1 Vortrag im RC Wiesbaden am 26.07.2005 v. H.O.Geißler: Rotary

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Vortrag im RC Wiesbaden am 26.07.2005 v. H.O.Geißler:
Rotary und die Moral
Vorbemerkung: Meinen Vortrag möchte ich unserem Freund Hans Franzen widmen, der mich
seit mehr als 20 Jahren in das Gespräch über die Fragen der Max Weberschen Ethik gezogen
hat, wobei ich ihn oft auf später vertrösten musste. Dies ist jetzt eine Reaktion, die sich seiner
Fragestellung nach Gesinnungs- und Verantwortungsethik verdankt, wenn auch diese nicht
beantwortet.
1. Einleitung:
Vor drei Wochen befand ich mich in London, als die Terroristen die ersten Attentate in den
U-Bahnen und auf den Bus verübten, bei denen 56 Menschen starben. Da alle Bewohner
Londons durch die Polizei über das Fernsehen gebeten wurden, zu bleiben, wo sie sich
befanden, verfolgten wir die Vorgänge am Fernsehschirm. Was mich aufmerken ließ, waren
die Ansprachen zunächst von Tony Blair. Er brachte seine Betroffenheit sichtbar und hörbar
zum Ausdruck, schwor aber dann nicht Rache und Vergeltung, sondern beschwor vielmehr
die Gemeinschaft der Briten, die sich durch solche Taten nicht ihren Lebensstil und ihre
Überzeugungen nehmen lassen würden. Man fühlte sich erinnert an die Reden Churchills in
der Zeit der deutschen Bombenangriffe auf London und andere englische Städte. Genauso wie
Blair jetzt hatte Churchill damals gesprochen. Deshalb war ich auch nicht überrascht, als aus
dem Munde der Queen am nächsten Tag das Gleiche zu hören war.
In Gedanken war ich schon beschäftigt mit meinem Thema über die Moral bei Rotary.
Deshalb fiel mir auf, dass hier die „Moral“ der Briten beschworen wurde. Also, so folgerte
ich, ist das nicht nur eine Sache des moralischen Verhaltens, wie in der 4-Fragen-Probe
ausgedrückt, sondern darüber hinaus noch eine viel grundlegendere Frage, nämlich eine Frage
nach dem „Geist“ Rotarys in dem Sinne: Was hält Rotary zusammen?
Zu Hause nahm ich das Fremdwörterbuch des Schüler-Dudens (21984) zur Hand, schlug das
Stichwort Moral nach und fand Folgendes unter Moral: „1. System von auf Tradition,
Gesellschaftsform, Religion beruhenden sittlichen Grundsätzen und Normen, das zu einem
bestimmten Zeitpunkt das zwischenmenschliche Verhalten reguliert. 2. Sittenlehre,
philosophische Lehre von der Sittlichkeit. 3. das sittliche Verhalten eines einzelnen oder einer
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Gruppe.
4. Bereitschaft, sich einzusetzen, Kampfgeist. 5.(ohne Plural) lehrreiche
Nutzanwendung.“ Da stand es ausdrücklich: Bereitschaft sich einzusetzen, Kampfgeist. Doch
zugleich fielen mir noch zwei weitere Punkte in der Definition auf: a) dass die Regeln für das
menschliche Verhalten „zu einem bestimmten Zeitpunkt“ wirksam sind, also keineswegs ewig
gültig sind, und b) dass man unter Moral das sittliche Verhalten von Gruppen oder auch von
Einzelnen verstehen kann. Dies machte mich schwankend, ob ich bei meinem Thema „Rotary
und die Moral“ bleiben sollte oder nicht besser zu formulieren hätte: „Rotary und seine
Moral“. Ich habe mich dann doch entschieden, bei der ersten Formulierung zubleiben. Sie
werden am Schluss verstehen, warum.
Ich wende mich der ersten Frage nach der Moral Rotarys zu.
2. Was hält Rotary zusammen? Der „Geist“ Rotarys.
Die Formulierung aus dem Schüler-Duden lässt bereits keine Unsicherheit zu. Dort war die
Rede von der „Bereitschaft sich einzusetzen“. In rotarischer Begrifflichkeit heißt dies:
Dienstbereitschaft – „Service above Self“ – selbstlose Dienstbereitschaft. Das ist der „Geist“
Rotarys, der die weltweite Gemeinschaft zusammenhält. Dieser Moral sind alle anderen
Verhaltensregeln zugeordnet.
So lautet das Ziel Rotarys (Object of Rotary) offiziell: “Das Ziel Rotarys ist
Dienstbereitschaft im täglichen Leben.“ Englisch: „The object of Rotary is to encourage and
foster the ideal of service as a basis of worthy enterprise“, wörtlich übersetzt etwa: „Das Ziel
Rotarys ist es, zum Ideal des Dienens zu ermutigen und es zu fördern als die Grundlage für
lohnendes Engagement.“
Ich denke, es ist schon hier deutlich, dass es bei diesem „service“ keineswegs um soziale
Unternehmungen in der Freizeit geht. Gemeint ist vielmehr, dass gerade der Beruf der Ort
sein soll, an dem Rotarier das Ideal des Dienens verwirklichen. Die vier Punkte, die das Ziel
Rotarys näher umschreiben, entfalten dies. Leider ist es in der deutschen Fassung nicht so
deutlich wie im Englischen. Der 2. Punkt heißt aus dem Englischen übersetzt: „Rotary will
den Geist des Dienens ermutigen und festigen durch hohe ethische Grundsätze in Beruf und
im Geschäftsleben, zugleich damit die Anerkennung des Wertes jeder nützlichen Tätigkeit für
die Gemeinschaft und die Auszeichnung der Tätigkeit eines jeden Rotariers als eine
Gelegenheit zu dienen (oder: sich verdient zu machen).“
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Dasselbe wird unterstrichen durch den nächsten, den 3. Satz: Ziel von Rotary ist „die
Anwendung des Ideals des Dienens im persönlichen, geschäftlichen und öffentlichen Leben
eines
jeden
Rotariers“ – in unserer offiziellen Übersetzung: „F ö r d e r u n g
verantwortungsbewusster privater, geschäftlicher und öffentlicher Betätigung aller Rotarier“.
Es ist klar: Rotary ist eine Vereinigung berufstätiger und öffentlich wirksamer Menschen,
kein Club von Oldies, die ihre Dienstbereitschaft mehr oder weniger nur mit dem Scheckbuch
zum Ausdruck bringen, so wichtig dies ja auch ist. Ein Erlebnis: Als Präsident war mir zu
Ohren gekommen, dass ein verehrtes Clubmitglied, langjähriger Fabrikleiter einer Firma am
Rhein und häufig auch Verfasser geistvoller Beiträge bei rotarischen Festen, sich mit dem
Gedanken trug, aus dem Club auszutreten. Ich machte ihm einen Besuch, hörte seine Gründe
an: er war schwerhörig, bekam in Meetings nur noch wenig mit und fühlte sich als Belastung
für die anderen, vor allem aber erklärte er, er könne das Clubleben nicht mehr bereichern und
kein nützlicher Rotarier mehr sein. Zwar gelang es mir, ihn vom Austritt abzuhalten, aber er
zögerte ihn nur hinaus, bis mein Präsidentenjahr vorüber war. Später habe ich nichts mehr
über ihn erfahren weder über sein Ergehen noch über seinen Tod. Beim Nachdenken über
mein heutiges Thema kamen mir Zweifel, ob mein gut gemeinter Versuch richtig war, einen
Rotarier der alten Schule bei uns festhalten zu wollen. Das aber hängt zugleich mit dem
Thema zusammen, das als nächstes zu bedenken ist: das Thema Freundschaft.
In den deutschen Fassungen der offiziellen Formulierungen kommt das Wort Freundschaft
mehrfach vor. Nicht so in den englischen Texten. Dort gebraucht nur die 4-Fragenprobe das
Wort friendship in der 3. Frage und zwar im Plural: „Will it build goodwill and better
friendships?“ Also: „Wird mein Verhalten eine positive Atmosphäre – eigentlich: Wohlwollen
- und bessere Freundschaften schaffen?“ Es scheint so, als gelte die Hoffnung hier gar nicht
meiner Freundschaft mit meinen Partnern, sondern den Verhältnissen meiner Partner
untereinander und in diesem Rahmen auch mit mir. Es geht also um eine allgemein
freundliche und freundschaftliche Atmosphäre, die durch mein Verhalten befördert werden
soll. Hängt nicht damit zusammen, dass englische Rotarier wünschen, dass sich auch die
deutschen duzen? (Für uns hat das eher den Ruch des Kumpelhaften.) Im deutschen Text
klingt das sehr anders: „Wird es (mein Verhalten) Freundschaft und guten Willen bewirken?“
Bei dem gewichtigen Wort Freundschaft in der Einzahl denken wir an wirkliche, dauerhafte
Freundschaft, eine Verbindung des tieferen Verstehens und der Zuneigung. Freund Hecht hat
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uns neulich darauf aufmerksam gemacht, dass die rotarischen Freundschaften jedenfalls in
Amerika nicht diese Qualität besitzen. Die rotarische Struktur ist auf die mobile Gesellschaft
zugeschnitten, in der es eine Hilfe bedeutet, an einem neuen Ort rasch neue positive
Verbindungen zu knüpfen, die sich dann aber auch wieder lösen bei einem erneuten
Ortswechsel. Wir bezeichnen solche Beziehungen leicht als „oberflächlich“, vielleicht nicht
ganz zu Unrecht. Dem rotarischen Gedanken kommt es allerdings tatsächlich nicht auf die
Innenbindung an, sondern auf die Wirkung, die durch die Rotarier in ihrem gesellschaftlichen
Umfeld ausgelöst wird.
Eine Formulierung unter den Zielen Rotarys hat mich immer befremdet gleich im 1. Satz:
Rotary versucht dem Ziel der Dienstbereitschaft im täglichen Leben näher zu kommen „durch
Pflege der Freundschaft als einer Gelegenheit, sich anderen nützlich zu erweisen“. Ist denn
das der Sinn von Freundschaft, sich dem anderen nützlich zu erweisen, wo doch an anderer
Stelle strikt verboten wird, einem Rotarier Privilegien oder Vorteile zu gewähren, die nicht
auch anderen Partnern im Geschäfts- und Berufsleben zugewendet werden. (Deklaration von
Rotariern in Geschäft und Beruf, 1989) Der Rotary Club ist kein Filz und betreibt keine
Vetternwirtschaft. Mir wurde der Satz aus den Zielen Rotarys erst verständlich, als ich ihn in
Englisch las. Dort ist nämlich gar nicht von Freundschaft die Rede. Er heißt: Ziel Rotarys ist
es, zu ermuntern und zu fördern „the development of acquaintance as an opportunity for
service“, also die Entwicklung von Bekanntschaft als eine Gelegenheit sich anderen nützlich
zu erweisen. Auch hier ist m.E. nicht ausschließlich die Innenbindung unter den
Clubmitgliedern im Blick, sondern die generelle Haltung anderen Menschen gegenüber, mit
denen wir bekannt werden.
Vielleicht denken Sie, dass ich die rotarischen Ideale allzu scharf interpretiert habe.
Möglicherweise haben Sie dabei Recht. Jedoch fielen mir der Rigorismus und die völlige
Unsentimentalität in den offiziellen rotarischen Formulierungen auf und ich fühlte mich in
meiner Auffassung bestätigt, als ich die Artikel zum Jubiläum des RC im „Rotarier“ las mit
ihrem Hinweis auf die Entstehung des rotarischen Gedankens aus dem Geist des asketischen
Protestantismus, der nach Max Weber den Kapitalismus hervorgebracht haben soll.
(Asketischer Protestantismus meint den Calvinismus und den daraus hervorgegangenen
Puritanismus, nicht das Luthertum.) Es war das Anliegen der Gründer Rotarys, den
Kapitalismus zu vermenschlichen, zu humanisieren. Deshalb die konsequente
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Herausforderung an die Rotarier, sich dem uneigennützigen Dienst an der Vermenschlichung
der zwischenmenschlichen Beziehungen kompromisslos zu widmen.
Das, was Rotary zusammenhält, ist das Ideal des „Service above Self“, nicht aber die
Freundschaft. Was die große rotarische Gemeinschaft zusammenschließt, ist der gemeinsame
Blick auf dieses große Ziel, das es anzustreben gilt, nicht aber die persönliche Verbundenheit
der Clubfreunde untereinander. Dies ist die Auffassung der weltweiten rotarischen
Gemeinschaft.
Nun ist es für uns Deutsche immer gefährlich, für uns einen Sonderweg zu beanspruchen. Das
hat schon in der Politik des vorigen Jahrhunderts zu schlimmen Irrwegen geführt. Dennoch
haben sich die Männer, die Rotary nach Deutschland brachten, wohl gründlich überlegt, als
sie die englischen Formulierungen ins Deutsche übertrugen. Dabei haben sie der persönlichen
Freundschaft einen höheren Stellenwert beigelegt. Wir verstehen unseren Club als ein
Angebot, hier mehr als oberflächliche Freundschaften zu schließen. Dies ist eine große
Bereicherung unseres Lebens wie auch Verpflichtung, den Freunden Freund zu sein. Wir sind
keine Nachkommen der Puritaner, wir leben in einer Gesellschaft, für die der Sozialstaat ein
wichtiges Erbe ist, das es auch für die Zukunft zu bewahren gilt. Das ist in anderen Ländern,
vor allem auch in den USA anders. Wir können das rigide Engagement der amerikanischen
Rotarier für die Humanisierung des Kapitalismus gut verstehen und verstehen es auch selber
als Verpflichtung, die allerdings in unserem Rahmen verantwortet werden will. Dass dieses
Ziel in der Zeit der Globalisierung nicht verloren geht, ist gerade unter den obwaltenden
Umständen dringender denn je.
3. Verhaltensregeln, nicht nur für Businessmen.
Ich will Ihnen jetzt noch etwas vorlesen bzw. erzählen über die Entstehung und
Weiterentwicklung der 4-Fragenprobe, die doch so oft bei uns zitiert wird. Ich denke, es ist
ganz eindrucksvoll, auch in letzter Zeit häufig im Rotarier angesprochen.
Die vier Fragen sind Ergebnis von Überlegungen, wie aus einer desolaten wirtschaftlichen
Situation einer Firma herauszukommen sei. Herbert J. Taylor war 1932 mit dem Versuch
betraut worden, eine faktisch bankrotte Firma in Chicago zu sanieren. Da die Konkurrenz
finanziell überlegen war, entschied man sich durch innere Reformen einen Vorsprung zu
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gewinnen. Neues Personal wurde mit großer Sorgfalt ausgewählt, und die Personalförderung
erhielt erhöhte Beachtung. Es ging dann darum, den Mitarbeitern einen möglichst kurzen,
behaltbaren Verhaltenskodex an die Hand zu geben. Taylor berichtet: „Eines Tages im Juli
1932 beschloss ich, diese Sache im Gebet zu bedenken. An jenem Morgen stützte ich mich auf
meinen Schreibtisch und betete zu Gott, uns eine einfache Anleitung zu geben, die uns helfen
könne, das, was recht ist, zu denken, zu sagen und zu tun. Sogleich nahm ich eine weiße Karte
und schrieb die 4-Fragen-Probe darauf.“ Taylor probierte die Fragen zunächst nur persönlich
aus, ohne jemand etwas davon zu sagen. Seine Erfahrungen waren schlimm; fast alle
Schriftlichkeiten, die über seinen Schreibtisch kamen, scheiterten schon an der ersten Frage.
Ist es wahr? Beinahe habe er die 4 Fragen in den Papierkorb geworfen. Aber nach zwei
Monaten begann er, mit anderen darüber zu sprechen, zunächst mit den Abteilungsleitern.
Einer davon war Katholik, einer Calvinist, einer orthodoxer Jude und einer gehörte der
Christlichen Wissenschaft an. Alle vier stimmten darin überein, dass sich Wahrheit,
Gerechtigkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sehr gut mit ihren religiösen Idealen
vertrugen. Dann wurden die 4 Fragen den Mitarbeitern nahe gebracht. Ihr Verhalten wurde in
diesem Sinn geschult, die Sprache der Verlautbarungen wurde geändert, z.B. wurden alle
Superlative aus der Werbung gestrichen. Auch das Verhältnis zur Konkurrenz wurde
verbessert; es wurde vermieden negativ von den Mitbewerbern zu sprechen. Die Bemühungen
zahlten sich aus. Innerhalb von 20 Jahren war die Firma schuldenfrei und fähig, Dividende zu
zahlen. Die einzige Finanzspritze in dieser Zeit waren zu Beginn der Reform 6.500 $. Im
Januar 1943, also 11 Jahre nach ihrer Entstehung, übernahm Rotary International die 4 Fragen
als Leitfaden für das Verhalten der Mitglieder.
Zahlreiches Material für Arbeitsprogramme, die die 4-Fragen-Probe bekannt machen und
einüben innerhalb und außerhalb der Rotary Clubs, wird von Rotary International angeboten.
Für uns klingt das alles ganz ähnlich wie die Bemühungen der Moralischen Aufrüstung, und
in der Tat gehört Rotary auch in diese Kategorie der Weltverbesserungsbewegungen. Mag
sein, dass wir heute über diese Tradition vielleicht die Nase rümpfen, aber es ist doch ein
eindrucksvolles Zeugnis für den Ernst, mit dem Rotary die Verbesserung der Welt in der
Arbeit an dem eigenen Selbst beginnen sieht.
Herbert J. Taylor, der Autor der 4-Fragen-Probe wurde übrigens Präsident von RI 1954/55.
Natürlich sind in der Zwischenzeit manche andere Texte formuliert worden, etwa die
Deklaration von Rotariern im Geschäfts- und Berufsleben von 1989, die den gleichen Ansatz
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hat wie die 4-Fragen-Probe und den Beruf als die Gelegenheit zum Dienen herausstellt. Ich
habe zuvor schon daraus zitiert. Jedoch möchte ich jetzt noch auf ein Thema hinweisen, das
zur Zeit von manchen rotarischen Köpfen bewegt wir.
4. Humanität und Ethik für das 21. Jahrhundert
Unter diesem Titel hielt der RC Innsbruck Goldnes Dacherl zusammen mit dem Club of
Rome im Oktober 2001 ein Symposium ab, bei dem von Humanität, Weltfrieden, Ethik in der
globalisierten Wirtschaft, ein neues Verhältnis Mensch/Tier und die Frage eines Weltethos
ventiliert wurden.
Gestatten Sie mir bitte noch zwei Gedankensplitter aus diesen Überlegungen anzufügen:
Es wird eine neue Aktualität der ethischen Fragestellungen konstatiert und dafür werden
folgende Gründe genannt (S. 13.):
-
„die Sorge, dass die normative Kraft des Faktischen uns in einer unkontrollierbaren
Weise an die Regeln einer von uns nicht mehr bestimmbaren Realität ausliefert,
-
das schwierige Bemühen, eigene Entscheidungen rational zu legitimieren,
-
die Erfahrung, dass die bisherigen Normen entweder abgelehnt werden oder sich
durch neue Entwicklungen als unzureichend erweisen,
-
die Erfahrung eigener Orientierungslosigkeit in einer psychischen und sozialen Welt,
die nicht mehr von selbst zureichende Orientierungen liefert.“
Dies gilt auch besonders für die Wirtschaftsethik. Deshalb der 2. Gedanke:
Rotarier erkennen die Bedingungen des Wirtschaftslebens an: Wettbewerb, Wachstum,
Investitionen und Gewinnoptimierung. Sie fühlen sich nicht verpflichtet einer
Gesinnungsethik, die Normen und Gebote umsetzen will, sondern einer Verantwortungsethik,
die die Folgen der Handlungen bedenkt, die Folgen für die Mitwelt, die Umwelt und die
Nachwelt (20). Im Zeichen der Globalisierung benötigen Weltpolitik und Weltwirtschaft eine
ethische Grundorientierung, die für alle Menschen verbindlich ist. Deshalb interessieren sich
die Rotarier auch für das Unternehmen des Weltethos, das unser rotarischer Freund Hans
Küng in Gang gesetzt hat. Die Forderungen, die da erhoben werden, erweisen sich als den
rotarischen Grundregeln sehr verwandt: Ehrfurcht vor dem Leben, gerechte und faire
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Handlungsweisen, Wahrhaftigkeit im Reden und Handeln und um die gegenseitige Achtung
und Liebe unter den Menschen.
Für mich war es ermutigend festzustellen, dass sich Rotary auch mit diesen aktuellen Fragen
auseinandersetzt, gerade weil die Rotarier nach wie vor daran festhalten, dass es auch in den
Zeiten der Globalisierung darauf ankommt, dass die Gestaltung der Welt bei der
Verbesserung des eigenen mitmenschlichen Verhaltens beginnt. Deshalb blieb ich bei der
Formulierung: „Rotary und die Moral“.
5. Schluss
Wir sind deutsche Rotarier und uns ist die persönliche dauerhafte Freundschaft sehr wichtig.
Deshalb schließe ich mit einem Zitat von Aristoteles:
„… ohne Freunde möchte niemand leben, auch wenn er die übrigen Güter alle zusammen
besäße: gerade auch den reichen Leuten und denen, die Amt und Herrschaft haben, tun
Freunde bekanntlich ganz besonders not.“ (Nik. Ethik, VIII,1)
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Rotarische Grundtexte
Zum Vortrag von Rot. H.O.Geißler am 26.07.2005: Rotary und die Moral
Object of Rotary
Das Ziel von Rotary
The Object of Rotary is to encourage and Das Ziel von Rotary ist Dienstbereitschaft im
foster the ideal of service as a basis of täglichen Leben. Rotary sucht diesem Ziel
worthy enterprise and, in particular, näher zu kommen:
encourage and foster:
First. The development of acquaintance as an
opportunity for service;
1. Durch Pflege der Freundschaft als
einer Gelegenheit, sich anderen
nützlich zu erweisen.
2. Durch Anerkennung hoher ethischer
Grundsätze im Privat- und Berufsleben sowie des Wertes jeder für die
Allgemeinheit nützlichen Tätigkeit.
Second. High ethical standards in business
and professions, the recognition of the
worthiness of all useful occupations, and the
dignifying of each Rotarian’s accupation as
an opportunity to serve society;
Third. The aapplication of the ideal of
service in each Rotarian’s personal, business,
and community life;
3. Durch Förderung verantwortungsbewusster privater, geschäftlicher und
öffentlicher Betätigung aller Rotarier.
Fourth. The advancement of international
understanding, goodwill, and peace through a
world fellowshipof business and professional
persons united in the ideal of service.
4. Durch Pflege des guten Willens zur
Verständigung und zum Frieden unter
den Völkern durch eine Weltgemeinschaft berufstätiger Personen,
geeint im Ideal des Dienens.
The Four-Way-Test
4 Fragen über Dinge, die wir denken, sagen
oder tun
Is it the truth?
Ist es wahr, bin ich aufrichtig?
Is it fair to all concerned?
Ist es fair für alle Beteiligten?
Will it build goodwill und better friendships? Wird es Freundschaft und guten Willen
fördern?
Will it be beneficial to all concerned?
Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?
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Declaration of Rotarians in Business and Professions (adopted by RI Council an Legislation
1989 to provide more spevific guidelines fort he high ethical standards called for in the Object
of Rotary)
As a Rotarian engaged in a business or Als Rotarier, tätig im Geschäft oder im
profession, I am expected to:
Beruf, wird von mir erwartet,
- Consider my vocation to be another
- dass ich meinen Beruf als
opportunity to serve;
Gelegenheit zum Dienen verstehe
- Be faithful to the letter and to the
- dass ich treu bin dem Buchstaben und
spirit of the ethical codes of my
Geist der ethischen Normen meines
vocation, to the laws of my country,
Berufs, den Gesetzen meines Landes
and to the moral standards of my
und den moralischen Grundsätzen
community;
meines Gemeinwesens;
- Do all in my power to dignify my
- dass ich alles in meiner Macht
vocation and to promote the highest
Stehende tue, um meinen Beruf zu
ethical standards in my chosen
ehren und um die höchsten ethischen
vocation;
Grundsätze in meinem gewählten
Beruf voranzubringen;
- Be fair to my employer, employees,
- dass ich gerecht bin gegenüber
associates, competitors, customers,
meinem Arbeitgeber, meinen Arbeitthe public, and all those with whom I
nehmern, Mitarbeitern, Konkurhave a business or professional
renten, Kunden, der Öffentlichkeit
relationship;
und allen, mit denen ich eine
geschäftliche oder berufliche Beziehung habe;
- Recognize the honor and respect due
- dass ich Ehre und Respekt zolle allen
to all occupations which are useful to
Beschäftigungen, die nützlich für die
society;
Gesellschaft sind;
- Offer my vocational talents: to
- dass ich meine Gaben einsetze, um
provide opportunities für young
jungen Leuten Chancen zu bieten, um
people, to work for the relief of the
für die Lösung besonderer Nöte
special needs of others, and to
anderer zu arbeiten und die
improve the quality of my life in my
Lebensqualität in meinem Gemeincommunity;
wesen zu verbessern;
- Adhere to honesty in my advertising
- dass ich ehrlich bleibe in meiner
and in all representations to the public
Werbung und in allen Repräsenconcerning my business or
tationen über meine Geschäfte und
profession;
über meinen Beruf in der
Öffentlichkeit;
- Neither seek from nor grant to a
- dass ich weder ein Privileg noch
fellow Rotarian a privilege or
einen Vorteil von einem rotarischen
advantage not normally accorded
Freund erwarte noch ihm gewähre,
others in a business or professional
die ich nicht normalerweise anderen
relationship.
in einer geschäftlichen oder beruflichen Beziehung zuwende.
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