Titel der Studie - Integrated Design

Werbung
Dokumentation des Pilotprojekts
“Universität Innsbruck – Fakultät für
technische Wissenschaften”
Market Transformation towards Nearly Zero Energy
Buildings through Widespread Use of Integrated Energy
Design (MaTrID): IEE/11/989/SI2.615952
Bundesimmobiliengesellschaft, AT
Kontaktinformation der MaTrID Partner
Gerhard Hofer
e7 Energie Markt Analyse GmbH
Walcherstraße 11/43
1020 Vienna, Austria
[email protected]
www.e-sieben.at
Salvatore Carlucci, PhD
end-use Efficiency Research Group, Energy Department, Politecnico di Milano
Via Lambruschini 4
20156 Milano, Italy
Ronnie Hollsten
KanEnergi Sweden AB
Box 63
532 Skara, Sweden
Disclaimer
Das Projekt MaTrID wird unterstützt durch das Intelligent
Energy for Europe Programm der Europäischen
Kommission. Die alleinige Verantwortung für den Inhalt
dieses Prozessleitfadens liegt bei den Autoren. Sie gibt nicht
unbedingt die Meinung der Europäischen Union wieder. Weder die EACI noch die Europäische Kommission
übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Information. Die Projektlaufzeit des
Projekts MaTrID dauert von 19 Juni 2012 – 18 Dezember 2014 (Vertragsnummer: IEE/11/989/SI2.615952).
Documentation of pilot project Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften
Inhaltsangabe
1
Informationen zu diesem Projekt ............................................................................ 2
2
Zieldefinition ............................................................................................................. 3
3
Arbeitsorganisation ................................................................................................. 5
3.1
Teamzusammensetzung ............................................................................................ 5
3.2
ID Prozessbegleiter: Rolle und Funktion..................................................................... 5
3.3
ID Facilitator Vollmacht .............................................................................................. 6
4
Kommunikation zwischen den Teammitgliedern ................................................... 7
4.1
Verwendung von Building Information Model (BIM) Tools .......................................... 7
4.2
Datentauschsystem .................................................................................................... 7
4.3
Informationsaustausch ............................................................................................... 8
4.4
Wissenstransfer ......................................................................................................... 8
5
ID Strategie – Arbeitsprozess .................................................................................. 8
5.1
Qualitätssicherungsplan & Qualitätskontrollplan ......................................................... 8
5.2
Festlegung von Verantwortlichkeiten, Meilensteinen und Markierung kritischer Punkte
in den Planungsphasen .............................................................................................. 9
6
Innovation und Demonstration.............................................................................. 11
6.1
Innovative Lösungen ................................................................................................ 11
6.2
Demonstration (Ergebnisse und Prozesse) ............................................................. 13
6.3
Versuche/Auswertung .............................................................................................. 16
6.4
Bewusstseinsbildung/Öffentlichkeitsarbeit ................................................................ 16
1
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
1 Informationen zu diesem Projekt
Name/Abkürzung des Pilotprojektes: Universität Innsbruck – Hauptgebäude der Fakultät
für technische Wissenschaften
Eigentümer: Bundesimmobiliengesellschaft mbH
Name der Kontaktperson: Dirk Jäger
Funktion der Kontaktperson: Leitprojektmanager BIGMODERN für Haus der Zukunft plus
Ort: Innsbruck, Österreich
Art des Gebäudes: Universitätsgebäude, Verwaltungsgebäude
Nutzer: Universität Innsbruck
Bruttogeschossfläche in m²: ca. 13.000 m²
Investitionskosten in EUR: ca. 17 Mio EUR (KG 1 – 6)
Anlassfall: Umfassende Sanierung eines Bestandsgebäudes
Generalplaner: ATP architekten ingenieure, Innsbruck
Fachplanung Bauphysik: Passivhaus Institut – Standort Innsbruck
Weitere Informationen: Das quaderförmige Hauptgebäude der Baufakultät umfasst acht
Obergeschoße und ein Untergeschoß. Die Tragstruktur ist ein Stahlbetonskelettbau mit
einem Raster von 7,50 x 7,50 m. Der Stahlbetonkern umfasst Treppenhaus,
Aufzugsschächte, Technikschächte und WC-Anlagen. Die horizontalen Tragelemente kragen
über die Fassade hinaus und bilden rund-herum Balkone. Oben abgeschlossen ist das
Gebäude mit einem Flachdach (Abbildung 47).
Abbildung 1: Bestandsgebäude der technischen Fakultät der Universität Innsbruck (Quelle: Universität Innsbruck)
2
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
2 Zieldefinition
Nachfolgend können Sie die Planungsziele beschreiben, die den Planungsaufwand
begründeten. Bitte geben Sie für jedes Kriterium explizit die Zielgrößen und/oder die
Akzeptanzbedingungen an.
Tabelle 1: Beschreibung der Planungsziele.
Planungsziel
Beschreibung des Ziels und der Sollgrößen (wenn
vorhanden)
Ästhetik
Für die Berücksichtigung der baukünstlerischen Aspekte der
Gebäudegestaltung (Ästhetik) wurde im Vorfeld der Planung
ein Generalplanerwettbewerb durchgeführt. Für die
Bewertung
der
Wettbewerbsbeiträge
waren
5
Bewertungskriterien
vorgegeben,
darunter
das
baukünstlerische Gesamtkonzept.
Der
Sieger
des
Wettbewerbs wurde von einer achtköpfigen Jury
entschieden, der drei Architekten angehörten.
Barrierefreiheit
Der barrierefreie Zugang zum Gebäude und zu den
einzelnen Geschoßen ist zu gewährleisten. Die Sanierung
hat die Anforderungen der ÖNORM B 1600 „Barrierefreies
Bauen – Planungsgrundlagen“ sowie der ÖNORM B 1601
„Barrierefreie Bildungseinrichtungen – Planungsgrundlagen“
zu erfüllen.
Wirtschaftlichkeit
Für die Investitionskosten (Baukosten – ohne Einrichtung)
wurde ein Kostenrahmen vorgegeben (ca. 24 Mio. EUR).
Für die Bewertung der Wettbewerbsbeiträge war ein
Bewertungskriterium von fünf „Wirtschaftlichkeit und
Umsetzbarkeit der Lösung“. In der Planung wird eine
Variantenuntersuchung
zur
thermisch-energetischen
Optimierung
des
Gebäudes
auf
Basis
einer
Lebenszykluskostenanalyse durchgeführt.
Energieeffizienz
Das Gebäude muss die Klasse A der Skala für
Heizwärmebedarf des Energieausweises einhalten (HWB* <
25 kWh/m²a). Der Primärenergiebedarf muss < 150
kWh/m²a sein. Graue Energie der Bauteile ist Teil der
Nachhaltigkeitsbewertung.
3
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
Planungsziel
Beschreibung des Ziels und der Sollgrößen (wenn
vorhanden)
Funktionale/operative Ziele
Raum- und Funktionsprogramm der Universität Innsbruck
als Vorgabe für die Planung. Die Funktionalität der Lösung
war ein Bewertungskriterium beim Wettbewerb.
Denkmalschutz
Keine Anforderungen.
Produktivität
Hoher Anspruch an akzeptablen Raumtemperaturen im
Sommer bei gleichzeitig geringem Energieverbrauch für
Kühlung (Kategorie II der EN 15251, adaptives
Komfortmodell). Optimierung der Tageslichtversorgung
sowie individuell einstellbarer Sonnen- und Blendschutz.
Sicherheit
Sicherheitsaspekte sind vorwiegend beim Brandschutz
(Brandabschnitt, Breite des Fluchtweges, etc.) und bei den
Vorgaben des Arbeitsinspektorats (u.a. Fluchtwegskonzept)
Nachhaltigkeit
Der Auslober legt besonderen Wert auf eine hohe
energetische Effizienz des Wettbewerbsbeitrags und daher
auf die Beurteilung der jeweiligen ganzheitlichen Fassaden-,
Klima-, Gebäudetechnik- und Energiekonzepte der
eingereichten
Entwürfe.
Hohe
Anforderungen
an
Nachhaltigkeit, Projekt soll Demonstrationsgebäude für
Implementierung von Nachhaltigkeitsanforderungen in
Sanierung sein, Zertifizierung nach Total Quality Building der
ÖGNB.
Weitere
Das Gebäude soll ein Demonstrationsobjekt für die
Umsetzung
von
Nachhaltigkeitskriterien
unter
Berücksichtigung von ökonomischen Aspekten in der
Sanierung sein. Wichtig dabei ist auch, dass die hohen
Ansprüche in der Planung auch im Gebäudebetrieb realisiert
werden können. Hier liegt der Schwerpunkt auf den
Energieverbrauch im Betrieb. Ein umfassendes Monitoring
des Gebäudes, das bereits in der Planungsphase
implementiert wurde, soll einen optimalen Gebäudebetrieb
sicherstellen.
Quelle:

Ausschreibung zu EU-weiter, offener, 2-stufiger Realisierungswettbewerb mit
anschließendem
Verhandlungsverfahren
für
die
Vergabe
von
4
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
Generalplanerleistungen zur Erlangung von Vorentwurfskonzepten für die Sanierung
der Hauptgebäude der Architektur-und Baufakultät der Universität Innsbruck

Nachhaltigkeitskriterien auf Basis des Projektantrages von BIGMODERN, SP3,
Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften.
3 Arbeitsorganisation
3.1 Teamzusammensetzung
Änderten sich die Personen im Planungsteam während des Planungsprozesses?
Spezifische externe Experten für konkrete Fragestellungen unterstützten punktuell das
Planungsteam oder den Bauherrn. Das Planungsteam blieb in der Zusammensetzung
annähernd gleich.
Hat das interdisziplinäre Team die Effektivität in der Planungsphase erhöht?
Ja. Es konnten gezielte Fragestellungen rasch und qualifiziert erarbeitet, besprochen und
beantwortet werden. Dabei waren die gemeinsamen Besprechungstermine sehr wichtig..
Hat das interdisziplinäre Team eine gegenseitige Beeinträchtigung von
Arbeitspaketen/Aufgaben vorhergesehen und Problemen aktiv entgegengewirkt?
Ja. Fragen wurden zielgerichtet gestellt und bearbeitet. Der damit erhöhte Aufwand an
Koordinierung und Informationsverteilung war spürbar, aber gerechtfertigt.
Halten Sie den Einsatz eines
Planungsprozesses an für sinnvoll?
interdisziplinären
Teams
von
Beginn
des
Ja. Als integral planendes Architektur- und Ingenieurbüro ist die Einbindung aller
Fachbereiche von Beginn an ein wesentlicher Bestandteil. Dass externe Experten auch im
frühen Stadium im Entwicklungsprocedere der Konzeptfindung mitarbeiten ist daher
naheliegend.
3.2 ID Prozessbegleiter: Rolle und Funktion
Beschreiben Sie die Rolle des ID Prozessbegleiters während der Projektentwicklung:
Zuständig für die Vereinbarung und Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien, basierend auf
dem Zertifikat TQB (Total Quality Building) der ÖGNB (Österreichische Gesellschaft für
5
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
Nachhaltiges Bauen), Vorschläge zur Optimierung der Planung (Schwerpunkt thermischenergetische Optimierung und Lebenszykluskosten)
Beschreiben Sie auf maximal einer Seite die Beteiligung des Prozessbegleiters in der
entsprechenden
Planungsphase:
Projektvorbereitung,
Vorentwurf,
Entwurf,
Ausführungsplanung, Errichtung.
Tabelle 2: Rolle des ID Prozessbegleiters in der jeweiligen Planungsphase
Planungsphase
Beschreibung der Beteiligung des ID Prozessbegleiters
Projektvorbereitungsphase
Keine Beteiligung
Vorentwurfsphase
Vereinbarung der Nachhaltigkeitskriterien mit dem Bauherrn
und
dem
Planungsteam,
Vereinbarung
von
Planungsvarianten zur Einhaltung der Nachhaltigkeitsziele,
Überprüfung der Einhaltung der Nachhaltigkeitsziele
Entwurfsphase
Überprüfung der Einhaltung der Nachhaltigkeitsziele,
Überprüfung
von
Optimierungsvorschlägen
anhang
thermischer Simulationen und Tageslichtsimulationen,
Bewertung der Nachhaltigkeitsziele anhand des Zertifikats
TQB (Total Quality Building) der ÖGNB (Österreichische
Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) - Planungszertifikat
Ausführungsplanungsphase
Überprüfung der Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien
(Schwerpunkt
Energiekriterien)
in
den
Ausschreibungsunterlagen
Errichtungsphase
Keine Beteiligung
3.3 ID Facilitator Vollmacht
Hat der ID Facilitator eine Autorisierung vom Auftraggeber (owner) erhalten?
Die Nachhaltigkeitskriterien wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes in den
Planungsprozess eingebracht. Im Forschungsprojekt waren sowohl der Eigentümer des
Objektes als auch der ID Facilitator (aufgeteilt auf zwei Unternehmen)
Bitte legen Sie eine Kopie der Vollmacht im Anhang am Ende dieses Berichts bei.
Die Aufgaben und Pflichten sind im Rahmen eines Konsortialvertrags definiert worden.
6
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
4 Kommunikation zwischen den Teammitgliedern
4.1 Verwendung von Building Information Model (BIM) Tools
Im dem Fall dass mehr als ein BIM Tool während der Planung verwendet wurden, gab
es Probleme beim Austausch des Numerischen Modells zwischen den
Projektmitgliedern?
Nein, BIM wurde nicht eingesetzt, da Bestandsumbau.
Bitte fassen Sie Ihre Erfahrungen mit der Verwendung von BIM Tools zusammen. Was
sind Ihre ‘Lessons learnt’?
---
Glauben Sie, dass der Entwicklungsstand der Software, den Sie verwendet haben,
tauglich für die Praxis ist?
---
Bitte beschreiben Sie Mängel, die durch die Nutzung von BIM Tools aufgetreten sind?
---
4.2 Datentauschsystem
Wie beurteilen Sie die Effizienz Ihres Datentauschsystems?
Gut. Es war eine einfache Plattform, keine Mailablage, nur Planungsstände und Protokolle
während der Planung. Wird in allen ATP Projekten als Struktur verwendet und verwaltet die
relevanten Informationsmedien.
Würden Sie auf Basis der Erfahrungen, die Sie in diesem Projekt gesammelt haben,
die Verwendung weiterentwickelter Datentauschsysteme in Erwägung ziehen?
Die vorhandenen Medien sind ausreichend.
7
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
4.3 Informationsaustausch
Wie beurteilen Sie die Effizienz des Informationsaustauschs während dieses Projekts?
Ausgewogen. Wichtige Diskussionsrunden wurden gemeinsam vor Ort durchgeführt. Dies ist
unerlässlich für die Entwicklung von Fragestellungen, Verteilung von Arbeitspaketen. Für
Detailabstimmungen sind Telefongespräche, Emails oder Videokonferenzen ausreichend.
Würden Sie auf Basis der Erfahrungen, die Sie in diesem Projekt gesammelt haben,
die Verwendung weiterentwickelter Informationsaustauschsysteme in Erwägung
ziehen?
Akut nein, sind aber offen für neue Mittel und Wege.
4.4 Wissenstransfer
Der Wissenstransfer im ID Prozess soll das Wissen über und das Verständnis für die
Arbeitsbedingungen der Spezialisten anderer Fachgebiete erhöhen. Das Ziel dieses
Wissenstransfers ist es, durch erhöhtes Bewusstsein für alle Phasen des
Planungsprozesses zukünftig noch effektivere ID Prozesse sichergestellt werden können.
Bitte beschreiben Sie, wie der Wissenstransfer zwischen Architekten, Ingenieuren und
Entwicklern stattgefunden hat?
Die Architekten, Ingenieure und Entwickler waren weitgehend Teil eines einzigen
Unternehmens. Lediglich die Fachplanung für Bauphysik war durch ein externes Team
vertreten. Daher war der Wissenstransfer zwischen diesen Akteuren sehr einfach und
effizient, d.h. neben den offiziellen Kanälen des Wissens- und Informationstransfers konnten
auch informelle Treffen und Besprechungen untereinander einen guten Wissenstransfer
unterstützen.
5 ID Strategie – Arbeitsprozess
5.1 Qualitätssicherungsplan & Qualitätskontrollplan
Ein Qualitätssicherungsplan beschreibt die übergeordneten Ziele des Projektes. Die
Zielgrößen müssen sowohl als Ziele als auch als Anforderungen beschrieben werden. Es
kann hilfreich sein die Ziele zu gewichten bzw. nach deren Wichtigkeit einzustufen. Es ist
wichtig, dass der Qualitätssicherungsplan bei den Entscheidungsträgern des Projektes tief
8
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
verankert ist. Es sollte ihm derselbe Status wie dem Projektkostenplan und dem
Projektzeitplan eingeräumt werden.
Der Qualitätskontrollplan folgt dem Qualitätssicherungsplan. Dieser Plan dient als Werkzeug
für das Projektteam und als Dokument, das dem Auftraggeber Kontrolle ermöglicht. Der
Qualitätskontrollplan definiert Ziele und untergeordnete Ziele, Meilensteine in der Planungsund Errichtungsphase und spezifiziert die/den Verantwortliche/-n jeder Aufgabe.
5.2 Festlegung von Verantwortlichkeiten, Meilensteinen
Markierung kritischer Punkte in den Planungsphasen
und
Die für eine bestimmte Planungsphase zuständige Person hilft dem ID Facilitator den
Gesamtprozess zu koordinieren. Er/Sie ist für die korrekte Umsetzung und für die pünktliche
Ausführung der geplanten Aufgaben in der Phase verantwortlich.
Ein Meilenstein ist ein formaler Kontrollpunkt, der vom gesamten Planungsteam in der
Erstplanungsphase festgelegt wurde. Einen Meilenstein kann die formale Abnahme durch
den Auftraggeber oder die Übermittlung eines oder mehrerer Dokumente darstellen. Die
Bestätigung eines Meilensteines erlaubt den Beginn der nachfolgenden Planungsphase.
Ein kritischer Punkt ist eine unerwartete Situation, die in einer Phase entstanden ist. Bitte
beschreiben Sie die Lösung, die im Planungsteam diskutiert und vorgeschlagen wurde.
9
Documentation of pilot project Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften
Table 3: Verantwortlichkeiten, Meilensteine, kritische Punkte und Lösungen nach Projektphasen.
Planungsphase
Verantwortliche/-r für
die Phase
Wettbewerb/Vorentwurf BIG
sphase
Meilenstein(e)
Kritische/-r Punkt(e)
Lösung(en)
 Ausschreibung
Wettbewerb für
 Energieeffizienz als
wichtiger Bestandteil der
 Professor am Institut für
Gebäude und Energie war
Generalplaner
 Siegerprojekt
Entwurfsphase
Generalplaner, BIG
 Vorentwurf
 Entwurf
 Einreichung
 Ausschreibung
 Detailplanung
Ausschreibung zur
Planersuche
 Eigentümer war nicht leicht
zu überzeugen von den
Gebäudesimulation von
Generalplaner und
 der technische
Mehraufwand der Fassade
unabhängigen Dritten,
Berechnung der Mehr-
ab. Angst vor Neuem und
Kosten
Ausführungsphase
Generalplaner, BIG
Ausführender, BIG
 Sehr detaillierte
Thermische
passiven Lösungen zur
Kühlung des Gebäudes
für das Funktionieren des
passiven Systems schreckte
Ausführungsplanungsp
hase
Mitglied der
Wettbewerbsjury
 Ausschreibung erstellt
 Kostenanschläge
 Ausschreibung
versenden
 Kostensicherheit durch
Ausschreibungsergebnisse
 Vergabegespräche
 Abänderungsangebote zur
Kostenreduktion
 Fassade abgeschlossen
 Noch nicht abgeschlossen!
Lebenszykluskosten für
den Einbau einer aktiven
Kühlung
 Änderung der Fassade von
Holz auf Alu
 Noch nicht abgeschlossen!
 Bauvorhaben
abgeschlossen
10
Documentation of pilot project Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften
6 Innovation und Demonstration
6.1 Innovative Lösungen
Bitte beschreiben Sie die innovativsten Ergebnisse Ihrer Tätigkeit/des Projektes.
Prozess:

Die Sanierung des Gebäudes der Uni Innsbruck ist ein Demonstrationsprojekt zur
Umsetzung von hohen Nachhaltigkeitsstandards in der Sanierung. Zu Beginn des
Vorentwurfs wurden Nachhaltigkeitskriterien, auf Basis des Zertifikats TQB der ÖGNB
vorgeschlagen und mit dem Bauherrn und dem Planungsteam vereinbart. Diese
Nachhaltigkeitskriterien waren die „Messlatte“ über den gesamten Entwurfsprozess
bis hin zur Ausschreibungsplanung.

Wichtig im Rahmen der Planung und Ausführung war, dass die hohen
Nachhaltigkeitsanforderungen übern den Lebenszyklus des Gebäudes wirtschaftlich
sinnvoll sind. Im Rahmen der Vorentwurfsplanung wurden verschiedene
Energiestandards hinsichtlich der Lebenszykluskosten analysiert, in der
Entwurfsplanung wurden verschiedene Lösungen für die Haustechnik zur
Befriedigung des thermischen Komforts im Sommer hinsichtlich der Auswirkungen
auf Lebenszykluskosten untersucht.

Schwerpunkt der Planung war die thermisch-energetische Optimierung des
Gebäudes. Teil der energetischen Optimierung waren thermisch-energetische
Gebäudesimulationen durch den Generalplaner. Dadurch konnten verschiedenen
Optionen und deren Auswirkungen auf den Energiehaushalt geprüft werden. Zu
Sicherstellung des thermischen Komforts im Sommer
Projekt:
Das Projekt konnte den hohen Anforderungen der Nachhaltigkeitskriterien standhalten.
Durch eine ambitionierte integrale Planung wurden die energetischen Anforderungen an das
Gebäude (HWB* < 25 kWh/m²a und PEB < 150 kWh/m²a) eingehalten werden. Zusätzlich
entspricht die Sanierung den Anforderungen des Passivhausinstituts an Sanierungen
(EnerPhit). Im Detail sind nachfolgende Innovationen eingeplant:

Neuartige Elementfassade mit hoher Wärmedämmung, Vermeidung von
Wärmebrücken und luftdichte Gebäudehülle bei Anwendung in der Sanierung. Mit der
Elementfassade kann eine kurze Sanierungszeit für die Fassade realisiert werden.
Die Fassade samt Fensterflächen bietet einen hohen Anspruch an den
Nutzungskomfort – siehe nachfolgende Punkte.
11
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”

Innovatives, speziell für das Bauingenieurgebäude entwickeltes Senkkippfenster mit
automatischer Regelung und manueller Übersteuerung zur Steigerung der
natürlichen, raumweisen Lüftung und Nachtlüftung. Nur durch die besondere
Öffnungsart dieses Fensters ist eine natürliche Nachtlüftung eines Raumes möglich.
Automatische Steuerung der Senkkippfenster für die Nachtlüftung. Steuerung der
Fenster in Abhängigkeit der Temperatur- und Windverhältnisse.

Jalousie
im
Scheibenzwischenraum
zwischen
Drei-Scheiben-
Wärmeschutzverglasung und Ein-Scheiben-Prallscheibe, Prallscheibe mit Rahmen
verbunden
mit
dem
Wärmeschutzfenster,
lebenszykluskostenoptimierte
Öffnungsmöglichkeit für Reinigung und Reparatur der Fenster und des
Sonnenschutzes

Strahlungsabhängige
Sonnenschutzes

Tageslichtlenkende Jalousien
geschlossenem Sonnenschutz

Dimmbare Leuchten mit tageslicht- und präsenzabhängiger Steuerung sowie
innovativem Regelkonzept zur Reduktion der Beleuchtungszeit.

Lüftungsanlage mit Rotationswärmetauscher zur Wärme- und Feuchterückgewinnung

Innovatives, lebenszykluskostenorientiertes Lüftungskonzept unter Verwendung der
bestehenden Lüftungskanäle. An Stelle der Lüftung und Konditionierung der
Gangflächen im Inneren des Gebäudes werden die Einblasöffnungen in die
Büroräume verlegt. Somit kann kostengünstig für einen verbesserten sommerlichen
Komfort in der Nutzungsfläche gesorgt werden.

Integration von Überströmöffnungen in die bestehende Trennwände zwischen Büro
und Gangfläche zur Verbesserung der natürlichen Nachtlüftung. Individuelle
Steuerung der Abluft zur Unterstützung der Nachtlüftung.

Innovatives MSR-Konzept für die individuelle automatische Steuerung
Sonnenschutzes
zur
Reduktion
des
Solareintrages,
Optimierung
Fensteröffnungen des Senkkippfensters für die natürliche Nachtlüftung

Integration eines Messkonzeptes zur Erhebung der wesentlichen Energieverbräuche
im Gebäude; Monitoring des Energieverbrauchs über zwei Jahre nach der
Inbetriebnahme
Steuerung
zur
mit
individueller
Optimierung
des
Übersteuerung
des
Tageslichteintrages
bei
des
der
12
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
6.2 Demonstration (Ergebnisse und Prozesse)
Abbildung 2: Geplante Sanierung des Fakultätsgebäudes für technische Wissenschaften – Rendering (Quelle:
ATP architekten ingenieure)
13
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
Mit der Sanierung des Hauptgebäudes der Baufakultät an der Universität Innsbruck kann ein
wesentlicher Beitrag zur Reduktion des Energieeinsatzes und der CO2-Emissionen realisiert
werden.
Der Heizwärmebedarf des Gebäudes konnte von 80 kWh/m²a auf 15 kWh/m²a reduziert
werden. Das bedeutet eine Reduktion von 85% (Abbildung 3).
HEIZWÄRMEBEDARF
Bestand
90
80
Sanierung
spez. Heizwärmebedarf HWB
in kWh/m²a
80
70
60
50
ca.
- 85%
40
30
20
15
10
0
Abbildung 3: Reduktion Heizwärmebedarf (Quelle: eigene Darstellung, Datenquellen: BIG, Passivhaus Institut Standort Innsbruck)
Durch die konsequente Reduktion des Nutzenergiebedarfs und die Erneuerung der
Haustechnik konnte der Primärenergiebedarf reduziert werden. Zu Steigerung des
Nutzungskomforts im Sommer wurden u.a. die Zuluftkanäle in die Büroräume verlängert,
sodass dort vorkonditionierte Luft direkt eingeblasen werden kann. Trotz wesentlicher
Erhöhung des Nutzungskomforts konnte der Primärenergiebedarf um ca. 75% reduziert
werden (Abbildung 4).
14
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
PRIMÄRENERGIEBEDARF
spez. Primärenergiebedarf in kWh/m²a
500
450
400
350
ca.
- 75%
300
250
Beleuchtung
Lüftung
Kühlung
200
Warmwasser
150
Heizung
100
50
0
BESTAND
SANIERUNG
Abbildung 4: Reduktion Primärenergiebedarf (Quelle: eigene Darstellung, Datenquellen: BIG, Passivhaus Institut Standort Innsbruck, eigene Berechnung)
Durch die Reduktion des Endenergiebedarfs konnte die CO2-Emissionen um ca. 80%
reduziert werden (Abbildung 5).
CO2 Emissionen
90
spez. CO2 Emissionen in kg/m²a
80
70
60
ca.
- 80%
50
Beleuchtung
Lüftung
40
Kühlung
30
Warmwasser
20
Heizung
10
0
BESTAND
SANIERUNG
Abbildung 5: Reduktion CO2-Emissionen (Quelle: Datenquellen: BIG, Passivhaus Institut - Standort Innsbruck,
eigene Berechnung)
Mit dem Demo-Projekt Baufakultät Innsbruck an der Mur konnte eine deutliche Verbesserung
der Energieeffizienz erreicht werden. Die CO2-Emissionen konnten um ca. 80% reduziert
werden. Die hoch gesetzten Ziele konnten erreicht werden. Ziel der BIG ist, Ministerien von
diesem hohen Qualitätsstandard zu überzeugen, sodass eine Vielzahl von Sanierungen mit
ähnlichen Energie- und CO2-Einsparungen realisiert werden können.
15
Documentation of pilot project “Sanierung – Universität Innsbruck – Fakultät für technische Wissenschaften”
6.3 Versuche/Auswertung
Die Fertigstellung der baulichen Maßnahmen für die Sanierung sind noch nicht
abgeschlossen. Auswertungen vom Gebäudebetrieb können noch nicht berücksichtigt
werden.
6.4 Bewusstseinsbildung/Öffentlichkeitsarbeit
Das Personal und die StudentInnen an der Fakultät für technische Wissenschaften wurden
regelmäßig über die geplanten Arbeiten im Fakultätsgebäude unterrichtet.
Die Ergebnisse des Projektes wurden von Seiten der BIG und des Planungsteams in
mehreren Vorträgen an Fachpersonen präsentiert.
16
Herunterladen