ESSENTIAL SLIDE KIT DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCHIALE Autor: Dr. med. Christian Clarenbach, Zürich Supervision: Prof. Dr. med. Jörg Leuppi, Liestal Zur Verfügung gestellt durch:* AstraZeneca Switzerland Letzte Aktualisierung: Juni 2014 * Dieses Essential Slide Kit wurde von einem unabhängigen Team von Pneumologen erstellt und dient ausschliesslich Informationszwecken. Vorwort Das Asthma bronchiale gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Etwa 10-12% der Kinder und 2-6% der Erwachsenen sind betroffen und es wird mit einem weiteren Anstieg der Prävalenz gerechnet. Heute lässt sich die überwiegende Anzahl der Patienten mit Asthma gut behandeln. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das Wissen um die Ätiologie und Pathogenese der Erkrankung stetig gewachsen ist, was zu einem besseren Verständnis der Krankheit und angepassten Therapiekonzepten geführt hat. Auch haben sich in den letzten Jahren neue Behandlungswege aufgetan. Der vorliegende Slide-Kit veranschaulicht die klinische Präsentation, Wege der Abklärung und Diagnostik sowie Therapieempfehlungen bei erwachsenen Patienten mit Asthma bronchiale unter Berücksichtigung der aktuellen Versorgungsrichtlinien. Prof. Dr. med. Jörg Leuppi, April 2014 Dr. med. Christian Clarenbach, April 2014 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 2 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 21 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 3 Gebrauchshinweise Ansichtsoptionen des Slide Kits Folien Folien Bildschirmansicht: Klicken Sie im Menü ‚Ansicht‘ auf ‚Normalansicht‘. Folien inkl. Notizen Folien und Notizenseiten mit Hintergrundinformationen Bildschirmansicht: Klicken Sie im Menü ‚Ansicht‘ auf ‚Notizenseite‘. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 4 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 21 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 5 1. Definition Definition Das Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege, charakterisiert durch eine bronchiale Hyperreagibilität und eine variable Atemwegsobstruktion. [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de) und GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 6 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 21 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 7 2. Epidemiologie Epidemiologie: Übersicht • Da es keine universell akzeptierte Definition des Asthma bronchiale gibt, sind die Vergleiche verschiedener Prävalenzstudien problematisch. • Gemäss WHO Schätzung: Weltweit ca. 235 Millionen Personen mit Asthma. • Bis 2025 geschätzt 100 Mio. Asthmakranke zusätzlich. • Niedrigere Prävalenz in Entwicklungsländern. Steigende Prävalenz mit Urbanisierung und westlichem Lebensstil. • Ca. 10-12% der Kinder und 2-6% der Erwachsenen in der Schweiz sind betroffen. [WHO (http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs307/en/#) Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de) Masoli M et al. Allergy 2004; 59 (5): 469-478 Braun-Fahrländer C et al. Eur Respir J 2004; 23: 407-13 Brutsche MH et al. Thorax 2006; 61: 671-77] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 8 2. Epidemiologie Epidemiologie: Prävalenz und Mortalität [Bousquet J et al. Bulletin of the World Health Organization. 2005 July; 83(7): 548-554] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 9 2. Epidemiologie Epidemiologie: Trends in der Prävalenz des Asthma [Bousquet J et al. Bulletin of the World Health Organization. 2005 July; 83(7): 548-554] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 10 2. Epidemiologie Epidemiologie: Trends stationäre Behandlung Es besteht ein Trend zur Abnahme stationärer Behandlungsfälle beim Asthma (in diesem Beispiel ca. -42% innerhalb von 11 Jahren). [Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, Pressemitteilung 2013 (https://www.statistik.bayern.de/presse/archiv/2013/117_2013.php)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 11 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 21 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 12 3. Pathophysiologie Pathophysiologie: Kaskade der Zellaktivierung [Abbildung in Anlehnung: an Holt et al. Nature 1999; 402 (Supp): B12-B17] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 13 3. Pathophysiologie Pathophysiologie [Abbildung in Anlehnung an: NIH Medline Plus Magazine 2011; 6 (3): 4 (http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/magazine/issues/fall11/articles/fall11pg4.html)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 14 3. Pathophysiologie Pathophysiologie: Prädispositionsfaktoren • Genetisch: Prädisposition zur Atopie und /oder Hyperreagibilität der Atemwege; kein spezifisches Gen involviert. • Adipositas: Schwierigere Asthmakontrolle, mehr Komorbiditäten, oft geht Übergewicht dem Asthma voraus. Prädispositionsfaktor mit therapeutischer Ansatzmöglichkeit. • Geschlecht: Bei Kindern unter 15 Jahren ist die Prävalenz bei Jungen häufiger. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 15 3. Pathophysiologie Pathophysiologie: Umweltfaktoren • Allergene: Hausstaubmilben, Haustiere, Schimmelpilze und viele andere • Infektionen: Virale Infektionen in der Kindheit (speziell RSV-Virus) wurden mit der Entwicklung eines Asthma bronchiale in Verbindung gebracht. Virale Infektionen der Atemwege sind zudem häufige Trigger von Exazerbationen bei Kindern und Erwachsenen. • Berufsbedingte Auslöser: Es sind etliche Substanzen bekannt, wobei zu den am häufigsten erkrankten Berufsgruppen Bäcker und Landwirte gehören. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 16 3. Pathophysiologie Pathophysiologie: Hygiene-Hypothese • Mehrere Studien haben gezeigt, dass das Aufwachsen von Kindern in landwirtschaftlichen Betrieben mit Tierhaltung mit einer geringeren Allergieentwicklung und Asthma-Häufigkeit einhergeht. • Vermutet wird, dass die frühe, kindliche Exposition mit einer mikrobiellen Belastung, zu einer protektiven Wirkung bezüglich des Risikos führt, Allergien zu entwickeln. • Als pathophysiologische Grundlage wird eine effiziente Prägung des reifenden Immunsystems durch meist harmlose Umweltmikroben angenommen. [Riedler J et al. Lancet 2001; 358: 1129-33] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 17 3. Pathophysiologie Von traditionellen Asthmaformen zu Phänotypen • Traditionell werden die Formen des Asthma allergisch- vs. nicht-allergisches Asthma unterschieden. Beim nicht-allergischen «intrinsischen» Asthma sind Allergien bzw. IgEAntikörper gegen Umweltallergene nicht nachweisbar. • Die Bedeutung dieser Einteilung ist in den letzten Jahren jedoch zurückgegangen. Vielmehr wird das Asthma heute als ein Syndrom aus verschiedenen Varianten «Phänotypen» angesehen mit gemeinsamen lungenfunktionellen Veränderungen (Obstruktion und Hyperreagibilität der Bronchien). • Einer dieser Asthma-Phänotypen ist beispielsweise gekennzeichnet durch eine nichteosinophile Entzündung der Atemwege. Es hat sich herausgestellt, dass dieser Phänotyp schlechter auf die anti-entzündliche Behandlung mittels inhalativer Steroide anspricht. [Wenzel SE. Nature Medicine 2012; 18 (5): 716-25, McGrath KW et al. Am J Resp Crit Care Med 2012; 185 (6): 612-19, Wenzel S. Clin Exp Allergy 2012; 42 (5): 650-8 ] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 18 3. Pathophysiologie Pathophysiologie: Airway-Remodeling • Ein Teil der Patienten mit Asthma hat eine irreversible Obstruktion, wobei von einem «Remodeling» der Atemwege gesprochen wird. • Hierbei handelt es sich um strukturelle Veränderungen in den Atemwegen, die zusätzlich zur Inflammation und Kontraktur der glatten Muskelzellen auftreten. • Ob der Entzündungsprozess oder die Bronchokonstriktion ein Remodeling bewirken, wurde kürzlich in einer Studie untersucht, die zeigte, dass die Bronchokonstriktion ohne zusätzliche Entzündung bereits zu einem Remodeling der Atemwege führt. [Grainge CL et al. NEJM 2011; 364: 2006-15] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 19 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 21 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 20 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Anamnese Die Anamnese soll Beschwerden erfassen, mögliche auslösende Faktoren und prädisponierende Risikofaktoren. Beschwerden • Wiederholtes Auftreten anfallsartiger Atemnot und/oder Brustenge • Husten mit und ohne Auswurf (zäh, weisslich) • Pfeifende Atemgeräusche („Giemen“) • Kurzatmigkeit, z.B. nach Belastungen wie Treppensteigen • Aggravierung bei respiratorischen Infekten • Symptomverbesserung nach Bronchodilatativa Die Beschwerden können intermittierend oder persistierend vorhanden sein. [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 21 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Anamnese Auslösende Faktoren • Atemwegsreize (z. B. Exposition gegenüber Allergenen, thermischen und chemischen Reizen, Rauch und Staub) • Tages- und Jahreszeit (z. B. Tag-/Nachtrhythmus, Allergenexposition) • Tätigkeit (z. B. Arbeitsplatz, Hobbys) • Körperlicher Belastung • Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen • Psychosoziale Faktoren Risikofaktoren • Vorhandensein anderer atopischer Beschwerden (Ekzem, Rhinitis) • Positive Familienanamnese (Allergie, Asthma) • Übergewicht [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 22 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Befunde der körperlichen Untersuchung Typisch bei schlecht kontrolliertem Asthma • Lungenauskultation mit Giemen, Brummen • Verlängertes Expirium • Oftmals unauffällige körperliche Untersuchung Typisch bei der Asthma Exazerbation • Tachypnoe und Nutzung der auxiliären Atemhilfsmuskulatur • Inspiratorischen Einziehungen im Bereich der Flanken Häufige Nebenbefunde • Chronische Rhinitis, Post-nasales Sekret • Atopische Dermatitis bei Hautinspektion DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 23 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Klinik des anstrengungs-induzierten Asthma • Die Beschwerden umfassen ein Engegefühl im Brustkorb, Husten, Giemen und Dyspnoe. • Die Symptome können während der Belastung beginnen und halten nach Belastungsende typischerweise an (Unterscheidungsmerkmal zu anderen insbesondere kardialen Belastungseinschränkungen). • Die Symptome sind oft am stärksten 5-10 Minuten nach Belastungsende und nehmen dann nach 20-40 Minuten schleichend ab. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 24 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Asthma-Exazerbation Klinisch leicht zu erhebende Parameter zur Einschätzung der Gefährdung: Beschwerden leichte Asthma-Exazerbation: • Atemfrequenz < 25/min; • Herzfrequenz < 110/min; • PEF > 50 % des Soll- oder Bestwertes. Beschwerden schwere Asthma-Exazerbation: • Atemfrequenz > 25/min; • Herzfrequenz > 110/min; • PEF < 50 % des Soll- oder Bestwertes. Zyanose, Hypoxämie, frustrane Atmung, Bradykardie/Hypotonie und Erschöpfung/ Konfusion sind Hinweise für einen lebensbedrohlichen Anfall. [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 25 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Diagnostische Tests • Mit Hilfe diagnostischer Tests soll anhand von objektiven Messmethoden die Diagnose eines Asthma bronchiale gesichert werden. • Grundlage ist der Nachweis einer reversiblen Atemwegsobstruktion durch eine Lungenfunktionsprüfung (in erster Linie Spirometrie). DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 26 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Diagnostische Tests: Spirometrie • Nachweis einer Atemwegsobstruktion mit vollständiger Reversibilität nach Inhalation eines kurzwirksamen Betamimetikum. • Signifikante Reversibilität: Anstieg des FEV1≥12% und ≥200ml DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 27 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Diagnostische Tests: Peak-Flow • Expiratorischer Spitzenfluss Messung oder “Peak Expiratory Flow, PEF”. • Einfache Handhabung durch Patient, gut zur täglichen Selbstkontrolle. • Diagnostisch ist ein Anstieg des PEF um 60l/min. (oder ≥20% des prä-Bronchodilatator PEF) nach Inhalation eines Bronchodilatators. • Ebenso diagnostisch: PEF-Tagesvariabilität >20% (bei 2x täglicher Messung >10%) PEF-Messgerät DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. Beispiel PEF-Variabilität bei Asthma 28 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Zusatzuntersuchung: Metacholintest • Unspezifische bronchiale Provokationstestung • Bei normaler Spirometrie und typischen Asthma-Symptomen • Keine bronchiale Hyperreagibilität: Asthma sehr unwahrscheinlich Alternative Substanzen zur Bronchoprovokation: Mannitol, Adenosin-Mono-Phosphat (AMP) DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 29 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Metacholintest: Testvoraussetzung Verschiedene Medikamente mindern die bronchiale Reagibilität und müssen daher vor Testdurchführung pausiert werden. Medikamente und erforderliche Pause seit letzter Dosis: • Kurz-wirksame Betamimetika: 8h • Lang-wirksame Bronchodilatatoren: 48h, Tiotropium: 1 Woche Theophyllin-Tabletten • Theophylin-Tabletten: 12h • Kein Kaffee, Tee, Cola am Tag der Untersuchung [Crapo RO et al. Am J Respir Crit Care Med 2000; 161: 309-29] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 30 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Metacholintest: Kontraindikationen Absolut: • Schwere Flusslimitation (FEV1<50% oder <1l) • Myokardinfarkt oder cerebraler Insult in den letzten 3 Monaten • Unkontrollierter Bluthochdruck, syst.>200, diast.>100mmHg • Bekanntes aortales Aneurysma Relativ: • Moderate Flusslimitation (FEV1<60%, <1,5l) • Schwangerschaft / Stillzeit • Therapie mit Cholinesterase-Inhibitoren (Myasthenia gravis) [Crapo RO et al. Am J Respir Crit Care Med 2000; 161: 309-29] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 31 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Ergänzende Tests: Spiroergometrie Indikation: Vd. a. anstrengungs-induziertes Asthma • Nach einer Spiroergometrie erfolgen Spirometrien zu definierten Zeitpunkten. • Spirometrie 3, 5, 10, 15, 20 und 30 Minuten nach Belastungsende. • Positiver Test ist definiert als ein Abfall des FEV1 um 10% gegenüber des Ausgangswerts 3-30min nach Belastungsende [Crapo RO et al. Am J Respir Crit Care Med 2000; 161: 309-29] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 32 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Allergiediagnostik Allergien stellen die häufigste Ursache des Asthmas im Kindes- und Jugendalter dar und sind auch im Erwachsenenalter häufig. Deshalb soll bei allen Asthmapatienten mit positiver Anamnese eine allergologische Diagnostik durchgeführt werden. • Allergieanamnese einschließlich Berufsanamnese • Nachweis der allergenspezifischen, Immunglobulin E (IgE) vermittelten Sensibilisierung mittels: Prick-Hauttest «in vivo» Serologischer Test (spezifische IgE) «in vitro» Ggf. Provokationstest CAVE: Nur der positive Test und Symptome weisen auf eine Allergie hin. Ist nur der Test positiv handelt es sich um eine Sensibilisierung. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 33 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Allergiediagnostik Anamnese Prick-Test In vitro Test In vivo Test CAVE DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 34 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen Allergiediagnostik Hauttest vs. Bluttest für spezifische IgE DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 35 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 22 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 36 5. Diagnose und Differentialdiagnose Diagnose Die Diagnose stützt sich auf die Angabe von charakteristischen Beschwerden und dem Nachweis einer reversiblen Atemwegsobstruktion und/oder einer bronchialen Hyperreagibilität. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 37 5. Diagnose und Differentialdiagnose Diagnose und Differentialdiagnose Algorithmus Asthmadiagnostik [In Anlehnung an Buhl R et al. Pneumologie 2006; 60: e1-e45 und Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 38 5. Diagnose und Differentialdiagnose Stufen der Asthmakontrolle • Die Klassifikation des Asthma bronchiale orientiert sich daran, ob die Manifestationen des Asthmas (in erster Linie die Symptome) kontrolliert sind oder nicht. • Die Klassifikation beruht auf leicht zu erfassenden Parametern. • Die Zuordnung des Patienten in eine von 3 Gruppen «kontrolliert», «teilweise kontrolliert» und «unkontrolliert» ist auch die Basis für den Therapieentscheid. • Die Stufe der Asthmakontrolle soll regelmässig erfasst werden, um das Erreichen der Therapieziele zu verifizieren und ggf. Anpassungen der Therapie vornehmen zu können. [GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 39 5. Diagnose und Differentialdiagnose Stufen der Asthmakontrolle Kriterium (bezüglich letzte 4 Wochen) Kontrolliert (alle Kriterien erfüllt) Teilweise kontrolliert (1-2 Kriterien erfüllt) Symptome tagsüber ≤2x pro Woche >2x pro Woche Einschränkung von Aktivitäten im Alltag nein Nächtliche/s Symptome/Erwachen nein ja Einsatz einer Bedarfsmedikation/ Notfallbehandlung ≤2x pro Woche >2x pro Woche ja Unkontrolliert Drei oder mehr Kriterien des „teilweise kontrollierten Asthmas“ [In Anlehnung an GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 40 5. Diagnose und Differentialdiagnose Asthma: Differentialdiagnosen (alphabetisch) • • • • • • • • • • • • • • Adipositas Aspiration Bronchiektasen Chronisch persistierender Husten COPD (siehe auch nachfolgender Slide) Diffuse parenchymatöse Lungenerkrankungen Herzinsuffizienz/koronare Herzkrankheit Pneumothorax Respiratorischer Infekt/Pneumonie Tuberkulose Tumor (Kehlkopf, Trachea, Lunge) Zilienfunktionsstörung Zystische Fibrose U.a. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 41 5. Diagnose und Differentialdiagnose Differentialdiagnose: Asthma / COPD Merkmale Asthma COPD Allergie / Atopie Häufig Selten Alter bei Erstmanifestation Kinder/Jugend <40. Lebensjahr >40. oft > 60. Lebensjahr Atemnot Anfallsartig Bei Belastung Atemwegsobstruktion Variabel Persistierend Überempfindlichkeit der Atemwege Stark vorhanden Kaum vorhanden Husten Eher produktiv Eher trocken Ansprechen auf Kortikosteroide Regelhaft Gelegentlich Verlauf Variabel / episodisch Progredient DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 42 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 21 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 43 6. Therapie Asthma-Therapie: Ziele • Erreichen und Beibehalten der Symptomfreiheit • Unterdrückung der asthmatischen Entzündung • Normale Lungenfunktion • Aktiver Lebenstil, Sport nicht vermeiden • Wenig Gebrauch der “Notfallinhalation” • Asthma-Anfälle/Exazerbationen vermeiden • Therapienebenwirkungen erkennen DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 44 5. Diagnose und Differentialdiagnose Stufen der Asthmakontrolle Kriterium (bezüglich letzte 4 Wochen) Kontrolliert (alle Kriterien erfüllt) Teilweise kontrolliert (1-2 Kriterien erfüllt) Symptome tagsüber ≤2x pro Woche >2x pro Woche Einschränkung von Aktivitäten im Alltag nein Nächtliche/s Symptome/Erwachen nein ja Einsatz einer Bedarfsmedikation/ Notfallbehandlung ≤2x pro Woche >2x pro Woche ja Unkontrolliert Drei oder mehr Kriterien des „teilweise kontrollierten Asthmas“ [In Anlehnung an GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 45 6. Therapie Asthma-Stufentherapieschema Patientenschulung, Kontrolle von Risiko-, und Umweltfaktoren Stufe 1 Stufe 2 Bedarfsmedikation: Schnell-wirksamer β2-Agonist Primär Stufe 3 Stufe 4 Schnell-wirksamer β2-Agonist oder low-dose ICS+Formoterol low-dose ICS low-dose ICS+LABA Medium or highdose ICS+LABA oder oder oder Leukotrien Antagonist Medium or high-dose ICS High-dose ICS + Leukotrien Antagonist Alternativ Stufe 5: zusätzlich zu Stufe4 Anti-IgE bei IgE vermitteltem Asthma Orales CS (low-dose) oder Alternativ low-dose ICS + LeukotrienAntagonist LABA: long-acting beta2-agonist ICS: inhaled corticosteroid DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. Theophyllin [Modifiziert nach: GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] 46 6. Therapie Asthma-Therapie: Medikamentös Langzeittherapeutika «Controller» versus Bedarfsmedikamente «Reliever» • Langzeittherapeutika vermindern die dem Asthma zu Grunde liegende Inflammation der Bronchien und werden regelmässig eingenommen, auch wenn keine Symptome vorliegen. Hierzu gehören in erster Linie inhalative Kortikosteroide. • Bedarfsmedikamente sind schnell-wirksame Bronchodilatatoren (meist ß2−Sympathomimetika). Diese werden vor allem bei der Asthma-Exazerbation und bei verstärkten Asthma-Symptomen (z.B. rasche Zunahme der Dyspnoe) eingesetzt. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 47 6. Therapie Medikamentöse Therapie: Inhalativa Bedarfsmedikamente Schnell wirksame ß2−Sympathomimetika • Fenoterol • Salbutamol • Terbutalin Kurz wirksame Anticholinergika • Ipratropiumbromid Ebenfalls schnell wirksam ist Formoterol, wobei die Wirkung länger anhält und deshalb Formoterol auch zu den langwirksamen Betamimetika gezählt wird. [www.swissmedicinfo.ch] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 48 6. Therapie Medikamentöse Therapie: Inhalativa Langzeittherapeutika Inhalative Kortikosteroide • Beclometason • Budesonid • Ciclesonid • Fluticason • Mometason Langwirksame ß2−Sympathomimetika • Formoterol • Salmeterol Keine Langzeitmonotherapie mit langwirksamen ß2−Sympathomimetika! [www.swissmedicinfo.ch] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 49 6. Therapie Medikamentöse Therapie: Inhalativa Langzeittherapeutika Kombinationspräparate: Langwirksame ß2−Sympathomimetika & inhalative Kortikosteroide • Formoterol/ Budesonid • Salmeterol/ Fluticasonpropionat • Vilanterol/ Fluticasonfuroat • Formoterol/ Fluticasonpropionat Kombinationspräparate haben u.a. den Vorteil, dass die applizierten langwirksamen ß2−Sympathomimetika nicht als Monotherapie, sondern immer gleichzeitig mit einem inhalativen Steroid angewendet werden. Da Formoterol (im Gegensatz zu Salmeterol) einen raschen Wirkungseintritt aufweist, eignet sich die Kombination Formoterol/Budesonid im Trockenpulverinhalator neben der Prävention auch für die Verwendung im Notfall. [www.swissmedicinfo.ch] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 50 6. Therapie Medikamentöse Therapie: Leukotrien-Antagonisten Präparate (Einnahme als Tablette oder Granulat): • Montelukast • Zafirlukast In erster Linie Wirkung durch Reduktion der bronchialen Inflammation. Leukotrien-Antagonisten gelten v.a. bei Erwachsenen als weniger wirksam als inhalative Kortikosteroide, stellen jedoch eine Option dar, wenn die Patienten nicht in der Lage sind, Kortikosteroide zu inhalieren oder wenn inakzeptable unerwünschte Wirkungen auftreten. [www.swissmedicinfo.ch GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 51 6. Therapie Medikamentöse Therapie: Theophyllin Präparate (Einnahme als Tablette): • Theophyllin Theophyllin ist weniger bronchodilatativ wirksam als die üblicherweise eingesetzten langwirksamen ß2−Sympathomimetika und wird daher nicht in der Erstlinientherapie eingesetzt. Es bestehen teilweise relevante Interaktionen mit anderen Medikamenten (Cytochrom-P450 Metabolisation) und Theophyllin verfügt über eine geringe therapeutische Breite. [www.swissmedicinfo.ch GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 52 6. Therapie Medikamentöse Therapie: Anti-IgE Präparate (s.c. Injektion): • Omalizumab Omalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der humanes IgE bindet und somit das Andocken an vor allem Mastzellen behindert und somit die Freisetzung von Mediatoren hemmt. Die Omalizumab-Behandlung ist eine Option bei schwerem IgE-vermittelten allergischem Asthma trotz konsequenter inhalativer Therapie mit Steroiden und langwirksamen ß2−Sympathomimetika. [www.swissmedicinfo.ch GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 53 6. Therapie Asthma-Therapie: Behandlungsempfehlung • Kontrolliertes Asthma über 3 Monate: Therapiereduktion bis zur niedrigst-möglichen Dosis. Die Strategie der stufenweisen Therapiereduktion beruht auf unzureichender Evidenz, ist jedoch durch die Leitlinien empfohlen. • Partiell kontrolliertes Asthma: Stufenweise Behandlungssteigerung gemäss Therapieempfehlung in Erwägung ziehen bis Kontrolle erreicht. • Unkontrolliertes Asthma: Stufenweise Intensivierung der Behandlung bis kontrolliertes Asthma erreicht. • Mit diesen Empfehlungen kann eine Über- und Unterbehandlung vermieden werden. [GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 54 6. Therapie Asthma-Therapie: Ergänzende Massnahmen • Patientenschulung (Krankheitsverständnis, Instruktion Peak Flow, Inhalation, Erstellen eines Notfallplan) • Behandlung einer begleitenden Rhinitis • Rauchstopp • Gewichtsreduktion bei Übergewicht • Körperliches Training [GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 55 6. Therapie Spezifische Immuntherapie bei allergischem Asthma • Die Wirksamkeit von Immuntherapie bei Asthma ist limitiert. • In Erwägung zu ziehen bei stabilem allergischem Asthma bronchiale (FEV1>70% des Solls) in Ergänzung zur Pharmakotherapie insbesondere wenn die Allergenkarenz zu keiner Besserung führt (oder keine Option darstellt). • Risiko der allergischen Reaktion durch die spezifische Immunotherapie (häufiger lokal, seltener systemisch). • Zu erwartende Effekte: Reduktion von Asthma Symptomen Reduktion der bronchialen Hyperreagibilität Kein einheitlicher Effekt auf die Atemwegsobstruktion [GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org) Abramson MJ et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 56 6. Therapie Therapie: Neue Behandlungsmöglichkeiten Bronchiale Thermoplastie • Neues endoskopisches Verfahren, welches durch die lokale Anwendung von Wärme (ca. 65°) in den Bronchien zu einer Verringerung der Bronchialwandmuskulatur und somit zu einem Nachlassen der Kontraktion führen soll. • Drei Bronchoskopien mit jeweils 3 Wochen Abstand sind für die Behandlung vorgesehen. • Der Effekt der bronchialen Thermoplastie ist in mehreren Studien untersucht worden, wobei die Resultate nicht einheitlich waren und Verbesserungen bezüglich Exazerbationsfrequenz, Atemwegsobstruktion und Asthma-bezogene Lebensqualität allenfalls moderat sind. • Eine häufige unerwünschte Wirkung ist eine vorübergehende Verschlechterung und Zunahme der Häufigkeit atmungsbezogener Symptome. • Fazit: Neues Therapieverfahren, welches bisher noch keine breite Anwendung findet, jedoch in kontrollierten Studien weiter untersucht [GINA-Guidelines updated 2014 (www.ginasthma.org)] werden sollte. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 57 6. Therapie Therapie: Placebo-Effekt Pilot-Studie: Active Albuterol or Placebo, Sham Acupuncture, or No Intervention in Asthma Frage: • Wie wirken Asthma Interventionen im Vergleich zu Placebo? Methode: • RCT, doppelblind, crossover mit 46 Patienten Resultate: • + 20% FEV1 mit Albuterol, ca. + 7% für andere Interventionen (p<0.001) • + 50% Symptombesserung für alle ausser «No Intervention» (21%, p<0.001) Fazit: • Eine Studie die bestätigt, dass die Placebo-Therapie einen messbaren Effekt auf subjektive Parameter hatte, kaum jedoch auf objektive Parameter. • Angaben der Patienten über Symptome sollten daher in einen objektiven Kontext gesetzt werden bei der Asthma Behandlung. [Wechsler ME et al. N Engl J Med 2011; 365: 119-26] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 58 6. Therapie Therapie: unerwünschte Wirkungen Inhalation von Glukokortikoiden: Auswirkung auf Körpergrösse? Frage: • Inhalative Steroide bei Kindern kleinere Körpergrösse als Erwachsene? Methode: • Kinder (5-13 Jahre) mit Asthma während 4-6 Jahren täglich behandelt mit Budenosid, Nedocromil oder Placebo Ergebnis: • 943 Kinder behandelt mit Budenosid waren 1.2 cm kleiner im Erwachsenenalter als in der Placebo-Gruppe • Effekt in den ersten 2 Behandlungsjahren präpubertär, Effekt nicht progressiv oder kumulativ Fazit: • Eine Asthma Behandlung mit inhalativen Glukokortikoiden verursachte bei präpubertären Kindern eine temporäre Verminderung der Wachstumsgeschwindigkeit und resultierte in einer geringen Reduktion der endgültigen Körpergrösse. [Kelly HW et al. N Engl J Med 2012; 367: 904-12] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 59 6. Therapie Therapie: Asthma-Exazerbation/Anfall Patient mit Asthmaanfall Schwere des Anfalls Leichter-mittelschwerer Anfall Schwerer Anfall Lebensbedrohlicher Anfall Initialtherapie zuhause oder in Arztpraxis, Ansprechen auf Initialtherapie beurteilen Einweisung in Spital erwägen Umgehende Einweisung in Spital mit Notarztbegleitung [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 60 6. Therapie Therapie: Asthma-Exazerbation/Anfall Leichter-mittelschwerer Anfall Symptome • Sprechen normal • AF < 25/min; HF < 110/min • PEF > 50% des Soll- oder Bestwerts Initialtherapie zuhause oder in Arztpraxis Ansprechen auf Initialtherapie beurteilen Initialtherapie • 2-4 Hübe eines SABA Dosieraerosol + Vorschaltkammer (ggf. nach 10-15 min wiederholen) • 25-50 mg Prednisolonäquivalent oral • Selbsthilfetechniken zur Atemerleichterung [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 61 6. Therapie Therapie: Asthma-Exazerbation/Anfall Schwerer Anfall Symptome • Sprechdyspnoe • AF > 25/min; HF > 110/min • PEF < 50% des Soll- oder Bestwerts Einweisung in Spital erwägen Initialtherapie • Sauerstoff 2-4 l/min über Nasensonde (Atmung beachten), Ziel: SaO2 ≥ 92% • 2-4 Hübe eines SABA Dosieraerosol + Vorschaltkammer, in 10-15 min Intervallen wiederholen • 50-100 mg Prednisolonäquivalent oral oder i.v. • Falls vorhanden: Ipratropiumbromid 0.5 mg durch Vernebelung oder 4 Hübe = 80 Mikrogramm (aus Dosieraerosol) • Selbsthilfetechniken zur Atemerleichterung [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 62 6. Therapie Therapie: Asthma-Exazerbation/Anfall Lebensbedrohlicher Anfall Symptome • Kein Atemgeräusch («Stille Lunge») • Erschöpfung, Konfusion oder Koma • Frustrane Atemarbeit/flache Atmung • SaO2 < 92% (PaO2 < 8kPa) • Zyanose • PaCO2 normal oder erhöht (4.6-6 kPa) • Bradykardie oder arterielle Hypotension • PEF < 33% des Soll- oder Bestwerts bzw. PEF < 100l/min Umgehende Einweisung in Spital mit Notarztbegleitung Initialtherapie vor und während Transport ins Spital • Sauerstoff 2-4 l/min über Nasensonde (Atmung beachten), Ziel: SaO2 ≥ 92% • 2-4 Hübe eines SABA Dosieraerosol + Vorschaltkammer, in 10-15 min Intervallen wiederholen • 50-100 mg Prednisolonäquivalent oral oder i.v. • Falls vorhanden: Ipratropiumbromid 0.5mg durch Vernebelung oder 4 Hübe = 80 Mikrogramm (aus Dosieraerosol) • Atemerleichternde Lagerung bzw. Körperposition [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 63 6. Therapie Therapie in der Schwangerschaft • In der Schwangerschaft kann es sowohl zu einer Verbesserung als auch zu einer Verschlechterung der Asthma-Kontrolle kommen. • Erschwerte Differenzierung von Symptomen, da auch im Rahmen der Schwangerschaft ohne gleichzeitiges Asthma eine Leistungslimitation und Zunahme der Dyspnoe auftritt. • Bei guter Asthma-Kontrolle während der Schwangerschaft besteht kein erhöhtes Risiko für das Kind. • Die Therapie mit Inhalativa soll unverändert während der Schwangerschaft (und auch während der Stillzeit) fortgeführt werden. Kein Neubeginn einer Therapie mit Leukotrienrezeptorantagonisten. Im Zweifel rasche Zuweisung an Spezialisten. [In Anlehnung an: Nationale Versorgungsleitlinie Deutschland: Asthma 2013 (www.asthma.versorgungsleitlinien.de)] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 64 6. Therapie Monitoring und Selbstmanagement • Das Asthma bronchiale sollte einerseits ärztlich regelmässig monitorisiert werden, andererseits sollte idealerweise der Patient Selbstkontrollen durchführen. • Hierzu ist eine Patientenschulung Bestandteil der evidenz-basierten Asthma-Therapie. Diese sollte erreichen, dass Patienten typische Symptome kennen und bei Verschlechterung geeignete Massnahmen ergreifen. Die Schulung beinhaltet weiterhin das korrekte Inhalieren und ggf. das Selbst-Monitoring mittels PEF-Messgerät. • Die Erstellung eines individuellen Aktionsplans wird empfohlen. In diesem sollten neben den Asthma auslösenden Gründen auch festgelegt werden, welche Medikamente beim Auftreten von Beschwerden wie und wann einzunehmen sind und wann der Arzt zu benachrichtigen ist. DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 65 6. Therapie Monitoring und Selbstmanagement Beispiel des Ampelschema als Wegweiser für das Selbstmanagement der Asthma-Therapie. Farbe Konsequenz Grün Ihre Medikamente – so wie Sie sie jetzt einnehmen – schützen Sie ausreichend vor Beschwerden. Ihr Peak-flow-Wert ist besser als 80% Ihres Bestwertes. Weiter so! Gelb Anhand des Ampelschemas kann ein individueller Aktionsplan erstellt werden. Ihr Peak-flow-Wert liegt zwischen 60% und 80% Ihres Bestwertes. Wie steht es mit Husten, pfeifender Atmung und Luftnot? Ihre Medikamente schützen Sie zur Zeit nicht optimal vor Beschwerden. Deshalb: Steigern Sie – aber erst nach Absprache mit Ihrem Arzt – die Menge der einzelnen Medikamente. Vereinbaren Sie dazu für die nächsten Tage einen Arzttermin! Rot Ihr Peak-flow-Wert liegt unter 60% Ihres Bestwertes. Haben Sie zur Zeit auch nächtliche Beschwerden? Nehmen Sie Ihre Bedarfsmedikamente ein und messen Sie nach 20 min erneut. Steigt der Peak-flow-Wert nicht an: Rufen Sie einen Arzt! DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 66 6. Therapie Asthma-Monitoring durch Bestimmung von NO in der Ausatemluft • In einer systematischen Review verschiedener Studien (1’010 Erwachsene und Kinder mit Asthma) wurde gezeigt, dass die Steuerung der inhalativen Steroide anhand der NOMessung (im Vergleich zur Erfassung klinischer Symptome mit oder ohne des Peak-Flows) moderate Vorteile hatte bezüglich der Senkung der Steroiddosen bei Erwachsenen. • Keine Effekte fanden sich bezüglich Asthmakontrolle und Exazerbationen. • Fazit: Ob die zusätzliche Bestimmung des NO zur Verlaufsbeurteilung des Asthmas, zur Beurteilung der Asthmakontrolle und zur Steuerung der medikamentösen Therapie einen Stellenwert hat, kann derzeit noch nicht schlüssig beantwortet werden. [Petsky HL et al. Cochrane Database Syst Rev 2009, Issue 4. Art. No.: CD006340] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 67 6. Therapie Asthma-Monitoring durch Bestimmung von NO in der Ausatemluft • Es wird NO in der Ausatmungsluft bestimmt, als Marker der bronchialen (eosinophilen) Entzündung. • Einfache, nicht-invasive, schnelle Messung • Es besteht eine Korrelation zwischen dem Aussmass der eosinophilen Entzündung und NO im Exhalat (siehe Abbildung). [Jatakanon A et al. Torax 1998; 53: 91-95] [Petsky HL et al. Cochrane Database Syst Rev 2009, Issue 4. Art. No.: CD006340] DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 68 Inhalt 1. Definition Seite 06 2. Epidemiologie 08 3. Pathophysiologie 13 4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen 21 5. Diagnose und Differentialdiagnose 37 6. Therapie und Selbstmanagement 44 7. Referenzen 70 DIAGNOSE UND THERAPIE VON ASTHMA BRONCH. 69 7. Referenzen Referenzen/1 Abramson MJ et al. Injection allergen immunotherapy for asthma. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010; Issue 8: Art. No.: CD001186. DOI: 10.1002/14651858.CD001186.pub2 Gibson PG et al. 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