Quelle: Musiktheater im Revier www.musiktheater-im-revier.de Stückinfo: Opernführer online (Redaktion Wiebke Hetmanek) - Die Handlung - Lorenzo da Ponte - Wolfgang Amadeus Mozart - Zur Entstehung von „Le nozze di Figaro“ - Die phrasenlose Darstellung der Gesellschaft - Apropos Ius primae noctis Die Handlung 1. Akt Figaros Zimmer im Schloss Am Morgen ihrer Hochzeit erfährt Figaro, Kammerdiener des Fragen Almaviva, von seiner Braut Susanna, dass ihr der Graf nachstellt. Er habe zwar das „Recht der ersten Nacht“ abgeschafft, aber scheint seine Avancen in Hinblick auf die bevorstehende Hochzeit hartnäckiger zu verfolgen. Wütend verkündet Figaro, diese Herausforderung annehmen zu wollen. Der Page Cherubino gesteht Susanna, dass er sich in alle Frauen des Schlosses verliebt habe. Als der Graf in das Zimmer kommt, versteckt sich Cherubino schnell. Der Graf wiederum verbirgt sich vor dem hereinkommenden Basilio, fährt jedoch dazwischen, als er eine Bemerkung Basilios über den Pagen und die Gräfin mithören muss. Schließlich entdeckt er Cherubino. Auf Susannas Bitten hin entlässt der Graf Cherubino nicht, ernennt ihn aber zum Offizier in seinem Regiment und zwingt ihn, dass Schloss sofort zu verlassen. 2. Akt Zimmer der Gräfin Die Gräfin beklagt die Untreue ihres Mannes. Susanna erzählt ihr, dass der Graf sie verführen will. Zusammen mit Figaro beschließen sie, dem Grafen eine Lehre zu erteilen und ihm gleichzeitig die Zustimmung zu Figaros Hochzeit mit Susanna zu entlocken. Um den Grafen eifersüchtig zu machen, wird ihm die Nachricht von einem Rendezvous der Gräfin zugespielt. Außerdem will man ihn glauben machen, Susanna wolle ihn erhören und im Garten treffen. Dort solle ihn dann aber Cherubino als Susanna verkleidet erwarten und die Gräfin beide überraschen. Als Susanna und die Gräfin den Pagen verkleiden, hören sie den Grafen kommen, und Cherubino muss sich im Kabinett verstecken. Der misstrauisch gewordene Graf will das Kabinett betreten, da er den vermeintlichen Liebhaber der Gräfin darin vermutet. Während der Graf Werkzeuge zum Aufbrechen der Tür holt, springt Cherubino aus dem Fenster in den Garten, und Susanna nimmt seinen Platz ein. Zur allgemeinen Verwirrung tritt sie dem Grafen aus dem Kabinett entgegen, er muss sich bei der Gräfin entschuldigen. Figaro kommt hinzu und wird zunächst damit überrascht, dass der Graf weiß, wer ihm das Kärtchen, das ihn irreführen sollte, geschickt hat. Dann platzt auch noch der Gärtner herein und beschwert sich, dass ein Mann aus dem Kabinett der Gräfin in seine Beete gesprungen sei, wobei einige Blumentöpfe zerstört wurden. Um die Situation zu retten, nimmt Figaro die Schuld auf sich und behauptet, selbst aus dem Fenster gesprungen zu sein. Auch die Tatsache, dass das Offiziers- Patent Cherubinos gefunden wurde, kann er erklären: Das Siegel fehlte noch. Der Graf ist verwirrt, da kommen Marcellina, Basilio und Bartolo hinzu und verlangen die Einlösung eines Ehevertrages. 3. Akt Zimmer des Grafen Susanna verabredet mit dem Grafen ein Stelldichein. Bei der Gerichtsverhandlung unterstützt Bartolo Marcellinas Anliegen, denn diese besteht auf der Einlösung eines Heiratsversprechens, das Figaro ihr leichtsinnigerweise einmal gegeben hatte. Es wird dann gültig, wenn er das von ihr geliehene Geld nicht zurückzahlen kann. Es stellt sich allerdings heraus, dass Marcellina und Bartolo die Eltern Figaros sind. Die Gräfin diktiert Susanna einen Brief, in dem sie ihn den Ort des Stelldicheins beschreibt. Die Gräfin will dann als Susanna verkleidet erscheinen. Beide finden gerade noch Zeit, den Brief mit einer Nadel zu versiegeln, als eine Schar von Frauen, unter ihnen Cherubino, der Gräfin Blumen bringt. Vor den Augen der Grafen enttarnt der Gärtner Cherubino. Der wütende Graf ist angesichts der entdeckten Verwandtschaftsverhältnisse entwaffnet; er und die Gräfin vollziehen die Hochzeitszeremonie. Während Susanna von ihm den Brautschleier empfängt, übergibt sie dem Grafen heimlich ihren Brief. Der Graf, über das Rendezvous hoch erfreut, verspricht allen ein großes Fest für den Abend. 4. Akt Im Park Den Anweisungen im Brief folgend, hat der Graf Barbarina mit der Nadel geschickt, die sie aber verloren hat. Figaro erfährt deren Bedeutung von Barbarina und glaubt an die Untreue von Susanna. Die Gräfin erscheint in Susannas Kleid; Cherubino versucht, die vermeintliche Susanna zu küssen, wird aber zurückgehalten durch die Intervention des Grafen, der mit der Hand nach Cherubino zielt, aber irgendwie den immer präsenten Figaro trifft. Der Graf verfolgt die vermeintliche Susanna, die ihm geschickt aus dem Weg geht, als die richtige Susanna in den Kleidern der Gräfin auftritt. Figaro berichtet ihr von des Grafen Absichten - und erkennt seine Braut. Die beiden schließen Frieden, und er spielt weiterhin seine Rolle. Als der Graf erscheint, erklärt er der vermeintlichen Gräfin seine Liebe und sinkt vor ihr auf die Knie. Der Graf ruft nach Waffen und seinen Leuten. Lichter werden angezündet und ein allgemeines Wiedererkennen löst die Verwirrung des Grafen ab, der keine Entschuldigung mehr vorbringen kann. Seitenanfang Lorenzo Da Ponte Der Librettist Kurzbiografie Lorenzo da Ponte (*10. März 1749 in Ceneda, Venetien; †17. August 1838 New York) Er hieß ursprünglich Emmanuele (oder Emanuele) Conegliano, war jüdischen Glaubens und nahm seinen neuen Namen an, als sein Vater und die Familie 1763 zum Katholizismus übertraten. Der Name stammt vom damaligen Bischof von Venedig, von dem er adoptiert wurde. (Konvertierte Juden ließen sich im 18. Jahrhundert in Italien oft von katholischen Geistlichen adoptieren, um in der Gesellschaft aufsteigen zu können.) Da Ponte war von 1771 bis 1773 am Priesterseminar von Portogruaro als Lehrer für Rhetorik tätig und erhielt 1773 die Priesterweihe. Im Herbst 1773 ging er nach Venedig und wurde 1774 Lehrer für klassische Literatur im nahe gelegenen Treviso. Er musste Venedig am 17. Dezember 1779 verlassen, da er von der Inquisition wegen Ehebruchs und Konkubinats mit einer verheirateten Frau für 15 Jahre aus dem venezianischen Gebiet verbannt wurde. Von 1781 bis 1791 arbeitete er als Textdichter für das italienische Theater in Wien. Er legte etwa 40 Libretti für eine ganze Reihe von Komponisten vor, darunter Antonio Salieri und Joseph Weigl, und wurde berühmt für seine Texte für Mozarts Opern Le nozze di Figaro (1786, Figaros Hochzeit), Don Giovanni (1787) und Così fan tutte (1790). 1791 verlor da Ponte seine Stelle am Theater und ging nach London, wo er Italienisch unterrichtete und Libretti für eine italienische Operntruppe schrieb. Ab der Zeit war eine Frau an seiner Seite, die 20 Jahre jüngere Nancy Grahl. 1793 wurde da Ponte Impressario am Kings Theatre. Von 1794 bis 1804 sind 28 Premieren mit seinen Texten verzeichnet. Ab 1800 gab es Scherereien mit Gläubigern, Da Ponte sich für Wechsel eines Parlamentariers verbürgt hatte und diese geplatzt waren. Deshalb schickte er seine Familie 1804 nach Amerika, folgte ihr ein Jahr später und ließ sich in New York nieder. Er versuchte sich in verschiedenen Geschäftszweigen, u.a. auch als Tabak und Branntweinhändler in Pennsylvania, später gab er als Privatlehrer Unterricht in Italienisch. 1825 wurde er zum Professor für italienische Literatur am Columbia College in New York ernannt. Ab 1830 setzte sich da Ponte verstärkt dafür ein, der Oper in Amerika zum Durchbruch zu verhelfen. Er konnte Sponsoren für den Bau eines Opernhauses in New York gewinnen. Finanziell rechnete diese sich jedoch nicht, überdies brannte sie 1836 ab. Da Ponte wurde auf einem Friedhof in New York begraben, der heute nicht mehr existiert. Wo seine Grabsstätte liegt, ist nicht bekannt. Lorenzo da Ponte - Genie und Abenteurer Lange war eine objektive Sicht seines Werkes verstellt durch das exzentrische Lebensbild dieses Mannes, das das bürgerliche Taktempfinden seines Zeitalters so maßlos irritiert hatte. Da Ponte gehört zu jenem im 18. jahrhundert nicht seltenen Typ des Abenteurer-Genies – denken wir an seinen Freund Casanova, an Cagliostro, Boswell u.a. -, die bürgerliche Tabus demonstrativ zu verletzen schienen. Gerade den Partner Mozarts machte jene dubiose Grauzone des privaten Lebenswandels verdächtig, die sich für den Spießer so ungut mit dem himmlischen Leuchten von Mozarts Musik vertrug. Da Ponte hatte Mut. Er improvisierte sein Schicksal. Ein Dutzend Mal stand er nach Katastrophen wieder auf und begann neu und voll Optimismus. Er verschwendete heute und hungerte morgen, er borgte und gab selbst, er intrigierte auch, gewiss, aber meist defensiv und nicht einmal geschickt. Er war ein emanzipierter Kopf. Seine Bildung umfasste die antiken Sprachen samt Hebräisch, dazu als Fremdsprachen Spanisch, Französisch, Englisch, Deutsch. Er kannte seine Klassiker auswendig, seinen Tasso, Dante, Ariost. Er war gewinnend, schlagfertig, stets zum ganzen Einsatz bereit. Sein Leben liest sich in seinen „Erinnerungen“ wie ein von ihm selbst blendend erfundenes Opernlibretto. Er war Priester und lebte alles andere als priesterlich, denn er hatte – zu seinem Unglück – unendlich viel Glück bei Frauen. Frauen brachten ihn wiederholt um Geld und Stellung, aber seine Versicherung ist glaubhaft, dass er selbst, auch in größter Armut, nie vom Geld einer Frau gelebt hätte. Und er gab sich keine Mühe, seine Intimitäten mit Mädchen, Künstlerinnen und verheirateten Frauen zu kaschieren. Das empörte seine Umgebung am meisten. Seine Widersacher in Wien waren wenig besser: Salieri besaß (nach Meinung des Sängers Kelly) die „Weisheit der krummen Wege“; und Da Pontes Hauptrivale Casti hatte (nach Ansicht Casanovas) „keine Tugend, aber alle Laster“ – und diese offenbar ziemlich extensiv! Aber diese Sünder hatten im Gegensatz zu Da Ponte die Schlauheit, die Fassade des Ehrenmannes zu wahren. Harald Goetz Seitenanfang Wolfgang Amadeus Mozart Der Komponist Kurzbiografie Mozart war ein „Wunderkind“. Bereits mit drei Jahren fing er an, Klavier zu spielen, mit vier Geige, mit fünfeinhalb gab er sein erstes öffentliches Konzert. Sein Gehör war absolut. Schon als Vierjähriger konnte er hören, wenn eine Geige um einen Viertelton verstimmt war. Mit zwölf Jahren hatte Mozart drei Opern komponiert, sechs Sinfonien und Hunderte anderer Werke. Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren. Sein Vater erkannte früh das herausragende Talent seines Sohnes und dass sich damit Geld verdienen ließ. Von Mozarts sechstem Lebensjahr an war die Familie fast ständig auf Reisen. Der kleine Wolfgang spielte zusammen mit seiner fünf Jahre älteren Schwester Maria Anna - dem Nannerl - an fast allen europäischen Fürstenhöfen. Zu den Zuhörern gehörte 1765 auch der König von England. Johann Wolfgang von Goethe, nur wenige Jahre älter als Mozart, hörte den Siebenjährigen 1763 spielen und konnte sich im hohen Alter noch gut an den „kleinen Mann“ mit gepuderter Perücke und Degen erinnern. Zu Mozarts Repertoire gehörten kleine Kunststücke, die sich der Vater ausgedacht hatte, wie das Spiel mit verdeckten Tasten oder das Vom-Blatt-Spielen der Noten sämtlicher Musikstücke, die die Zuhörer mitbrachten. Die ständigen Reisen und häufigen Auftritte gingen nicht spurlos an Mozart vorüber. Er war kleiner als andere Kinder seines Alters und häufig krank, oft sogar lebensgefährlich. 1765 erkrankte er an Typhus, zwei Jahre später an Pocken. Mozarts heiteres Wesen trug viel zu seiner Popularität bei. Da die Familie jedoch ständig unterwegs war, hatte er kaum Gelegenheit, mit anderen Kindern zu spielen oder Freundschaften zu schließen. 1769 wurde er erzbischöflicher Hofkonzertmeister in Salzburg. Anschließend taten er und sein Vater die erste Reise nach Italien an. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wurde er in die Bologneser Accademia de Filarmonica aufgenommen. Papst Clemens XIV. verlieh ihm kurz darauf den Order „Ritter vom Goldenen Sporn“. Wolfgang und sein Vater setzten ihre Italienreise 1770 fort, diese führte sie nach Florenz, Rom, Neapel, Pompeji, Rimini und wieder nach Mailand zurück. Während dieser Zeit komponierte Mozart die Opera seria „Mitridate“, die eine Länge von sechs Stunden hatte. Anfang 1771 wurde Mozart zum Ehrenkapellmeister der Accademia filarmonica di Verona ernannt. Nach kurzem Aufenthalt in vielen kleineren Städten fuhren er und sein Vater nach Salzburg zurück, wo er an geistlichen Werken und Sinfonien arbeitete. Am August traten sie ihre zweite Italienreise an, wo Mozart die gespielte theatralische Serenade „Ascanio in Alba“ schrieb, die zur Hochzeit von Erzherzog Ferdinand uraufgeführt wurde. Später reisten sie wieder nach Salzburg zurück. 1772 wurde er von Graf Colloredo angestellt und arbeitete auf dessen Wunsch an der Oper „Il sogno di Scipione“. Daraufhin wurde Mozart zum Konzertmeister der Hofkapelle ernannt. Er begann die Arbeit an der Opera seria „Lucio Silla“. Trotz vieler Aufgaben fühlte er sich in Salzburg nicht wohl und begab sich mit seinem Vater auf die dritte Italienreise. In Mailand wurde er mit seiner Oper fertig, wo sie dann auch uraufgeführt wurde. 1773 kehrte Mozart für vier Jahre nach Salzburg zurück, bevor er im August 1777 zu einer weiteren Konzertreise aufbrach, diesmal nur in Begleitung seiner Mutter. Auf dieser Reise lernte er auch die 17jährige Aloysia Weber kennen, die eine verheißungsvolle Zukunft als Opernsängerin vor sich hatte. Mozart verliebte sich in sie. Da die Familie in Vater Leopolds Augen nicht wohlhabend genug war, untersagte er seinem Sohn die Heirat. Mozart reiste weiter nach Paris. Doch der Neuigkeitswert, den er als Wunderkind gehabt hatte, war verflogen. Die Pariser Öffentlichkeit interessierte sich mehr für die Fehde zwischen den Komponisten Puccini und Christoph Willibald Gluck. Als Mozarts Mutter 1778 starb, kehrte der nunmehr 22jährige nach Salzburg zurück und nahm eine Stelle als Hoforganist des Fürsterzbischofs von Salzburg an. Mozart blieb nicht lange in seiner Heimatstadt. Schon bald wurden ihm die Einschränkungen, die ihm sein Arbeitgeber auferlegte, zuviel. Mozart kündigte seinen Dienst und wurde vom erbosten Oberkämmerer des Fürsterzbischofs buchstäblich mit einem Fußtritt hinausbefördert. Mozart zog nach Wien und wohnte bei Aloysia Webers Mutter. Da Aloysia inzwischen geheiratet hatte, übertrug er seine Liebe auf ihre Schwester Constanze. Die beiden heirateten 1782, obwohl Vater Leopold nach wie vor gegen eine solche Verbindung war. Für die damalige Zeit verdiente Mozart viel Geld. Er erhielt Honorare für Kompositionen, Vorstellungen und Unterricht. Allein seine drei wohlhabendsten Schüler zahlten ihm etwa 700 Gulden im Jahr, was heute etwa 15000 Euro entsprechen würde. Aber weder Mozart noch seine Frau konnten mit Geld umgehen. Sie hatten deshalb ständig Schulden und lebten am Rande des Ruins. Mozarts Rastlosigkeit war ein weiteres Problem. Nie blieb er lange an einem Ort, ständig brauchte er Abwechslung. In einem einzigen Jahr zog er neunmal um. Dringend benötigte er eine Anstellung bei Hofe, die ihm ein regelmäßiges Einkommen verschafft hätte. Diese Gelegenheit bot sich 1787. Kaiser Joseph II. war ein großer Bewunderer seiner Musik. Bei Hofe bevorzugte man jedoch den italienischen Komponisten Antonio Salieri. Mozart war bitter enttäuscht, als der Kaiser Salieri die Stelle des Hofkapellmeisters zuwies, er selbst sich jedoch mit der des „Kammermusicus“ begnügen und Unterhaltungsmusik schreiben musste. Mozart gab auch diese Stelle wieder auf und versuchte, sich ohne feste Anstellung durchzuschlagen. Die letzten Jahre seines Lebens waren gekennzeichnet von Armut und hohen Schulden. Dennoch schrieb er in dieser Zeit einige seiner schönsten Werke, darunter „Don Giovanni“ und „Die Zauberflöte“. Ende November 1791 erkrankte Mozart schwer. Wenige Tage vor seinem Tod boten ihm ungarische Adlige eine jährliche Ehrengabe von 1000 Gulden, holländische Musikfreunde einige Tage später sogar noch mehr. Dieses Geld hätte seine finanziellen Probleme gelöst, doch es kam zu spät. Mozart starb am 5. Dezember 1791. Seitenanfang Zur Entstehung von „Le nozze di Figaro“ Der Stoff war in aller Munde: Der politische Hintergrund von Beaumarchais „La folle journée, ou Le mariage de Figaro“ hatte bei der Uraufführung 1784 in Paris für Wirbel gesorgt. Mozart lernte das Stück vermutlich 1785 durch die geplante Wiener Aufführung kennen, die jedoch durch das Aufführungsverbot Kaisers Joseph II. nicht zustande kam. Mozart hatte sich allerdings schon entschieden: Ohne einen Auftrag für eine neue Oper zu haben, machte er sich gemeinsam mit Lorenzo da Ponte an die Arbeit. Da Ponte hielt sich dabei sehr eng an die literarische Vorlage. Indem er jedoch die vordergründig politischen Züge eliminierte, konzentrierte er das Schauspiel nicht nur auf seine komödienhafte Essenz, sondern schuf auch die Grundlage für die Freigabe des Stückes durch den Kaiser. In seinen Memoiren berichtet der Dichter mit der ihm eigenen Eitelkeit, welch diplomatisches Geschick er bei Kaiser Joseph aufwenden musste, um das Aufführungsverbot aufzuheben. Als Selbstzensur der Autoren kann man diese Kürzungen dennoch nicht beschreiben, denn sie entstanden vornehmlich aus der Notwendigkeit, ein Schauspiel in eine Oper zu übertragen. Herausgekommen ist eine musikalische Komödie, die sich nicht als Zeitstück geriert, sondern deren nach wie vor immanente Gesellschaftskritik auf viele hierarchische Strukturen anzuwenden ist. Für eine komische Oper wies „Die Hochzeit des Figaro“ ein für ihre Zeit großes Personal auf. Kaum eine Opernhandlung war dermaßen komplex angelegt und wies so viele ineinander verwobene Handlungsstränge auf. Das Wiener Publikum der Uraufführung 1786 goutierte dies. „Figaro“ lief mit wachsenden Erfolg, wurde dann aber von Salieris „Una cosa rara“ aus dem Spielplan gedrängt. Die Prager Erstaufführung wenig später brachte den Kompositionsauftrag für „Don Giovanni“ ein; der Wiederaufnahme von „Figaro“ in Wien folgte der Auftrag für „Così fan tutte“. Die drei in wenigen Jahren entstandenen Mozart-da Ponte-Opern gehören bis heute zu den unangefochtenen Meisterwerken des Musiktheaters. Seitenanfang Die phrasenlose Darstellung der Gesellschaft Mozarts dramatischer Realismus in „Le nozze di Figaro“ Darüber sind sich die Historiker und Ästhetiker klar, dass „Figaros Hochzeit“ keine opera buffa ist. Aber sie wird seit eh und je als solche dargestellt. Unsere süßliche Auffassung des 18. Jahrhunderts als Rokoko (und was sich der Maschinenbürger des 20. Jahrhunderts Idyllisches, Tänzerisches unter Rokoko vorstellt) versentimentalte auch Mozart. Man findet „Figaros Hochzeit“ reizend, neckisch und liebenswürdig und kokettiert mit schelmischen Diminutiven. So tänzelt auch „Figaros Hochzeit“ zwischen Kotzebuescher und Lortzingscher Darstellungsmanier über die Bühne. Mozarts menschlichstes Werk Mozart aber schrieb seinen „Figaro“ in einem einzigen lodernden Sturm-und-Drangzuge nieder. Im Jahre nach Schillers geistesverwandter „Kabale und Liebe“, vier Jahre vor der großen Revolution, deren Bote Beaumarchais' bitter lachendes Lebensbild ja war. Die Monographen stehen kopfschüttelnd vor dem Phänomen, dass Mozart sich von einem so unmusikalischen, ja amusischen Stoff, von einer politischen Intrigenkomödie fesseln lassen konnte und sogar aus ihm sein menschlichstes Werk schuf. Sie fanden die erlösende Formel: indem er Figuren zu Menschen machte. Mit Verlaub! Menschen gab auch schon Beaumarchais, das wollen wir ihm nur gerne zugestehen. Mozart gab nur noch sich selbst in diesen Menschen. Nicht die komische Intrige, nicht die Frivolität des Stoffes reizte ihn, sondern die runde, nackte, phrasenlose Darstellung der Gesellschaft. Nicht nur der Gesellschaft des französischen Rokoko, sondern der aller Welt, solange es Welt und Gesellschaft gibt. Ohne sentimentalische Beschönigung, aber auch ohne Hass. „Figaros Hochzeit“ ist darin ein goethehaftes Gegenstück zu dem von heiligem Zorn diktierten Revolutionsdrama Schillers, zu „Kabale und Liebe“. Ironie statt Parodie Die Musik ist wahr, unparodistisch, darum sind uns auch alle „Figaro“-Menschen volle Menschen, welche an sich glauben. Ihre Leidenschaften sind echt, ihre Selbstsucht und ihre Ränke sind lebendigstes Bedürfnis ihrer menschlichen und gesellschaftlichen Natur. Sie nehmen sich selbst auch in den lächerlichen Situationen ernst, und nur durch diese Situationen selbst wirken sie komisch. Sie glauben ferner, einander zu durchschauen und tun nur so, als täten sie es nicht, und daraus wächst ihre Ironie, der „Ernst des Scheines“, wie Jean Paul definiert. Aus der Ironie heraus, welche ja immer eine aggressive Leidenschaft in höflichen Ausdruck umdeutet, steigert sich der Sarkasmus der Kavatine und Arie Figaros, aus ihr bricht der tobende Zorn der Bartolo- und GrafenArie los. In den Ensembles wechselt Ironie, Sarkasmus und nackte Leidenschaft mit stilleren, reineren Gefühlen, welche auch die Arien der Gräfin, Susannas und Cherubins als Licht- und Ruhepunkte aus den allzumenschlichen Treibereien des tollen Tages hervorleuchten lassen. Ironie, Sarkasmus und Leidenschaft aber können sich mit den Operettenspäßen der landläufigen parodistischen Darstellungsmanier, welche komische Effekte als Wirkungen ohne Ursachen zwischen die ernsthaft gesungenen Nummern einstreut, nicht vertragen. Denn nichts muss psychologisch fester motiviert sein als die Ironie. Ernst Lert, 1918 Seitenanfang Apropos Ius primae noctis Mit Ius primae noctis (lat.) wird das Recht der ersten Nacht eines Gutsherren, bei der Heirat von Hörigen auf die erste Nacht mit der Braut bezeichnet. Dieses Recht war Ausdruck der völligen persönlichen Abhängigkeit der Bauern von ihrem Gutsherren. Der Leibeigene, der als Zubehör zum Boden galt, bedurfte zur Verheiratung der Erlaubnis seines Herrn und musste ihm dafür Geschenke machen. Als höchster Ausdruck seiner Abhängigkeit galt seine Verpflichtung, nach der Hochzeit dem Grundherrn seine Frau für die erste Nacht zu überlassen. Der Grundherr darf diese also entjungfern bzw. im Regelfall vergewaltigen. Wie weit das ius primae noctis verbreitet war und in welchem Ausmaß die Grundherren von ihm Gebrauch machten, ist umstritten. Gelegentlich wird es in mittelalterlichen Urkunden bezeugt. Dieses Recht wurde später allgemein in Form des Jungfernzinses ersetzt. Von einer allgemein üblichen Erscheinungsform mittelalterlichen Rechtlebens kann aber wohl nicht gesprochen werden. Das ius primae noctis scheint als Bestandteil des europäischen Feudalismus seit dem 13. Jahrhundert belegt zu sein; die Historiker sind sich jedoch einig, dass es sich dabei häufig auch um eine juristisch-literarische Fiktion handelt, also um einen Mythos, der mehr über das Bild der Neuzeit vom Mittelalter verrät als über das Mittelalter selbst. Dies wurde offenbar besonders von den französischen Aufklärern zum Argument gegen den Adel instrumentalisiert. Von manchen Anthropologen wird das ius primae noctis als Pervertierung eines vorchristlichen Rituals gesehen. Jungfräulichkeit war mit einem starken Tabu (Zauber) belegt, welcher nur von einem König/Zauberer/mächtigen Mann aufgehoben werden konnte. Jeder andere Mann würde Schaden erleiden. Auf ähnlicher Basis („Jungferngift“) sind auch die Seefahrergeschichten zu sehen, die von Horden williger Insulanerinnen berichten. Die „erste Nacht“ wurde in diesem Kulturkreis als „für den Mann gefährlich“ verstanden. Dieser Gefahr konnte man nur entbehrliche Fremde aussetzen. Seitenanfang Besetzung: Musikalische Leitung Inszenierung Bühne Kostüme Chor Dramaturgie Susanna Contessa Barbarina Marcellina Cherubino Basilio Curzio Conte Figaro Bartolo Antonio Cosima Sophia Osthoff Immo Karaman Kaspar Zwimpfer Marie-Luise Walek Nandor Ronay Wiebke Hetmanek Claudia Braun / Selma Harkink Noriko Ogawa-Yatake / Regine Hermann Leah Gordon / Elise Kaufman Richetta Manager / Gudrun Pelker Anna Agathonos / Anke Sieloff Sergio Blazquez / N. N. Sergio Blazquez / N. N. Günter Papendell Nicolai Karnolsky / Joachim Gabriel Maaß Nicolai Karnolsky / Joachim Gabriel Maaß Charles Moulton