Musterlösung zur Einsendearbeit zum Modul 32511: Steuern und ökonomische Anreize, Kurs 00694KE3: Verbrauchsteuern Musterlösung zur Einsendearbeit: Kurs 00694KE3, Verbrauchsteuern Aufgabe 1 I) Nehmen Sie an das repräsentative Individuum einer Volkswirtschaft habe die Nutzenfunktion √ U (x1 , x2 ) = x1 x2 . Sein Einkommen E verwendere das Individuum vollständig für den Konsum der beiden Güter x1 und x2 . Die Regierung erhebe auf das Gut x1 die Wertsteuer t1 und auf das Gut x2 die Wertsteuer t2 . a) Ermitteln Sie die gewöhnlichen (Marshallschen) Nachfragefunktionen der beiden Konsumgüter. b) Gehen Sie davon aus, dass E = 100, t1 = 7%, t2 = 19% gilt und die beiden Nettopreise ne pne 1 und p2 jeweils 1 betragen. Bestimmen Sie die nachgefragten Gütermengen, das Nutzenniveau und die Steuereinnahmen. c) Der Staat erwäge im Rahmen einer aufkommensneutralen Steuerreform die unterschiedliche Besteuerung der beiden Güter zugunsten einer einheitlichen Besteuerung aufzugeben. Bestimmen Sie unter Berücksichtigung der Angaben aus Teilaufgabe b) den einheitlichen Wertsteuersatz t und das neue Nutzenniveau. Ist die Steuerreform aus Sicht des Individuums vorteilhaft? Hinweis: Runden Sie bei Bedarf auf zwei Nachkommastellen genau. II) In einer Volkswirtschaft seien die Angebots- und Nachfragefunktion nach einem Gut x gegeben durch ps (x) = 5+0, 5x und pd (x) = 15−2x. Der Staat besteuere das Gut mit der Mengensteuer t. a) Bestimmen Sie für t = 0 sowie für t > 0 das Marktgleichgewicht bei vollständiger Konkurrenz. Welchen Steuersatz müßte der Staat zur Maximierung seiner Steuereinnahmen setzen? Berechnen Sie die entsprechenden Steuereinnahmen. Welchen Anteil der Steuern tragen die Anbieter und welchen die Nachfrager? b) Bestimmen Sie für t = 0 sowie für t > 0 das Marktgleichgewicht im Monopol. Welchen Steuersatz müßte der Staat zur Maximierung seiner Steuereinnahmen setzen? Berechnen Sie die entsprechenden Steuereinnahmen. Welchen Anteil der Steuern tragen die Anbieter und welchen die Nachfrager? Hinweis: Runden Sie bei Bedarf auf zwei Nachkommastellen genau. 1/4 Musterlösung zur Einsendearbeit zum Modul 32511: Steuern und ökonomische Anreize, Kurs 00694KE3: Verbrauchsteuern I) a) Die Bestimmung der Nachfragefunktionen erfolgt über die Maximierung des Nutzens. Die entsprechende Lagrange - Funktion lautet: h i br L = (x1 x2 )0,5 − λ pbr 1 x1 + p 2 x2 − E Über die Bedingungen erster Ordnung lassen sich die Nachfragefunktionen x∗1 und x∗2 bestimmen. 0,5 x2 ∂L − λpbr = 0, 5 1 =0 ∂x1 x1 0,5 ∂L x1 − λpbr = 0, 5 2 =0 ∂x2 x2 ∂L br = pbr 1 x1 + p 2 x2 − E = 0 ∂λ pbr ⇒ x2 = x1 1br p2 ⇒ E = 2pbr 1 x1 E ⇔ x∗1 = br 2p1 E ⇒ x∗2 = br 2p2 50 50 b) Die nachgefragten Gütermengen sind x∗1 = 1,07 = 46, 73 und x∗2 = 1,19 = 42, 02. Daraus √ folgt für den Nutzen U = 46, 73 · 42, 02 = 44, 31, sowie für die Steuereinnahmen T = ne t1 pne 1 x1 + t2 p2 x2 = 0, 07 · 46, 73 + 0, 19 · 42, 02 = 11, 25. E und 2pne 1 (1+t) E tpne = 2 2pne 2 (1+t) c) Gilt ein einheitlicher Steuersatz t, so lauten die Nachfragefunktionen x∗1 = E . Für die Steuereinnahmen gilt 2pne 2 (1+t) E E t 2(1+t) + t 2(1+t) . Diese sollen 11, 25 betragen. x∗2 = E dann T = tpne 1 2pne (1+t) + 1 Des Weiteren ist E = 100. Es folgt: 50 50 +t = 11, 25 1+t 1+t ⇔100t = 11, 25 + 11, 25t T =t ⇔88, 75t = 11, 25 9 ≈ 12, 68% ⇔t = 71 √ Für die Gütermengen und wegen U = x1 x2 für den Nutzen folgt x∗1 = x∗2 = U = 50 1,1268 = 44, 37 > 44, 31. Da der Nutzen größer ist als im Steuerregime mit zwei unterschiedlichen Steuersätzen sollte die Reform aus der Sicht des Individuums durchgeführt werden. II) a) Ohne Steuer gilt im Marktgleichgewicht ps = pd . Es folgt: 5 + 0, 5x = 15 − 2x ⇔x = 4 ⇒ps = pd = 5 + 2 = 7 2/4 Musterlösung zur Einsendearbeit zum Modul 32511: Steuern und ökonomische Anreize, Kurs 00694KE3: Verbrauchsteuern Wird eine Mengensteuer erhoben gilt hingegen ps = pd − t. Es folgt: 5 + 0, 5x = 15 − 2x − t ⇔x = 4 − 0, 4t ⇒ps = 7 − 0, 2t pd = 7 + 0, 8t Die Steuereinnahmen des Staates belaufen sich auf T = xt = 4t − 0, 4t2 . Das Maximum der Steuereinnahmen lässt sich über die Bedingung erster Ordnung eines Maximums ermitteln: dT = 4 − 0, 8t = 0 dt ⇔t = 5 Die Steuereinnahmen belaufen sich dann auf Tmax = 20 − 0, 4 · 25 = 10. Die Traglast lässt sich aus den Anbieter- und Nachfragerpreisen ableiten. So müssen die Anbieter pro Mengeneinheit einen Abschlag von 0, 2t auf den Preis ohne Steuer hinnehmen. Sie tragen damit 20% der Mengensteuer. Die Nachfrager haben dagegen einen Aufschlag von 0, 8t im Vergleich zum Preis ohne Steuer je Mengeneinheit zu tragen. Dies entspricht einer Traglast von 80% der Mengensteuer. b) Im Monopol entsprechen die Grenzkosten des Anbieters seinen Grenzerträgen. Ohne Steuer sind die Grenzkosten durch ps (x) = 5 + 0, 5x gegeben. Die Grenzerträge entsprechen der ersten Ableitung der Erträge pd (x)x = 15x − 2x2 . Sie belaufen sich daher auf 15 − 4x. Im Monopolgleichgewicht gilt somit: 15 − 4x = 5 + 0, 5x 20 ≈ 2, 22 ⇔x = 9 40 5 ⇒pd = 15 − = 10 ≈ 10, 56 9 9 Erhebt der Staat die Mengensteuer t gilt für den erzielbaren Preis des Anbieters ps = pd − t. Entsprechend sind seine Erträge dann pd (x)x − tx = 15x − 2x2 − tx und die Grenzerträge 15 − 4x − t. Im Monopolgleichgewicht ist dann: 15 − 4x − t = 5 + 0, 5x 2 2 ⇔x = 2 − t ≈ 2, 22 − 0, 22t 9 9 40 4 5 4 ⇒pd = 15 − + t = 10 + t ≈ 10, 56 + 0, 44t 9 9 9 9 5 5 ps = 10 − t ≈ 10, 56 − 0, 56t 9 9 Die Steuereinnahmen belaufen sich auf T = xt = 2 29 t − 92 t2 Für ein Maximum muss dT dt = 0 gelten: dT 2 4 =2 − t = 0 dt 9 9 ⇔t = 5 3/4 Musterlösung zur Einsendearbeit zum Modul 32511: Steuern und ökonomische Anreize, Kurs 00694KE3: Verbrauchsteuern 50 50 Die maximalen Steuereinnahmen belaufen sich auf Tmax = 100 9 − 9 = 9 ≈ 5, 56. Die Traglast lässt sich wieder anhand der Preise bestimmen. So trägt der Anbieter einen Anteil von 0, 56t bzw. 56%, während die Nachfrager 44% tragen müssen. 4/4