Posttraumatische Belastungsstörung bei Polizisten

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Posttraumatische Belastungsstörung bei Polizisten
Polizisten haben ein erhöhtes Risiko, mit potentiell traumatischen Situationen (z. B. Verkehrs- und Unglücksfälle, Vernehmung von Kriminalopfern, gewalttätiger Angriff auf die eigene, eine andere Person oder einen Kollegen, Umgang mit Toten, Schwerstverletzten und Opfern sexueller Gewalt, Umgang mit aggressiven Personen,
Leichen) konfrontiert zu werden. 2012 wurden 3362 Berliner Polizisten im Dienst verletzt.1 Auch Polizeivollzugsbeamte sind häufiger als andere Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung mit traumatischen Ereignissen
konfrontiert. Bei einer Befragung gaben über 60 Prozent der Polizeivollzugsbeamten an, dass sie mindestens
ein traumatisches Ereignis erlebt haben. Bei anderen Untersuchungen berichteten Beamte, in ihrer Dienstzeit
zwischen 22 und 43 traumatische Ereignisse erlebt zu haben. Zusätzlich Belastungen sind Konflikte mit Kollegen
und Vorgesetzten, eine fehlende Anerkennung, Diskreditierung des Berufes, fehlende oder negative Unterstützung sowie Feindseligkeit durch Bürger oder Kritik an der Polizei von verschiedenen Seiten.
Diese Situationen können zu Stresssymptomen bis hin zur Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen.
Typisch für eine traumatische Situation ist, dass die Betroffenen das Ereignis selbst erlebt oder Zeuge eines
solchen Ereignisses sind. Die Situation muss von dem drohenden oder dem Erleben des Todes anderer oder
einer ernsthaften Verletzung bzw. Gefährdung der eigenen körperlichen Unversehrtheit begleitet sein. Darüber
hinaus muss während des traumatischen Ereignisses intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen auftreten.
Bei einer Untersuchung gaben 70 bis 78 von Hundert befragen bayrischen Polizisten an, nach belastenden Ereignissen Gefühle wie Angst, Entsetzen oder Hilflosigkeit erlebt zu haben. 5,5 Prozent bis 8,7 Prozent entwickelten eine PTBS. Fünf von hundert Befragten Hamburger Polizisten hatten eine voll ausgeprägte PTBS. 2
Nach einem erlebten Trauma können psychische Schädigungen auftreten, auch wenn keine körperliche Verletzung zu verzeichnen ist. Kommt es kurz nach einem Trauma zu psychische Beschwerden und halten diese nicht
länger als vier Wochen an, spricht man von einer akuten Belastungsreaktion. In der Regel klingen die Beschwerden innerhalb weniger Tage wieder ab. Je stärker jedoch die anfänglichen Symptome sind, desto größer
ist die Gefahr einer chronischen PTBS.
Unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung versteht man eine länger andauernde psychische Störung
infolge einer erlittenen Traumatisierung. Das Erscheinungsbild der PTBS ist sehr vielschichtig. Die Symptomatik
kann in verschiedenen körperlichen und psychischen Reaktionen sowie Verhaltensänderungen zum Ausdruck
kommen. Typischen Symptome sind ein Wiedererleben des Traumas (z. B. Alpträume, Flashbacks), ein gesteigertes Erregungsniveau (Hyperarousal) sowie die Vermeidung von Reizen, die mit dem Trauma im Zusammenhang stehen. Häufig wird eine PTBS von einer Depression, Angststörung oder somatoformen Störung begleitet.
Auch Alkohol- und Medikamentenmissbrauch können Folgestörungen sein, da viele Traumatisierte versuchen,
ihre Beschwerden durch Alkohol oder Medikamente zu kontrollieren. Viele Betroffene beschreiben auch Symptome eines Burnouts. Grundsätzlich ist die PTBS nicht durch das Trauma an sich verursacht, sondern durch ein
inadäquates emotionales Verarbeiten. Ein Trauma ist zwar notwendig, führt aber nicht zwangsläufig zu einer
PTBS. Eine PTBS kann jeder bekommen, der ein Trauma erlebt hat, dass mit einer potentiellen oder realen
Todesbedrohung verbunden war. Es ist somit kein Zeichen von Schwäche. Vielmehr reagieren die Betroffenen
auf extreme psychische Belastungen, die bei anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen ebenfalls zu einer
PTBS führen können. Folglich ist die Störung eine normale Reaktion auf eine abnormale Situation.
Die Behandlung der PTBS sollte so früh wie möglich durch einen erfahrenen Psychotherapeuten erfolgen, um
einer Ausweitung der Symptomatik aktiv entgegen wirken zu können. Neben der Möglichkeit einer ambulanten
Therapie stehen bei schwerwiegenderen Beeinträchtigungen auch stationäre Behandlungsangebote zur Verfügung. Wichtig ist, dass Traumatisierten kontinuierlich Unterstützung angeboten wird, damit sie sich nicht Alleingelassen erleben.3,4,5,6
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http://www.focus.de/regional/berlin/unfaelle-mehr-als-3300-polizisten-im-dienstverletzt_aid_1133560.html (Abruf am 24.10.2013)
Latscha, K.: Belastungen bei Polizeivollzugsbeamten: Empirische Untersuchung zur Posttraumatischen Belastungsstörung bei bayerischen Vollzugsbeamten/-innen. Dissertationsarbeit Ludwig-MaximiliansUniversität München. Buchmann, 2005
Buchmann, K.E. u. Rösch. S.: Posttraumatische Belastung polizeilicher Einsatzkräfte nach dem Flugunfall in
Überlingen, 2006
Teegen, F.; Domnick, A. u. Heerdegen, M.: Hochbelastende Erfahrungen im Berufsalltag von Polizei und
Feuerwehr: Traumaexposition, Belastungsstörungen, Bewältigungsstrategien. Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 1997
Teegen, F.: Posttraumatische Belastungsstörungen bei gefährdeten Berufsgruppen: Prävalenz, Prävention,
Behandlung. Bern: Huber, 2003
Tegtmeier, C. u. Tegtmeier, M. A.: PTBS – Das unsichtbare Leid. Handbuch für Einsatzkräfte und Angehörige.
Walhalla Verlag, Regensburg, 2011
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Ratgeber vor, während, nach einem Einsatz
Die Konfrontation mit schlimmsten, die Vorstellungskraft
übersteigenden Erfahrungen - mit Schadensfällen,
Katastrophen und deren Folgen, das Erleben von Tod,
Verletzung und Verwundung - kann traumatischen Stress
auslösen.
Mitarbeiter von Katastrophen- und Rettungsdiensten,
militärische und polizeiliche Einsatkräfte sowie
ehrenamtliche Helfer sind vorwiegend betroffen, ein Teil
der Traumatisierten erkrankt an einer Posttraumatischen
Belastungsstörung (PTBS).
 Das Handlbuch beschreibt die Entstehung von Stress und
Trauma, die Erkennung von PTBS und deren Behandlung.
 Fallbeispiele erklären Symptome und
Behandlungsmöglichkeiten.
 Ein Fragebogen hilft bei der ersten erfassung von
Reaktionen nach Belastungen und gibt Aufschluss, ob
weitere Maßnahmen notwendig sind.
Kompakte unnd verständliche Informationen für
Einsatzkräfte und Anghörige.
PTBS – das unichtbare Leid
Handbuch für Einsatzkräfte und deren
Angehörige
Catri Tegtmeier, Michael A. Tegtmeier
ISBN 978-3-8029-6256-1
Links:
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Posttraumatische Belastungsstörung
Burnout
Depression
Angststörungen
Somatoforme Störungen
Stress und seine Folgen
Die Autoren:
Dr. Michael A. Tegtmeier ist Generalstabsoffizier der
Bundeswehr. Seine Folgerungen für Dienst und Einsatz
beruhen auf seinen eigenen Einsatzerfahrungen
Dr. Catri Tegtmeier ist Chefärztin einer psychosomatischen
Klinik. Sie verfügt über umfangreiche therapeutische und
praktische Erfahrungen im Umgang mit Stress und Trauma
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