Infos zur Geschichte der Sternsingeraktion

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Materialpaket
zur 60. Sternsingeraktion
> Länderinfos zu Brasilien, Nepal und Kenia
> Infos zur Geschichte der Sternsingeraktion
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Inhaltsverzeichnis:
Ein Wegweiser durch dieses Materialpaket .............................. 3
Allgemeines über Brasilien ...................................................... 4
Die indigene Bevölkerung Brasiliens/Projekt CIMI..................... 8
Allgemeines über Kenia ........................................................ 10
Kinder auf der Straße/Projekt Rescue Dada ........................... 14
Allgemeines über Nepal ........................................................ 17
Nahrungssicherheit/Rural Reconstruction Nepal ..................... 21
60 Jahre Dreikönigsaktion .................................................... .24
2
Ein Wegweiser durch dieses
Materialpaket
Warum auf einmal drei Länder und nicht nur eins?
Vielleicht wunderst du dich, dass es für die diesjährige Aktion nicht
nur ein Beispielland gibt, wie sonst, sondern drei. Gerade anlässlich
des Jubiläums wollen wir das Wirken der Dreikönigsaktion in den
Erdteilen Afrika, Asien und Lateinamerika in den Vordergrund stellen.
Und darum haben wir aus diesen Gebieten jeweils ein Land
herausgesucht und so sind es heuer die drei Beispielländer Kenia,
Nepal und Brasilien.
Es sind drei tolle Projekte, die sich für Kinder, Umwelt, Nahrung und
Menschenrechte einsetzen. Aber nicht nur sie, sondern auch alle
anderen von den insgesamt 500 Projekten in 20 Ländern kann man
unterstützen.
Brasilien/Kenia/Nepal
Wir alle haben bestimmte Bilder im Kopf, wenn wir die Namen dieser
Länder hören. Vielleicht könnt ihr euch aber auch gar nichts
vorstellen- auch gut! Hier kommt das Materialpaket ins Spiel:
Ihr sollt durch die Länder- u. Projektinfos einen Einblick in dieses
Land bekommen. Bedenkt, dass das Materialpaket nicht alle
wichtigen Infos, die es über diese Länder zu wissen, gibt
abdecken kann. Es sind kleine Einblicke in große Länder und
komplexe Kulturen.
60 Jahre Dreikönigsaktion
Zum heurigen Jubiläum haben wir die Geschichte des Sternsingens
kurz und übersichtlich zusammengefasst. Wir haben auch eine eigene
Version für Kinder gemacht, damit auch für sie die Geschichte
schmackhaft gemacht wird. Außerdem findet ihr noch einen
Motivationstext zum Mitmachen für Kinder.
Methodischer Teil
Es gibt einen Teil mit „Allgemeinen Methoden“. Dies sind
Methodenvorschläge, die auf alle drei Beispielländer anwendbar sind.
Daneben gibt es aber auch länderspezifische Methodenteile, die u.a.
Ratespiele, Rezepte usw. enthalten. Außerdem gibt es noch einen
Teil, der sich mit Methoden rund um das Sternsingen und die
Dreikönigsaktion befasst.
PS: Wenn ihr Ideen für Erweiterungen oder Rückmeldungen zum
Materialpaket habt, freuen wir uns darüber: [email protected]
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Länderinfos zu Brasilien
Landesname
Das Land ist nach den rotholzigen Brasil-Bäumen benannt.
Flagge
Die Flagge Brasiliens zeigt eine gelbe Raute auf grünem Grund.
Heute steht das Grün für die weiten Urwälder und das Gelb für die
zahlreichen Bodenschätze des Landes.
Der blaue Bereich in der Raute stellt den Himmel über Rio de Janeiro
am 15. November 1889 um 8:30 Uhr dar - der Ort und die Stunde der
Proklamation der Republik. Die 27 Sterne (seit 1992) stehen für die
26 Bundesstaaten und den Bundesdistrikt Brasilia. Das Motto „ordem
e progresso“ (Ordnung und Fortschritt) geht auf den Franzosen
Auguste Comte zurück, dessen Philosophie die Gründerväter der
Republik anhingen.
Staatsform
Nach einer etwa 20-jährigen Militärdiktatur seit 1985 demokratisch.
Präsidiale Bundesrepublik: Der Präsident/Die Präsidentin wird vom
Volk direkt gewählt und ist zugleich Staatsoberhaupt und
Regierungschef/in. Brasilien gliedert sich in 26 Bundesstaaten, mit
eigenen Gesetzen, die aber der Bundesverfassung entsprechen
müssen.
Fläche
Mit über 8,5 Mio. km² ist Brasilien nach Russland, Kanada, China und
den USA das fünftgrößte Land der Erde, etwa 100 Mal so groß wie
Österreich und doppelt so groß wie die EU. Brasilien umfasst fast die
Hälfte der Gesamtfläche Südamerikas und grenzt an alle
südamerikanischen Staaten außer Ecuador und Chile.
Hauptstadt
Brasilia hat etwa 3,8 Millionen Einwohner/innen (2011) und folgte
1960 Rio de Janeiro als Hauptstadt. Brasilia ist eine strikt geplante
Stadt, die im Grundriss die Form eines Flugzeuges hat.
Bevölkerung
201 Millionen Einwohner/innen, davon leben 87 % (2010) in Städten.
Die indigene Bevölkerung Brasiliens machen heute landesweit nur
noch einen verschwindend geringen Bevölkerungsteil aus, hat jedoch
zahlreiche Spuren in der brasilianischen Kultur hinterlassen. Sie ist
durch Siedlungs- und Wirtschaftsprojekte bedroht.
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Religion
Rund 74 % Katholiken/Katholikinnen (der Katholizismus war bis zur
Abschaffung der Monarchie 1889 Staatsreligion), 15 %
Protestant/innen, wobei den neuen Pfingstkirchen dabei eine
wachsende Bedeutung zukommt. 7% sind religionslos.
Religiöse Minderheiten: Orthodoxe, Buddhist/innen,
Juden/Jüdinnen, Religionen der Indigenen, afrobrasilianische
Religionen
Sprache
Brasilien ist das einzige portugiesisch-sprachige Land
Lateinamerikas. Das brasilianische Portugiesisch hat einen eigenen
Charakter, wird von 97 % der Brasilianer/innen als ihre Muttersprache
angegeben und ist alleinige Amtssprache. Indigene Sprachen werden
nur noch von einem geringen Teil der Bevölkerung gesprochen.
Bildung
Es ist ein kostenloser Unterricht von acht Jahren vorgesehen. 23 %
der Bevölkerung haben jedoch keine Schulausbildung, 20 - 30% der
eingeschulten Kinder schließen die Grundschule nicht ab, der Anteil
der Analphabeten/innen ist dabei unter der afrobrasilianischen
Bevölkerung erheblich höher.
Wirtschaft
Brasilien ist reich an Bodenschätzen und Naturrohstoffen und hat sich
zu einer bedeutenden Industrienation entwickelt. Die wichtigsten
Exportartikel sind Maschinen (darunter Autos und Flugzeuge), Stahl,
Aluminium und Zinn sowie Kaffee, Soja, Zucker und Fleisch.
Etwa zwei Drittel der Bevölkerung Brasiliens leben in Armut und
können sich nicht ausreichend ernähren. Kaum 2 % der
Landeigentümer besitzen fast die Hälfte des nutzbaren Bodens.
Den Rest teilen sich mittlere Landwirtschaftsbetriebe und Millionen
Kleinbauern/-bäuerinnen, die sich meist mit Miniparzellen begnügen
müssen.
5 Mio. Bauern/Bäuerinnen in Brasilien besitzen zu wenig Land, um
sich von dessen Erträgen ernähren zu können. Noch weit schlechter
geht es etwa 10 Mio. Bauern/Bäuerinnen, die überhaupt kein Land
besitzen.
Die ungerechte Bodenverteilung verursacht eine starke
Wanderbewegung (Migration); etwa ein Drittel der Brasilianer/innen ist
ständig unterwegs auf der Suche nach Land und Arbeit. Viele ziehen
in die Städte, wo sich die Armutsviertel ständig erweitern.
Das „Programm zur Beschleunigung des Wachstums“ (PAC) ist die
wirtschaftspolitische Richtschnur für die Regierung. Es beinhaltet im
Wesentlichen gigantische Großprojekte. Riesige Wasserkraftwerke
sollen den zukünftigen Energiebedarf der Industrie decken. Alleine in
der Amazonasregion sollen 45.000 Megawatt Strom durch
Wasserkraftwerke erzeugt werden. Das erste davon ist das bereits
viel diskutierte Kraftwerk Belo Monte, gegen das sich viele
Anrainer/innen, Indigene und Umweltschützer/innen wehren.
Ein Grund für den Ausbau der Energiegewinnung im Amazonasgebiet
sind die dort befindlichen Bodenschätze. Der globale Rohstoffdurst
lässt Brasilien auf hohe Exporteinkünfte hoffen.
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In wasserarmen Regionen ist der Bau weiterer Atomkraftwerke
vorgesehen.
Die Regierung setzt neben den erwähnten Großprojekten in großem
Maßstab auch auf Agroexportwirtschaft, während Kleinbauer/innen
kaum gefördert werden.
Kultur und Alltag
Reisado - Dreikönigssingen in Brasilien
Auch in Brasilien gibt es das „Dreikönigssingen“, es heißt dort
Reisado und stammt von der iberischen Halbinsel. Eine Gruppe von
Personen versammelt sich, um in einem gemeinsamen Chor die
Geburt Christi zu verkünden. Sie sind als „römische Gladiatoren“, als
die „Drei Könige“, als „Verfolger der Christen“ usw. verkleidet. Sie
präsentieren sich während der Weihnachtszeit oder während der
„Heiligen Drei Könige“ im Jänner.
Der Karneval
Brasilien ist bekannt für seinen Karneval. Im Februar ist er in
Brasilien der Inbegriff aller Feste. Es ist ein Fest, an dem die
Brasilianer/innen unter Masken und Kostümen versteckt auf ihre
eigene freudige, kreative und musikalische Weise feiern.
Offiziell beginnt der Karneval in Brasilien am Sonntag und endet am
Faschingsdienstag. Während dieser drei Tage schmückt sich das
ganze Land. Dabei verfügen die Karnevalsfeste an jedem Ort des
Landes über ihre eigenen Charakteristika.
Candomblé
Der Candomblé ist eine afro-brasilianische Religion, die hauptsächlich
in Brasilien, aber auch in angrenzenden Ländern praktiziert wird.
Dieser Glaube kam aus Afrika nach Brasilien, er wurde von
afrikanischen Priester/innen mitgebracht, die von der Mitte des 15.
Jhdt. bis zur Mitte des 18. Jhdt. als Sklaven/Sklavinnen von
verschiedenen Regionen Afrikas nach Brasilien verschleppt wurden.
Ursprünglich war Candomblé auf die Sklaven/Sklavinnen begrenzt
und durch die katholische Kirche verboten.
Er ist jetzt eine etablierte und weitgehend anerkannte Religion, mit
Anhänger/innen in allen Gesellschaftsklassen und mit zehntausenden
Tempeln. In neueren Umfragen haben 2 Millionen Brasilianer/innen
(1,5 % der Gesamt-bevölkerung) erklärt, dass ihre Religion
Candomblé ist.
Brasilianische Musik und Tanz
Brasilien ist ein musikbegeistertes Land. Fast überall und ständig ist
man mit Klängen und Rhythmen der verschiedensten Stilrichtungen
konfrontiert. Musik gehört in Brasilien zum Lebensgefühl bzw. zur
Lebenskunst.
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Die indigene Bevölkerung
Brasiliens/Projekt CIMI
Die Indigenen in Brasilien haben eine jahrhundertlange
Unrechtsgeschichte hinter sich. Seit 1500 wurden über 700 indigene
Völker ausgelöscht. Ein großer Teil der Bevölkerung starb im Zuge
der europäischen Kolonialisierung. Die „Kolonialherren“ versklavten
die indigene Bevölkerung durch gewaltsame Verschleppung, wobei
viele von ihnen schon bei der Entführung oder beim Transport
starben. Waren die Indigenen erst versklavt, so gingen sie oft an den
unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf den Plantagen zugrunde
oder durch die neuen Krankheiten, welche die Portugiesen aus
Europa mitbrachten.
Die Indigenen haben ein Recht auf ihr Land
Heute gibt es in Brasilien nur mehr ca. 500.000 Nachkommen der
ursprünglich 5 - 6 Millionen indigenen Einwohner/innen. Einige leben
in den Städten, andere verfügen über eigene Territorien und einige
wenige leben in freiwilliger Isolation. Heute gibt es etwa 235
unterschiedliche Völker und 170 Sprachgruppen, die in 24 der 26
Bundesstaaten Brasiliens leben. Das Eindringen in viele Gebiete der
indigenen Bevölkerung ist heute noch eine permanente Bedrohung.
Die Profitgier kennt keine Rücksicht auf Mensch und Natur:
Abholzung riesiger Flächen, Bau von Mega-Staudämmen und
Straßen, Verseuchung des Wassers durch das Quecksilber der
Goldgräber, Brandrodungen mit anschließendem Soja-Anbau für den
Export (auch in die EU).
In der Verfassung von 1988 wurde die zügige rechtliche Anerkennung
der indigenen Territorien zugesichert.
Wenn wirtschaftliche Interessen ins Spiel kommen, zählen allerdings
die eigentlich in der Verfassung verankerten Rechte der Indigenen nur
wenig. Daran lässt sich das relativ geringe Interesse der Regierungen
erkennen, die Demarkierung (Festlegung und rechtliche Absicherung
der Grenzen) der indigenen Gebiete voranzutreiben. Dieser Prozess
gerät immer wieder ins Stocken. In den letzten Jahren sind die
Verankerungen sogar stark rückläufig.
Gewalt gegen die Indigenen
Im Zuge des Eindringens in indigene Gebiete kommen häufig
gewaltsame Übergriffe gegen indigene Einwohner/innen vor, die auch
in gezielte Morde und Massaker münden. Morde oder
Morddrohungen, Raub und Landinvasionen haben in Brasilien bis
jetzt noch kein Ende gefunden. Ein Bericht des Indigenenmissionsrats
CIMI stellt fest, dass es einen Zusammenhang zwischen der
Demarkierung und Gewalt gegen Indigene gibt.
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CIMI - Vernetzung von Indigenen mit
Zivilgesellschaft und Kirche im Amazonasgebiet
der
Wer ist CIMI?
Der 1972 gegründete Indigenenmissionsrat der katholischen Kirche
CIMI (Conselho Indigenista Missionário) ist Teil der brasilianischen
Bischofskonferenz, aktuell hat Bischof Erwin Kräutler den nationalen
Vorsitz inne. CIMI hat ein Nationalsekretariat in der Hauptstadt
Brasilia und arbeitet brasilienweit dezentral in über 11
Regionalstellen. Jede Regionalstelle koordiniert und unterstützt die
konkrete Arbeit der insgesamt 100 Basisteams (ca. 230
Mitarbeiter/innen), die mit den Indigenen vor Ort arbeiten und diese
begleiten.
CIMI ist Projektpartner der Dreikönigsaktion. CIMI setzt sich für die
Menschenrechte der indigenen Bevölkerung ein. Gemeinsam mit den
Indigenen versuchen Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen von CIMI
die Landrechte durchzusetzen und die Betroffenen in Kontakten mit
offiziellen Stellen (Parlament, Polizei Gericht usw.) zu unterstützen
und zu beraten.
Darüber hinaus unterstützt CIMI die Indigenen in ihren
wirtschaftlichen Unternehmungen, leistet Gesundheitshilfe und bietet
Schulungsprogramme an. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt,
das die brasilianischen Indigenen ihre Kultur und Religion leben und
über ihre Zukunft selbst entscheiden können.
Hintergrund
Der von der brasilianischen Regierung beschlossene Plan zur
Wachstumsbeschleunigung unter Präsident Lula da Silva (2007,PAC Plano de Aceleração do Crescimento) und die ebenfalls von ihr
vorangetriebene lateinamerikanische Initiative zur regionalen
Infrastrukturintegration (IIRSA - Iniciativa de Infra-estrutura Regional
Sul Americana) stellen eine konkrete Bedrohung für das Leben und
die Vielfalt im Amazonasgebiet dar, da sie alle und alles der
kapitalistischen Warenlogik unterwerfen. Die indigenen Völker, die
traditionell in nachhaltiger Weise von den vom Wald zur Verfügung
gestellten Ressourcen leben, geraten unter immer stärkeren Druck,
sich der Dynamik des Kapitals zu unterwerfen und ihre traditionellen
Lebensweisen aufzugeben, um die natürlichen Ressourcen
auszubeuten oder ihre Territorien und somit die Grundlage ihrer
Kultur zu verlassen und in die Städte abzuwandern.
Der Einsatz für indigene Völker und deren Unterstützung bei der
Einforderung ihrer Rechte bedarf eines koordinierten Vorgehens
sowie kontinuierlicher Bewusstseinsbildung bei den Indigenen, ihrem
Umfeld, sowie der breiten brasilianischen Öffentlichkeit. CIMI hat
mithilfe regelmäßiger Koordinations- und Vernetzungstätigkeit einen
institutionalisierten Dialog zwischen den erwähnten Gruppen
aufgebaut.
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Länderinfos zu Kenia
Landesname
Der Staat Kenia ist nach dem Kenia-Berg benannt, einem
Namen aus der Kikuyu-Sprache, Kere-Nyaga, das bedeutet
„weißer Berg“.
Flagge
Im Zentrum steht ein traditioneller Massai-Schild mit gekreuzten
Speeren. Er ist das Symbol des wehrhaften Freiheitswillens. Die
Flagge soll die Kenianer/innen an die schwierige Zeit der
Kolonien und Versklavung erinnern. Der obenliegende schwarze
Streifen steht für das schwarze Volk, der rote Streifen steht für
das vergossene Blut, der grüne Streifen für die Felder und
Wälder des Landes und die weißen Trennlinien für den Frieden
zwischen der Vergangenheit und der Zukunft der Bevölkerung in
Afrika und die Einheit der Völker.
Staatsform
Präsidialrepublik, in der der Präsident/die Präsidentin als
Staatsoberhaupt auch die Funktion des/der Regierungs-chefs/chefin innehat.
Charakteristisch ist die relative Unabhängigkeit der Regierung,
insbesondere des/der Regierungschefs/-chefin, vom Parlament.
Er/Sie kann nicht durch das politische Misstrauensvotum einer
Parlamentsmehrheit abgesetzt werden, sondern nur aufgrund
rechtlicher Verfehlungen nach einem Amtsenthebungsverfahren.
Lage/ Fläche
Kenia hat eine Fläche von 580.367 km 2 und ist damit ca. 7 mal
so groß wie Österreich. Kenia grenzt im Nordwesten an den
Süd-Sudan, im Norden an Äthiopien, im Osten an Somalia, im
Süden an Tansania und im Westen an Uganda.
Hauptstadt
Nairobi hat ca. 3,4 Millionen Einwohner/innen (2009), die auf
einer Fläche von etwa 693 km 2 leben. Der Name der Stadt
kommt von dem Maa-Ausdruck Engare Nyarobie, was etwa
„kühler Fluss“ bedeutet.
Etwa 60 % der Einwohner/innen Nairobis leben in Slums, von
denen es mehr als 200 gibt.
Die Stadt ist ein Anziehungspunkt für viele Bewohner/innen aus
den vernachlässigten ländlichen Regionen. Viele multinationale
Konzerne und auch viele internationale Organisationen haben
ihren Sitz in der Hauptstadt.
Das schürt die Hoffnung auf einen angemessen bezahlten Job,
die sich aber für die meisten zum Trugbild wandelt.
Urbanisierung bedeutet nicht zwangsläufig Verarmung, wenn sie
mit einer geplanten Stadtentwicklung einhergeht. Verstädterung
kann auch eine Triebfeder für eine nachhaltige Entwicklung sein.
Sie kann Menschen Zugang zu Bildung, medizinischer
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Versorgung und anderen öffentlichen Dienstleistungen bieten.
Doch muss in diese Bereiche entsprechend investiert werden.
Die Stadtverwaltung ist der starken Zuwanderung und den
besonderen Herausforderungen in Nairobi jedoch nicht
gewachsen. Es wird erwartet, dass Nairobi von derzeit über 3
auf 5 Millionen im Jahr 2015 und 8 Millionen Einwohner/innen im
Jahr 2025 wächst. Dieses Wachstum findet zu einem großen Teil
ohne Stadtentwicklungsplanung statt.
Bevölkerung
Kenia hat ca. 44 Millionen Einwohner/innen (2013) und somit ca.
5 mal so viele wie Österreich. Die Bevölkerung gliedert sich in
mehr als 40 Volksgruppen. Die drei größten Gruppen sind die
Kikuyu, die rund 22 % der Einwohner/innen Kenias ausmachen,
die Luhya mit 14 % und die Luo mit 13 %. Interessant ist, dass
trotz ihres vergleichsweise kleinen Bevölkerungsanteils (ca. 2 %)
die Massai die vermutlich bekannteste Volksgruppe Ostafrikas
ist. Dies mag vielleicht an ihrer weitgehend beibehaltenen
halbnomadischen Lebensweise, ihrer auffallenden Kleidung und
ihren Wohngebieten nahe den Nationalparks liegen.
Armut in Kenia ist weit verbreitet und ein zunehmender Anteil
der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Fast 20 % der
Kenianer/innen müssen mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag
auskommen. Die Kindersterblichkeit liegt bei zirka 8 %. Im Jahr
2012 wurde Kenia auf Rang 145 von 187 des Human
Development Index (HDI Wohlstandsindikator der Vereinten
Nationen) eingestuft.
Sprachen
Die zwei offiziellen Amtssprachen sind Englisch und Swahili.
Darüber hinaus werden 50 verschiedene Sprachen und Dialekte
gesprochen.
Religion
Nach der Volkszählung von 2009 sind 82,6 % der Bevölkerung
Christ/innen. Nur noch knapp 1,6 % der Kenianer/innen gehören
regionalen afrikanischen Religionen an. Es gibt 11,1 % Muslime,
die vor allem in den südöstlichen Küstengebieten leben.
Daneben sind 0,1 % der Bevölkerung Hindus und 2,4 %
konfessionslos.
Bildung
Der Lehrplan orientiert sich am sogenannten 8-4-4-System, das
heißt acht Jahre Grundschule, vier Jahre Gymnasium und vier
Jahre Hochschule. Schule ist im Allgemeinen seit 2003
kostenfrei.
Oft gibt es aber in Schulen einen Selbstbehalt, der von den
Eltern, v.a. im Slumkontext, nicht aufgebracht werden kann, was
zu einer erhöhten Schulabbrecher/innen-Quote führt. Nur die
besten Schüler/innen erhalten Gratis- Studienplätze.
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Wirtschaft
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft ist von entscheidender Bedeutung für die
kenianische Wirtschaft. Rund 75 % der Kenianer/innen leben
davon. Allerdings haben in den letzten Jahren extreme
Witterungsbedingungen mehrmals zu Unterbrechungen der
Nahrungsmittelproduktion geführt.
Der Norden des Landes war in den Jahren 2006 und 2011 von
extremer Dürre betroffen. Die Rekordniederschläge in der
Region rund um Nairobi im Jahr 2006 führten außerdem zu
großflächigen Überschwemmungen.
Angebaut werden neben Kaffee und Tee auch Sisal und
Pyrethrum, das als Basis vieler Insektenbekämpfungsmittel
dient. Daneben erzeugen die Menschen hauptsächlich für den
Eigenbedarf Mais, Weizen, Gerste, Zuckerrohr, Bohnen,
Bananen, Reis, Ananas und Baumwolle.
Außenhandel
Kenia lebt vom Kaffee- und Tee-Export, von der Industrie
(Maschinen- und Fahrzeugbau, Textil und Bekleidung,
Ernährung und Genussmittel) und vom Tourismus (Nationalparks
und Wildreservate). Der Handel mit Elfenbein und der Abschuss
von Elefanten sind verboten.
Gegen Ende der 1990er-Jahre konnte im gleichen Maße, wie der
Kaffee an Bedeutung verlor, die Blumen-Industrie gewinnen.
Kenia hat 2003 Israel als größten Blumenexporteur der Welt
abgelöst.
Mit seinem im Jahr 2008 veröffentlichten Entwicklungsplan
Vision 2030 zeigt die Regierung Kenias, worauf sie ihr
Augenmerk richtet. Die Speerspitze des Konzepts ist das
Infrastrukturprojekts Lapsset-Korridor (Lamu Port - South Sudan
- Ethiopia Transport Corridor). Im Beisein der drei damaligen
Staatsoberhäupter Kibaki (Kenia), Kiir (Süd-Sudan) und Meles
(Äthiopien) fand am 3. März 2012 der Spatenstich in Lamu statt.
In dem zukünftigen Tiefseehafen sollen bald zahlreiche
Riesenschiffe anlegen - vom Supertanker bis zum
Containerschiff. Man rechnet mit 23 Millionen Tonnen
Warenumschlag pro Jahr. Außerdem gehören eine Ölpipeline,
eine Bahnstrecke und ein Autobahnnetz dazu. Parallel zur
Autobahn wird eine Glasfaserleitung verlegt.
Zu guter Letzt sollen für die Touristenströme aus aller Welt
Flughäfen gebaut und Badeorte eingerichtet werden.
Wer von der Bevölkerung durch neue Arbeitsplätze von diesem
Projekt profitiert und wer durch Umweltzerstörung und
Ressourcenabbau darunter leiden wird, ist in Kenia heiß
diskutiert. Die Eliten sind daran interessiert, das Projekt
umzusetzen. Sie haben persönlich viel in die Region investiert…
Kultur und Alltag
Ethnische Vielfalt
Zur vielbeschworenen Vielseitigkeit Kenias gehört seine
ethnische Vielfalt. Auch wenn junge, gebildete Großstädter
heute weniger auf ihre Ethnie als Bezugspunkt rekurrieren als
früher, so spielt die Frage der ethnischen Herkunft doch noch
immer eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft. Heiraten unter
bestimmten Gruppen - etwa Kikuyu und Luo bleiben noch immer
11
eher die Ausnahme. Die Berufung auf Tradition der Ethnien
spielt in Kenia auch im 21. Jhdt. eine wichtige Rolle.
Andererseits: Dass jemand mit dem Mountainbike und ein bis
zwei Mobiltelefonen unter der Shuka, dem roten Gewand der
Massai, zu einer Hochzeit aufbricht, ist auch nicht ungewöhnlich.
Kunstszene
Kenias Hauptstadt Nairobi ist eine Weltstadt mit einem großen
Angebot an Musik, Literatur und bildender Kunst, wo sich
Welttrends und regionale wie lokale Entwicklungen oft zu etwas
Neuem verschmelzen. Das Ende der Ära des Präsidenten Moi
Ende 2002, genannt Second Liberation, wirkte wie ein
Befreiungsschlag auf die Künstlerszene; es entstanden neue
Kulturzentren und neue Museen. Es gibt modernes Tanztheater,
und selbst Stücke die explizit auf die weibliche sexuelle
Selbstbestimmung bezogen sind, können unsanktioniert
aufgeführt werden.
Kinder auf der Straße/Projekt Rescue Dada
Etwa 70 % der Bewohner/innen Nairobis leben heute in den Slums. Hier
bestimmen Armut, Kriminalität und Krankheit den Alltag. Es gibt eine
Rangordnung, in der die schwächsten Glieder die Kinder sind, die auf sich
alleine gestellt auf der Straße leben. In den Slums von Nairobi sind dies
ca. 60.000 Kinder.
Als Kinder der Straße gelten sowohl die, die ihre Zeit während des
Tages mit dem Versuch verbringen, sich das Überleben zu sichern,
aber in der Nacht nach Hause zur ihren Familien gehen können, als
auch jene, die von ihren Familien getrennt und permanent auf der
Straße leben.
Ihr „Zuhause“ sind die Hinterhöfe des Stadtzentrums, die in der Nacht
unbenützt sind, ihre Familien sind die „Gangs", deren Mitglieder das
gleiche Schicksal teilen.
Mädchen auf der Straße und Straßenkinder insgesamt gibt es nicht
nur aufgrund des Phänomens der Armut. Es ist ein soziales Problem,
das gemeinsam mit Armut, Kriminalität, Bildung und Migration usw.
gesehen werden muss. Probleme also, die allesamt ihre Wurzeln in
der sich rasch wandelnden Gesamtgesellschaft haben. Die steigende
Schulabbrecher/innen-Quote, die hohe Kriminalität und die
katastrophalen Wohnbedingungen treffen besonders junge Mädchen,
da Mädchen bereits von Geburt an aufgrund ihres Geschlechts
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schlechtere Startbedingungen in der kenianischen Gesellschaft
haben. Burschen können sich, wenn sie auf der Straße leben, oft als
Tagelöhner über Wasser halten und ihre Arbeitskraft auf Baustellen,
bei Malerarbeiten etc. einsetzen. Diese Form des Geldverdienens ist
Mädchen meist verwehrt. Burschen erhalten oft nach Erfüllung dieser
Tätigkeit eine Mahlzeit und einen (sehr geringen) Tageslohn. Für
Mädchen setzt sich die Negativspirale fort: Keine Akzeptanz zu
Hause, keine Arbeit, kein Essen, kein Geld - es bleibt nur noch der
Ausweg in die Prostitution.
Wohnsituation in den Slums
Die auf der Straße lebenden Mädchen bilden den absolut ärmsten
Teil der Gesellschaft. Für Mädchen, die auf der Straße leben, ist
Prostitution meist der einzige Ausweg. Dies führt zu einer Erhöhung
der
Ansteckungsgefahr
mit
der
weit
verbreiteten
Immunschwächekrankheit HIV/AIDS.
Vergewaltigung und sexueller Missbrauch gehören bei über 80 % der
Mädchen zu den Alltagserfahrungen.
Rescue Dada Centre - Rehabilitierung von
Mädchen von der Straße
Rescue - Dada (Dada ist Swahili für Schwester) wurde 1991 mit dem
Ziel gegründet, die Mädchen aus den Slums wieder mit ihren
Ursprungsfamilien zusammenzuführen.
Das Rescue Dada Centre wird seit 2002 von der Dreikönigsaktion der
Katholischen Jungschar unterstützt.
Hauptziele sind
den Mädchen ein familiäres Umfeld während der
Rehabilitation im Zentrum zu bieten und ihnen praktische
Fähigkeiten für den Haushalt und den Alltag zu vermitteln
das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken und ihnen,
sowie ihren Müttern Ausbildungsmöglichkeiten wie
Friseurinnen-Lehren und Computertrainings zu bieten. Die
Mädchen sind meist Kinder von alleinstehenden Frauen, die
ebenfalls in absoluter Armut leben. Um die Mädchen in ihre
Ursprungsfamilien zu re-integrieren, müssen gleichzeitig
Maßnahmen gegen die Armut und den Mangel an
Einkommensmöglichkeiten der Mütter getroffen werden
die Anzahl von Straßenkindern, vor allem Mädchen
zwischen 4 und 16 Jahren, durch Rehabilitation und
Stärkung von Familien in Nairobi zu reduzieren.
Bildungschancen und Bildungsstand der Mädchen zu
verbessern
Im Jahr 2011 beispielsweise wurden 67 Mädchen ins Zentrum
aufgenommen und rehabilitiert. Ihnen wurden Unterkunft, Verpflegung
und medizinische Betreuung geboten und Alltagskompetenzen
vermittelt.
58 Mädchen konnten in ihre Familien reintegriert werden.
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57 Frauen und Mädchen wurde die Ausbildung zur Friseurin und
Kosmetikerin ermöglicht.
Ein Mädchen berichtet:
Jambo! Hallo!
Ich bin Rose und ich bin 8 Jahre alt. Bevor ich zum Kinderzentrum
„Rescue Dada“ gekommen bin, habe ich ein Jahr lang auf der Straße
gelebt. Meine Eltern sind nämlich beide gestorben und so hat
niemand für mich gesorgt. Ich ging nicht zur Schule und habe vom
Müllsammeln gelebt. Oft habe ich Klebstoff geschnüffelt, weil ich so
verzweifelt war. Gott sei Dank habe ich dann eine Betreuerin von
„Rescue Dada“ kennen gelernt und dort haben sie mir geholfen.
Jetzt habe ich viele Freundinnen, ein Bett zum Schlafen und vier Mal
am Tag genug zu essen. Ich kann zur Schule gehen, am liebsten
habe ich Mathe, Englisch und Sozialkunde.
Interview mit der Projektpartnerin Mary Njeri Gatitu:
Welche sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen
in Nairobi allgemein und im Projekt?
Fernab vom touristischen Image Kenias, sieht die Realität der
Kenianer/innen so aus:
Fast ein Fünftel der Bevölkerung lebt von weniger als 1.25 Dollar pro
Tag, außerdem leben über die Hälfte der Einwohner/innen Nairobis in
ärmsten Verhältnissen ohne adäquate sanitäre und medizinische
Versorgung. Diese sogenannten Slums bieten darüber hinaus keinen
sicheren Platz zum Leben, da elementare Rechte der Menschen dort
alles andere als selbstverständlich sind, sondern „erkämpft“ werden
müssen. Nur die Hälfte der Bewohner/innen dieser Viertel haben
Zugang zu Arbeit und jene, die arbeiten gehen, arbeiten in den
sogenannten informellen Sektoren und verdienen wenig. Die Kinder
sind gezwungen auf die Straße zu gehen und sich am Einkommen
der Familie zu beteiligen.
Oft werden die Kinder zu Hause missbraucht, und/oder die
Familiensituation ist insgesamt so instabil, dass die Kinder weglaufen.
Obwohl die Grundschulzeit kostenlos sein sollte, können sich die
Familien in den meisten Fällen die Schulbildung der Kinder nicht
leisten, da sie kein Geld für die Schuluniform oder grundlegendes
Zubehör haben.
Welche Zielgruppen haben Sie?
Rescue Dada Centre zielt auf Erfüllung der Menschenrechte und auf
Verbesserung der Lebenschancen von Straßenkindern mit Fokus auf
Mädchen. Es sind vor allem 4 Zielgruppen zu nennen:
1. Mädchen zwischen 5 und 16 Jahren, die auf der Straße
leben und nicht zur Schule gehen.
2. Eltern oder ein anderer Vormund der Mädchen
3. Mädchen, die früher auf der Straße lebten und denen die
Grund-u. Sekundarschule finanziert wurde.
4. Mütter, die von Armut besonders betroffen sind und deren
Kinder einem hohen Risiko ausgesetzt sind auf die Straße
gehen zu müssen.
Welche positive Resultate sehen Sie in Ihrer Arbeit und woher
kommt ihre Motivation dafür?
Rescue Dada gewährleistet den Müttern, die besonders von Armut
betroffen sind, eine kostenlose Ausbildung zur Kosmetikerin. Durch
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das geregelte Einkommen verhindern wir, dass sie oder ihre Kinder
auf die Straße gehen müssen.
Während früher die Grundschulausbildung ausreichte, um eine Arbeit
zu finden, ist es heute zunehmend bedeutend, eine
Sekundarausbildung absolviert zu haben. Die Kosten für die
Mittelschule sind jedoch jenseits der finanziellen Mittel der meisten
Familien. Dadurch wird vielen Kindern verweigert, ihr akademisches
Potenzial zu verwirklichen. Rescue Dada sponsert Mädchen die
Sekundarstufe und sieht darin einen Beitrag zur nachhaltigen
Entwicklung der Bildung der Kinder.
Länderinfos zu Nepal
Landesname
Der Name des Himalaya-Staates leitet sich von den SanskritWörtern ni („herab“) und pat („fliegen“) ab. Eine andere Deutung
ist „Wollmarkt“.
Flagge
Die Farbe Blau symbolisiert Frieden. Karminrot ist die
nepalesische Nationalfarbe. Halbmond und Stern symbolisieren
das Königshaus, die Sonne die adlige Rana-Dynastie, die das
Land lange beherrschte und den Ministerpräsidentenposten
erblich innehatte. Heute stehen diese Symbole für die Hoffnung,
die Nation möge so lange Bestand haben wie die
Himmelskörper. Die zwei Zipfel stehen für die Bergspitzen des
Himalayas.
Die Flagge ist die einzige Nationalflagge der Welt, die nicht die
Form eines Rechtecks hat.
Staatsform
Nepal ist eine parlamentarische Republik, in der das gewählte
Staatsoberhaupt den Staat nach innen und außen repräsentiert.
Neben der starken Stellung des/der Präsidenten/Präsidentin ist
ebenfalls kennzeichnend, dass der/ die Ministerpräsident/in vom
Parlament gewählt wird und die übrigen Minister/innen bestimmt.
Derzeit besteht ein Regierungsvakuum, da sich die Parteien
nicht auf grundlegende Strukturierungen des Landes einigen
können. Diese umfassen u.a. die Frage der Aufteilung des
Landes in Distrikte (Verwaltungseinheiten) nach geografischen
oder ethnischen Prinzipien und ihre Rechtsansprüche. Seit
längerem sind Neuwahlen angekündigt, diese werden aber
immer wieder verschoben.
Lage/Fläche
Nepal befindet sich in Südasien und umfasst eine Fläche von
147.181 km 2 (Österreich: 83.879 km 2), wovon 4.000 km 2 der
Fläche Binnengewässer sind. Nepal liegt zwischen Tibet im
Norden und Indien im Süden.
Im Norden und im Osten liegt ein großer Teil des HimalayaGebirges. Nepal ist nach Tibet das durchschnittlich
15
höchstgelegenste Land der Welt, über 40 % des Landes liegen
über 3.000 Meter.
Hauptstadt
Kathmandu (alter Name: Kantipur) ist mit ca. 990.000
Einwohner/innen die größte Stadt des Landes und liegt im
Zentrum des dicht besiedelten Kathmandutales, einem in 1.300
m Höhe liegenden Talkessel von etwa 30 km Durchmesser.
Bevölkerung
Die 30,4 Millionen Einwohner/innen setzen sich aus 100
verschiedenen ethnischen Gruppen und Kasten zusammen.
Ethnisch und kulturell ist Nepal ein Minoritäten-Mosaik. Dieses
komplexe Gefüge ist zudem äußerst dynamisch. Kastengrenzen
sind durchlässig, Zugehörigkeiten zu Ethnien und Kasten
überschneiden sich oder hängen von der Perspektive des
Betrachters ab.
Sprachen
Amtssprache ist Nepali. Insgesamt wird es von mindestens 17
Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, die
überwiegend in Nepal leben. Insgesamt werden 124
verschiedene Sprachen und Dialekte gezählt, von denen die
meisten vom Verschwinden bedroht sind.
Religion
Etwa 80 % der Bevölkerung sind Hindus. Ca. 11 %
Buddhist/innen.
Religiöse Minderheiten: Muslime (4 %) und kleinere animistische
Glaubensrichtungen. Die 1,4 % Christen sind aufgrund ihrer
Religion manchmal Benachteiligungen ausgesetzt. Nepal war
das einzige Land, in dem der Hinduismus Staatsreligion war, bis
das Parlament sich nach der Entmachtung des Königs im April
2006 zum Säkularismus bekannte.
Bildung
Für sämtliche nepalesische Kinder besteht zwischen dem 6. und
dem 10. Lebensjahr allgemeine Grundschulpflicht. Daran
schließt der freiwillige Besuch der 3-jährigen unteren
Sekundarschule und der 2-jährigen oberen Sekundarschule an.
(In Österreich gilt die Schulpflicht vom vollendeten 6. Lebensjahr
an 9 Jahre.) Der Besuch der 1. bis 6. Klasse ist an den
staatlichen Schulen gebührenfrei.
In der Realität können viele Kinder nicht am Grundschulunterricht teilnehmen, da sie Geld verdienen müssen. Nur die
Hälfte aller Kinder beendet die fünfjährige Grundschulzeit.
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Oft fehlt grundlegendes Schulmaterial, wie Tafeln, Stifte oder
Bücher. Viele Familien entscheiden deshalb, ihre Kinder nicht in
die oft weit entfernten Schulen zu schicken.
Wirtschaft
Sektor
Anteil
der
Erwerbstätigen
Landwirtschaft
68%
(In Ö nur 5%)
Industrie
17%
Dienstleistung
3%
Landwirtschaft
Angebaut wird zum Beispiel Reis, der mehr als 55 % der
landwirtschaftlichen Nutzfläche besetzt, Kartoffeln, Mais und
verschiedene Getreidesorten. 80 % der Exportgüter Nepals sind
landwirtschaftliche Produkte.
Die für die Landwirtschaft nutzbare Fläche schwindet jedoch
Jahr für Jahr aufgrund verschiedener äußerer Einflüsse wie dem
Monsun und dem gleichzeitigen Kahlschlag der Wälder, die
zusammen eine starke Erosion bewirken.
Industrie:
Die industriellen Bedingungen sind in Nepal insbesondere
aufgrund der schlechten Infrastruktur und der hohen Gefahr von
Naturkatastrophen denkbar schlecht. Außerdem ist Nepal
aufgrund der instabilen politischen Lage und der hohen
Korruption nicht attraktiv für ausländische Investor/innen.
Dienstleistung:
In diesem Sektor werden 37 % des Bruttoinlandsproduktes
erwirtschaftet. Jedes Jahr reisen etwa 300.000 Menschen nach
Nepal. Viele Sherpas (Volk des Himalaya) verdienen ein gutes
Gehalt durch Touristenführungen in den Bergen. Allerdings
konzentriert sich der Tourismus vor allem im Kathmandu-Tal und
gewissen Trekkingrouten, weshalb dieser Sektor den Regionen
außerhalb wenig Einkommen bringt.
Darüber hinaus…
Viele Nepalesen/Nepalesinnen arbeiten im Ausland, um für ihren
Lebensunterhalt zu sorgen. Mit ihren Rücküberweisungen an
ihre Familien in Nepal tragen sie wesentlich zum
Bruttoinlandsprodukt bei. Ein nicht geringer Teil kommt auch aus
der Entwicklungshilfe durch andere Staaten.
Nepal ist das ärmste Land Asiens: von den über 30 Millionen
Nepalesen/Nepalesinnen leben fast 40 % unterhalb der
Armutsgrenze, das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt
18 Euro.
Kultur und Alltag
Interessant ist, dass Nepal nie eine Kolonisation erfuhr. Das liegt
u.a. daran, dass die Shah-Dynastie mit Großbritannien eine gute
Beziehung pflegte: Jang Bahadur (aus der Shah-Dynastie)
unterstützte die Briten mit 8.000 Soldaten bei einer Meuterei in
17
Indien, um Nepal im Gegenzug vor einer Kolonialisierung zu
bewahren.
Dieses Geschäft mit dem Blut nepalesischer Söldner wurde in
Gestalt der britischen „Gurkha“-Regimenter fortgesetzt, und
Tausende von Nepalesen ließen im Ersten und Zweiten
Weltkrieg und in kolonialen Auseinandersetzungen für
Großbritannien ihr Leben.
Ethnische Gruppen
Die faszinierende ethnische Vielfalt ist das Ergebnis einer
langen Einwanderungsgeschichte und der Topographie Nepals,
die die Kommunikation zwischen verschiedenen Landesteilen
und Volksgruppen erschwerte. Viele ethnische Gruppen
entwickelten sich isoliert von den anderen.
Die Bevölkerung lässt sich in 3 Hauptgruppen aufteilen. Zur
ersten gehören die Indo-Nepalesen/Nepalesinnen, die rund drei
Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen und die Nachfahren
von eingewanderten Indern sind. Die zweite Gruppe sind die
Tibeto-Nepalesen/Nepalesinnen, die etwa ein Viertel der
Bevölkerung ausmachen und zu denen die meisten der
Hochgebirgsstämme gehören. Die dritte und kleinste Gruppe
bilden mehrere indigene Ethnien, die nur mehr einen geringen
Teil der Gesamtbevölkerung ausmachen.
Kulturelles Erbe
Nepal verfügt über ein reiches kulturelles Erbe. Durch die lange
Abgeschlossenheit des Landes haben sich eigenständige
religiöse, rituelle und kulturelle Traditionen entwickelt und
erhalten. Nepal ist berühmt für seine Architektur, bildende Kunst
und zahlreiche Feste. Auch Musik, Tanz, Kino, Literatur und
Schauspiel haben in Nepal Tradition.
Ein eindrucksvolles Erlebnis der materiellen Kultur Nepals, sind
die hinduistischen und buddhistischen Sakralbauten. In keinem
anderen asiatischen Land können beide Religionen so friedlich
nebeneinander leben wie hier. Hier ist der SwayambhunathTempel zu erwähnen, der beide Religionen beherbergt.
Eine Besonderheit im Umgang miteinander stellt der
außergewöhnliche Respekt der jüngeren Generation gegenüber
der älteren dar. Es gibt vier Arten der höflichen Anrede.
Außerdem ist es üblich, dass sich jüngere Nepalesen und
Nepalesinnen von älteren zur Begrüßung oder zum Abschied
segnen lassen.
Thematischer Hintergrund und Projektinfo
Nepal
Die sozioökonomische Situation der Bevölkerung
Nach Ende des über 10-jährigen Bürgerkrieges, der mehr als
15.000 Menschen das Leben kostete, und der Ausrufung einer
Republik steht Nepal an einem politischen Wendepunkt. Die
politischen Parteien können sich nicht auf eine Strukturierung
der Distrikte (entsprechen unseren Bundesländern) einigen.
Zum einen müssen die Wunden des Krieges heilen, zugleich ist
es aber auch eine Chance die politische Landkarte des Staates
neu zu gestalten.
18
Besonders im ländlichen Raum herrscht große Armut und es gibt
wenig Perspektive auf nachhaltige Verbesserungen ohne
Unterstützung von außen. Friedens- und Versöhnungsarbeit sind
im
Nachkriegsszenario
sehr
wichtig,
allerdings
ist
Nahrungssicherheit das vordringliche Gebot. In Nepal gibt es
kaum Arm und Reich, sondern nur ein mehr oder weniger an
Not. Gemeinsame wirtschaftliche Aktivitäten und die
Verbesserung der Lebenssituation von Familien und
Dorfgemeinschaften können viel zur Friedenssicherung
beitragen.
Die Organisation RRN
Genau an diesem Punkt setzt die Rural Reconstruction Nepal
(RRN)an, eine NGO, die 1989 von Absolvent/innen des Institute
of Agriculture and Animal Science (IAAS) gegründet wurde. Die
Organisation arbeitet auf nationaler Ebene, v.a. in ländlichen
Regionen.
Da der Staat seinen sozialen Verpflichtungen so gut wie nicht
nachkommt, gerade wenn es um den Punkt der
Nahrungssicherheit geht, organisieren sich die Menschen in
lokalen Kleingruppen mit Hilfe der Organisation. In diesen
Gruppentreffen, vorwiegend von Kleinbauern/ Kleinbäuerinnen,
können
sich
die
Menschen
über
Probleme
und
Herausforderungen austauschen. In der Gemeinschaft werden
dann
Handlungsstrategien
und
Möglichkeiten
zur
Einkommensbeschaffung entwickelt, wie zum Beispiel
Gemüseanbau oder Kleintierzucht. In gelebter Solidarität und
gemeinsamer Potenzialentwicklung soll eine gegenseitige
Stärkung der Menschen stattfinden. Es geht darum, die
Lebenssituation der Bewohner/innen im Projektgebiet nachhaltig
zu ändern und zugleich ähnliche Modelle für benachbarte
Gemeinden zu entwickeln.
Das Ziel von RRN ist die Verbesserung der wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Situation der am meisten benachteiligten
Bevölkerungsgruppen. Dabei wird auf Umweltverträglichkeit und
Schutz bzw. Erhaltung der ökologischen Ressourcen Wert
gelegt.
Insgesamt arbeiten über 380 Mitarbeiter/innen (232 Männer, 148
Frauen) und an die 100 Freiwillige landesweit für RRN. Aufgrund
der Größe, aber auch der Basisorientierung ist RRN ein
wichtiger Vertreter der Zivilgesellschaft in Nepal.
Das Projekt RRN liegt im Distrikt Dolakha 6 - 7 Fahrstunden von
Kathmandu entfernt. Hier leben vorwiegend Dalits und Tamangs
zusammen. Dalits gelten als sogenannte „Unberührbare“ und
stehen damit außerhalb des nepalesischen Kastensystems, was
oft zu Diskriminierung führt. Die Tamangs sind eine indigene
ethnische Gruppe und machen 5 % der Gesamtbevölkerung
Nepals aus. Auch sie sind Benachteiligungen ausgesetzt. Eine
Analyse, die RRN in der Region durchgeführt hat, zeigte, dass
es v.a. an ausreichenden Bewässerungssystemen und
Landwirtschaftswissen mangelt, um die Nahrungssicherheit der
Bevölkerung zu gewährleisten. Da es sich um eine sehr
abgelegene Berggegend handelt, ist die Infrastruktur nur
schwach entwickelt und der Zugang selbst zu lokalen Märkten
nur sehr eingeschränkt möglich.
19
Betroffen sind vor allem Frauen, die hier nicht nur durch die
traditionelle Gesellschaftsstruktur diskriminiert werden, sondern
aufgrund der geografischen Lage besonders hart für den
Lebensunterhalt arbeiten müssen.
Ihre Männer sind oft über Monate im Ausland, um Geld zu
verdienen, während die alleinige Verantwortung für den
Haushalt, die Kindererziehung u.a.m. auf ihnen lastet.
Dutzende Frauen schließen sich den Kooperativen an, weil sie
dort Stabilität und Sicherheit erfahren. Durch verbesserte
diversifizierte Landwirtschaft und Zugang zu Saatgut und
Kleintierzucht, soll sich ihre und damit die Lage der Familien in
der Region nachhaltig verbessern.
Entwicklung kann in manchen Bereichen sehr schnell gehen,
aber mit der hiesigen Infrastruktur und der allgemeinen
staatlichen Lage wird es nur langsam gehen.
Trotzdem kann schon jetzt einzelnen Menschen und Familien
konkret geholfen werden.
Sita Gishing
Sie ist eine der Frauen des Projekts. Frau Gishing konnte bereits
wenige Monate nach ihrem Eintritt in die Kooperative ihre erste
Ingwer-Ernte einfahren. Aus dem daraus gewonnenen Geld
begann sie eine kleine Schweinezucht aufzubauen.
Sie erzählt: „Man darf sich nicht mit dem Schicksal abfinden. Ich
bin dankbar für die Starthilfe und kann nur jedem hier raten,
selbst etwas auf die Beine zu stellen.“
20
60 Jahre Dreikönigsaktion
Geschichte
Allgemeine Geschichte des Sternsingens
Das Sternsingen hat seinen Ursprung in vorchristlichen Bräuchen. In
den Raunächten wurde in Häusern und Ställen geräuchert, um
Mensch und Tier vor dem Einfluss böser Geister zu schützen. In der
finsteren Zeit der Wintersonnenwende war die Sehnsucht nach Licht,
Wärme und Lebenskraft besonders stark, was in vielfältigen Bräuchen
und Ritualen Ausdruck fand. Diese wurden dann zum Teil im
Christentum aufgenommen. Dies war nicht schwierig, da die
Lichtsymbolik, die ihnen innewohnte, sehr gut zur Geburt Christi und
seiner Bedeutung als das „Licht der Welt“ passte. Die intensive
Dreikönigsverehrung entstammt vor allem aus der Zeit des
Mittelalters. Auch wenn die „Magier“ niemals offiziell heilig
gesprochen wurden, so hatten sie doch in der Volksfrömmigkeit eine
herausragende Bedeutung. Im Mittelalter war es außerdem üblich,
den Gottesdienst mit dramatischen Szenen zu beleben, um den
Menschen die Heilsgeschichte plastisch vor Augen zu führen. Nach
dem Vorbild der bereits etablierten Osterspiele entwickelten sich
Weihnachtsspiele, hierzu zählten auch Dreikönigsspiele. Das
Dreikönigssingen nahm seinen Ausgang im 15. und 16. Jhdt. Schüler,
Studenten und Handwerker waren die ersten Sternsinger, die sich so
ihr Überleben sicherten.
Lebendiges Brauchtum der Gegenwart
Dank engagierter Pfarrer wurde das Sternsingen in vielen
österreichischen Gemeinden wieder- und neubelebt. Heute ist der
Brauch lebendig wie eh und je. Was sich verändert hat, ist die
Verwendung der Gelder. Die Sternsinger/innen der Katholischen
Jungschar machen sich unter dem Motto „Wir setzen Zeichen“ auf.
Sie besuchen Menschen der Pfarrgemeinden mit ihren Liedern und
Segenswünschen. Die Gelder, die gegeben werden, sind heute nicht
mehr für die Sternsinger selbst gedacht, sondern für Menschen, die
unsere Solidarität, unser Interesse und unsere materielle Hilfe
dringend nötig haben.
Sternsingen als Aktion der Katholischen Jungschar
1954/55 begann
das Engagement der Jungschar. Der
Geschäftsführer der MIVA fragte bei der Jungschar an, ob sie nicht für
Verkehrsmittel für Missionare sammeln könnte, da sie über 100
Ansuchen von Missionaren hatten. Es reichte damals für drei
Motorräder.
1961 findet der erste Personaleinsatz statt. Österreichische
Entwicklungshelfer/innen fahren direkt zu den Menschen, die mit
dem Geld der Sternsinger/innen unterstützt werden.
Die Sternsingeraktion wurde immer größer, immer mehr Geld wird
gesammelt. Man muss sich entscheiden, welche Projekte
unterstützt werden.
1963 richtet die Jungschar die Dreikönigsaktion als eigene Stelle
ein. Die Dreikönigsaktion koordiniert nicht nur jedes Jahr die
österreichweite Sternsingeraktion, sondern ist in vielen Bereichen
aktiv. Als Hilfswerk kümmert sich die Dreikönigsaktion um eine
fachlich fundierte Vergabe der Spendengelder für Projekte in der
sogenannten „Dritten Welt“. Hilfe darf aber nicht nur materiell sein.
Die Dreikönigsaktion hilft Menschen auf der ganzen Welt durch
21
solidarische Unterstützung. Wo Betroffene selbst keine Stimme
haben oder nicht gehört werden, dort steht die Dreikönigsaktion
ihnen zur Seite.
1993 wird mit der Beteiligung der Dreikönigsaktion der Verein
„TransFair“- heute „Fairtrade“ gegründet. Dieses Siegel garantiert
eine faire Entlohnung der Bauern und Bäuerinnen und
Arbeiter/innen für ihr Produkt.
Heute können jährlich an die 500 Projekte in Afrika, Asien,
Lateinamerika und Ozeanien finanziert werden.
Bildungs- und Bewusstseinsarbeit
Die Durchführung der Sternsingeraktion beinhaltet die
Verpflichtung zu einer kontinuierlichen Informations- und
Bildungsarbeit, mit der die Dreikönigsaktion möglichst vielen
Menschen die Augen öffnen will für die Situation der Menschen
und der Kirche in der sogenannten „Dritten Welt“. Die
Dreikönigsaktion will auch hier bei uns die Verantwortung für die
eine, gemeinsame Welt stärken und zu solidarischem Handeln
beitragen. Dies realisiert sich u.a. in den „ Lerneinsätzen“, die seit
1997 jährlich organisiert werden. Durch sie will man interkulturelle
Begegnung fördern und Bewusstsein für andere Lebenswelten
schaffen.
Die Sternsingeraktion bildet ein österreichweites Netz der Solidarität
und Nächstenliebe. Die Basis dafür legen ca. 85.000
Sternsinger/innen, 30.000 aktive Erwachsene und Jugendliche-und
natürlich die besuchten Österreicher/innen. Die Dreikönigsaktion, das
Hilfswerk der Katholischen Jungschar, ist das Bindeglied zu den
Projektpartner/innen im Süden der Welt. Unsere gemeinsame Vision
ist ein Leben in Würde für alle Menschen dieser Erde.
Sternsingen und Dreikönigsaktion für
Kinder erklärt
Wer sind die Heiligen Drei Könige?
Die Bibel (Weihnachtsgeschichte aus dem Matthäus Evangelium)
spricht von den „Weisen aus dem Morgenland“. Diese waren
wahrscheinlich Sterndeuter am Hof in Mesopotamien. Ihren
astronomischen Berechnungen nach erwarteten sie ein Heilsereignis
mit Bedeutung für alle Völker der Erde. Daher folgten sie dem Stern
bis zu dem Stall, in dem Jesus geboren wurde.
Warum tragen die Sternsinger/innen einen Stern mit sich herum?
22
Im Alten Orient galten Sterne als mächtige Wesen, die auf das Leben
der Menschen entscheidend einwirkten. Der Stern von Bethlehem
könnte einer Theorie von Johannes Keppler (ein deutscher
Wissenschaftler und Theologe) zufolge eine spezielle Konstellation
der Planeten Jupiter und Saturn gewesen sein: Die Laufbahnen
dieser zwei Sterne waren so nahe aneinander, dass sie durch eine
optische Täuschung den Eindruck eines einzelnen, besonders
strahlenden Sternes ergaben.
Warum bringen sie gerade Gold, Weihrauch und Myrrhe und
nicht etwas zum Essen, Windeln oder so?
Die Gaben der Heiligen Drei zählten damals zu den kostbarsten
Handelsgütern. Weihrauch und Myrrhe sind wohlriechende Harze, die
ausschließlich in den Bergregionen Südarabiens, Somalias und
Abessiniens gewonnen wurden (und Grundlage für den sagenhaften
Reichtum der dort lebenden Minäer und Sabäer waren). Weihrauch
und Myrrhe wurden seit dem fünften Jahrtausend im Orient bei
kultischen Handlungen verwendet, der aufsteigende Rauch
symbolisierte die Gebete zu den Göttern.
Caspar, Melchior und Balthasar sind ungewöhnliche Namen,
was bedeuten sie?
Caspar („Schatzmeister“), Melchior („Mein König ist Licht“) und
Balthasar („Schütze sein Leben“) wurden erst im 5. Jhdt. durch die
Überlieferung zu den „Heiligen Drei Königen“. Jeder von ihnen stand
für einen der damals bekannten Erdteile (Afrika, Asien und Europa)
bzw. für das Kindheits-, Erwachsenen-, und Greisenalter.
Was bedeutet eigentlich dieses C+M+B, das immer beim
Sternsingen an die Tür geschrieben wird?
20 C+M+B 14 schreiben die Sternsinger mit geweihter Kreide an die
Tür. Es bedeutet „Christus mansionem benedicat“, übersetzt „Christus
segne dieses Haus.“ Die drei Kreuze stehen für die Dreifaltigkeit.
Auch früher galt der Dreikönigssegen schon als Schutz. Geweihtes
Dreikönigs-wasser wurde gegen Krankheiten verabreicht und auf die
Felder gesprengt.
Seit wann gibt es eigentlich das Sternsingen und warum?
Die Heiligen Drei Könige hatten im Glauben der Menschen eine
herausragende Bedeutung.
Sie wurden als mächtige Patrone bei Krankheit, Feuer oder Diebstahl
angerufen. Ihrer langen beschwerlichen Reise wegen wurden sie
auch als Schutzpatrone der Reisenden verehrt. Das Sternsingen als
eigenständiger Brauch war ab dem 16. Jhdt. den Schülern, Studenten
und Handwerksburschen vorbehalten, die mit den Spenden für ihre
Darbietung ihre materielle Not milderten.
Und warum geht man heute noch Sternsingen?
Heute ist der Brauch lebendig wie eh und je. Was sich verändert hat,
ist die Verwendung der Gelder. Die Sternsinger/innen machen sich
unter dem Motto „Wir setzen Zeichen“ auf. Die Spenden werden für
notleidende Mitmenschen in Afrika, Asien und Lateinamerika
verwendet.
Und wie wird das Geld verteilt, wer verwaltet es und was genau
machen die Menschen mit dem Geld?
In Österreich gibt es die sogenannte Dreikönigsaktion. Das ist eine
eigene Stelle der Katholischen Jungschar, die sich um die
Organisation, die Spendengelder und um den Kontakt mit den
Menschen, die das Geld brauchen, kümmert.
23
Es wird zum Beispiel verwendet für:1
Ein gutes Zuhause: für viele Kinder ist ein warmes Bett
und Erwachsene, die sich gut um sie kümmern nicht
selbstverständlich. Mit dem Geld werden zum Beispiel
Betreuungsstellen für Kinder unterstützt
Um gemeinsam gegen Hunger zu kämpfen: Alle 5
Sekunden stirbt auf der Welt ein Kind, weil es nicht genug
zu essen hat. Mit dem Geld wird dafür gesorgt, dass Kinder
wenigstens eine Mahlzeit am Tag bekommen, ihre Eltern
Obst und Gemüse anbauen können usw.
Schule für alle: Bildung ist wichtig. Nur wenn Kinder in die
Schule gehen, können sie später eine gute Arbeit finden
und Geld verdienen. Deshalb werden mit den Spenden
Schulen gebaut, Bücher gekauft usw.
1,2 oder 3 Quiz
A Was waren die Heiligen Drei Könige von
Beruf?
1. Sterndeuter
2. Bauern
3. Fischer
C Was bedeutet C+M+B?
1. Christ is Mary’s Baby
2. Christus mansionem benedicat
3. Children make it better
E Für wen wird Geld gesammelt?
1.
2.
Für die Sternsinger selbst
Für die Gemeinde
3. Für Menschen in Afrika, Asien und
Lateinamerika
G Warum bringen sie Gold, Weihrauch und
Myrrhe?
1. Weil sie nicht mitgedacht haben
2. Weil sie nichts anderes zu Hause
hatten
3. Weil das sehr kostbare Geschenke
1
B Warum tragen die Sternsinger einen Stern
mit sich herum?
1. Zur Dekoration
2. Als Symbol für den Stern von
Betlehem
3. Weil sie sich dahinter verstecken
können
D Seit wann gibt es das Sternsingen?
1. Seit der Steinzeit
2. Seit den 60ern
3. Seit dem 16.Jhdt.
F Wofür werden die Spenden nicht
verwendet?
1. Ein gutes Zuhause
2. Eine Kreuzfahrt
3. Schulen
H Wie viele Projekte
Dreikönigsaktion?
1. 500
2. 50
3. 5
Sternsinger- Kinder mit einer Mission, Kindermissionswerk, Januar 2009, Aachen.
24
unterstützt
die
sind
Lösung: A 1, B 2, C 2, D 3, E 3, F 2, G 3, H 1
Motivationstext zum Mitmachen
Sternsingen ist voll genial!
Das meint auch Lukas Plöchl: „Sternsingen ist ein schöner Brauch.
Wenn ich zurück an die Kindheit denke, war das immer ein Highlight.
Ich hab immer schon richtig drauf gewartet, mit ein bisschen Geld in
der Hand, bis die endlich angeläutet haben. Da sieht man, ein Brauch,
der sinnvoll ausgestaltet wird, kann wirklich Tolles bewirken.“
Unser Bundespräsident Heinz Fischer gratuliert uns zum Jubiläum:
„Ich bin sehr stolz auf die Sternsingerinnen und Sternsinger. Sie
schauen hinaus in die Welt und setzen sich aktiv dafür ein, jenen
Menschen zu helfen, denen es aus verschiedenen Gründen nicht so
gut geht wie uns. Das ist gelebte Solidarität, und dafür danke ich ganz
herzlich!“
Die Sternsingeraktion hat klein angefangen. Vor 60 Jahren hätte man
sich kaum vorstellen können, dass sich heute jährlich ca. 85.000
Kinder und 30.000 Jugendliche und Erwachsene für andere
Menschen einsetzen. Das Engagement der Sternsinger/innen hat sich
noch lange nicht erübrigt. Unsere Welt ist immer noch geprägt durch
die ungerechte Verteilung von lebenswichtigen Gütern, wie Nahrung
und Wasser. Ungerechte Strukturen und Krieg erschweren die
Entwicklung in vielen Ländern weiterhin.
Vielleicht wunderst du dich, dass es für die diesjährige Aktion nicht
nur ein Beispielland gibt, wie sonst, sondern drei. Gerade anlässlich
des Jubiläums wollen wir das Wirken der Dreikönigsaktion in den
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Erdteilen Afrika, Asien und Lateinamerika in den Vordergrund stellen.
Und darum haben wir aus diesen Gebieten jeweils ein Land
herausgesucht und so sind es heuer die drei Beispielländer Kenia,
Nepal und Brasilien.
Es sind drei tolle Projekte, die sich für Kinder, Umwelt, Nahrung und
Menschenrechte einsetzen. Aber nicht nur sie, sondern auch alle
anderen, von den insgesamt 500 Projekten in 20 Ländern kann man
fördern.
Und du kannst uns dabei unterstützen, in dem du bei der 60.
Sternsingeraktion (Jubiläum!!!!) mitmachst. Frag doch deine Freunde
und Freundinnen, ob sie auch dabei sein wollen - bei Action, Spaß
und Gutes tun!
26
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