Kapitel 2: Ethik, Wohlfahrt und Umwelt

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Kapitel 2:
Ethik, Wohlfahrt und Umwelt
Kapitel im Lehrbuch / Inhalt
ƒ Im Perman:
ƒ Kapitel 3: „Ethics, welfare economics and the
environment“
ƒ Kapitel 5: „Welfare Economics and the
Environment“
ƒ Inhalt der Vorlesung:
ƒ Normative Grundlagen der Ökonomie
ƒ Utilitarismus
ƒ Fairness nach Rawls
ƒ Ökonomisches Wachstum und Umwelt
Ressourcen- und Umweltökonomie
Prof. Dr. L. Bretschger
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Zwei ethische Systeme
ƒ Anthropozentrische Perspektive
- Menschen werden Werte zugeordnet
- Menschen werden als Quelle der Werte betrachtet
ƒ Naturalistische Moralphilosophie
- dehnt dieses moralische Recht auf andere Wesen
aus: höher entwickelte Tiere, empfindsame
Wesen, alle Lebewesen oder Tiere und Pflanzen
- definiert Werte mit Bezug auf natürliche Systeme
(Erhalt der natürlichen Vielfalt und Schönheit)
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Normative Grundlagen der Ökonomie
ƒ Generalthema: Allokation und Verteilung von
Umwelt- und anderen Ressourcen
ƒ Ökonomie trennt zwischen positiver und normativer
Analyse
ƒ Normativ: Ökonomie hat ihre Wurzeln u.a.
- im Utilitarismus
- im Liberalismus
- in der Anthropozentrik
ƒ Diese ethischen Grundlagen werden v.a. von anderen
Disziplinen teilweise kritisch hinterfragt
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Utilitarismus
ƒ Fokus: Individueller Nutzen, Wohlfahrt, Glück
- enge Form: Nutzen ist rein individuell
- erweiterte Form: Nutzen schliesst Altruismus und
nicht-menschliche Wesen ein
ƒ Soziale Wohlfahrt ist eine Funktion der individuellen
Nutzen
ƒ Kein Konzept zur Gerechtigkeit
ƒ Die Regierung sollte die soziale Wohlfahrt
maximieren
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Liberalismus/Libertarismus
ƒ Betonung individueller Rechte und Freiheiten
ƒ Eigentum ist gerechtfertigt, wenn es durch Arbeit
(Locke) bzw. durch allgemeinen Konsens (Nozick)
erreicht wurde
ƒ Keine oder beschränkte Verteilungspolitik des Staates
ƒ Wirtschaftspolitik:
- Garantie des „gerechtfertigten“ Eigentums
- Garantie des Marktzutritts, öffentliche Güter
- Beseitigung von Externalitäten
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Utilitarismus: Soziale Wohlfahrt
( )
U i = U i Ci ,
(
W = W U 1 ,U 2 ,...,U n
)
Ui: Nutzen des Individuums i (i=1,...,n)
Ci: Güterkonsum von Individuum i
W: Soziale Wohlfahrt
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Individuelle Nutzenfunktion
Annahme: identische Nutzenfunktionen der Individuen
U – Nutzen, C - Güterkonsum
U
dU
d 2U
=: U '(C ) > 0; 2 =: U ''(C ) < 0
dC
dC
C
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Pareto-Optimalität
Ein Zustand ist pareto-optimal, wenn kein Individuum
besser gestellt werden kann, ohne dass ein anderes dabei
schlechter gestellt wird.
Pareto-superiore Zustände
Nutzen von
Individuum 2
Ausgangszustand
Nutzen von Individuum 1
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Additive Wohlfahrtsfunktion
n
W = ∑U i
i =1
Maximierung für 2 Individuen (1,2)
max W = U1 + U 2 s.t. C1 + C2 ≤ C
L = U1 ( C1 ) + U 2 ( C2 ) − λ ( C1 + C2 − C )
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Additive Wohlfahrtsfunktion (2)
∂L dU1
∂L dU 2
=
− λ = 0;
=
−λ = 0
∂C1 dC1
∂C2 dC2
dU1 dU 2
=
= λ ; wenn U1 = U 2 , C1 = C2
dC1 dC2
Gleichverteilung maximiert in diesem Fall W.
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Maximierung der Wohlfahrtsfunktion
C1
Soziale Wohlfahrtsindifferenzkurven
Y
Z
W*
W
C2
C1 + C2 = C
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Intertemporale Wohlfahrt
W als Funktion des Nutzens des „repräsentativen
Individuums“ in allen Zeitpunkten t
W = W (U1 ,U 2 ,...,U t ,...)
Summierung des Nutzens des „repräsentativen
Individuums“ über alle Zeitpunkte t
∞
W =∑
t =0
∞
Ut
(1 + ρ )
t
bzw.
W=
− ρt
U
e
∫ t dt
t =0
ρ > 0 Diskontrate (des Nutzens)
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Diskontierung im Utilitarismus
Maximierung des diskontierten Nutzens der Individuen:
ƒ Abbildung aller Zielkonflikte zwischen Umweltbzw. Ressourcenschutz und ökonomischen
Bedürfnissen wird möglich
ƒ Individuelle vs. gesellschaftliche Optimierung
ƒ Problem der „richtigen“ Diskontrate
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Diskontierung im Utilitarismus (2)
ƒ Kein ethischer Grund für ρ>0
ƒ Individuelle Verhaltensweisen und Wirtschaftspolitik
zeigen jedoch ρ>0, = Präferenzäusserung
ƒ Prominente Theoretiker wie Ramsey, Harrod, und
Koopmans vertreten ρ=0 für die gesamte Gesellschaft
ƒ Intention (Egoismus) vs. Ergebnis
(Einkommensentwicklung)
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Einfluss der Diskontrate
∞
W =∑
t =0
Ut
(1 + ρ )
ρ
t
0%
1%
10%
Jahr 0
100
100
100
Jahr 50
100
60
0.85
Jahr 100
100
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0.07
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Verschiedene Diskontraten
ƒ Verschiedene Diskontraten für verschiedene
Projekte?
ƒ Verschiedene Diskontraten für intra- und
intergenerationelle Vergleiche
ƒ Soziale vs. individuelle Diskontraten
ƒ Diskontrate des Nutzens und des Konsums
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Diskontrate des Konsums
ƒ Die Diskontrate des Konsums ist die Rate mit welcher
sich der Nutzen aus einem kleinen Anstiegs des Konsums
ändert, wenn der Zeitpunkt geringfügig verzögert wird.
ƒ In einfachen Ansätzen entspricht die Diskontrate des
Konsums dem Zinssatz r.
ƒ r hängt ab von:
- Gestalt der Nutzenfunktion
- Wachstum der Wirtschaft g
- Diskontrate des Nutzens
(Keynes-Ramsey-Regel)
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Fairness nach Rawls
ƒ Eine faire Verteilung ergibt sich aus dem Konsens
unter freien, rationalen und unabhängigen Individuen.
ƒ Es gibt einen individuellen „Schleier der
Ungewissheit“, der sich z.B. auf ff. bezieht :
- Generation
- Position
- Einstellung
ƒ Eine ungleiche Verteilung ergibt sich nur, wenn
- alle dadurch besser gestellt werden
- sie an spezifische Positionen gebunden ist
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Wohlfahrtsmaximierung nach Rawls (2)
ƒ „Utilitaristische“ Interpretation: maximiere die
Wohlfahrt der am schlechtesten Gestellten
ƒ Intertemporale Interpretation: maximiere die Wohlfahrt
der am schlechtesten gestellten Generation
Problem: historischer „Zufall“ der Ausgangsbedingungen
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Rawlssche Wohlfahrtsfunktion
U1
Y
Z
W*
X
45°
W
U2
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Märkte und Korrekturmechanismen
ƒ Märkte führen im Normalfall zu einer hohen
Allokationseffizienz
ƒ Aber:
- Marktversagen im Umweltbereich
- Nicht perfekte Korrekturmechanismen (Staat,
Private)
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Marktversagen
ƒ
Märkte berücksichtigen nicht
- alle individuellen Nutzen der natürlichen
Ressourcen
- alle zentralen ökologischen Funktionen der
natürlichen Ressourcen
- alle Kosten der Nutzung bzw. Erschöpfung
natürlicher Ressourcen
ƒ Teilweise fehlen klare Eigentumsrechte
ƒ Überschätzung der Substitutionsmöglichkeiten?
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Nicht perfekte Korrekturmechanismen
ƒ Politikversagen
- Unvollkommenheiten des politischen Prozesses
- eigennützige Orientierung der Akteure
(Regierung, Bürokratie, Lobbies)
ƒ Freiwilligkeit
- ungleiche Beteiligung
- zu schwache Wirkung
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Effizienz und Verteilung
Ökonomische Effizienz
ƒ optimale Preisbildung
ƒ Internalisierung externer Effekte
Faire Verteilung
ƒ zwischen den Generationen
ƒ innerhalb von Generationen
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Ökonomisches Wachstum und Umwelt
ƒ Knappheit im Ressourcenangebot
ƒ Umweltverschmutzung und Wachstum
ƒ 2 thermodynamische Gesetze:
1. Im geschlossenen System kann Energie weder
geschaffen noch zerstört werden.
2. In einem geschlossenen System führt der
Gebrauch von Energie und Rohmaterial zu einer
Zunahme an Entropie.
aber: Erde ≠ geschlossenes System
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Gesellschaftliche Ziele
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Maximierung der sozialen Wohlfahrt
Fairness (nach Rawls)
Erhalt des Naturkapitals
Optimale Kapitalakkumulation
bilden gemeinsame Grundlage für die
Nachhaltigkeitskonzepte (vgl. Kap. 8)
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