Hormone - mehrke.de

advertisement
Hormonsystem
Hypophyse
Hypothalamus
Schilddrüse / Nebenschilddrüsen
Nebennieren
Pankreas
Nieren
Ovarien
Hoden
Dr. G. Mehrke
1
Hormonwirkungen
Dr. G. Mehrke
2
Hormone
• Essentiell für Stoffwechsel und Regulation
•
Extrem niedrige Konzentrationen (10-11-10-12 molar)
•
Bildung meist in endokrinen Organen
•
Transport über das Blut, oft gebunden an spezifische
Transportproteine
•
meist rasch abgebaut
Dr. G. Mehrke
3
Hormone
Chemisch 4 Hauptgruppen
•
•
•
•
Glycoproteine mit hohem Zuckeranteil
(Gonadotropine: LH, FSH, HCG TSH etc)
Proteo- und Peptidhormone (ACTH,
Insulin, Parathormon, Hormone des GITrakts etc)
Steroidhormone (Sexual- und
Nebennierenrindenhormone)
Tyrosinabkömmlinge (NN-Mark:
Adrenalin; Schilddrüse: Thyroxin)
Dr. G. Mehrke
4
Wirkungsmechanismus von Peptid- und Proteohormonen
Hormon
Membran - Rezeptor
Aktivierung
Second Messenger
Dr. G. Mehrke
Zellantwort
5
Transportprotein
Zellulärer Wirkungs
mechanismus von
Steroid- und Schilddrüsenhormonen
Hormon
cytosolischer
Rezeptor
aktivierter
Rezeptorkomplex
Lipidlöslich:
Intrazelluläre Wirkung
Kern
Rezeptor
gesteigerte Synthese
von mRNS =
Transkription
Translation
Effektorzelle
DNS
Hormonrezeptorkomplex
Ribosomen
mRNS
Synthese von Proteinen/Enzymen
Dr. G. Mehrke
6
Transport der lipophilen Hormone im Blut: Carrier
Rezeptoren sind zielgewebsspezifisch:
(dpm/mg Protein
Spezifische Bindung von Progesteron an Zielgewebe
Uterus-Muskel
3H
Quergestreifter Muskel
60
120 min
Injektion von 3H-Progesteron
Dr. G. Mehrke
7
Hormone: allgemein
Prinzip der Rückkopplung mit negativem Effekt
Hypothalamus
Hypothalamus
auf hypothalamische
Zentren, die die Synthese
und Sekretion von z.B. TRH
oder GnRH regulieren
Synthese und Ausschüttung
von Freisetzungshormonen,
z.B. TRH oder GnRH
Hypophyse
Synthese und Ausschüttung
von tropen Hormonen, z.B.
TSH oder LH
Bremswirkung
Hypophysenvorderlappen
periphere
Hormonkonzentration
z.B. Androgenen oder T3, T4
Erfolgsorgan
z.B. Hoden und Schilddrüse.
Synthese und Ausschüttung
von Androgenen (Hoden)
oder T3, T4 (Schilddrüse)
Erfolgsorgan
Dr. G. Mehrke
8
Hierarchie der Hormone
Hormonausschüttung wird durch einen
nervalen Reiz im ZNS ausgelöst Nervalhormonale Schaltstelle ist v. a. der
Hypothalamus
Releasing-Hormone (RH) - Liberine
Release-inhibiting-Hormone (RIH)
- Statine
Oberste Hormondrüse:
Hypophyse
Dr. G. Mehrke
9
Hypophysenvorderlappen
Hypophysenhinterlappen
Dr. G. Mehrke
10
Hierarchische
Struktur
und Aufbau
der HypothalamusHypophysenHormondrüsen
Achse
Dr. G. Mehrke
11
Hypothalamushormone
Kurznamen, Synonyme
Corticoliberin
Corticotropin-RH, CRF, CRH
Gonadoliberin
ICSH, Gn-RH, FSH/LH-RH
Prolactostatin
Dopamin, Prolactin-IH, PIF, PIH
Somatoliberin
GH-RH, GRH, SRF, SRH
Somatostatin
IH für STH, SIH, GH-IH
Thyroliberin
RH für TSH, TRF, TRH
Dr. G. Mehrke
12
Hypophysenvorderlappen
Corticotropin
Follitropin
Lutropin
Melanotropin =
a-Melanocortin
Somatotropin
Thyrotropin
Prolactin
Adrenokortikotropes H., ACTH
Follikel stimulierendes H., FSH
Luteinisierendes (Interstitialzellen stimulierendes)
Hormon, LH, ICHS
a-Melanozyten stimulierendes Hormon, a-MSH
Wachstumshormon (Growth hormone), STH, GH
Schilddrüsen stimulierendes Hormon, TSH
Mammotropes (laktotropes) Hormon, PRL
Akromegalie: vermehrt Wachstumshormone (STH somatotropes Hormon) - Tumor
Dr. G. Mehrke
13
Hypophysenhinterlappen
Oxytocin
Oxytocin (Schwangerschaft – Wehen – Milchproduktion)
Adiuretin
(Arginin-)Vasopressin, antidiuretisches Hormon, ADH, AVP
(Niere – Wasserausscheidung)
Dr. G. Mehrke
14
Pankreashormone
Die Funktionen der Hormone der Bauchspeicheldrüse sind:
• für die Speicherung der aufgenommenen Nahrung in Form
von Glykogen und Fett zu sorgen (Insulin)
• die Energiereserven bei Bedarf zu mobilisieren (Glukagon)
• die Konstanthaltung des Blutzuckerspiegels
• die Beinflussung von Wachstum und Stoffwechsel
(Somatostatin)
Dr. G. Mehrke
15
Pankreashormone
Das endokrine Pankreas produziert die
Hormone:
• Insulin (β-Zellen)
• Glukagon (α-Zellen)
• Somatostatin (δ-Zellen)
• Pankreatisches Polypeptid [PP] (F-Zellen)
PP hemmt die exokrine
Somatostatin:
Sekretion des Pankreas, also
1. Wachstumshormon-Ausschüttung
die Produktion der
inhibierend (Somatotropin releasing inhibiting Verdauungssäfte und
factor, SRIF)
2. parakrine Wirkung: inhibitorisch auf die Motilität von Gallenwege,
die Insulin- und Glukagonsekretion stimuliert die SalzsäureProduktion des Magens.
Dr. G. Mehrke
16
Diabetes mellitus
Typ-1-Diabetes beginnt meist in der Jugend. Bei Diabetes Typ 1 werden die
Insulin-bildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört.
Insulin ist notwendig, damit Zucker, der über die Nahrung ins Blut gelangt, von
Zellen aufgenommen und verarbeitet werden kann. Ist zu wenig Insulin
vorhanden, verbleibt der Zucker im Blut – der Blutzuckerspiegel steigt.
Typ-2-Diabetes betrifft meist Ältere. Zunehmend sind aber auch jüngere
Personen und sogar Kinder betroffen. Beim Typ-2-Diabetes schüttet die
Bauchspeicheldrüse ausreichend oder sogar verstärkt Insulin aus. Die Zellen,
die auf das Hormon reagieren sollten, werden jedoch zunehmend
unempfindlicher gegenüber Insulin.
Auch in diesem Fall steigt der Blutzuckerspiegel an. Typ-2-Diabetes kann lange Zeit ohne Symptome
verlaufen und erst durch Spätschäden auf sich aufmerksam machen.
Typ-1-Diabetiker müssen regelmäßig Insulin spritzen, um den Mangel dieses Hormons auszugleichen.
Typ-2-Diabetiker können dagegen zu Beginn der Erkrankung viel bewirken, indem sie ihren
Lebensstil ändern: Viel Bewegung, ein normales Gewicht und eine ausgewogene Ernährung tragen
dazu bei, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Ist der Typ-2-Diabetes weiter fortgeschritten,
müssen Medikamente dabei helfen, den Blutzucker zu regulieren.
Dr. G. Mehrke
17
Insulin
Zu den wichtigsten biologischen Wirkungen des Insulins
gehören:
Membraneffekte
•
Beschleunigung der Glucoseaufnahme in Muskelund Fettzellen
•
Beschleunigung der Aufnahme von Aminosäuren
und Kalium in Muskel- und Fettzellen
Metabolische Effekte
•
Induktion der Glykogensynthese und -speicherung in Leber und Muskel
•
Steigerung der Fettsynthese in Leber und Fettgewebe
•
Speicherung von Aminosäuren im Muskel
•
Hemmung der Glukosebildung in der Leber
•
Hemmung der Proteolyse (Proteinabbau)
•
Regulation des Zellwachstums und der Proliferation durch die Aktivierung der
Transkription von Genen, die den Zellzyklus kontrollieren.
Dr. G. Mehrke
18
Schilddrüsenhormone
Aus der Aminosäure Thyrosin werden die jodhaltigen Hormone
Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) gebildet.
Die Ausschüttung der Hormone wird von TRH (Thyroxin Releasing Hormone)
aus dem Hypothalamus stimuliert.
Somatostatin hemmt sie.
Schilddrüsenhormone beeinflussen Wachstum, Reifung und
Stoffwechsel des Körpers.
Dr. G. Mehrke
19
Schilddrüsenhormone
NH2
C C
H2 H
HO
Einfluss auf Wachstum und Reifung
COOH
L-Tyrosin
I
Regulativer Eingriff in den
Energiestoffwechsel
NH2
C C
H2 H
HO
COOH
Monoiodtyrosin (MIT)
Für die Synthese benötigt der
Körper Jod
I
NH2
C C
H2 H
HO
COOH
I Diiodtyrosin (DIT)
Der Jodvorrat des Körpers und der tägliche
Bedarf betragen durchschnittlich 7 mg und
70 µg (1%).
I
I
HO
NH2
C C
H2 H
O
COOH
I
Das tägliche Jodangebot beträgt je nach
Region 10-500 µg in Nahrung und
Trinkwasser
 reicht nicht überall !
Liothyronin (T3)
HO
NH2
C C
H2 H
O
I
Dr. G. Mehrke
I
I
COOH
I
20
Thyroxin - Levothyroxin (T4)
Wirkungen von Schilddrüsenhormonen
 Förderung von Wachstum und Reifung
 Regelung des Energiestoffwechsels
 erhöhter O2-Verbrauch
Grundumsatz gesteigert
 gesteigerte Wärmeproduktion
 je nach Ausgangssituation und Gewebe: Steigerung oder
Hemmung des Glucose-, Lipid- und Proteinstoffwechsels
 Steigerung der Erregbarkeit (ZNS)
 Steigerung der Herztätigkeit
Adenylatcyclase 
O2-Verbrauch Phosphodiesterase 
Adrenozeptorendichte 
 inotrop + chronotrop: erhöhter
(Katecholaminwirkung)
 Aktivierung von Osteoklasten und –blasten
 erhöhte Ausscheidung von Ca++ und Phosphat im Urin
 Muskelkontraktion verlangsamt
 mehr Energie für gleiche Arbeit
Dr. G. Mehrke
21
3-Jährige:
gesund (96 cm)
Hypothyreose
krank (74 cm)
10-jähriges unbehandeltes Mädchen
 Kretinismus
 Myxödem
Dr. G. Mehrke
22
Jodmangel – Struma
Dr. G. Mehrke
23
Jodmangelstruma: Therapie mit Thyroxin, T4
Hypophyse
Hypophyse
TSH
Hypophyse
TSH
TSH
I-
I
T3,T4
normal
T4
IT3,T4
euthyreote
Struma
Dr. G. Mehrke
T4,T3
Rückbildung durch
exogene T4-Zufuhr
24
Hyperthyreose
• Überproduktion von T4/T3; Morbus Basedow
• erhöhter Grundumsatz, erhöhte Temperatur
• Schlaflosigkeit, Tremor, pos. chrono- und inotrop,
Extrasystolen, Kammerflimmern
• gesteigerte Wirksamkeit der Katecholamine
• Basedowkrise: Fieber, Tachykardie und
• Rhythmusstörungen, Dehydratation, Erbrechen,
Durchfall, extreme Unruhe, Myopathie
Dr. G. Mehrke
25
Calcium- und Phosphathaushalt
Der hormonalen Steuerung des Calcium- und Phosphathaushaltes
dienen Parathyrin und Calcitriol (aus Vit. D). z.T. auch Calcitonin
(Peptidhormon, Schilddrüse).
Die Vorstufe von Calcitriol Vitamin D3 wird unter UV-Einwirkung in der Haut gebildet.
In den Nieren wird es zu Calcitriol aktiviert.
Calcitonin ist der Gegenspieler zum Parathormon.
Calcitriol und Calcitonin führen zum verstärkten Einbau von Ca in die
Knochensubstanz. Osteoklasten werden gehemmt.
Parathyrin (Parathormon) ist ein Peptidhormon, das
in den Nebenschilddrüsen gebildet wird.
Parathormon erhöht die Aktivität der
Osteoklasten  Erhöhung des Blutcalciums
Nebenschilddrüsen: Die vier kleinen Drüsen
liegen an der Rückseite der Schilddrüse.
Dr. G. Mehrke
26
Nebennierenhormone
Nebennierenrinde und Nebennierenmark
Nebennierenrinde: Glucocortico(stero)ide
Mineralocortico(stero)ide
Aldosteron, Corticosteron und 11-Desoxycorticosteron
(Wirkung auf den Elektrolythaushalt)
Gluco-cortico(stero)id Cortisol (=Hydrocortison) und (in
geringem Ausmaß) Cortison (Wirkung auf den
Kohlenhydrathaushalt)
Dr. G. Mehrke
27
Glucocorticoide
Kohlenhydrat- und Aminosäurenstoffwechsel :
Cortisol erhöht die Glucosekonzentration im Blut
Herz- und Kreislauf: Verstärkung der Herzkraft und
zur Gefäßkonstriktion
Glucocorticoide wirken (v. a. in höherer Dosierung)
antientzündlich, antiallergisch,
hemmen die Synthese von Lymphokinen
und die Histaminfreisetzung
Dr. G. Mehrke
28
Cushing-Syndrom - erhöhte
Cortisolspiegel
Die Symptome des Cushing-Syndroms
sind durch die verstärkte hormonelle
Wirkung der Cortikoide auf die Zielgewebe
bedingt.
•Vollmondgesicht
•Stammfettsucht
•„Stiernacken“
•Stoffwechsellage wie bei Diabetes
mellitus
•arterielle Hypertonie
•Hypogonadismus
•Osteoporose
•Hautatrophien, Striae rubrae
•Muskelschwäche und Muskelatrophie
•Hirsutismus
Dr. G. Mehrke
29
Wirkungen der Glucocorticoide
Niere: verzögern die Wasserausscheidung
Magen: schwächen den Schleimhautschutz
Gehirn: neben der Wirkung auf den
Hypothalamus - EEG- und psychische
Veränderungen.
Stress durch körperliche Arbeit oder psychische Belastungen erhöht
über vermehrte CRH-Freisetzung und den erhöhten Sympathikotonus
die Ausschüttung von Cortisol. Viele der Cortisolwirkungen stehen
daher im Dienste der Stressreaktion (Mobilisierung des
Energiestoffwechsels, Erhöhung der Herzleistung u. a.).
Dr. G. Mehrke
30
Nebennierenmark
Adrenalin (80%) - Noradrenalin
Die Freisetzung der Hormone des
Nebennierenmarks Adrenalin (A) und
Noradrenalin (NA) wird nerval durch den
Hypothalamus gesteuert. Ursächliche
Reize sind physischer und psychischer
Stress.
Stress
Dies dient dazu, den Körper leistungsbereit
zu machen.
Man bezeichnet die Gesamtheit dieser
Effekte als Fight-or-Flight-Syndrom.
Dr. G. Mehrke
31
Cholesterolabkömmlinge
Steroidhormone
Dr. G. Mehrke
32
Biosynthese der hauptsächlichen Steroidhormone
12
11
19
18
13
14
1
9
2
10
3
12
5
4
H19
O
22
21
21
18
6
3
HO
26
20
23
16
13
26
HCC
OH OH
H
2
CH3
8
10
5
OH
4
15
21
9
2
C=O
C=O
C=O
HO
7
6
Testosteron
HO
CH3
H2C OH
OH
O
HO
OH
OH C
2
O
H
O
OH
O
H2C OH
Corticosteron
C=O
C=O
HO
O
C=O H2C OH
Progesteron
OH
HO
C
HHC
O
O
Cortisol
Aldosteron
O
Östradiol
O
Dr. G. Mehrke
Cortisol
Progesteron
O
Aldosteron
OH
C=O
C=O
Corticosteron
Testosteron
Östradiol
HO
25
17
O
Cholesterol
HO
27
15
21
O
24
16
1
OH
27
25
23
17
14
Cholesterol
2
22
8
7
11
20
24
33
Androgene
Dr. G. Mehrke
34
Physiologische Wirkungen der Androgene (1)
 Einige sexualspezifische Wirkungen
• Funktion der Geschlechtsdrüsen (Prostata,
•
•
•
•
Samenblase)
Reifung von Samenzellen
Sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale
(Bartwachstum, Stimmbruch etc.)
Geschlechtstrieb (Libido)
Ausbildung männlicher Geschlechtsorgane
Die Pubertät ist bei Mädchen und Jungen androgenabhängig !
Dr. G. Mehrke
35
Physiologische Wirkungen der Androgene (2)

Einige sexualunspezifische Wirkungen
• Stoffwechsel (z.B. Eiweißaufbau  männlicher
•
•
•
Muskeltyp
Wirkung auf Knochenreifung und Längenwachstum
Beschaffenheit von Muskulatur und Haut
Funktion der Talgdrüsen (pubertäre Akne)
Kastration vor Pubertät:
Eunuch  kein Stimmbruch,
kein Bart, weiblicher Typ
Kastration nach Pubertät:
Atrophie der akzessorischen
Dr. G. Mehrke
Geschlechtsdrüsen, Libido 
36
Anabolika:
Strukturänderung führt zur Dissoziation der Wirkungen
18
CH 3
OH
18
17
19
CH 3
OH
17
CH 3
O
O
19-Nor-testosteron
Testosteron
anabol >> androgen
Dr. G. Mehrke
37
Antiandrogene
kompetitiver Antagonismus am Androgenrezeptor
NO 2
CH3
CH3
HO
H2C
CF 3
C=O
O C
CH3
CH3
O
NH
C O
CH
O
H 3C
Cl
CH 3
Cyproteronacetat
Flutamid
(gestagen) Hemmung der
GnRH-Sekretion
reiner Antagonist
1) Prostatakarzinom
2) Sexualdeviation beim Mann (unbefriedigend)
3) Pubertas praecox bei Buben und Mädchen
Dr. G. Mehrke
38
Androgene bei der Frau
Zu hoher Androgenspiegel:
Virilisierung
Hirsutismus
Dr. G. Mehrke
39
Östrogene
Dr. G. Mehrke
40
Östrogene (Estrogene)
Dr. G. Mehrke
41
Östrogene und Gestagene
im Zusammenspiel Vorbereiter und Erhalter der Schwangerschaft
•
•
Östrogen (Estrogen) = Follikelhormon: Ovar,
Plazenta (NNR, Hoden, Fettgewebe  Aromatase)
Progesteron = Gelbkörperhormon
• Corpus luteum, Plazenta
•
(NNR)
OH
OH
Aromatase
Cyp19
HO
O
Testosteron
Dr. G. Mehrke
Östradiol
42
Gestagene
Gestagene, auch Gelbkörperhormone, sind
neben den Estrogenen die zweite wichtige Klasse
der weiblichen Geschlechtshormone.
vom Hypophysenvorderlappen
Progesteron, das von Granulosazellen gebildet
wird, die in der Wand des geplatzen Follikels sitzen,
und die unter dem Einfluss des luteinisierenden
Hormons (LH) das Corpus luteum bilden – in dem
weiter Progesteron gebildet wird – bereitet die
Gebärmutterschleimhaut auf die Einbettung der
befruchteten Eizelle vor und verhindert eine
weitere Follikelreifung, sofern es zur Befruchtung
kommt.
Dr. G. Mehrke
43
Hypophysenvorderlappen
Corticotropin
Adrenokortikotropes H., ACTH
Follitropin
Lutropin
Follikel stimulierendes H., FSH
Luteinisierendes (Interstitialzellen stimulierendes)
Melanotropin =
a-Melanocortin
Somatotropin
Thyrotropin
Prolactin
Wachstumshormon (Growth hormone), STH, GH
Hormon, LH, ICHS
a-Melanozyten stimulierendes Hormon, a-MSH
Schilddrüsen stimulierendes Hormon, TSH
Mammotropes (laktotropes) Hormon, PRL
Dr. G. Mehrke
44
Der Temperaturanstieg um ca. 0,6 °C ist
ein Gestageneffekt (Progesteron)
Ausschüttung von LH
positiver Feedback
(Hohlwegeffekt)
Östradiolanstieg
Östrogene:
Proliferation, Zervikalsekret spinnbar
Gestagene:
sekretorische Umwandlung,
Vorbereitung Nidation/Eitransport
Zervikalsekret zähflüssig
Dr. G. Mehrke
Proliferative / Sekretorische Phase
45
Zyklus
Schwangerschaft
HPL = human placenta lactogen
 STH
HCG = human chorionic gonadotropin  LH
175 ng/ml
15 ng/ml
30 ng/ml
0,25 ng/ml
Dr. G. Mehrke
46
Östrogene
O
H3C
17
Natürliche Östrogene:
rascher Abbau durch
Glucuronidierung und
Sulfatierung am C17...
oral nicht ausreichend
wirksam
3x
OH
H3C
HO
Östron
17
OH
H3C
17
HO
OH
Östradiol
HO
10 x
Östriol
Synthetische Östrogene:
Hemmung des Abbaus durch die
Ethinylgruppe am C17... oral wirksam
OH
H3C
17
C
C
17
H3C
HO
Ethinylöstradiol
OH
H 3C
Dr. G. Mehrke
C
C
O
Mestranol
47
Östrogene
sonstige Wirkungen
•
•
Protein: anabol
Ca++
•
•
•
•
•
•
Förderung der Resorption und des Einbaus in die Knochen
Osteoporose in Menopause durch Östrogenmangel
Knochenreifung in Pubertät noch stärker gefördert
als durch Androgene
Talgdrüsenfunktion reduziert
Wasserretention besonders vor der Geburt
Psychotrope Effekte im Klimakterium (?)
Dr. G. Mehrke
48
Ein Hormon verführt Frauen zum
Fremdgehen
Östradiol sorgt unter anderem für die
Fruchtbarkeit. Es erreicht Spitzenwerte um den
Eisprung herum und in der Mitte der zweiten
Zyklushälfte.
Frauen mit besonders hohem Östradiolwert
schätzen sich attraktiver ein, und sie erscheinen
auch Männern als besonders anziehend. Zudem
neigten diese Frauen zu Flirts und zum
Fremdgehen.
!?
Dr. G. Mehrke
49
Östrogene
Nebenwirkungen
•
•
•
•
•
Thromboembolien
Endometriumkarzinome
Teratogenität
Gynäkomastie
Kardiovaskuläre Komplikationen
• Thromboembolie
• Herzinfarkt
• Sehr hohe Dosen:
• Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
• Natrium und Wasserretention
• Brustspannung
Dr. G. Mehrke
50
Östrogene
Anwendungen
• Klimakterium
• Osteoporose
• Psyche
• Kraurose, Pruritus
•
•
•
•
•
Abort
Ovulationsauslösung
Implantationshemmung
Hochwuchs
Prostatakarzinom (besser Antiandrogene)
Dr. G. Mehrke
51
Antiöstrogene
C2H5
O C C N
C2H5
H2 H2
Tamoxifen
C2 H5
C2 H5
O C C N
C2 H5
H2 H2
Cl
Clomiphen
Dr. G. Mehrke
Brustkrebs
52
Gestagene
Wichtigstes Hormon: Progesteron
- während der 2. Zyklushälfte Bildung im Corpus luteum
-
während Schwangerschaft erfolgt Produktion vorwiegend in der
Plazenta
Biologische Wirkung:


-
Brustwachstum
Wachstum der weiblichen Sexualorgane und Ausprägung
der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale
Aufbau der Uterusschleimhaut
Dr. G. Mehrke
53
Der Temperaturanstieg um ca. 0,6 °C ist
ein Gestageneffekt
Abort
Schwangerschaft
175 ng/ml
15 ng/ml
50 ng/ml
sekretorische Umwandlung, Vorbereitung auf
Nidation/Eitransport, Zervikalsekret zähflüssig,
Dr. G. Mehrke
Proliferative / Sekretorische Phase
54
Gestagene
Anwendungen
•
•
•
•
•
•
Dysfunktionelle Blutungen, Polymenorrhö
Dysmenorrhö
Endometriose
Abort
Ovulationsauslösung
Metastasierendes Mamma- und
Endometriumkarzinom
• Menstruationsverschiebung
• Mastodynie, Mastopathie
Dr. G. Mehrke
55
Hypothalamus
Hypothalamus
GnRH
Hypophyse
Hypophyse
FSH
FSH LH
LH
Kontrazeptivum
Ovar
Ovar
Progesteron
Östrogen
Uterus
Uterus
Brust
Dr. G. Mehrke
Brust
56
Minipille
Im Unterschied zur Antibabypille enthält die Minipille keine
Hormone vom Typ der Estrogene, sondern nur
Gestagene.
Die Wirkung beruht auf einer Verdickung des
Gebärmutterhalssekretes (Zervikalsekret). Hierdurch wird
die Wanderung von Spermien aus der Scheide in die
Gebärmutter und Eileiter verhindert.
Zusätzlich eine Hemmung des Eisprungs.
Ob es darüber hinaus noch zu einer Hemmung der
Einnistung (Nidation) befruchteter Eizellen kommt, ist
unklar.
Dr. G. Mehrke
57
„Pille danach“
Die Wirkung der „Pille danach" besteht in einer Hemmung
oder Verzögerung des Eisprungs (Hemmung der
Follikelreifung, Verzögerung des LH-Peaks).
Levonorgestrel (Pidana®) Ulipristalacetat (Ellaone®)
Der verzögerte Eisprung erfolgt dann etwa fünf Tage später.
Diese Verzögerung ist ausreichend, um das fruchtbare
(fertile) Zeitfenster zu schließen, denn Spermien haben
durchschnittlich eine Überlebensdauer von 3-5 Tagen.
Diese hormonelle Methode hat keinen Einfluss auf die
Einnistung (Implantation) einer befruchteten Eizelle. Die
„Pille danach" führt daher zu keinem
Schwangerschaftsabbruch, sie ist unwirksam, sobald der
Prozess der Einnistung begonnen hat.
Dr. G. Mehrke
58
„Pille danach - Gestagene“
Die Gestagen- „Pille danach" ist eine Methode der
Notfallverhütung.
Mit ihrem hoch dosierten Gestageninhalt kann die
Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter
nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr verhindert
werden.
Sie zählt nicht im eigentlichen Sinne zu den
Verhütungsmitteln und sollte entsprechend so auch nicht
eingesetzt werden.
Dr. G. Mehrke
59
Allgemeine Wirkungen der
Sexualhormone
Die Geschlechtshormone beeinflussen den
Feinbau des Gehirns. Vermutlich gibt es in
der Gehirnentwicklung von Mädchen und
Jungen unter dem Einfluss der weiblichen und männlichen
Geschlechtshormone bereits vor der Geburt Unterschiede.
Im Verlauf der Pubertät wird das Gehirn in allen Bereichen
umstrukturiert. Dies hat nicht nur Einfluss auf die psychische,
sondern auch auf die geistige (kognitive) Entwicklung.
Es bilden sich geschlechtsspezifische Gehirnstrukturen aus, die sich
auf die Verhaltensmuster und die geistigen Leistungen, wie zum
Beispiel das Lösen abstrakter Aufgaben, auswirken.
Die Gesamtintelligenz (IQ) ist davon jedoch nicht betroffen.
Dr. G. Mehrke
60
Hormone allgemein
• Steuerungssystem verknüpft mit vegetat. NS
• Hormone schon in sehr geringen Mengen wirksam
• Dreistufig hierarchischer Aufbau:
Hypothalamus – Hypophyse – Endokrine Drüse
•
Hypothalamus: übergeordnete Funktionseinheit
•
•
•
Bildung der Releasing Hormone = Liberine
Release Inhibiting Hormone = Statine
Hypophyse: Gliederung in - Vorderlappen (Adenohypophyse)
- Hinterlappen (Neurohypophyse)
Glandotrope Hormone <–> Effektorische Hormone
Dr. G. Mehrke
61
Hormone allgemein
•
•
•
•
Schilddrüsenhormone: Thyroxin –
Stoffwechselaktivierend
Pankreas: Insulin – Glucagon –
Somatostatin – Blutzucker –
Kohlenhydratstoffwechsel
Nebennierenrinde: Cortisol – KH-, Fett-,
Proteinstoffwechsel; Aldosteron (Niere)
NN-Mark: (Nor-)Adrenalin Stoffwechselaktivierend
Dr. G. Mehrke
62
Hormone allgemein
•
Sexualhormone Androgene – Östrogene sowohl bei
Mann & Frau
•
Androgene – Testosteron – Männl. Phänotyp
– Pubertät
•
•
Weibl. Sexualhormone:
Östrogene – Gestagene – Pubertät  weibl.
Phänotyp – Zyklus & Schwangerschaft
Dr. G. Mehrke
63
Weiter mit: Hormone – Brustkrebs
- Erbfaktoren
Progesteron
Dr. G. Mehrke
64
Hormone – Brustkrebs - Erbfaktoren
Dr. G. Mehrke
65
Erbfaktoren und Brustkrebs
 Nur 5% aller Brustkrebserkrankungen sind eindeutig
erblich bedingt. Sie treten familiär gehäuft auf. Bei
unter 50 Jahre alten Patientinnen sind 25% erblich
bedingt.
 1994 Miki et al.: Entdeckung des BRCA1 Gens auf
Chromosom 17q21
 1995 Wooster et al.: Entdeckung des BRCA2 Gens
auf Chromosom 13q12-13
 Bei beiden Genen handelt es sich wahrscheinlich um
Mutationen eines Tumorsuppressorgens. Sie sind
nicht geschlechtsspezifisch und erklären ca. 45%
(BRCA1) bzw. 30% (BRCA2) aller erblichen Fälle. Ein
drittes Gen wird postuliert!
Dr. G. Mehrke
66
Erbfaktoren und Brustkrebs (2)
 Trägerinnen des BRCA1 Gens (ca. 1 in 500-2000 Frauen)
bekommen zu ca. 60% Brustkrebs unter 50 Jahren, zu
80% bis 70 Jahre und zu 90% bis zum Lebensende.
 Das Risiko für Ovarialkrebs ist ebenfalls erhöht: 42%
unter 70 Jahre (aufgeteilt in zwei Gruppen: 90% haben
ein relativ geringere Wahrscheinlichkeit von 26%, die
kleinere Gruppe aber von 85%).
 Auch das Risiko für Kolon- (4-fach) und Prostatakrebs
(3-fach) ist deutlich erhöht.
 Trägerinnen des BRCA2 Gens bekommen zu ca. 87%
Brustkrebs bis zum 80sten Lebensjahr
Dr. G. Mehrke
67
Endogene Risikofaktoren für Brustkrebs
 Frühe Menarche, z.B. in China mit 17 Jahren, in den USA mit 12,8
Jahren
 Sport verzögert... Schutzeffekt ?
 Späte Menopause: Risiko 1,4-fach höher, wenn die Frauen im
“Altersfenster“ noch menstruieren
 Alter bei erster (voller) Schwangerschaft
 Anzahl der Kinder: mit jedem Kind um 9% verringertes Risiko
 Stilldauer (?)
 Körpergröße (?); mehr Fett... mehr Aromatase (Risiko
postmenopausal erhöht ?)
 Theorien: Östrogen + Progesteron-Hypothese
Östrogen-Window-Hypothese
 Diese Risikofaktoren haben keinen Einfluss auf das familiäre
Krebsrisiko. Maximal 30% aller Fälle lassen sich über Genetik
und Östrogene erklären

Weibliche Hunde, die vor erstem Zyklus sterilisiert werden, haben ein 200-fach
Dr. G. Mehrke
erniedrigtes Risiko
68
Exogene Risikofaktoren für Brustkrebs (1)
 Hormonelle Kontrazeption: Risiko nur wenn kürzer als
15 Jahre zurückliegend (OR 1,3)
 Hormonelle Substitution: Risiko nur wenn kürzer als 10
Jahre zurückliegend (OR 1,5)
 POPs ? Persistent Organic Pollutants wie DDT/DDE,
PCBs, chlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane:
Widersprüchliche Erkenntnisse
 Dagegen Schutzeffekt bei Lungenkrebs:
OR 0,69 bei Einnahme von Kontrazeptiva,
OR 0,59 bei > 7 Jahre Substitutionstherapie (HRT)
An earlier age of breast cancer diagnosis related to more frequent
use of antiperspirants/deodorants and underarm shaving
K.G. McGrath Eur.J.Cancer Prev. (2003) 12:479-85
Dr. G. Mehrke
69
Exogene Risikofaktoren für Brustkrebs (2)
Heterozyklische Aromatische Amine
NH2
CH3
N
N CH
3
N
NH2
N
N
IQ
2-Amino-3-methylimidazo[4,5-f]quinolin
PhIP
Dr. G. Mehrke
N
2-Amino-1-methyl-6-phenylimidazo[4,5-b]pyridin
70
Exogene Risikofaktoren für Brustkrebs (2)
Heterozyklische Aromatische Amine
Tumorexperimente an F344 Ratten (Auswahl):
PhIP
IQ
25 ppm 104 Wochen
100 ppm 104 Wochen
75 ppm
75 ppm
53 Wochen
53 Wochen
Prozent Ratten mit Tumoren in
Brust
Kolon
Brust
Kolon
weiblich
männlich
7
0
0
0
47
13
0
43
29
50
0
3
5% Fett im Futter
25% Fett im Futter
PhIP-Gehalt in gebratenem Fleisch und Fisch: 0,6 – 70 ng/g
Frau, die 200 g Fleisch/Tag isst, nimmt maximal 14 µg oder 0,28 µg/kg auf (bei 50 kg
Körpergewicht), das ist fast 5000 mal weniger als das was die Ratte bei 25 ppm im
Futter täglich verzehrt (1,25 mg/kg) !
Zu beachten: Lebensdauer Ratte - Mensch
Dr. G. Mehrke
71
Herunterladen