Ernst Krieck - Der Erziehungsstaat

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H. Giesecke: Das politisch-pädagogische Konzept von Ernst Krieck: Der Erziehungsstaat
Idee des Erziehungsstaates:
Krieck: Der völkische Organismus kann sich nur erneuern, wenn der ganze Organismus pädagogisiert wird; das gesellschaftliche Leben selbst soll (wieder) im gewünschten Sinne erzieherisch wirken.
„Funktionale Erziehung“: Das öffentliche Leben ist nach pädagogischen Gesichtspunkten gestaltet und hat auch immer
eine pädagogische Funktion und Wirkung für die Gesellschaft/das Volk.
Hitler: Die rassische Erneuerung ist nur möglich, wenn alle gesellschaftl. Institutionen an der Erziehung mitwirken
Krieck plädierte für eine pädagogisierte Staatsordnung, nach der alle gesellschaftlichen Gemeinschaften und Institutionen
eine erzieherische Wirkung/Funktion zum Wohle der Gesellschaft/des Volkes zu übernehmen hatten; die NS-Bewegung
schien ihm für diese Idee eine Chance zu bieten
(vgl. auch spätere ähnliche Vorstellungen im Staatsverständnis der ehemaligen DDR, bestimmt durch die SED)
Die Idee des Erziehungsstaates bedient ein grundlegendes Bedürfnis vieler Menschen und erfährt dadurch eine hohe Akzeptanz:
Dieser Staat ist (zumindest äußerlich) frei von grundsätzlichen Interessenswidersprüchen, vermittelt den Schein einer
gesell. Harmonie aller Menschen – dieser Staat beruft sich auf weithin anerkannte Werte, erscheint darum interessen- und
selbstlos, nur dem Wohle aller Menschen dienend – die Ausgrenzung bzw. Repression von bzw. gegen Menschen, die in
dieses harmonische Bild nicht hineinpassen (wollen), erscheint im Interesse der Mehrheit legitimiert
Die Idee des Erziehungsstaates knüpft an eine alte bildungsbürgerliche, pädagogische Politikkritik an: Der Erziehungsstaat beruft sich auf ein moralisch verstandenes Gemeinwohl aller und richtet sich gegen Einzelinteressen von Gruppen,
politischen Parteien, Gewerkschaften etc., die die Gemeinschaft zu zerstören drohen.
Pädagogische Vertreter dieser Idee des Erziehungsstaates kritisieren (bis heute) die pädagogisch schädlichen Auswüchse
der Gesellschaft (Medien, Konsum, Alkohol...) und möchten dieses am liebsten verbieten (lassen); dieses Verbot wollen
sie aber nicht nur zum Schutze der Kinder, sondern zum Wohle der Gesellschaft/des Volkes überhaupt. Autoritäre Staatsstrukturen und Reglementierungen der Menschen werden auf diesem Wege zum Zwecke des gesamtstaatlichen Wohlergehens legitimiert.
Krieck war allerdings auch von dem Massenkult der Hitler-Bewegung fasziniert, schienen dieser doch eine zukunftsträchtige Vitalität der Volksgemeinschaft sinnlich erfahrbar auszustrahlen.
Krieck formulierte ein Konzept der „Formationserziehung“, das im Sinne einer Selbsterziehungsgemeinschaft und auch
als Träger für die Erziehung anderer fungieren sollte. (vgl. HJ, BDM, Lagererziehung etc.)
Krieck unterschied nicht zwischen „Sozialisation“ und „Erziehung“, sondern fasste beides unter einem sehr ausgedehnten
Begriff von Erziehung zusammen: Alles war erzieherisch und sollte es auch sein!
Heute Sichtweise:
Pädagogik sieht es heute als eine ihrer Bildungsaufgaben für Kinder Jugendliche an, sich in den unvermeidbaren Interessenswidersprüchen einer pluralistischen Gesellschaft zu orientieren und sich dort begründet zu positionieren.
Pädagogik sieht es heute mehr als ihre Aufgabe an, Kindern und Jugendlichen den verantwortungsbewussten Umgang mit
Medien, Alkohol etc. nahe zu bringen
Trennung der Begriffe „Erziehung“ und „Sozialisation“: Sozialisation bezeichnet alle Wirkungen von Gruppen, Gemeinschaften, Massenmedien etc., die die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen beeinflussen. Erziehung i.S. einer geplanten Erziehung ist in diesem Verständnis nur ein Teil der umfassenderen Sozialisationswirkungen.
Weder die Sozialisation noch die geplante Erziehung kann Individualität herstellen, sie kann sie fördern oder behindern.
Der Kennzeichen der heutigen modernen Gesellschaft: Die Trennung Von Privatsphäre und Öffentlichkeit, die gesell.
Arbeitsteilung, die radikale Individualisierung der Menschen unter Ignorierung ihrer sozialen Kontexte, die Dominanz der
Marktprinzipien über alle Lebensbereiche, die Massenmedien etc. haben zur Emanzipation des Menschen, auch schon der
Kinder von jenen Erziehungsgemeinschaften geführt, (die Krieck noch im Sinne hatte).
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