Städtepartnerschaft

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13. Juni 2014
In hellblauem Dunst jenseits der kristallenen Wasserbläue
steht Berg hinter Berg, jeder fernere um einen leisen Ton
heller, um einen leisen Gedanken duftiger,
darüber hoch und grimmig die Sonne
Städtepartnerschaft
MAGAZIN
(Hermann Hesse, 1877-1962)
Einige bisherige Ergebnisse
der Städtepartnerschaft
Lugano Hangzhou
Im oben skizzierten Umfeld
bewegen sich die Akteure der
Städtepartnerschaft Lugano
Hangzhou, wobei neben den
wirtschaftlichen, touristischen
Kontakten und den gegenseitigen Besuchen von Delegationen vor allem auf die kulturellen, bildungspolitischen und
menschlichen
Berührungspunkte hingewiesen werden
soll.
che, kunstvoll geschmückte
Bauten. Edelleute und einflussreiche Familien wohnen dort.
Viele Abteien und Heidenklöster
wurden ebenfalls entlang des
Ufers errichtet. Mitten im See
liegen zwei Inseln; auf jeder erhebt sich ein glänzender Palast,
so über alle Massen schön, dass
man meinen möchte, es seien
Kaiserpaläste.
Hangzhou wurde im 3. Jahrhundert gegründet. Mit der Vollendung des Kaiserkanals, der die
Stadt mit Peking verband, begann ab 610 ihr Aufschwung. Ihre Bedeutung wuchs erneut mit
der Ernennung zur Hauptstadt
der südlichen Song-Dynastie
(1127-1279) als der Kaiser die
alte Hauptstadt Laifeng auf der
Flucht vor den Mongolen verlassen musste und nach Süden zog.
1279 wurde auch Hangzhou von
den Mongolen erobert. Deren
Herrschaft endete 1368 mit dem
Beginn der Ming-Dynastie
(1368-1644). Die Stadt erlebte
mehrere Zerstörungen; die
grössten erlitt sie während des
Taiping-Aufstandes
(18511864), dem opferreichsten Bürgerkrieg der Geschichte überhaupt, und der Kulturrevolution
(1966-1976), so dass abgesehen
vom Quartier an der Qinghefang
Strasse und den Bauten um den
Westsee kaum mehr alte Gebäude in Hangzhou stehen.
Hangzhou ist heute von Shanghai aus mit einer gut anderthalb
Stunden langen Zugfahrt Richtung Südwesten bequem zu erreichen. Die Stadt liegt am
Fluss Qiantang. Jedes Jahr Ende
August oder anfangs September
rollt die weltweit grösste Gezeitenwelle vom Meer in die
Hangzhou Bucht und mit einer
Geschwindigkeit von 25-40
km/Std. Den Fluss hinauf; silberner Drache wird dieses eindrückliche, nicht ungefährliche
Naturschauspiel genannt.
Hangzhou war traditionell eine
Stadt des Tourismus, des Handels, des Tees und der Seide.
Noch heute berühmt sind die
Teeplantagen des Longjing
Cha, des Drachenbrunnentees.
In den letzten 20 Jahren haben
sich auch neue Industrien in
Hangzhou angesiedelt, so z. B.
Softwareunternehmen, Haus-
Huqinyutang Apotheke
Die Übersetzung von Werken
Schweizer Autoren auf
Chinesisch
Am 12. Januar 2012 fand die offizielle Präsentation der chinesischen Übersetzung von vier, in
einem Schuber gefassten Werken Max Frischs statt, Bin oder
Die Reise nach Peking, Der
Mensch erscheint im Holozän,
Montauk und Blaubart. Besonders die Ode an den nie aufhörenden Tessiner Regen, Der
Mensch erscheint im Holozän,
dürfte den Chinesen das Tessin
näher gebracht haben.
Am 7. Juni 2014 wurde eine
Sammlung von auf Chinesisch
übersetzten Gedichten Hermann Hesses, der während seiner Zeit in Montagnola (19191962) zahlreiche Texte dem
Tessin widmete, dem Publikum im Rahmen des Poestate,
des Festivals für Poesie im Hof
des Palazzo Civico an der Piazza Riforma in Lugano vorgestellt.
In Arbeit ist die Übersetzung
von Gedichten von Fabio Pusterla.
Altstadt von Hangzhou
haltgerätehersteller, Textilverarbeiter und Automobilzulieferer.
Hangzhou mit seinen fast 9 Millionen Einwohnern ist auch eine
typische boomende chinesische
Grossstadt, doch dieser kann
man, wenn man will, entfliehen,
durch die vom eindringlichen
Geruch des Stinktofus durchwehten Gassen der Altstadt flanieren, sich von der geheimnisvollen Atmosphäre der traditionellen Huqinyutang Apotheke
mit ihren Kräutern, Ginseng-
wurzeln, ihrem Museum mit
rätselhaften Präparaten vom Tigerknochen bis zum heute als
Heilmittel verbotenen Nashorn
verzaubern lassen oder sich in
der weitläufigen Anlage der
Akademie der Künste im Ortsteil Xiangshan ergehen. Hier ist
nach Plänen des Amateur Architecture Studio des Architektenpaares Wang Shu und Lu Wenyu
in den Jahren 2003/04 (Phase I)
und 2007 (Phase II) ein Campus
mit einer ganz eigenen Architektursprache entstanden, in-
dem die Architekten die Formensprache und das Material
der traditionellen chinesischen
Architektur in eine durchaus
zeitgenössische Sprache umsetzten. Als Besonderheit sei erwähnt, dass dabei oft das Baumaterial abgebrochener historischer Gebäude, wie Steine,
Backstein und Ziegel, wieder
verwendet werden und dass die
Gebäude in altbewährter chinesischer Tradition harmonisch
mit der Natur des Xiangshan
Tals in Einklang stehen.
Schüleraustausch
Lugano Hangzhou
Seit einigen Jahren findet regelmässig ein Schüleraustausch
zwischen dem Liceo di Lugano
1 und Gymnasiasten aus Hangzhou statt. Während einer Woche
leben die Jugendlichen in Gastfamilien, besuchen den Unterricht ihrer Kolleg/innen und
kommen in den Genuss eines
Veranstaltungsprogramms. Die
Schüler werden von Lehrern begleitet; für das Wohl der Tessiner in Hangzhou sorgt l’Ufficio
relazione internationale e territoriale.
Campus Xiangshan – Akademie der Künste
Die Zusammenarbeit
zwischen der Scuola
universitaria professionale
della Svizzera italiana
(SUPSI) und dem Institute of
Building Technology (IBT)
Zhejiang University
Hangzhou
Seit 2010 finden Workshops für
eine kleine Anzahl von Studenten der SUPSI und des IBT statt.
Die zehntägigen, von Theoriekursen begleiteten experimentellen Workshops widmen sich
vor allem Themen nachhaltiger
Architektur (erneuerbare Energie, umweltverträgliches Bauen).
Die Ausstellung Róng
2013 wurde im Museo delle
Culture die Ausstellung Róng,
bei der 13 Designer des Pinwu
Design Studios Hangzhou Werke zeigten, die ausschliesslich
aus Bambus hergestellt wurden.
Die faszinierenden, manchmal
fragil, immer sehr naturnah wirkenden Objekte sind Experimente, wie ein traditionelles
Material und traditionelle Techniken mit modernem Design
verbunden werden können. Eingebunden in die Ausstellung in
Lugano wurde ein Werk eines
Künstlers aus dem Maggiatal,
Les Océans du Ciel von François Lafranca, in dem er seinen
Kunstdrucken Worte des Philosophen und Dichters Zhuangzi
(365 v. Chr. Bis 290 v. Chr.) beigesellte und mit Zhuangzis Erkenntnis der Sprachlosigkeit als
höchstes Ziel soll auch unser
Text verstummen:
Himmel und Erde entstehen mit
mir zugleich, und alle Dinge
sind mit mir eins. Da sie nun
Eins sind, kann es nicht noch
ausserdem ein Wort dafür geben; da sie aber andererseits
als Eins bezeichnet werden, so
muss es noch ausserdem ein
Wort dafür geben. Das Eine und
das Wort sind zwei; zwei und
eins sind drei. Von da kann man
fortmachen, dass auch der geschickteste Rechner nicht folgen
kann, wieviel weniger die Masse der Menschen! Wenn man
nun schon vom Nicht-Sein aus
das Sein erreicht bis zu drei,
wohin kommt man dann erst,
wenn man vom Sein aus das
Sein erreichen will! Man erreicht nichts damit. Darum genug davon!
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