Infektionen in der Gastroenterologie, Norovirus

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Norovirus, Clostridien, Salmonellen
Hartwig Klinker
Akute Gastroenteritiden stellen sowohl im ambulanten wie zunehmend auch im stationären
Bereich
häufige
Erkrankungen
dar.
Das
Erregerspektrum
umfasst
als
obere
Dünndarminfektion vor allem Noroviren, Rotaviren und enterotoxische E. coli (ETEC), als
untere Dünndarminfektion Salmonellen, Yersinien, Campylobacter und enteropathogene E.
coli (EPEC) sowie als Infektionen des Colons Shigellen, enteroinvasive E. coli (EIEC),
enterohämorrhagische E. coli (EHEC) und Clostridium difficile.
Während Lebensmittel-Intoxikationen durch z. B. Staphylokokken keine nennenswerte
Mukosaschädigung hervorrufen und virale Infekte mit einer meist oberflächlichen
Schleimhautschädigung einhergehen, verlaufen bakterielle und parasitäre Infektionen oft
invasiver und führen zu einer inflammatorischen Reaktion mit blutigen Diarrhoen, Nachweis
von Leukozyten im Stuhl und CRP-Erhöhung im Serum bis hin zur systemischen, febrilen
Infektion.
Norovirus-Infektionen sind bei uns die häufigste Ursache akuter Gastroenteritiden und
stellen die häufigste meldepflichtige Infektion dar. Der Erkrankungsgipfel liegt in den
Wintermonaten. Die Inzidenz hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, allein vom
Jahr 2006 zum Jahr 2007 war in Deutschland ein Anstieg von 75.860 auf 201.133 Fälle zu
verzeichnen.
Von
Ausbrüchen
sind
insbesondere
Gemeinschaftsunterkünfte
wie
Pflegeheime und Krankenhäuser betroffen. Bei Noroviren handelt es sich um einsträngige,
hüllenlose RNA-Viren, sie sind weltweit verbreitet, das einzige Erreger-Reservoir ist der
Mensch.
Die Klinik der Norovirus-Infektion ist durch wässrige Diarrhoen, abdominelle Krämpfe und
heftiges Erbrechen gekennzeichnet. Im Stuhl und Erbrochenen finden sich hohe
Viruskonzentrationen, was zusammen mit der ausgesprochenen Umweltresistenz der
Erreger und der sehr niedrigen Infektionsdosis (10-100 Viren) eine hohe Kontagiosität der
Erkrankung bedingt. Die Übertragung erfolgt dabei fäkal-oral und auch über eine
Aerosolbildung, weshalb Kontaktpersonen einen Mundschutz tragen sollten. Die Erkrankung
ist mit einer Dauer von etwa 12-60 Stunden selbstlimitierend, bei immunsupprimierten
Patienten kommen allerdings auch protrahierte Verläufe vor. Eine kausale Therapie ist nicht
verfügbar, die Behandlung ist symptomatisch.
Der Nachweis der Infektion erfolgt mittels PCR aus dem Stuhl. Insbesondere bei Ausbrüchen
ist eine Erreger-Diagnostik allerdings nur bei den ersten Erkrankungen sinnvoll, die Diagnose
kann ansonsten klinisch gestellt werden. Die wichtigste Maßnahme im Management von
Norovirus-Infektionen
sind
adäquate
Hygienemaßnahmen,
die
bereits
bei
Krankheitsverdacht einzuleiten sind. Da eine Ansteckungsfähigkeit bis mindestens 48
Stunden nach Ende der klinischen Symptomatik besteht, sollten die Maßnahmen noch über
den genannten Zeitraum fortgeführt werden und z. B. erkranktes Personal erst danach
wieder die Arbeit aufnehmen.
Salmonellosen sind neben Campylobacter-Infektionen mit ca. 50.000 – 60.000 gemeldeten
Erkrankungen die häufigsten bakteriellen Darminfektionen. Die für eine klinisch manifeste
Erkrankung notwendige Infektionsdosis ist mit 104 – 105 Erregern hoch, die Infektion erfolgt
vor allem über von Geflügel, Rindern oder Schweinen stammende Lebensmittel, daneben
über rohe Eier. Die Inkubationszeit beträgt ca. 5-72 Stunden. Bei unkompliziertem,
enteritischen Verlauf ist die Therapie symptomatisch, nur bei fieberhaften, schweren
Erkrankungen oder Risikopatienten wird antibiotisch, dann in der Regel mit Ciprofloxacin,
behandelt. Der Erregernachweis erfolgt aus Stuhlkulturen.
Bei bis zu 25% aller antibiotisch behandelten Patienten tritt eine Diarrhoe auf. Die klinische
Symptomatik reicht von der unkomplizierten Antibiotika assoziierten Diarrhoe (AAD) bis hin
zur schweren pseudomembranösen Kolitis. Leichte Verläufe werden in 20-25%, schwere in
über 90% durch eine Infektion durch Clostridium difficile (CD), ein grampositives,
anaerobes Stäbchenbakterium, verursacht.
Die Häufigkeit der Clostridium difficile assoziierten Diarrhoe (CDAD) hat in den vergangenen
Jahren erheblich zugenommen und stellt ein ernstzunehmendes Problem in vielen
Krankenhäusern dar. Die zusätzlichen Kosten durch die notwendige intensivere Betreuung
und verlängerte Krankenhausaufenthalte von CDAD-Patienten wird für Europa auf ca. 3
Milliarden Euro geschätzt. Gefährdet sind vor allem ältere, pflegebedürfitige Patienten, es
besteht eine direkte Beziehung der Inzidenz zur Dauer eines Krankenhausaufenthaltes und
zur Dauer einer antibiotischen Therapie.
Für den Pathomechanismus entscheidend sind die Antibiotika-bedingte Störung der
individuellen Mikroflora des Kolons, die Überwucherung mit Clostridium difficile und
schließlich die Freisetzung von CD-Toxin A (Enterotoxin) und Toxin B (Zytotoxin).
Eine CDAD entwickelt sich in der Regel 5-10 Tage nach Beginn einer antibiotischen
Therapie, kann allerdings auch Wochen nach deren Beendigung auftreten. Ein besonderes
Risiko
für
eine
CDAD
besteht
bei
Einsatz
von
Clindamycin,
Cephalosporinen,
Aminopenicillinen und in jüngster Zeit auch Fluorchinolonen. Die Diagnostik erfolgt über den
Toxinnachweis im Stuhl mittels ELISA-Verfahren.
Asymptomatische Keimträger und Patienten mit milder Symptomatik erhalten keine
spezifische Therapie. Wenn möglich, sollte das mutmaßlich auslösende Antibiotikum
abgesetzt werden. Eine Indikation für eine gezielte antibiotische Behandlung der CD-
Infektion besteht, wenn schwere Diarrhoen bestehen, Hinweise auf eine manifeste Kolitis
(Fieber, Leukozytose, ggf. endoskopischer Befund) vorliegen oder die Durchfälle nach
Absetzen der auslösenden Antibiose persistieren.
Die Therapie erfolgt über 10 Tage mit Metronidazol, alternativ mit Vancomycin oral. In 2025% der Fälle ist mit Rezidiven zu rechnen. In dieser Situation wird bei identischer
Ansprechrate erneut mit Metronidazol behandelt, bei neuerlichen Rezidiven über einen
verlängerten Zeitraum von 14-21 Tagen, durch die zusätzliche Gabe des Probiotikums
Saccharomyces boulardii kann das Risiko weiterer Rezidive gesenkt werden.
In den letzten Jahren wurden sowohl in den USA als auch in Europa vermehrt Ausbrüche mit
einem hoch virulenten Stamm von Clostridium difficile beobachtet, der mit einer 5-20-fachen
Steigerung der Inzidenz und einer 3-5-fach erhöhten Letalität einer CDAD einhergeht. Als
Ursache wird eine gesteigerte Toxinproduktion des als Ribotyp 027 bezeichneten Stammes
als Folge einer Deletion in einem negativen Toxin-Regulator-Gen angesehen.
Clostridium difficile wird im Krankenhaus ausgehend von infizierten Patienten effektiv über
kontaminierte Gegenstände und vor allem über die Hände des Personals übertragen. Dieses
Risiko wird vielfach unterschätzt! Eine sorgfältige Händehygiene ist daher neben der
Kontaktisolierung von betroffenen Patienten und einer rationalen Antibiotikatherapie für die
Prävention einer CDAD von entscheidender Bedeutung.
Prof. Dr. med. Hartwig Klinker
Internist/Gastroenterologe/Infektiologe
Schwerpunkt Infektiologie
Zentrum Infektiologie DGI
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Universitätsklinikum Würzburg
Josef Schneider-Str. 2
97080 Würzburg
Tel 0931/201-36020, Fax 0931/201-36022
e-mail: [email protected]
www.medpoli.uni-wuerzburg.de/hepinf
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