Iwona Gliszczyńska

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IWONA GLISZCZYŃSKA - KLAIN
Thema: Die Hauptschwierigkeiten der Erwachsenen beim Erwerb der
deutschen Sprache als zweiter Fremdsprache nach Englisch
Zur Wahl des Themas meines kurzen Artikels haben mich lange Jahre meiner Erfahrungen
bewogen, die ich als Deutschlehrerin am Fremdsprachenkolleg in Bydgoszcz während meiner
vieljährigen Arbeit gesammelt habe. Seit über 10 Jahren unterrichte ich nämlich Deutsch als
Fremdsprache in der englischen Sektion des Kollegs und beobachte aufmerksam, welche
Schwierigkeiten die Studenten beim Erwerb der deutschen Sprache (hier vor allem der deutschen
Grammatik) als zweiter Fremdsprache nach Englisch haben. Dieser kurze Artikel ist mein erster
Versuch der Beschreibung dessen, was ich bemerkt habe.
1. Die Rolle der englischen Sprache in der heutigen Welt
Das Zusammenwachsen Europas sowie die Internationalisierung und Globalisierung des
politischen und wirtschaftlichen Lebens stellen große Herausforderungen an die Menschen,
Gesellschaften wie auch an Individuen; immer deutlicher wird die Notwendigkeit sichtbar, sich
mit dem Fremden, dem Anderen auseinanderzusetzen, mit ihm zu kommunizieren, zu
kooperieren, sich in fremde Kultur zu integrieren.
Man muss also demzufolge so viele Sprachen wie möglich beherrschen. Als erste Fremdsprache
lernt man meistens Englisch, weil diese Sprache als die Weltsprache gilt und am häufigsten in
Schulen gelernt wird.
2. Deutsch als zweite Fremdsprache nach Englisch
2.1 Vorteile, die die Lernenden nach dem Erlernen der ersten Fremdsprache haben und bei
dem Erwerb der neuen Fremdsprache ausnutzen können
Deutsch wird häufig als zweite Fremdsprache nach Englisch gelernt . Man muss aber gleich
betonen, eine zweite Fremdsprache lernt man nicht gleich wie die erste. Man ist in Bezug auf das
Fremdsprachenlernen erfahrener. Man weiß schon, was für ein Lerntyp man ist und wie man am
besten z.B. Vokabeln lernt. Man ist älter und lebenserfahrener, hat möglicherweise individuelle
Lern- und Kommunikationsstrategien entwickelt. Allgemein lernt man systematischer und
bewusster.
Wer also eine neue Fremdsprache lernt, nimmt somit auf alle Sprachelemente Bezug, die im
Kopf gespeichert sind und aktiviert die Lernerfahrungen aus dem Lernprozess der
vorausgegangenen Fremdsprachen.
Besonders wichtig ist das im Falle, wenn der Lernende auf irgendwelche Probleme stößt. Man
kann ihm helfen, indem man auf die Erfahrungen aus dem Lernprozess der ersten Fremdsprache
(Englisch) zurückgreift etwa mit folgenden Fragen:
Wie war das als Sie Englisch lernten? Können Sie sich an ähnliche Probleme erinnern?
Wie haben Sie die bewältigt? Welche Strategien haben Sie eingesetzt? usw.
Diese Fragen erinnern die Lernenden daran, dass Fehler, Nichtverstehen und Zweifel zum
Lernprozess gehören und dass systematisches, zielgerichtetes, strategisches Vorgehen die
meisten Lern- und Verstehensprobleme bewältigt. 1
1
Rieger, Caroline L. 1999: 14
1
2.2. Parallellen (Kognaten) und Differenzen (u.a. "Falsche Freunde") in beiden Sprachen
Außerdem kann man den Lernenden bewusst machen, dass es eine ganze Reihe von
Parallelen sog. Kognaten gibt (Kognaten sind Wörter, die auf eine gemeinsame historische
Wurzel zurückzuführen sind, ähnlich klingen, ähnlich geschrieben und auch ähnliche
Bedeutungen haben wie z. B.
das Hobby - hobby (konik)
fallen - fall
der Drink - drink
singen - sing
bringen - bring
springen - spring
finden - find
binden - bind 2
Dabei aber muss man auch darauf achten, dass es auch das Gegenteil dieser Erscheinung gibt
sog. "falsche Freunde" (d.h. Wörter, die ähnlich klingen aber ganz andere Bedeutungen haben)
wie
z. B.
bekommen (otrzymywać) und
become (stać się)
der Bock (kozioł)
bock (ciemne piwo)
der Fuß (stopa)
fuss (zamieszanie, wrzawa)
das Gift (trucizna)
gift (prezent)
das Grab (grób)
grab (porwać, chwycić) 3
3. Die wichtigsten Schwierigkeiten der Lernenden
3.1. Morphologische Probleme
Wenn es um morphologische Schwierigkeiten geht, da gibt es sehr viele Bereiche, wo die
Lernenden große Probleme haben. An der Spitze steht natürlich der Artikelgebrauch. Es geht
hier nicht darum, dass sie früher mit keinen Artikeln zu tun hatten (im Englischen gibt es auch
ähnliche Wörter "a" oder "an" und "the" , aber es handelt sich hier um verschiedene Genera.
Im Englischen bezeichnet man als männlich oder weiblich nur Männer oder Frauen und auch die
Tiere, deren Geschlecht zu erkennen ist. Das ist sog. natürliches Genus Die anderen Substantive
sind neutral und deshalb verwendet man das Personalpronomen "it"
z.B.
Englisch
This is my wife . She is very nice.
This is my house. It ist very old.
Deutsch
Das ist meine Frau. Sie ist sehr nett.
Das ist mein Haus. Es ist sehr alt.
This is her dog. It is very big.
Das ist ihr Hund. Er ist sehr groß.
Im Deutschen gibt es drei Genera: maskulinum, femininum und neutrum und, was sehr
wichtig ist, man muss alle Substantive mit den entsprechenden bestimmten Artikeln lernen, weil
sie eine sehr große Rolle bei der Deklination der Substantive spielen, was im Englischen nicht
der Fall ist. Die Lernenden können nicht verstehen, dass die deklinierte Artikelform im
Deutschen die Rolle der Flexionsendung im Polnischen übernimmt, der Artikel jedoch - anders
als im Englischen, wo es keine Beugung im Sinne von Flexionsendungen gibt - dekliniert
werden muss.
Das Erlernen der Substantive mit den entsprechenden Artikeln erleichtern verschiedene
Strategien z. B. Wortkarteien oder das Hervorheben einzelner Artikel mit verschiedenen Farben
(z. B. blau - der, rot - die , grün - das)
2
3
Die Beispiele stammen aus: Wille, Lucyna/Wawrzyniak, Zdzisław 2001: 75-76
ebd.: 198-199
2
Ähnliche Probleme haben die Lernenden mit der Pluralbildung der Substantive, weil
die Bildung regelmäßiger Pluralformen im Englischen sehr vereinfacht ist (durch die Endung -s
/es. Nur wenige englische Substantive bilden den Plural unregelmäßig.
Anders sieht die Pluralbildung der Substantive im Deutschen aus. Hier haben die Lernenden mit
vielen Paradigmen (schwachen, starken, gemischten) zu tun.
Deutsch
Englisch
Es gibt viele Arten der Pluralbildung
- keine Endung z.B.
der Forscher - die Forscher
- keine Endung aber Umlaut
z.B. der Vater - die Väter
-mit Endungen
- e
- z.B.
der Kommentar -die Kommentare
- e mit Umlaut
z.B. der Kopf - die Köpfe
- er z.B. das Kind - die Kinder
- er mit Umlaut
z.B. der Mann - Männer
- (e)n z.B. der Autor - die Autoren
die Sympathie- die Sympathien
- s z.B. das Hotel -die Hotels
+ Besondere Pluralbildung, wie z.B.
das Glück- die Glückfälle
die Liebe - die Liebschaften
der Streit - die Streitigkeiten
der Rat - die Ratschläge
das Lob - die Lobsprüche
der Kummer -die Kümmernisse usw.
Nur zwei Arten:
regelmässig
* mit Endung -s
duck- ducks , pen- pens
• oder mit Endung -es, wenn das Singular mit folgenden
Buchtaben endet:
- s
bus - buses
- ss
dress- dresses
- sh
brush- bruhes
- ch
watch - watches
- x
box - boxes
- o
potato - potatoes
(aber ) piano -pianos
* -ies wenn das Singular mit Konsonant + y endet
baby - babies
aber vor -y ein Vokal steht - bekommt das Wort Endung -s
z.B. play - plays, toy- toys
- wenn das Wort mit -f oder -fe endet,
wird im Plural durch - v ersetzt
z.B. wife- wives
unregelmässig:
man - men, woman- women , footh-feet,
child-children, mouse- mice 4
Es gibt zahlreiche Regeln und Ausnahmen und deshalb soll man den Lernenden grobe
Richtlinien der Pluralbildung angeben,
z. B.
- dass die meisten Feminina den Plural schwach bilden, d. h. durch die Endung -en
- dass alle Maskulina und Neutra, die im Singular auf -el, -er, -en enden, den Plural ohne
Endung bilden;
- umlautfähige Vokale (a, o, u) werden im Plural sehr oft umgelautet.
Die anderen Schwierigkeiten betreffen z. B. die Konjugation der Verben im Deutschen. Die
deutschen Verben werden konjugiert, d. h. sie bekommen bei verschiedenen Personen auch
verschiedene Endungen.
Deutsch
Englisch
Es gibt verschiedene Endungen
bei verschiedenen Personen
Ich arbeite
du arbeitest
er arbeitet
4
nach: Lechowski, Mieczysław/Misztal, Mariusz/ Okaz Piotr 2001
3
Nur bei der 3. Person Singular Präsens
fügt man -s hinzu.
My father works in this office.
(Mein Vater arbeitet in diesem Büro.)
Anna swimms well. (Anna schwimmt gut.)
wir gehen in die Schule usw.
We go to the school.
Nur bei den Modalverben gibt es in beiden Sprachen keine Endungen. Besonderen Unterschied
sieht man auch bei der Stellung der infiniten Verbform nach Modalverben. Im Deutschen steht
das Infinitiv am Ende des Satzes und im Englischen gleich nach dem Modalverb.
Deutsch
Wir müssen in der Schule bleiben.
Mein Bruder kann sehr schnell laufen.
Darf ich herein?
Englisch
We must stay at school.
My brother can run very fast.
May I come in?
Du sollst Frank besuchen, wenn du
nach London kommst
You should to visit Frank when you are in
London.
Das nächste Problem betrifft die Bildung von Perfekt und Plusquamperfekt.
Die Lernenden wissen vom Englischunterricht, dass sie zur Bildung von Perfect - Tempora
(Present Perfect und Past Perfect) das Hilfsverb "have" und das Participle Past benötigen.
Deshalb besteht für sie kein Problem, auf die Konstruktion "haben + Partizip II"
zurückzugreifen. Neu ist aber für sie die Möglichkeit, dass bei manchen Verben das Hilfsverb
nicht "haben" sondern "sein" stehen muss. Deshalb ist es zu empfehlen, ihnen zu erklären, dass
es drei Gruppen von Verben gibt, bei denen das Hilfsverb "sein" vorkommen soll. Das sind:
• die deutschen Verben der Bewegung (d.h. die räumliche Verlagerung aus "eigenen Kräften"
bezeichnen) ,
• Verben , die die Änderung eines Zustandes ausdrücken und
• Verben "sein", "bleiben" und "werden"
Dabei muss man noch darauf hinweisen, dass das deutsche Perfekt die gleiche Struktur, wie das
englische Present Perfect nämlich Hilfsverb + Partizip II (auxiliary verb+ Participle Past) hat, der
Gebrauch jedoch unterschiedlich ist. Im englischen Tempus Present Perfect kann man generell
keine genaue Temporalbestimmung verwenden. Für die Informationen, die eine Zeitangabe
vermitteln, ist im Englischen überwiegend Past (Simple oder Continuous) vorbehalten. Man
verwendet aber allgemeine Temporalbestimmungen wie: before (wcześniej, przedtem), sofar
(dotąd, do tej pory), yet (im Aussagesatz- już/ im Fragesatz jeszcze) lately (ostatnio), recently
(niedawno), die am Satzende stehen.
Er hat das Buch gelesen.
He has read this book.
Wir haben im Juli schönen Urlaub gemacht. We had a lovely holidays in July. (Simple Past)
Er hat das Buch im vorigen Jahr gelesen.
He read this book last year. (Simple Past)
oder umgekehrt :
Sie war neulich sehr traurig. (Präteritum)
She has been very sad lately.
Hast du schon in diesem Restaurant mal gegessen? Have you eaten at this restaurant yet?
Wir haben das Buch noch nicht gelesen.
We haven't read this book yet.
Sie haben neulich ihre Oma besucht.
They have visited their grandma recently.
Ich habe sie seit 1992 nicht gesehen.
I've not seen her since 1992.
Im Deutschen verwendet man das Perfekt und die Temporalbestimmung in einem Satz.
Beispiel:
Wir haben im Juli schönen Urlaub gemacht.
Außerdem ist im Deutschen das Perfekt die Zeitform, die für Gespräche typisch ist, während das
Präteritum die Erzählung kennzeichnet. Im Englischen dagegen wird die Erzählung analog im
Past Simple formuliert, aber im Gespräch muss man auf das Vorhandensein bzw. Fehlen der
Zeitbestimmung achten.
4
Sehr kompliziert ist für die Lernenden auch die Deklination der deutschen Adjektive,
die als Attribute vorkommen. Als Attribut steht das Adjektiv sowohl in Deutschen als auch im
Englischen zwischen dem Artikel (wenn dieser gebraucht wird) und dem Substantiv und bildet
sog. nominale Klammer. Im Deutschen bekommt aber das attributiv gebrauchte Adjektiv eine
vom Genus und Kasus des betroffenen Substantivs abhängige Flexionsendung,
z. B. ein langer Tag, nette Frauen, das kranke Kind,
Deutsch
eine/die dunkle Nacht
ein dunkles/ das dunkle Zimmer
dunkle/ die dunklen Nächte
dunkle/ die dunklen Farben
Englisch
Die Form des Adjektivs hängt nicht von dem
grammatischen Genus oder Plural des
Substantivs ab, das es bestimmt z.B.
a dark night (= ciemna noc)
a dark room (= ciemny pokój)
dark nights (=ciemne noce)
dark colours (= ciemne kolory)
Aber, wenn in einem Satz mehrere
Adjektive vorkommen, haben sie bestimmte Reihenfolge:
Meinung - Größe- Alter- Form- Farbe - Herkunft/Nationalität-Stoff - Zweck
z.B.
a
a
big
big
old
wooden (house)
glass
flower (rose)
square
3.2 Die syntaktischen Schwierigkeiten
Die letzte Gruppe der Schwierigkeiten im Erwerb der deutschen Sprache nach Englisch,
die ich erwähnen möchte, bilden syntaktische Probleme. Die Bildung eines einfachen deutschen
Satz kann schon für die Lernenden schwer sein, weil man hier auf bestimmte Regeln achten
muss; es gilt die Grundregel, dass in solch einem Satz das Verb am zweiten Platz stehen muss.
Ich lese ein sehr interessantes Buch.
Das betrifft alle Tempusformen, d.h. bei den zusammengesetzen Tempora steht das Hilfsverb am
zweiten Platz im Satz und die infinite Verbform steht am Satzende.
Der polnische Skispringer Adam Małysz hat sehr viele Fans sowohl in Polen als auch im
Ausland.
Das Verb steht unbedingt am zweiten Platz auch, wenn man sog. Ergänzungsfragen bildet und
wenn am ersten Platz im Satz kein Subjekt steht. z.B.
Wie viele Einwohner hat Deutschland?
Gestern hat es sehr stark geschneit.
Sehr große Probleme haben die Lernenden auch mit der Bildung der deutschen
zusammengesetzten Sätze, wo man auf die richtige Wortfolge achten muss.
Die Lernenden müssen deshalb lernen, welche Konjunktionen welche Wortfolge verlangen.
Besonders schwer finden sie die Wortfolge in deutschen Nebensätzen, wo die finite Verbform
am Ende des Satzes stehen muss.
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4.Schlussfolgerungen
Zum Schluss eine kurze Zusammenfassung. Das sind nur einige Bereiche, wo die
Lernenden, die Deutsch als zweite Fremdsprache nach Englisch lernen, am häufigsten auf
Schwierigkeiten stoßen. Sie finden die deutsche Sprache ziemlich kompliziert. Die größten
Probleme haben sie mit Artikelgebrauch, Pluralbildung der Substantive, Deklination der
deutschen Nomen und Adjektive, Konjugation der Verben. Zugleich stellen sie auch fest, dass
wenn es um Tempora geht, Englisch komplizierter ist.
Bedauerlicherweise muss ich betonen, dass es zur Zeit auf dem polnischen Markt kein Lehrwerk
gibt, das ihnen bei der Bewältigung dieser Schwierigkeiten behilflich sein könnte.
Bibliographie:
Rieger, Caroline L,1999. "Lernstrategien im Unterricht Deutsch als Fremdsprache". W:
Fremdsprache Deutsch , Goethe Institut/Klett International Edition Deutsch
Wille, Lucyna/Wawrzyniak, Zdzisław,2001. Deutsch nach Englisch im glottodidaktischen
Gefüge. Rzeszów, Wydawnictwo Wyższej Szkoły Pedagogicznej
Wille, Lucyna/Wawrzyniak, Zdzisław, 2002. Język angielski kluczem do języka niemieckiego.
Język niemiecki kluczem do języka angielskiego. Gramatyka konfrontatywna niemieckoangielska w ćwiczeniach. Zielona Góra, Wydawnictwo Kanion
Lechowski, Mieczysław/Misztal, Mariusz/ Okaz Piotr, 2001. Gramatyka szkolna-Język angielski.
Warszawa, WSiP
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