Bürgerkrieg und Rekonstruktion

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Bürgerkrieg und Rekonstruktion
Als der Republikaner Abraham Lincoln 1860 zum Präsidenten gewählt
wurde, eskalierte der Konflikt zwischen dem industrialisierten Norden und
dem agrarischen Süden. Einige Staaten des Südens traten aus der Union aus
und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Lincoln dagegen
beharrte auf der unteilbaren Souveränität des Bundes. Der Systemgegensatz zwischen Nord- und Südstaaten wurde durch einen Krieg entschieden. Trotz seiner massiven Überlegenheit konnte sich der Norden erst
nach langen, verlustreichen Kämpfen durchsetzen. Neben dem Erhalt der
Union wurde dabei auch die Sklavenbefreiung zu einem Kriegsziel. Nach
dem langen Krieg musste die Union rekonstruiert, d. h. wiederhergestellt
werden. Die Südstaaten wurden gezwungen, die Sklaverei zu verbieten
und Schwarze als gleichberechtigte Staatsbürger anzuerkennen. Dennoch
wurden diese weiterhin diskriminiert.
Verschärfung des Sklavenproblems und Sezession
Der Missouri-Kompromiss von 1820 (vgl. S. 32) hatte zu keiner endgültigen
Lösung der Sklavenfrage in den neuen Territorien geführt. Durch den Sieg
über Mexiko hatte sich das Staatsgebiet enorm vergrößert und die Südstaaten
sahen sich immer mehr in die Enge getrieben. So beantragte Kalifornien im
Zuge einer nach den Goldfunden von 1848 einsetzenden Masseneinwanderung schon 1850 die Aufnahme in die Union als freier Staat, wodurch das
politische Gleichgewicht zwischen sklavenhaltenden und sklavenfreien Staaten
gefährdet war. Die daraufhin hoch schlagenden politischen Wogen sollten mit
dem Kansas-Nebraska-Gesetz von 1854 wieder geglättet werden, das den
Einwohnern im Nordwesten die Entscheidung freistellte, ob sie die Sklaverei
einführen wollten, wodurch der alte Missouri-Kompromiss obsolet geworden
wäre. In Kansas kam es daraufhin aber zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Gegnern und Befürwortern der Sklaverei.
Zur Verschärfung des Problems trug ein Urteil des Supreme Court von 1857
bei: Der aus Missouri stammende Sklave Dred Scott hatte mit der Begründung,
er sei durch einen Aufenthalt in Illinois und Wisconsin frei geworden, auf
Freilassung geklagt. Der oberste Gerichtshof wies die Klage mit dem Argument ab, Schwarze seien keine Bürger der USA und hätten deswegen kein
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Klagerecht. Vielmehr seien sie durch die Verfassung geschütztes Eigentum,
sodass auch Maßnahmen wie der Missouri-Kompromiss oder das KansasNebraska-Gesetz verfassungswidrig seien. Nach Auffassung des Gerichts unter
Vorsitz eines Sklavenhalters hatte die Bevölkerung eines Staates grundsätzlich
nicht das Recht, über Einführung oder Verbot der Sklaverei zu bestimmen.
Die Tatsache, dass die Sklavenfrage immer weiter ins Zentrum der öffentlichen Auseinandersetzung rückte, wirkte sich auch auf das Parteiensystem
aus: So trat bei den Präsidentschaftswahlen 1860 für die Demokratische
Partei sowohl ein Kandidat für den Norden als auch einer für den Süden an.
Aus ehemaligen Whigs und anderen Gegnern der Sklaverei hatten sich bereits
1854 die Republikaner formiert, die im Süden keine Basis hatten. Deren
Wahlprogramm sah eine allmähliche Auflösung des Sklavensystems, die Förderung der Industrie durch Schutzzölle und die Verbesserung der Infrastruktur
im Westen durch Vergabe öffentlichen Landes an Siedler vor.
Ins Rennen um das Präsidentenamt wurde
Abraham Lincoln aus Illinois geschickt,
der die Sklaverei aus moralischen Gründen
ablehnte, sich während des Wahlkampfes
aber in Zurückhaltung übte. Obwohl die
Republikaner in einigen Südstaaten nicht
zur Wahl zugelassen wurden, erhielt Lincoln insgesamt ca. 40 Prozent der Wählerstimmen und damit die absolute Mehrheit im Wahlmännerkollegium. Bis auf
New Jersey hatten die Republikaner alle
Staaten des Nordens gewonnen.
Wollte der Süden weiter eine eigenständige Politik verfolgen, so blieb ihm
Abraham Lincoln, Präsident 1861–1865.
nur die Abspaltung (Sezession). Noch
vor Lincolns Amtsantritt am 4. März 1861
hatten – angeführt von South Carolina mit seinem Sklavenanteil von 58 Prozent – alle Staaten des Unteren Südens (Mississippi, Florida, Alabama, Georgia,
Louisiana und Texas) ihren Austritt aus der Union erklärt und die Konföderierten Staaten von Amerika gegründet, deren Verfassung – angelehnt an
die alten Konföderationsartikel – einen lockeren Staatenbund mit schwacher
Zentralgewalt vorsah. Präsident wurde Jefferson Davis, ein reicher Baumwollpflanzer.
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