Elektrische Ladung des Komplexes

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Der Zusammenhang zwischen der kinetischen
Reaktionsordnung und dem Reaktionsmechanismus ist oft
dadurch verkompliziert, dass das Lösungsmittel selbst als
Nucleophil wirkt.
enormer Konzentrationsvorteil
gegenüber anderen nucleophilen
Liganden in Lösung!
Ln MD  E  Ln ME  D
Reaktion 1
Oft misst man, so glaubt man, die Reaktionsgeschwindigkeit von
Reaktion 1. Statt dessen misst man die RG von Reaktion 2:
Ln MD  H 2O  Ln M H 2O   D
Reaktion 2 pseudo-1.Ordnung
langsamer als Reaktion 3
Ln M H 2O   E  Ln ME  H 2O
Reaktion 3 Anation (=Umkehrung
der Solvolyse)
Folge von Hydrolyse und Anation
CoNH  NO 
2
3 5
3
CoNH  H O 
3
3 5
2
 H 2O  CoNH 3 5 H 2O   NO3
3

 SCN  CoNH 3 5 NCS   H 2O

2
Ligandensubstitution in oktaedrischen
Komplexen
• Kinetische Studien an oktaedrischen Komplexen in saurer wässriger
Lösung zeigen in den meisten Fällen ein Geschwindigkeitsgesetz
1. Ordnung und keinen Einfluss des eintretenden Liganden auf die
Reaktionsgeschwindigkeit
• Weist dies auf einen dissoziativen Mechanismus hin?
Ligandensubstitution in
oktaedrischen Komplexen: 7
Beweise für den dissoziativen
Mechanismus:
1. Elektronische Gründe
2. Einfluss der eintretenden Gruppe
auf die Reaktionsgeschwindigkeit
(gering!)
3. Einfluss der austretenden Gruppe
auf die Reaktionsgeschwindigkeit
(groß!)
4. Zusammenhang zwischen
Gleichgewichtskonstante und
Geschwindigkeitskonstante
5. Einfluss der Ladung des
Komplexes
6. Größe der Liganden
7. Aktivierungsparameter
Sterische Gründe
• „Sterische Absättigung“ bei Koordinationszahl Z=6
• Z>6 benötigt eine erhöhte Aktivierungsenergie, dies führt zu einer nicht
konkurrenzfähigen langsamen Reaktionsgeschwindigkeit im Falle eines
Reaktionswegs über einen siebenfach koordinierten ÜZ
• Für Co3+ Komplexe gilt speziell, dass wenn 6 Liganden 6 Elektronenpaare
beisteuern, gerade 18 Valenzelektronen vorhanden sind
•
• Ein weiterer Ligand in einem ÜZ mit erhöhter Koordinationszahl würde
eine sehr ungünstige elektronische Energie für sein Elektronenpaar
vorfinden, siehe oktaedrische Molekülorbitale
aus: William W. Porterfield, Inorganic
Chemistry, San Diego, 1993
Geringer Einfluss der eintretenden Gruppe E auf die
Reaktionsgeschwindigkeitskonstante
• Zu erwarten, wenn die Dissoziation der
geschwindigkeitsbestimmende Schritt des Mechanismus
ist.
• Beispiel: Die Geschwindigkeitskonstanten der Reaktionen
von [Co(NH3)5(H2O)]3+ mit Cl-, Br-, NCS-, N3-, NO3-, H2PO4-,
NH3 liegen alle sehr nahe beisammen mit k=1.3x10-6 bis
k=2.5x10-6 L mol-1 s-1 (25°C) .
• Wäre der Prozess assoziativ, dann müssten die
Bindungseigenschaften des hereinkommenden Liganden
sehr stark die Geschwindigkeitskonstante beeinflussen!
Großer Einfluss der austretenden Gruppe D auf die
Geschwindigkeitskonstante
• Dann zu erwarten, wenn der Bruch der M-D Bindung
der geschwindigkeitsbestimmende Schritt ist.
• Kinetische Daten für die saure Hydrolyse von
[Co(NH3)5X]2+ zeigen, dass die
Geschwindigkeitskonstanten für verschiedene Liganden
X über 8 Größenordnungen variieren!
Hydrogenoxalat
Trifluormethansulfonat
(Triflat)
aus: William W. Porterfield,
Inorganic Chemistry, San
Diego, 1993
Zusammenhang zwischen Gleichgewichtskonstante und
Geschwindigkeitskonstante
• saure Hydrolyse von [Co(NH3)5X]2+
• ln k1 aufgetragen gegen ln K für verschiedene
Liganden X ergibt eine Gerade, mit dem Anstieg
1.03
•
d.h. G 0 und G  haben fast den
gleichen Wert!
aus: William W. Porterfield,
Inorganic Chemistry, San Diego,
1993
aus: William W. Porterfield, Inorganic
Chemistry, San Diego, 1993
•
ÜZ ähnlich dem Reaktionsprodukt!
• D.h. beide haben ähnliche Energie und Struktur
• Der ÜZ muss also eine Konfiguration des Systems sein, bei der
sich das X- Ion bereits vom Co3+ abgetrennt hat
• Dissoziativer Mechanismus
• Der Unterschied zwischen ÜZ und Produkt ist nur, dass das
H2O Molekül noch in der äußeren Koordinationssphäre liegt
Elektrische Ladung des Komplexes
• Wenn ein Anion von einem positiv geladenen Komplex abdissoziiert,
und die Dissoziation der geschwindigkeitsbestimmende Schritt ist
(dissoziativer Mechanismus)
so sinkt die Reaktionsgeschwindigkeit mit steigender positiver Ladung
des Komplexes.
(Wäre der Mechanismus assoziativ, so würde der Komplex mit höherer
positiver Ladung den eintretenden Liganden z.B. das polare H2O Molekül
oder einen negativ geladenen Liganden, verstärkt anziehen, und die
Reaktion würde mit steigender positiver Ladung des Komplexes schneller
werden .)
aus: William W. Porterfield,
Inorganic Chemistry, San
Diego, 1993
Größe des Liganden
•
Beispiel: methyl-substituierte Ethylendiamin Liganden
•
Da Methylgruppen nur einen sehr geringen induktiven Effekt (+ I- Effekt)
haben, ist der elektronische Unterschied zwischen diesen Liganden gering
•
Ihre Größe steigt jedoch stark mit steigender Anzahl der Methylgruppen
•
Größeres Ligandenvolumen macht es leichter, eine abdissoziierende Gruppe
hinauszudrängen
Steigende Reaktionsgeschwindigkeit mit steigendem Liganden-Volumen weist
auf einen dissoziativen Mechanismus hin
•
•
Wäre der Mechanismus assoziativ, so würde steigendes Ligandenvolumen die
Reaktion verlangsamen
aus: William W. Porterfield,
Inorganic Chemistry, San
Diego, 1993
Aktivierungsparameter
S 
und
V 
• Sind bei Ligandensubstitution an oktaedrischen Komplexen meist positiv
• Dies weist auf einen dissoziativen Mechanismus hin!
Co3+ und die meisten anderen okteadrischen Komplexe
tauschen ihre Liganden mit einem dissoziativen Mechanismus
aus
Ausnahmen: Die Wasser-Austauschreaktionen von Cr(H2O)63+

und von Fe(H2O)63+ zeigen ein negatives V
(Ia Mechanismus)
Weitere Ausnahme: Großes Zentralmetall
RhNH  H O
3
3 5
2
 X  RhNH3 5 X   H 2O

2
Die RG hängt davon ab, ob X Chlorid oder Bromid ist (mit Bromid doppelt so
schnell)
assoziativer Mechanismus
Mechanismus der basischen Hydrolyse
• Unterscheidet sich stark von dem der sauren Hydrolyse
• Co3+ Komplexe mit NH3 oder Aminen als Liganden hydrolysieren oberhalb
pH=4 wesentlich rascher als in sauren Lösungen
• Das Geschwindigkeitsgesetz ist immer 2. Ordnung:


v  k2  CoNH 3 5 Cl   OH 
2

• Würde auf einen assoziativen Mechanismus hinweisen, dies ist aber nicht
der Fall! Beweis für einen dissoziativen Mechanismus: Sterischer Effekt Je größer der Amin-Ligand, desto rascher die Reaktion.
Wieso kann ein dissoziativer Mechanismus zu einem
Geschwindigkeitsgesetz 2. Ordnung führen?
• Der NH3 Ligand wird dadurch, dass er an Co3+ koordiniert ist, fähiger, ein H+
abzuspalten
• In wässr. Lsg ist das OH- -Ion nicht imstande, NH3 zum NH2- Ion zu
deprotonieren. Ist aber das NH3 Molekül an das Co3+ koordiniert, so zieht
das positiv geladene Metallion Elektronendichte vom NH3 ab, sodass es
saurer wird und ein Amid-Ion entstehen kann
• Dies ist sehr oft die Art Änderung der Liganden-Reaktivität, die in
Übergangsmetall-Katalysatoren und Metalloenzymen wirksam ist.
Liganden-Substitution unter Beteiligung
mehrzähniger Liganden
• Der Ersatz von 2 koordinierten Wassermolekülen durch
einen zweizähnigen Liganden L-L erfolgt in zwei
aufeinanderfolgenden Schritten.
• Man kann die Steady-State Näherung auf die
Zwischenverbindung anwenden:
d M L2 
 k f M OH 2 2  L  L  k d M L 2 
dt
kf 
k1k 2
k1  k2 
kd 
k 1k  2
k1  k2 
L-L
a) k2>>k-1
In dem Fall ist kf=k1
– Dann ist die Gesamt-Reaktionsgeschwindigkeit der Chelatbildung
durch die Bildung der M-L-L Zwischenverbindung bestimmt und die
Reaktion ist durch dieselben Faktoren kontrolliert wie eine
Substitutionsreaktion mit einem einzähnigen Liganden.
– k bei 25°C für die Komplexbildung von Ni2+ mit py, bpy und tpy sind
sehr ähnlich, obwohl Komplexe mit keinem, einem, bzw. zwei
Chelatringen gebildet werden.
– k=4x103, 1.5x103, 1.4x103 M-1s-1
b) k2<<k-1
In dem Fall ist kf=k1k2/k-1
der geschwindigkeitsbestimmende Schritt ist die Bildung des Chelatringes
z.B. wenn die Bildung des Chelatringes sterisch gehindert ist
Beispiel: bei der Komplexierung von Ni2+ (pH=8; [Ni2+]=100 mM) durch
sulfoniertes 2-pyridylazo-1-naphtol ist der Ringschluss sehr
langsam (k≈25 s-1)
3 zähniger Ligand, Ringbildung erfolgt durch die ortho-OH Gruppe, die AzoGruppe, das heterozyklische N-Atom und das Metallion
•
•
•
Wenn der ringschließende Arm protoniert ist, und interne
Wasserstoffbrücken gebrochen werden müssen: Reaktion von
protoniertem 3,5Dinitrosalicylat mit Ni2+ k=3.8x102 M-1s-1.
Mit unprotoniertem 3,5 Dinitrosalicylat ist die Reaktion wesentlich
rascher, k=3.1x104 M-1s-1
Anwendung der Steady State Näherung auf die beiden
Zwischenverbindungen ergibt:
kf 
•
•
k1k 2 k3
k 1k  2  k 1k3  k  2 k3
Die Frage ist, ob der Bruch der H-Brückenbindung in Reaktionsschritt
2 oder der Ringschluss in Reaktionsschritt 3
geschwindigkeitsbestimmend ist.
(Quelle: R.G. Wilkins)
Effekt des pH auf die Geschwindigkeit der
Substitution bei Chelatkomplexen
• Das Verhalten eines Chelatliganden L und seiner protonierten Form LH+ ist
unterschiedlich
• Sowohl die Bildung als auch die Hydrolyse von Chelatkomplexen ist daher
in der Regel pH-abhängig
LH




H L
K1
M  L  ML
k2 , k2 , K 2
M  LH 
k3 , k 3 , K 3


K 3  K1 K 2
ML  H 
weil gewöhnlich K1<<1, gilt:
K2>>K3
kinetischen Messungen an
Metallkomplexen (Ni2+, Cr3+) von
Polyaminen zeigten, dass auch
k2>>k3
In der umgekehrten Richtung kann
ein Proton die Ringöffnung direkt
unterstützen, oder auf dem Weg
reaktiver protonierter Spezies
Metallionen-unterstützte Dissoziation
(Hydrolyse) von Chelatkomplexen
• Metallionen können die Dissoziation von Komplexen mit
multidentaten Liganden beschleunigen
ML  M1  M1L  M
• Der Reaktionsweg ist kompliziert und umfasst zweikernige
Zwischenverbindungen, die M und M1 enthalten
D. W. Margerum, D. L. Janes, and H. M. Rosen,
Transfer of EDTA from Ni(II) to Cu(II), Journal of the
American Chemical Society, 1965
Ligandensubstitution unter Beteiligung von
Porphyrinen
• Konzept eines Reaktionswegs über einen sittingatop (SAT) Komplex, wobei das reagierende
Metallion mit den N Atomen des Porphyrinringes
wechselwirkt, ohne dass die N-H Gruppen
deprotoniert werden. Die Bildung des SAT
Komplexes ist der geschwindigkeitsbestimmende
Schritt.
• In einem raschen weiteren Schritt zerfällt der SAT
Komplex zu den Produkten, wobei 2 Protonen
freigesetzt werden.
H 2 P  ML6  ML5    H 2 P  L
ML5    H 2 P  ML4  H 2 P  L
ML4  H 2 P  MP  4 L  2 H 
L4
M
• Der SAT-Komplex wird als mit dem freien
Metallion und Porphyrin in einem
thermodynamischen Gleichgewicht
existierendes Assoziat betrachtet, dessen
Bildungskonstante stark mediumabhängig ist.
• Bestimmte Gruppen an der Peripherie des
Porphyrins erleichtern die Inkorporation des
Metallions in den Ring, indem sie mit dem
Metallion ein Addukt bilden, das dann
weiterreagiert.
• Beispiel: tmppH2 reagiert schnell mit Co(II),
Cu(II), und Ni(II) in Dimethylformamid)/H2O:
13
aus: Ralph G. Wilkins, Mechanisms
of Reactions of Transition Metal
Complexes, VCH, 1991
Metall-Ionen unterstützte Bildung eines
Metalloporphyrins: Route (B)
Da man kein freies Porphyrin während des Austausches
von M und M* beobachtet, muss es sich um einen
assoziativen Prozess handeln.
aus: Ralph G. Wilkins,
Mechanisms of Reactions
of Transition Metal
Complexes, VCH, 1991
• Die Reaktion von Mn2+ mit tppsH24- in Wasser ist sehr
langsam.
• Die Aufnahme von Mn2+ in den Porphyrinring wird
jedoch stark beschleunigt durch die Gegenwart kleiner
Mengen von Cd2+ Ionen, die als Katalysator wirken:
Cd 2  tppsH 24
4


Cd (tpps)  Mn
Mn 
2
>>
Cd (tpps) 4  2 H 
2
4
 Mn(tpps)  Cd
tppsH  , Cd 
4
2

2


d tppsH 24

 kobs  tppsH 24
dt
kobs 

 
H   k Mn 
k1k 2 Mn 2  Cd 2
k 1
 2
2
2

k1 , k 1
2
k2
• Die Reaktion von Cd2+ mit tppsH24- ist rasch, denn das
größere Metallion bildet einen out-of-plane Komplex.
Dieser kann wiederum leicht durch das stärker bindende
Mn2+ attackiert werden.
----------------------------------------------------------------• Die Dissoziation der meisten Metall-Porphyrine M(II)P ist
sehr langsam.
• H+ beschleunigen die Entfernung des Metallions. Häufig
findet man folgendes Geschwindigkeitsgesetz:
 
v  k  M ( II ) P H
 2
Isobiestische Punkte bei UV-VIS Spektren
Isobiestische Punkte sind Wellenlängen,
bei denen die Absorption konstant bleibt,
während sich die Konzentrationen der
Reaktanden und Produkte ändern: weisen
darauf hin, dass keine nachweisbaren
Zwischenverbindungen auftreten.
z.B. Reaktion von Hg(tpp) mit Zn2+ in Pyridin.
Hier tritt die freie tpp Base nicht auf, sie
hätte ein von beiden Komplexen
unterschiedliches Spektrum.
aus: Ralph G. Wilkins,
Mechanisms of Reactions of
Transition Metal Complexes,
VCH, 1991
Templat-Chemie
• Man kann Metallionen zur Herstellung von Makrozyklen benutzen
(Templat-Effekt). Z.B.: Alkali- und Erdalkalimetallionen beschleunigen die
Bildung von Benzo[18]crown-6 in Methanol
Stereochemie der oktaedrischen Substitution
• Die normale oktaedrische Substitution erfolgt unter Retention der
Konfiguration
• Dies deutet darauf hin, dass die normale fünffach koordinierte
Zwischenverbindung eine tetragonal pyramidale Struktur beibehält
(quadratische Pyramide)
• In manchen Fällen ist der Substitutionsvorgang jedoch von einer
stereochemischen Umwandlung begleitet, z.B.
• trans-[Co(NH3)4Cl2]+ + H2O ergibt 55% cis- und 45% trans-Produkt
• trans-[Co(en)2(OH)Cl]+ + H2O ergibt 75% cis und 25% trans-Produkt
• trans-[Co(en)2Br2]+ + H2O ergibt 30% cis und 70% trans-Produkt
•
Das Auftreten stereochemischer Umlagerungen kann durch die Annahme einer
trigonal-bipyramidalen Struktur der fünffach koordinierten
Zwischenverbindungen erklärt werden.
•
Der Austritt von X wird durch die Bewegung eines Paares ursprünglich trans
zueinander stehender Liganden begleitet, von denen jeder cis zur austretenden
Gruppe X steht
•
Es gibt 2 Möglichkeiten zur Bildung einer trigonalen Bipyramide
•
Die eintretende Gruppe Y tritt entlang einer der trigonalen Kanten ein
•
6 mögliche Reaktionswege, 2 davon führen zur Wiederherstellung der relativen
Positionen der Liganden im Komplex
Welche Liganden ermöglichen stereochemische
Umwandlung?
• Voraussetzung ist das Vorhandensein
eines einsamen Elektronenpaares in
einem Orbital, dessen Symmetrie eine πBindung vom Liganden zum Metall
ermöglicht, sobald das Umklappen von
der quadratischen Pyramide zur
trigonalen Bipyramide erfolgt ist:
• Stabilisierung des trigonalen ÜZ
Ligandensubstitution in quadratisch-planaren
Komplexen
• Modellfall: d8 Pt2+ Komplexe („inert“: reagieren langsam)
• [Pt(dien)X]+
• X• dien
Halogenidion
Diethylentriamin
Kinetische Studien an quadratischplanaren Pt2+ Komplexen ergeben
gewöhnlich ein aus zwei Termen
bestehendes
Geschwindigkeitsgesetz:
d L3 PtD
 k1  L3 PtD  k2  L3 PtD E 
dt
v  k  L3 PtD
v
k  k1  k2  E 
2 simultane Mechanismen
•
Wird in einem Diagramm k gegen [E] aufgetragen, so ergibt sich
eine Gerade:
•
k = k1 + k2 [E]
•
Der Ordinatenabschnitt k1 ist derselbe für verschiedene E (z.B. Cloder Br-)
•
Der Anstieg k2 hängt sehr stark von der Natur von E ab!
•
Außerdem ist k2 10-100 mal so groß wie k1.
•
Substitution in quadratisch-planaren Komplexen vorwiegend
durch einen assoziativen Mechanismus.
82Br
herstellbar
durch
Neutroneneinfang
aus 81Br
t1/2=35.3 h
Quelle:
Porterfield
aus: William W. Porterfield,
Inorganic Chemistry, San
Diego, 1993
3 Beweise für den assoziativen Mechanismus
• 1. schwacher Effekt der austretenden
Gruppe
• 2. starker Effekt der eintretenden Gruppe
(= geschwindigkeitsbestimmender Schritt)
• 3. negative Aktivierungsentropie
Assoziativer Mechanismus für quadratisch-planare Komplexe
wahrscheinlicher als für oktaedrische
• Koordinationszahl niedriger, Komplex (zumindest potentiell)
koordinativ ungesättigt
• Die planare Anordnung lässt für einen eintretenden
Liganden einen breit gewinkelten Zugang offen (ausser die
planaren Liganden sind selbst sehr umfangreich)
Stereochemie der quadratisch-planaren Substitution
• Die Substitution in quadratisch-planaren Komplexen erfolgt
immer unter Retention der Konfiguration (cis/trans).
• Wenn eine stabile Zwischenverbindung in einem
asynchronen assoziativen A Mechanismus auftritt, sollte
diese eine trigonale Bipyramide sein, ebenso wie der ÜZ in
einem synchronen Ia Mechanismus.
Substitutions-Mechanismus für quadratisch-planare
Komplexe mit Retention der Konfiguration
Geometrie des fünffach koordinierten Übergangszustandes
•
Zunächst quadratische Pyramide mit dem eintretenden Liganden E an der Spitze
•
Danach Umlagerung in eine trigonale Bipyramide
Obwohl außer Zweifel steht, dass quadratisch-planare
Komplexe ihre Liganden durch einen assoziativen
Mechanismus austauschen, gibt es doch signifikante Effekte
der austretenden Gruppe.
aus: William W. Porterfield, Inorganic
Chemistry, San Diego, 1993
• Auch das Aufbrechen der Bindung M-D muss also
geschwindigkeitsbestimmend sein, und es muss sich
das Aufbrechen dieser Bindung im ÜZ bereits
deutlich abzeichnen.
• Dies ist konsistent mit unserem Bild des
Mechanismus:
• Ein Ligand in der äquatorialen Position einer
trigonale Bipyramide hat andere Möglichkeiten der
Orbital-Überlappung als derselbe Ligand im
quadratisch-planaren Komplex: Dies kann einer
Bindungslockerung entsprechen!
Effekte der nichtreagierenden Liganden
•
Nicht nur der eintretende und der austretende Ligand haben Effekte auf die
Reaktionsgeschwindigkeit.
•
Kinetischer Trans-Effekt (1926 entdeckt von Ilya Chernyaev, 1893-1966).
Kommt hauptsächlich in quadratisch-planaren Komplexen vor. Labilisierung
des Liganden in trans-Stellung zu einem bestimmten Liganden T, d.h. je größer
der Trans-Effekt, desto größer die Geschwindigkeitskonstante für die
Elimination des trans zu T stehenden Liganden.
•
Reihenfolge der trans-labilisierenden Fähigkeit: H2O<OH-<NH3≈py<Cl-<Br-<I<NO2-<SCN-<PR3≈H- ≈ SC(NH2)2<NO≈CO≈CN-
•
Liganden mit hohem trans-labilisierenden Effekt nennt man trans-dirigierend.
•
Stereospezifische Synthesen, z.B. von cis-Platin
Zur Unterscheidung von cis- und trans- [PtX2A2] Komplexen (X=Halogenid,
A=Amin) kann die Reaktion mit Thioharnstoff benutzt werden (Kurnakov-Test):
Erklärung des trans-Effekts
• Die trans-dirigierenden Liganden wirken umso stärker, je weichere LewisBasen sie sind. Z.B. sind CO und H- weiche Lewis-Basen mit starkem transdirigierendem Effekt, während H2O eine harte Lewis-Base ist
• Das d8 - Metallion ist eine weiche Lewis-Säure und daher polarisierbar.
Der trans-dirigierende Ligand polarisiert das Zentralion und schwächt
damit die Bindung zum trans-stehenden Liganden
•
Beim Übergang vom quadratisch-planaren Komplex zum trigonal-bipyramidalen ÜZ
bleibt der Ligand, der trans zu D steht, in der Äquatorialebene der trigonalen
Bipyramide während die anderen beiden nichtreagierenden Liganden axial stehen
•
Die geometrischen Möglichkeiten für π-Überlappung sind sehr gut in der quadratischplanaren Anordnung. Im Durchschnitt hat jeder Ligand Zutritt zu 0.75 Metall–π–
Orbitalen
•
Im trigonal-bipyramidalen ÜZ haben die axialen Liganden Zutritt zu 0.57 Metall–π–
Orbitalen, und die äquatorialen Liganden zu 0.95 Metall–π–Orbitalen!
•
Ein π-bindender Ligand hat daher eine besondere Vorliebe dafür, in die Äquatorialebene
des ÜZ zu gehen. Von den drei L bleibt derjenige, der schon vorher im quadratischplanaren Fall eine π-Bindung zum Metall hatte, in der Äquatorialebene. Gute πAkzeptor Liganden wie CO und C2H4 sind dementsprechend besonders stark transdirigierend.
Reaktionen, die zu einer Änderung der Koordinationszahl
führen (ohne Änderung der Oxidationszahl)
• Substitutionsreaktionen können ohne nachweisbare
Zwischenverbindung ablaufen, oder mit einer
hochreaktiven Zwischenverbindung erhöhter oder
erniedrigter Koordinationszahl
• Im Prinzip könnten Reaktionen so modifiziert werden,
dass aus den instabilen und hochreaktiven
Zwischenstufen stabile Produkte mit erhöhter oder
erniedrigter Koordinationszahl werden
S ist ein axiales Lösungsmittel-Molekül. Falls es
sich in der inneren Koordinationssphäre
befindet, würde es sich um eine
Substitutionsreaktion handeln, falls es sich in
der äußeren Koordinationssphäre befindet, um
eine Additions- bzw. Eliminierungsreaktion.
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