Autismus, von der Johanna

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Autismus
Autismus im DSM- IV
....subsummiert unter den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen
Diagnostische Kriterien
 Kriterium A: mindestens 6 Kriterien aus folgendem Kriterienkatalog müssen
zutreffen
1. qualitative Beeinträchtigung der (gegenseitigen) sozialen Interaktion in
mindestens zwei der folgenden Bereiche
o Gebrauch nonverbaler Verhaltensweisen (Blickkontakt, Mimik,
Gestik, Körperhaltung) zur Steuerung sozialer Interaktionen
o Unfähigkeit entwicklungsgemäße Beziehungen zu Gleichaltrigen
aufzubauen
o Mangel, spontan Freude, Interesse, Erfolg mit anderen zu teilen
wobei das Teilen ein Kernpunkt der sozialen Interaktion bildet und zwar in Bezug
Mentale Zustände zu teilen (meeting of minds)  z.B. in Form von Imitation 
setzt voraus, dass man dem anderen eine Seele zuschreibt
o Mangel an sozioemotionaler Gegenseitigkeit
2. qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation in mindestens einem der
folgenden Bereiche:
o verzögerte oder keine Entwicklung der gesprochenen Sprache
(ohne Versuche mit Mimik oder Gestik zu kompensieren)
o bei ausreichender Sprachfähigkeit: deutliche Schwierigkeiten beim
Beginn eines Gesprächs oder dem Fortführen eines Gesprächs
o stereotyper, repetitiver Gebrauch der Sprache
o Fehlen von entwicklungsgemäßen Rollenspielen oder sozialen
Imitationsspielen
3. beschränkte, repetitve, stereotype Verhaltensweisen, Interessen und
Aktivitäten in mind. einem der folgenden Bereiche:
o umfassende Beschäftigung mit einem oder mehreren stereotypen
und begrenzten Interessen, wobei Inhalt und Intensität abnorm sind
o auffällig starres Festhalten an (nichtfunktionalen) Gewohnheiten
oder Ritualen
o stereotype und repetitve motorische Manierismen (Hände, Finger
biegen, ständig bewegen, oder komplexe Bewegung des ganzen Körpers)
o ständige Beschäftigung mit Teilen von Objekten
 Kriterium B: Beginn vor dem 3ten Lebensjahr und Verzögerung oder
abnorme Funktionsfähigkeit in mindestens einem der folgenden Bereiche:
o soziale Interaktion
o Sprache als soziales Kommunikationsmittel
o symbolisches oder Phantasiespiel
 Kriterium C: Die Störung kann nicht besser durch die Rett- Störung oder die
Desintegrative Störung im Kindesalter erklärt werden
1
In Bezug auf die Diagnose von Autismus (und den meisten anderen psychischen Störungen) finden
sich detaillierte Hinweise auf Verhaltensweisen bzw. fehlende Verhaltensweisen im Ggs. zur GB, wo
der IQ eigentlich das Hauptdiagnose- Kriterium darstellt
Zu Rollen- oder Phantasiespielen: bei kleinen Kindern „als ob Spiele“; Kd. tut als ob
es schläft, telefoniert = eine Form von Mentalismus  das Kind weiß, dass was es
tut nur vorgestellt ist und nicht tatsächlich so ist = Kommunikation mit den Eltern
Zu Imitationsspielen: fehlen von Imitationsspielen bei ganz kleinen Kindern ist
problematisch, da Imitation die Verständigung zwischen kleinen Gleichaltrigen
Kindern ist „ich sehe was du machst und mache es auch“ = Kommunikation
Im wesentlichen 2 Defizite:
1. Empathiedefizit (ToM: fehlende Alltagspsychologie; alltagsmentalistische
Begriffe fehlen; anderen Gefühle, Wissen oder nicht- Wissen zuschreiben
fehlt)
2. Mentalisierdefizit
Zu den beschränkten, stereotypen, repetitiven Verhaltensweisen, Interessen und
Aktivitäten:
die Bandbreite von Interessen ist bei Personen mit Autismus deutlich eingeschränkt;
häuft gibt es ein beschränktes Gebiet, von dem sie stark in Anspruch genommen
werden (irgendetwas sammeln z.B.); starkes Bestehen auf Gleichförmigkeit,
Widerstand (Kumme) bei banalen Veränderungen; eine starke Bindung an unbelebte
Objekte ist ebenfalls möglich
Zu Kriterium B: Beginn vor dem 3ten Lebensjahr: typischerweise keine eindeutig
normale Entwicklungsphase vor dem Störungsbeginn
Zugehörige Merkmale und Störungen:
 häufig gleichzeitig eine mittelschwere GB oder geistige Retardierung wobei
das Profil kognitiver Fähigkeiten gewöhnlich unausgewogen ist
 oft Sprachverständnis (rezeptiv) schlechter als Wortschatz (expressiv)
 Verhaltensymptome: Hyperaktivität, kurze Aufmerksamkeitsspanne,
Impulsivität, Aggressivität, selbstschädigendes Verhalten
Besondere Alters- und Geschlechtsmerkmale
 Beeinträchtigung der sozialen Interaktion verändert sich über die Zeit
o Säuglinge, Kleinkinder: fehlendes Zärtlichkeitsbedürfnis,
Gleichgültigkeit oder Abneigung gegen Zuneigung, Fehlen von
Blickkontakt, sozialem Lächeln, fehlende Reaktionen auf die Stimme
der Eltern; Behandlung von Erwachsenen als austauschbar oder
mechanisches Klammern an eine Person
o im Laufe der Entwicklung: eher passive Beteiligung an sozialen
Interaktionen jedoch vielleicht kein Verständnis für die Grenzen anderer
2
o Ältere Personen: z.T. hervorragendes Langzeitgedächtnis
 Geschlechtsunterschiede: tritt 4 bis 5 mal häufiger bei Jungen als Mädchen
auf; wobei die Mädchen häufiger eine zusätzliche GB aufweisen
Prävalenz:
bei 10 000 Personen 2 bis 5 Fälle (0,02 bis 0,05)
Differentialdiagnose:
Unterscheidung von anderen Tiefgreifenden Entwicklungsstörungen:
 Rett- Störung: ausschließlich bei Mädchen (vs. Autismus: mehr Jungen
betroffen); bei der Rett- Störung verlangsamtes Kopfwachstum, Verlust von
zuvor erworbenen Fertigkeiten der Hände und schlecht koordinierten
Bewegungen des Rumpfes
besonders im Vorschulalter auch Probleme mit sozialen Interaktionen, jedoch
vorrübergehende Dauer
 desintegrative Störung des Kindesalter: Regression nach mindestens zwei
Jahren normaler Entwicklung (bei Autismus werden Auffälligkeiten
üblicherweise im ersten Lebensjahr bemerkt)
 Asperger Störung: fehlender Rückstand bei der Sprachentwicklung
Zusätzlich abzugrenzen sind:
 Schizophrenie: entwickelt sich erst nach Jahren normaler Entwicklung
 Selektiver Mutismus: in bestimmten Umgebungen angemessene
Kommunikationsfähigkeit, keine starken Beeinträchtigungen der sozialen
Interaktionsfähigkeit und keine eingeschränkten Verhaltensweisen wie beim
Autismus
 Expressive Sprachstörung/ Kombinierte Rezeptiv- Expressive Sprachstörung:
keine Beeinträchtigung der sozialen Interaktion, keine eingeschränkten
Verhaltensweisen
 Geistige Benhinderung
 stereotype Bewegungsstörung
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Autismus im Pennington Text
Man könnte behaupten der Autismus wäre die schwerste Psychopathologie, da er
bereits sehr früh in der Entwicklung, Grundaspekte des Menschseins stört.
Geschichtliches:
 Autismus ist eine erst vor Kurzem erkannte Psychopathologie; die ersten
Beschreibungen finden sich bei Kanner und Asperger in den 40er Jahren; da
die Mehrzahl der Autistischen Kinder GB ist, hat man sie zuvor einfach in
diese Kategorie gezählt.
 das öffentliche Bewusstsein für Autismus wurde auch durch Kinofilme wie
„Rain Man“ und Bücher über high funktioning- Autisten gesteigert. Jedoch
obwohl wir hier präzise Charakterisierungen der Störung finden, sind in der
Realität die meisten Autisten nicht high funktioning, dreiviertel sind GB und ca.
die Hälfte davon sind stumm.
 die Bezeichnung „Autismus“ stammt von Bleuler, der damit ein Symptom von
Schizophrenie das er extreme Selbst-Absorption (Vertiefung), die zu einem
Verlust des Kontaktes mit äußerer Realität führt, beschrieben hat. Dabei
wechselten sich nach Bleuler autistische und aktive (blooming) Phasen
innerhalb der Schizophrenie ab. Sowohl Kanner als auch Asperger wählten
diese Bezeichnung um das extreme Fehlen von sozialem Bewusstsein der
betroffenen Kinder zu beschreiben.
 Kanner schrieb in seinem Artikel „Autistische Störung des affektiven Kontakts“
über extreme autistische Einsamkeit; weiters charakterisierte er folgende
Merkmale von Autismus:
o obsessives Verlangen nach Beibehaltung von Gleichförmigkeit
o Faszination von Objekten (Kleine Kinder spielen z.B. nur mit dem roten
Bauklotz; Jugendliche haben z.B. ein extremes Interesse an
Fahrplänen)
o Mutismus und andere Sprachabnormalitäten, wie z.B. Echolalie
(=lediglich Wiederholung dessen was der Gesprächpartner sagt, keine
wirkliche Kommunikation, kein Unterschied zwischen „ich“ und „du“; so
sagt bspw. die Mutter zum Kind „Was machst du da?“ und das Kind
antwortet „Was machst du da?“.
o normale physische Erscheinung (keine physischen Anzeichen von
Behinderung)
o Anzeichen für erhaltene kognitive Fähigkeiten (wie gutes Gedächtnis
oder gute räumliche Fähigkeiten) = Inselbegabungen, das sind
spezifische besonders gut ausgeprägte Fähigkeiten, die diskrepant zum
allgemeinen intellektuellen Niveau sind
weiters bemerkte er eine große Anzahl von vergrößerten Kopfumfängen
seiner Patienten  Macroencephalie
 auch Asperger beschrieb ähnliche Merkmale auf der Grundlage der
Beobachtungen an anderen Patienten
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 Ursachenhypothesen in der Geschichte
o Kanner und Asperger glaubten an eine biologische Ursache, wobei
Asperger sogar von genetischer Vererbung sprach)
o Psychoanalytiker glaubten an eine psychosozialer Verursachung, z.B.
behauptete Mahler es gäbe bei jeden Kind eine normale autistische
Entwicklungsphase und das später autistische Kinder eben in dieser
Phase stecken bleiben (z.T. aufgrund von Umweltursachen)
JEDOCH: wurde diese Theorie von Stern später widerlegt, er konnte
zeigen dass normale Babies bemerkenswerte soziale Orientierung
zeigen (soziales Lächeln, Faszination an Augen / Gesichtern usw.); bei
Autismus scheint diese Orientierung gestört zu sein
o eine weitere Psychoanalytische Theorie (Bettelheim) führte Autismus
auf zurückweisende „Kühlschrankmütter“ zurück, die ihre Kinder dazu
bringen sich von sozialen Interaktionen zurückzuziehen 
Behandlungen zielten daher auf eine Verbesserungen der
Elternkompetenz ab
JEDOCH: ist es zwar unter ganz extrem- extremsten deprivierenden
Bedingungen möglich einige der autistischen Symptome zu
verursachen; aber es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass allein
elterliche Kälte so ein verheerende Entwicklungsfolge verursachen
kann.
Video „gestützte Kommunikation bei Autisten“ (siehe Mitschrift)
Dann folgt im Text die Definition von Autismus, die im Wesentlichen einer
Zusammenfassung der DSM- IV Kriterien entspricht  wir springen zur Prävalenz
Prävalenz (Epidemiologie)
Hier sollte man lt. Wimmer den Autismus im engeren Sinn (5 von 10 000) vom
Autismus im weiteren Sinn (10 -12 von 10 000) unterscheiden, wobei bei Autismus
im weiteren sinn, die diagnostischen Kriterien ausgeweitet wurden
hier ist im DSM- IV die Streitfragen kategoriale (Autisten vs. keine Autisten) vs.
dimensionale Diagnose problematisch
Verlaufskontinuität
für einen Großteil aller Individuen mit der Diagnose, handelt es sich um eine
lebenslange Störung, die selbständiges Leben behindert, wobei frühe Intervention
hier zu besseren Vorhersagen führen kann und ein guter IQ sowie das
Vorhandensein von kommunikativer Sprach vor dem Alter von 5 Jahren sind gute
Prädiktoren für unabhängiges Leben
Äthiologie (ist zu detailliert im Text, nur das Wichtigste)
o keine psychosoziale Verursachung („Kühlschrankmutter“
o Impfschadentheorie ebenfalls keine Evidenz
o Umwelteinflüsse bzw. biologische Einflüsse: Schäden bei der Geburt
können zu Autismus führen
5
Verhaltensgenetik (Familiarity)
 durch die soziale Isolation von Autisten: wenig Reproduktion und dadurch eine
geringe Vererbungsrate von Eltern auf Kinder
 jedoch wäre es ja auch denkbar, dass die Eltern genetisches Risiko auf ihre
Kinder übertragen, ohne selbst die Diagnose Autismus zu haben:
Geschwisterstudien finden eine Rate von 2 bis 3 % (2 bis 3 von 100), was
beträchtlich höher ist als die Prävalenz in der Normalbevölkerung
(5 in 10 000)(s.o.) (d.h. Prävalenz bei Geschwistern: 0,02 vs. in der
Normalbevölkerung 0,0002 bis 0,0005)
 Zwillingsstudien: höhere Konkordanz bei EZ als bei ZZ  Autismus ist
signifikant erblich (solche Konkordanzunterschiede weisen auf Erblichkeit hin)
Gen Lokalisationen = Molekulare Genetik
zu kompliziert: wir sollen nur wissen, dass es Hinweise gibt
Verbindung mit Chromosom 7q (vgl. W.S.!); die genaue Lage ist aber uneindeutig (im
Ggs. zum Rett Syndrom: dort sind Abschnitte auf dem x- Chromosom geschädigt 
deshalb tritt die Rett- Störung auch nur bei Mädchen auf, weil Buben mit diesem
Defekt nicht lebensfähig sind)
Verbindung mit genetischen Störungen:
gewisser Zusammenhang mit: Tuberus Sklerose (in Haut und Hirn bilden sich
Ablagerungen) und Fragiles x- Syndrom (Stereotypien, Perseveration
(Perseveration bezeichnet das Haftenbleiben an zuvor gebrauchten Worten oder
Angaben, die im aktuellen Zusammenhang nicht mehr sinnvoll sind. Es gehört als
Symptom zu den formalen Denkstörungen) und Vermeidung von Augenkontakt wird
in
über 80 % aller Männern mit Fragilem X- Syndrom gefunden)
Umwelt Risiko Faktoren
laut Pennington: extreme Umweltdeprivation, einschließlich verminderter sozialer
Stimulation, kann eine Pheno-Kopie von Autismus produzieren (Anmerkung Wimmer:
das ist so nicht richtig, zu salopp geschrieben!!!!)der Vergleich mit Rumänischen
Waisen ist hier auch angeführt (Achtung: auch die werden nicht autistisch, es
entwickelt sich nur kein richtiges Bindungsverhalten und eventuell Überfreundlichkeit
zu Fremden)
Gehirn Mechanismen
 der am besten gesicherte Befund ist eine Macroencephalie in ca. einem
Viertel aller Fälle, die durch eine Reduktion des synaptischen Pruning
zustande kommt
 fMRI Studien deuten Unterschiede in der Gehirnaktivität bei der Verarbeitung
sozialer Stimuli an, so erfolgt z.B.: auf die Wahrnehmung von Gesichtern nicht
die normale Gehirnaktivierung (Unterschiede im Frontal Gyrus und der
Amygdala bei den Autisten im Vgl zur Kontrollgruppe)
6
Neuropsychologie:
Artikel: Das Spiegelneuronensystem und die Konsequenz seiner Dysfunktion
Spiegelneuronen fand man im prämotorischen und parietalen Bereich im MakakenGehirnen. Man fand heraus, dass sie nicht nur dann feuern, wenn sich das Tier
selber bewegt sondern auch dann, wenn es Artgenossen dabei beobachtet, wie sie
dieselbe Bewegung ausführen. Die Spiegelneuronentheorie ist ein plausibler
Neurophysiologischer Mechanismus für eine Vielzahl von wichtigen sozialen
Verhaltensweisen von Imitation bis Empathie. Kürzliche Daten zeigen auch, dass
eine Dysfunktion des Spiegelneuronensystems bei Menschen ein Kerndefizit beim
Autismus sein könnte.
Neurophysiologie des Spiegelneuronensystems:
Schematischer Überblick über das
frontoparietale Spiegelneuronensystem (rot)
und seinen visuellen Input (gelb) im
menschlichen Gehirn. Ein anteriores Gebiet
mit Spiegelneuronen ist im inferioren
frontalen Kortex lokalisiert; es umfasst den
posterior- inferior- frontalen Gyrus und
angrenzenden ventral premotorischen Kortex.
Eine posteriore Region mit Spiegelneuronen
ist im rostalen Teil des inferior parietalen
Lappens lokalisiert. Der hauptsächliche
visuelle Input zum Spiegelneuronensystem
stammt vom posterioren Teil des
Superioren Temporalen Sulcus (STS).
Zusammen formen diese drei Gebieteinen
Herz- Kreis für Imitation. Der Visuelle Imput
des STS wird in der Grafik durch einen
orangen Pfeil dargestellt, der Rote Pfeil
repräsentiert den Informationsfluss vom
parietalen Spiegelneuronensystem, das sich
hauptsächlich mit der motorischen
Beschreibung der Aktion befasst zum frontalen
Spiegelneuronensystem, dass sich mit dem
Ziel der Aktion befasst. Die schwarzen Pfeile
repräsentieren die Efferenzen- Kopien der
Motorischen Imitations- Befehle, die zum STS
zurückgesendet werden, um eine
Übereinstimmung zwischen sensorischen
Vorhersagen der imitativen motorischen Pläne
und der visuellen Beschreibung der
beobachteten Aktion zu gewähren.
7
Die Beobachtung eines Greifvorgangs, in zwei unterschiedliche Kontexte eingebettet, die
zwei verschiedene Absichten andeuten: links. die Absicht zu Trinken; rechts die Absicht
aufzuräumen. Ergebnis: unterschiedliche Kontexte rufen unterschiedliche
Gehirnaktivierungen im Spiegelneuronsystem im rechten posterioren frontalen Gyrus hervor
(größere Aktivierung für das Trinken). Das zeigt, dass das Spiegelneuronensystem nicht
einfach nur die beobachtete Aktion kodiert (das ist ein Greifen) sondern die Absicht, die mit
der Aktion verbunden ist (das ist ein Greifen um zu trinken)
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„Normal“ entwickelte Kinder und Kinder mit Autismus wurden mittels fMRI untersucht
während sie einen emotionalen Gesichtsausdruck beobachteten oder imitierten (a).
Verglichen mit den normal entwickelten Kindern, zeigten autistische Kinder reduzierte
Aktivität im frontalen Spiegelneuronensystem. Ferner korrelierte diese Aktivität mit der
Schwere der Störung (b), (c), so dass sich der Zusammenhang ergab: je schwerer die
Störung umso niedriger die Aktivierung des Spiegelneuronensystems.
VL vom 30. November
•Das Rett-Syndrom
••Beim Rett Syndrom handelt es sich um eine schwerwiegende Entwicklungsstörung,
die nur weibliche Kleinkinder betrifft (Häufigkeit: 1/10.000 bis 1/15.000 Geburten). Die
Krankheit manifestiert sich zwischen dem 6. und dem 18. Lebensmonat. Das
heimtückische Leiden tritt schleichend in Erscheinung und kann deshalb erst in
späterer Zeit diagnostiziert werden. Es kommt zu einem Stillstand in der Entwicklung,
wobei der Verlauf der Krankheit einen wichtigen Hinweis zur Diagnose bildet. In
weiterer Folge verlernt das Kind bereits erworbene Fähigkeiten. Die Mädchen ziehen
sich von ihren sozialen Kontakten zurück, verlernen die wenigen Wörter, die sie bis
dahin gelernt haben und leiden oft unter epileptischen Anfällen. Auffallend sind die
stereotypen Bewegungen der Hände, die sich als knetende Fingerbewegungen
manifestieren. Durch den Rückzug des Kindes nach Auftreten der Krankheit wird oft
fälschlicherweise frühkindlicher Autismus diagnostiziert.
Neue Erkenntnisse brachte die Identifizierung des Gens MECP2 auf X-Chromosom
im Jahr 1999. •Erste Diagnose des Rett Syndroms
9
•Im Jahre 1965 entdeckte der Wiener Kinderarzt Professor Dr. Andreas Rett das
heute nach ihm benannte "Rett Syndrom". Im Wartesaal seiner Klinik saßen zwei
Mütter mit ihren Mädchen auf der Schoß. Durch Zufall ließen sie gleichzeitig die
Hände ihrer Töchter los und beide begannen mit den heute hinlänglich bekannten
Handstereotypien oder auch "washing movements" genannten Bewegungen der
Hände.
•
Diese typischen Bewegungen der Hände gelten heute weltweit als Basis für die
klassische Diagnosestellung.
Zum Als Ob Spiel: Frith, U. (1992). Autismus – ein kognitionspsycholog. Puzzle
Mental: ist ein Telefon im Spiel
Real: ist eine Banane
10
Stimulus/Aktions-entkoppelte mentale Repräsentation
situationsübergreifende Ziele
Fantasie
mentale Zuschreibungen für Andere
In welchem Alter kann man Autismus diagnostizieren?
Baron- Cohen et al.: « Psychologische Marker in der Erkennung von Autismus in der
Kindheit“
Einschätzung von 3 Verhaltenskompetenzen mit ca. 18 Monaten durch eine
Elternbefragung und eine Untersuchung:
Große Stichprobe: ca. 16.000 Kinder wurden untersucht, dabei jene mit sehr großen
Entwicklungsrückständen ausgeschlossen.
Untersuchung:
o Hinweisendes Zeigen (Z) durch das Kind: „Wo ist das Licht? Zeig mir
das Licht !“
o Als-ob-Spiel (AoS): Miniatur Teetasse und –kanne („Kannst du mir eine
Tasse Tee machen?“)
o Reaktion auf Zeigegeste (ReZ)(oder auf einen interessierten Blick):
Untersucher zeigt auf ein interessantes Objekt ausserhalb des
Blickfeldes des Kindes „Schau da ist ein...“
Ergebnis:
Risikogruppe
Versagen beim
ReZ, AoS, Z
Versagen Z, oder Z
und AoS
kein Versagen
Autismus
n =10
10
Diagnose
Entwicklungsrückstand
n = 17
2
Normal
n =23
0
0
15
7
0
0
16
11
Kann Autismus mit 18 Monaten erkannt werden? (eine weitere Studie von
Cohen)
Elternbefragungsitems:
o
o
o
o
o
o
genießt es ihr Kind geschwungen zu werden oder auf ihren Knien zu reiten? JA / NEIN
hat ihr Kind interesse an anderen Kindern ? JA / NEIN
liebt es ihr Kind auf Dinge zu klettern, z.B. auf Stiegen? JA / NEIN
genießt es ihr Kind verstecken oder Guck- Guck -da zu spielen? JA / NEIN
tut ihr Kind manchmal so, als ob es z.B. eine Tasse Tee macht und verwendet dabei eine
Spielzeug- Teetasse oder eine Spielzeug Teekanne; oder macht es andere „als- obSpiele“? JA / NEIN
Verwendet ihr Kind jemals seinen Zeigefinger um zu zeigen oder auf Interesse an etwas
hinzudeuten? JA / NEIN
Anmerkung Wimmer: Autismusdiagnose mit 3 Jahren wurde bestätigt!
Geschlechtsunterschiede:
Ein weiterer Artikel von Baron- Cohen: Geschlechtsunterschiede im Gehirn:
Implikationen (Schlussfolgerungen) um Autismus zu erklären
Empathie ist die Fähigkeit, das Verhalten von Personen vorherzusagen und darauf
zu reagieren, indem man ihnen mentale Zustände zuschreibt und auf diese mit einer
passenden Emotion reagiert. Systemisieren ist die Fähigkeit, Verhalten von nichthandelnden deterministischen Systemen vorherzusagen und darauf zu reagieren,
indem man die Input- Handlung- Output Beziehung analysiert und Regeln anwendet,
die solche Systeme leiten. In der Bevölkerung sind Frauen üblicherweise stärkere
Empathisiser und Männer stärkere Systemisiser. Die „extreme männliche Gehirn“ –
Theorie postuliert, dass Autismus ein Extrem des männlichen Musters repräsentiert
(beeinträchtigtes Empathisieren und erhöhtes Systemisieren). In dieser Studie wird
gezeigt, dass spezifische Aspekte der autistischen Neuroanatomie, auch Extreme
der typischen männlichen Neuroanatomie darstellen können.
12
Zum Falschen Glauben (Wimmer, Perner)
13
14
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