen. Probleme bei der Tilgung nahmen zur Umsetzung der Geschäftsidee auf. Daher Kredit aufgenommen hat, ist es wichtig, den Kredit der Kreditraten sind eine Gefahr für das Unternehmen. Schon bei Aufnahme eines Kredits sollte man ist es wichtig, nach den ersten Jahren zu überprüfen, ob die Annahmen und Ziele eingehalten wurden oder für schlechte Zeiten vorsorgen und eine eventuelle ob Korrekturen notwendig geworden sind. vorsehen. ■ Ist mein Unternehmen liquide (zahlungsfähig)? Aussetzung der Zahlungen für ein oder zwei Jahre Die Bank prüft jährlich die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Unternehmens. Das heißt: sie prüft, ob der Unter- nehmer die aufgenommenen Schulden zurückzah- ■ Habe ich mich in die richtige Richtung entwickelt? ■ Reicht der Gewinn des Unternehmens, um die privaten Kosten abzudecken? len kann und das auch tut. Je besser das Rating, das 5.5 Kunden desto einfacher ist es weitere Kredite z. B. für Inves- Das Unternehmen lebt von seinen Kunden. Um Er- die Konditionen. tingstrategien erfolgreich waren. heißt, je besser das Unternehmen eingestuft wird, titionen zu bekommen und desto günstiger werden Auch nach der Gründung gibt es noch interessante Förderungen. Gefördert werden Forschung, Entwicklung oder Innovationen z. B. Modernisierung von Maschinen oder Aus- und Weiterbildung. Viele In- formationen findet man in der Förderdatenbank der Wirtschaftskammern Österreichs: www.wko.at 58 lung des Unternehmens. Er zeigt alle Schritte und Maß- folg zu haben, muss man überprüfen, ob die Marke■ Habe ich zufriedene Kunden? ■ Welche Kundengruppen spreche ich an? ■ Habe ich es geschafft, einen dauerhaften Kundenstock aufzubauen? ■ Wie ist die Zahlungsmoral meiner Kunden? ■ Wie kann ich die Kunden an mein Unternehmen binden? Baustein 5: Ich habe es geschafft 73 | Dez. | 2012 5.6 Mitarbeiter 5.8 Partnerschaften – Netzwerke Mitarbeiter sind ein erheblicher Kostenfaktor. Der Un- Für die Unternehmenslaufbahn ist es erfolgsentschei- finanziell ausgeht. Steigt mit der Mitarbeiterzahl der ausgetauscht oder gemeinsame Projekte gemacht mer finanziell rasch recht eng. Oft ist es günstiger, von den um umfassendes Leistungsspektrum zu bieten. ternehmer muss kalkulieren, ob sich ein Mitarbeiter Umsatz nicht ausreichend, wird es für den Unternehanderen Selbstständigen Leistungen zuzukaufen. Wenn man Mitarbeiter beschäftigt, müssen sie auch richtig geführt werden, damit sie die gewünschte Leistung erbringen. Es ist wichtig, klare Ziele zu for- mulieren und Verantwortung an den Mitarbeiter ab- dend, Partner zu finden, mit denen Dienstleistungen werden. Partnerschaften ermöglichen es, dem Kun- Mit Hilfe von Netzwerken kann der Unternehmer Zugang zu interessanten Geschäften bekommen. Ein soziales Netzwerk besteht aus einer abgegrenzten Menge von Personen, die über Beziehungen mitein- ander verbunden sind z. B. Sportklub, Internetplatt- zugeben. form. Gerade zu Beginn der Unternehmenslaufbahn 5.7 Lieferanten sondern die richtigen Netzwerke zu finden und die Für kleine Unternehmen ist es wichtig, sich nicht von einem einzelnen Lieferanten abhängig zu ma- ist man bemüht, möglichst viele Kontakte zu knüp- fen. Es ist nicht notwendig „überall“ dabei zu sein, dabei entstandenen Netzwerkkontakte zu pflegen. chen. Wenn der Lieferant z. B. in Konkurs geht oder 5.9 Weiterbildung zu arbeiten, hat das Unternehmen plötzlich massive Für nachhaltigen Erfolg ist gerade in den ersten Jah- achten und Alternativen zu suchen. Ebenso wichtig Defizite bemerkt, ist Handeln angesagt. Neben Ma- Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen. auch Persönlichkeitsentwicklung immer wichtiger. sich entschließt, mit einem Konkurrenten zusammen Schwierigkeiten. Es ist wichtig, den Markt zu beob- ist es, immer wieder Vergleichsangebote einzuholen. ren Weiterbildung wichtig. Wenn man Know-how nagement- und kaufmännischen Fähigkeiten, wird 59 aktuelle Unterlage | ÜBUNGSBLATT 1 | Seite 60 73 | Dez. | 2012 ÜBUNGSBLATT zu Baustein 1 Vorteile und Herausforderungen der Selbstständigkeit Lesen Sie den folgenden Artikel aufmerksam durch. Wichtige Begriffe werden im nachstehenden Glossar erklärt. Beantworten Sie anschließend die Fragen. Firmengründen, schwer gemacht 17.07.2012 | 18:30 | JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse) | gekürzt Die Regierung will Firmengründern mit Förderungen unter die Arme greifen. Doch die mangelnde Finanzierung ist nicht das einzige Problem, sagen Experten. Freie Zeiteinteilung, niemand, der einem sagt, was zu tun ist, und vielleicht sogar reich werden: Der Traum vom eigenen Unternehmen ist für viele verlockend. Wer den Schritt wagt, darf mit Respekt und Anerkennung rechnen. Die Österrei- cher schreiben den Unternehmern ein hohes Ansehen zu, knapp die Hälfte der Nichtunternehmer sieht die Möglichkeit, selbst eine Firma zu gründen. Tatsächlich machen das aber nur sieben Prozent. Schwieriges Land für Unternehmer Jeder zehnte Erwachsene in der EU hat laut Daten der Kommission konkrete Pläne für eine Unternehmensgründung. In Österreich ist es nur jeder zwanzigste. Kein Wunder: Glaubt man einer Studie der Weltbank, ist der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer hierzulande denkbar schwierig. Für die Analyse „Doing Business 2012“ untersuchte die Weltbank die Rahmenbedingungen für Unternehmer auf der ganzen Welt. Österreich landet in der jüngsten Analyse nur auf Platz 32 und büßte im Vergleich zum Vorjahr sogar vier Ränge ein. Ein besseres Umfeld für Unternehmer bieten laut Weltbank nicht nur 13 EU-Staaten, sondern auch Länder wie Mazedonien. Die Finanzierung und der Businessplan sind das eine Problem. Dazu kommen die überbordende Bürokratie und eine im internationalen Vergleich hohe Steuerbelastung. Hohe Steuern und Abgaben In einer aktuellen Studie landet Österreich im globalen Vergleich nur auf Platz 78 von 183 untersuchten Ländern. Mit anderen Worten: 77 Länder der Welt sind für Unternehmer attraktiver, wenn es um die Gesamtbelastung durch Steuern und Abgaben geht. 53 Prozent des Gewinns gehen in Österreich für Steuern und Abgaben drauf, in Luxemburg etwa sind es nur 21, in Deutschland sind es 46,7 Prozent. Auch der bürokratische Aufwand kann für viele abschreckend sein. Wer in Österreich etwa eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gründen will, muss dafür laut Weltbank 28 Tage einplanen. Studien nennen auch immer wieder die geringe Risikobereitschaft der Österreicher als Hürde. Die Risikoaversion und die Angst vor dem Scheitern hinderten viele am Schritt in die Selbstständigkeit. „Typische Österreicher planen ihre Zukunft sorgfältig und achten dabei darauf, kein hohes Risiko einzugehen.“ aktuelle Unterlage | ÜBUNGSBLATT 1 | Seite 61 73 | Dez. | 2012 1. Welche Vorteile und Herausforderungen der Selbstständigkeit sind im Artikel genannt? Nehmen Sie dafür zwei Stifte in un- terschiedlichen Farben zur Hand. Markieren Sie mit der einen Farbe alle Vorteile der Selbstständigkeit, die im Artikel erwähnt werden. Markieren Sie danach mit der anderen Farbe alle Herausforderungen der Selbstständigkeit, die im Artikel erwähnt werden. 2. Notieren Sie in Kleingruppen fünf weitere Vorteile und Herausforderungen der Selbstständigkeit und notieren Sie diese. 3.Diskutieren Sie in der Klasse Ihre generelle Einstellung zur Selbstständigkeit. Überwiegen Ihrer Meinung nach die Vorteile oder die Herausforderungen? Können Sie sich vorstellen, selbstständig tätig zu sein oder eher nicht? Glossar: Hier werden einige Begriffe aus dem Zeitungsartikel erklärt. Sollten weiterhin Unklarheiten bestehen, recherchieren Sie bitte im Internet. ■ Förderung: Als Förderung bezeichnet man ganz allgemein eine Unterstützung. Meist ist dies eine finanzielle Unterstützung, das heißt in Form von Geld. ■ Finanzierung: Im Rahmen der Finanzierung in einem Unternehmen, wird jenes Geld beschaffen, das für die Gründung und den laufenden Betrieb des Unternehmens benötigt wird. ■ Kommission: Im Zeitungsartikel ist die EU-Kommission gemeint. Sie stellt die „Regierung“ der EU dar und überwacht die Einhaltung der in der EU geltenden Spielregeln. ■ Weltbank: Die Weltbank wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederauf- bau zu unterstützen. Sie besteht aus mehreren Organisationen und Institutionen. Heute bietet sie vor allem finanzielle und technische Hilfe und Beratung. ■ Businessplan: Ein Businessplan wird auch als Geschäftsplan bezeichnet. Besonders bei der Unternehmensgründung ist ein Businessplan wichtig. Der Gründer/die Gründerin überlegt sich dabei im vorhinein, welche Kosten er/sie hat, mit welchen Einnahmen er/sie rechnen kann, wie er/sie den besten Standort findet, wie er/sie sein Marketing aufbauen soll usw. ■ Bürokratie: Als Bürokratie bezeichnet man gewisse Verwaltungsvorschriften und -tätigkeiten in einem Land. Das Stellen eines Antrags auf Schülerbeihilfe kann beispielsweise zur Bürokratie gezählt werden. ■ Gewinn: Vereinfacht gesagt versteht man unter Gewinn jenes Geld, das nach Abzug der Kosten von den Einnahmen übrig bleibt. Man berechnet also, wie viel Geld man einnimmt und wie viel man ausgegeben hat. Die Differenz ist der Gewinn. ■ Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) bezeichnet man eine Unternehmensform in Österreich. Ein wesentliches Kennzeichen für diese Unternehmensform ist, dass die Inhaber einer GmbH nicht mit ihrem Privatvermögen haften. ■ Risikoaversion: Risikoaversion bedeutet Risikoscheue. Ist jemand risikoavers, heißt das, dass er Angst vor Risiko hat und daher lieber Entscheidungen trifft, die sicher sind und wenig Risiko beinhalten. aktuelle Unterlage | ÜBUNGSBLATT 2 | Seite 62 73 | Dez. | 2012 ÜBUNGSBLATT zu Baustein 2 Kreuzen Sie die entsprechende Antwort an. Falsche Antworten korrigieren Sie bitte. 1.Die Offene Gesellschaft (OG) muss auf jeden Fall in das Firmenbuch eingetragen werden. Richtig Falsch Korrektur bei falsch: 2. Wird eine Ware nicht bereits beim Erhalt, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt, nennt man dies Kundenanzahlung. Richtig Falsch Korrektur bei falsch: 3. Inhaber einer Kapitalgesellschaft haften auch mit ihrem Privatvermögen. Richtig Falsch Korrektur bei falsch: 4. Ein Finanzplan gibt eine Übersicht über alle zukünftig geplanten Ausgaben und Einnahmen. Richtig Falsch Korrektur bei falsch: 5. Ein stiller Gesellschafter beteiligt sich sowohl an Gewinnen als auch am Verlusten. Richtig Falsch Korrektur bei falsch: aktuelle Unterlage | ÜBUNGSBLATT 3 | Seite 63 Übungsblatt zu Baustein 3 Lösen Sie das Kreuzworträtsel. Wie heißt das Lösungswort? 1. Öffentliches Verzeichnis, in das Unternehmen eingetragen werden 2. Behörde, bei der man sich bei Aufnahme einer betrieblichen Tätigkeit melden muss 3. Steuer, die an die Gemeinden abgeführt werden muss 4. Jungunternehmer erhalten hier umfangreiche Beratung 5. Regelt Rechte und Pflichten der Gesellschafter 6. Bei der Singer OG handelt es sich um eine… 7. Notwendige Unterlage für die Gewerbeanmeldung 8. Abkürzung für Gesellschaft mit beschränkter Haftung 9. Gewerbe, für die ein Befähigungsnachweis erforderlich ist, nennt man … Gewerbe 10.Abkürzung für Neugründungsförderung 11. Krankenkasse, bei der Mitarbeiter angemeldet werden 73 | Dez. | 2012 aktuelle Unterlage | ÜBUNGSBLATT 4 | Seite 64 73 | Dez. | 2012 Übungsblatt zu Baustein 4 Sabine Müller hat ihren Traum verwirklicht und hat ein kleines Kosmetikstudio aufgemacht. Diesen Monat hat sie Einnahmen von insgesamt 2.300 Euro erzielt und folgende Ausgaben getätigt: Ausgaben in Euro Zahlung der Miete Druck Flyer 50,00 150,00 Jahreskarte Fitnessstudio 350,00 Laptop 390,00 Kosmetikartikel (Waren) Drucker Porto Kopierpapier 510,00 80,00 Geburtstagsfeier v. Sohn Sozialversicherung 70,00 25,00 125,00 450,00 1. Berechnen Sie, ob Sabine in diesem Monat einen Gewinn oder Verlust erzielt hat. 2. Erklären Sie anhand dieses Beispiels den Begriff Break-Even-Point. 3.Sabine ist Kleinunternehmer und stellt keine Umsatzsteuer in Rechnung. Welche Voraussetzungen muss sie dafür erfüllen? aktuelle Unterlage | ÜBUNGSBLATT 5 | Seite 65 Übungsblatt zu Baustein 5 Lösen Sie das Kreuzworträtsel. Wie heißt das Lösungswort? 1. Steuer, die der Unternehmer bei einem Gewinn an das Finanzamt abführen muss. 2. …ermöglichen dem Unternehmer Zugang zu interessanten Geschäften. 3.Damit die Abhängigkeit von …. möglichst gering gehalten wird, ist es wichtig den Markt zu beobachten und Alternativen zu suchen. 4. Andere Bezeichnung für Kreditwürdigkeit. 5.Nachzahlung, die manche Unternehmer in finanzielle Bedrängnis bringt, da sie in der Regel erst zwei Jahre später vorgeschrieben wird. 6. Wichtig, um nachhaltig Erfolge zu erzielen und auf dem Laufenden zu bleiben. 73 | Dez. | 2012 aktuelle Unterlage | Lösungsvorschläge | Seite 66 73 | Dez. | 2012 LÖSUNGSVORSCHLÄGE Übungsblatt Baustein 1 1. Freie Zeiteinteilung, niemand, der einem sagt, was zu tun ist. Die Chance, gut zu verdienen. 2. – der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer ist bei uns schwierig. 3. Die Österreicher schreiben den Unternehmern ein hohes Ansehen zu. – Finanzierung und Businessplan – die überbordende Bürokratie und eine im internationalen Vergleich hohe Steuerbelastung. – hohes Risiko individuelle Schülerlösung Übungsblatt Baustein 2 1. Richtig 3. Falsch: Inhaber einer Personengesellschaft haften mit ihrem Privatvermögen. 2. 4. 5. Falsch: Man nennt dies Lieferantenkredit. Richtig Richtig Übungsblatt Baustein 3 F W G I E R S T E S L C L I R M E K O M M U N A S C H P F R T S S O H A G F E T A E B S K R E I E N F L B I S U N T C A E H N U Z E A R V N E E R N T G R E A S G E P A S L S C E N M E E U N F T Ö I G E R T E N K A S A M M G M R B T S G L K E E H R R I A S N E K E M L T S H A S E F T ÜBUNGSBLATT Baustein 4 a.)Es ergibt sich ein Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben von 175 Euro. Die Zahlung der Jahreskarte für das Fitnessstudio und die Geburtstagsfeier für den Sohn sind keine Betriebsausgaben, sondern der privaten Lebensführung zuzurechnen. aktuelle Unterlage | Lösungsvorschläge | Seite 67 Einnahmen 73 | Dez. | 2012 2.300,00 Ausgaben Zahlung der Miete 50,00 Druck Flyer 150,00 Jahreskarte Fitnessstudio 350,00 Laptop 390,00 Kosmetikartikel (Waren) 510,00 Drucker 80,00 Porto 70,00 Kopierpapier 25,00 Geburtstagsfeier v. Sohn 125,00 Sozialversicherung 450,00 Gewinn 2.125,00 175,00 in Euro b.)Die Gewinnschwelle ist jener Punkt, wo die Kosten durch die laufenden Einnahmen gedeckt sind. Da die Einnahmen um 175 Euro höher sind als die Ausgaben, befindet sich das Unternehmen von Sabine über der Gewinnschwelle, das heißt, der Umsatz deckt die laufenden Kosten und es bleibt sogar noch ein Gewinn über. c.)Der Umsatz vom Kosmetikstudio darf nicht höher als 30.000 Euro netto (das heißt ohne Umsatzsteuer) sein. Sabine darf auch keinen Antrag auf Regelbesteuerung gestellt haben. Dann müsste sie Umsatzsteuer abführen und könnte sich Vorsteuer abziehen (auch wenn ihr Umsatz unter 30.000 Euro liegt). Übungsblatt Baustein 5 E W E I T E R I N K O M M E N S N E T Z W E R K E L I E F E B O B S O Z I A L I L D U N G T E U E R R A N T E N N I T A E T V E R S I C H E R U N G aktuelle Unterlage | LITERATUR | Seite 68 Literatur: www.franchise-net.at www.gruenderservice.at de.wikipedia.org AWS-Medienpaket Unternehmensgründung – Alles für die Gründung (2001) Autoren: a. o. Univ. Prof. Dr. Bettina Fuhrmann Prof. Mag. Elisabeth Galffy Prof. Mag. Anneliese Rotter Univ. Prof. Dr. Wilfried Schneider wko.at/aws weiterführende Links: Zur Unternehmensgründung generell: www.gruenderservice.atwww.diegruender.at www.gruenderwissen.at www.bmwfj.gv.at www.e2-p.eu www.wien.gv.at www.gruenderservice.net www.wirtschaftsagentur.at www.grueze.at www.i2b.at www.jungewirtschaft.at www.mingo.at www.inits.at www.kwt.or.at gruenden-in-wien.net www.wifiwien.at portal.wko.at Zur Unternehmensnachfolge: www.nachfolgeboerse.at www.nexxt.org www.nachfolgeguide.at www.betriebsboerse.at www.go-gruendercenter.net Zur Findung einer Geschäftsidee: www.komma-net.de/unternehmen/themen/geschaeftsideen Zum Franchising: www.franchise-net.at www.franchiseportal.at www.franchise.at www.franchise-messe.at 73 | Dez. | 2012 Persönliche Qualifikationen ■ zukunftsorientiertes Denken ■ Verantwortungs- bewusstsein ■ Risikotoleranz ■ Kommunikationsfähigkeit ■ Belastbarkeit ■ Toleranz Fachliche Qualifikationen ■ gute Ausbildung ■ fundiertes Branchenwissen ■ technisches Know-how ■ reichlich praktische Erfahrung ■ kaufmännische Kompetenzen ■ Führungsqualitäten ■ Verhandlungsgeschick Unternehmerische Qualifikationen Qualifikationen eines Unternehmers/einer Unternehmerin aktuelle Unterlage | Kopiervorlagen | Seite 69 73 | Dez. | 2012 Offene Gesellschaft (OG) Kommanditgesellschaft (KG) Genossenschaften Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Aktiengesellschaft (AG) Kapitalgesellschaften Handels- gesellschaften Gesellschaftsunternehmen Private Unternehmen Gesellschaften bürgerlichen Rechts Einzelunternehmen Stille Gesellschaft Personengesellschaften nicht protokolliert protokolliert Öffentliche Unternehmen UNTERNEHMENSFORMEN aktuelle Unterlage | Kopiervorlagen | Seite 70 73 | Dez. | 2012 FINANZAMT – Steuernummer „holen“, erste Daten bekannt geben RECHTSANWALT/NOTAR – Verträge (z. B. Gesellschaftsvertrag) abschließen FIRMENBUCH – Eintrag (wenn notwendig) vornehmen lassen WIRTSCHAFTSKAMMER – Beratung in Anspruch nehmen SOZIALVERSICHERUNG – den/die Unternehmer/in anmelden GEWERBEBEHÖRDE – Gewerbeschein lösen GEBIETSKRANKENKASSE – Mitarbeiter anmelden GEMEINDE/STADT – ev. Bewilligungen, Meldung von Dienstnehmern erledigen (wegen Kommunalsteuer) WEGE BEI DER UNTERNEHMENSGRÜNDUNG aktuelle Unterlage | Kopiervorlagen | Seite 71 73 | Dez. | 2012 aktuelle Unterlage | Kopiervorlagen | Seite 72 73 | Dez. | 2012 DIENSTNEHMER IN EINEM UNTERNEHMEN „echte“ Dienstnehmer „freie“ Dienstnehmer ■ „echter“ Dienstvertrag regelt z. B. – Beginn und Dauer – Probezeit/Kündigungsfristen – Arbeitszeit – Einstufung Kollektivvertrag – Sonderzahlungen – Urlaub (fünf bis sechs Wochen) – Entgeltfortzahlung bei Krankheit ■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension) ■ Betriebliche Vorsorgekasse ■ Anspruch auf Kranken- und Arbeitslosengeld ■ Mutterschutzgesetz (MSchG): Schutz in Schwangerschaft; Anspruch auf Karenz ■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt) ■ Ohne entsprechende Vereinbarung kein Anspruch z. B. auf – fixen Arbeitszeiten – Kollektivvertragslohn – Sonderzahlungen – Urlaub (fünf bis sechs Wochen) ■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension) ■ Betriebliche Vorsorgekasse ■ Anspruch auf Krankengeld (wird von Krankenkasse bezahlt) und Arbeits­ losengeld ■ Kein Mutterschutzgesetz (MSchG): d. h. kein Kündigungsschutz, kein Anspruch auf Karenz, Elternteilzeit ■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt) auch möglich als Geringfügig Beschäftigte ■ Einkommen ≤ EUR 376,26 pro Monat (Wert 2012) ■ Mitarbeiter sind nur Unfall versichert ■ Freiwillige Versicherung (Krankenversicherung, Pensionsversicherung) durch Mitarbeiter selbst möglich MITARBEITER KREDITE – RATING SOZIALVERSICHERUNG WEITERBILDUNG BUSINESSPLAN LIEFERANTEN STEUERN PARTNERSCHAFTEN UND NETZWERKE KUNDEN WAS DER/DIE UNTERNEHMER/IN IMMER IM BLICK HABEN SOLLTE... aktuelle Unterlage | Kopiervorlagen | Seite 73 73 | Dez. | 2012 WirtschaftspressePLUS Aktuelle Pressetexte zu volks- und betriebswirtschaftlichen Themen. Mit Arbeitsblättern, Projektvorschlägen, Linktipps und Lösungsvorschlägen. Erscheint monatlich. Gratisdownload auf wko.at/aws aktuelle U N TE R L AG E Jetzt neu auf BIC.at Karrieren – Menschen – Stories. Videointerviews von whatchado. AWS Tipp Viele didaktische Übungen zur Berufsorientierung finden Sie im aktualisierten AWS-Medienpaket Beruf und Bildung (CD). Bestellung: wko.at/aws Wir bringen die Wirtschaft ins Klassenzimmer Österreichische Post AG Info.Mail Entgelt bezahlt IMPRESSUM Medieninhaber: AWS Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule im Rahmen des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft, Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien Die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule (AWS) ist eine Initiative von Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Österreichischem Sparkassenverband und ist als Projekt am Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), Rainergasse 38, 1050 angesiedelt. Leiter: Mag. Josef Wallner Autorinnen: Mag. Erika Bernhard-Weindl, Mag. Julia Hampl Redaktion: Mag. Josef Wallner, Gudrun Dietrich, Karin Schweiger Gestaltung: www.designag.at