seitenbühne Nr. 6 - Staatstheater Hannover

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November/Dezember 2007
kostenlos
seitenbühne
Das Journal der staatsoperXhannover
L’italiana in Algeri – Karen Frankenstein
Titel: Peter Grimes – Chor, Young-Myoung Kwon, Robert Künzli, Hinako Yoshikawa, Stefan Zenkl, Karen Frankenstein
Telefonischer Kartenverkauf
Telefon 0511/9999-1111
Montag bis Freitag 10 – 17.30 Uhr
Samstag 10 – 14 Uhr
Fax 0511/9999-1999
Kasse im Opernhaus
Mo bis Fr: 10 – 19.30 Uhr, Sa: 10 – 18 Uhr. Wir akzeptieren EC-Karte, VISA, American
Express, MasterCard. Im Kartenpreis sind die Garderobengebühr und die GVH-Fahrkarte
für die Fahrt zur Vorstellung und wieder nach Hause enthalten.
Proszenium
seitenbühne | Seite 3
audiamus!
Samstag, 6. Oktober 2007: Im Laves-Foyer treffen sich frühmorgens, mit
großen Partituren bewaffnet, knapp 20 junge Menschen, um sich den ganzen
Tag über einem einzigen Tun zu widmen: dem Hören von Musik. Dem gemeinsamen Hören, Analysieren und Diskutieren von Tönen, Melodien,
Rhythmen, Harmonien, Klangfarben und Interpretationen. Unter dem Motto
audiamus werden diese musikbegeisterten Jugendlichen, die von der Staatsoper
in das gleichnamige Stipendiatenprogramm aufgenommen wurden, in den
nächsten Monaten immer wieder zusammenkommen und die Arbeit und
zahlreiche Konzerte des Niedersächsischen Staatsorchesters begleiten.
Sicher erinnern sich einige von Ihnen, verehrtes Publikum, bei audiamus an
auswendig zu lernende lateinische Flexionstabellen und vielleicht auch an die
besondere Form des Conjunctivus adhortativus: eine Aufforderung, die sich an
mehrere Personen richtet, zu denen sich der Sprecher selbst auch rechnet.
Audiamus von audire (hören) ist ein solcher Adhortativ, für den das Deutsche
jedoch keine direkte Übersetzung kennt. Wir können diese Form nur umschreiben mit einem „Lasst uns hören!“ oder „Wir wollen hören!“ Eine Aufforderung
also an ein gemeinsames Tun und kein einseitig imperativisches audi (höre!)
oder audite (hört!).
Audiamus – unter diesem Motto des gemeinsamen Hörens versammeln sich
nicht nur die Stipendiaten in ihren Workshops, sondern auch Sie sich als unser
Opern- oder Ballettpublikum und natürlich als unser lauschendes Auditorium in
den Konzerten des Staatsorchesters. Hier, im Konzertsaal, steht das Hören ganz
im Vordergrund, werden die Ohren zum alleinigen Aufnahmeort für die Kunst.
Hier wird ein Sinn gefordert, der in unserer immer stärker visuell geprägten
Gesellschaft über die Jahrhunderte an Bedeutung verloren hat. So nahm das Ohr
noch einen besonderen Stellenwert in den mündlichen Kulturen der Antike ein,
in denen die Schriftlichkeit erst in den Kinderschuhen steckte. Riesengroß sind
etwa die Ohren der im mexikanischen Chichen-Itzá entdeckten Kriegerfiguren
aus dem 8. Jahrhundert. Und in medizinischen Texten aus dem alten Ägypten
wird überliefert, dass die Ohren als Eintrittsstelle für den Lebens- bzw. Todeshauch gegolten haben.
Eine Eintrittstelle in eine fremde Welt zu sein, „dem Menschen ein unbekanntes
Reich aufzuschließen“ (E.T.A. Hoffmann) – das wurde auch immer wieder dem
Hören von Musik zugesprochen, denn im Konzertsaal entstehen Bilder und
Ideen, die wir weder rational begreifen noch in Worte fassen können. Lassen
wir uns so gemeinsam mit den Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters
immer wieder von der Musik entführen in fremde Welten und unbekannte Reiche!
Lassen wir uns mit riesengroßen Ohren immer wieder verführen zu einem anstrengenden und intensiven, neugierigen und wachen, entspannten und genussvollen Hören!
In diesem Sinne – ein herzliches audiamus!
Dorothea Hartmann
Konzertdramaturgin
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seitenbühne
Ballett
Beethoven kann man
Der kanadische Pianist Marc Pierre Toth,
Solist im neuen Ballettabend von Jörg Mannes
Ein Ereignis für Tanzfreunde und Konzertliebhaber: Der junge kanadische Pianist Marc Pierre Toth konzertiert als
Solist mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover im Rahmen des Ballettabends 4 Beethoven 4. Brigitte Knöß
traf ihn für die seitenbühne.
Nach einer Reihe von E-Mails, Telefonaten und SMS treffe ich Marc Pierre Toth an
einem überraschend schönen Herbstnachmittag zum ersten Mal persönlich. Er will
die Sonne ausnützen, und so findet unser
Gespräch auf der Terrasse der Hochschule
für Musik und Theater Hannover statt. Wir
tragen Stühle nach draußen, und während
ich das Aufnahmegerät einrichte, schlüpft er
aus Jacke und Schuhen, dehnt seinen Körper
und genießt die Wärme. Mit angezogenen
Beinen hockt er da, die Füße in geringelten
Zehensocken. Man könnte den fein gebauten, agilen Mann fast für einen Tänzer
halten, und es überrascht kaum, wenn er
erzählt, dass er extreme Sportarten liebt.
Jet-Skiing, Base Jumping und Parkour hat er
ausprobiert und findet es super, aber am
besten gefällt ihm das Fallschirmspringen –
das Fliegen ohne Flugzeug, wie er es selbst
nennt. Ja, es sei ein bisschen gefährlich, und
Ballett
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nie genug hören
man könne sein Leben schon verlieren bei
solchen Sachen, gibt er zu, die Faszination
aber bleibt.
Marc Pierre Toth redet angeregt und in
flüssigem Deutsch, seine Gedanken hüpfen.
Wen wundert es, dass ihm kürzlich jemand
vorgeschlagen hat, Fernsehkarriere mit
einer eigenen Show zu machen? Und er
findet das „schon ein bisschen lustig“. Wenn
er nicht spricht oder musiziert, schläft er
gerne, und er kocht. Das hat er jung gelernt.
Nach dem frühen Tod seiner Mutter war er
sich mit seinem Bruder einig, dies wäre allemal besser, als sich den Kochkünsten des
Vaters anzuvertrauen.
Seine Entscheidung für die Musikerlaufbahn fiel relativ spät. Marc Pierre Toth war
19 und stand in einer Ausbildung zum Chemie-Ingenieur, als er dachte, „ Jetzt oder nie.
Entweder ich werfe mich augenblicklich voll
und ganz auf das Klavierstudium oder ich
darf über diesen Wunsch nie mehr nachdenken.“ Die musikalische Ausbildung brachte
den Kanadier nach Hannover, wo er seit
neun Jahren lebt. Hier schloss er an der
Hochschule für Musik und Theater die
Soloklasse bei Einar Steen-Nokleberg und
bei Gerrit Zitterbart im Fach Hammerklavier und historische Aufführungspraxis mit
Diplom ab. Er konzertiert als Solist im Inund Ausland und erteilte Meisterkurse in
Kanada, Italien und im Mittleren Osten.
Seit Herbst 2007 ist er als Dozent an der
Hochschule für Musik und Theater in
Hannover tätig.
Marc Pierre Toth glaubt an die Zufälle im
Leben, und die scheinen oft genug günstig
für ihn zu sein. Auch sein Zusammentreffen
mit Jörg Mannes gehört dazu. „Ich musste
im Rahmen einer Veranstaltung ein ZweiMinuten-Solo zwischen zwei Reden spielen
und hatte dafür die Arie aus den GoldbergVariationen von Johann Sebastian Bach ausgewählt. Danach sprach mich ein Herr an
und fragte mich, ob ich auch das ganze Stück
spielen könne. Er war der Intendant des
Stadttheaters Bremerhaven und brachte
mich dann mit seinem Ballettchef Jörg
Mannes zusammen, der gerade einen Pianisten für die Neu-Produktion GoldbergVariationen suchte.“ Das war Ende 2001,
inzwischen haben beide eine gemeinsame
Aufführungsgeschichte und sind gut miteinander befreundet. Nach Goldberg-Variationen, Flüchtige Visionen mit Musik von
Sergej Prokofjew und Begegnungen –
Claudel Rodin Chopin mit Musik von
Frédéric Chopin und Maurice Ravel in
Bremerhaven und Präludien und Fugen mit
Musik von Johann Sebastian Bach in Linz
entsteht nun für Hannover 4 Beethoven 4.
Das wiederum ist kein Zufall.
Lange schon dachte Jörg Mannes daran,
das 4. Klavierkonzert G-Dur op. 58 von
Ludwig van Beethoven zu choreographieren, und für Marc Pierre Toth war es keine
Frage, dabei sein zu wollen. „Zu mir muss
man einfach nur Beethoven sagen, und ohne
zu denken stimme ich zu.“ In Spanien und
Italien hat er das Klavierkonzert bereits
aufgeführt. Zehn Vorstellungen sind in
Hannover für 4 Beethoven 4 in dieser Spiel-
4 Beethoven 4
Ballettabend von Jörg Mannes
Musik von Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58
Musikalische Leitung Lutz de Veer
Choreographie Jörg Mannes
Bühne Sansa Susanne Sommer
Kostüme Lenka Radecky
Dramaturgie Brigitte Knöß
Ballett der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Marc Pierre Toth, Klavier
Premiere am 10. November, 19.30 Uhr
Einführungsmatinee
Sonntag, 4. November, 11 Uhr,
Großer Ballettsaal
Die nächsten Vorstellungen in dieser Spielzeit
20. und 22. November,
5. und 16. Dezember 2007
10. Januar 2008
Tee bei Ludwig van
Zum 237. Geburtstag des Komponisten
spielen drei Pianisten nachmittags vor der
Ballettvorstellung die berühmtesten Klaviersonaten von Beethoven.
Mit Toshiaki Murakami, Marc Pierre Toth
und Max Vax.
Sonntag, 16. Dezember, 16 Uhr
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seitenbühne
zeit geplant, aber es herrschen besondere
Bedingungen, wie Marc Pierre Toth betont.
„Natürlich gibt es viel mehr Proben und
Aufführungen als in einem klassischen Konzert, da ist für uns Musiker schon ein besonders gutes Resultat möglich, aber der Fokus
liegt auf den Leuten, die tanzen. Das Orchester spielt aus dem Graben, und ich als Solist
stehe nicht im Mittelpunkt, auch wenn das
nichts daran ändert, wie und mit welchem
Anspruch wir spielen. Nur müssen wir ein
bisschen flexibel bleiben und die Bedürfnisse
der Tänzer berücksichtigen. Vielleicht brauchen sie etwas in einem bestimmten Tempo,
dann muss man eine Lösung finden, mit der
alle klar kommen. Obwohl ich sagen muss,
dass Jörg Mannes keiner der Choreographen ist, die diktieren, wie etwas zu sein hat.
Er ist immer daran interessiert, die richtige
Balance zwischen den Beteiligten zu finden.“
Nach Romeo und Julia in der vergangenen
Spielzeit, wo die Musik Sergej Prokofjews
immer mit dem Handlungsverlauf in Einklang gebracht werden muss, wo eine
Geschichte schlüssig erzählt werden soll,
geht es in 4 Beethoven 4 um reinen Tanz. Der
Choreograph kann sich ganz der Musik
überlassen und sie in Bewegung und Raum
sichtbar machen, ohne etwas Weiteres transportieren zu müssen. Er hat die Freiheit,
eine Dimension zur Musik hinzuzufügen
und so den Erlebnisraum des Publikums zu
erweitern.
Neben dem 4. Klavierkonzert bildet die
Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 den zweiten
Pfeiler der Aufführung. Beethoven steht –
wie auch im Titel 4 Beethoven 4 – unübersehbar im Mittelpunkt. Dieser Schnittpunkt
bekommt durch einen speziellen Programmteil Gewicht. Im Zentrum stehen
jeweils ein oder zwei Sätze einer Klaviersonate, getanzt von einem oder mehreren
Tänzern. Dieses Herzstück des Abends wird
sich in jeder Aufführung ändern.
Ballett
„Dieses Mittelstück freut mich wahnsinnig. Es ist zwar total viel Arbeit, aber es ist
die beste Arbeit, die es überhaupt gibt. Die
fünf oder sechs späten Klaviersonaten von
Beethoven gehören zum Besten, was je in
der Geschichte des Universums geschrieben
wurde, und die Idee ist nun, daraus einen
oder zwei Sätze pro Abend zu spielen. Dazu
gibt es kurze Choreographien – Solos,
Duos ... –, die damit unterschiedlich kombiniert werden können. Es wird also eine Vielzahl von Variationen geben, und jede Aufführung wird neu und anders sein. Die
Zuschauer müssten eigentlich jede Vorstellung besuchen, um alles zu erleben – und
Beethoven kann man ohnehin nie genug
hören.“
Marc Pierre Toth bekennt, dass ihm dieser Komponist alles bedeutet. Ludwig van
Beethoven sei der Grund, warum er zur
Musik gekommen sei, warum er Klavier
spiele, und warum er noch nicht aufgegeben
habe. „Es ist einfach wegen Beethoven, und
er ist gleichzeitig mein Fluch sowie meine
Zuflucht. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch
in den schlimmsten Zeiten gibt er dem
Leben etwas Wertvolles. Er ist immer da
und lässt mich in seine Richtung schauen.
Für mich war er kein Mensch, sondern ein
Botschafter des Himmels – vor allem in den
späten Sonaten. Dort hat er sich zu dem
Punkt entwickelt, wo er diese Erde, auf der
wir leben, transzendiert. Deshalb werden
wir in der Premiere von 4 Beethoven 4 den
letzten Satz seiner letzten Sonate aufführen.
Das ist unglaublich herrlich. ... Der gute
Onkel Ludwig.“
Brigitte Knöß
Der Pianist Marc Pierre Toth absolvierte
seine künstlerische Ausbildung in der
Solistenklasse bei Einar Steen-Nokleberg
an der Hochschule für Musik und Theater
Hannover und legte ebenfalls in Hannover
das Konzertexamen bei Gerritt Zitterbart ab.
Er nahm erfolgreich an zahlreichen internationalen Wettbewerben teil, u.a. am
renommierten Wettbewerb Ferruccio Busoni
2000 in Bozen (3. Preis), am ProkofjewWettbewerb 2003 (2. Preis), am ChopinWettbewerb in Rom 2003 (2. Preis) sowie
an den Wettbewerben Compositores de
España 2003 (4. Preis), Antonio Napolitano
2002 (2. Preis und Bach-Sonderpreis) und
Vincenzo Bellini 2002 (3. Preis). Außerdem
erhielt er den Liszt-Preis Valsesia Musica
2001 und den Grand
Prix bei der Future Virtuosos Competition
in Japan.
In der Folge wurde er zu zahlreichen
Konzerten eingeladen, u.a. in die Lisinski
Hall in Zagreb, zu den Amici della Musica
di Verona, den Amici della Musica di
Vicenza, in die Accademia Musicale di
Pescara, zum Festival di Maria Callas in
Sirmione sul Garda, zu den brasilianischen
Virtuoses de Musica und zur Fundación
Santillana in Bogotá. Als Solist ist er mit
diversen Orchestern aus aller Welt aufgetreten, u.a. mit dem Orchester des Stadttheaters Bremerhaven, dem University
of Toronto Symphony Orchestra, dem
Haydn Orchester Bozen, dem Orchestra
di Roma e Lazio und dem kroatischen
Rundfunksinfonieorchester.
Mit großem Erfolg gab Toth Meisterkurse
an Universitäten in Toronto und London
und wurde hierfür auch nach Italien und in
den Mittleren Osten eingeladen. Außerdem
ist Marc Pierre Toth als Klavierpädagoge,
Künstlerischer Leiter und Yogalehrer tätig.
Oper
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„Durch und durch überwältigend“
Pressestimmen zu Peter Grimes
Diese Einigkeit ist selten: Sowohl in der
hannoverschen Presse als auch in den
überregionalen Zeitungen wurde die
Eröffnungspremiere der Staatsoper einhellig bejubelt. Ebenso vom Publikum.
Auszüge aus den Pressestimmen zu
Benjamin Brittens Peter Grimes in der
Inszenierung des australischen Regisseurs Barrie Kosky.
„So startet eine Oper gern in die Saison.
Uneingeschränkten Jubel gabs für die
Premiere Peter Grimes, Benjamin Brittens
erster großer Oper. Gutes Theater kommt
eben doch an in Hannover.“
„Robert Künzli singt und spielt diesen Peter
Grimes mit brütender Intensität, mit helden(tenor)hafter Verzweiflung. Er weckt
Empathie für einen Menschen, der selbst
kaum Einfühlungsvermögen kennt. Barrie
Kosky führt den glänzend vorbereiteten
Chor (Leitung: Dan Ratiu) mit großer Präzision, treibt ihn in eine Choreographie der
Bedrohung und der Menschenjagd. Und
Generalmusikdirektor Wolfgang Bozic liefert mit dem klangvoll aufspielenden Staatsorchester aus dem Orchestergraben all die
Naturgewalten, die diese Inszenierung verweigert.“
Hannoversche Allgemeine Zeitung, Rainer Wagner
Neue Presse, Günter Heiß
„Künzli ist durch und durch ein überwältigender Peter Grimes, jener im Selbstmord
scheiternde Fischer, der 1945 den Weltruhm
seines Komponisten Benjamin Britten
begründete.
Hannovers Musikchef Wolfgang Bozic und
seine Niedersachsen ... spinnen einen zauberhaften, nie nachlassenden Spannungsfaden, sie haben Lust an den vielen solistischen Passagen, sie verdampfen kein Detail
in konturlosem Mischklang, bei dem niemand ehrgeizig etwas beweisen will. Fast
schon altmodisch wird hier die Partitur in
den Mittelpunkt gestellt. Die Wirkung ist
umso größer, als auch der wunderbare Chor,
die vielen grandiosen Solisten und das Bühnenteam um Regisseur Barrie Kosky den
gleichen respektvollen Ansatz verfolgen.
Der Britten-Abend in Hannovers Opernhaus ist ... ein grandioser Erfolg, da er mühelos, beglückend Szene, Sänger und Musik
zusammenbindet. Eine solche Stimmigkeit
ist äußerst selten auf Opernbühnen. Und das
Publikum jubelt, tobt, ruft laut ‚bravo‘ – vor
allem für Robert Künzli in der Rolle des
Peter Grimes.“
Süddeutsche Zeitung, Reinhard J. Brembeck
„... und dieses Arabeskenmotiv wird in einer
Deutlichkeit und Schärfe formuliert von den
fabelhaft disponierten Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters, dass einen
schon früh schaudert.
Es ist eine Hexenjagd, die nur der sich nicht
vorstellen mag, der die Gräueltaten der
Menschheit aus dem Sinn verloren hat;
nachgerade körperlich spürbar auf die
Bühne gebracht vom Chor und Extrachor
der Staatsoper.
Da finden Bozic und sein Orchester zu einer
kammermusikalischen Klangsprache, die
nicht anders als luzide zu nennen ist. Fast
möchte man glauben, diese Musik erzählt in
diesen Momenten ein Stück von jener Hoffnung, die man nie aufgeben mag.“
Frankfurter Rundschau, Jürgen Otten
„Wenn Kosky Oper macht, dann findet ein
Theater statt, das Staunen macht, das
ergreift und an die Wirksamkeit seiner
Mittel wie an die Wahrhaftigkeit seiner
Geschichten glaubt, ohne sich konzeptlastig
fortwährend selbst infrage zu stellen.“
Tagesspiegel, Jörg Königsdorf
„Schaut man unaufgeregt und genauer hin,
dann hat man es mit einem zwar eigenwilligen, aber durchdacht vorgehenden Szeniker
zu tun, der einen Gutteil seiner Wirkung
nicht aus dem provozierenden Aufmotzen,
sondern aus der klugen Reduktion bezieht.
Wie jetzt, bei seiner Peter Grimes-Inszenierung, mit der sich die Oper Hannover einen
fulminanten Spielzeit-Auftakt verschafft hat.“
Neues Deutschland, Roberto Becker
„Einfach umwerfend.“
Pyrmonter Nachrichten, Richard Peter
„Unbedingt ansehen!“
Braunschweiger Zeitung, Andreas Berger
Peter Grimes
Oper von Benjamin Britten
Musikalische Leitung Wolfgang Bozic
Inszenierung Barrie Kosky
Bühne Florian Parbs
Kostüme Alfred Mayerhofer
Chor Dan Ratiu
Nur noch 4 Vorstellungen!
17. und 25. November,
7. und 18. Dezember 2007
Le peu
Deutschland-Ausgabe Nr. 1 / Hannover
Pateiisch-abhängige
INNENPOLITIK
Ché-i-nor
vor dem Umsturz
Bedrohliche innenpolitische
Entwicklungen auf der Insel
Ché-i-nor (sy). Die kleine Insel im chinesischen Meer scheint derzeit von einem
innenpolitischen Erdbeben größeren Ausmaßes bedroht zu sein. Staatschef Fé-nihan, dem seit seiner Machtübernahme die
Zügel des Landes immer mehr aus der Hand
zu gleiten drohen, hat mit seinen jüngsten
politischen Maßnahmen für Unverständnis
und Protest bei der Bevölkerung gesorgt. So
ließ er einige ehrwürdige Bürger, die eigentlich mit dem ché-i-norschen Verdienstkreuz
für besonderes Engagement ausgezeichnet
werden sollten, aus unerklärlichen Gründen
standrechtlich erschießen. Mutmaßungen
seitens seiner Kritiker, er verstehe schlicht
und ergreifend die Landessprache nicht,
wurden von Regierungssprecher Ké-ki-kako mit Nachdruck dementiert.
AUS ALLER WELT
Jubel für Sänger
der Pariser Oper
Gefeierte Soirée bei Pitzelberger
Paris (thor). Im Salon des neu nach Paris
gezogenen Monsieur Pitzelberger kam es
gestern zu einem Aufsehen erregenden und
enthusiastisch bejubelten Ereignis. Pitzelberger war es gelungen, die drei führenden
Stars der Pariser Oper, die Sopranistin
Medori, den Tenor Bettini und den Bassi-
Ein Bild aus besseren Tagen:
Die Führungsspitze auf Ché-i-nor
Der Führer der Oppositionspartei Ko-kori-ko sieht aufgrund der jüngsten Ereignisse
die Zeit gekommen, Fé-ni-hans Regierung
abzuschaffen. Mutmaßungen ausländischer
Journalisten zufolge sind von den 13 überlebenden Bürgern des Landes bereits 11 zu
Ko-ko-ri-kos Partei übergelaufen. Bei der
gestrigen Tagung des Parlaments haben sich
die Gräben – ganz entgegen der erhofften
Einigung – nur noch mehr vertieft. Nachdem die Sitzung vorzeitig und ergebnislos
sten Debassini für seine Einstands-Soirée zu
gewinnen. Mit einem italienischen Terzett à
la Bellini-Rossini gaben die drei Größen des
Belcanto ein beeindruckendes Beispiel ihrer
Sangeskunst und katapultierten Herrn Pitzelberger damit an die Spitze der französischen Haute volée. „Es war ein zauberhafter
Abend! Selten hat mich die Macht der Musik
so ergriffen wie heute“, bekannte Madame
Balandard, die unter den Gästen war, und
ihr Ehegatte fügte hinzu: „Nicht nur das
Timbre dieser fantastischen Stimmen war
beeindruckend, auch die perfekte Artikulation des Italienischen – und überhaupt die
faszinierenden Inhalte des Gesangstextes.
Ein Satz wie ‚Non viene in kwestione‘ – das
abgebrochen worden war, soll es im Anschluss daran zu einer blutigen Aussprache
zwischen Fé-ni-han und Ko-ko-ri-ko gekommen sein. In Regierungskreisen munkelt man, dass mehrfach der Ausruf
„Morto!“ aus dem Regierungspalast gedrungen sei. Verschärft wurde der Streit der beiden erbitterten Gegner offensichtlich durch
die versuchte Flucht zweier Untertanen, die
in ihr mutmaßliches Heimatland Frankreich
zurückkehren wollten. Wir werden über
den weiteren Verlauf berichten.
ist Librettokunst von großer poetischer
Kraft.“ Unmittelbar im Anschluss an die
Soirée wurde die euphorische Stimmung
jedoch empfindlich getrübt: Der Journalist
Glucksmann von „Le Figaro“ unterstellte
Pitzelberger, dass es sich bei den drei Barden
um Doppelgänger gehandelt haben müsse,
da die Medori, der Bettini und der Debassini
zur Zeit der Soirée von Paparazzi im Lokal
„La Chanteuse indisposée“ im Montmartre
gesichtet worden waren. Die Agenturen der
drei Künstler sowie der Diener des Herrn
Pitzelberger, Alfons Petermann, verweigern
jegliche Aussage. Glucksmann droht, wegen
Betrugs vor Gericht zu ziehen.
uple
Revolutionszeitung
November / Dezember 2007 kostenlos
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GESUNDHEIT UND LEBEN
Ist Heimweh
eine Krankheit?
Kongress in Nancy bringt
neue Erkenntnisse
Neueste Erkenntnisse bezüglich des Phänomens Heimweh ergab ein Kongress führender Wissenschaftler, der vergangene Woche
in Nancy stattgefunden hat. Die Mediziner
einigten sich bei der Diagnose des nur
schwer greifbaren psychischen Zustands
darauf, von einem „posttraumatischen
Stress-Syndrom, das einem einschneiden-
den Ortswechsel folgen kann“, zu sprechen.
Am Beispiel der Französin Virginie Durant,
die mehrere Jahre von ihrem Heimatort
Paris entfernt war, untersuchten führende
Psychologen und Neurologen der Sorbonne
Symptome und Folgen des Heimwehs. Die
ehemalige Chansonsängerin, die es aus
unglücklichen Umständen auf die einsame
Insel Ché-i-nor verschlagen hatte, litt an
Ess-Störungen, Depressionen, Zwangsneurosen und kognitivem Versagen. Alle Symptome verschwanden umgehend, als es ihr
gelang, in ihr Heimatland zurückzukehren.
Die Tagungsberichte des Kongresses können ab morgen auch im Internet unter
www.heimweh.fr nachgelesen werden. (ro)
VERANSTALTUNGEN
Neue Oper von Kasimir Babylas. Am
Théâtre Lyrique Paris wird in den nächsten
Tagen das Erstlingswerk des jungen französischen Komponisten mit dem Titel „Mon
Amour Ernestine“ aufgeführt. Nach Aussagen des Schöpfers vereint das Werk auf
kompositorischer Ebene Bolero mit Spätromantik, Jazz mit großer Oper. Uraufführungstermin des vom Komponisten selbst
dirigierten Werks ist am 30. Oktober, in
der Titelpartie wird die noch unbekannte
junge Sängerin Ernestine Pitzelberger
zu erleben sein. Kartenreservierung unter
0511/9999-1111.
Die Kurt Schwitters Gesellschaft Hannover
veranstaltet am 7. November 2007 einen
Vortragsabend unter dem Titel „Maxala
chapalaxa rapataxa – Jacques Offenbach und
der Dadaismus“. Referent ist der Musiker,
Arrangeur und Offenbach-Experte Volkmar
Olbrich aus Düsseldorf. Nähere Informationen unter 0511/9999-1004.
Ballhof eins. An der Staatsoper Hannover
haben vergangene Woche die Proben für
den Theaterabend „Ba-ta-clan/Salon Pitzelberger“ mit Einaktern von Jacques Offenbach begonnen. Die Sopranistin Karen
Frankenstein, die Tenöre Pedro Velázquez
Díaz und Jörn Eichler sowie der Bassist
Shavleg Armasi werden in den vier Rollen zu
erleben sein. Chefdramaturg Ulrich Lenz
äußerte sich enthusiastisch: „Offenbachs
Musik ist von einer unüberbietbaren Energie. Ich bin sehr glücklich, dass wir unserem
Publikum nach der großen romantischen
Oper „Hoffmanns Erzählungen“ nun auch
zwei leichtere Stücke von Offenbach vorstellen können – wiederum mit brillanter
Sängerbesetzung.“
Die Inszenierung übernimmt der junge
Regisseur Christian Carsten, die Musikalische Leitung hat Toshiaki Murakami inne.
Premiere ist am 8. November 2007.
Kartenreservierung unter 0511/9999-1111.
Ba-ta-clan /
Salon Pitzelberger
Zwei Operetten-Einakter
von Jacques Offenbach
er 20 07
Novemb
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Premie
eins
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19.3
Musikalische Leitung Toshiaki Murakami
Inszenierung Christian Carsten
Bühne Nicole Pleuler
Kostüme Susanne Heine
Dramaturgie Sylvia Roth
Mit: Karen Frankenstein,
Shavleg Armasi, Jörn Eichler,
Pedro Velázquez Díaz
staatsoperXhannover
ANZEIGEN
Dolmetscher gesucht! Regierungsoberhaupt sucht Dolmetscher, der aus einem
seltenen asiatischen Dialekt ins Französische übersetzen kann. Genauere Angaben aus Diskretionsgründen erst nach
Kontaktaufnahme.
Bitte melden unter Chiffre CH2007.
Stelle als Gärtner gesucht. Distinguierter Herr, derzeit angestellt im festen
Dienstverhältnis, sucht neue Stelle, die
sich ausschließlich auf leichte Gartenarbeit beschränkt. Zuschriften unter
A. Petermann, Chiffre 88996.
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seitenbühne
Oper
„Jeder Priester ist ein Henker,
jeder Soldat ein Bandit!“
Rodrigo, Marquis di Posa
Die Inquisition im Spiegel von Giuseppe Verdis Don Carlo
tigt. Höhepunkt war dann das eigentliche
Richter in einer einzigen Person. Darüber
Verfahren, die inquisitio specialis, zu der
hinaus war der Beschuldigte nur Objekt des
kurioserweise jeder Zeuge angehört wurde,
Verfahrens und erhielt in diesem Sinne keider bereit war, einen Eid auf die Wahrhaftignerlei rechtliches Gehör. Am Prozess nahm
er nur insoweit teil,
als es für die Urteils- „Ich habe auf dem Grunde seines Herzen gelesen,
findung notwendig und sein Urteil ist gesprochen!“
war. Das Verfahren
Principessa Eboli in Don Carlo
fand im Geheimen
keit seiner Aussage zu schwören, darunter
statt, Sachbeweise hatten keine Gültigkeit,
auch Personen, die nach damaligen Verzum Beweis von Schuld oder Unschuld dienständnis eigentlich nicht rechtswürdig waren
ten nur die Aussagen von Zeugen, die von
wie beispielsweise Exkommunizierte, Menweiteren Zeugenaussagen unterstützt oder
schen von zweifelhaftem Leumund, Komwiderlegt werden konnten. Niemals jedoch
plizen und – absolutes Unikum! – Frauen.
begegnete der Beschuldigte denen, die ihn
Die letzte Perversion dieser Strategie, Neid
durch ihre Aussage belasteten, die Anonyund Missgunst unter den Menschen für die
mität der Zeugen blieb stets gewahrt. Das
eigenen Zwecke zu nutzen, bestand im Auföffnete dem
„Grauenvoller Frieden! Der Frieden der Friedhöfe!“ Denunzianten- stellen von Denunziationskästen, in die ein
jeder vollkommen anonym einen Zettel mit
Rodrigo, Marquis di Posa in Don Carlo tum Tür und
den Namen angeblicher Ketzer werfen
Tor, zumal sich
konnte.
ein Zeuge auch im Falle einer Falschaussage
Wirklich relevant wurde dies allerdings
Mag auch die Zahl derer, die durch Inquinicht weiter zu verantworten hatte. Es ist
erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts mit
sitionsgerichte zum Tode durch Verbrennen
wohl kaum übertrieben zu behaupten, dass
dem Aufkommen zahlreicher christlicher
verurteilt wurden, bei weitem nicht so groß
Anlage und Verlauf eines InquisitionsverLaienbewegungen, die eigene, vom Heiligewesen sein, wie dies spätere (protestanfahrens geradezu zum Denunziantentum
gen Stuhl nicht gebilligte Glaubensvorsteltische) Propaganda behauptete (viel häufiger
ermutigte: Es begann mit einer öffentlichen
lungen propagierten. Im Zuge des Vorgewaren Bußstrafen, VermögenskonfiszieKetzerpredigt, in der der Inquisitor die
hens gegen diese Irrgläubigen richteten die
rungen – durch die sich die Inquisition selbst
drohenden Strafen ausführte und dazu aufPäpste des ausgehenden 12. und beginnenfinanzierte! – und Kerkerhaft), so schuf die
forderte, in einer etwa zweiwöchigen „Zeit
den 13. Jahrhunderts ein eigenes Verfahren
Inquisition mit
zur Aufspürung, Überführung und Aburteilung von Häretikern ein, das so genannte „Die Freiheit macht die Menschen nicht glücklich, ihrem System
aus gegenseitiInquisitionsverfahren, und ernannten zu
sie macht sie ganz einfach zu Menschen.“
ger Bespitzelung
dessen Durchführung schließlich eigene
Manuel Azaña, spanischer Politiker und Schriftsteller (1880-1940)
und Denunziapäpstliche Sonderbeamte, die Inquisitoren.
tion dennoch ein
Nach heutigen rechtlichen Maßstäben
Klima der stetigen Angst, umso mehr als die
der Gnade“ (tempus gratiae) sich selbst oder
fragwürdig ist das Inquisitionsverfahren der
weltlichen Machthaber die Inquisition nicht
andere anzuzeigen. Der Druck auch auf den
mittelalterlichen Kirche nicht nur aufgrund
selten als politisches Terror- und Machtin„Unbescholtenen“ wurde dadurch erhöht,
der von Papst Innozenz IV. als legitimes
strument benutzten.
dass sich auch derjenige schuldig machte,
Mittel zur Wahrheitsfindung zugelassenen
Genau darin zeichnete sich die spanische
der ihm bekannte Ketzer nicht zur Anzeige
Folter, sondern auch wegen des Fehlens
Inquisition in besonderer Weise aus, da sie
brachte. In der inquisitio generalis wurden alle
jeglicher prozessualer Gewaltenteilung, vernicht der Römischen Kurie, sondern den
vorgebrachten Anschuldigungen gesammelt
einigten sich doch in der Gestalt des Inquispanischen Monarchen unterstellt war, die
und eine Liste aller Beschuldigten angefersitors Ermittler, Ankläger, Verteidiger und
Die Geschichte der Ketzerverfolgung – also
der Bestrafung von Angehörigen des katholischen Glaubens, die von der allgemein vorgegebenen Lehrmeinung abgewichen sind –
ist so alt wie die Geschichte der Kirche
selbst. Doch stand den frühen Christen ohne
die Unterstützung weltlicher Machthaber
nur die Exkommunikation als Strafmaßnahme gegen derartige Abweichler zur Verfügung. Erst mit der Tolerierung des Christentums durch Kaiser Konstantin und
schließlich mit der Erhebung zur Staatsreligion durch Kaiser Theodosius, also letztlich
durch den Schulterschluss mit den politischen Machthabern, konnte die katholische
Kirche auch Strafen an Besitz, Leib und
Leben verhängen.
Oper
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Jeder verborgene Feind, jeder Neider
hatte jetzt die gefährliche Lockung einer
unsichtbaren und unfehlbaren Rache.
Die Sicherheit des Eigentums, die Wahrheit des Umgangs war dahin. Ein ansteckendes Misstrauen vergiftete das
gesellige Leben; die gefürchtete Gegenwart eines Lauschers erschreckte den
Blick im Auge und den Klang in der
Kehle. Man glaubte an keinen redlichen
Mann mehr und galt auch für keinen.
Guter Name, Landsmannschaften, Verbrüderungen, Eide selbst und alles, was
Menschen für heilig achten, war in seinem Werte gefallen.
Friedrich Schiller,
Die spanische Inquisition
Dieser Spur folgt auch der namhafte deutsche Regisseur Christof Nel in seiner Inszenierung für die Staatsoper Hannover: Ein
System der Spitzel. Ein System der Angst.
Niemand ist unbeobachtet. Intimität gibt es
nicht. Wer auffällt, macht sich verdächtig.
Wer nicht konform
„Der Escorial ist streng, schrecklich,
ist, verschwindet im
wie der grausame Herrscher, der ihn erbaut hat.“ Dunkel der GefängGiuseppe Verdi 1863 nach einem Besuch der Schlossanlage Philipps II. nisse. Christof Nel
geht der Frage nach,
wie ein derartiges System die in ihm lebenzeremonien, so genannten Autodafés (von
den Menschen verändert. Wie verändert es
lat. actus fidei = Glaubensakt), zelebriert.
ihr Denken, ihr Sprechen, ihr Handeln –
Dass zahlreiche Verurteilte nur „in effigie“
und ihr Fühlen? Zu welchen seelischen
verbrannt wurden, also in Form eines Bildes,
Deformationen führt das Leben in der stända sie sich der Hinrichtung durch Flucht
digen Angst, abgeholt, aussortiert zu werentziehen konnten, mag den Eindruck, dass
den? Was bedeuten Begrifflichkeiten wie
es kein Entkommen vor der ewigen Ver„Wahrheit“ und „Lüge“, wenn „Wahrheit“
dammnis gibt, bei den Schaulustigen eines
den sicheren Tod und „Lüge“ Schutz bedeuAutodafés nur noch erhöht haben.
ten kann? Wahr aber ist Verdis Musik, die
auch den Repräsentanten dieses TerrorWollte Friedrich Schiller es sich in seinem
regimes Momente der Sehnsucht und der
Dom Karlos, Infant von Spanien nach eigenem
Trauer zugesteht.
Bekunden „zur Pflicht machen, in der DarVerdis Don Carlo ist alles andere als eine
stellung der Inquisition die prostituierte
monumentale Historienoper – er ist vor
Menschheit zu rächen, und ihre Schandflekallem ein Stück über die Zerrissenheit
ken fürchterlich an den Pranger zu stellen“,
und Entfremdung von Menschen in einem
so interessiert sich Giuseppe Verdi in seinem
menschenverachtenden System.
nach Schiller entstandenen Don Carlo vor
allem für die Menschen, die in einem derartigen System des fortwährenden Terrors
leben müssen. Seine Musik kennt dabei kein
Gut und Böse, sie urteilt nicht, sondern
nimmt vielmehr Anteil an den von der ständigen Bedrohung deformierten Seelen seiner Protagonisten.
auch den spanischen Großinquisitor, also
den in Spanien ranghöchsten Inquisitor,
ernannten. War das Inquisitionsverfahren
der Geheimhaltung unterworfen, so wurde
die Urteilsvollstreckung gerade in Spanien
in spektakulären öffentlichen Hinrichtungs-
Giuseppe Verdi
Don Carlo
Opera in quattro atti (1867/1884)
In italienischer Sprache
mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Wolfgang Bozic
Inszenierung Christof Nel
Szenische Analyse Martina Jochem
Bühne Roland Aeschlimann
Kostüme Ilse Welter
Chor Dan Ratiu
Dramaturgie Ulrich Lenz
Don Carlo Robert Chafin / David Yim
Filippo Albert Pesendorfer / Tobias Schabel
Elisabetta Brigitte Hahn
Eboli Khatuna Mikaberidze
Marquis Posa Brian Davis / Nikola Mijailović
Il Grande Inquisitore Shavleg Armasi /
Stefan Kocán / Young Myoung Kwon
Tebaldo Ania Wegrzyn
Premiere am 15. Dezember, 19.30 Uhr
Einführungsmatinee
Sonntag, 9. Dezember, 11 Uhr, Laves-Foyer
Öffentliche Generalprobe
Donnerstag, 13. Dezember, 18.30 Uhr
Die nächsten Vorstellungen
20., 22. und 28. Dezember 2007
11., 13. und 18. Januar 2008
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seitenbühne
Konzert
„Wo der
Rudolf Buchbinder spielt im 2. Sinfoniekonzert
Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466
Er ist ein Kosmopolit, einer, der in den
bedeutendsten Konzertsälen der Welt mit
erstrangigen Orchestern zu musizieren
pflegt und regelmäßig bei den renommierten Festspieladressen auftritt: Rudolf Buchbinder, der Grandseigneur der Klaviermusik, der im November 2007 auch an der
Staatsoper Hannover ein Gastspiel gibt.
Zuvor führt den Wiener Pianisten eine
große Tournee nach Israel. Mit dem Israel
Philharmonic Orchestra unter der Leitung
von Zubin Mehta sind an acht Tagen
neun Auftritte geplant, im Gepäck hat
Buchbinder Mozarts d-Moll-Konzert, das
zweite Brahms-Konzert sowie Beethovens
Fantasie für Klavier, Chor und Orchester. In
Israel aufzutreten stellt für den Pianisten
dabei keine größere Herausforderung dar,
als ein Konzert in Tokio oder Luzern zu
spielen: „Das Publikum versteht überall
gleich viel.“ Und mit einem kleinen Seitenhieb auf seine Heimatstadt Wien bemerkt
er: „Und man sollte sich in Wien nicht einbilden, dass man dort mehr von Musik versteht als in Tel Aviv.“ An die Tournee in
Israel schließen sich Auftritte in Turin,
Venedig, Verona und Luzern an, von Hannover geht es im November weiter nach
Düsseldorf, Valencia und Prag. Das klingt
nach einem anstrengenden Leben in Hotels
und Flughafenhallen. Doch mit Blick auf
andere Solisten empfindet Rudolf Buchbinder den eigenen Terminkalender als relativ
überschaubar: „Ich spiele nicht sehr viel. Es
gibt Kollegen, die haben doppelt so viele
Auftritte und sind das ganze Jahr über unterwegs.“ Buchbinder hingegen tourt zusammengerechnet fünf Monate, „sieben Monate
verbringe ich in meinem eigenen Bett, und
da bin ich dann auch 24 Stunden zu Hause.“
Zu Hause – das ist für den gebürtigen Böhmen Buchbinder seit der frühen Kindheit
die Musikstadt Wien: Mit fünf Jahren wurde
er an der dortigen Musikhochschule aufgenommen, der jüngste Student in der
Geschichte der Institution. Im Wiener
Musikverein gab das Wunderkind mit zehn
Jahren sein erstes öffentliches Konzert. Und
mit elf Jahren wurde es Meisterschüler des
legendären Wiener Pianisten und Pädagogen Bruno Seidlhofer, in dessen Talentschmiede sich auch Größen wie Friedrich
Gulda und Martha Argerich ihren letzten
Schliff holten. Zehn Jahre lang prägte der oft
ebenso schweigsame wie charismatische
Seidlhofer den jungen Buchbinder. Vor
allem die Liebe zum akribischen Notenund Quellenstudium verdankt dieser dem
großen Pädagogen: „Genauigkeit war ihm
sehr wichtig. Und dass ich jetzt zum Beispiel
18 Ausgaben der Beethoven-Sonaten besitze,
die ich immer wieder miteinander vergleiche, habe ich der strengen Schule Seidlhofers zu verdanken.“ Keine dieser 18 Ausgaben kann Buchbinder jedoch wirklich
zufrieden stellen, bis heute vermisst er eine
Konzert
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Mozart auch geblättert hat“
Urtext-Ausgabe, die diesen Namen auch
verdient. Denn dass Fingersätze von fremder Hand in den Noten stehen oder dynamische Vorzeichen des Komponisten in Klammern gesetzt werden, empfindet er als
störende Elemente. Nicht selten macht sich
Buchbinder dann auf zum Quellenstudium
ins Beethoven-Haus Wien, um „im Safe zu
stöbern“, die Originale zu studieren und so
in direkte Kommunikation mit dem Werk
und dem Komponisten zu treten. Und kürzlich hielt er im Wiener Musikverein das
Autograph von Mozarts d-Moll-Klavierkonzert in der Hand. Da weht den Pianisten
schon mal der Geist des 18. Jahrhunderts an,
allein die schwarzen Flecken an den Rändern
der Notenblätter üben eine besondere
Magie aus: „Dort, wo man umblättert, ist
das Papier ganz dunkel. Dann versuche ich
heimlich, meinen Daumen drauf zu drücken
wo der Mozart auch geblättert hat, damit
irgendetwas rüberkommt. Ein erhebendes
Gefühl.“ 18 Ausgaben der Beethoven-Sonaten, zahlreiche Autographe und Erstdrucke
von Mozarts Klavierkonzerten – diese beiden Komponisten ziehen sich wie ein roter
Faden durch Buchbinders Pianistenleben,
beiden Komponisten widmete er sich in
unzähligen Konzerten und Plattenaufnahmen. Die Liebe zu Beethoven – „mit Beethoven kann man ein Leben verbringen“ –
kann dann auch mal zum Exzess werden:
2003 spielte Rudolf Buchbinder im Wiener
Konzerthaus alle fünf Beethoven-Klavierkonzerte an einem Tag, ein Marathon, den
er im Mai 2007 in der Alten Oper Frankfurt
mit den Wiener Symphonikern wiederholte.
Und mit allen 32 Beethoven-Sonaten interpretierte er das „Neue Testament“ der Klaviermusik als kompletten Zyklus in zahlreichen Städten, darunter München, Wien,
Hamburg, Zürich und Buenos Aires. Neben
Mozart und Beethoven spielte mit Joseph
Haydn auch der dritte Komponist der Wiener Klassik für Buchbinders Pianistenlaufbahn eine wichtige Rolle. 1976 erregte er
mit seiner Einspielung des Klavier-Gesamt-
werkes von Haydn besonderes Aufsehen und
wurde für diese Aufnahme mit dem „Grand
Prix du Disque“ ausgezeichnet. Darüber
hinaus stehen die Brahms-Klavierkonzerte
wie das Gershwin-Konzert häufig auf den
Konzertprogrammen Buchbinders. Daneben spielte er auch Raritäten ein, wie die
Sammlung der Diabelli-Variationen von
Beethoven, Liszt, Hummel oder Czerny und
knapp 50 anderen österreichischen Komponisten. Auf die Frage, welchen Komponisten
er gerne mehr Zeit widmen würde, nennt er
eine kaum enden wollende Liste mit Namen
und Werken: „Das Problem der Pianisten
besteht darin, dass für uns so viel geschrieben wurde, dass ein Leben nicht ausreicht,
um alles zu lernen.“ Und was hat er sich ganz
konkret für die nächsten Jahre vorgenommen? „Ehrlich gesagt: nichts – denn ich
möchte noch ruhig schlafen.“ Vom Schlaf
hält Buchbinder jedoch nicht nur das Wissen
um unzählige vernachlässigte Komponisten
und Werke ab, sondern auch etliche
Hobbies und Verpflichtungen neben der
Pianistentätigkeit: Seit 2007 ist er Intendant
des von ihm neu gegründeten Musikfestivals
Grafenegg in Niederösterreich. Darüber
hinaus liest der begeisterte Cineast viel und
ist zudem passionierter Amateurmaler, für
den Pinsel und Farbkasten nicht zuletzt eine
Therapie sind, „um endlich ruhig sitzen
zu bleiben“.
Dorothea Hartmann
2. Sinfoniekonzert
Sonntag, 4. November, 17.00 Uhr
Montag, 5. November, 19.30 Uhr
Kurzeinführungen jeweils eine halbe Stunde
vor Vorstellungsbeginn.
Joseph Haydn Sinfonie Nr. 60 C-Dur
„Il distratto“ (1774)
Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll KV 466 (1785)
Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 38
D-Dur „Prager Sinfonie“ (1786)
Alfred Schnittke „Moz-Art à la Haydn“
(nach dem Fragment KV 416d, 1977)
Solist Rudolf Buchbinder
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Dirigent Lutz de Veer
Mit freundlicher Unterstützung der
Stiftung Staatsoper Hannover
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Konzert
Call and Response
Das Niedersächsische Staatsorchester und die Alegre Corrêa Group
unter der Leitung von Christian Muthspiel im 3. Sinfoniekonzert
Ein Sinfonieorchester beginnt zu
swingen, eine Jazzband improvisiert
über Kompositionen der klassischen
Konzertliteratur: Im 3. Sinfoniekonzert
trifft das Niedersächsische Staatsorchester auf die Alegre Corrêa Group, begegnen sich brasilianische Rhythmen
und klassische Sinfonieorchesterklänge.
Dramaturgin Dorothea Hartmann
sprach mit dem Musikalischen Leiter
dieses außergewöhnlichen Konzerts,
dem österreichischen Dirigenten,
Komponisten, Posaunisten und
Jazzmusiker Christian Muthspiel.
der damaligen Zeit. Er zitiert diese Melodien nicht nur, sondern integriert sie in seine
eigene Tonsprache, in sein eigenes harmonisches Konzept. Ich fand es interessant, darüber nachzudenken und zu spekulieren, was
Milhaud, der 1916 gemeinsam mit Paul
Claudel Brasilien bereiste, wirklich gehört
hat und wie ein brasilianischer Jazzmusiker
mit dieser Musik heute umgehen würde. So
entstand die Idee, gemeinsam mit Alegre
Corrêa diese Stücke zu musizieren, indem er
mit seiner Jazzband über Milhauds Kompositionen improvisiert.
Was heißt das konkret? Eine Art call and
response?
Unter dem Motto Milhaud’s Brazil stehen Sie
im 3. Sinfoniekonzert gemeinsam mit dem brasilianischen Jazzmusiker Alegre Corrêa auf der
Bühne: er mit seiner Jazzformation, Sie mit
dem Niedersächsischen Staatsorchester. Wie kam
es zu dieser Idee, beide Ensembles gemeinsam
auftreten zu lassen?
Muthspiel Ich versuche häufig, in Konzerten Querverbindungen aufzudecken und
unterschiedliche Stilrichtungen miteinander
zu konfrontieren – ohne ein sogenanntes
„cross-over“. Das heißt, ich belasse die
Werke so, wie sie sind, sie wirken jedoch
anders, indem sie einander gegenüber gestellt werden. Bei Milhaud’s Brazil möchte
ich zeigen, wie ein Komponist aus einem
anderen Kulturkreis inspiriert wurde:
Darius Milhaud verarbeitet in seinen Saudades do Brazil und Le Bœuf sur le toît populäre
Volksmelodien Brasiliens, richtige Schlager
Muthspiel Ja, die Saudades do Brazil sind
sehr kurze Stücke, die ich zuerst mit dem
Sinfonieorchester im Original vorstelle. Die
Band improvisiert über das Gehörte als Antwort nach jedem Satz.
Es wird sicher spannend zu hören, inwieweit
die Ensembles sich gegenseitig beeinflussen.
Muthspiel Ich habe dieses Programm
einige Male in Konzerten ausprobiert. Und
in der Tat: Es gab immer starke Wechselwirkungen zwischen beiden Klangkörpern. Da
ich diesen Effekt nicht vorwegnehmen
möchte, kommt die Jazzband während der
Probenphase sehr spät dazu. Ich möchte das
Orchester überraschen, daher darf die Band
erst im Konzert wirklich ausspielen, was
einen starken Einfluss auf die Bühnenenergie hat. Und umgekehrt: Wenn das Orche-
ster sehr elegant spielt, beeinflusst das natürlich auch die Band, die plötzlich in einer
ganz anderen Umgebung auf der Bühne
steht als etwa auf einem Jazzfestival.
Haben Sie so ein Projekt auch mit anderen Kompositionen versucht, die mit dem Jazzbereich
nicht sowieso schon verbunden sind, also beispielsweise mit einer klassischen Sinfonie?
Muthspiel In der Philharmonie Essen
gab es den Zyklus Mozartloops, bei dem ich
eine ganze Reihe von Klassikern der
Moderne mit Popsongs und Jazzsongs des
20. Jahrhunderts konfrontiert habe. Zum
Beispiel einen Song von Prince als Antwort
auf Karl Amadeus Hartmanns Concerto
funèbre oder einen Song von Billie Holiday
als Antwort auf das Takemitsu-Requiem.
Oder „Ich wollt, ich wär’ ein Huhn“ als Antwort auf Papageno. Das alles war in Loops
pausenlos aneinander gehängt.
Was ist Ihre Motivation für diese Gegenüberstellungen und Verknüpfungen? Langeweile
und Überdruss an den gängigen Konzertprogrammen?
Muthspiel Ich vergleiche solche Programmzusammenstellungen gerne mit
Skulpturen aus der Bildenden Kunst: Eine
Skulptur verändert sich extrem mit dem
Blickwinkel, mit dem Licht und in der Konfrontation mit anderen Werken. Und sie
bleibt dabei doch immer dieselbe Skulptur.
In diesem Sinne interessiert es mich, wie
Stücke wirken, wenn sie in einem bestimm-
Konzert
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Christian Muthspiel
ten Bezug oder auch in einem bestimmten
Nicht-Bezug zueinander stehen. Oft werden
die Reihenfolge und die Beziehung der
Werke zueinander in einem Konzert überhaupt nicht richtig wahrgenommen. Es
heißt dann: „Wir müssen ungefähr 90 Minuten spielen.“ – Aber warum dann das eine
mit dem anderen im selben Programm steht,
ist oft schwer nachzuvollziehen.
Die Dramaturgie eines Konzertes spielt also eine
wesentliche Rolle für Sie, gleichzeitig erweitern
Sie auch den klassischen Konzertbegriff, indem
Sie mit Prince oder Billie Holiday die so genannte
U-Musik in den Konzertsaal holen.
Muthspiel Für mich existiert keine
Unterteilung in U- und E-Musik. Die gab es
zu Mozarts Zeiten auch nicht. Es war damals
überhaupt keine Schande, mit einer Oper zu
unterhalten – gut zu unterhalten! So verstanden, ist auch Don Giovanni Unterhaltungsmusik, natürlich auf allerhöchstem
Niveau. Und ein Song von Sting ist auch
Unterhaltungsmusik auf allerhöchstem
Niveau. Ich möchte zeigen, dass ein BeatlesSong in seiner Komplexität an Lutoslawski
heranreicht, indem ich die Kompositionen
miteinander konfrontiere und indem ich sie
in einen inhaltlichen Kontext stelle. Unter
dem Motto Requiem – Dark Songs zum Beispiel habe ich das Mozart-Requiem mehre-
ren Liedern gegenübergestellt: einem Song
von Sting über die Witwen der Verschleppten unter Pinochet, einem Song von Prince,
in dem er einen gefallenen Kameraden
betrauert oder Strange Fruits von Billie Holiday, wo es um gelynchte Afrikaner während
der Apartheid geht. Manche Zuhörer waren
dann sehr erstaunt, wie komplex Popmusik
oder wie dicht ein vierminütiger Song sein
kann. Mir geht es bei meinen Programmen
um eine kreative Erweiterung des „klassischen“ Repertoires, aber auch um eine
gegenseitige Befruchtung und inhaltliche
Horizonterweiterung von Klassik, Jazz,
Rock, Pop – eigentlich von allem, was gute
Musik ist.
Als Posaunist, Pianist, Komponist und
Dirigent ist Christian Muthspiel sowohl
im Jazz und der improvisierten Musik als
auch im Kontext der komponierten und
Neuen Musik international tätig. In den
letzten Jahren trat Muthspiel vornehmlich
als Komponist und Dirigent auf, unter
anderem mit einem eigenen KonzertZyklus mit der Camerata Salzburg und
dem Münchener Kammerorchester. Sein
Konzert für Posaune und großes Orchester
„ENNAHH… (an Albert Mangelsdorff)“
wurde 2006 vom Radiosymphonieorchester Wien und mit ihm selbst als
Solist in Wien und Linz aufgeführt, weitere
Aufführungen in Deutschland folgen 2008.
2006 wurden Muthspiel sowohl der Österreichische Würdigungspreis für Musik als
auch der Würdigungspreis des Landes
Niederösterreich sowie im Duo mit seinem
Bruder Wolfgang der renommierte deutsche Jazzpreis „Jazzpott“ in Essen verliehen. 2007 erhielt er den Hans Koller Preis
als „Musiker des Jahres“.
3. Sinfoniekonzert
Sonntag, 2. Dezember, 17.00 Uhr
Montag, 3. Dezember, 19.30 Uhr
Kurzeinführungen jeweils eine halbe
Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Darius Milhaud
„Saudades do Brazil“ op. 67
Alegre Corrêa Reflections on
„Saudades do Brazil“
Darius Milhaud „Le Bœuf sur le toît“, op. 58
Silvestre Revueltas „Sensemayá“,
Sinfonische Dichtung
Alegre Corrêa Group
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Dirigent Christian Muthspiel
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seitenbühne
Kinder
Lokalrunde für Lehrer: Oper hautnah!
Acht Lehrerinnen und Lehrer fanden sich
bei stürmischem Regenwetter am Abend des
1. Oktober zur neu ins Leben gerufenen
Lokalrunde für Lehrerinnen und Lehrer im
Restaurant Maestro ein. Zu Gast bei der
ersten Lokalrunde „Oper hautnah“ war Jörg
Mannes, der Ballettdirektor der Staatsoper
Hannover. Zusammen mit Ballettmanager
Steven Markusfeld saß er nun mittendrin,
bei einem Glas Rotwein, und folgte mit
Interesse den Fragen der Lehrer. Thema?
Natürlich das Ballett!
Wie ist es möglich, dass die Tänzer Tausende von Schritt- und Bewegungskombinationen im Kopf behalten, um sie für die verschiedenen Choreographien immer wieder
aufs Neue abrufen zu können? Wie sieht der
Alltag für einen Balletttänzer aus, wie hoch
ist die Verletzungsgefahr? Die Lehrer erfahren von den in dieser Spielzeit neu engagierten Tänzerinnen und Tänzern, die sich in
die alte, bereits bestehende Compagnie zu
integrieren haben. Auch von Mannes in der
Rolle als Choreograph will man etwas wissen. Die gesamte Anordnung von Einzel-,
Paar- und Gruppenkonstellationen auf der
Bühne hat er als Gedankengerüst im Kopf,
gleichzeitig setzt er aber auch den Computer und die Videokamera als unverzichtbare
Hilfsmittel für die Vollendung seiner Choreographien ein. Und alles, so sagt er, was an
schwierigen (Hebe-)Figuren von seinen
Tänzern zu bewältigen sei, probiere er vorher selber aus.
Noch viele Themen werden an diesem
Abend berührt – dann sind die Gläser leer
getrunken. Jörg Mannes und Steven Markusfeld formulieren eine Gegenfrage: Was
können wir nun für euch Lehrer tun? Man
wolle gemeinsam überlegen, wie man Schülern Lust auf Ballett mache!
Einhellige Antworten: Spannend wären
Besuche auf der Ballett-Probebühne unterm
Dach des Opernhauses, Tänzer beim Trai-
ning ganz nah zu erleben und – Workshops
mit Balletttänzern in der Schule. Der erste
Wunsch, so Mannes, könne sofort erfüllt
werden, der zweite: in der nächsten Spielzeit! Die Planung läuft ...
Cornelia Kesting-Then-Bergh
Zur nächste Lokalrunde „Oper hautnah“
für Lehrerinnen und Lehrer am 3. Dezember
2007 um 19.30 Uhr hat sich der Sänger
Roland Wagenführer, bekannt als Tevje
in „Anatevka“ und Leopold im „Weißen
Rössl“, im Maestro angekündigt.
Voranmeldungen unter 0511/9999-1082
oder per E-mail an [email protected] sind erwünscht!
Mit freundlicher Unterstützung von der
Mit Hauruck aus dem Kamin
Der kleine Schornsteinfeger ist wieder da!
„Regisseurin Bettina Giese und ihre Kostümbildnerin Berit Mohr haben eine knallig
bunte, schwungvolle Inszenierung mit viel
Tempo geschaffen, die für die kleinen
Zuschauer in der Oper Hannover keine
Langeweile aufkommen lässt. Dazu trugen
auch die temperamentvollen Darsteller auf
der Bühne einen erheblichen Teil bei.“
Der kleine
Schornsteinfeger
Kinderoper
von Benjamin Britten
Für Kinder ab 6 Jahren
Cellesche Zeitung, Hartmut Jakubowsky
Wiederaufnahme
25. November, 11 Uhr
„Bettina Gieses Inszenierung überwindet
die Barriere, dieses Fremdheitsgefühl von
Kindern (und auch vielen Erwachsenen)
gegenüber der alten Kunstform Oper mit
Leichtigkeit. Es gibt Momente voller Poesie,
in denen man erleben kann, was Oper
ausmacht.“
Weitere Termine
1. Dezember, 18.30 Uhr
2. Dezember, 10.30 Uhr
17. Dezember, 11 Uhr
18. Dezember, 10 Uhr
21. Dezember, 18 Uhr
22. Dezember, 11 Uhr
Hannoversche Allgemeine Zeitung, Jutta Rinas
Kinder
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Eine Leiter in die Unterwelt
Zur Uraufführung der Mobilen Oper Orfeo auf der Leiter
Ein Sänger, ein Schauspieler, eine
Tänzerin, eine Leiter: So wenig
braucht man, um Oper zu machen!
Man benötigt nicht einmal ein Opernhaus, Musiktheater kann auch in der
Schule stattfinden. Die Staatsoper
startet mit der Mobilen Oper eine
neue Reihe, in der sich Darsteller
und Pianist auf den Weg in Klassenzimmer und Schulfoyers machen,
um diese Orte in Theaterräume zu
verwandeln.
Und welche Figur wäre dafür geeigneter als Orfeo, der Sänger schlechthin,
der sich die Leiter hinab auf den Weg
in die Unterwelt macht, um die geliebte
Euridice ins Leben zurückzuholen?
Die Bedingung ist bekannt: Der Sänger
darf die Frau nicht anblicken. Er, bis
über beide Ohren verliebt, tut es doch …
Orfeo erinnert sich plötzlich Die
Götter!! Sie kommen gleich zurück.
Ich habe die Götter vergessen.
Schnell! Wir müssen hinauf zur
Erde. Komm!
Orfeo steigt die Leiter hinauf.
Euridice Orfeo, ich habe Angst.
Orfeo Was? Du hast Angst??
Juno seufzt Wie romantisch.
Jupiter Ich habe dir doch verboten, sie anzuschauen. DU HAST UNSER VERBOT
ÜBERTRETEN. IHRE ANGST IST
DEINE STRAFE. Deshalb konnte sie die
Leiter nicht hinaufsteigen. Orfeo, ich
befehle dir, sofort zur Erde zurückzukehren.
Orfeo Und Euridice?
Jupiter Sie bleibt hier.
Orfeo Nein!
Jupiter Du hast unsere Bedingung nicht eingehalten.
Orfeo Ich kann ohne Euridice nicht leben.
Ich gehe MIT ihr zur Erde zurück.
Juno Nein. Du hast jetzt die Wahl: Entweder du kehrst nach oben, zur Erde zurück –
ohne Euridice. Oder du bleibst in der Unterwelt – mit Euridice. Und du fällst mit ihr in
Todesschlaf.
Orfeo Stille. Sehr leise Und jetzt? Gehe ich
die Leiter hinauf ? Gehe ich hinunter?
Stille Bleibe ich bei Euridice? Falle ich
mit ihr in Todesschlaf ? Oder gehe ich
zur Erde zurück und lebe? Ich weiß es
nicht, ich weiß es einfach nicht. Stille
Warum hilft mir keiner. Warum sagt
mir niemand, was ich tun soll? Stille.
Zum Publikum Könnt ihr mir helfen?
Könnt IHR für mich entscheiden?
Orfeo auf der Leiter (UA)
6. Szene: Rückkehr der Götter
Die Götter entdecken Orfeo auf der Leiter.
Euridice ist neben der Leiter verzweifelt auf ihr
Kissen gesunken.
Jupiter Was ist denn hier los?
Juno streng Orfeo, warum bist du noch da?
Jupiter Ich habe dir doch befohlen zu verschwinden, BEVOR wir zurückkommen.
Und jetzt hängst du auf der Leiter und versperrst uns den Weg.
Euridice Ich hatte Angst, die Leiter hinaufzusteigen.
Orfeo Früher war Euridice so mutig. Und
jetzt plötzlich diese Angst. Ich verstehe das
nicht.
Merkur Aber ich verstehe es! Orfeo, hast du
Euridice angeschaut?
Orfeo Wir haben getanzt, wir haben uns
geküsst, wir waren so glücklich ...
Orfeo auf der Leiter bietet Kindern ein
neues, ungewöhnliches Theatererlebnis:
Den Darstellern ganz nahe, treten sie
in direkte Kommunikation mit den
Figuren, werden selbst zu Autoren
des Stücks, bringen eigene Ideen und
Lösungsmöglichkeiten ein. Und gleichzeitig lernen sie mit dem OrpheusStoff einen der ältesten Mythen der
abendländischen Kultur kennen und
begegnen unterschiedlichsten musikalischen Auseinandersetzungen mit
diesem Sujet von Claudio Monteverdi,
Christoph Willibald Gluck und Jacques
Offenbach.
Mythologische Episode in sieben Szenen
von Marcelo Cardoso Gama und
Dorothea Hartmann mit Musik von
Monteverdi, Gluck und Offenbach.
Dorothea Hartmann
Weitere Vorstellungen in Schulen auf
Anfrage. Anmeldung bei der theaterpädagogischen Abteilung der Staatsoper
unter 0511/9999-1083.
Für Kinder von 6 bis 10 Jahren
Musikalische Leitung Jonathan Seers
Inszenierung Marcelo Cardoso Gama
Dramaturgie Dorothea Hartmann
Mit Ludmilla Euler, Tim von Kietzell,
Ivan Turšić
Uraufführung
am 8. November, 10.30 Uhr,
Internationale Schule Hannover
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seitenbühne
Aus aller Welt
Auf Trachtenjagd fürs Weiße Rössl
Kostümdirektor Thomas Kaiser auf Einkaufstour in München
„Es muss was Wunderbares sein ...“, in München einkaufen zu gehen. „ Ja, es war sehr
lustig, aber nach zwei Tagen Rumrennerei
ist man doch ziemlich erschöpft“, beteuert
Kostümdirektor Thomas Kaiser. Mit Judith
Peter, Kostümbildnerin der Operette Im
Weißen Rössl, traf er sich Mitte September
in Bayerns Hauptstadt, um Trachten einzukaufen. Denn der Kostümfundus hat viel zu
bieten, aber keine Dirndl und Lederhosen.
Das Oktoberfest stand kurz vor der Tür, und
so strömten Massen von Touristen in die
Geschäfte, um sich mit bajuwarischer
Haute-Couture einzukleiden. Die Verkäufer
waren bestens vorbereitet, legten Volksfestmusik auf und boten ihren Kunden zur Anund Erheiterung auch mal ein Glas Sekt an.
Und das Geschäft lief: „Als ich Anfang
Oktober noch einmal dort war, waren die
Regale leer“, berichtet Kaiser.
Die Vorbereitung der beiden Experten
bestand darin, Adressen von Trachten-Fachgeschäften zu recherchieren und einen großen Koffer auf Rädern zu kaufen. „Der war
am Ende des ersten Tages schon voll. Wir
haben ihn im Bahnhof über Nacht eingeschlossen und uns am nächsten Tag einen
zweiten großen Trolley gekauft.“ Auch die-
Hannoveraner zu Gast
Auch zu Spielzeitbeginn haben Mitglieder
des hannoverschen Opernensembles Menschen anderswo mit ihren Sangeskünsten
erfreut: Arantxa Armentia kehrte als Tatjana in Tschaikowskys Eugen Onegin an ihre
alte Wirkungsstätte, das Landestheater
Linz, zurück. Brigitte Hahn sang Mitte
Oktober in zwei konzertanten Aufführungen die Senta in Wagners Fliegendem Holländer in Zagreb. Alla Kravchuk stand wieder
an der Staatsoper Stuttgart in der weiblichen
Titelpartie in Debussys Pelléas et Mélisande
auf der Bühne. Sung-Keun Park arbeitet
derzeit am Stadttheater Aachen, wo er am
1. Dezember als Nemorino die Premiere
von L’elisir d’amore singen wird. Albert
Pesendorfer gastierte zu Beginn der Spiel-
ser wurde bis zum Platzen gefüllt, mit Trachtenjankern und -hemden, Blusen, Brusttüchern, Strümpfen, Wadenstutzen und
natürlich Lederhosen.
Eine Schwierigkeit lag darin, die Teile aus
verschiedenen Geschäften zusammenzutragen und zu kombinieren. Die sonst so
bequeme Variante über Versteigerungsplattformen im Internet wäre in diesem Fall eher
ineffizient gewesen. „Der Zeitaufwand ist
wesentlich größer. Außerdem muss man die
Stoffe unmittelbar sehen und fühlen, um sie
zuordnen zu können.“ Außerdem galt es
abzuwägen, welche Stücke man kauft oder
welche doch günstiger in der eigenen
Schneiderei in Hannover zu produzieren
zeit in Erfurt als König in der Wiederaufnahme von Verdis Aida. Kammersänger
Hans Sojer war, gemeinsam mit Pianistin
Ansi Verwey, im Oktober im schönen Valencia mit einem Liederabend zu Gast. Pedro
Velázquez Díaz übernahm Ende September das Tenorsolo im Verdi-Requiem zum
Amtsantritt des neuen Chemnitzer GMD
Frank Beermann und sprang wenige Tage
später als Cavaradossi in Wiesbaden ein.
Unser 1. Kapellmeister Jahbom Koo dirigierte Mitte Oktober an der Staatsoper
Stuttgart Puccinis Madama Butterfly und flog
Ende Oktober nach Korea, um dort ein
Konzert zu dirigieren.
Last but not least wird Ballettdirektor Jörg
Mannes unmittelbar nach seiner hiesigen
Premiere 4 Beethoven 4 nach München reisen, um dort die im September begonnene
sind. So wäre das zweite Dirndl, dass Carmen Fuggiss als Rössl-Wirtin Josepha trägt,
im Laden unbezahlbar gewesen. Das erste
Dirndl jedoch stammt original aus München, genauso wie der Trachtenjanker des
Kellners Leopold alias Roland Wagenführer,
die Kleidung des Berliners Trikotagenfabrikanten Giesecke, des Rechtsanwalts Dr.
Siedler, der Kathi und einiger Choristen.
Durch den regen Betrieb in den Läden
konnten die Kostümfachleute die Modelle
am lebenden Objekt begutachten, doch
trotzdem kam Thomas Kaiser nicht umhin,
auch einmal selbst in eine Lederhose zu
schlüpfen. „Das Foto existiert aber nicht
mehr!“, sagt er schnell und grinst. Lederhosen hat er sehr viele gekauft, weil das Material schwer zu bearbeiten ist und man spezielle Stickmaschinen bräuchte. Nur die
blauen Hosen der Tänzer wurden selbst
geschneidert, genauso wie die rosafarbenen
Dirndl der Tänzerinnen, die man wohl
kaum in einem traditionellen Fachgeschäft
hätte finden können!
Nelly Schmitt
Arbeit mit dem Bayerischen Staatsballett
fortzusetzen. Denn am Samstag, den 8.
Dezember, wird dort sein Ballett Der Sturm
nach William Shakespeare uraufgeführt. Die
Kreation zu Musik von Anton Bruckner,
Jean Sibelius und Peter I. Tschaikowsky ist
Mannes’ erste Arbeit mit der renommierten
Compagnie von Ivan Liska.
Und übrigens ...
kam nach dem ausführlichen BayreuthBericht der letzten Ausgabe noch ein stolzer
Chorsänger in die Redaktion der seitenbühne:
Tadeusz Slowiak, 1. Tenor im Chor der
Staatsoper Hannover, verbringt seit 11 Jahren jeden Sommer auf dem Grünen Hügel!
Aus den Werkstätten
seitenbühne | Seite 19
Kleiderschrank mit System
Im Kostümfundus laufen die Vorbereitungen für den Kostümbasar
In jedem Kleiderschrank wird von Zeit zu
Zeit ausgemistet; so auch seit einigen
Wochen im Kostümfundus der Staatstheater
Hannover. Für die Altkleidersammlung sind
die aussortierten Stücke aber viel zu schade.
Deshalb veranstaltet der Fundus am 10.
November in den Foyers der Staatsoper
einen Kostümbasar. Auf diese Weise findet
so manches Prachtexemplar noch eine Verwendung außerhalb des Theaters, denn das
ist die Gelegenheit, um sich schon mal für die
Faschingszeit einzudecken. Doch Fundusverwalter Dirk Ihrig und seine Mitarbeiter
Karin Fliegel und Emerich Tissberger
schauen dem Ereignis auch ein bisschen
wehmütig entgegen. Verständlich, wenn
man die Vielfalt des Bestandes überblickt.
Im fünften Stock des Opernhauses und im
Tiefenmagazin im Keller der Ständehausstraße 15 lagern über 40 000 Kleidungsstücke. Wie findet man da ein einzelnes
Kleid? „Den Überblick verschaffen wir uns
mit einem altbewährten System, das immer
wieder von außerhalb gelobt wird“, berichtet Karin Fliegel stolz: Alle Bühnenstücke
der Staatstheater bekommen Nummern und
eine sogenannte Abrechnung. Auf dieser
sind die verschiedenen Kostüme wiederum
nummeriert aufgeführt. Im Kostüm selbst
findet man den Namen des Stückes und des
Künstlers, der es getragen hat.
Die Kostümbildner oder -assistenten
suchen sich ihre Kostüme aus, die dann auf
Listen erfasst und zusammen auf eine fahrbare Kleiderstange gehängt werden. So entsteht zu jedem Stück der aktuellen Spielzeit
ein eigener Ständer. Am Tag der jeweiligen
Vorstellung wandern die Kostüme in die
Garderobe. Braucht man die Kostüme außer
Haus, findet der Transport in grauen Rollschränken statt. Wenn die Vorstellung eine
Zeit lang nicht mehr gespielt wird, „ruht“
sie, d.h. der Ständer bleibt erhalten. Er wird
„aufgelöst“, wenn die Vorstellung aus dem
Programm verschwindet. Dann prüfen die
Mitarbeiter anhand der Abrechnung Vollständigkeit und Zustand der Kostüme. Die
gut erhaltenen kommen wieder an ihren
Platz in den Reihen, die restlichen je nach
Art des Schadens in die Schneiderei oder
Färberei. Neben den inventarisierten Kostümen gibt es auch welche ohne Nummern.
Diese befinden sich nicht mehr in optimalem Zustand. Die Künstler tragen sie nur
noch in Proben, da hier der Verschleiß
immer groß ist. Sehr alte oder empfindliche
Stücke wie Blusen aus sehr feiner Spitze dürfen gar nicht mehr benutzt werden und stehen nur noch zur Ansicht zur Verfügung –
oder als Modell für die Schneiderei.
Der Fundus ist aufgeteilt in Herren- und
Damenfundus, Wäsche-, Pullover- und
Hemdenzimmer. Neben den klassischen
Uniformen, Ritterrüstungen und Ballkleidern gibt es auch alltägliche Kleidungsstücke wie Jeans und T-Shirts, die ganz
unspektakulär im Kaufhaus erstanden werden. Alles ist in Reihen sortiert, die im täglichen Sprachgebrauch Namen bekommen
haben wie „Volks-“, „Arbeits-“ oder „Phantasiereihe“. Man findet zum Beispiel eine
ganze Reihe nur mit Hosen in allen vorstellbaren Farben. „Mir helfen ein gutes
Gedächtnis, ein ausgeprägtes Farbempfinden und ein Gefühl für die verschiedenen
Materialien. Die meisten in unserem Beruf
haben auch eine Schneiderausbildung absolviert“, erzählt Karin Fliegel.
Aber ein Kostüm ist sehr viel mehr als das
bloße Gewand. In unzähligen Kisten, gestapelt bis unter die Decke, lagern Häubchen,
Schals, Strümpfe und vieles mehr. Es gibt
sogar eigens zuständige Mitarbeiter für
Schmuck, Hüte und Schuhe. Sie alle helfen
dem Kostümbildner, seine Figuren einzukleiden. Oft kommt er in den Fundus, um
sich inspirieren zu lassen. Wie er können die
Besucher des Kostümbasars am 10. November durch die endlosen Stoffreihen schlendern und in die Welt der Illusion und
Phantasie eintauchen.
Also, auf zum Kostümbasar!
Nelly Schmitt
Kostümbasar
der Staatstheater Hannover
Samstag, 10. November, 10-13 Uhr
Fundusmitarbeiterin Karin Fliegel
und Hutmacherin Sina Kropp
mit den Kostbarkeiten aus dem Fundus
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seitenbühne
Orchesternews
Reingehört!
Sie spielen dieses Jahr wieder für Familie,
Freunde und Bekannte den Weihnachtsmann und wissen nicht, was Sie schenken
sollen? Dann hat Stefanie Dumrese, SoloBratscherin des Niedersächsischen Staatsorchesters, drei Tipps für Sie parat: Mit
Schubert, St Germain und einer FilmmusikEinspielung von und mit Gidon Kremer
sollte für jeden Musikgeschmack etwas
dabei sein.
Vielleicht gerade aufgrund eigener Erinnerungen an den Unterricht, den sie als
Jungstudentin in Köln noch vom AmadeusQuartett erhalten hat, liegt Stefanie
Dumrese die Aufnahme des SchubertStreichquintetts in C-Dur, eingespielt vom
Amadeus-Quartett und William Pleeth,
besonders am Herzen. Auch wenn Schubert
an sich nicht unbedingt zu ihren Lieblingskomponisten zählt, so ist ihr dieses Quintett
„absolut heilig“. „Einfach herausragend bei
dieser Aufnahme ist der Stil des Primarius,
der sich wirklich auch mal traut, auf der
Geige zu jammern. Ich finde es beeindrukkend, weil es zum Hörer spricht. Da geht es
nicht nur um schöne Töne, sondern darum,
etwas zu erzählen. Die Musiker reizen auch
mal Grenzen aus, aber nicht auf eine effekthascherische Weise, sondern absolut echt
und tief empfunden.“
Dem Album „Tourist“ von St Germain –
einer packenden Stilmischung aus House,
Jazz und Blues-Harmonien – ist die SoloBratscherin in der Kantine der Staatsoper
begegnet. Als der Hunger sie vor einer Vorstellung noch einen kurzen Abstecher dorthin machen ließ, hat sie der dritte Track mit
dem Titel „So flute“ sogleich gepackt: „Ich
hab’ sofort gesagt – was ich sonst nie machen
würde: Was ist das? Das muss ich haben!“
Sind es hier vor allem das flötistische Können und die mitreißenden Rhythmen, die es
Stefanie Dumrese angetan haben, so begeistert sie die CD „Le cinema“ unter anderem
aufgrund der Idee dahinter: Gidon Kremer
spielt hier nicht nur Geige, sondern er hat
die Ausschnitte aus verschiedenen Filmmusiken auch selbst für Geige und Klavier
bzw. Orchester arrangiert. Laut Booklet sind
diese Aufnahmen sowohl „das Tagebuch
eines Geigers, der auch Filmfan ist“ als auch
Zeugnis der Kindheit Kremers, die er –
wenn nicht gerade Geige übend – dann im
Kino verbracht hat. Für Stefanie Dumrese
spiegelt sich diese innere Verbundenheit
dann auch in Kremers Interpretation: „Man
merkt, dass sein Herz daran hängt. Es ist
wirklich sehr, sehr ausdrucksvoll.“
Katja Bethe
Aufnahmen
Franz Schubert: Streichquintett C-Dur,
Amadeus-Quartett und William Pleeth
(Deutsche Grammophon)
St Germain: Tourist (EMI )
Gidon Kremer: Le cinema, Oleg
Maisenberg (Klavier), Deutsches
Symphonie-Orchester Berlin,
Leitung: Andrey Boreyko (Teldec/Warner)
Orchesternews
Dienstjubiläen
Abschied
Am 12. April 2007 feierte der 1. Soloposaunist Wolf-Dieter Kollarz, seit 1972 Mitglied
des Niedersächsischen Staatsorchesters, sein
40jähriges Dienstjubliäum. Ein 25jähriges
Dienstjubliäum konnte der 1. Geiger HansChristian Euler am 2. Juli 2007 begehen.
Ebenfalls ein 25jähriges Dienstjubiläum
feierte Volker Droysen von Hamilton, der
seit 1984 als 2. Geiger Mitglied des Niedersächsischen Staatsorchesters ist.
Am 4. Oktober 2007 starb die frühere
1. Soloharfenistin des Niedersächsischen
Staatsorchesters Frau Prof. Ruth Konhäuser
im Alter von 78 Jahren. Ruth Konhäuser
wurde 1929 in Glogau (Schlesien) geboren
und spielte im Städtischen Orchester Wuppertal, bevor sie 1967 als 1. Soloharfenistin
an der Staatsoper Hannover engagiert
wurde. Als viel geachtete Pädagogin unterrichtete sie an den Musikhochschulen Detmold und Hannover Generationen von
Schülern. Darüber hinaus war sie führendes
Mitglied im Verband Deutscher Harfenisten, sie gründete das 1. Deutsche Harfenensemble und spielte während zahlreicher
Festspielsommer im Orchester der Bayreuther Festspiele. Ruth Konhäuser war
27 Jahre Mitglied des Niedersächsischen
Staatsorchester Hannover, bevor sie 1994
in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Kantinenplausch
seitenbühne | Seite 21
Den roten
Gürtel im Singen
Shavleg Armasi über Kochen und Karate
„Um singen zu können, muss ich essen,“ sagt
der georgische Bass Shavleg Armasi. Ein
Mann, ein Wort. Doch selber kochen, das
tut er nur selten und hat dafür die perfekte
Ausrede zur Hand. „Ich habe eine wunderbare Frau – und die mag es nicht so gern,
wenn ich mich beim Kochen einmische ...“
Was nicht heißt, dass er nicht aus Studentenzeiten noch ein paar Gerichte kennt, die
er selber zubereiten kann. „Spaghetti mit
Käse ... Spaghetti mit Thunfisch … Spaghetti mit Tomaten …“ zählt er grinsend auf.
„Aber auch georgischen Schaschlik!”
Doch zunächst waren es weder Singen
noch Essen, die in Shavleg Armasis Leben
eine große Rolle gespielt haben. Zwar lernte
der im georgischen Tiflis aufgewachsene
Armasi schon früh Geige und klassische
Gitarre, doch sein Herz schlug viel stärker
für Karate denn für die Musik. Nur aus Spaß
sang er auf einem Fest mit einigen anderen
Männern die typischen georgischen Volkslieder – und die Zuhörer stellten fest, dass
seine Stimme schon im zarten Alter von 16
bis 17 Jahren wesentlich kräftiger als die der
anderen war. So brachte die Mutter ihren
Sohn zu einem Lehrer, der eine große Rolle
im weiteren Leben des Bassisten spielen
sollte: Maestro Beshuashvili. Er begann, das
Stimmpotenzial des jungen Mannes zu fördern und seine Begeisterung für den Gesang
zu entzünden.
Nun waren die Gleise gelegt: Armasi ging
aufs Konservatorium, sang – noch ehe er den
Abschluss hatte – erste Partien im Opernhaus in Tiflis und am Opernstudio des
Konservatoriums. In einer Vorstellung der
Zauberflöte, in der Armasi den Papageno gab,
saß der deutsche Unternehmer und Künstler Claus Hipp mit seiner Frau Gabriele von
Habsburg. Die beiden Professoren der
Kunsthochschule in Tiflis wurden auf das
junge Talent aufmerksam und verschafften
Shavleg Armasi ein Stipendium, mit dessen
Hilfe er ein Aufbaustudium in Graz absol-
vieren und weitere Erfahrungen am Opernstudio der Hochschule und dem Grazer
Opernhaus machen konnte. Von der steirischen Hauptstadt aus wechselte er im vergangenen Jahr nach Hannover, das so anders
ist als Tiflis, aber auch so anders als Graz.
Auf die Frage, wie er sich in Hannover fühlt,
meint Armasi: „Ich mag Hannover, vor
allem, weil es so grün ist – aber die Sonne
fehlt mir hier schon ein bisschen ...“
Bisher hat sich Shavleg Armasi in Hannover unter anderem als Osmin, Sarastro,
Crespel, Sparafucile, Monterone und als
Haly vorgestellt, wobei vor allem der Osmin
zu seinen Traumpartien gehört. Aber da gibt
es natürlich noch andere Rollen, die er liebt:
Zaccaria, Philipp II. und Boris Godunow.
Doch er weiß, dass er für eine reife Rolle wie
den Godunow noch Zeit braucht, denn
nichts ist wichtiger beim Singen als eine sukzessive Entwicklung – so wie beim Karate.
„Es würde keinen Sinn machen, mit 14 Jahren schon den 3. Gürtel machen zu wollen,
und genau so muss man sich für bestimmte
Gesangsrollen lange Zeit lassen. Boris
Godunow – das steht, so wie der rote Gürtel, für mich am Ende der Entwicklung.“
Überhaupt zieht Armasi den Vergleich
zum Karate im Laufe des Gesprächs öfters
heran; auch wenn er schon seit Jahren kein
Karate mehr betreibt, hilft es ihm beim Singen, diesen Sport einmal gemacht zu haben.
„Singen ist ein unglaublich komplexer
Vorgang. Singen ist ja nicht nur Stimme,
sondern erfordert auch eine genaue Körperkontrolle und eine große physische Präsenz.
Genau das aber habe ich beim Karate gelernt
und kann nun beim Singen davon profitieren.“
Wie beim Karate das Training, gehören
natürlich auch beim Singen die Proben dazu.
Shavleg Armasi liebt den Probenprozess, die
Stimmung beim Erarbeiten einer Inszenierung, die Leidenschaft, die auf der Probebühne entstehen kann. Das mag er fast noch
mehr, als das Endergebnis auf der Bühne.
Derzeit probt er gerade an zwei OperettenEinaktern von Jacques Offenbach. In Ba-taclan spielt er den finsteren Verschwörer
Ko-ko-ri-ko, in Salon Pitzelberger den ehrgeizigen, aber kulturlosen neureichen Salonherrn Pitzelberger. „Offenbach ist einfach
großartig! Man mag die Texte am Anfang
absurd finden – die Musik ist traumhaft.“
Am 8. November hat die Produktion im
Ballhof Premiere. Bis dahin wird Shavleg
Armasi noch viel singen und vielleicht
auch ein bisschen Karate machen – zumindest mental ...
Sylvia Roth
Georgisches Basturma-Schaschlik
Zutaten:
1 kg Schweinefleisch
ohne Knochen (z.B. Schinken)
250 g Zwiebeln
50-75 ml Weinessig
Zwiebeln in Ringe schneiden. Fleisch in kleine
(ca. 3,5 x 3,5 cm) Stücke zerteilen und in ein
Gefäß aus Porzellan (Emaille oder Glas) tun.
Zwiebeln und Pfeffer hinzufügen und gut
verrühren. Weinessig dazu, noch mal verrühren und an einer kalten Stelle 2-3 Std.
stehen lassen.
Dann die Fleischstückchen auf Drehspieße
stecken und unter ständigem und gleichmäßigem Drehen gargrillen. Ganz zuletzt
Salz hinzufügen.
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seitenbühne
Festtagsseite
Unterm Weihnachtsbaum
Festtage und Jahreswechsel in der Oper und im Ballhof
Wenn die Tage kürzer werden,
die Abende dunkler und das Wetter
ungemütlich, dann beginnt die klassische Theaterzeit. Rund um die Weihnachtstage lädt die Staatsoper Jung
und Alt zu einem abwechslungsreiche
Programm – von der Kinderoper bis
zum Weihnachtskonzert, von der
traditionellen Weihnachtsvorstellung
bis zum Neujahrskonzert. Sie können
festliche Abende im Opernhaus und
zwei launige Offenbach-Operetten im
Ballhof erleben. Und auch wer noch
auf der Suche nach einem Geschenk
ist, wird an der Staatsoper fündig!
Traditionell lädt das Niedersächsische
Staatsorchester ein zum Weihnachtskonzert in Herrenhausen am zweiten
Adventssonntag, den 9. Dezember, um
17 Uhr. Im festlich-barocken Rahmen des
Galeriegebäudes ist niemand Geringeres als
Albrecht Mayer zu Gast – Deutschlands
wohl berühmtester Oboist. Es dirigiert der
1. Kapellmeister Jahbom Koo.
Ein schöner Brauch ist es, die Weihnachtsfeiertage mit einem festlichen Opernoder Ballettbesuch zu verbinden. Auf dem
Programm im Opernhaus stehen ein klassisches Ballett und die traditionelle Weihnachtsoper: Prokofjews Romeo und Julia
am 25. Dezember um 18 Uhr und Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel
am 26. Dezember um 16 Uhr. Ebenfalls traditionell sind die Familienpreise: Kinder bis
16 Jahre zahlen an beiden Weihnachtsfeiertagen nur den halben Preis!
Die Ungeduld vor dem Fest lässt sich mit
der Kinderoper Der kleine Schornsteinfeger am Freitag, den 21. Dezember um
18 Uhr und am Samstag, den 22. November
um 11 Uhr überbrücken. Für die Erwachsenen stehen an diesen Abenden Giuseppe
Verdis Don Carlo (22. Dezember, 19.30
Uhr) und das beliebte Ballett Romeo und
Julia (23. Dezember, 16 Uhr) auf dem Spielplan im Opernhaus.
Auch den Jahreswechsel können Sie in der
Staatsoper stimmungsvoll einleiten, mit der
Operette Im Weißen Rössl an Silvester
(31. Dezember, 19.30 Uhr). Am 1. Januar
begrüßt dann das Niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Wolfgang Bozic das Jahr
2008 mit einem großen Neujahrskonzert
(12 und 19.30 Uhr). Durch das Programm
führt Chefdramaturg Ulrich Lenz. Mit Blumen und Ballons, Muffins und Brownies ist
das festliche Programm mit Werken der
Strauß-Dynastie und Kompositionen von
Leroy Andersen umrahmt.
Wem das alles zu staatstragend ist, der findet im Ballhof Zuflucht: zwei OperettenEinakter von Jacques Offenbach werfen
einen augenzwinkernden Blick auf die
Macht und das große Kunstgeschäft: Ba-taclan und Salon Pitzelberger – am 21., 29.
und 31. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr in
der beliebten kleinen Spielstätte der Staatstheater in der Altstadt.
Zu guter Letzt: Wissen Sie noch nicht,
was Sie Ihren Lieben schenken sollen? Wie
wäre es mit Opernkarten? Das Weihnachtsgeschenk der Oper sind vier Karten auf
besten Plätzen für vier ausgewählte Vorstellung von Februar bis Mai: Im Weißen
Rössl, Tannhäuser, Lucia di Lammermoor
und Carmen. Drei große Opern und eine
Operette für 99 Euro!
Ein besonderes Ereignis im Februar und
Höhepunkt der Ballsaison in Hannover
wird der Opernball 2008 am 22. und 23.
Februar. Unter dem Motto „La dolce vita“
entführt er zwei Abende und zwei Nächte
lang ins Rom der 50er und 60er Jahre. Die
große Bühne, alle Foyers und Säle des
Opernhauses bieten das exquisite Ambiente
zum Tanzen und Flanieren, Sehen und
Gesehenwerden. Der Vorverkauf hat begonnen!
Der Spielplan
rund um die Festtage:
21. Dezember
18 Uhr Der kleine Schornsteinfeger
19.30 Uhr Ba-ta-clan/Salon Pitzelberger
(Ballhof eins)
22. Dezember
11 Uhr Der kleine Schornsteinfeger
19.30 Uhr Don Carlo
23. Dezember
16 Uhr Romeo und Julia (Ballett)
25. Dezember
18 Uhr Romeo und Julia (Ballett)
26. Dezember
16 Uhr Hänsel und Gretel
28. Dezember
19.30 Uhr Don Carlo
29. Dezember
19.30 Uhr Im Weißen Rössl
19.30 Uhr Ba-ta-clan/Salon Pitzelberger
(Ballhof eins)
30. Dezember
18.30 Uhr Anatevka
31. Dezember
19.30 Uhr Im Weißen Rössl
19.30 Uhr Ba-ta-clan/Salon Pitzelberger
(Ballhof eins)
1. Januar 2008
12 und 19.30 Uhr Neujahrskonzert
Die Stiftung Staatsoper Hannover berüßt neue Zustifter
Beim Festkonzert zugunsten der Stiftung
Staatsoper Hannover wurden am 15. September 2007 fünf neue Zustifter begrüßt.
Zur Enthüllung der neuen Stiftertafel in der
Langen Diele im Opernhaus versammelten
sich Dr. h.c. Manfred Bodin (Vorsitzender
des Vorstands der Stiftung Staatsoper
Hannover), Dr. Michael Klügl (Opernintendant), Klaus Woyna (Sparda-Bank eG),
Edelgard Marquardt (Sennheiser Electronic),
Achim Duda (Duda Blumen events) und
Erhard Schipporeit.
Herausgeber: Staatsoper Hannover · Intendant: Dr. Michael Klügl · Redaktion: Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit
Fotos: Christian Brachwitz, Malte Erhardt, Thomas M. Jauk, Cornelia Kesting-Then-Bergh, Jörg Landsberg, Gert Weigelt
Gestaltung: heutemorgen · Druck: Steppat Druck
Opernrätsel
Liebe Rätselfreunde,
in dieser Ausgabe suchen wir eine Oper von Heinrich
Marschner, der von 1831 bis 1859 Hofkapellmeister in
Hannover war. Während dieser Zeit schuf er auch dieses
bedeutende Werk, das zu einem Schlüsselwerk der deutschen romantischen Oper werden sollte. Die gesuchte
Oper ist neben Carl Maria von Webers Euryanthe als
Bindeglied zwischen Freischütz (als eigentlichem Beginn
der deutschen romantischen Oper) und Richard
Wagners Fliegendem Holländer, Tannhäuser und Lohengrin
(als Vollendung diese Gattung) anzusehen.
Im Juli 1831 erhielt Marschner anonym eine Operndichtung zugeschickt, die ihn so sehr begeisterte, dass er sich
sogleich zur Vertonung dieses Buches entschloss.
Ursprünglich hatte es der Librettist für seinen Freund
Felix Mendelssohn Bartholdy verfasst. Doch dieser
lehnte mit der Begründung ab, der Stoff sei in seiner
Atmosphäre dem Freischütz zu ähnlich. Am 24. Mai 1833
erfolgte in Anwesenheit Marschners an der Berliner Hofoper die Uraufführung mit dem Textdichter in der Titelpartie. Während das Berliner Publikum begeistert war,
lehnte die Mehrheit der Kritiker das Werk ab. Wenige
Wochen später bei der Erstaufführung in Leipzig hatte es
dagegen einen durchschlagenden Publikums- und
Presseerfolg. Dafür zeichnete die Universität Leipzig
Marschner mit der Ernennung zum Ehrendoktor aus.
Unsere Frage
Wie heißt die Oper und wie heißt der Librettist?
Unter allen richtigen Einsendungen, die uns bis zum
30. November 2007 erreichen, verlosen wir 5 x 2 Karten
für die Premiere Simplicius Simlicissimus am 19. Januar
2008, 19.30 Uhr.
Schicken Sie Ihre Postkarte an:
Staatsoper Hannover
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Opernplatz 1
30159 Hannover
Die richtige Lösung des Opernrätsels der Ausgabe
September/Oktober 2007 lautet The Death of Klinghoffer,
Komponist: John Adams.
Im Weißen Rössl – Frank Schneiders, Carmen Fuggiss
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