PRAxisfälle zuR uNteRNehmeNs

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b r i n g e n
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W i r t s c h a f t
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U N TE R L A G E
aktuelle
K l a s s e n z i m m e r
Praxisfälle
zur Unternehmensgründung
Ideelle und materielle Unterstützung erhalten wir von unseren Projektpartnern:
73
Dez. | 2012
aktuelle
U N TE R L AG E
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Mag. Erika Bernhard-Weindl
Mag. Julia Hampl
Einleitung
3
Entrepreneurship fördern
4
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
9
Baustein 2: Ich packe es an
17
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
29
Baustein 4: Mein erstes Jahr
38
Baustein 5: Ich habe es geschafft
53
Literatur
68
DIDAKTIK
Übungsblätter
Lösungsvorschläge
Kopiervorlagen
ISBN 978-3-9502430-1-7
Hinweis: Im Sinne einer leichten Lesbarkeit werden geschlechtsspezifische Bezeichnungen nur in ihrer männlichen Form angeführt.
2
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69
Einleitung
73 | Dez. | 2012
Einleitung
Liebe Lehrerinnen, liebe Lehrer,
im Jahr 2001 veröffentlichte die AWS ein Medienpaket zum Thema Unternehmensgründung. Es wurde eine
unserer nachgefragtesten Publikationen. Seither gab und gibt es zahlreiche weitere Initiativen zu diesem so
wichtigen Feld bzw. zum weiter gefassten Thema Entrepreneurship. An dieser Stelle seien die ebenfalls von der
Wirtschaftskammerorganisation getragenen bzw. unterstützten Initiativen Unternehmerführerschein, an dessen Entwicklung und Weiterentwicklung die AWS stets beteiligt war, und JUNIOR Österreich – Schüler/innen
gründen Unternehmen genannt. Deshalb hat die AWS in den letzten Jahren auch keine weiteren Unterlagen
zu diesem Bereich erstellt.
Die anhaltend hohen Zugriffe auf unser altes Medienpaket haben uns nun aber veranlasst, die Unterlage, wel-
che Sie in Händen halten, herauszubringen. Sie ist kein Konkurrenzprodukt zu den oben genannten Initiativen,
sondern ergänzt diese bzw. macht Lust und weckt Interesse, auch die „großen“ Projekte Unternehmerführerschein und JUNIOR im Unterricht umzusetzen.
Anhand von zwei Fällen aus der Praxis zeichnet die Aktuelle Unterlage fünf Phasen der Unternehmensgrün-
dung und erfolgreichen Führung eines Unternehmens in den ersten drei Jahren nach. Mit diesem didaktischen
Zugang hoffen wir, das Interesse Ihrer Schülerinnen und Schüler für dieses Thema noch weiter zu steigern und
Ihnen eine gute Basis für die Gestaltung Ihres Unterrichts in die Hand zu geben. Bei der Erstellung der betriebswirtschaftlichen Hintergrundinformationen wurde auf das AWS-Medienpaket aus dem Jahr 2001 und auf die
vielen ausgezeichneten Informationsmaterialien der Wirtschaftskammerorganisation zum Thema Unternehmensgründung zurückgegriffen.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern viel Freude und Lernerfolg mit dieser Aktuellen
Unterlage.
Erika Bernhard-Weindl, Julia Hampl (Autorinnen)
Josef Wallner, Gudrun Dietrich, Karin Schweiger (Redaktion)
3
aktuelle
U N TE R L AG E
Entrepreneurship fördern
Entrepreneurship fördern
Unternehmerführerschein®/Entrepreneur’s Skills Certificate®
Der Unternehmerführerschein®/Entrepreneur’s Skills Certificate® ist ein Europäisches Best Practice Beispiel für
Entrepreneurship Education mit österreichischen Wurzeln. Der Unternehmerführerschein® bietet wirtschaftliches Basiswissen und unternehmerische Kompetenzen in vier Modulen. E-Learning und ein internetbasiertes
Testsystem garantieren vergleichbare Standards auf nationaler und internationaler Ebene. Die Absolventen
haben somit einen leichteren Start im Berufsleben – sei es als Angestellte oder Selbstständige.
Unternehmerische Kompetenzen und selbstgesteuertes Lernen mit modernen Medien bereiten auf den Übergang von der Schule auf das Berufsleben vor. Fundiertes Wissen über wirtschaftliche Beziehungen, Arbeits-
und Unternehmensrecht, Marketing, Banken- und Kreditwesen, Versicherungspflichten, sowie Steuer- und
Sozialsystem ist für jetzige und kommende Generationen unerlässlich.
In Österreich haben Schüler/innen bereits mehr als 36.000 Module erfolgreich abgeschlossen und somit die
standardisierten Unternehmerführerschein® Zertifikate erworben. Obwohl ursprünglich für Allgemeinbilden-
de Höhere Schulen entwickelt, wird der Unternehmerführerschein®, bzw. werden einzelne Module des Un-
ternehmerführerscheins® verstärkt auch von Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen nachgefragt.
Dieses ist von hoher Relevanz für Österreichs Wirtschaft, da sich ein hoher Prozentsatz von Unternehmerfüh-
rerschein® Absolventen später für die Selbstständigkeit entscheidet. Die Jungunternehmer bilden das wirtschaftliche Rückgrat der kommenden Jahre!
Der Unternehmerführerschein® wurde bereits 2006 anlässlich der Osloer Konferenz zu Entrepreneurship Edu-
cation als Best Practice Beispiel ausgewählt. Dieses war gleichzeitig das Startsignal für die weitere Verbreitung
des Unternehmerführerscheins® nach Deutschland, Frankreich, Albanien, Polen und Tschechien. Die Niederlande, Belgien, die Schweiz und die Türkei werden ab 2013 folgen.
Weiterführende Informationen finden Sie unter www.unternehmerfuehrerschein.at
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Entrepreneurship fördern
73 | Dez. | 2012
JUNIOR Company Programm
Mit dem JUNIOR Company Programm erleben 15 - 19-jährige Schüler/innen (9. bis 12. Schulstufe) unsere Wirt-
schaftswelt hautnah, indem sie ein eigenes real wirtschaftendes Unternehmen mit echten, gegen Entgelt am
(schulnahen) Markt angebotenen Produkten oder Dienstleistungen gründen und führen. Die Schüler/innen
von heute und Unternehmer/innen von morgen entwickeln eine Geschäftsidee, treffen alle unternehmerischen
Entscheidungen selbst und wachsen im Team an den Aufgaben und Herausforderungen der Unternehmenswelt. Sie lernen, ihr unternehmerisches Potenzial zu entdecken und ihre sozialen Fertigkeiten zu entwickeln.
Die JUNIOR Betreuungslehrer/innen und JUNIOR Wirtschaftsexperten unterstützen die JUNIOR Company
durch Feedback an das Team bei Konflikten und Problemlösungen, Zeitmanagement sowie in allen Fragen der
Unternehmenswelt. Lehrer/innen arbeiten dabei in einer neuen Weise als Coach mit ihrem Team zusammen.
Im Schuljahr 2010/2011 wagten mehr als 2000 Schüler/innen in mehr als 160 JUNIOR Companies und JUNIOR
for Juniors Companies (für 13 - 15-Jährige) das Abenteuer Selbstständigkeit. Sie werden in nahezu allen Schultypen für Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren integriert. Besonders nachhaltige Lerneffekte zeigen sich bei
Schüler/innen, die neben dem JUNIOR Company Programm auch die Module des Unternehmerführerscheins®
der Wirtschaftskammer Österreich absolviert haben.
Das JUNIOR Innovationcamp ist ein weiteres erfolgreiches Bildungspraxisprogramm, in dem Schüler/innen
verschiedener Schultypen in Teams gemeinsam mit einem Partnerunternehmen an einer Aufgabenstellung
aus dem realen Wirtschaftsleben arbeiten. Innerhalb von 24 Stunden entwickeln die Jugendlichen einen Businessplan und eine Präsentation, um ihre Konzepte einer Fachjury des Partnerunternehmens vorzustellen.
Unter der Lizenz von Junior Achievement Young Enterprise Europe (JA-YEE) und JA Worldwide sowie eingebettet
in das Netzwerk der Volkswirtschaftlichen Gesellschaften und von deren Mitarbeiter/innen unterstützt, agiert
JUNIOR Enterprise Austria in den Bundesländern direkt an den Schulen. Gefördert wird der gemeinnützige
Verein durch Mittel der WKÖ, des BMWFJ, bm:ukk sowie der Jungen Wirtschaft und unterstützt von der Jungen
Industrie. Die Kompetenzen von JUNIOR liegen in der Entwicklung und Umsetzung von wirtschaftsbezogenen
Bildungspraxisprogrammen, sowie der Schaffung einer Verbindung von Wirtschaft und Schule.
Nähere Informationen zu JUNIOR und den durchgeführten Programmen auf: www.junior.cc
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aktuelle
U N TE R L AG E
Entrepreneurship fördern
Start Up! Vom Lehrling zum Chef
Start Up ist ein Wirtschaftsspiel der besonderen Art. Du arbeitest in einem Unternehmen, das Hover Boards
herstellt. Das sind neuartige High-Tech Sportgeräte, die über dem Boden schweben. Dein Chef bittet dich, ihn
für ein Jahr zu vertreten und den Betrieb zu führen.
Beweise dein Geschick in den drei Abteilungen und versuche, möglichst wirtschaftlich Boards herzustellen und
zu verkaufen. Alles liegt in deiner Hand…
Bist du erfolgreich, wirst du der neue Chef im Unternehmen!
■ Einkauf: Im Einkauf vergleichst du die Preise und Lieferbedingungen der verschiedenen Lieferanten und
bestellst das notwendige Material für die Produktion der Hover Boards.
■ Verkauf: In deinem Geschäft bedienst du die Kunden. Zu deinen Aufgaben gehört es auch, die richtigen
Preise für deine Boards zu bestimmen.
■ Produktion: In der Produktion kaufst du Maschinen, stellst Mitarbeiter ein und verteilst die Arbeitsaufträge,
um die Boards herzustellen.
Hier geht es zum Spiel „Start Up! Vom Lehrling zum Chef“: ibw4.m-services.at/startup/
Innovation braucht Bildung – Jugendliche, die Ideen umsetzen
Iris, Alexandra, Juli und Anna lösen mit ihrer Idee „Fit Kids“ das Problem des Übergewichts und der Abneigung
von Sport mancher Jugendlichen. Viktoria will, dass die Österreicher/innen in Zukunft mehr als drei Zahnbürsten pro Jahr verbrauchen und bietet mit Press, Brush & Kiss ein etwas anderes Abo-Service an. Chantal, Melanie
und Georg liefern mit der Zeitung in der Früh ihr Frühstücksbrötle mit, damit der Morgen mit einem guten
Frühstück beginnt. Ein paar Ideen, die von Schüler/innen aus Handelsakademien und Handelsschulen entwi-
ckelt wurden. Seit sieben Jahren findet der BA Ideen- und Businessplanwettbewerb statt – selbst eine Ideen
von Schüler/innen und Lehrer/innen – in diesem Jahr nehmen 150 Teams aus ganz Österreich teil. Viele der
Ideen werden im Rahmen des Maturaprojektes umgesetzt werden. Jugendliche als Ideenentwickler – das ist
gelebte Individualisierung und gibt der Schule einen ganz persönlichen Sinn. Ideen aus Österreich sind auch
international sehr erfolgreich, die letzten zwei Jahre ging der European Young Entrepreneur of the Year Award
jeweils nach Österreich.
Entrepreneurship zu unterrichten bedeutet nicht, dass die Schule eine Kaderschmiede für Jungunternehmer/
innen wird. Mit Entrepreneurship wird die Ideen- und Chancenorientierung betont. Es ist eine Haltung, die
jeder Mensch im alltäglichen Leben brauchen kann. Ideen für das eigene Leben, die Wirtschaft und die Gesell-
schaft einzubringen ist eine wichtige Frage der Wirtschaftskompetenz und der Werteverfassung des Einzelnen,
einer Gesellschaft und damit auch der ökonomischen und demokratiepolitischen Bildung. Zu Weiterbildung
für Lehrer/innen (quer durch den Fächerkanon) werden Schilfs (schulinterne Fortbildungen) angeboten. Termi-
ne können individuell mit dem eesi-Bundeskoordinator/innen vereinbart werden www.eesi-impulszentrum.at.
Weitere Details siehe www.entrepreneurship.at
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Entrepreneurship fördern
73 | Dez. | 2012
Basis Schilf
Entrepreneurship Education an der Schule stärken
Der Workshop bietet eine Einführung in die Möglichkeiten zur Stärkung der Entrepreneurship Education
für Schüler/innen, mit direkt einsetzbaren Ansätzen im Unterricht und weiterer Schritte im Rahmen der
Schulentwicklung.
Aufbau Schilf
Sustainability meets Entrepreneurship
Der Workshop bietet die Möglichkeit, von „Best-Practice-Beispielen“ zu lernen und will Mut geben, selbst
die „Next-Practice“ mitzugestalten. Für den Workshop gibt es ein Lehrer/innenhandbuch, mit 30 Fallstudien.
Der Workshop folgt den Motto: „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.“
Aufbau Schilf
Misch dich ein – der Debattierclub
Gründen Sie einen Debattierclub an Ihrer Schule und schaffen Sie damit Freiraum des offenen Austausches
zu Problemen, die uns alle angehen, und eine Möglichkeit, neue Ideen für die Zivilgesellschaft zu entwickeln.
Der Workshop bietet eine Einführung in die Methode Debattierclub. Demokratische Prozesse und Werte
kann man nicht auswendig lernen. Ihre Entfaltung benötigt eine Mischung aus Zuhören, überzeugender
Argumentation und der Bereitschaft aufeinander einzugehen. Für den Workshop gibt es ein Lehrer/innenhandbuch mit 20 Themenbereichen und 75 Motions, sowie einem umfangreichen Übungsteil.
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aktuelle
U N TE R L AG E
Entrepreneurship fördern
GründerService
Gründen | Nachfolgen | Franchise
Das Gründerservice der Wirtschaftskammern ist an über 90 Standorten in ganz Österreich die erste Adresse
für fundierte Gründungsberatung. Es bietet rund um Gründungen, Betriebsnachfolgen und Franchising pro-
fessionelle Unterstützung. Die Beratungsleistungen der Gründerservice-Stellen in ganz Österreich umfassen
u. a. rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung (Gewerberecht, Rechtsform, Sozialversicherung, Steuern,
Finanzierung, Förderungen, Standort, Betriebsanlagengenehmigung), Konzept-Erstellung und Konzept-Check
sowie Neufög-Beratung.
Auch online (www.gruenderservice.at) finden Gründungsinteressierte alles, was sie für einen erfolgreichen
Start brauchen. Mit speziellen e-Services wie der Mindestumsatzberechnung und der Businessplansoftware
Plan4You Easy bietet das Gründerservice praktische Werkzeuge an, die beim Unternehmensaufbau helfen. Im
One-Stop-Shop Gründerservice kann das Gewerbe auch unkompliziert elektronisch angemeldet werden.
Produkte und Services
Publikationen
■ Leitfaden für Gründerinnen und Gründer
■ Leitfaden zur Betriebsnachfolge
■ Leitfaden zum Franchising
■ Vorbereitung auf das Bankgespräch
■ Leitfaden zur Unternehmensgründung für Künstlerinnen und Künstler
■ Das verflixte 3. Jahr und weitere praktische Tipps für die Nachgründungsphase
Merkblätter
Ergänzend zu den Leitfäden bieten die Gründerservices Merkblätter zu Themen wie Betriebsanlagengenehmi-
gung, Kleinunternehmerregelung, Sozialversicherung etc. an. Zusätzlich werden Informationen in mehreren
Fremdsprachen angeboten.
Beratungen: Rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung (Gewerberecht, Rechtsform, Sozialversiche-
rung, Steuern, Finanzierung, Förderungen, Standort, Betriebsanlagengenehmigung) etc.
Events: Gründertage in ganz Österreich, Expertenvorträge, Nachfolge- und Franchise-Veranstaltungen
Internet und mehr …
■ www.gruenderservice.at
■ Businessplan-Software „Plan4You Easy“ – www.gruenderservice.at/businessplan
■ Handbuch „Plan4You Easy“ – www.gruenderservice.at/publikationen
■ Mindestumsatzberechnung – www.gruenderservice.at/mindestumsatzberechnung
■ Podcast-Serie: "Unternehmen gründen: So geht´s!" – www.gruenderservice.at/podcast
■ Gründerservice auf Facebook: Das Gründerservice ist auch im sozialen Netzwerk Facebook vertreten. Aktuelles unter http://www.facebook.com/gruenderservice
■ Nachfolgebörse – www.nachfolgeboerse.at
■ Franchisebörse – www.franchiseboerse.at
■ i2b Businessplan-Initiative – www.i2b.at
Gründerservice: Gründlich beraten, erfolgreich starten
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Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
73 | Dez. | 2012
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
In diesem Baustein erfahren Sie,
■ welche Vorteile und Herausforderungen die
Zufälligerweise entdeckt Susanne dann ein Inserat in
einer Tageszeitung:
Selbstständigkeit hat,
■ welche persönlichen und fachlichen
Voraussetzungen ein Unternehmer braucht,
■ wie ein Unternehmen gegründet werden
kann.
Praxisfall 1: Die Singers
gründen ein Nachhilfeinstitut
Susanne Singer ist 35 Jahre alt. Sie wurde in Graz ge-
boren. Schon als Volksschülerin wusste Susanne, was
sie später einmal werden möchte: Lehrerin. Nachdem
sie das Bundesrealgymnasium in Graz abgeschlossen
hatte, übersiedelte sie nach Wien und begann dort
das Lehramtsstudium für Biologie und Geschichte.
Wollen Sie sich selbstständig machen?
Unser Nachhilfeinstitut bietet Lernunterstützung für alle Fächer und alle Altersstufen.
Seit bereits einigen Jahren betreiben wir ein
erfolgreiches Franchisesystem mit mehreren
Einrichtungen in ganz Österreich.
Wenn Sie sich selbstständig machen wollen,
sich für Bildung interessieren, gern mit
Kindern und Jugendlichen arbeiten, dabei
jedoch ein möglichst geringes Gründungsrisiko haben wollen, dann werden Sie auch
Teil unseres Franchisesystems.
Kontaktieren Sie uns noch heute unter:
[email protected]
Während dieser Zeit lernte sie auch ihren zukünfti-
gen Mann, Manfred Singer, kennen. Er ist ein ausgebildeter Kindergartenpädagoge.
Nach Abschluss des Studiums begann sie in einem
Gymnasium in Wien die Fächer „Biologie und Umweltkunde“, „Geschichte und Sozialkunde“ und „po-
Dieses Inserat traf genau auf die beiden zu. Was man
jedoch unter Franchise versteht, mussten sie noch recherchieren.
wurde, desto mehr wünschte sie sich ihre eigene Che-
Praxisfall 2: Thomas Kandl
übernimmt einen Spenglereibetrieb
die berufliche Selbstständigkeit, wenn möglich sogar
Thomas Kandl ist 42 Jahre alt und lebt seit seiner
litische Bildung“ zu unterrichten. Je älter sie jedoch
fin zu sein. Auch ihr Mann überlegt sich den Schritt in
gemeinsam mit Susanne.
Kindheit in Mödling. Seine Eltern betreiben eine Bauspenglerei. Da Thomas sehr geschickt bei handwerk-
lichen Arbeiten ist und gerne auch im Freien arbeitet,
absolvierte er nach Abschluss der Pflichtschule eine
Lehre als Spengler in einem mittelgroßen Schlos-
serei- und Metallbaubetrieb. Nachdem er die Lehre
erfolgreich beendet hatte, sammelte er noch einige
Jahre berufliche Erfahrungen. In dieser Zeit lernte er
auch seine Frau Manuela kennen, die ihn dazu motivierte, die Meisterprüfung zu machen.
Als sich die Eltern von Thomas aus dem Betrieb zu-
rückziehen wollen, entschließt sich Thomas, der mittlerweile genug Erfahrung hat, den Betrieb zu übernehmen. 9
aktuelle
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
U N TE R L AG E
1.1 Welche Vorteile und Herausforderungen bringt die Selbstständigkeit?
Der/die
Unternehmer/in ...
WISSEN
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 entwickelt risikoorientiertes und
vorausschauendes Denken.
 kann das eigene Unternehmen
selbst gestalten.
 kann ein Hobby zum Beruf machen.
 erhält direkte Selbstbestätigung
durch gute Arbeit.
! hat keine geregelte Arbeitszeit.
! braucht viel Durchhaltevermögen,
Frustrationstoleranz und Motivation.
 kann sich die Arbeitszeit selbst einteilen.
! erhält keine Sonderzahlungen
durch den Arbeitgeber.
! hat oft keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld,
wenn der Geschäftsaufbau scheitert.
 muss sich nicht an Vorgaben des Arbeitgebers halten.
 kann die eigenen Stärken
optimal nutzen.
! hat meist unscharfe Grenzen zwischen Freizeit
und Arbeit.
 hat Entscheidungsfreiheit.
 kann erwirtschaftete Gewinne behalten.
! muss im Stande sein eigenständig und
selbstverantwortlich zu arbeiten.
 kann selbststrukturiert arbeiten.
 kann die eigenen Ideen verwirklichen.
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! ist mit einem größeren Risiko konfrontiert.
 kann ein hohes Einkommen
erzielen bei guter Geschäftslage.
! hat kein sicheres und regelmäßiges Einkommen.
! muss Verluste eigenständig ausgleichen.
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
73 | Dez. | 2012
1.2 Bin ich ein Unternehmertyp?
Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, sollte der/die Unternehmer/in neben fachlichen Qualifikationen
auch über persönliche und unternehmerische Qualifikationen verfügen.
Qualifikationen eines Unternehmers/einer Unternehmerin
Fachliche Qualifikationen
Persönliche Qualifikationen
■ gute Ausbildung
■ fundiertes Branchenwissen
■ technisches Know-how
■ reichlich praktische Erfahrung
■ zukunftsorientiertes Denken
■ Verantwortungs-
bewusstsein
■ Risikotoleranz
■ Kommunikationsfähigkeit
■ Belastbarkeit
■ Toleranz
Unternehmerische
Qualifikationen
■ kaufmännische Kompetenzen
■ Führungsqualitäten
■ Verhandlungsgeschick
1.3 Wie kann ich gründen?
Es gibt viele Möglichkeiten, ein Unternehmen zu gründen. Vier der häufigsten sind folgende:
Häufige Möglichkeiten der Unternehmensgründung
Neugründung
Innovation
Imitation
Unternehmensnachfolge
Franchising
Innovation
Das neue Unternehmen bietet ein neues Produkt
oder eine neue Dienstleistung an. Das heißt, es hat in
dieser Art und Weise vorher nicht existiert.
Imitation
ideen aus dem Ausland, die am inländischen Markt
eingeführt werden. Oft muss man hierbei auch mit
dem Erfinder abklären, ob man das Produkt oder die
Dienstleistung nachmachen darf.
Bei der Imitation wird ein bereits bestehendes Pro-
Natürlich sind auch Überschneidungen zwischen In-
kopiert. Das heißt, es besteht bereits in dieser Art und
men entwickelt ein tolles neues Produkt, hat aber
dukt oder eine Dienstleistung bzw. ein Unternehmen
Weise und wird nun noch einmal vermarktet. Oft
handelt es sich bei Imitationen auch um Geschäfts-
novation und Imitation möglich, z. B. ein Unterneh-
viele andere im Programm, die auch weitere Unternehmen anbieten.
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aktuelle
Unternehmensnachfolge
Vorteile
Eigentum an einem bestehenden Unternehmen so-
■ Es liegen bereits Erfahrungswerte vor.
Bei der Unternehmensnachfolge erwirbt jemand das
wie die Rechte und Pflichten seines Vorgängers. In
unserem Praxisfall 2 soll die Spenglerei von Herrn
Kandl senior an seinen Sohn Thomas Kandl übergeben werden (Generationswechsel).
Die Unternehmensnachfolge kann zu Lebzeiten als
auch nach dem Tod eines/einer Unternehmers/in
erfolgen. Eine Übergabe ist sowohl innerhalb der Familie als auch familienextern (z. B. Kauf, Pacht eines
bestehenden Unternehmens durch einen Dritten)
möglich.
■ Ein Unternehmenskonzept ist bereits vorhanden.
■ Das Unternehmen hat einen eingeführten, bekannten Namen und Standort.
■ Produkte, Absatzmärkte und Kundenstock sind bereits vorhanden.
■ Es gibt ein Team von erfahrenen und eingespielten Mitarbeitern.
■ Es gibt ein Netz von Geschäftspartnern (Lieferanten), mit denen in der Vergangenheit erfolgreich
zusammengearbeitet wurde.
■ Es liegen bereits konkrete Unternehmenszahlen
vor (aufgrund von Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen etc.).
Sowohl als Nachfolger als auch als Übergeber sind ne-
■ Ein laufender Betrieb hat höhere Ertragschancen.
legungen anzustellen, um Risiken besser einschätzen
Herausforderungen
Als Nachfolger sind folgende Fragen wichtig:
■ Sind die Produktionsmittel (z. B. Maschinen) noch
■ Passt das Unternehmen zu mir?
■ Akzeptieren die Mitarbeiter und Kunden den
■ Welche Vorteile hat die Übernahme eines ■ Es ist möglicherweiser ein größerer Kapitalbedarf
ben rechtlichen Fragen vorab viele persönliche Überzu können und um Übergabefehler zu vermeiden.
■ Bin ich als Nachfolger wirklich geeignet?
■ Habe ich die notwendigen Qualifikationen?
bestehenden Unternehmens?
■ Welche Verpflichtungen kommen auf mich zu?
Welche Vorteile und Herausforderungen gibt es bei
■ Ich muss prüfen, ob die Produkt- und Leistungs­
palette nicht veraltet ist.
in Ordnung?
Übergang?
notwendig als bei Neugründung. Dadurch ergibt
sich auch ein höheres Risiko.
■ Man trägt Verantwortung gegenüber den übernommenen Mitarbeitern.
einer Betriebsübernahme?
■ Man übernimmt Verpflichtungen aus Wer ein bestehendes Unternehmen übernimmt,
■ Man haftet auch für bestehende Schulden.
währtes Unternehmenskonzept. Es können viele Jah-
Damit eine Betriebsübergabe sowohl für Nachfolger
Betriebsinhaber kann relativ rasch seine eigenen
rechtzeitig die Betriebsnachfolge zu planen und indi-
übernimmt ein bereits vorhandenes, in der Praxis be-
re der Aufbauarbeit übersprungen werden. Der neue
Ideen und Vorstellungen in einem funktionierenden
Betrieb verwirklichen.
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Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
U N TE R L AG E
vorhandenen Verträgen.
als auch Übergeber optimal läuft, ist es notwendig,
viduelle Beratung einzuholen.
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
73 | Dez. | 2012
Franchising
Franchising ist ein Kooperations- und Vertriebssystem, in dem rechtlich selbstständige Unternehmen
Waren und Dienstleistungen vermarkten.
Dabei gibt es zwei Parteien: den Franchisegeber und
den Franchisenehmer.
Der Franchisegeber hat die Aufgabe ein Franchisepa-
ket zur Verfügung zu stellen. Dieses Paket beinhaltet
gewisses Know-how, das heißt Wissen über die Grün-
dung und Führung eines bestimmten Unternehmens.
Der Franchisenehmer verpflichtet sich dieses Paket
zu nutzen und dafür eine bestimmte Geldsumme zu
zahlen. Er ist selbstständiger Unternehmer.
Zwischen dem Franchisegeber und dem Franchisenehmer besteht ein Franchisevertrag, der die Zusam-
menarbeit regelt. Diese Zusammenarbeit ist meist
sehr eng und auf Dauer ausgerichtet.
Die folgende Übersicht veranschaulicht noch einmal
die Funktionen und den Zusammenhang der beiden
Parteien:
Das franchisesystem
Franchisegeber
Franchisenehmer
Franchisevertrag,
regelt die Zusammenarbeit
stellt Franchisepaket
mit gewissem Know-how
zur Verfügung
Auf weitere Leistungen von Franchisegeber und -nehmer wird im nächsten Punkt noch genauer eingegan-
gen.
verpflichtet sich,
das Paket
entgeltlich zu nutzen
Welche Leistungen haben Franchisegeber und
Franchisenehmer zu erbringen?
In den meisten Franchisesystemen stehen einem
Bekannte Franchisesysteme in Österreich sind:
Franchisegeber mehrere Franchisenehmer gegen-
Body Shop. Generell wird das Franchising in Öster-
haben spezielle Aufgaben und bilden daher eine ge-
reich immer beliebter.
über. Beide Parteien (Franchisegeber und -nehmer)
wisse Arbeitsteilung. Diese Konzentration auf gewis-
se Bereiche steigert die Produktivität.
pcruciatti / Shutterstock.com
McDonald’s, Palmers, Yves Rocher, OBI, Pizza Hut und
13
aktuelle
Die Leistungen des Franchisegebers sind dabei
Der Franchisenehmer verpflichtet sich,
die Zurverfügungstellung
■ unternehmerisches Engagement und ■ eines erprobten und bekannten Unternehmenskonzepts und somit einer Gründungsidee und
■ einer Software, die eine einheitliche Buchhaltung
und ein einheitliches Controlling ermöglicht
der Aufbau eines Franchise-Systems inklusive
■ einer Vertragsgestaltung
■ einem Franchise-Handbuch und
■ eines System-Managements (Controlling, Betriebsvergleiche, Verwaltung, EDV)
die Durchführung
■ eines System-Marketings und
■ überregionaler Werbung
Hilfestellung bei
■ der Marktforschung
■ der Standortwahl
■ der Beratung
■ der Finanzierung und
■ der Geschäftseinrichtung
Sicherung von Schutzrechten bezüglich
■ Marken
■ Patente
■ Lizenzen und
■ Design
Sonstige Pflichten:
■ Gemeinsame Warenbeschaffung und dadurch
Ermöglichung von Preisvorteilen
■ Motivation der Franchisenehmer und Schaffung
eines guten Klimas innerhalb des Systems
■ Weiterbildung der Franchisenehmer und deren
Mitarbeiter
■ Erhaltung und Weiterentwicklung des Systems
Die Leistungen des Franchisenehmers sind im Gegen-
satz dazu etwas überschaubarer.
14
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
U N TE R L AG E
Risikobereitschaft zu zeigen,
■ die Arbeitsleistung persönlich zu erbringen,
■ das notwendige Kapital zur Verfügung zu stellen,
■ die vereinbarten bzw. vorgegebenen Franchise­
gebühren zu zahlen,
■ das nötige Personal einzustellen und zu führen,
■ die Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen,
■ Kunden gut zu betreuen,
■ Markt- und Erfolgsinformationen des Unternehmens an den Franchisegeber weiterzugeben,
■ sich so zu verhalten, wie es das System verlangt,
■ aktiv an der Weiterentwicklung des Systems
mitzuarbeiten,
■ die Pflicht zur Geheimhaltung zu wahren und
■ nicht gegen das Wettbewerbsverbot zu verstoßen (z. B. mit einem Konkurrenten
zusammen­arbeiten).
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
73 | Dez. | 2012
Welche Vorteile und Herausforderungen haben Franchisesysteme?
VORTEILE
FÜR FRANCHISENEHMER
HERAUSFORDERUNGEN
FÜR FRANCHISENEHMER
■ Der Franchisenehmer kann in ein bereits bestehendes und erprobtes Konzept eintreten.
■ Der Franchisenehmer hat ein geringeres
Gründungs- und Unternehmerrisiko.
■ Durch die Gruppe der Franchisenehmer ergeben sich bessere Einkaufs- und Verhandlungskonditionen.
■ Der Franchisenehmer ist Mitglied eines
Teams und kann sich stets Informationen
und Hilfe von den anderen Teammitgliedern
holen.
■ Der Franchisenehmer hat einen überschaubaren Kapitalbedarf, den er meist im Vorhinein schon ziemlich genau berechnen kann.
■ Der Franchisenehmer kann das Know-how
des Franchisegebers nutzen.
■ Der Franchisenehmer hat nur einge­
schränkte Möglichkeiten, das bestehende
System zu ändern.
■ Der Franchisenehmer hat nur eingeschränkte unternehmerische Freiheit und muss sich
an die Vorgaben des Konzepts halten.
■ Der Franchisenehmer muss immer Kompromisse mit den anderen Franchisenehmern
und dem Franchisegeber finden.
■ Der Franchisenehmer muss dem Franchisegeber laufend Informationen liefern.
■ Der Franchisenehmer muss regelmäßig Gebühren an den Franchisegeber abführen.
VORTEILE
FÜR FRANCHISEGEBER
HERAUSFORDERUNGEN
FÜR FRANCHISEGEBER
■ Der Franchisegeber kann neue Geschäfts­
ideen mit Hilfe der Franchisenehmer umsetzen.
■ Der Franchisegeber kann seinen Marktauftritt ohne zusätzliches Kapital verstärken.
■ Der Franchisegeber muss laufend für Schulungs- und Informationsveran­
staltungen sorgen.
■ Der Franchisegeber muss das System aufrecht erhalten, laufend verbessern und
an der Beziehung zwischen den Franchisenehmern arbeiten.
■ Je größer das System wird und je mehr Franchisenehmer es gibt, desto schwieriger
wird es für den Franchisegeber den Überblick zu bewahren.
In vielen Franchisesystemen gibt es auch Franchisevertreter. Diese setzen sich für die Rechte der Franchise-
nehmer ein, was natürlich auch einen wesentlichen Vorteil für die Franchisenehmer darstellt.
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aktuelle
Baustein 1: Ich werde mein eigener Chef
U N TE R L AG E
Welche Formen von Franchising gibt es?
Es können drei unterschiedliche Franchisesysteme nach der Geschäftstätigkeit unterschieden werden:
Formen von Franchising
Produktions-Franchising
Vertriebs-Franchising
Produktions-Franchising
Bei dieser Art von Franchising wird lediglich das
Know-how zur Produktion eines Produkts überlassen.
Dienstleistungs-Franchising
Beim Dienstleistungs-Franchising wird das Knowhow zur Dienstleistungserbringung überlassen. Die
Das heißt, der Franchisenehmer erfährt, wie er be-
Produktion oder der Verkauf von Produkten steht
rialien, Maschinen und Vorgänge er dafür braucht).
Dienstleistungs-Franchising sind Sonnenstudios, Rei-
Vertriebs-Franchising
des Franchisings dem Vertriebs-Franchising mengen-
der Verkauf von Gütern im Vordergrund. Diese Art des
nehmender Beliebtheit.
stimmte Produkte erzeugen kann (z. B. welche Mate-
Beim Vertriebs-Franchising steht der Vertrieb, sprich
Franchisings ist im Moment die am häufigsten durch-
dabei eher im Hintergrund. Typische Beispiele für
sebüros oder Nachhilfeinstitute. Obwohl diese Art
mäßig noch hinterherhinkt, erfreut es sich jedoch zu-
geführte Art. Die oben erwähnten großen Franchise-
Wann ist man für ein Franchisesystem geeignet?
diese Form von Franchising an. Im Vordergrund steht
■ generell den Wunsch der Selbstständigkeit hat,
systeme wie McDonald’s, Palmers, Obi usw. wenden
unter anderem der Verkauf von Burger, Unterwäsche
und Baumarktartikeln.
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Dienstleistungs-Franchising
Als Franchisenehmer ist man geeignet, wenn man
■ jedoch eher risikoscheu ist und
■ die Zusammenarbeit mit anderen bevorzugt.
Baustein 2: Ich packe es an
73 | Dez. | 2012
Baustein 2: Ich packe es an
In diesem Baustein erfahren Sie,
einmalige Einstiegsgebühr von 500 Euro bezahlen.
■ in welcher Form ein Unternehmen gegründet
Franchiseunternehmen des Instituts zu besuchen, um
werden kann,
■ wie die Gründung eines Unternehmens
finanziert werden kann,
■ wo ein Unternehmen gegründet werden sollte,
■ warum ein Unternehmensgründer einen
Businessplan erstellt.
Sie hatten in dieser Zeit auch die Möglichkeit, andere
einen Einblick in deren Arbeitsweise zu bekommen.
Zusätzlich bekamen sie auch ein Franchisehandbuch,
indem genau festgehalten war, wie das Nachhilfeinstitut zu führen ist.
Die Schulungen absolvierten sie zur gleichen Zeit, in
der sie mit Hilfe eines Immobilienmaklers einen pas-
senden Standort suchten. Für die Kosten der Schulungen mussten Susanne und Manfred selbst auf-
Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers
gründen ein Nachhilfeinstitut
aber es mussten einige kleine Umbauarbeiten durch-
Aufgrund des Inserats nahmen Susanne und Manfred
holten sich Susanne und Manfred auch einige Tipps
Kontakt mit dem Nachhilfeinstitut auf und besuchte
kommen. Die Lage und Größe des Standorts passten,
geführt werden. Für die Einrichtung des Standorts
vom Franchisegeber und anderen Franchisenehmern.
einen Franchiseinformationsabend des Instituts. Da-
Sie schafften es dann, den Standort mit ihrem einge-
terschreiben, um genauere Informationen über Um-
vorgegebenen Standards des Franchisegebers und
bei mussten sie eine Geheimhaltungserklärung un-
planten Budget so einzurichten, dass er sowohl den
satzzahlen und organisatorische Details zu erhalten.
auch ihren Vorstellungen entsprach.
Einige Zeit später bekamen sie ein Muster eines Fran-
Für die Einrichtung einer passenden Bibliothek muss-
chisevertrags. Es wurde dann ein individueller Ge-
schäftsplan erstellt wurde und beide Parteien konn-
ten sie eine Paketgebühr an den Franchisegeber zahlen, um mit allen notwendigen Büchern und Kopier-
ten sich über die Vertragsinhalte einigen. Der Vertrag
vorlagen ausgestattet zu werden. Noch während der
einen reibungslosen Betrieb ihres Nachhilfeinstituts
sich Susanne und Manfred daran, einen Marketing-
wurde unterzeichnet. Damit Susanne und Manfred
gewähren konnten, gründeten sie eine OG mit dem
Standort umgebaut und eingerichtet wurde, machte
plan und einen Businessplan zu erstellen. Dabei gab es
Namen „Singer OG“. Als Startkapital mussten sie
zwar ein paar Vorgaben vom Franchisegeber, den Groß-
vorweisen. Da sie diesen Betrag bereits angespart
stimmen. Für alle Kosten für Werbeaktivitäten würden
beim Franchisegeber einen Betrag von 35.000 Euro
teil konnten bzw. mussten jedoch die beiden selbst be-
hatten, mussten sie dafür keinen Kredit aufnehmen.
sie selbst aufkommen müssen. Im Franchisehandbuch
Den Großteil dieses Betrags benötigten sie für die An-
onen und Richtlinien, die sie beim Entwurf ihrer Wer-
ketingaktivitäten. Außerdem mussten sie auch eine
plante Susanne z. B. ein Fest mit Livemusik.
mietung des Standorts, Schulungen und diverse Mar-
fanden sie unter anderem die notwendigen Informatibemaßnahmen zu beachten hatten. Für die Eröffnung
17
aktuelle
U N TE R L AG E
Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl
übernimmt einen Spenglereibetrieb
Thomas freut sich über das Vertrauen seines Vaters,
Über den Standort braucht er sich zunächst einmal
lich geeignet ist. Bis jetzt war Thomas angestellt,
terhin mieten kann. Langfristig möchte er sich aber
hat aber dennoch Zweifel, ob er als Nachfolger wirk-
hatte ein regelmäßiges Einkommen und musste sich
nicht um die finanziellen Angelegenheiten der Firma
kümmern. Er fragt sich, ob er den Erfolg des Unter-
nehmens fortführen kann? In welcher Form soll er
das Unternehmen fortführen? Soll er eine GmbH
gerne in einem kleinen Gewerbegebiet ansiedeln. Die
Büroarbeiten wird voraussichtlich seine Frau Manue-
la erledigen.
Am meisten beunruhigt Thomas, dass in den Win-
gründen oder wie sein Vater ein Einzelunternehmen
termonaten die Auftragslage sehr gering ist und er
Da Herr Kandl senior beabsichtigt, seinem Sohn das
Bank ausverhandeln muss, um die laufenden Kosten
betreiben?
Unternehmen zu schenken, ist der anfängliche Kapi-
talbedarf nicht hoch. Thomas weiß aber, dass in na-
wahrscheinlich einen Überziehungsrahmen mit der
(Miete, Mitarbeiter etc.) in dieser Zeit abzudecken.
her Zukunft einige Anschaffungen notwendig sein
Bevor er zur Bank geht, möchte er seine Ideen in einem
neuesten Stand der Technik und die Reparaturen des
seiner finanziellen Mittel machen. Außerdem möchte
werden. Ein paar Maschinen sind nicht mehr am
Klein-LKWs häufen sich. Für Anfangsinvestitionen hat
Thomas 25.000 Euro in Form von Wertpapieren an-
gespart. Zusätzlich hat er noch eine Lebensversicherung, in die er monatlich 100 Euro einzahlt.
18
keine Gedanken machen, da er die Werkstatt wei-
Businessplan zusammenfassen und eine Aufstellung
er wissen, ob es Förderungen für Unternehmensgrün-
der gibt. Dazu informiert sich Thomas bei der Wirt-
schaftskammer und holt sich zusätzlich fachkräftige
Unterstützung von einem Steuerberater.
Baustein 2: Ich packe es an
73 | Dez. | 2012
2.1 Welche Unternehmensformen gibt es in Österreich?
Gründet jemand in Österreich ein Unternehmen, muss er dafür eine Unternehmensform wählen. Die folgen-
WISSEN
2
de Abbildung gibt einen Überblick über die verschiedenen Unternehmensformen.
UNTERNEHMENSFORMEN
Öffentliche Unternehmen
protokolliert
Private Unternehmen
Einzelunternehmen
nicht protokolliert
Gesellschaften
bürgerlichen
Rechts
Gesellschaftsunternehmen
Handels-
gesellschaften
Personengesellschaften
Offene
Gesellschaft
(OG)
Kommanditgesellschaft
(KG)
Stille
Gesellschaft
Genossenschaften
Kapitalgesellschaften
Gesellschaft mit
beschränkter
Haftung (GmbH)
Aktiengesellschaft
(AG)
Ein Einzelunternehmen kann sehr rasch und einfach
Die Gesellschaftsunternehmen lassen sich weiter
anmeldung oder Bewilligung. Ab einer bestimmten
Handelsgesellschaften und Genossenschaften.
gegründet werden. Es entsteht mit der Gewerbe-
Jahresumsatzgrenze (2012: 700.000 Euro) muss das
Einzelunternehmen protokolliert, sprich in das Fir-
untergliedern in Gesellschaften bürgerlichen Rechts,
Die Handelsgesellschaften wiederum gliedern sich in
menbuch eingetragen werden. Liegt der Jahresum-
Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.
suchen, ob er das Unternehmen protokollieren lassen
dass die Inhaber von Personengesellschaften auch
satz unter dieser Grenze, kann sich der Inhaber aus-
will oder nicht. Der Inhaber eines Einzelunternehmens
übernimmt das volle Risiko des Unternehmens. Er
haftet unbeschränkt und mit seinem privaten Vermö-
gen. Andererseits steht ihm jedoch auch der gesamte
Gewinn alleine zu. Er muss das Unternehmen nicht
alleine betreiben, sondern kann auch Arbeitnehmer
beschäftigen. Bis zur oben genannten Jahresumsatz-
Der wesentlichste Unterschied hierbei besteht darin,
mit ihren Privatvermögen haften. Bei Kapitalgesellschaften ist dies nicht der Fall.
Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht über die Un-
terschiede und Merkmale der Personen- und Kapital-
gesellschaftsformen.
grenze ist der Einzelunternehmer berechtigt, lediglich
eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu führen.
19
aktuelle
Baustein 2: Ich packe es an
U N TE R L AG E
GESELLSCHAFTSFORM
MERKMALE
Personengesellschaften
Offene ■ Kann für jeden unternehmerischen und nicht-unternehmerischen Zweck gegründet
■ Die Gründung erfolgt durch einen formfreien Gesellschaftsvertrag zwischen ■ Sie muss auf jeden Fall in das Firmenbuch eingetragen werden.
■ Die Gläubiger der OG können jeden Gesellschafter zur Bezahlung der Schulden Kommandit-
■ Die Kommanditgesellschaft ist ähnlich aufgebaut wie die Offene Gesellschaft.
■ Der Komplementär haftet unbeschränkt (mit dem Privatvermögen), solidarisch (er
Gesellschaft (OG) werden, einschließlich freiberuflicher und land- und forstwirtschaftlicher Tätigkeit.
mindestens zwei Personen.
■ Alle Gesellschafter sind zur Mitarbeit verpflichtet und berechtigt. Sie haften auch mit ihrem Privatvermögen (unbeschränkte Haftung).
heranziehen (solidarische Haftung).
gesellschaft (KG) Es gibt jedoch den Unterschied, dass zumindest ein Gesellschafter ein Kommanditist
und ein weiterer ein Komplementär sein muss.
haftet für die gesamten Schulden) und direkt (der Gläubiger kann sich sofort an ihn
wenden und muss nicht zuerst die Gesellschaft klagen).
■ Der Kommanditist hingegen haftet nur bis zu einem gewissen Betrag, der auch in das
Stille ■ Eine stille Gesellschaft entsteht dadurch, dass sich eine Person mit einem gewissen
■ Meist ist eine stille Gesellschaft nach außen nicht erkennbar.
■ Er ist jedoch auch berechtigt, Anteile des Gewinns zu bekommen.
Firmenbuch eingetragen wird.
Gesellschaft Betrag oder einer Arbeitsleistung an einem anderen Unternehmen beteiligt.
■ Der stille Gesellschafter verpflichtet sich, Verluste bis zur Höhe seiner Einlage zu tragen.
Kapitalgesellschaften
Gesellschaft ■ Im Unterschied zu den Personengesellschaften kann eine GmbH auch nur durch eine
mit beschränkter Person errichtet werden.
Haftung (GmbH) ■ Die GmbH hat eine eigene Rechtspersönlichkeit. Das heißt, sie kann Rechte erwerben,
Verbindlichkeiten eingehen, klagen und geklagt werden.
■ Sie ist daher unabhängig von den Gesellschaftern. Die Gesellschafter haften also nicht
■ Um eine GmbH gründen zu können, muss ein Stammkapital von 35.000 Euro ■ Eine GmbH wird auf jeden Fall in das Firmenbuch eingetragen.
Aktien-
■ Eine AG kann, so wie die Personengesellschaften, nur von zwei oder mehreren Personen
■ So wie die GmbH, hat auch die AG eine eigene Rechtspersönlichkeit. Das heißt, auch die
■ Auch bei der AG ist ein Betrag bei der Gründung zu zahlen. Er wird Grundkapital ■ Dieses Grundkapital wird in Aktien zerlegt. Diese Aktien können auch von anderen
mit ihrem privaten Vermögen.
aufgebracht werden. Die Hälfte von diesem Betrag muss bar eingezahlt werden.
gesellschaft (AG) gegründet werden.
20
Inhaber einer AG haften nicht mit ihrem Privatvermögen.
genannt und beträgt 70.000 Euro.
Personen gekauft werden. Auch die AG muss in das Firmenbuch eingetragen werden.
Baustein 2: Ich packe es an
73 | Dez. | 2012
2.2 Wie wird die Unternehmensgründung finanziert?
Für eine erfolgreiche Unternehmensgründung und auch für den weiteren Geschäftsbetrieb ist ein realistischer Finanzplan notwendig. Der/die Unternehmer/in muss wissen, wie viel Geld in der Gründungsphase
benötigt wird (z. B. für den Kauf von Maschinen) und wie hoch die Umsätze sein müssen, damit ich meine
laufenden Kosten (z. B. Miete, Mitarbeiter) abdecken kann. Wichtig ist, dass das Unternehmen zahlungsfähig
(= liquide) bleibt und offene Rechnungen begleichen kann.
Ein Finanzplan soll aufzeigen, wann mit welchen Ausgaben, in welcher Höhe zu rechnen ist und wie diese
Ausgaben finanziert werden (Erspartes, Kredite, Einnahmen). Je realistischer ein Finanzplan erstellt wird,
desto geringer ist das Risiko, in einen finanziellen Engpass zu kommen.
Ein Finanzplan ist auch notwendig, wenn man – wie Thomas Kandl im Praxisfall – bei seiner Bank einen Kredit (Überziehungsrahmen am Konto) bekommen möchte.
In der Gründungsphase sollte man die Kosten etwas höher kalkulieren und eine Reserve von ca. 10 % ein­
planen. Wenn man zu knapp kalkuliert, kann es sehr rasch zu einem finanziellen Engpass kommen.
ERMITTLUNG DES KAPITALBEDARFS
21
aktuelle
Woher kommt das Geld?
■ Welche Voraussetzungen braucht es
■ Wie viel Erspartes (= Eigenkapital) gibt es?
Um einen Kredit bei einer Bank zu bekommen, ist es
mögensstand, z. B. Sparguthaben, Wertpapiere, zu
legen. Eine gute Geschäftsidee und eine möglichst
Es ist notwendig, eine Aufstellung über den Vermachen und zu überlegen, welche Sicherheiten für
etwaige Kredite vorhanden sind, z. B. Lebensversicherungen, Bausparverträge, Grundstücke.
Der Unternehmer Thomas Kandl hat z. B. Wertpapiere
in Höhe von 25.000 Euro, um damit seine Anfangsinvestitionen zu finanzieren und verfügt auch über
eine Lebensversicherung.
Viele Banken verlangen – abhängig von der Höhe der
Finanzierung und der Branche – üblicherweise einen
Eigenkapitalanteil von 20 bis 30 %.
■ Soll mit Partnern eine Gesellschaft
gegründet werden?
Die Unternehmer Susanne und Manfred gründen für
den Betrieb des Nachhilfeinstituts eine Personenge-
sellschaft, die Singer OG. Es ist einfacher Eigenkapital
aufzubringen, wenn ein Unternehmen aus mehreren
Partnern besteht.
■ Gibt es Förderungen?
Es gibt zahlreiche Förderungen für Unternehmens-
gründer. Einen Überblick bietet die Förderdatenbank
der Wirtschaftskammern: www.wko.at
Um Förderungen muss man ansuchen, bevor eine Anschaffung gemacht wird. Danach ist es kaum mehr
für einen Bankkredit?
meist nötig, einen ausführlichen Businessplan vorzugenaue Vorstellung über die Höhe des benötigten
Kredits sind notwendig.
Es gibt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten,
die auch unterschiedlich teuer sind. Mögliche Finanzierungen:
- Investitionskredit z. B. zum Finanzieren von Maschinen; Laufzeit zwischen vier und 20 Jahren
- Kontokorrentkredit für den laufenden Zahlungsverkehr; bis zur vereinbarten Höhe kann man frei über
den Kredit verfügen (Kontoüberziehung), dient
kurzfristigen Finanzierungen
- Leasing z. B. KFZ-Leasing; Es wird gegen Entgelt ein
Gegenstand/Gebäude etc. zur Nutzung überlas-
sen. Man ist aber nicht Eigentümer des geleasten
Gegenstandes, trägt aber trotzdem alle Risiken z. B. Reparaturen beim KFZ.
- Lieferantenkredit: Ein Kunde kauft z. B. Waren und bezahlt nicht bei Erhalt, sondern der Lieferant
räumt ihm ein Zahlungsziel z. B. 30 Tage ein.
- Kundenanzahlungen: Kunde bezahlt einen Teil der
Rechnung im Voraus. Davon können z. B. Wareneinkäufe für den Auftrag bezahlt werden.
Es ist wichtig, sich von mehreren Banken und Kredit-
instituten Vorschläge machen zu lassen und die Angebote zu vergleichen.
möglich, Förderungen zu erhalten.
Ob ein Kredit gut ist, hängt ab von
Welche Förderungen gibt es?
- der Laufzeit,
- Zuschüsse z. B. für Investitionen, Beihilfen
- Günstige Kredite
- Übernahme von Bürgschaften und Garantien
- Geförderte Beratung z. B. kostenlose Rechtsberatung
- Befreiung von bestimmten Gebühren und Abgaben
z. B. Neugründungsförderung
22
Baustein 2: Ich packe es an
U N TE R L AG E
- den Zinsen,
- der Höhe der Raten,
- den zusätzlich anfallenden Kosten.
Um die verschiedenen Kreditangebote vergleichen zu
können, muss man den Effektivzinssatz kennen. Der
Effektivzinssatz berücksichtigt alle einmaligen Gebüh-
ren und laufende Spesen, Entgelte und Gebühren.
Baustein 2: Ich packe es an
73 | Dez. | 2012
2.3 Was ist ein Finanzplan?
Die Gegenüberstellung der Zahlungseingänge und der Zahlungsausgänge erfolgt im Finanzplan.
23
aktuelle
Baustein 2: Ich packe es an
U N TE R L AG E
2.4 Welche Voraussetzungen muss ein geeigneter Standort erfüllen?
Die Wahl des passenden Standorts ist neben der Finanzierung und der Wahl der Unternehmensform eine der
wichtigsten Entscheidungen bei der Unternehmensgründung.
Folgende Faktoren sollten bei der Standortwahl beachtet werden:
Faktoren bei der Standortwahl
Kosten
Verkehrslage
Infrastruktur
Verfügbarkeit von
Arbeitskräften
Wettbewerbslage
Rechtliche Vorschriften
und Auflagen
Bevölkerungsdichte und
Kaufkraft der Kunden
Staatliche Förderungen
Entfernung zu Lieferanten
Betriebserweiterungsmöglichkeiten
Erreichbarkeit für Kunden
2.5 Was ist ein Business Plan?
Ein Businessplan ist ein schriftliches Unternehmenskonzept. Es enthält die Gesamtstrategie des Unternehmens, die geplanten Schritte zur Realisierung und eine Aufstellung über die notwendigen finanziellen und
personellen Ressourcen. Man präsentiert ein Gesamtkonzept für die Unternehmensgründung und analysiert
die Erfolgsbedingungen des Umfeldes des Unternehmens. Der Businessplan dient auch zur Kontrolle, ob die
Ziele letztendlich erreicht wurden.
Für wen wird ein Businessplan überhaupt erstellt?
■ für den/die Unternehmer/in selbst (er/sie denkt und plant)
■ für die Gesellschafter eines Unternehmens z. B. die Mitunternehmer der Singer OG
■ für die Kreditgeber z. B. Kreditinstitut und andere Kapitalgeber
■ für öffentliche Stellen z. B. wenn man um Förderungen ansuchen möchte
Welche Fragen soll der Businessplan beantworten?
■ Welchen Nutzen bietet das Unternehmen seinen Kunden?
■ Gibt es einen Markt? Gibt es ausreichend Kunden für das Unternehmen?
■ Wodurch hebt sich das Produkt oder die Dienstleistung von der Konkurrenz ab?
■ Ist das Geschäftskonzept in sich schlüssig?
■ Überzeugt das Management? usw.
24
Baustein 2: Ich packe es an
Welche Inhalte finden sich
notwendigerweise in einem Businessplan?
1. Executive Summary (Zusammenfassung)
Es soll kurz und bündig das Wesentliche des Unterneh-
mens (Geschäftsidee, Leistungsangebot, Gründung
des Unternehmens etc.) dargestellt werden.
2. Unternehmensprofil
■ Eckdaten des Unternehmens: Firmenwortlaut, Sitz des Unternehmens etc.
■ Geschäftsidee darstellen: In welchem Bereich ist das Unternehmen tätig?
73 | Dez. | 2012
6. Finanzierung
■ Welchen Umsatz erwartet man im ersten Jahr? In den nächsten fünf Jahren?
■ Bei welchem Umsatz liegt der Break-Even-Point?
■ Welche Kosten werden erwartet?
■ Wie hoch ist der Kapitalbedarf in der Gründungsphase?
■ Muss man einen Kredit aufnehmen?
…
7. Ausblick
Wie könnte die Zukunft aussehen?
■ Fachliche/kaufmännische Qualifikationen darstellen
■ Motivation zur Selbstständigkeit darlegen
■ Standortwahl begründen
…
3. Leistungsangebot
■ Welche Leistungen werden angeboten?
■ Wie unterscheidet sich der/die Gründer/in von
der Konkurrenz?
■ Wer werden die Kunden sein? Wie können sie …
gewonnen und gehalten werden?
4. Branche, Markt und Wettbewerb
■ In welcher Branche ist das Unternehmen tätig?
Welche Merkmale sind charakteristisch für diese
Branche?
■ In welcher Region wird das Unternehmen tätig?
■ Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?
■ Beschreibung der Stärken und Schwächen der
Konkurrenten im Vergleich zu den eigenen …
Stärken und Schwächen.
5. Marketing & Public Relation
■ Wie werden die Preise gestaltet?
■ Wie sollen die Produkte/Leistungen vertrieben
werden?
■ Welche Werbemaßnahmen/Aktionen sind geplant?
25
aktuelle
Baustein 2: Ich packe es an
U N TE R L AG E
2.6 Was ist Marketing?
Das Marketing
Grundlage des langfristigen Unternehmenserfolges ist ein funktionierendes Marketing. Wie lange würde wohl
ein Unternehmen am Markt existieren, wenn es zwar produziert, aber sich nicht darum kümmert, ob seine
Produkte/Dienstleistungen überhaupt nachgefragt werden und dass die Kunden von den Produkten/Dienstleistungen Bescheid wissen.
Unter Marketing versteht man ein ganzes Bündel an Aktivitäten, die hier in einem kurzen Überblick dargestellt
werden sollen.
marketing
Marktforschung und
Marktbeobachtung
Marketing-Mix
Produkt- und
Sortimentspolitik
Preispolitik
Basis für das Marketing ist die Marktbeobachtung
und die Marktforschung. Aufgabe dieser beiden Be-
reiche ist es, die Wünsche und Bedürfnisse der potenziellen Kunden zu erheben.
Kommunikationspolitik
Die Marktforschung lässt sich in die primäre und in
die sekundäre Marktforschung einteilen.
Die primäre Marktforschung gewinnt ihre Informati-
onen aus einer Untersuchung mit Marktteilnehmern.
Bei der Marktbeobachtung und Marktforschung gilt
Methoden, um zu den Informationen zu gelangen,
wortung von Marketingfragen zu beschaffen. Die-
gen und Workshops.
es daher, systematisch Informationen zur Beantser Prozess basiert meistens auf wissenschaftlichen
sind Interviews, Gruppendiskussionen, Beobachtun-
Methoden, die das Marktgeschehen und das Unter-
Die sekundäre Marktforschung bedient sich aus be-
gewinnen und zu analysieren.
tiken, Reklamationen, Lagerbestandsmeldungen, Ka-
nehmensumfeld beobachten, um Informationen zu
Folgende Phasen sind bei der Marktbeobachtung und
Marktforschung relevant:
reits erhobenen Daten. Quellen dafür können Statistaloge von Mitbewerbern und vieles mehr sein.
■ Formulierung des Zweckes der Untersuchung
Aufgrund der Ergebnisse der Marktforschung kommt
■ Festlegung der Informationsquellen
im Marketing. Das bedeutet, dass Fragen wie „Wie
■ Erstellung eines Untersuchungsdesigns
■ Beschaffung der Informationen
■ Analyse und Interpretation der Daten
■ Präsentation der Forschungsergebnisse
26
Distributionspolitik
es mittels des Marketing-Mix zu konkreten Aktionen
und wo machen wir Werbung?“ oder „Wie und wo
vertreiben wir unsere Produkte?“ und viele mehr mit-
tels Marketing-Mix abgestimmt werden.
Baustein 2: Ich packe es an
Der Marketing-Mix unterscheidet vier zentrale Berei-
che, die 4 P’s des Marketings:
■ product (Produkt- und Sortimentspolitik)
73 | Dez. | 2012
Mitbewerber) beeinflusst und in Einzelfällen durch
staatliche Preisregulierung gebunden.
Der Preis soll einerseits die Kosten decken und einen
■ price (Preispolitik)
Gewinn ermöglichen. Er soll andererseits für die Ziel-
■ promotion (Kommunikationspolitik)
prinzipiell interessant sein könnte und die es nachfra-
■ place (Distributionspolitik)
Produkt- und Sortimentspolitik
gruppe (das sind jene Personen, für die das Produkt
gen könnten) akzeptabel sein. Da gibt es natürlich oft
große Spielräume. Während der Preis für einen Wecken Brot sich nur in einem engen Rahmen bewegen
Auf Basis dieser Daten kann dann das Sortiment
kann, können sich die Preise für Parfums, Mode, Rei-
nehmens) zusammengestellt werden. Die Abstim-
sionen bewegen.
Produkte und die Umgestaltung der Produkte sind
Distributionspolitik
politik. Unter einem Produkt wird alles verstanden,
(= Verteilung). Ein Produkt kann entweder direkt an
(= gesamte Produkt-/Leistungspalette eines Unter-
mung des Sortiments sowie die Einführung neuer
die Aufgabenbereiche der Produkt- und Sortiments-
was einer Person, einem Unternehmen oder einer
Organisation angeboten werden kann, um ein Bedürfnis oder einen Wunsch zu befriedigen.
Viele Produkte müssen immer wieder weiter entwi-
ckelt werden, um konkurrenzfähig zu bleiben. Waschmittel bekommen neue Zusätze, einen anderen
Duft etc. Für ein Unternehmen ist es wichtig, seinen
Marktanteil zu halten oder sogar auszubauen, indem
es durch die ständige Weiterentwicklung des Pro-
duktes einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hat.
Es gibt jedoch auch Produkte, die seit langem unver-
ändert sind und das für Marketingzwecke besonders
betonen: „Originalrezept seit über 100 Jahren“.
Preispolitik
Ein hoher Stellenwert im Marketing-Mix fällt der Preis-
politik zu, da über den Preis sehr häufig die Entschei-
dung des Kunden über Kauf oder Nicht-Kauf eines Produktes bzw. einer Dienstleistung getroffen wird.
Im Rahmen der Preispolitik wird nicht nur der Preis
der Waren und Dienstleistung festgelegt, sondern
auch die weiteren Preiskonditionen, wie Rabatte und
Skonti, sowie Zahlungsziele, die den Kunden gewährt
sen, Spielzeug etc. in ganz unterschiedlichen Dimen-
Ebenso von Bedeutung ist die Distributionspolitik
den Kunden verkauft werden oder über selbstständi-
ge Zwischenhändler (Groß- und Einzelhandelsunternehmen), angestellte Außendienstmitarbeiter, eigene
Filialen, mit Hilfe von Katalogen, über das Internet etc.
Aufgabe der Distribution ist daher die Organisation
der Absatzwege und die Wahl des Betriebsstandortes.
Wichtig ist, dass die Waren und Dienstleistungen den
Kunden dort angeboten werden, wo sie sie nachfragen. Für den Produzenten eines Waschmittels ist es da-
her wichtig, dass sein Produkt von allen großen Supermarktketten und Drogeriemärkten angeboten wird.
Kommunikationspolitik
Die Kommunikationspolitik ist jener Bereich, der im
allgemeinen Sprachgebrauch immer als erstes mit
Marketing in Verbindung gebracht wird. Darunter
versteht man abgesehen von der klassischen Medi-
enwerbung (Schaltung von Inseraten im Fernsehen,
im Rundfunk, in Zeitungen und Zeitschriften, Plakate
etc.) auch den persönlichen Verkauf und die Öffent-
lichkeitsarbeit (Sponsoring von diversen Veranstal-
tungen, Homepage des Unternehmens, Berichterstattung in Medien etc.). Wichtig ist, die Zielgruppe
werden. Die Preisgestaltung des Unternehmens kann
über das Produkt und seine Vorzüge gegenüber
on orientieren, sondern wird je nach Marktmacht
Produkt kennen und in der Lage sein, es von anderen,
sich dabei nicht nur an der eigenen Kostensituati-
durch die Preisgestaltung anderer Unternehmen (der
Konkurrenzprodukten zu informieren. Sie sollen das
ähnlichen Produkten zu unterscheiden.
27
aktuelle
Baustein 2: Ich packe es an
U N TE R L AG E
Was ist ein Marketingplan?
Der Marketingplan dient dazu, alle Überlegungen zum Thema Marketing auf Papier zu bringen und bietet die
Möglichkeit, das Konzept nochmals zu überdenken und eventuell zu verbessern.
Ein Marketingplan sollte im Optimalfall folgenden Aufbau haben:
Marketingplan
Situation analysieren
mit Hilfe der Marktforschung
Markt:
– Kunden
– Konkurrenz
– Absatz
– Umfeld
Unternehmen:
– Stärken
– Schwächen
– Unternehmensphilosophie
Ziele und Strategien
festlegen
Maßnahmen planen und
durchführen mit Hilfe des
Marketing-Mix
Kontrolle (Soll-Ist-Vergleich)
Ein Marketingplan sollte auf alle Fälle auch mit der Unternehmensidentität abgestimmt werden.
2.7 Was ist Corporate Identity?
Corporate Identity (CI) bedeutet Unternehmensidentität. Sie bildet den Charakter eines Unternehmens ab.
Denn ähnlich wie bei einer realen Person, besitzt auch jedes Unternehmen eine eigene Persönlichkeit, die sich
durch gewisse Handlungen und Werte nach außen präsentiert.
Die Unternehmensidentität lässt sich unter anderem weiter untergliedern in:
■ Unternehmensdesign (Corporate Design): Gestaltung des Unternehmenslogos, des Briefpapiers, der Visitenkarten, der Website, der Arbeitskleidung, der Arbeitsräumlichkeiten usw.
■ Unternehmenskommunikation (Corporate Communication):
Gestaltung von Werbemaßnahmen und der Öffentlichkeitsarbeit
■ Unternehmensverhalten (Corporate Behaviour): Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit, den Kunden, den Mitarbeitern, den Lieferanten und anderen Partnern
28
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
73 | Dez. | 2012
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
In diesem Baustein erfahren Sie,
■ welche Behördenwege bei der Gründung zu
erledigen sind,
Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl
übernimmt einen Spenglereibetrieb
Einige Kunden haben bereits von der Unternehmens-
■ welche gewerberechtlichen Voraussetzungen
übergabe gehört und Thomas hat schon einige Auf-
■ wer ihn/sie dabei unterstützt.
ne durchführen und im Mai einen Spengler anstellen.
ein/e Gründer/in zu erfüllen hat,
träge in Aussicht. Er möchte die ersten Aufträge allei-
Davor hat er noch einige Behördenwege zu erledigen.
Er hat sich gut informiert und außerdem noch Un-
terstützung vom steuerlichen Vertreter seines Vaters
Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers
gründen ein Nachhilfeinstitut
geholt.
Endlich wurde das Nachhilfeinstitut Singer eröffnet.
Wirtschaftskammer. Um sich Wege zu ersparen, ver-
Das Interesse beim Eröffnungsfest war groß. Bereits
an diesem Tag gab es acht Anmeldungen und die
Tage darauf folgten weitere 13.
Susanne und Manfred möchten Studenten als Nach-
Thomas besucht die Neugründungsberatung bei der
sucht er so viel wie möglich online zu erledigen. Er
meldet sein Gewerbe an, beantragt beim Finanzamt
eine Steuernummer und meldet sich bei der Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft.
hilfelehrer gewinnen. Von anderen Franchiseneh-
Um Mitarbeiter anmelden zu können, muss bei der
gute Erfahrungen gemacht wurden. Auch Hinweise
mer angefordert werden. Außerdem muss er sich
mern haben die beiden erfahren, dass mit Studenten
haben sie bekommen, wo man am besten nach ge-
Gebietskrankenkasse noch eine Beitragskontonum-
noch bei der Gemeinde melden, da er für seinen Mit-
eigneten Studenten suchen sollte. Manfred formu-
arbeiter Kommunalsteuer abzuführen hat.
dieses im Internet und in verschiedenen Zeitungen.
Zumindest braucht er keine neue Benützungsbewil-
lierte daher gleich ein Stelleninserat und publizierte
Relativ schnell konnte ein kleines Lehrerteam aus
gut qualifizierten Studenten für unterschiedlichste
Unterrichtsfächer zusammengestellt werden. Sobald
ligung für die Werkstatt, da er das Unternehmen sei-
nes Vaters fortführt.
die Lehrer zu unterrichten begannen, wurden sie als
freie Dienstnehmer angestellt und mussten daher
auch bei der Gebietskrankenkasse gemeldet werden.
Die Informationen zur Anmeldung der Lehrkräfte
mussten sich Susanne und Manfred selbstständig
einholen.
Ende Februar konnten schon die ersten Nachhilfe-
stunden beginnen. Für die Preiskalkulation bekamen
die Singers einen Richtwert vom Franchisegeber. So-
mit konnten sie sich eine aufwändige Preisberech-
nung ersparen. Der Franchisegeber gab den Preis
nicht vor, er verlangte jedoch einen bestimmten Mindest- bzw. Höchstpreis.
3.1 Angebote der Wirtschaftskammern
für Gründer
Für Jungunternehmer bietet das Gründerservice der
Wirtschaftskammern umfangreiche Beratung an. Im
Zusammenhang mit einer Neugründung werden ei-
nige Abgaben, Beiträge und Gebühren, die bei einer
Unternehmensgründung anfallen, nicht eingehoben,
wenn man sich von der Wirtschaftskammer beraten
lässt und das Formular für Neugründungsförderung
(NEUFÖG) beantragt.
29
aktuelle
U N TE R L AG E
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
Erklärung der Neugründung (Thomas Kandl), Formular Download: www.bmf.gv.at
WISSEN
3
30
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
73 | Dez. | 2012
3.2 Rechtsanwalt oder Notar
3.4 Gewerbebehörde
Die Singer OG wird durch Abschluss eines Gesell-
Bei der Gewerbebehörde (Magistrat oder Bezirks-
schaftsvertrages errichtet. Er regelt die Rechte und
hauptmannschaft) muss sich Thomas Kandl den Ge-
Pflichten – z. B. Haftung oder Gewinnverteilung – der
werbeschein ausstellen lassen. Die Anmeldung kann
sowohl schriftlich als auch mündlich geschlossen
dung (siehe unten).
ist aber empfehlenswert.
Die Gewerbeordnung unterscheidet folgende Arten
3.3 Firmenbuch
■ Freie Gewerbe: es ist kein Befähigungsnachweis
Gesellschafter (mindestens zwei Personen) und kann
werden. Die Mitwirkung eines Anwalts oder Notars
Die Singer OG entsteht erst mit Eintragung in das
Firmenbuch. Die Gesellschafter (Susanne und Man-
fred Singer) können selbst den Antrag auf Eintragung
verfassen. Die Unterschriften sind jedoch von einem
Notar oder vom Gericht zu beglaubigen.
Das Firmenbuch ist ein öffentliches Verzeichnis, das
von den Landesgerichten und in Wien vom Handels-
gericht geführt wird. Dort werden Tatsachen wie z. B.
persönlich erfolgen oder über eine Online-Anmel-
von Gewerben:
vorgeschrieben; z. B. Werbeagentur, Handelsgewerbe, Grafiker
■ Reglementierte Gewerbe: für diese Gewerbe ist
ein Befähigungsnachweis (z. B. Meisterprüfung,
Befähigungsprüfung) notwendig; z. B. Tischler,
Gärtner, Spengler
■ Teilgewerbe: die Befähigung kann auf vereinfachte Art nachgewiesen werden (Lehrabschlussprüfung, Praxiszeiten); z. B. Friedhofsgärtnerei
Name/Gesellschafter/Geschäftsführer und auch Ur-
Welche Unterlagen braucht man
eines Unternehmens offengelegt.
■ Gültiger Reisepass oder Geburtsurkunde
kunden wie der Gesellschaftsvertrag oder die Bilanz
In das Firmenbuch sind unter anderem folgende Unternehmen einzutragen:
■ Einzelunternehmen, wenn sie einen Jahresum-
satz von 700.000 Euro (= Grenze der Rechnungslegungspflicht) erreichen oder wenn sie sich frei-
willig eintragen lassen. Wenn sie im Firmenbuch
eingetragen sind, dann müssen sie zum Firmennamen den Zusatz „eingetragener Unternehmer“
(e.U.) führen.
zur Gewerbeanmeldung?
■ Staatsbürgerschaftsnachweis oder Aufenthaltstitel bei Nicht-EU-Bürger
■ Heiratsurkunde, wenn der aktuelle Name vom
Geburtsnamen abweicht
■ Nachweis der Befähigung (wenn notwendig)
■ Meldebestätigung, wenn kein Wohnsitz im Inland
vorliegt
■ Auszug aus dem Strafregister (wer nicht oder
weniger als fünf Jahre in Österreich wohnhaft ist)
■ Personengesellschaften (OG, KG)
■ Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
■ Aktiengesellschaften (AG)
Jedem Unternehmen wird eine Nummer, die Firmenbuchnummer, zugewiesen.
31
aktuelle
U N TE R L AG E
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
Auszug aus der Gewerbeanmeldung von Thomas Kandl, Download Formular:
Beim jeweiligen Bundesland, z. B. www.noel.gv.at
32
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
73 | Dez. | 2012
5. Finanzamt
Innerhalb eines Monats ist dem Wohnsitzfinanzamt
bekannt zu geben, dass eine gewerbliche Tätigkeit
Thomas Kandl hat den Fragebogen gemeinsam mit
seinem Steuerberater ausgefüllt. Er rechnet im ersten
begonnen wurde. Es genügt ein formloses Schreiben
Jahr mit einem Umsatz von ca. 80.000 Euro. Trotzdem
bogen zugesandt, der ausgefüllt retourniert werden
da er doch einige Investitionen tätigen muss.
an das Finanzamt. Man bekommt dann einen Frage-
muss.
Folgende Punkte sollte man sich schon überlegt haben:
■ Mit welchem Umsatz rechnet der/die Unter­
nehmer/in im ersten Jahr/im folgenden Jahr?
■ Wie hoch wird der Gewinn (Einnahmen wird sich im ersten Jahr kaum ein Gewinn ergeben,
Da seine Umsätze mehr als 30.000 Euro ausmachen
werden, ist er kein Kleinunternehmer und muss Um-
satzsteuer in Rechnung stellen. Außerdem hat er vor
einen Mitarbeiter einzustellen. Danach erhält er vom
Finanzamt die Steuernummer zugewiesen.
abzüglich Ausgaben) voraussichtlich sein?
■ Werden Mitarbeiter eingestellt?
■ Muss Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden
oder gilt die Kleinunternehmerregelung, da der
Umsatz weniger als 30.000 Euro ausmacht?
33
aktuelle
U N TE R L AG E
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
Finanzamts-Fragebogen (Thomas Kandl), Download Formular: www.bmf.gv.at
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Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
73 | Dez. | 2012
Sozialversicherung
Gebietskrankenkasse
Besitzt man einen Gewerbeschein, ist man in der
Bevor Thomas Kandl und die Singer OG Mitarbeiter
Regel bei der Sozialversicherung der gewerblichen
Wirtschaft (GSVG) versichert. Innerhalb von 14 Tagen
nach Aufnahme der Tätigkeit ist eine Meldung erforderlich.
Die Beiträge werden von der Sozialversicherung vierteljährlich vorgeschrieben und sind vom steuerpflichtigen Gewinn abhängig.
Als Neugründer eines Unternehmens wird man in den
ersten drei Jahren auf eine niedrigere Beitragsgrund-
anmelden können, müssen sie eine Beitragskonto-
nummer bei der zuständigen Gebietskrankenkasse
beantragen. Über diese Beitragskontonummer werden dann die Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn ange-
meldet.
Alle Meldungen an die Krankenkassen – z. B. An- oder
Abmeldungen der Mitarbeiter – erfolgen über elektronische Datenfernübertragung (ELDA).
lage eingestuft. Die Kosten für die Sozialversicherung
Gemeinde/Stadt
ons- und Unfallversicherung.
Für Tätigkeiten, die üblicherweise nicht in Wohnun-
Beitragssätze 2012:
Handel, braucht man für den ausgewählten Betriebs-
betragen ca. 145 Euro/Monat für die Kranken-, Pensi-
gen/Wohnhäusern ausgeübt werden, z. B. Handwerk,
Pensionsversicherung (PV) Unfallversicherung (UV) EUR 8,25/Monat
Krankenversicherung (KV) Betriebliche Vorsorgekasse 17,50 %
standort eventuell eine Widmung und eine Benüt-
7,65 %
zungsbewilligung.
1,53 %
Beschäftigt man Dienstnehmer, muss man ebenfalls
Hinweis: Nachdem der Steuerbescheid eines Jahres vor-
liegt, werden die vorläufigen Sozialversicherungsbei-
eine Meldung an die Gemeinde bzw. Stadt machen,
da Kommunalsteuer abzuführen ist.
träge aufgrund des steuerlichen Gewinns nachbemessen und es kommt oft zu höheren Nachzahlungen.
Gewerbetreibende können eine Ausnahme von
dieser Pflichtversicherung beantragen, wenn
■ der erwartete Gewinn unter der sogenannten
Geringfügigkeitsgrenze (derzeit 2012 376,26 Euro/
Monat bzw. 5.515,12 Euro/Jahr) liegt
■ der Umsatz nicht höher als 30.000 Euro ist
■ man innerhalb der letzten 60 Kalendermonate
nicht mehr als zwölf Monate in der GSVG versichert war
35
aktuelle
U N TE R L AG E
Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
Gebietskrankenkasse: Anforderung einer Betragskontonummer durch Thomas Kandl
Formular Download: www.sozialversicherung.at
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Baustein 3: Meine ersten Schritte als Unternehmer/in
73 | Dez. | 2012
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aktuelle
U N TE R L AG E
Baustein 4: Mein erstes Jahr
Baustein 4: Mein erstes Jahr
In diesem Baustein erfahren Sie,
■ was bei der Beschäftigung von Mitarbeitern
zu beachten ist,
Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl
übernimmt einen Spenglereibetrieb
Thomas Kandl hat schon einige Auftragseingänge.
■ welche Kosten für Mitarbeiter entstehen,
Da er die Arbeit nicht mehr alleine bewältigt, hat er
■ wie der Gewinn/Verlust ermittelt wird.
zustellen. Thomas hat sich im Vorfeld schon erkun-
■ wie das System der Umsatzsteuer funktioniert,
sich nun endgültig entschieden, einen Spengler an-
digt und weiß, dass er für seinen neuen Mitarbeiter
zumindest einen Dienstzettel ausstellen und auch
verrechnung beauftragt er einen Bilanzbuchhalter.
Mit den ersten Kunden und Zahlungen wurden auch
Der Bilanzbuchhalter klärt Thomas auch über die Ge-
OG nur einen geringen Umsatz erwirtschaftete, wa-
der Organisation der Buchhaltung. Da seine Umsätze
buchhalterische Aufzeichnungen nötig. Da die Singer
ren Susanne und Manfred berechtigt, lediglich eine
Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu führen. Wie so
eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung funktioniert,
hat Susanne im Rahmen der Einschulungen vor Eröffnung des Instituts gelernt. Als die Schüler und damit
verbunden auch die Einnahmen und Ausgaben mehr
wurden, entschied Susanne jedoch, die Buchhaltung
Abwicklung der Anmeldung und die laufende Lohn-
winnermittlungsvorschriften auf und hilft ihm bei
noch nicht so hoch sind, kann er den Gewinn mittels
Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln.
Thomas Frau Manuela unterstützt ihren Mann. Sie
erstellt die Rechnungen und kümmert sich um den
Zahlungseingang. Die Umsätze der Spenglerei wer-
den voraussichtlich höher als 30.000 Euro sein, daher
an einen Bilanzbuchhalter auszulagern. Susanne
sind die Rechnungen mit Umsatzsteuer auszustel-
Belege sortieren und an den Bilanzbuchhalter schi-
wichtig ist, dass die Rechnungen den gesetzlichen
musste daher von nun an nur noch jeden Monat alle
cken. In den ersten Monaten mussten generell viele
len. Der Bilanzbuchhalter erklärt Manuela, dass es
Merkmalen entsprechen, da sie sonst keine Vorsteuer
Telefonate mit dem Franchisegeber geführt werden,
abziehen kann. Er erläutert beiden, was Betriebsaus-
mit der korrekten Vorgehensweise gab.
sollen und welche Fristen beachtet werden müssen.
weil es auch bei einigen Geschäftsfällen Unsicherheit
Rund acht Monate nach der Eröffnung konnten die
laufenden Kosten durch die laufenden Einnahmen
gedeckt werden. Im Juni, am Ende des Semesters,
nahmen bereits 47 Schüler die Nachhilfe des Instituts
in Anspruch. Insgesamt gab es dafür 19 Lehrkräfte.
Zu diesem Zeitpunkt war das Institut bereits jeden
Tag von Montag bis Freitag von 14:00 bis 17:00 Uhr
geöffnet. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit teilten sich
Susanne und Manfred die Anwesenheit im Nachhil-
feinstitut auf. Dies hatte den großen Vorteil, dass keine Kosten für Büroangestellte entstanden.
38
laufend Arbeitsaufzeichnungen führen muss. Für die
Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers
gründen ein Nachhilfeinstitut
gaben sind, wie die Unterlagen aufbereitet werden
Thomas ist froh, dass er für seine wirtschaftlichen An-
gelegenheiten einen Bilanzbuchhalter hat. So kann er
sich ganz auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren.
Baustein 4: Mein erstes Jahr
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4.1 Mitarbeiter/innen
Die Singer OG hat aufgrund von Inseraten Studenten gefunden, die als freie Dienstnehmer angemeldet wor-
WISSEN
4
den sind. Thomas Kandl hat einen Mitarbeiter fix angestellt. Die folgende Abbildung zeigt die Unterschiede
zwischen diesen Dienstnehmern.
Unterschiede zwischen dienstnehmern
„echte“ Dienstnehmer
„freie“ Dienstnehmer
■ „echter“ Dienstvertrag regelt z. B.
– Beginn und Dauer
– Probezeit/Kündigungsfristen
– Arbeitszeit
– Einstufung Kollektivvertrag
– Sonderzahlungen
– Urlaub (fünf bis sechs Wochen)
– Entgeltfortzahlung bei Krankheit
■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension)
■ Betriebliche Vorsorgekasse
■ Anspruch auf Kranken- und Arbeitslosengeld
■ Mutterschutzgesetz (MSchG): Schutz in Schwangerschaft; Anspruch auf Karenz
■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt)
■ Ohne entsprechende Vereinbarung
kein Anspruch z. B. auf
– fixen Arbeitszeiten
– Kollektivvertragslohn
– Sonderzahlungen
– Urlaub (fünf bis sechs Wochen)
■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension)
■ Betriebliche Vorsorgekasse
■ Anspruch auf Krankengeld (wird von Krankenkasse bezahlt) und Arbeits­
losengeld
■ Kein Mutterschutzgesetz (MSchG): d. h. kein Kündigungsschutz, kein Anspruch auf Karenz, Elternteilzeit
■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt)
auch möglich als
Geringfügig Beschäftigte
■ Einkommen ≤ EUR 376,26 pro Monat (Wert 2012)
■ Mitarbeiter sind nur Unfall versichert
■ Freiwillige Versicherung (Krankenversicherung,
Pensionsversicherung) durch Mitarbeiter selbst
möglich
Die Singer OG hat von der Gebietskrankenkasse bereits eine Beitragskontonummer erhalten, damit sie ihre
Mitarbeiter anmelden kann.
Die Anmeldungen und auch sämtliche Meldungen (Abmeldung, Änderung der Stundenanzahl etc.) an die
Krankenkassen erfolgen normalerweise nicht mehr in Papierform, sondern über das Programm ELDA (Elektro-
nische Datenerfassung). Alle Dienstnehmer sind vor Arbeitsantritt anzumelden.
39
aktuelle
Dienstzettel
Mit dem Arbeitsantritt muss dem Dienstnehmer
vom Arbeitgeber ein Dienstzettel ausgestellt wer-
Die Angaben
■ Dauer der Kündigungsfrist und Kündigungstermin,
den (nicht notwendig, wenn es einen detaillierten
■ Gewöhnlicher (oder wechselnder) Arbeitsort,
Angaben enthalten (Quelle: Wirtschaftskammer Ös-
■ Urlaubsausmaß und
Dienstvertrag gibt). Der Dienstzettel muss folgende
terreich, http:// portal.wko.at):
■ Name und Anschrift des Arbeitgebers und Arbeitnehmers,
■ Beginn des Arbeitsverhältnisses,
■ Ende des Arbeitsverhältnisses (bei Befristungen),
■ Dauer der Kündigungsfrist und Kündigungstermin,
■ Gewöhnlicher (oder wechselnder) Arbeitsort,
■ Einstufung in ein generelles Schema,
■ Anfangsbezug, Fälligkeit des Entgelts,
■ Vereinbarte tägliche oder wöchentliche Normalarbeitszeit
können auch durch Verweis auf Gesetze, Kollektivver-
träge, Betriebsvereinbarungen oder betriebsübliche
Reiserichtlinien erfolgen.
Arbeitsaufzeichnungen
Es ist verpflichtend, für alle Mitarbeiter Arbeitsauf-
zeichnungen zu führen. Fehlen diese Aufzeichnun-
■ Verwendung,
gen, kann es zu empfindlichen Strafen bei Prüfungen
■ Urlaubsausmaß,
zeichnungen sind u. a. auch wichtig für den Nachweis
■ Anfangsbezug, Fälligkeit des Entgelts,
■ Vereinbarte tägliche oder wöchentliche Normalarbeitszeit,
■ Kollektivvertrag, Satzung, Mindestlohntarif, Betriebsvereinbarungen u. dgl.,
■ Name und Anschrift der Mitarbeitervorsorgekasse.
Formular zur Arbeitszeitaufzeichnung
Formular Download: www.arbeitsinspektion.gv.at
40
Baustein 4: Mein erstes Jahr
U N TE R L AG E
durch das Arbeitsinspektorat kommen. Diese Aufvon geleisteten Überstunden.
Baustein 4: Mein erstes Jahr
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Lohnnebenkosten
Thomas Kandl und die Singer OG müssen für ihre Dienstnehmer folgende Abgaben abführen:
■ Sozialversicherungsbeiträge (an die Krankenkasse)
■ Lohnsteuer (an das Finanzamt)
■ Lohnabgaben (= Lohnnebenkosten):
– Kommunalsteuer (an die Gemeinde)
– Dienstgeberabgabe „U-Bahnsteuer“ – nur in Wien (an die Gemeinde)
– Dienstgeberbeitrag (an das Finanzamt)
– Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (an das Finanzamt)
– Mitarbeitervorsorgekasse (wird von der Krankenkasse eingehoben)
Die Lohnsteuer und der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherung werden vom Bruttogehalt abgezogen. Der
Dienstnehmer bekommt nur das verbleibende Nettogehalt ausbezahlt und muss sich um nichts mehr küm-
mern.
Der Mitarbeiter der Firma Kandl, Herr Rosinger, bekommt im Mai einen Bruttolohn (inkl. Zulagen z. B. für Montage) von 2.099,68 Euro. Nach Abzug der Sozialversicherung und der Lohnsteuer verbleibt ein Nettogehalt von
1.512,41 Euro.
Lohnabrechnung für Erwin Rosinger (Mitarbeiter von Thomas Kandl)
41
aktuelle
Baustein 4: Mein erstes Jahr
U N TE R L AG E
Die Beiträge sind dann am 15. des Folgemonats an die entsprechenden Einrichtungen zu entrichten.
Auszahlungsjournal
4.2 Gewinnermittlung
Sind die Umsätze (= verkaufte Waren/Dienstleistun-
Bevor Thomas Kandl und die Singer OG mit der lau-
Jahr, dann unterliegen Einzelunternehmen und Perso-
fenden Erfassung ihrer Unterlagen beginnen, müs-
sen sie prüfen, welche Vorschriften der Gewinnermittlung anzuwenden sind.
Bei neu gegründeten Unternehmen ist die häufigste
Art der Gewinnermittlung die Einnahmen-Ausgaben-
Rechnung.
Dabei werden alle Einnahmen, die in diesem Jahr zuge-
nengesellschaften (z. B. die Singer OG) der Rechnungs-
legungspflicht nach dem Unternehmensgesetzbuch
(UGB). Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) unterliegen
immer der Rechnungslegungspflicht nach dem UGB.
Anstelle der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist
dann ein Jahresabschluss zu erstellen. Der Gewinn
wird dabei in zweifacher Form ermittelt: in der Aufstellung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrech-
flossen sind (z. B. für den Verkauf von Waren) und alle
nung (G. u. V. ).
material), die tatsächlich bezahlt wurden, gegenüber-
In der Bilanz wird das Vermögen (z. B. Gebäude, Fahr-
Ausgaben (z. B. für Einkauf von Material, Miete, Büro-
gestellt. Sind die Einnahmen höher als die Ausgaben,
erzielt man einen Überschuss („Gewinn“).
42
gen) eines Unternehmens höher als 700.000 Euro pro
zeuge, Ware) dem Kapital (Eigen- und Fremdkapital)
gegenübergestellt.
Baustein 4: Mein erstes Jahr
73 | Dez. | 2012
Gliederung einer Bilanz
In der Gewinn- und Verlustrechnung wird festgestellt:
Hat das Unternehmen in einer bestimmten Periode
einen Gewinn oder Verlust erzielt?
Es werden die Aufwendungen mit den Erträgen einer
Wichtige steuerlich absetzbare Betriebsausgaben:
■ Waren, Rohstoffe, Hilfsstoffe: Materialeinkauf,
Fremdleistungen z. B. die Spenglerei Kandl lässt von einer anderen Firma diverse Bleche
zuschneiden.
Periode (eines Jahres) verglichen. Sind die Erträge hö-
■ Personalaufwand: Gehälter, Beiträge an die dungen höher, von einem Verlust.
■ Abschreibungen: Investitionen in Maschinen und
her spricht man von einem Gewinn, sind die Aufwen-
Nicht bei jedem Geldausgang spricht man von einem
Aufwand (d. h., dass man ärmer wird). Wenn ein Un-
ternehmer eine Kreditrate zurück bezahlt, sind nur die
Zinsen ein Aufwand (machen den/die Unternehmer/
Gebietskrankenkasse, Finanzamt etc.
Einrichtungen, die mehr als 400 Euro ausmachen,
können nicht auf einmal als Ausgabe erfasst werden. Sie müssen auf mehrere Jahre verteilt in der
Einnahmen-Ausgaben-Rechnung berücksichtigt
werden.
in ärmer). Die Rückzahlung der Schulden macht den
■ Reise- und Fahrtspesen: Fahrkarten, Flugtickets
von Geld ja auch nicht reicher (nur zahlungsfähig).
■ Kilometergelder: wenn ein Fahrzeug weniger als
Unternehmer nicht ärmer; er wird durch Ausborgen
Wird eine Ware geliefert bzw. eine Leistung erstellt,
so entsteht bereits ein Ertrag, auch wenn die Bezahlung erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt.
4.3 O
rganisation der Buchhaltung
bei einer Einnahmen-AusgabenRechnung
Betriebsausgaben
Diese können mit einem Spesenverteiler (z. B. Excel-
Sheet) oder mit Hilfe eines Buchhaltungsprogrammes erfasst werden.
etc. zu Kunden, Lieferanten.
50 % betrieblich genützt wird, können je betrieblich gefahrenem Kilometer 0,42 Euro angesetzt
werden. Die Führung eines Fahrtenbuchs ist
Voraussetzung.
■ Diäten, Taggelder: für betrieblich veranlasste
Reisen z. B. Kundenbesuch, Seminare können
Diäten geltend gemacht werden. Voraussetzung:
Reise dauert länger als drei Stunden und Ort ist
mindestens 25 km entfernt.
■ Tatsächliche laufende KFZ-Kosten: wird ein Auto
mehr als 50 % für den Betrieb genützt, dann können die tatsächlichen Kosten z. B. Tankrechnung,
Reparatur angesetzt werden. Voraussetzung:
Fahrtenbuch.
43
aktuelle
Baustein 4: Mein erstes Jahr
U N TE R L AG E
■ Werbung: z. B. Inserate, Druck von Flyer oder
Laufende betriebliche Belege
■ Übrige Ausgaben: z. B. Arbeitskleidung (Schutz-
bons) sind zu sammeln und mindestens sieben Jahre
Visitenkarten.
anzüge, Sicherheitsschuhe), Telefon, Internet,
Büromaterial, Fachliteratur, Porto.
Anstelle der tatsächlichen Ausgaben bzw. wenn die
Belege fehlen, können 12 % bzw. 6 % (z. B. bei Schriftsteller, Vortragenden) der Einnahmen als Betriebs-
ausgaben abgesetzt werden (= Betriebsausgaben-
Alle betrieblichen Belege (z. B. Rechnungen, Kassa-
aufzubewahren (Aufbewahrungsfrist). Ohne Beleg
keine Buchung!
■ Bankkonto: es ist sinnvoll für die betrieblichen
Einnahmen und Ausgaben ein eigenes Bankkonto
zu haben. Die Bankauszüge und die dazugehöri-
gen Belege werden zeitlich aufsteigend abgelegt.
pauschale).
■ Kassabuch: Bareinnahmen und Barausgaben sind
Auch Ausgaben, die vor der Betriebseröffnung entste-
■ Wareneingangsbuch: gewerbliche „Einnahmen-
hen, z. B. Geschäftsumbau, Miete für Geschäftslokal
vor Betriebseröffnung, können steuerlich berücksich-
tigt werden, wenn sie eindeutig mit der Einkunfts-
quelle zusammenhängen.
täglich zu erfassen (Grundaufzeichnungen).
Ausgaben-Rechner“ (= Person) sind verpflichtet,
ein Wareneingangsbuch zu führen. Darin sind alle
Waren und Rohstoffe zu erfassen, die der Unternehmer gewerblich weiterverkauft.
Auszug aus dem Wareneingangsbuch von Thomas Kandl
Grundsätzlich sind alle Belege mit einer fortlaufenden Nummer zu versehen und chronologisch abzulegen.
Nach Erfassung der Belege kann man am Monatsende anhand einer Saldenliste (listet alle Konten auf) oder
Erfolgsrechnung (zeigt nur die erfolgswirksamen Konten) sehen, ob man einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet hat.
Die Firma Kandl hatte im Monat Juni Einnahmen von 5.832 Euro und Ausgaben (z. B. Waren, Löhne, Miete, Werbung) von 8.299,86 Euro. Thomas Kandl hat somit im Juni einen Verlust von 2.467,86 Euro erzielt.
44
Baustein 4: Mein erstes Jahr
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Erfolgsrechnung von Thomas Kandl
45
aktuelle
Baustein 4: Mein erstes Jahr
U N TE R L AG E
4.4 Umsatzsteuer (USt)
Kleinunternehmer
Die Singer OG gibt Schülern Nachhilfe und bekommt
Euro netto (d. h. ohne Umsatzsteuer) bleiben, be-
Unternehmer, deren Umsätze jährlich unter 30.000
dafür ein Entgelt (sonstige Leistung). Thomas Kandl
zeichnet man als Kleinunternehmer. Sie müssen kei-
montiert diese (sonstige Leistung). Aus seiner Werk-
aber auch keine Vorsteuer (VSt) abziehen.
liefert einem Kunden Dachrinnen (Lieferung) und
statt nimmt er ein Blech mit nach Hause, das er für
seine Gartenhütte benötigt (Eigenverbrauch).
In allen drei Fällen ist Umsatzsteuer in Rechnung zu
ne Umsatzsteuer in Rechnung stellen, können sich
Wenn ein Kleinunternehmer sehr viel investieren
muss, z. B. Umbau Geschäftslokal, und bei den Rechnungen die Vorsteuer abziehen möchte, kann er auf
stellen. Werden Lieferungen und Leistungen von ei-
die Kleinunternehmerbefreiung verzichten und Re-
gegen Entgelt verkauft, ist Umsatzsteuer zu verrech-
Jahre umsatzsteuerpflichtig.
Schallplattensammlung, fällt keine Umsatzsteuer an.
Exkurs: Innerhalb der Unternehmerkette stellt die
nem Unternehmer im Rahmen seines Unternehmens
nen. Verkauft Thomas Kandl hingegen seine private
gelbesteuerung beantragen. Er ist dann aber für fünf
Umsatzsteuer keinen Kostenfaktor dar („durchlau-
Die Umsatzsteuer beträgt im Normalfall 20 % vom
fender Posten“). Erst beim Verkauf der Ware oder
tungen gibt es auch reduzierte Steuersätze, z. B. 10 %
verbraucher) wird die Umsatzsteuer für diesen Letzt-
Nettoentgelt. Für bestimmte Lieferungen und Leisfür Bücher, Lebensmittel.
Erbringung der Leistung an einen Privaten (= Letztverbraucher zum Kostenfaktor.
System der Umsatzsteuer
46
Produzent
Großhändler
Spengler
Privater
Erzeugung von
Dachrinnen
100,00 + 20,00
Ware + USt
Vertrieb von
Dachrinnen
1. Zahlung 120,00
2. 20,00 VSt vom Finanzamt retour
150,00 + 30,00
Ware + USt
Verkauf und
Monage
Einfamilienhaus
1. Zahlung 180,00
2. 30,00 VSt vom Finanzamt
200,00 + 40,00
Ware + USt
Zahlung
240,00
Baustein 4: Mein erstes Jahr
Umsatzsteuer im EU-Raum
Liefert Thomas Kandl seine Dachrinnen nach
Deutschland oder bezieht er seine Bleche, z. B. aus
Frankreich, fällt er unter die Binnenmarktregelungen.
Lieferungen in den EU-Raum bezeichnet man als innergemeinschaftliche Lieferungen. Erhält man Liefe-
rungen aus dem EU-Raum, spricht man von innerge-
meinschaftlichen Erwerben. In beiden Fällen wird die
Rechnung ohne Umsatzsteuer ausgestellt und auf
die Steuerbefreiung hingewiesen.
Verwendet die Singer OG für ihre Homepage einen
Internetprovider aus Deutschland, so handelt es sich
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Für diese Zwecke brauchen die Unternehmen eine
Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID-Nummer).
Die UID-Nummer vergibt das Finanzamt. Über Finanz­
online kann Thomas Kandl auch jederzeit abfragen,
ob die UID-Nummer seines Lieferanten oder Kunden
gültig ist.
Umsatzsteuer im Drittland
Liefert Thomas Kandl seine Dachrinnen nach Geor-
gien, spricht man von einer Ausfuhrlieferung, da es
sich um ein Drittland (= kein EU-Land) handelt. Diese
Lieferungen sind steuerbefreit. Es wird keine Umsatz-
um Leistungen, bei denen die Steuerschuld auf den
steuer verrechnet.
(Reverse Charge). Die Rechnung wird vom deutschen
Kauft Thomas Kandl Waren aus dem Drittland muss
Leistungsempfänger, also die Singer OG, übergeht
Internetprovider ohne Umsatzsteuer ausgestellt.
Bauleistungen
er Einfuhrumsatzsteuer bezahlen, die er bei der Umsatzsteuervoranmeldung wieder zurück bekommt.
Eine große Baufirma beauftragt Thomas Kandl für
Meldefrist der Umsatzsteuer
(Einfassungen, Dachrinnen) durchzuführen. Da diese
monatlich bzw. quartalsweise bis zum 15. des zweit-
eine Wohnhausanlage sämtliche Spenglerarbeiten
Baufirma üblicherweise Bauleistungen (Herstellung
Der Unternehmer hat Umsatzsteuer einzuheben und
folgenden Monats an das Finanzamt abzuführen.
von Gebäuden) erbringt und Thomas auch, wird die
Gleichzeitig bekommt er die „bezahlten“ Vorsteuern
die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger, die
zurück (Umsatzsteuervoranmeldung).
Rechnung ohne Umsatzsteuer ausgestellt. Es geht
Baufirma, über.
von seinen ordnungsgemäßen Rechnungsbelegen
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aktuelle
U N TE R L AG E
Umsatzsteuervoranmeldung von Thomas Kandl
48
Baustein 4: Mein erstes Jahr
Baustein 4: Mein erstes Jahr
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Lieferungen und bestimmte Leistungen in die EU sind am Ende des folgenden Monats mittels Zusammen­
fassender Meldung (ZM) ebenfalls dem Finanzamt zu melden.
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U N TE R L AG E
Baustein 4: Mein erstes Jahr
Damit Thomas Kandl und die Singer OG sich von den bezahlten Rechnungen auch wirklich die Vorsteuer zurück
holen können, müssen diese die folgenden Rechnungsmerkmale aufweisen.
Rechnungsmerkmale
Wenn Thomas Kandl Rechnungen ausstellt bzw. beim Einkauf Rechnungen erhält, ist es wichtig, dass er
kontrolliert, ob die Rechnungen alle gesetzlichen Bestandteile laut Umsatzsteuergesetz enthalten.
Bei Rechnungen bis 150 Euro (=Kleinbetragsrechnungen)
1
Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmens
4
Tag bzw. Zeitraum der Lieferung
3
5, 6
7
Menge und Bezeichnung der Ware oder Dienstleistung
Entgelt und Steuerbetrag in einer Summe
Steuerprozentsatz
Bei Rechnungen über 150 Euro
1
Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmens
3
Menge und Bezeichnung der Ware oder Dienstleistung
2
4
5
6
7
8
9
10
11
50
Name und Anschrift des Empfängers
Tag bzw. Zeitraum der Lieferung oder Leistung
Nettoentgelt
Steuerbetrag
Steuersatz oder Hinweis auf eine Steuerbefreiung
Rechnungsdatum
Fortlaufende Nummerierung
UID-Nummer des liefernden oder leistenden Unternehmens
ab einem Betrag von 10.000 Euro brutto: UID-Nummer des Leistungsempfängers
Baustein 4: Mein erstes Jahr
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Rechnung von Thomas Kandl
51
aktuelle
Baustein 4: Mein erstes Jahr
U N TE R L AG E
4.5 Was ist die Gewinnschwelle?
Beispiel für das Nachhilfeinstitut Singer
Die Gewinnschwelle wird auch mit einem englischen
Im Fall des Nachhilfeinstituts Singer OG würde die Ge-
Begriff als Break-Even Point bezeichnet. Sie zeigt den
Punkt an, bei dem die Kosten und der Erlös eines Produktes oder einer Dienstleistung gleich groß sind. An
diesem Punkt wird daher weder ein Gewinn noch ein
Verlust gemacht. Alles was unter der Gewinnschwelle liegt, ist ein Verlust. Alles was über der Gewinn-
schwelle liegt, ist ein Gewinn.
winnschwelle folgendermaßen aussehen:
Die Singers hatten in den ersten Monaten 2.700 Euro
an laufenden Kosten monatlich. Diese Kosten ent-
standen hauptsächlich durch die Miete des Stand-
orts, die Bezahlung der Lehrkräfte, verschiedene Wer-
beaktivitäten, Bezahlung der Strom- und Gaskosten,
diverses Büromaterial und Kopien.
Die Einnahmen lagen jedoch anfangs nur bei etwa
2.200 Euro monatlich.
Somit waren die Kosten anfangs um 500 Euro höher
als die Einnahmen. Es ergab sich daher ein Verlust in
dieser Höhe. Das Nachhilfeinstitut befand sich zu die-
ser Zeit noch unter der Gewinnschwelle.
Nach einigen Monaten gab es jedoch immer mehr
Schüler, womit sich auch die Einnahmen erhöhten.
Sobald also die laufenden Kosten durch die laufenden
Einnahmen gedeckt werden, ist die Gewinnschwelle
kaum, da es sich um Gruppenkurse handelte und
daher die Unterrichtsstunden der Lehrer nicht mehr
erreicht. Alle weiteren Einnahmen bringen daher ei-
wurden. Etwa nach acht Monaten lagen die Einnah-
Mit Hilfe der sogenannten Gewinnschwellenanaly-
hilfeinstitut bereits über der Gewinnschwelle.
nen Gewinn.
se (Break-even-Analyse) kann bestimmt werden, bei
welcher Umsatzmenge die Kosten gedeckt werden.
52
Die Kosten erhöhten sich bis zu diesem Zeitpunkt
men schon bei 3.100 Euro, womit sich ein Gewinn von
400 Euro ergab. Zu diesem Zeitpunkt war das Nach-
Grafisch lässt sich das Ganze so darstellen:
Baustein 5: Ich habe es geschafft
73 | Dez. | 2012
Baustein 5: Ich habe es geschafft
In diesem Baustein erfahren Sie,
■ was ein Unternehmer immer im Blick haben
sollte.
Fortsetzung Praxisfall 1: Die Singers
gründen ein Nachhilfeinstitut
Susanne und Manfred haben sich nach zwei Jahren
Da die Geschäfte mittlerweile sehr gut laufen, überle-
müssen daher nicht mehr so viel Zeit für administra-
Nachbarwohnung zu mieten und die Institutsräum-
gut in die Abläufe des Instituts eingearbeitet und
tive und organisatorische Tätigkeiten aufwenden. Su-
sanne musste feststellen, dass es sehr schwierig ist,
Studenten als Lehrkräfte zu halten. Die meisten üben
diese Tätigkeit ein paar Monate aus, hören dann aus
gen Susanne und Manfred bereits eine leer stehende
lichkeiten dadurch zu erweitern. Dafür hat Manfred
bereits einen Finanzierungsplan erstellt.
und eine Fixanstellung anstreben. Da es jedoch viele
Fortsetzung Praxisfall 2: Thomas Kandl
übernimmt einen Spenglereibetrieb
zu geben, ist es für Susanne und Manfred kein Prob-
Thomas Kandl hat zwei sehr erfolgreiche Jahre hin-
Zeitmangel auf oder weil sie das Studium beenden
Studenten gibt, die daran interessiert sind Nachhilfe
lem, rasch Ersatz zu finden.
Mit dem Franchisesystem sind Susanne und Manfred
sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit dem Fran-
ter sich. Im zweiten Jahr konnte er sogar noch einen
Mitarbeiter anstellen, um die Aufträge erfüllen zu
können.
chisegeber funktioniert sehr gut. Regelmäßig gibt es
Den bei Firmenstart angedachten Kauf eines neuen
werden. Als Gegenleistung müssen Susanne und
einer Generalüberholung doch noch gute Dienste
Treffen, bei denen Probleme und Fragen besprochen
Manfred eine jährliche Gebühr des Umsatzes an den
Franchisegeber abführen und auch regelmäßig Ge-
schäftsberichte und Marketingpläne liefern. Kosten
und Umsatzerwartungen lagen im kalkulierten Be-
reich.
Beim Start gab es einige Unklarheiten: Welche Abga-
ben muss ich wann und wie an das Finanzamt machen? Wie melde ich Mitarbeiter bei der Gebietskrankenkasse an? Bei welcher Krankenkasse muss ich als
Selbstständiger gemeldet sein? Muss ich mein Un-
ternehmen in das Firmenbuch eintragen lassen? Und
falls ja, wie funktioniert das? Hilfestellung kam u. a.
von der Wirtschaftskammer.
LKWs hat er verschoben, da das alte Fahrzeug nach
verrichtete. Aufgrund der guten Auftragslage möchte Thomas sein Materiallager erhöhen. Damit stößt
er aber schon an die Grenzen der gemieteten Werk-
statt. Eigentlich wollte er schon immer eine eigene
Werkstatt und einen ordentlichen Lagerplatz haben.
Er überlegt, ein Grundstück im neu umgewidmeten
Gewerbegebiet zu erwerben. Vielleicht gemeinsam
mit einem Schulfreund, einem Schlosser. Sie möchten
gemeinsame Synergien nützen und überlegen – aus
steuerlichen und Haftungsgründen – eine GmbH zur
gründen. Bis es soweit ist, haben beide als Einzelun-
ternehmer noch einiges an Einkommenssteuer und
Sozialversicherung abzuführen...
53
aktuelle
U N TE R L AG E
Worauf muss man als Unternehmer achten?
Die Startphase ist gut gelungen und die Singer OG
und die Spenglerei Thomas Kandl haben ihre ersten
WISSEN
5
beiden Jahre erfolgreich absolviert. Um unange-
nehme Überraschungen, z. B. Steuernachzahlungen,
Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, ist es wichtig,
vorausschauend zu handeln.
5.1 Steuern
Da der Steuerbescheid oft erst bis zu zwei Jahre spä-
Erfolg mit dem Einnahmen-Ausgaben-Rechner er-
mittelt, kann z. B. Ausgaben vorziehen – er bezahlt die
Waren schon im Dezember statt im Jänner (Ausgaben
erhöhen sich) – oder vereinnahmt die Kundenrech-
nungen erst im Jänner (Einnahmen vermindern sich).
Thomas Kandl hatte mit seinem Unternehmen im
ersten Jahr einen Gewinn von fast 50.000 Euro und
im zweiten Jahr von fast 74.000 Euro erwirtschaftet.
Mit so einem Ergebnis konnte er nicht rechnen. Da-
her hat er im ersten Geschäftsjahr keine Einkommensteuervorauszahlungen geleistet und im folgenden
ter ins Haus flattert, ist es für einen Unternehmer
Jahr nur ca. 10.500 Euro. Auf Anraten seines Steuer-
ginnen. Wenn die tatsächlichen Gewinne deutlich
auf ein Sparkonto gelegt, um davon Nachzahlun-
Nachzahlungen kommen. Wurde nicht vorgesorgt,
Nachzahlung voraussichtlich sein wird, wurde er vom
wichtig, rechtzeitig mit dem „Steuersparen“ zu be-
über den geschätzten liegen, kann es zu erheblichen
ist es unter Umständen für ein kleines Unternehmen
existenzgefährdend.
beraters hat er vorsorglich einen Teil der Einnahmen
gen leisten zu können. Da er wusste, wie hoch seine
Steuerbescheid nicht überrascht.
In der folgenden Abbildung finden Sie die Einnah-
Im Falle von hohen Nachzahlungen ist es möglich mit
men-Ausgaben-Rechnung des letzten Jahres und
Begleichung der Schuld in mehreren Teilbeträgen, zu
erbescheid. Thomas Kandl ist sehr sparsam bei
dem Finanzamt Zahlungserleichterungen, z. B. durch
vereinbaren.
Am besten ist es, wenn man als Unternehmer noch
vor Ende des jeweiligen Geschäftsjahres mit einem
Buchhalter bzw. Steuerberater das laufende Jahr be-
spricht. Es finden sich immer Möglichkeiten, um die
Steuerlast zu senken. Der Unternehmer, der seinen
54
Baustein 5: Ich habe es geschafft
den Einkommensteuerbescheid und Umsatzsteu-
seinen Ausgaben. Die Gehaltskosten machen knapp
28 % seines Umsatzes aus. Insgesamt verbleiben ihm
42 % von seinem Umsatz. Davon muss er natürlich
noch die gesamte Einkommensteuer (Einkommen-
steuervorauszahlungen sind keine Ausgaben und
vermindern daher nicht den Gewinn) und die Nachzahlung der Sozialversicherung abziehen.
Baustein 5: Ich habe es geschafft
73 | Dez. | 2012
Einnahmen-Ausgaben-Rechnung von Thomas Kandl
55
aktuelle
U N TE R L AG E
Baustein 5: Ich habe es geschafft
Auszug aus dem Einkommensteuerbescheid von Thomas Kandl
*Anmerkung: Die Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb weichen von der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ab, da
noch Investitionsbegünstigungen berücksichtigt wurden, die nur in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden.
Thomas muss ca. 11.500 Euro Einkommensteuer nachzahlen.
56
Baustein 5: Ich habe es geschafft
73 | Dez. | 2012
Auszug aus dem Umsatzsteuerbescheid für Thomas Kandl
5.2 Sozialversicherung
Der Unternehmer bezahlt während des Jahres Sozialversicherung von einer geschätzten Beitragsgrundlage.
Erst wenn der Einkommensteuerbescheid des jeweiligen Jahres da ist, wird die Sozialversicherung endgültig
berechnet. Da in den Gründungsjahren die vorläufige Bemessungsgrundlage sehr gering ist, kommt es häufig
zu empfindlichen Nachzahlungen. Somit hat das Unternehmen zusätzlich zu den laufenden Zahlungen noch
die Nachzahlungen der Vorjahre zu finanzieren. Um derartige Überraschungen zu vermeiden, macht es Sinn,
schon rechtzeitig Geld anzusparen.
Thomas Kandl hat von der Sozialversicherung eine Jahresvorschau für das nächste Jahr bekommen, damit er
sich seine Zahlungen besser einteilen kann. Er muss für das zweitvorangegangene Jahr insgesamt fast 11.800
Euro nachzahlen und wurde für das kommende Jahr mit der Höchstbeitragsgrundlage eingestuft.
Falls nächstes Jahr sein Unternehmen nicht so gut laufen sollte, kann er bei der Sozialversicherung beantragen,
dass die laufenden Beiträge herabgesetzt werden. Die Nachzahlung muss er allerdings in vier Teilbeträgen
leisten. Zum Glück hat Thomas dafür Geld weggelegt, sonst würde er wahrscheinlich finanziell ins Schleudern
kommen.
57
aktuelle
Baustein 5: Ich habe es geschafft
U N TE R L AG E
Sozialversicherungsbeitrag von Thomas Kandl
5.3 Kredite – Rating
5.4 Businessplan
Wenn man für die Unternehmensgründung einen
Der Businessplan ist der „Masterplan“ für die Entwick-
ordnungsgemäß zu tilgen. Probleme bei der Tilgung
nahmen zur Umsetzung der Geschäftsidee auf. Daher
Kredit aufgenommen hat, ist es wichtig, den Kredit
der Kreditraten sind eine Gefahr für das Unternehmen. Schon bei Aufnahme eines Kredits sollte man
ist es wichtig, nach den ersten Jahren zu überprüfen,
ob die Annahmen und Ziele eingehalten wurden oder
für schlechte Zeiten vorsorgen und eine eventuelle
ob Korrekturen notwendig geworden sind.
vorsehen.
■ Ist mein Unternehmen liquide (zahlungsfähig)?
Aussetzung der Zahlungen für ein oder zwei Jahre
Die Bank prüft jährlich die Kreditwürdigkeit (Bonität)
des Unternehmens. Das heißt: sie prüft, ob der Unter-
nehmer die aufgenommenen Schulden zurückzah-
■ Habe ich mich in die richtige Richtung entwickelt?
■ Reicht der Gewinn des Unternehmens, um die
privaten Kosten abzudecken?
len kann und das auch tut. Je besser das Rating, das
5.5 Kunden
desto einfacher ist es weitere Kredite z. B. für Inves-
Das Unternehmen lebt von seinen Kunden. Um Er-
die Konditionen.
tingstrategien erfolgreich waren.
heißt, je besser das Unternehmen eingestuft wird,
titionen zu bekommen und desto günstiger werden
Auch nach der Gründung gibt es noch interessante
Förderungen. Gefördert werden Forschung, Entwicklung oder Innovationen z. B. Modernisierung von
Maschinen oder Aus- und Weiterbildung. Viele In-
formationen findet man in der Förderdatenbank der
Wirtschaftskammern Österreichs: www.wko.at
58
lung des Unternehmens. Er zeigt alle Schritte und Maß-
folg zu haben, muss man überprüfen, ob die Marke■ Habe ich zufriedene Kunden?
■ Welche Kundengruppen spreche ich an?
■ Habe ich es geschafft, einen dauerhaften Kundenstock aufzubauen?
■ Wie ist die Zahlungsmoral meiner Kunden?
■ Wie kann ich die Kunden an mein Unternehmen binden?
Baustein 5: Ich habe es geschafft
73 | Dez. | 2012
5.6 Mitarbeiter
5.8 Partnerschaften – Netzwerke
Mitarbeiter sind ein erheblicher Kostenfaktor. Der Un-
Für die Unternehmenslaufbahn ist es erfolgsentschei-
finanziell ausgeht. Steigt mit der Mitarbeiterzahl der
ausgetauscht oder gemeinsame Projekte gemacht
mer finanziell rasch recht eng. Oft ist es günstiger, von
den um umfassendes Leistungsspektrum zu bieten.
ternehmer muss kalkulieren, ob sich ein Mitarbeiter
Umsatz nicht ausreichend, wird es für den Unternehanderen Selbstständigen Leistungen zuzukaufen.
Wenn man Mitarbeiter beschäftigt, müssen sie auch
richtig geführt werden, damit sie die gewünschte
Leistung erbringen. Es ist wichtig, klare Ziele zu for-
mulieren und Verantwortung an den Mitarbeiter ab-
dend, Partner zu finden, mit denen Dienstleistungen
werden. Partnerschaften ermöglichen es, dem Kun-
Mit Hilfe von Netzwerken kann der Unternehmer
Zugang zu interessanten Geschäften bekommen. Ein
soziales Netzwerk besteht aus einer abgegrenzten
Menge von Personen, die über Beziehungen mitein-
ander verbunden sind z. B. Sportklub, Internetplatt-
zugeben.
form. Gerade zu Beginn der Unternehmenslaufbahn
5.7 Lieferanten
sondern die richtigen Netzwerke zu finden und die
Für kleine Unternehmen ist es wichtig, sich nicht
von einem einzelnen Lieferanten abhängig zu ma-
ist man bemüht, möglichst viele Kontakte zu knüp-
fen. Es ist nicht notwendig „überall“ dabei zu sein,
dabei entstandenen Netzwerkkontakte zu pflegen.
chen. Wenn der Lieferant z. B. in Konkurs geht oder
5.9 Weiterbildung
zu arbeiten, hat das Unternehmen plötzlich massive
Für nachhaltigen Erfolg ist gerade in den ersten Jah-
achten und Alternativen zu suchen. Ebenso wichtig
Defizite bemerkt, ist Handeln angesagt. Neben Ma-
Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen.
auch Persönlichkeitsentwicklung immer wichtiger.
sich entschließt, mit einem Konkurrenten zusammen
Schwierigkeiten. Es ist wichtig, den Markt zu beob-
ist es, immer wieder Vergleichsangebote einzuholen.
ren Weiterbildung wichtig. Wenn man Know-how
nagement- und kaufmännischen Fähigkeiten, wird
59
aktuelle Unterlage
| ÜBUNGSBLATT 1 | Seite 60
73 | Dez. | 2012
ÜBUNGSBLATT zu Baustein 1
Vorteile und Herausforderungen der Selbstständigkeit
Lesen Sie den folgenden Artikel aufmerksam durch. Wichtige Begriffe werden im nachstehenden Glossar erklärt.
Beantworten Sie anschließend die Fragen.
Firmengründen, schwer gemacht
17.07.2012 | 18:30 | JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse) | gekürzt
Die Regierung will Firmengründern mit Förderungen unter die Arme greifen.
Doch die mangelnde Finanzierung ist nicht das einzige Problem, sagen Experten.
Freie Zeiteinteilung, niemand, der einem sagt, was zu tun ist, und vielleicht sogar reich werden: Der Traum vom eigenen
Unternehmen ist für viele verlockend. Wer den Schritt wagt, darf mit Respekt und Anerkennung rechnen. Die Österrei-
cher schreiben den Unternehmern ein hohes Ansehen zu, knapp die Hälfte der Nichtunternehmer sieht die Möglichkeit,
selbst eine Firma zu gründen. Tatsächlich machen das aber nur sieben Prozent.
Schwieriges Land für Unternehmer
Jeder zehnte Erwachsene in der EU hat laut Daten der Kommission konkrete Pläne für eine Unternehmensgründung. In Österreich ist es nur jeder zwanzigste. Kein Wunder: Glaubt man einer Studie der Weltbank, ist der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer hierzulande denkbar schwierig. Für die Analyse „Doing Business 2012“ untersuchte die Weltbank die Rahmenbedingungen für Unternehmer auf der ganzen Welt. Österreich landet in der jüngsten Analyse
nur auf Platz 32 und büßte im Vergleich zum Vorjahr sogar vier Ränge ein. Ein besseres Umfeld für Unternehmer bieten
laut Weltbank nicht nur 13 EU-Staaten, sondern auch Länder wie Mazedonien.
Die Finanzierung und der Businessplan sind das eine Problem. Dazu kommen die überbordende Bürokratie und eine im
internationalen Vergleich hohe Steuerbelastung.
Hohe Steuern und Abgaben
In einer aktuellen Studie landet Österreich im globalen Vergleich nur auf Platz 78 von 183 untersuchten Ländern. Mit
anderen Worten: 77 Länder der Welt sind für Unternehmer attraktiver, wenn es um die Gesamtbelastung durch Steuern
und Abgaben geht. 53 Prozent des Gewinns gehen in Österreich für Steuern und Abgaben drauf, in Luxemburg etwa sind
es nur 21, in Deutschland sind es 46,7 Prozent.
Auch der bürokratische Aufwand kann für viele abschreckend sein. Wer in Österreich etwa eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gründen will, muss dafür laut Weltbank 28 Tage einplanen.
Studien nennen auch immer wieder die geringe Risikobereitschaft der Österreicher als Hürde. Die Risikoaversion und die
Angst vor dem Scheitern hinderten viele am Schritt in die Selbstständigkeit. „Typische Österreicher planen ihre Zukunft
sorgfältig und achten dabei darauf, kein hohes Risiko einzugehen.“
aktuelle Unterlage
| ÜBUNGSBLATT 1 | Seite 61
73 | Dez. | 2012
1. Welche Vorteile und Herausforderungen der Selbstständigkeit sind im Artikel genannt? Nehmen Sie dafür zwei Stifte in un-
terschiedlichen Farben zur Hand. Markieren Sie mit der einen Farbe alle Vorteile der Selbstständigkeit, die im Artikel erwähnt
werden. Markieren Sie danach mit der anderen Farbe alle Herausforderungen der Selbstständigkeit, die im Artikel erwähnt werden.
2. Notieren Sie in Kleingruppen fünf weitere Vorteile und Herausforderungen der Selbstständigkeit und notieren Sie diese.
3.Diskutieren Sie in der Klasse Ihre generelle Einstellung zur Selbstständigkeit. Überwiegen Ihrer Meinung nach die Vorteile oder
die Herausforderungen? Können Sie sich vorstellen, selbstständig tätig zu sein oder eher nicht?
Glossar:
Hier werden einige Begriffe aus dem Zeitungsartikel erklärt. Sollten weiterhin Unklarheiten bestehen, recherchieren Sie bitte
im Internet.
■ Förderung: Als Förderung bezeichnet man ganz allgemein eine Unterstützung. Meist ist dies eine finanzielle Unterstützung,
das heißt in Form von Geld.
■ Finanzierung: Im Rahmen der Finanzierung in einem Unternehmen, wird jenes Geld beschaffen, das für die Gründung und
den laufenden Betrieb des Unternehmens benötigt wird.
■ Kommission: Im Zeitungsartikel ist die EU-Kommission gemeint. Sie stellt die „Regierung“ der EU dar und überwacht die
Einhaltung der in der EU geltenden Spielregeln.
■ Weltbank: Die Weltbank wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederauf-
bau zu unterstützen. Sie besteht aus mehreren Organisationen und Institutionen. Heute bietet sie vor allem finanzielle und
technische Hilfe und Beratung.
■ Businessplan: Ein Businessplan wird auch als Geschäftsplan bezeichnet. Besonders bei der Unternehmensgründung ist ein
Businessplan wichtig. Der Gründer/die Gründerin überlegt sich dabei im vorhinein, welche Kosten er/sie hat, mit welchen
Einnahmen er/sie rechnen kann, wie er/sie den besten Standort findet, wie er/sie sein Marketing aufbauen soll usw.
■ Bürokratie: Als Bürokratie bezeichnet man gewisse Verwaltungsvorschriften und -tätigkeiten in einem Land. Das Stellen
eines Antrags auf Schülerbeihilfe kann beispielsweise zur Bürokratie gezählt werden.
■ Gewinn: Vereinfacht gesagt versteht man unter Gewinn jenes Geld, das nach Abzug der Kosten von den Einnahmen übrig
bleibt. Man berechnet also, wie viel Geld man einnimmt und wie viel man ausgegeben hat. Die Differenz ist der Gewinn.
■ Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) bezeichnet man eine Unternehmensform in Österreich. Ein wesentliches Kennzeichen für diese Unternehmensform ist, dass die Inhaber einer GmbH nicht
mit ihrem Privatvermögen haften.
■ Risikoaversion: Risikoaversion bedeutet Risikoscheue. Ist jemand risikoavers, heißt das, dass er Angst vor Risiko hat und
daher lieber Entscheidungen trifft, die sicher sind und wenig Risiko beinhalten.
aktuelle Unterlage
| ÜBUNGSBLATT 2 | Seite 62
73 | Dez. | 2012
ÜBUNGSBLATT zu Baustein 2
Kreuzen Sie die entsprechende Antwort an. Falsche Antworten korrigieren Sie bitte.
1.Die Offene Gesellschaft (OG) muss auf jeden Fall in das Firmenbuch eingetragen werden.


Richtig
Falsch
Korrektur bei falsch:
2. Wird eine Ware nicht bereits beim Erhalt, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt, nennt man dies Kundenanzahlung.


Richtig
Falsch
Korrektur bei falsch:
3. Inhaber einer Kapitalgesellschaft haften auch mit ihrem Privatvermögen.


Richtig
Falsch
Korrektur bei falsch:
4. Ein Finanzplan gibt eine Übersicht über alle zukünftig geplanten Ausgaben und Einnahmen.


Richtig
Falsch
Korrektur bei falsch:
5. Ein stiller Gesellschafter beteiligt sich sowohl an Gewinnen als auch am Verlusten.


Richtig
Falsch
Korrektur bei falsch:
aktuelle Unterlage
| ÜBUNGSBLATT 3 | Seite 63
Übungsblatt zu Baustein 3
Lösen Sie das Kreuzworträtsel. Wie heißt das Lösungswort?
1. Öffentliches Verzeichnis, in das Unternehmen eingetragen werden
2. Behörde, bei der man sich bei Aufnahme einer betrieblichen Tätigkeit melden muss
3. Steuer, die an die Gemeinden abgeführt werden muss
4. Jungunternehmer erhalten hier umfangreiche Beratung
5. Regelt Rechte und Pflichten der Gesellschafter
6. Bei der Singer OG handelt es sich um eine…
7. Notwendige Unterlage für die Gewerbeanmeldung
8. Abkürzung für Gesellschaft mit beschränkter Haftung
9. Gewerbe, für die ein Befähigungsnachweis erforderlich ist, nennt man … Gewerbe
10.Abkürzung für Neugründungsförderung
11. Krankenkasse, bei der Mitarbeiter angemeldet werden
73 | Dez. | 2012
aktuelle Unterlage
| ÜBUNGSBLATT 4 | Seite 64
73 | Dez. | 2012
Übungsblatt zu Baustein 4
Sabine Müller hat ihren Traum verwirklicht und hat ein kleines Kosmetikstudio aufgemacht. Diesen Monat hat sie Einnahmen von
insgesamt 2.300 Euro erzielt und folgende Ausgaben getätigt:
Ausgaben
in Euro
Zahlung der Miete
Druck Flyer
50,00
150,00
Jahreskarte Fitnessstudio 350,00
Laptop 390,00
Kosmetikartikel (Waren)
Drucker Porto
Kopierpapier
510,00
80,00
Geburtstagsfeier v. Sohn
Sozialversicherung
70,00
25,00
125,00
450,00
1. Berechnen Sie, ob Sabine in diesem Monat einen Gewinn oder Verlust erzielt hat.
2. Erklären Sie anhand dieses Beispiels den Begriff Break-Even-Point.
3.Sabine ist Kleinunternehmer und stellt keine Umsatzsteuer in Rechnung.
Welche Voraussetzungen muss sie dafür erfüllen?
aktuelle Unterlage
| ÜBUNGSBLATT 5 | Seite 65
Übungsblatt zu Baustein 5
Lösen Sie das Kreuzworträtsel. Wie heißt das Lösungswort?
1. Steuer, die der Unternehmer bei einem Gewinn an das Finanzamt abführen muss.
2. …ermöglichen dem Unternehmer Zugang zu interessanten Geschäften.
3.Damit die Abhängigkeit von …. möglichst gering gehalten wird, ist es wichtig
den Markt zu beobachten und Alternativen zu suchen.
4. Andere Bezeichnung für Kreditwürdigkeit.
5.Nachzahlung, die manche Unternehmer in finanzielle Bedrängnis bringt, da sie in der Regel
erst zwei Jahre später vorgeschrieben wird.
6. Wichtig, um nachhaltig Erfolge zu erzielen und auf dem Laufenden zu bleiben.
73 | Dez. | 2012
aktuelle Unterlage
| Lösungsvorschläge | Seite 66
73 | Dez. | 2012
LÖSUNGSVORSCHLÄGE
Übungsblatt Baustein 1
1. Freie Zeiteinteilung, niemand, der einem sagt, was zu tun ist. Die Chance, gut zu verdienen.
2. – der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer ist bei uns schwierig.
3.
Die Österreicher schreiben den Unternehmern ein hohes Ansehen zu.
– Finanzierung und Businessplan
– die überbordende Bürokratie und eine im internationalen Vergleich hohe Steuerbelastung.
– hohes Risiko
individuelle Schülerlösung
Übungsblatt Baustein 2
1.
Richtig
3.
Falsch: Inhaber einer Personengesellschaft haften mit ihrem Privatvermögen.
2.
4.
5.
Falsch: Man nennt dies Lieferantenkredit.
Richtig
Richtig
Übungsblatt Baustein 3
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ÜBUNGSBLATT Baustein 4
a.)Es ergibt sich ein Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben von 175 Euro. Die Zahlung der Jahreskarte für das Fitnessstudio und die Geburtstagsfeier für den Sohn sind keine Betriebsausgaben, sondern der privaten Lebensführung zuzurechnen.
aktuelle Unterlage
| Lösungsvorschläge | Seite 67
Einnahmen
73 | Dez. | 2012
2.300,00
Ausgaben
Zahlung der Miete
50,00
Druck Flyer
150,00
Jahreskarte Fitnessstudio
350,00
Laptop
390,00
Kosmetikartikel (Waren)
510,00
Drucker
80,00
Porto
70,00
Kopierpapier
25,00
Geburtstagsfeier v. Sohn
125,00
Sozialversicherung
450,00
Gewinn
2.125,00
175,00
in Euro
b.)Die Gewinnschwelle ist jener Punkt, wo die Kosten durch die laufenden Einnahmen gedeckt sind. Da die Einnahmen um
175 Euro höher sind als die Ausgaben, befindet sich das Unternehmen von Sabine über der Gewinnschwelle, das heißt, der
Umsatz deckt die laufenden Kosten und es bleibt sogar noch ein Gewinn über.
c.)Der Umsatz vom Kosmetikstudio darf nicht höher als 30.000 Euro netto (das heißt ohne Umsatzsteuer) sein. Sabine darf
auch keinen Antrag auf Regelbesteuerung gestellt haben. Dann müsste sie Umsatzsteuer abführen und könnte sich Vorsteuer
abziehen (auch wenn ihr Umsatz unter 30.000 Euro liegt).
Übungsblatt Baustein 5
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aktuelle Unterlage
| LITERATUR | Seite 68
Literatur:
www.franchise-net.at
www.gruenderservice.at
de.wikipedia.org
AWS-Medienpaket
Unternehmensgründung – Alles für die Gründung (2001)
Autoren:
a. o. Univ. Prof. Dr. Bettina Fuhrmann
Prof. Mag. Elisabeth Galffy
Prof. Mag. Anneliese Rotter
Univ. Prof. Dr. Wilfried Schneider
wko.at/aws
weiterführende Links:
Zur Unternehmensgründung generell:
www.gruenderservice.atwww.diegruender.at
www.gruenderwissen.at
www.bmwfj.gv.at
www.e2-p.eu
www.wien.gv.at
www.gruenderservice.net
www.wirtschaftsagentur.at
www.grueze.at
www.i2b.at
www.jungewirtschaft.at
www.mingo.at
www.inits.at
www.kwt.or.at
gruenden-in-wien.net
www.wifiwien.at
portal.wko.at
Zur Unternehmensnachfolge:
www.nachfolgeboerse.at
www.nexxt.org
www.nachfolgeguide.at
www.betriebsboerse.at
www.go-gruendercenter.net
Zur Findung einer Geschäftsidee:
www.komma-net.de/unternehmen/themen/geschaeftsideen
Zum Franchising:
www.franchise-net.at
www.franchiseportal.at
www.franchise.at
www.franchise-messe.at
73 | Dez. | 2012
Persönliche Qualifikationen
■ zukunftsorientiertes Denken
■ Verantwortungs-
bewusstsein
■ Risikotoleranz
■ Kommunikationsfähigkeit
■ Belastbarkeit
■ Toleranz
Fachliche Qualifikationen
■ gute Ausbildung
■ fundiertes Branchenwissen
■ technisches Know-how
■ reichlich praktische Erfahrung
■ kaufmännische Kompetenzen
■ Führungsqualitäten
■ Verhandlungsgeschick
Unternehmerische
Qualifikationen
Qualifikationen eines Unternehmers/einer Unternehmerin
aktuelle Unterlage
| Kopiervorlagen | Seite 69
73 | Dez. | 2012
Offene
Gesellschaft
(OG)
Kommanditgesellschaft
(KG)
Genossenschaften
Gesellschaft mit
beschränkter
Haftung (GmbH)
Aktiengesellschaft
(AG)
Kapitalgesellschaften
Handels-
gesellschaften
Gesellschaftsunternehmen
Private Unternehmen
Gesellschaften
bürgerlichen
Rechts
Einzelunternehmen
Stille
Gesellschaft
Personengesellschaften
nicht protokolliert
protokolliert
Öffentliche Unternehmen
UNTERNEHMENSFORMEN
aktuelle Unterlage
| Kopiervorlagen | Seite 70
73 | Dez. | 2012
FINANZAMT –
Steuernummer „holen“,
erste Daten bekannt
geben
RECHTSANWALT/NOTAR –
Verträge (z. B. Gesellschaftsvertrag)
abschließen
FIRMENBUCH – Eintrag
(wenn notwendig)
vornehmen lassen
WIRTSCHAFTSKAMMER –
Beratung in Anspruch nehmen
SOZIALVERSICHERUNG –
den/die Unternehmer/in anmelden
GEWERBEBEHÖRDE –
Gewerbeschein lösen
GEBIETSKRANKENKASSE –
Mitarbeiter anmelden
GEMEINDE/STADT – ev. Bewilligungen,
Meldung von Dienstnehmern
erledigen (wegen Kommunalsteuer)
WEGE BEI DER UNTERNEHMENSGRÜNDUNG
aktuelle Unterlage
| Kopiervorlagen | Seite 71
73 | Dez. | 2012
aktuelle Unterlage
| Kopiervorlagen | Seite 72
73 | Dez. | 2012
DIENSTNEHMER IN EINEM UNTERNEHMEN
„echte“ Dienstnehmer
„freie“ Dienstnehmer
■ „echter“ Dienstvertrag regelt z. B.
– Beginn und Dauer
– Probezeit/Kündigungsfristen
– Arbeitszeit
– Einstufung Kollektivvertrag
– Sonderzahlungen
– Urlaub (fünf bis sechs Wochen)
– Entgeltfortzahlung bei Krankheit
■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension)
■ Betriebliche Vorsorgekasse
■ Anspruch auf Kranken- und Arbeitslosengeld
■ Mutterschutzgesetz (MSchG): Schutz in Schwangerschaft; Anspruch auf Karenz
■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt)
■ Ohne entsprechende Vereinbarung
kein Anspruch z. B. auf
– fixen Arbeitszeiten
– Kollektivvertragslohn
– Sonderzahlungen
– Urlaub (fünf bis sechs Wochen)
■ Vollversichert (Kranken, Unfall, Pension)
■ Betriebliche Vorsorgekasse
■ Anspruch auf Krankengeld (wird von Krankenkasse bezahlt) und Arbeits­
losengeld
■ Kein Mutterschutzgesetz (MSchG): d. h. kein Kündigungsschutz, kein Anspruch auf Karenz, Elternteilzeit
■ Wochengeldbezug (vor/nach der Geburt)
auch möglich als
Geringfügig Beschäftigte
■ Einkommen ≤ EUR 376,26 pro Monat (Wert 2012)
■ Mitarbeiter sind nur Unfall versichert
■ Freiwillige Versicherung (Krankenversicherung,
Pensionsversicherung) durch Mitarbeiter selbst
möglich
MITARBEITER
KREDITE –
RATING
SOZIALVERSICHERUNG
WEITERBILDUNG
BUSINESSPLAN
LIEFERANTEN
STEUERN
PARTNERSCHAFTEN UND
NETZWERKE
KUNDEN
WAS DER/DIE UNTERNEHMER/IN IMMER IM BLICK HABEN SOLLTE...
aktuelle Unterlage
| Kopiervorlagen | Seite 73
73 | Dez. | 2012
WirtschaftspressePLUS
Aktuelle Pressetexte zu volks- und betriebswirtschaftlichen Themen.
Mit Arbeitsblättern, Projektvorschlägen, Linktipps und Lösungsvorschlägen.
Erscheint monatlich.
Gratisdownload auf wko.at/aws
aktuelle
U N TE R L AG E
Jetzt neu auf BIC.at
Karrieren – Menschen – Stories.
Videointerviews von whatchado.
AWS
Tipp
Viele didaktische Übungen zur Berufsorientierung
finden Sie im aktualisierten AWS-Medienpaket
Beruf und Bildung (CD).
Bestellung: wko.at/aws
Wir bringen die Wirtschaft ins Klassenzimmer
Österreichische Post AG
Info.Mail Entgelt bezahlt
IMPRESSUM
Medieninhaber:
AWS Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule
im Rahmen des Instituts für Bildungsforschung
der Wirtschaft, Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
Die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule (AWS) ist
eine Initiative von Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und
Österreichischem Sparkassenverband und ist als Projekt am
Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw),
Rainergasse 38, 1050 angesiedelt.
Leiter: Mag. Josef Wallner
Autorinnen: Mag. Erika Bernhard-Weindl, Mag. Julia Hampl
Redaktion: Mag. Josef Wallner, Gudrun Dietrich,
Karin Schweiger
Gestaltung: www.designag.at
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