Er war in einem umfassenderen Sinne als jemals ein Musiker

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»Er war in einem umfassenderen
Sinne als jemals ein Musiker
vor ihm und nach Mozart ein
Vollblut-Musiker, der sich jedem
anderen Interesse im Leben
verschloss.«
Cecil Gray in seinen Memoiren „Musical Chairs“ über Béla Bartók
B10: Do, 26.05.2011, 20 Uhr | A10: So, 29.05.2011, 11 Uhr | Hamburg, Laeiszhalle
L8: Fr, 27.05.2011, 19.30 Uhr | Lübeck, Musik- und Kongresshalle
Esa-Pekka Salonen Dirigent | David Fray Klavier
Béla Bartók Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta
Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für Klavier und Orchester d-Moll KV 466
Béla Bartók Konzert für Orchester
DAS ORCHESTER DER ELBPHILHARMONIE
N D R S I N F O N I EO RC H E S T E R
Das Konzert am 29.05.2011 wird live
auf NDR Kultur gesendet
Donnerstag, 26. Mai 2011, 20 Uhr
Sonntag, 29. Mai 2011, 11 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle, Großer Saal
Freitag, 27. Mai 2011, 19.30 Uhr
Lübeck, Musik- und Kongresshalle
Dirigent:
Solist:
Esa-Pekka Salonen
David Fray Klavier
Béla Bartók
(1881 – 1945)
Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta
(1936)
I. Andante tranquillo
II. Allegro
III. Adagio
IV. Allegro molto
Wolfgang Amadeus Mozart
(1756 – 1791)
Konzert für Klavier und Orchester d-Moll KV 466
(1785)
I. Allegro
II. Romanze
III. Rondo (Allegro assai)
Pause
Béla Bartók
Konzert für Orchester
(1943)
I. Introduzione (Andante non troppo – Allegro vivace)
II. Giuoco delle coppie (Allegretto scherzando)
III. Elegia (Andante non troppo)
IV. Intermezzo interrotto (Allegretto)
V. Finale (Pesante – Presto)
Einführungsveranstaltung mit Habakuk Traber am 26.05.2011 um 19 Uhr
in Studio E der Laeiszhalle.
Mit-Mach-Musik parallel zum Konzert am 29.05.2011 um 11 Uhr
in Studio E der Laeiszhalle.
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N D R S I N F O N I EO RC H E S T E R
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Esa-Pekka Salonen
David Fray
Dirigent
Klavier
Esa-Pekka Salonen – dieser Name steht nicht
nur für einen international gefeierten Dirigenten, sondern auch für einen Komponisten,
dessen Werke weltweit aufgeführt werden. In
Helsinki geboren, studierte Esa-Pekka Salonen
an der Sibelius-Akademie und später in Italien.
Sein Debüt als Dirigent gab er 1979 mit dem
Finnish Radio Symphony Orchestra. Von 1985
bis 1994 war Salonen Erster Gastdirigent des
Philharmonia Orchestra London und von 1985
bis 1995 Chefdirigent des Swedish Radio Symphony Orchestra. Von 1992 bis 2009 leitete er
als Music Director das Los Angeles Philharmonic und wurde 2009 mit dem Titel des Ehrendirigenten ausgezeichnet. Anlässlich seiner
17-jährigen Amtszeit ehrte ihn das Orchester
mit einer Reihe von Konzerten, inklusive der
Uraufführung seines Violinkonzertes. Seit September 2008 ist Salonen Principal Conductor
und Artistic Advisor des Philharmonia Orchestra
London. In seiner ersten Saison initiierte er das
Projekt „City of Dreams: Vienna 1900 – 1935“,
zu dessen Höhepunkten eine halbszenische
Aufführung von Alban Bergs Oper „Wozzeck“
im Oktober 2009 gehörte und das zugleich der
Startschuss für die erste gemeinsame Europatournee war. Die neue Saison 2010/11 eröffnete Salonen mit der halbszenischen Aufführung
von Wagners „Tristan und Isolde“, inszeniert von
Peter Sellars mit Videoprojektionen von Bill
Viola. Im Januar 2011 lief das Projekt „Infernal
Dance: Inside the World of Béla Bartók“ an,
bei dem sich Salonen und das Philharmonia
Orchestra dem Leben, Einfluss und der Musik
Bartóks widmen. Im September 2010 begann
Salonens dreijährige Residenz am Konzerthaus
Der französische Pianist David Fray gehört heute
zu den Top-Stars der jüngeren Generation.
„Klavierspiel auf höchstem Niveau“, urteilt „The
Guardian“, und „Spiegel Online“ lobt seinen
„singenden, tastenden und dennoch erzählerisch auftrumpfenden Klavierstil“ und bescheinigt ihm, „den aufregendsten Bach seit Jahrzehnten“ zu spielen. Über die Saison 2010/2011
hinweg trat Fray (der sich als Sohn einer
Deutsch-Lehrerin und eines Kant- und HegelForschers ausdrücklich zu seiner deutschen
„Prägung“ bekennt) auf einer ausgedehnten
Konzerttournee in vielen deutschen Städten auf.
Im Dezember 2010 erschien seine neueste CD
mit Klavierkonzerten von Mozart, deren Aufnahme auch auf DVD dokumentiert ist.
Dortmund. Unter dem Titel „Expedition Salonen“
wird er dort als Exklusivkünstler in mehreren
Konzerten und Veranstaltungen präsent sein.
Esa-Pekka Salonen ist bekannt für seine Interpretationen zeitgenössischer Musik und hat
zahlreiche Werke uraufgeführt, darunter die
Oper „Adriana Mater“ der finnischen Komponistin Kaija Saariaho. Auch Salonens umfangreiche Diskographie spiegelt eine intensive
Auseinandersetzung mit der Musik des 20. Jahrhunderts wider. Im September 2009 erschienen Schönbergs „Gurrelieder“ mit dem Philharmonia Orchestra auf CD. Salonens erste
gemeinsame Aufnahme mit dem Los Angeles
Philharmonic (Strawinskys „Sacre“) wurde
2007 für einen Grammy Award nominiert. Im
November 2008 erschien eine CD mit Salonens
Klavierkonzert sowie „Helix“ und „Dichotomie“,
die ebenfalls für den Grammy nominiert wurde.
Anfang 2010 erhielt David Fray den begehrten
französischen Musikpreis „Les Victoires de la
musique classique“ als „Instrumentalist des
Jahres“. In dieser Kategorie hatte ihn 2009 auch
die Deutsche Phono-Akademie mit einem
ECHO Klassik geehrt. Bereits im Vorjahr hatte
er einen ECHO für seine Aufsehen erregende
Bach/Boulez-CD in der Kategorie „Solistische
Einspielung Klavier – 20./21. Jahrhundert“ erhalten. Für dieses Album kürte ihn das renommierte BBC Music Magazine außerdem zum
„Newcomer of the Year“. Weitere Auszeichnungen sind u. a.: „Diploma of Outstanding Merit“
des internationalen Hamamatsu-Klavierwettbewerbs in Japan, „Nachwuchssolist des Jahres“
der „Commission des Radios Francophones“
in Montréal sowie „Nachwuchskünstler des
Jahres“ in Frankreich (2004).
David Fray, 1981 in Tarbes (einer Kleinstadt in
den Pyrenäen) geboren, begann im Alter von
vier Jahren mit dem Klavierspiel und beendigte
sein Studium später am renommierten Pariser
Conservatoire bei Jacques Rouvier. Zu seinen
Förderern zählten Pierre Boulez, Menahem
Pressler, Paul Badura-Skoda und Christoph
Eschenbach sowie Riccardo Muti, mit dessen
Tochter Fray verheiratet ist. Obwohl von Presse
und Publikum oft mit Glenn Gould verglichen –
vor allem wegen seiner seit frühester Kindheit
gehegten Vorliebe für Johann Sebastian Bach –
sieht David Fray sein Vorbild vor allem in
Wilhelm Kempff, dessen „perfekte Kombination
aus strukturellem Denken und purer Poesie“
ihn beeindruckt. Dementsprechend widmet
er sich vor allem dem Repertoire der großen
deutsch-österreichischen Musiktradition:
Bach, Mozart, Schubert, Haydn, Brahms und
Schumann.
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N D R S I N F O N I EO RC H E S T E R
Der Mozart des 20. Jahrhunderts
Zu den Werken von Béla Bartók und Wolfgang Amadeus Mozart
„Harte, beinahe schlagende fortes; pianos,
die nicht zart und behutsam waren, sondern
in einer einheitlichen Stimme sprachen; hartgesetzte, formal geschlossene Artikulationen.
Nirgendwo der Hang zu emotionaler Einfärbung
oder zu Sentimentalität. Niemals irgendeine
Affektiertheit oder Theatralik und noch weniger die Zurschaustellung von Virtuosität…“ –
dies sind allesamt treffende Attribute, um Béla
Bartóks musikalische Sprache einigermaßen
adäquat in Worte zu fassen. So könnte man
meinen. In Wahrheit jedoch handelt es sich hier
um die Beschreibung jener Mozart-Interpretation, die der Klavierlehrer Béla Bartók seinen
Schülern nahe brachte. „Durch Bartók lernten
wir einen neuen Mozart kennen – den richtigen“,
erinnerte sich die Pianistin Júlia Székely, die
von 1923 bis 1926 an der Budapester Musikakademie in Bartóks Klasse studierte. Und dann
folgt genau jene eingangs zitierte Passage.
Gleich, ob es sich dabei um die „richtige“ Art
Mozart zu spielen handelt oder nicht (beinahe
wirkt es so, als zähle Székely hier schon einige
Ideale der historischen Aufführungspraxis auf) –
dass Bartóks Auseinandersetzung mit Mozart
über eine bloße Liebhaberei hinaus ging, dürfte
bereits aus diesen wenigen Zeilen deutlich geworden sein. In der Tat war Mozart für Bartók
zeitlebens ein wichtiger Orientierungspunkt,
und zwar gleichermaßen für ihn als Interpreten,
Forscher und Pädagogen wie auch als Komponisten. Zu Lehrzwecken gab Bartók alle MozartSonaten in praktischen Noteneditionen heraus,
in Konzerten spielte er immer wieder Werke
Mozarts und nicht zufällig stand an jenem
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Béla Bartók und seine Frau Ditta Pasztory bei einem Auftritt
als Klavierduo (1938). Zu ihrem Repertoire gehörte auch
Mozarts Konzert für zwei Klaviere
Abend, als Bartók wehmütig von seiner ungarischen Heimat Abschied nahm, um das faschistische Land in Richtung Amerika zu verlassen, eine Komposition von Mozart auf dem
Programm: Gemeinsam mit seiner Frau Ditta
spielte er das Konzert für zwei Klaviere – und
viele Zeitzeugen erinnern sich an den unvergleichlich berührenden Eindruck, den dieses
Abschiedskonzert auf sie machte … Doch auch
für Bartóks kompositorisches Schaffen sollte
Mozart nicht ohne Einfluss bleiben. 1928
äußerte er sich darüber in einem Interview:
„In meinen neueren Werken verwende ich
mehr Kontrapunkt als früher. So vermeide ich
wieder die Formeln des 19. Jahrhunderts, die
vorwiegend homophoner Art waren. Ich studiere Mozart. Vereinigte er nicht in wunderbarer
Weise kontrapunktische und homophone Ideen
in einigen seiner langsamen Sätze und vor
allem in der ‚Jupiter-Symphonie’?“ Hört man
nun etwa die Streichquartette Bartóks oder
eben auch die beiden Werke des heutigen Konzertprogramms, so muss man konstatieren,
dass gerade diese Qualität auch die Musik
Bartóks auszeichnet: Polyphone Strenge in
imitatorischen, kanonischen oder fugenartigen
Strukturen, mithin das unbedingte Eigenleben
der Stimmen macht hier immer wieder solchen
Passagen Platz, in denen alle Instrumente gewissermaßen an einem Strang ziehen, in denen
sich eine (meist volkstümliche) Melodie über
dem rhythmischen Unterbau des Stimmensatzes führend ausbreiten darf.
Die Gelegenheit und Herausforderung zur Komposition eines größeren Werks war ihm also
durchaus willkommen. Mit Streichern allein
wollte sich der zeitlebens an neuen Klangkombinationen interessierte Komponist diesmal
jedoch nicht zufrieden geben. Was schließlich
entstand, war ein Stück für eine so ungewöhnliche Besetzung, dass kaum ein anderer Titel
als die umständliche, freilich sachlich zutreffende Beschreibung „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ in Frage kam.
Eine Summe aller bisherigen Werke:
Bartóks „Musik für Saiteninstrumente,
Schlagzeug und Celesta“
„Wir konnten damals noch nicht wissen, daß
uns ein wahres Meisterwerk geschenkt würde“,
resümierte Paul Sacher viele Jahre später.
Schon nach der überaus erfolgreichen Basler
Uraufführung im Januar 1937 unter Sachers
Leitung berichtete der Vertreter der Universal
Edition dem Verlag über das neue Werk: „Es
hat unter den Musikern (aller Richtungen und
aller Arten) eine Begeisterung entfacht, wie
ich sie lange nicht erlebt habe. Die Spannung
während der Aufführung war ungeheuer. Es
war einer der seltenen Fälle, daß auch die Antipoden von der Kraft dieser Äußerung restlos
hingerissen wurden.“ Und obwohl die „Musik“
heute nicht unbedingt zu den meistgespielten
Klassikern des Repertoires gehört, nimmt sie
doch zumindest im Bewusstsein vieler Musikkenner und -wissenschaftler den Rang eines
der repräsentativsten Orchesterwerke des
20. Jahrhunderts ein. Denn gilt Bartók ohnehin
als einer der bedeutendsten Vertreter jener
zwischen Tradition und Moderne vermittelnden
Stilrichtung, so erscheint insbesondere diese
„Musik“ noch einmal als Synthese seines
Die über Jahrhunderte entwickelten Traditionen
der Kompositionslehre mit den Errungenschaften der modernen Zeit zu verbinden – genau
diese ästhetische Ausrichtung der Musik Bartóks
musste auch dem berühmten Basler Mäzen
und Dirigenten Paul Sacher gefallen. Seinen
Kompositionsaufträgen hat das 20. Jahrhundert viele wichtige Werke zu verdanken und er
hat sich mit der Gründung der „Schola Cantorum Basiliensis“ ebenso sehr für die Alte Musik
eingesetzt. Im Jahr 1936 erreichte Béla Bartók
der Auftrag, für das Jubiläumskonzert zum
10-jährigen Bestehen des ebenfalls von Sacher
gegründeten Basler Kammerorchesters ein
neues Werk für Streichorchester zu komponieren. Damals hatte Bartók sich nach Vollendung
des 5. Streichquartetts zwei Jahre lang fast
ausschließlich seiner Arbeit als Volksliedforscher
an der Budapester Akademie der Wissenschaften sowie seiner Konzerttätigkeit gewidmet.
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Paul Sacher als Dirigent des von ihm gegründeten Basler
Kammerorchesters (Foto von 1931). Mit diesem Ensemble
brachte er auch Bartóks „Musik für Saiteninstrumente,
Schlagzeug und Celesta“ zur Uraufführung
Schaffens. Schon die Besetzung führt zwei
Arbeitsfelder Bartóks kongenial zusammen,
hatte er sich doch in den bedeutenden Streichquartetten schon lange mit den klanglichen
und technischen Möglichkeiten der Streichinstrumente auseinandergesetzt und stand
doch gerade das Schlagzeug für jene rhythmisch-perkussive Kraft ein, die Bartóks Musik
seit jeher ausmachte. In der „Musik“ konnte
er nun das in der Kombination beider Instrumentengattungen liegende Klangpotential voll
ausnutzen, dabei zahlreiche bereits in der Vergangenheit erprobte Effekte wie das Glissando
(in Streichern und Pauken) oder die unterschiedlichen Arten des Pizzicatos koppeln und
durch die doppelchörige Aufteilung des Streichorchesters (zwei Gruppen sitzen sich quasi
stereophonisch gegenüber) zusätzliche Raum8
wirkungen erzielen. Aber auch in formaler
Hinsicht fasste Bartók in der „Musik“ gewissermaßen die Strategien seiner bisherigen Werke
zusammen: Die vier Sätze präsentieren vier
unterschiedliche Formtypen (Fuge, SonatenForm, Brückenform, Rondo) und bilden zusammen doch einen geschlossenen Zyklus, indem
das motivische Material des 1. Satzes sich
durch alle übrigen Sätze zieht. Harmonisch ist
die „Musik“ zudem ein Paradebeispiel für die
spezifisch Bartóksche „erweiterte Tonalität“,
bei der feste tonale Zentren durch verschiedene
(z. B. aus der Volksmusik abgeleitete, so genannte „modale“) Tonleitern chromatisch aufgeweicht werden. Nicht zuletzt, so formulierte
es der mit dieser etwas übereifrigen Charakterisierung viel zitierte Bartók-Biograf Bence
Szabolcsi, „weist der Inhalt eine gewaltige
Skala auf, die sich von der Anfangsfuge über
eine unbändige Tanzphantasie und einen
‚nächtlichen Monolog’ bis zur hymnischen
Dithyrambe erstreckt und mit seinem Riesenbogen gleichsam das ‚Inferno’ des Zeitalters
und seinen Weg zum ‚Paradiso’ darstellt.“
Andere sahen in dem diatonisch (also nicht
chromatisch) verbreiterten, erlösenden Aufgriff
des Anfangsthemas am Ende des 4. Satzes
sogar eine „Verbrüderung der Völker“ und
wollten das Werk somit auch als politische
Äußerung Bartóks verstanden wissen, der in
dieser Zeit die faschistische Entwicklung seiner
Heimat mit zunehmender Sorge verfolgte …
Demgegenüber fällt Bartóks eigene Analyse
des Werks gewohnt nüchtern und neutral aus.
„Fugen-Art, streng durchgeführt“, heißt es da
klingen auch im 3. Satz vor dem Hintergrund
einer koloristisch reichen, geheimnisvoll-geisterhaften „Nachtmusik“ mit kühnen „Naturlauten“ aus Xylophon, Pauken-Glissandi und
Celesta-Girlanden. Schließlich scheint dieses
anfangs so streng und bedrückt daherkommende Fugenthema im volkstümlich-tänzerischen 4. Satz sein befreites Ziel erreicht zu
haben. Mit einer endgültigen, zweifelsfreien
Kadenz nach A-Dur schließt das Werk.
Das „leidenschaftlich erregte“
d-Moll-Konzert: Mozarts KV 466
Béla Bartók (Foto von 1936)
zum 1. Satz. In fast beispielloser konstruktiver
Disziplin basiert der ganze Satz in seiner anund abschwellenden Steigerungsform ausnahmslos auf jenem chromatisch kreisenden,
große innere Spannung bergenden Thema und
dessen Umkehrung. Eher konzertanten Charakter hat dagegen der rustikale, teils mechanischperkussive 2. Satz, der in seiner Durchführung
in unvergesslicher Klangfarbe (verschieden
ausgeführte Pizzicati der beiden Streichergruppen mischen sich mit dem Klang von
Klavier, Harfe und Xylophon) das Thema des
1. Satzes zitiert. Phrasen dieses Themas er-
Über Mozarts Klavierkonzerte kursiert in der
Literatur das enthusiastische Diktum des
Mozart-Forschers Alfred Einstein, sie seien
„die Krönung und der Gipfel seines instrumentalen Schaffens überhaupt.“ Tatsächlich widmete sich Mozart mit insgesamt 30 Werken
dieser Gattung überdurchschnittlich häufig,
was freilich auch damit zusammenhängt, dass
sie in enger Verbindung zu seinen öffentlichen
Auftritten als Pianist stehen. Zur Quantität tritt
jedoch die Qualität: Kaum eine andere Gattung
außer der Oper wurde von Mozart wohl so
maßstabsetzend vorangetrieben wie das Klavierkonzert. Fungierten auch seine Werke zunächst noch entsprechend der Konvention als
Gesellschaftsmusik und waren sie laut Mozart
daher „angenehm in die Ohren; zwischen zu
schwer und zu leicht“, so bedeutet spätestens
das Konzert d-Moll KV 466 vom Februar 1785
einen neuen Schritt: Das differenzierte Verhältnis von Klaviersatz und Orchesterklang
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Mozart spielt für seine Wiener Freunde Klavier
(Schabkunstblatt von Alfred Cornilliet nach einem Gemälde
von Edouard Hamman)
(vor allem die Bedeutung der Holzbläser), der
sinfonische Anspruch, der die barocke RitornellForm bisweilen vergessen macht, und nicht
zuletzt der subjektive Ausdrucksgehalt markieren die wesentlichen Errungenschaften der
„großen Wiener Konzerte“ Mozarts. Im d-MollKonzert kommt nun jener mythisch-dämonische Tonfall hinzu, der auf die in gleicher Tonart stehende Todes-Sphäre der späteren „Don
Giovanni“-Oper vorausweist und dank dem das
Werk seit dem 19. Jahrhundert zu den meistaufgeführten Klavierkonzerten Mozarts gehört.
Schon Vater Leopold Mozart, der es auf seinem
Wien-Besuch in einem der Auftritte seines
Sohnes hörte, sprach vom „leidenschaftlich
erregten“ d-Moll-Konzert.
So bietet der Beginn des 1. Satzes kein gewohnt melodisches Thema, sondern eine
düstere, sich steigernde Klangfläche, die eine
unheimliche Spannung durch Synkopen und
drohendes „Anrollen“ der Bässe erhält. Das
Klavier setzt dann deklamatorisch mit einem
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ganz neuen und nur ihm vorbehaltenen Thema
ein: Der Auftritt eines dem Orchester ebenbürtigen Partners. Brach der 1. Satz in seiner
Ausdruckswelt und formalen Anlage also mit
den Hörerwartungen des damaligen Publikums,
so erfüllt der 2. Satz alle Merkmale einer typischen Rondo-artigen Romanze mit natürlicher
Melodie im Refrain und „unmerklicher Steigerung der Anteilnahme“ (J. J. Rousseau) durch
die Zwischenspiele. Tatsächlich lässt die
charakterlich an den 1. Satz anknüpfende,
dramatisch-tragische Mollwendung im 2. Zwischenspiel den abwechselnd von Klavier und
Orchester vorgetragenen Refrain anschließend
umso bewegender erscheinen. Im 3. Satz wird
die an dieser Stelle erwartete Rondoform stark
modifiziert. Dem vielschichtigen „Refrain“,
der nicht nur aus seinem erregt auffahrenden
Kopfmotiv besteht, tritt später ein heiteres
Schlussthema entgegen, das die in der letzten
Klavierkadenz noch einmal bekräftigte MollSphäre am Ende endgültig verdrängt.
Lebensbejahung in düsterer Zeit:
Bartóks „Konzert für Orchester“
Das Jahr 1943 sah für den aus seiner ungarischen Heimat emigrierten Béla Bartók alles
andere als rosig aus: Die Hoffnungen, in den
USA eine neue, von allen Zwängen befreite
Existenz aufbauen zu können, hatten sich in
den gut zwei Jahren, die er dort nun lebte,
kaum erfüllt. Weder um die Finanzen noch
um die Gesundheit war es gut bestellt, ja,
die ratlosen Ärzte konnten ihm schon nichts
Besseres mehr versprechen, als dass er vielleicht nur noch wenige Wochen zu leben habe.
Da kam auf einmal überraschende Hilfe: Es war
Serge Koussevitzky, der berühmte Dirigent des
Boston Symphony Orchestra und Initiator so
einiger Klassiker des 20. Jahrhunderts, der bei
Bartók ein Werk für Orchester in Auftrag gab,
auch wenn er damit rechnen musste, dass es
niemals vollendet werden würde. Der Gedanke
an jenen Mythos um Mozart, dessen Requiem
im Zuge eines solchen Auftrags kurz vor Tod
unvollendet geblieben war, lag schon nahe, als
Bartók plötzlich vom kreativen Eifer gepackt
wurde: In nur 54 Tagen komponierte er sein
„Konzert für Orchester“ und im Dezember 1944
konnte Koussevitzky die Uraufführung dieses
Werks bestreiten, das er sogleich für das beste
Orchesterwerk seit 25 Jahren hielt. Tatsächlich
war Bartók trotz (oder gerade wegen?) seiner
erschütternden Lebenssituation noch einmal
ein wahres Meisterwerk gelungen, ein Stück vor
allem, dem man in seiner lebensbejahenden,
optimistischen Haltung zum Schluss wenig vom
Leid seines Komponisten anmerkt. Ja, ein Stück
sogar, in dem Bartók scheinbar Abstand nahm
von den intellektuellen, sich unzugänglich gebenden Hauptwerken früherer Jahre, die bei
der europäischen Avantgarde zwar stets Hochachtung genossen hatten, beim Publikum (und
zumal in Amerika) jedoch auf wenig Zuneigung
gestoßen waren. Umgehend regte sich daher
im Lager der von Schönbergs „Wiener Schule“
überzeugten Fortschrittler (namentlich in einem
viel beachteten Aufsatz von René Leibowitz)
Argwohn, Bartók gehe neuerdings einen
„Kompromiss“ mit dem Publikum ein …
Der Dirigent Serge Koussevitzky, Auftraggeber von Bartóks
„Konzert für Orchester“
Solche Kritik jedoch verkannte gerade die
größte Stärke des Werks: Als perfekte Synthese
nämlich verschmilzt es Popularität mit einer
Kompositionstechnik, die allen Ansprüchen
moderner Kunstmusik gerecht wird. Weder gab
Bartók seine durch Dissonanzen geschärfte,
zeitgemäße Tonsprache auf, noch ließ er sein
originellstes Markenzeichen, die Transformierung osteuropäischer Folklore in die westliche
Kunstmusik, hinter sich (gerade noch hatte er
an einer wissenschaftlichen Studie über Volkslieder Jugoslawiens und Rumäniens gearbeitet,
die auf das „Konzert für Orchester“ nicht ohne
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N D R S I N F O N I EO RC H E S T E R
Einfluss blieben). Und auch für ihn typische
konstruktive Verfahren wie etwa die Konzentration auf bestimmte Intervalle und Tonreihen
oder bogenförmige Strukturen (mit der als
Zentrum von zwei heiteren Intermezzi und zwei
Sonatensätzen eingerahmten „Elegia“) finden
sich hier wieder. Doch das Konzept des Werkes,
laut Bartók ein „Symphonie-ähnliches Orchesterwerk“ mit der „Tendenz zur ‚konzertanten’
oder solistischen Behandlung der einzelnen
Instrumente oder Instrumentengruppen“,
knüpft wie nie zuvor bei Bartók an traditionelle
Formen (Sinfonie und Concerto grosso) an und
erweist damit nicht zuletzt der „Neoklassik“
eine späte Reverenz.
Der 1. Satz eröffnet mit einer leisen Introduktion, die in den tiefen Streichern das aus der
ungarischen Volksmusik abgelauschte Tonmaterial des Werks vorstellt. In einer großen
Beschleunigung ist bereits das Kopfmotiv des
daraufhin einsetzenden Sonatensatzthemas
enthalten. Wichtiger für den weiteren Verlauf
wird jedoch das von der Posaune vorgetragene
Zwischenthema, das dem mit seinen Oboenund Harfenklängen „ländlich“ daherkommenden
Seitenthema vorangestellt ist. Am Ende der
Durchführung tritt das Blech als quasi konzertante Gruppe auf, indem es das Posaunenmotiv
im Fugato entwickelt. Die Reprise ist dann –
um die Bogenform zu wahren – in umgekehrter
Reihenfolge angeordnet, d. h. wir hören zunächst den „ländlichen“ Seitensatzkomplex und
dann eine kurze Wiederkehr des Hauptthemas.
also, dass er nicht nur mit dem Material der
Introduktion zum 1. Satz anhebt, sondern auch
am ehesten auf die tragischen Entstehungsumstände des Werks hinzuweisen scheint.
Die geheimnisvollen Bläsereinwürfe erzeugen –
man erinnert sich an die „Musik“ – abermals
den Charakter eines Nachtstücks. Pathetischschmerzvoll, von erschütternden Paukenschlägen begleitet, erklingt plötzlich ein Zitat des
2. Themas der „Introduzione“. Wie eine Auflehnung gegen das Schicksal wirkt auch die
anschließende, zentrale Passage, deren fast
„sprechende“ Gesten der Streicher und Holzbläser an rumänische Trauergesänge erinnern.
Béla Bartók (Foto um 1940)
Von dalmatinischem Paargesang beeinflusst
zeigt sich der 2. Satz, der – seinem Titel „Spiel
der Paare“ und der konzertanten Idee entsprechend – fünf durch unterschiedliche Intervallkonstellationen geprägte Instrumentenduette
(Fagotte, Oboen, Klarinetten, Flöten und gedämpfte Trompeten) aufeinander folgen lässt.
Den Mittelteil bildet ein von Trommelrhythmen
begleiteter Blechbläserchoral – als ob die Paare
sich auf einmal in der Kirche eingefunden
hätten.
Die Komposition des 3. Satzes hatte Bartók
als erstes in Angriff genommen – kein Wunder
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Gänzlich heiter gibt sich dagegen der 4. Satz:
Einem merkwürdig phrasierten Oboenthema
folgt hier zunächst eine elegische, überraschend
konventionelle Bratschen-Melodie, die wie ein
Fremdkörper von alten Zeiten zu singen scheint.
Tatsächlich knüpft Bartók hier wohl an einen
Operetten-Hit an, der einer ungarischen Bewegung einst als musikalischer Slogan diente.
Noch so einen Operetten-Hit, nun jedoch in
zweifelhaftem Gewand, gibt es hierauf zu hören:
Die im Titel angekündigte „Unterbrechung“
nähert sich als eine Art beschleunigter Jahrmarkts-Walzer und steigert sich zur OrchesterFarce. Unter den Klängen kichernder Trompeten und ordinärer Posaunen-Glissandi wird
Léhars „Da geh’ ich zu Maxim“ verunstaltet –
für Bartók allerdings wohl mit ganz anderer
Bedeutung: Im Juli 1942 hatte er im Radio
Schostakowitschs 7. Sinfonie („Leningrader“)
hören können und sich über die nahezu endlosen Wiederholungen genau dieser Melodie
in deren 1. Satz irritiert gezeigt. Der respektlose Umgang mit jenem Zitat in seinem „Konzert
für Orchester“ kann also durchaus als originelle
Form der Kollegen-Kritik verstanden werden.
Bogenförmig kehren daraufhin das Bratschenund Oboenthema wieder, als ob nichts gewesen wäre.
Eine Eingangsfanfare der Hörner leitet den
5. Satz ein, dessen erste Themengruppe ein
einziges rhythmisch pulsierendes „Perpetuum
mobile“ aus chaotischen Tanzmotiven ist. Dass
Bartók von seiner neuen amerikanischen Heimat nicht unbeeinflusst blieb, zeigt die Schlussgruppe der Exposition: Über einem anfangs
noch aus osteuropäischer Folklore erklärbarem
Ostinato sticht bald die Trompete glänzend mit
einem neuen Thema heraus, während sich der
synkopische Rhythmus immer fester eingräbt –
wer dächte hier nicht an Jazz, zumindest an die
amerikanische Musik eines Aaron Copland?
Ein Paukenglissando leitet in die Durchführung,
die mit einer Fuge aus dem Trompeten-Thema
ansetzt, das hier mit Schleifern der Streicher
zusätzlich „verjazzt“ wird. Schließlich ist in der
Coda, wenn das Fugenthema nun im kräftigen
Blechbläsersatz aufgegriffen wird, George
Gershwins Orchesterklang nicht fern. Mit einem
raffinierten Schlusseffekt entlässt das Werk
die Hörer aus dem Konzert, die hier – wie es
Bartók selbst sagte – eine Reise von der „Strenge“ des 1. Satzes, über den „düsteren Todesgesang“ des 3. Satzes bis zur „Lebensbejahung“
des Finales hinter sich haben.
Julius Heile
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Das NDR Sinfonieorchester
Konzertvorschau
Saison 2010 / 2011
1. VIOLINEN
KONTRABASS
POSAUNE
Roland Greutter**, Stefan Wagner**, Florin
Paul**, N.N.*, Ruxandra Klein*, Marietta
Kratz-Peschke*, Brigitte Lang*, Lawrence
Braunstein, Dagmar Ferle, Malte Heutling,
Sophie Arbenz-Braunstein, Radboud Oomens,
Katrin Scheitzbach, Alexandra Psareva, Bettina
Lenz, Razvan Aliman, Barbara Gruszczynska,
Motomi Ishikawa, Sono Tokuda, Liudmila
Minnibaewa, N.N.
Ekkehard Beringer**, Michael Rieber**,
Katharina C. Bunners-Goll*, Jens Bomhardt*,
Karl-Helmut von Ahn, Eckardt Hemkemeier,
Peter Schmidt, Volker Donandt, Tino Steffen
Stefan Geiger**, Simone Candotto**,
Joachim Preu, Peter Dreßel, Uwe Leonbacher
(Bassposaune)
TUBA
FLÖTE
Markus Hötzel**
Wolfgang Ritter**, Matthias Perl**,
Hans-Udo Heinzmann, Daniel Tomann,
Jürgen Franz (Piccolo)
HARFE
2. VIOLINEN
OBOE
PAUKE
Rodrigo Reichel**, Christine-Maria Miesen**,
Stefan Pintev*, N.N.*, Rainer Christiansen,
Regine Borchert, Felicitas Mathé-Mix,
Hans-Christoph Sauer, Theresa Micke, Boris
Bachmann, Juliane Laakmann, Frauke
Kuhlmann, Raluca Stancel, Yihua Jin,
Silvia Offen, N.N.
Paulus van der Merwe**, Kalev Kuljus**,
Malte Lammers, Beate Aanderud, Björn Vestre
(Englisch Horn)
Stephan Cürlis**, Johann Seuthe**
Ludmila Muster**
SCHLAGZEUG
Thomas Schwarz, Jesús Porta Varela
KLARINETTE
Nothart Müller**, Gaspare Buonomano**,
Walter Hermann, N.N. (Es-Klarinette),
Renate Rusche-Staudinger (Bassklarinette)
ORCHESTERWARTE
FAGOTT
VORSTAND
Thomas Starke**, Audun Halvorsen**,
Sonja Bieselt, N.N., Björn Groth (Kontrafagott)
Boris Bachmann, Hans-Udo Heinzmann,
Jens Plücker
VIOLONCELLO
Christopher Franzius**, N.N.**, Yuri-Charlotte
Christiansen**, Dieter Göltl*, Vytautas
Sondeckis*, Thomas Koch, Michael Katzenmaier,
Christof Groth, Bettina Barbara Bertsch,
Christoph Rocholl, Fabian Diederichs,
Katharina Kühl
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Di, 31.05.2011 | 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio
BAROCK!
Gottfried von der Goltz Violine und Leitung
NDR Barockensemble:
Kathrin Scheitzbach, Motomi Ishikawa,
Yihua Jin, Boris Bachmann, Bettina Lenz
Violine
Aline Saniter, Jan Larsen Viola
Vytautas Sondeckis, Fabian Diederichs
Violoncello
Volker Donandt Kontrabass
Torsten Johann Cembalo
Werke von
Pietro Locatelli, Giuseppe Tartini,
Georg Muffat, Arcangelo Corelli
Wolfgang Preiß (Inspizient), Matthias Pachan,
Walter Finke, Johannes Oder
VIOLA
Marius Nichiteanu**, Jan Larsen**, Jacob
Zeijl**, Gerhard Sibbing*, Erik Wenbo Xu*,
Klaus-Dieter Dassow, Roswitha Lechtenbrink,
Rainer Lechtenbrink, Thomas Oepen, Ion-Petre
Teodorescu, Aline Saniter, Torsten Frank,
Anne Thormann, N.N.
KAMMERKONZERT
NDR FAMILIENKONZERT
HORN
Claudia Strenkert**, Jens Plücker**, Tobias
Heimann, Volker Schmitz, Dave Claessen*,
Marcel Sobol, N.N.
TROMPETE
Jeroen Berwaerts**, Guillaume Couloumy**,
Bernhard Läubin, Stephan Graf, Constantin
Ribbentrop
**Konzertmeister und Stimmführer
*Stellvertreter
Sa, 18.06.2011 | 14.30 + 16.30 Uhr
So, 19.06.2011 | 14.30 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio
DIE GEKLAUTEN SCHLÜSSEL
NDR Bigband
Henning Venske Text
Dieter Glawischnig Komposition, Arrangement
und Leitung
ab 7 Jahre
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N D R S I N F O N I EO RC H E S T E R
Konzerttipp
Die ersten Abokonzerte der neuen Saison
Opening Night mit Thomas Hengelbrock
„Anything goes“ – das ist das Motto, mit dem
sich Thomas Hengelbrock in einem Sonderkonzert zur Saisoneröffnung dem Hamburger
Publikum als neuer Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters vorstellt. Nichts ist unmöglich!
Und so wird der Bogen in dieser Opening Night
auch gleich über drei Jahrhunderte Musikgeschichte gespannt: Zum Auftakt erklingt
Festlich-Barockes aus dem 18. Jahrhundert,
als Hamburg mit seiner berühmten Oper am
Gänsemarkt bereits weit über die Stadtgrenzen
strahlte. Georg Friedrich Händel komponierte
hier seine erste große Oper „Almira“ (aus der
eine Suite auf dem Programm steht) und Georg
Philipp Telemann wirkte hier lange Jahre als
Leiter der Oper, Kantor und Musikdirektor;
später folgte ihm der „Hamburger Bach“ Carl
Philipp Emanuel auf diesem Posten. Nach
Werken dieser drei Komponisten steht im
Mittelpunkt des Eröffnungsprogramms sodann
mit Beethovens „Eroica“ das wohl bedeutendste Aufbruchs- und Revolutionsstück in der
Musik des 19. Jahrhunderts. Zum Abschluss
des Abends aber geht es von Hamburg über
den Atlantik nach New York. Auf dem Broadway
der 30er Jahre trifft der wild-jazzige George
Gershwin auf die frechste Gesellschaftssatire,
die New York bis dato gesehen hatte: Cole
Porters Musical „Anything goes“, das 1934
zum talk of the town und einem der größten
Kassenschlager aller Zeiten wurde.
NDR SINFONIEORCHESTER
B1 | Do, 15.09.2011 | 20 Uhr
A1 | So, 18.09.2011 | 11 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle
Thomas Hengelbrock Dirigent
Sonya Yoncheva Sopran
Anna Stephany Mezzosopran
Werner Güra Tenor
Dimitry Ivashchenko Bass
NDR Chor
Michael Haydn
Missa quadragesimalis
Anton Bruckner
Requiem d-Moll
Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 6 A-Dur
15.09.2011 | 19 Uhr
18.09.2011 | 10 Uhr
Einführungsveranstaltungen mit
Thomas Hengelbrock
Thomas Hengelbrock
Fr, 09.09.2011 | 18.30 Uhr bis ca. 22.30 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle
ANYTHING GOES
Thomas Hengelbrock Dirigent
Camilla Tilling Sopran
Werke von
Carl Philipp Emanuel Bach
Georg Philipp Telemann
Georg Friedrich Händel
Ludwig van Beethoven
George Gershwin
Cole Porter
C1 | Do, 13.10.2011 | 20 Uhr
D1 | Fr, 14.10.2011 | 20 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle
Thomas Hengelbrock Dirigent
Johannette Zomer Sopran
Maximilian Schmitt Tenor
Thomas E. Bauer Bariton
NDR Chor
Johann Sebastian Bach
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“ –
Kantate BWV 140
„Gloria in excelsis deo“ –
Kantate BWV 19
Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
13.10.2011 | 19 Uhr
14.10.2011 | 19 Uhr
Einführungsveranstaltungen mit
Thomas Hengelbrock
L1 | Sa, 29.10.2011 | 19.30 Uhr
Lübeck, Musik- und Kongresshalle
Thomas Hengelbrock Dirigent
Alice Sara Ott Klavier
Gioacchino Rossini
Ouvertüre zu „Guillaume Tell“
Maurice Ravel
Klavierkonzert G-Dur
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55
„Eroica“
Karten im NDR Ticketshop im Levantehaus,
Tel. 0180 – 1 78 79 80 (bundesweit zum Ortstarif,
maximal 42 Cent pro Minute aus dem Mobilfunknetz),
online unter www.ndrticketshop.de
ndr.sinfonieorchester.de
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Impressum
Saison 2010 / 2011
Herausgegeben vom
NORDDEUTSCHEN RUNDFUNK
PROGRAMMDIREKTION HÖRFUNK
BEREICH ORCHESTER UND CHOR
Leitung: Rolf Beck
Redaktion Sinfonieorchester:
Achim Dobschall
Redaktion des Programmheftes:
Julius Heile
Der Einführungstext von Julius Heile
ist ein Originalbeitrag für den NDR.
Fotos:
Nico Södling (S. 4)
Sumiyo Ida (S. 5)
akg-images | De Agostini Picture Lib. (S. 6)
culture-images | Lebrecht (S. 7)
culture-images | Lebrecht (S. 08)
akg-images (S. 9)
culture-images | Lebrecht (S. 11)
akg-images (S. 12)
Philipp von Hessen | NDR (S. 16)
NDR | Markendesign
Gestaltung: Klasse 3b, Hamburg
Litho: Otterbach Medien
Druck: Nehr & Co. GmbH
Nachdruck, auch auszugsweise,
nur mit Genehmigung des NDR gestattet.
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