Psychologie aktuell: Behandlung von Psychosen: Ambulante

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Psychologie aktuell: Behandlung von Psychosen: Ambulante Verhaltenstherapie zeigt gute Wirkung
20-01-16
Behandlung von Psychosen: Ambulante Verhaltenstherapie zeigt gute Wirkung
Patienten mit Psychosen profitieren von einer ambulanten Verhaltenstherapie. Das zeigt eine
klinische Studie von Psychologen der Universitäten Hamburg und Marburg, in der die
Störungsverläufe von Probanden einer Therapiegruppe mit denen einer Wartegruppe
verglichen wurden. Patienten der Therapiegruppe zeigten im Vergleich zur Wartegruppe nach
der Therapie eine größere Verbesserung der Symptome, konnten ihren Alltag besser
bewältigen und waren insgesamt zufriedener mit ihrem Leben. Die Ergebnisse der Studie
wurden im "Journal of Consulting and Clinical Psychology" veröffentlicht.
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Verfolgungsängste, Stimmenhören, Antriebsverlust. Neben diesen typischen Symptomen haben
Patienten mit Psychosen oft auch mit Stigmatisierung, Rückzug und Hoffnungslosigkeit zu kämpfen.
Medikamente gelten bei Psychosen bis heute als die Therapie erster Wahl. Obwohl die kurzfristige
Effektivität der Behandlung belegt ist, helfen Medikamente nicht jedem und haben oft stark
beeinträchtigende Nebenwirkungen. Viele Patienten wünschen sich eine über Medikamente hinaus
gehende Therapie.
Studien aus England zeigen, dass die Kognitive Verhaltenstherapie unter streng kontrollierten
Bedingungen eine wirksame Möglichkeit ist, Psychosen zu behandeln , sagt Tania Lincoln,
Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Hamburg. Wir wollten
wissen, ob sich die positiven Effekte auch dann zeigen, wenn die Therapien unter
Routinebedingungen in der ambulanten Versorgung in Deutschland durchgeführt werden.
Studie mit 80 Patienten
Für ihre Studie rekrutierten die Forscher 80 Patienten, die mit der Diagnose einer Schizophrenie oder
einer ähnlichen Störung eine ambulante Therapie aufsuchten. Die Patienten wurden entweder einer
Therapiegruppe zugelost (Therapiebeginn sofort) oder einer Wartegruppe (Therapiebeginn nach 4
Monaten). Die Therapien wurden von sechs Psychotherapeuten durchgeführt, umfassten im Schnitt
25 Stunden und wurden von den Krankenkassen bezahlt. In beiden Gruppen wurde durchgehend die
medikamentöse Behandlung durch einen Psychiater fortgeführt.
Kognitive Verhaltenstherapie bei Psychosen
Kernstück der Kognitiven Verhaltenstherapie ist der Aufbau einer guten therapeutischen Beziehung.
Aktuelle Untersuchungen der Forschergruppe zeigen, dass insbesondere die Echtheit des
Therapeuten zu einem guten Beziehungsaufbau beiträgt. Der Therapeut bemüht sich
nachzuvollziehen, wie sich die Symptome und Probleme des Patienten vor dem Hintergrund seiner
Erfahrungen entwickelt haben. Gemeinsam erarbeiten Patient und Therapeut individuelle
Erklärungsmodelle für psychotische Symptome wie zum Beispiel Halluzinationen. Patienten lernen,
wie sie mit belastenden Symptomen umgehen und wie sie ihre wahnhaften Überzeugungen infrage
stellen können. Sie trainieren psychotische Episoden frühzeitiger zu erkennen um sie abzumildern
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oder gar zu verhindern.
Bestimmung der Symptomschwere und Alltagsbewältigung
Zu drei Zeitpunkten (vor und nach der Behandlung sowie ein Jahr später) bestimmten die Forscher für
jeden Patienten die objektive Schwere der Symptome, die Alltagsbewältigung und subjektive
Veränderungen. In standardisierten Interviews wurden positive Symptome (zum Beispiel
Wahnvorstellungen) und negative Symptome (zum Beispiel abgeflachte Stimmung) sowie die
allgemeine Psychopathologie (Ängstlichkeit, Anspannung) erfragt. Die Interviews wurden auf Video
aufgezeichnet. Zwei unabhängige Gutachter beurteilten anhand der Videos die objektive
Symptomschwere und die Alltagsbewältigung für jeden Patienten. Die subjektiven Veränderungen
wurden durch Fragebögen ermittelt, in denen die Patienten zu Veränderungen ihrer
Lebenszufriedenheit, Selbstfürsorge und Alltagsbewältigung befragt wurden.
Hohe Patientenzufriedenheit und deutliche
Symptomverbesserungen
Die Forscher verglichen die Daten beider Gruppen miteinander. Die Ergebnisse zeigen insgesamt,
dass Patienten der Therapiegruppe eine deutlich größere Verbesserung der Symptome aufwiesen als
die der Wartegruppe. Über 90 Prozent der Patienten aus der Therapiegruppe fand die Therapie
hilfreich oder sehr hilfreich und verspürte eine subjektive Verbesserung ihres allgemeinen
Wohlbefindens. Die Zufriedenheit der Patienten spiegelte sich auch in der tatsächlich gemessenen
Ausprägung der Symptomatik wider. Die Patienten der Therapiegruppe zeigten im Vergleich zur
Warteliste eine deutliche Verbesserung bezüglich ihrer Positivsymptomatik und ihrer Depressivität.
Außerdem konnten sie ihren Alltag besser bewältigen. Die durch die Therapie erzielten Effekte der
Therapie waren auch nach einem Jahr noch stabil. Lediglich bezüglich der Negativsymptomatik gab
es keine Unterschiede zwischen den Gruppen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Kognitive Verhaltenstherapie bei Psychosen ein effektives
Hilfsangebot für Patienten in der ambulanten Versorgung darstellt , sagt Tania Lincoln. Unsere
Ergebnisse sollten niedergelassene Verhaltenstherapeuten ermuntern, Patienten mit Psychosen in die
ambulante Versorgung aufzunehmen, und Patienten sollten diese Therapieform von ihren Behandlern
einfordern.
Die Originalpublikationen finden Sie hier:
Jung, E., Wiesjahn, M., Rief, W, & Lincoln, T.M. (2015). Perceived therapist genuineness predicts therapeutic alliance in Cognitive
Behavioral Therapy for Psychosis. British Journal of Clinical Psychology, 54, 34-48.
Lincoln, T.M., Ziegler, M. Mehl, S., Lüllmann, E., Kesting, M.L., Westermann, S. & Rief, W. (2012). Moving from efficacy to effectiveness in
CBT for psychosis. A randomized-controlled clinical practice trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 80 (4), 674-686.
https://idw-online.de/de/news644526
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