PÄDAUDIOLOGIE Teil 1 - HNO

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PÄDAUDIOLOGIE
Teil 1: Diagnostik
Prof. Dr. Michael Fuchs
Sektion Phoniatrie und Audiologie
Literaturempfehlungen
Wendler, J.; Seidner, W.; Eysholdt, U.:
Lehrbuch der
Phoniatrie und Pädaudiologie
Thieme Verlag, 4. Aufl. 2005
352 S., 176 Abb.
ISBN: 3-13-102294-9
Artikelnr.: 109951
79,95 EUR
Vorlesungsskript im Internet
http://hno.uniklinikum-leipzig.de
Lehre
Vorlesung Humanmedizin
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Lerninhalte und Erfolgskontrolle
• schriftliche MC-Klausur
am Semesterende
• eine Frage aus jeder
Vorlesung
Fachgebietsbestimmung
HNO
Phoniatrie
Pädaudiologie
kindliche
Hörstörungen
Stimme
Sprache
Schlucken
Fachgebietsbestimmung
Prophylaxe
Rehabilitation
Diagnostik
Therapie
HNO
Begutachtung
Forschung
Lehre
Phoniatrie
Pädaudiologie
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Fachgebietsbestimmung
FA für
HNO-Heilkunde
HNO
3 Jahre
2 Jahre
Phoniatrie
Truncus
Pädaudiologie
communis
FA für FA für
Sprach-,
Stimm- und
Phoniatrie
und kindliche
Hörstörungen
Pädaudiologie
HNO-Klinik, Sektion
Phoniatrie und Audiologie
Häufigkeit von Hörstörungen
• ca. 20% der Bevölkerung betroffen
• in allen Altersstufen, Anstieg ab 50-60 Jahre
Kinder:
• Schallleitungsschwerhörigkeiten
• permanent (Fehlbildungen): 1 : 10.000
• schwankend (Paukenergüsse): 10-20% der Klein- und
Schulkinder > 3 Monate/Jahr
• Schallempfindungsschwerhörigkeiten
• angeboren: 1-2 : 1.000 (zählt zu den häufigsten
angeborenen Gesundheitsstörungen)
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Hören – Sprache
(Pädaudiologie und Phoniatrie)
Entwicklung des Hörvermögens
pränatale akustische Stimulation
• ab 20. SSW Innenohr voll entwickelt
• ab 26. SSW Hörempfindungen
• ab 28. SSW Kindbewegungen bei Geräuschen (intrauterine
Schallpegel 30-65 dB)
erstes und zweites Lebensjahr
• Absenkung audiologischer Schwellen
• audiophonatorische Rückkopplung (Lautbildungskontrolle)
• Entwicklung des binauralen (räumlichen) Hörens
Pädaudiologische Untersuchung
•
•
•
•
•
Anamnese (Familienanamnese)
HNO-ärztliche Untersuchung
audiologische Diagnostik
Sprachstatus
Zusatzuntersuchungen zu anderen Sinnes- und
Hirnleistungen
• ggf. bildgebende Diagnostik.
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Hörprüfungen
• audiologische Diagnostik
was ist möglich?
objektive
Verfahren
wann ist es möglich?
subjektive
Verfahren
Alter
allgemeine
Entwicklung.
Objektive Verfahren
Messung von akustischen Eigenschaften des Gehörgangs
und der Mittelohr–Übertragungskette
Impedanzmessung (Tympanometrie / Stapediusreflexmessung)
Funktionsprüfung der äußeren
Haarzellen des Innenohrs
Otoakustische Emissionen (OAE)
Elektrophysiologische Eigenschaften des
Innenohrs, den N. VIII und der Hörbahn:
Elektrische Reaktionsaudiometrie (ERA)
1. Impedanzmessung
• Messung des akustischen Trommelfellwiderstandes
bei einer bestimmten Frequenz (Tympanometrie)
• Reaktion der Binnenohrmuskelkontraktion auf einen
lauten Schallreiz (Stapediusreflexmessung)
• Indikationen:
– bei fraglicher Schallleitungsschwerhörigkeit
– bei fraglicher kombinierter Schwerhörigkeit.
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Tympanometrie
• Typ A:
• Typ B:
• Typ C:
normal
Compliance 3-10,
Mittelohrdruck -100 bis +50 mmWS
kein Mittelohrdruck ablesbar (kein Gipfel):
Erguss
Mittelohrdruck < -200 mmWS:
Unterdruck (Tubenventilationstörung)

Normakusis
Typ A
Typ B
Typ C
Stapediusreflexmessung
• Tonimpulse von 500 Hz, 1 kHz, 2 kHz und 4 kHz
• Messung, bei welcher Intensität Reflex auslösbar
und ob Reflex auslösbar
• ab Hörverlust von 50 dB Hörleistung fehlt Stapediusreflex  Hinweise auf audiologische Schwelle
2. Otoakustische Emissionen (OAE)
• eigene Schallaussendungen des Innenohrs als
Ausdruck der Funktion der äußeren Haarzellen
(akustisches Äquivalent der akustischen
Verstärkerprozesse)
• spontane und evoziierte Emissionen  nur
evoziierte haben klinische Bedeutung.
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Gründe für die Eignung der EOAE
für die Pädaudiologie
• etwa 80-95% aller Normalhörenden haben EOAE
• EOAE sind bereits am 2./3. Lebenstag nachweisbar
(in diesem Alter 10-15 dB lauter als bei Erwachsenen)
• kurze Registrierungszeit (Kind muss nur kurz still
liegen)  für beide Ohren nur wenige Minuten
Untersuchungszeit
• gut geeignet für die Diagnostik von Innenohrschwerhörigkeiten (= „problematische“ Fälle in der Pädaudiologie, Plausibilitätskontrolle des Audiogramms)
• nicht invasiv.
Gründe für die Eignung der EOAE
für die Pädaudiologie
• Objektivität: aktive Kooperation des Kindes nicht
erforderlich
• Sensitivität: zuverlässige Diagnostik von
Schwerhörigkeiten >= 30 dB im Mittel- und Innenohr
über einen Frequenzbereich von 2-3 Oktaven
(TEOAE)
• Kosteneffektivität.
TEOAE - Indikationen
• Suchtest für die cochleäre Funktion im
Neugeborenen-, Säuglings- und Kleinkindalter
• Objektivierung unsicherer Befunde der subjektiven
Audiologie
• Topodiagnostik der Hörstörung von mehrfach
behinderten Kindern.
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3. Evozierte Potentiale
• Veränderungen im Elektroencephalogramm (EEG)
durch äußeren akustischen Reiz
• ERA (evoked response audiometry, elektrische
Reaktionsaudiometrie)
• besonders aussagefähig im mittleren
Frequenzbereich (1-4 kHz)
• Bestimmung der Hörschwelle
• Ausschluss retrocochleärer Läsionen (Schäden des
N. statoacusticus)
Hirnstammpotentiale (BERA)
• brainstem evoked response audiometry
• hohe Störanfälligkeit durch Unruhe des Kindes:
Säuglinge bis zum 3. Lebensmonat postprandialer
Schlaf, ältere Kinder benötigen Sedierung, in
Ausnahmefällen Narkose
• Reaktion des EEG auf einen auditiven Stimulus
dauert 1.000 ms  Einteilung in:
– frühe Potentiale (0-12 ms)  Hirnstamm
– mittlere Potentiale (12-80 ms)
– späte Potentiale (80-500 ms)
– sehr späte Potentiale (>500 ms)  Hirnrinde.
Evoziierte Potentiale
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Hirnstammpotentiale –
Schwellenbestimmung
• hohe Schallpegel  auch Welle VI
• mittlere Schallpegel  I, III und V
• geringe Schallpegel V (Pädaudiologie).
Hörprüfungen
• audiologische Diagnostik
was ist möglich?
objektive
Verfahren
subjektive
Verfahren
wann ist es möglich?
Alter
allgemeine
Entwicklung.
Subjektive Audiometrie – Verfahren
• Tonschwellenaudiometrie
• Sprachaudiometrie
• Überschwellige Audiometrie.
• Reizdarbietung
Freifeld
Kopfhörer
Knochenleitungshörer.
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Reizformen
• Quietschtier, Rassel, Tambourin
• Freifeld: Sinustöne für Kinder oft nicht interessant
genug  Wobbeltöne (engl.: to warble = trillern)
• Kinderlieder
• Audiogramm: Sinustöne.
Freifeldaudiometrie
• Reizdarbietung über Lautsprecher
• Kind sitzt oder liegt in der Mitte zwischen den
Lautsprechern (definierter, gleicher Abstand)
• grundsätzlich gleichzeitige Untersuchung beider
Ohren
• Trennung der Befunde nach Seite nur bedingt
möglich (Richtungsempfinden)
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Freifeld
• Beobachtung der Hörreaktionen
(Kopfwendereaktionen, kleine und kleinste Gesichtsverziehungen, Blinzeln, …)
• COR (conditioned oriented reflex audiometry)
• vor Beginn der eigentlichen Hörprüfung
• Präsentation kindgerechter Bilder neben/unter dem
entsprechenden Lautsprecher gleichzeitig mit der
Präsentation eines laut überschwelligen akustischen
Stimulus
Freifeld - Konditionierung
• Kind lernt zunächst, dass akustischer und visueller
Stimulus immer gleichzeitig erscheinen
(Konditionierungsphase)
• Untersuchungsphase: Verzögerung der visuellen
Darbietung gegenüber der akustischen
• Belohnung für „richtige“ Reaktion mit neuem Bild
• dabei Reduktion des Reizpegels bis zu Hörschwelle
• Spielaudiometrie  bei älteren Kindern: aktive
Konditionierung: Räumen von Bauklötzern,
Aufeinanderstecken von Ringen ect.
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Sonderformen der Reaktionsaudiometrie
orientierende Prüfungen, dienen auch der
Plausibilitätsprüfung
• Flüstern
– Reaktionen durch Zeigen oder Nachsprechen/Antworten
(Kinder flüstern dann oft auch)
• Kinderlieder
– orientierende Hörschwelle im Bereich 500 Hz bis 1.500 Hz
– Aufmerksamkeitsreaktionen selbst bei anfangs
unkonzentrierten Kindern
• Umweltgeräusche
– (Glocken, Hundegebell, Hupe, Telefon, …).
Sprachaudiometrie
• Aussagen über gesamte Funktion von Hörbahn und
Wahrnehmung (allerdings „nur“ bzgl. des sprachorientierten Systems)
• Prüfung mit Wörtern (Ein-, Mehrsilber, Sätze)
Prüfung der Hörgerätefunktion
• Sprachaudiometrie im Freifeld beste Methode
• Tonschwellenaudiometrie im Freifeld mit und ohne
Hörgerät (Aufblähkurve).
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Hörprüfungen
• audiologische Diagnostik
was ist möglich?
objektive
Verfahren
subjektive
Verfahren
wann ist es möglich?
Alter
allgemeine
Entwicklung.
Neugeborene und junge Säuglinge
TEOAE:
• Voraussetzung: regelrechte Druckverhältnisse im
Mittelohr
• Vorteile:
– objektive Methode
– schnell und kostengünstig
– gut von Laien erlernbar
– bis 25 (30) dB Hörverlust zu evozieren
– zum Ausschluss therapiebedürftiger peripherer
Schwerhörigkeit, die die Sprachentwicklung beeinträchtigt
Neugeborenenhörscreening
• gesetzliche Regelleistung für jedes Neugeborene
ab 01.01.2009
• Durchführung in den Geburtskliniken, in
pädaudiologischen Zentren, bei spezialisierten
niedergelassenen Ärzten
• Tracking
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Hörprüfungen ab 3. Lebensmonat:
Freifeld-Audiometrie
• binaural im freien Schallfeld
• Hörreaktionen zu erwarten – keine Hörschwelle!!!
mit 6 Monaten bei 40 bis 50 dB
mit 12 Monaten bei 30 bis 40 dB
mit 24 Monaten bei 20 bis 30 dB
• Prüfung über Knochenleitung
Hörreaktionen bei etwa 30 dB.
Hörprüfungen ab 3. Lebensmonat:
Freifeld
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Freifeld
3. Lebensjahr bis Schulalter
Spielaudiometrie:
• ab Entwicklungsalter von 3 Jahren
• Kopfhörer
• erstmals kann über Luft- und Knochenleitung
jedes Ohr getrennt zw. 125 Hz und 10 kHz
(Sinustöne) untersucht werden
• ab 5. bis 6. Lebensjahr wird Vertäubung bewältigt.
Spielaudiogramm
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Schulkind
•
•
•
•
Reintonaudiogramm
Sprachaudiogramm
überschwellige Tests
Zentrale Hörtests: Hören im Störschall, Auditive
Lokalisation
• Unbehaglichkeitsschwelle, Bestimmung des
Dynamikbereiches, wichtig für Hörgeräteversorgung
• bei Diskrepanzen/speziellen Fragen:
OAE, DPOAE, BERA.
Zentrale Hörleistungen
Diagnostik der zentralen auditiven
Verarbeitung
• Anamnese / Fragebögen
– eingeschränkte auditive Merkfähigkeit
– vermindertes Sprachverstehen im Störschall
– gestörtes Richtungshören
• pädaudiometrische Tests
–
–
–
–
Münchner Auditiver Screeningtest (MAUS)
Sprachaudiometrie im Störschall
zeitkomprimierte Sprache
dichotischer Test: zwei Einsilber gleichzeitig rechts u. links
• psychometrische Tests
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Flankierende Diagnostik
• Neuropädiatrie
– Entwicklung der Statomotorik,
psychointellektuelle Entwicklung
• Psychologie
– Entwicklung der Persönlichkeit
und Intelligenz
• Humangenetik
– hereditäre Schwerhörigkeit
• Augenheilkunde
– Kompensation auditiver Störungen.
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