Wortbildung: Substantiv

Werbung
Tutorium Prüfungsvorbereitung für Diplomanden,
Wortbildung, 23.11.2005
Tutorin: Karoline Keßler
[email protected]
Wortbildung: Substantiv-Kompositum
 schon die ältesten Grammatiken des Deutschen unterschieden zwischen einfachen und
zusammengesetzten Wörtern (Albertus 1573, Clajus 1578)
 Voraussetzung: das Wort ist im Zeichensystem als definierbare Einheit gegeben
 Definition Wort schwierig: satzfähiges Lautsymbol
 Sprachgemeinschaft stellt Sprecher einen geordneten Zeichenvorrat zur Verfügung
 großer Bedarf an Neuwörtern  objektive Ausdrucksnotwendigkeiten
 auch: subjektive Ausdrucksnotwendigkeiten:
 hat mit Bedürfnis des Sprechers oder mit beabsichtigter Wirkung zu tun
 alter Ausdruck kann Wertung enthalten, die nicht mehr angemessen ist
 Informationsverdichtung
 grammatisch bedingte Notwendigkeit: z.B. fehlende Pluralform
Wortbildung vereinfacht morpho-syntaktische Beziehungen
 Ergebnis der Wortbildung als strukturell fester geprägte Einheit
Kompositum: einem wortfähigen Grundmorphem wird ein anderes als nähere Bestimmung
hinzugefügt
 lat. componere: zusammensetzen
zwei Hauptglieder:  meist dominiert das zweite Hauptglied  legt die begriffliche
Grundklasse , sowie die grammatische Funktionsklasse und damit verbundene Kategorie des
Gesamtkomplexes fest
 Stufen der Komplexbildung
Achtung: Zusammenrückung als Sonderfall der Zusammensetzung!!!!
Kopulativkomposita: beide Kompositionsglieder parataktisch verbunden
 nur zwischen grammatisch gleichrangigen Einheiten möglich, die durch „und“ verbindbar
sind sowie grundsätzlich umstellbar sind, wenngleich eine bestimmte Abfolge normfixiert ist
und damit der Anschein einer strukturellen Übereinstimmung mit der hypotaktischen
Zusammensetzung erweckt werden kann
 Zugehörigkeit zur gleichen Bezeichnungsklasse als semantische Einschränkung
bei Nominalkomplex: liegt doppelte Ist-Prädikation zugrunde
Hypotaktische Zusammensetzungen: Determinativkompositum: Erstglied kann aus jeder
Wortklasse des Deutschen gestellt werden  Abfolge festgelegt: Bestimmungswort –
Grundwort
 Grundwort nennt in der Regel die begriffliche Grundklasse und bildet auch im Hinblick
auf den grammatischen Status (Wortklasse, Genus, Kasus) des zusammengesetzten Wortes
das Standbein des Gefüges
weitere Einschränkungen: Bestimmungswort muss semantisch mit Wort vereinbar sein
 Flexionszeichen wird in der Regel getilgt
 ebenso Gradadverbien –> werden auch nicht durch Steigerungspräfix ersetzt
bei Adjektiv und Substantiv:
 in Normalfall einsilbiges, suffixloses Adjektiv  bei diesem Baumuster ist also die
Silbenzahl des Erstgliedes beschränkt
 aber: auch mehrmorphemige, wenn betonte Silbe dem Grundwort vorausgeht 
inhaltliche Bedingungen
 Zusammensetzungen mit adjektivischem Erstglied heben etwas als Sonderart oder
Sonderkategorie ab  als Erstglieder werden meist ortskennzeichnenden Adjektive gewählt
 nur selten wertende Adjektive
Adjektivkompositum hebt sich durch
 Aufgeben der Flexionselemente
 Pausenlose feste Bindung mit Grundwort
 Inhaltliche Spezialisierung
von der attributiven Gruppe ab
Wortbildungsmuster und –mittel der hochsprachlichen Norm sind nicht alle in der gleichen
Vollständigkeit und gleichen funktionellen Belastung auch in den deutschen Mundarten
dominant
 noch gelten sie gleichermaßen in allen Textarten der gesprochenen und geschriebenen
Standardsprache
 Bestand an wortbildenden Morphemen nicht starr  Umfunktionieren wortfähiger
Grundmorpheme zu Affixen
 Wortbildung muss auch diachronisch betrachtet werden
 z.B. unikale Morpheme
Kompositum als eine der Hauptverfahrensweisen für Benennungsbildung 
Bestandsvermehrung der offenen Klassen (Substantiv, Adjektiv, Verb)
 Zusammensetzung dient im Wesentlichen der semantischen Modifikation von
substantivischen oder adjektivischen Primärwörtern
Kompositionstypen:
Kopulativkompositum : parataktisch  eher antonymisches Verhältnis
Determinativkompositum . hypotaktisch  außerordentlich wichtig nach Häufigkeit und
Leistung
 Erstglied gibt intensivierende oder spezifizierende Zusatzmerkmale  trägt
Hauptakzent
Kompositionstyp Substantiv + Substantiv besonders häufig
 Erstglied kann in reiner Stammform auftreten
 Auch Fugenzeichen können auftreten  (e)n, e, er, (e)s, ens
 üblicher grammatischer Wert ist in der Regel aufgegeben
Verb + Substantiv:
 Ist-Prädikation oder Tut-Prädikation
 Verb erscheint immer ohne Morphem –en des Infinitivs  einfach Stammform
 wenn Verb auf stimmhaften Obstruenten oder –ng endet, dann –e  mittlerweile teilweise
auch aus lautlich-rhythmischen Gründen
Drei Spielarten:
 Subjekttypus
 Objekttypus
 Adverbialtypus
 Verben mit Präfix häufig als Bestimmungsglied
 kann auch als Possessivkompositum auftreten: Grundwort gehört dann meist zur
Bezeichnungsklasse Körperteil  genannte Bildung oft als pars pro toto
 wo Adjektivbildung mit Suffix gebräuchlich ist, ist zu prüfen, ob Substantiv nicht durch
Tilgung des Adjektivsuffix entstanden ist
 Baumuster mit Fugenzeichen hat sich zunehmend gegenüber einfacher Zusammensetzung
ohne Fugenzeichen durchgesetzt
 Neigung zu mehrgliedrigen, motivierten Zeichen ist offenbar im Deutschen sehr groß
 aus bevorzugten Kompositionsgliedern können neue Affixe entstehen
 durch zunehmende Bindung an bestimmte Basen geben Kompositionsglieder ihren Status
als freies Morphem allmählich auf
 Vorgang dann abgeschlossen, wenn das Morphem nicht mehr selbständig vorkommt oder
wenn zumindest eine lautliche oder inhaltliche Differenzierung eintritt
 Substantivbildende Suffixe entstehen in der Regel aus Zweitgliedern, die Substantive sind
Komposition: an irgendeiner Stelle der komplexen Form treten zwei Stammformen auf, die
einander als unmittelbare Konstituenten nebengeordnet sind
 Funktion der Lexikonerweiterung
 Grammatikalisierungsgrade
 Prozess: kontinuierlicher Verlauf
 Halbaffixe zwischen den Stämmen und den Affixen
 kann man in den meisten Fällen formal als Komposita behandeln
 kann mit einem substantivischen Determinans dasselbe erreicht werden wie mit einem
adjektivischen oder verbalen, wird ihm in der Regel der Vorzug gegeben
 adjektivische Erstglieder: Stämme mit Derivationssuffixen sind generell erst einmal
ausgeschlossen
außer: -al und –iv
 möglich, aber wenig genutzt: Superlative und Partizipien
Verben:
 Verbstämme: einfache Verbstämme, oft mit Pseudoaffixen
 finite Verben kommen ebenfalls vor
..> aber: immer die Frage, ob sie nicht substantivisch zu lesen sind
 Komposita können extrem lange linksverzweigende oder rechtsverzweigende oder in die
eine wie in die andere Richtung verzweigende Strukturen bilden
 Rektionskomposita: Kopf mit spezifischen Rektionseigenschaften:  der zweite
Bestandteil ist ein abgeleiteter Substantivstamm  in der Nähe der sog. Zusammenbildung
 Grenzfall der Derivation
Präposition und Substantiv
 Sonderfall: beruht nicht auf Bildungsregularität im Sinne von Wortbildung
 folgen Bauprinzip des Kompositums
 entstehen durch Univerbierung  häufig im Text nebeneinander stehende Formen
wachsen unter Umständen zu einer zusammen
Substantiv und Substantiv
Ältester Typ: echtes Wortbildungsmuster ohne Genitivmarkierung des ersten Bestandteils
Fugen: können paradigmisch und unparadigmisch sein
 ist als Affix zu klassifizieren
 relational, von daher auch als Interfix
Rekombination: Wortstämme, obwohl selbst nicht wortfähig, können mit Affixen verbunden
oder Teil eines Kompositums werden  Konfixkomposita!
 Konfix hat an produktiven Wortbildungsmustern teil und besetzt in derselben Weise wie
Stämme lexikalische Bedeutung
Kompositionsglieder tendieren zur Beseitung der Polysemie:  Erstglied eine Kompositums
verfügt nicht mehr ohne weiteres über die doppelten Möglichkeiten der Beziehung entweder
auf eine Klasse von Gegenständen oder auf einen bestimmten Einzelgegenstand im
Kompositum dominiert die generelle Klasse
Kompositionsprozess:
 vollzieht sich in unterschiedlichen Bildungsprozessen, gesteuert von unterschiedlichen
kommunikativen und kognitiven Bedürfnissen
1) Univerbierung einer Wortgruppe als „sachlicher“ Benennung eines Gegenstands 
Bedürfnisse nach handlichen Kürzungen für den Alltagsgebrauch
2) Suche nach einer fixierenden sprachlichen Benennung
3) Kompositionelle Univerbierung dient auch der zusammenfassenden Wiederaufnahme
des vorangehenden Satzinhalts in Folgesätzen
4) Möglichkeit, ein weiteres adjektivisches oder partizipiales Attribut deutlich abzusetzen
5) Nominative Funktion der Wortbildung
6) Stilistische Ausdrucksverbesserung
7) Verdeutlichende Komposita
8) Kompositum gibt die dem Gegenstand als dauerndes begriffliches Merkmal
anhaftende Qualität an
 Lockerungserscheinungen in der Stabilität der Wortstruktur möglich
Mögliche Erstglieder:
Adjektiv:
 üblicherweise adjektivisches Simplex
Verb:
 Verbstamm am geläufigsten
 Partzip I und II
 Infinitiv
 selten: finite Verbformen
 Problem: enge Berührung von Substantiv und Verbstamm
Pronomen:
 sehr selten und auf bestimmte Teilklassen bzw. Einzelfälle beschränkt
 Personalpronomina
 Fragepronomen
keine Determinativpronomina
Numerale:
 vorwiegend die Grundzahlen unter Zehn
 Kardinalzahlen  entweder Null oder Negation
 Ordnungszahlen
 Wiederholungszahlwörter geläufig
Flexionsloses Wort als Erstglied:
 Präpositionen
 Adverbiale
 Konjunktionen
 Interjektionen
 Satzäquivalente
Adverb:
Meist „Nicht-„ oder „Rück-„
Konfix:
Möglich
 bei Fleischer zählt auch „Stief-„ und „Schwieger-„ zu den Konfixen, umstritten (vgl.
Eisenberg!)
Wortgruppe:
1) Substantivische Wortgruppe:
 Fügungen aus adjektivischem Attribut und Substantiv
 substantivische Präpositionalgruppen
 Präpositionalgefüge
..> Reihungen von Substantiven mit Durchkopplungsbindestrich
 Komposita mit expliziter Verknüpfung durch „und“
 Verbindungen aus Adverb und Substantiv
 komplexe syntaktische Konstruktionen
2) Verbale Wortgruppe
3) sonstige Wortgruppen
 Komposita mit Imperativ eines komplexen oder reflexiven Verbs als Erstglied
Verdeutlichendes Kompositum:
 Häufig bei Fremdwörtern
auch: Übergangsbereich zwischen Determinativkomposita und Kopulativkomposita:
Onymische Komposita: Eigennamen
Deonymische Komposita: Appellativa mit einem Eigennamen als UK
Herunterladen