Hoffnung

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Rejoice „Hoffnung“
7. Dez. 2014; Pfr. Bernhard Botschen
Hoffnung
Der Film „Chicken Run“ malt eine Situation voller Hoffnungslosigkeit. Die Hühner
haben keine Chance! – zumindest glauben sie das. Sie haben die Hoffnung längst
aufgegeben, bis die Heldin die Bildfläche betritt und alle aufrüttelt. Ihr wichtigster Teil
ist: Sie gibt neue Hoffnung. Die Hoffnung bringt die Hühner in Bewegung.
Die Bibel redet oft von Hoffnung. Das ist aber nicht die Hoffnung, mit der man sagt:
„Hoffentlich gewinne ich im Lotto!“ Oder: „Hoffentlich wird das Wetter morgen gut.“
Biblische Hoffnung ist zuverlässig und fest. Da heisst es z.B.: „Seid fröhlich in
Hoffnung.“ (Röm.12,12). Solange wir hoffen, können wir auch fröhlich sein. Oder:
„Der Gott der Hoffnung erfülle euch, damit ihr völlige Hoffnung habt.“ (Röm.15,13).
1. Wenn die Hoffnung fehlt
Gott ist also ein Gott der Hoffnung. Entmutigung und Hoffnungslosigkeit hingegen
sind die stärksten Waffen des Feindes. Dort, wo die Hoffnung gestorben ist, fühlt er
sich wohl! Wenn wir entmutigt und ohne Hoffnung sind, wenn wir sagen: „Diese
Situation wird sich nie verändern!“ „Das hat ja alles keinen Sinn!“ „Ich kann nicht
mehr daran glauben, dass es besser wird.“ – dann denkt er sich: „Ja, so ist es genau
richtig. Du wirst keinen Unfug mehr anrichten!“
Genau so hoffnungslos fühlen sich viele, wenn sie die 3. Welt betrachten. Sie sagen
dann: „Wozu noch spenden? Das ist doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Es
hat ja alles keinen Sinn.“ Die Hoffnung, etwas verändern zu können, ist gestorben.
Nächste Woche wird der Gottesdienst hier in Geroldswil unseren drei Projekten
gewidmet sein. Wir unterstützen diese Projekte seit acht Jahren und wenn man sich
ansieht, was wir schwachen, kleinen Menschen in dieser Zeit bewirken konnten,
kann man nur noch staunen. Ich lade Sie ein: Kommen Sie am nächsten Sonntag.
Wir wollen mit neuer Hoffnung auf das sehen, was an Hilfe möglich ist!
2. Hoffnung muss realistisch sein
Gott ist ein Gott der Hoffnung. Das Ziel ist also, voller Hoffnung durchs Leben zu
gehen. Trotzdem möchte ich hier sehr vorsichtig beginnen. Es gibt Hoffnungen, die
einfach nicht realistisch sind. Dazu ein Beispiel: Als die Amerikaner in Vietnam Krieg
führten, wurden immer wieder Soldaten gefangen genommen und in Gefangenenlagern inhaftiert. Einer von ihnen, der ranghöchste Offizier, tat im Lager alles, damit
die Soldaten nicht als gebrochene Menschen nach Hause gehen würden. Er führte
ein Klopfsystem ein, mit dem man trotz Redeverbot miteinander kommunizieren
konnte. Er schlug sich selbst grün und blau, damit man ihn nicht zu Propagandazwecken filmen konnte. Er legte Richtlinien fest, wann man unter Folter welche
Sachen verraten darf – denn endlos hält niemand die Folter aus. Er selber wurde
mehr als 20 Mal gefoltert. Als er nach acht Jahren wieder freikam, wurde er in
Amerika mit Ehren überhäuft. Auf die Frage, wie er es geschafft hat, zu überleben,
sagte er: „Ich habe nie den Glauben an ein gutes Ende verloren.“ Dann wurde er
gefragt: „Wer hat’s nicht geschafft?“ Die Antwort war: „Das ist einfach, die Optimisten. Sie sagten sich: ‚Weihnachten sind wir zu Hause.‘ Und als Weihnachten vorbei
war, sagten sie sich: ‚Ostern sind wir zu Hause.‘ Dann machten sie sich wieder
Hoffnung auf Weihnachten. Sie starben an einem gebrochenen Herzen.“
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Rejoice „Hoffnung“
7. Dez. 2014; Pfr. Bernhard Botschen
Manche Hoffnung ist unrealistisch. Wenn man seit Jahren mit seinem erwachsenen
Kind zerstritten ist, kann man nicht sagen: „Ich schreibe meinen Kindern heute noch
einen Brief. Dann können wir wohl endlich wieder miteinander Weihnachten feiern.“
Wenn ich in der Krise mit meinem Ehepartner oder einem Kind bin, genügen ein paar
geduldige Worte und Blumen nicht, um alles wieder ins Lot zu bringen. Beziehungen,
die über Jahre gelitten haben, brauchen oft Monate, um wieder zu heilen.
Gerade als Christ ist es wichtig, sich klar zu machen, welche Hoffnung realistisch ist
und welche nicht. Im Leben der ersten Christen in Jerusalem kam es sehr schnell zu
ersten Problemen. Johannes und Petrus werden verhört. Verfolgung, Gefängnis,
Todesstrafen – all das zeichnet sich ab. In dieser Situation versammeln sich die
Christen und beten. Was beten sie? „Lieber Gott, sei du der Schutz, der uns umgibt.
Halte deine Hand über uns. Stelle deine Engel um uns!“? Nein, es klingt ganz
anders: „Und nun, Herr, höre ihre Drohungen! Hilf allen, die an dich glauben, deine
Botschaft ohne Angst weiterzusagen!“ (Apg.4,29).
Diese Christen beten nicht um Schutz. Denn Jesus hat vorausgesagt, dass sie Verfolgung erleben werden. Das ist keine heile Welt, in der Gott uns vor allen bösen
Dingen beschützen wird. Es ist keine Welt, in der wir ohne Trauer, Verlust und
Krankheit leben können. Da kann ich Tag und Nacht beten, Gott wird nicht extra für
mich ein kleines Paradies schaffen, in dem ich leben kann.
Es gab Situationen in meinem Leben, für die habe ich jahrelang gebetet. Zwischendurch habe ich die Hoffnung fast aufgegeben. Gott lässt uns manchmal bewusst in
schwierigen Situationen. Wir sollen lernen, unseren Platz nicht zu verlassen. Wir
lernen Geduld und Ausdauer. Manchmal ist die Hoffnung auf eine schnelle Antwort
einfach unrealistisch. Hoffen: Ja! Unrealistische Erwartungen haben: Nein!
3. Hoffnung – wie sie wachsen kann
Wenn Gott ein Gott der Hoffnung ist, wie kann meine Hoffnung wachsen? Wie gelingt
es, dass ich nicht immer entmutigt bin, sondern immer wieder neu Hoffnung schöpfen
kann? Dazu zwei Gedanken:
a) Richtig beten: Natürlich ist dieser Titel provokativ. Kann man denn überhaupt
‚falsch beten‘? Ich behaupte: Ja! Stellt euch vor, eine nahe Bezugsperson, der
engste Arbeitskollege, das Kind oder der Ehepartner verhält sich wirklich mühsam.
Wie schnell bittet man dann nur noch: „Bitte verändere ihn, bitte lass ihn erkennen,
usw.“ Wenn man nur so betet, ist es falsch gebetet. So wächst keine neue Hoffnung.
Wenn man sich schon auf Bitten konzentrieren möchte, dann soll man doch lieber
dafür bitten, dass man selber ein besserer Arbeitskollege, Vater oder Mutter und
Ehepartner wird. In der Regel interessiert sich Gott dafür, uns selbst zu verändern.
Gebet ist in der Bibel viel mehr als bitten. Das erkennt man, wenn man einmal bei
jedem Paulus-Brief die ersten paar Verse liest. Das macht ja sonst kein vernünftiger
Mensch. Aber man macht dabei eine spannende Entdeckung. Sehr oft kommt dann
der Satz: „Ich danke Gott, wenn ich für euch bete.“ (z.B. Röm.1,8; 1.Kor.1,4; Phil.1,3;
Kol.1,3; 1.Thess.1,2f., 2.Thess.1,3; 2.Tim.1,3; Phil.4).
Die Gemeinden, an die Paulus schrieb, waren zum Teil absolut chaotisch. Deshalb
musste Paulus ja die ganzen Briefe schreiben. Paulus begleitet die Gemeinden mit
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Rejoice „Hoffnung“
7. Dez. 2014; Pfr. Bernhard Botschen
seinen Gebeten. Aber er beschwert sich bei Gott nicht über ihre Schwächen und
Fehler. Er schreibt: „Wenn ich für euch bete, dann danke ich Gott.“
Wenn ihr in einer Situation keine Hoffnung mehr habt und die Entmutigung ihre
kalten Klauen um euch klammert, dann hört doch einmal auf zu bitten und Gott die
ganze Zeit mit allen Problemen zu bestürmen. Dankt einfach einmal. Nur danken.
Plötzlich seht ihr: „Da läuft ja vieles sehr gut!“ Ihr merkt: „Es gibt auch Fortschritte.
Sie sind klein, aber immerhin!“ Man spürt: „Gott hat da schon manches gewirkt.“ Man
kann nicht danken, und entmutigt und hoffnungslos bleiben. Danken ist wie Licht in
eine Situation hineinlassen. Wenn ihr Hoffnung braucht, dann dankt!
b) Mit anderen zusammen sein: Als Paulus als Gefangener nach Rom gebracht wird,
heisst es: „Die Christen in Rom hatten schon von uns gehört und kamen uns bis zum
Forum des Appius und Tres Tabernä entgegen. Als Paulus seine Glaubensbrüder
sah, dankte er Gott und blickte mit neuem Mut in die Zukunft.“ (Apg.28,15).
Paulus ist jemand, bei dem man sich gar nicht vorstellen kann, dass er entmutigt ist.
Er hat mit so viel Kraft immer neue Gegenden bereist und unter Lebensgefahr Gemeinden gegründet. Aber hier spürt man: Er war nach seiner langen Gefangenschaft
entmutigt. Bitte denkt bei niemandem: „Die wirkt so souverän. Die braucht keine
Ermutigung!“ Geht davon aus: Alle Menschen verlieren zwischendurch die Hoffnung
und brauchen Ermutigung. Ihr seid von Menschen umgeben, die Ermutigung brauchen wie wenig andere Dinge.
Bei Paulus genügt es schon, dass er die Glaubensgeschwister sieht. Das gibt ihm
neuen Mut. Es sind die einsamen Stunden, in denen sich die Decke der Schwermütigkeit über uns ausbreitet. Dann, wenn wir alleine sind, werden wir entmutigt. Jedes
Zusammensein mit anderen Christen in Teams, Hauskreisen oder Gottesdienst tut
uns gut. Wie oft kommt man schwermütig und geht gestärkt. Wie oft habe ich es in
Teams schon erlebt, dass mir das gemeinsame Planen ganz neu Mut gemacht hat.
Gemeinschaft stärkt die Hoffnung.
Paulus geht aber noch einen Schritt weiter. Er schreibt einmal ganz direkt: „Ermutigt
die Verzagten!“ (1.Thess.5,14) Manchmal genügt es schon, dass man jemandem
einfach nur zuhört und zeigt, dass es einem nicht egal ist, wie es jemandem geht.
Aber auch unsere Worte können anderen ganz neu Hoffnung machen: „Du bist
wirklich ein Segen!“ „Ich bin so froh um deine Unterstützung!“ Ich kann mich noch
nach Jahren an manche ermutigenden Worte erinnern, die man zu mir gesagt hat.
Unsere Worte haben die Kraft, anderen Hoffnung zu geben.
Am Anfang habe ich einen Vers aus der Bibel zitiert: „Der Gott der Hoffnung erfülle
euch, damit ihr völlige Hoffnung habt.“ Gott ist ein Gott der Hoffnung. Das bedeutet
nicht, dass wir falsche Hoffnungen nähren sollen. Das hier ist keine heile Welt und es
gibt für viele Dinge keine schnelle Lösung. Und trotzdem: Gott möchte uns zu
Menschen machen, die voller Hoffnung sind. Hoffnung ist wie ein Licht, das uns
aufstehen und weitergehen lässt. AMEN.
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