Festspielmagazin 14.10.

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FESTSPIELE
LUDWIGSHAFEN
14.10. —
04.12.16
THEATER IM PFALZBAU
VERZEICHNIS
VERZEICHNIS02
GRUSSWORT TILMAN GERSCH
32
03 Die Tragödie von Romeo und Julia 34
PROGRAMMÜBERSICHT04
KURZ UND WICHTIG
06
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Die Dreigroschenoper
36
Konzert – Tortoise38
Fla.co.men 39
Faust I 40
John Gabriel Borkman 42
Stolpersteine Staatstheater 44
We Love Arabs
45
Vertigo 20 46
Danza Contemporánea de Cuba
50
HOM & FAM
52
KK (I`m a communist kid)
53
Dancing Grandmothers
54
The Palm of Your Hand
56
BEYTNA (our home)
57
Badke 58
Warten auf Godot
60
07
DANCE ON
08
1. Sinfoniekonzert
10
2. Sinfoniekonzert 11
3. Sinfoniekonzert
11
OFFENE WELT 12
Schnee
13
SALAM! Matinée international
16
Friedensstraße
16
Willkommen (s) kultur
17
Mark Ernestus’ Ndagga Rhythm Force
18
WELTFest
19
Hemsbach Protocol
20
The Blind Poet
21
Faustrecht
22 PROGRAMMVORSCHAU 62
MatchAtria
23 IMPRESSUM64
Moeder / Mutter
Interview – Tanz, der über den Tellerand
hinausblickt
OCD Love Späte Nachbarn
Aterballetto Reggio Emilia
24
26
28
31
Liebes Publikum,
woher wir kommen, wohin wir gehen – für alle Menschen ist das
künstlerischer Ansätze und schauspielerischer Höchstleistungen
eine wichtige Frage. Sie stellen zu können, ist das, was uns zu
zeigt, für die es schon lange steht. Die Künstler dieses Hauses
Menschen macht. Und keine hinreichende Antwort zu finden
gehen oft und gern neue Wege, scheuen das Risiko nicht und
vielleicht der Grund für die Verunsicherung, die unsere Gegen-
tragen so zum außergewöhnlichen Profil des Theaters bei. Gewagt
wart kennzeichnet. Ein ganzer Teil der Stücke, Tanzabende, Per-
und gewonnen haben aber auch die gastierenden Produktionen
formanceprojekte, die Sie in den reichen zwei Monaten der
des Burgtheaters Wien und des Staatstheaters Karlsruhe, die
Festspiele Ludwigshafen 2016 erleben können, begeben sich
beide mit einer Einladung zum diesjährigen Berliner Theater-
auf die Spur der Vergangenheit oder versuchen einen Blick in
treffen geehrt wurden.
die Zukunft, um aus der kleinen, ganz persönlichen Perspektive
„Mighty Moves“ ist das Motto, unter das der diesjährige Kurator
der Tanzfestspiele, Honne Dohrmann, sein höchst internationales
Programm gestellt hat. Es zeigt in vielen Facetten, was die Tanzszene derzeit bewegt; im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Die Vielfalt der Stile und Themen, die Spannung zwischen Tradition und Moderne erzeugt Bewegung, die uns alle elektrisiert,
starke Bewegung eben, wie sie nur ein so unmittelbares Medium
wie das Theater hevorrufen kann. Tanzende koreanische Großmütter, pulsierende Herzen in der Hand der Zuschauer, Essen
als Mittel der Grenzüberschreitung, alles das sind Ergebnisse eines
Einfallsreichtums, der seinesgleichen sucht.
Erklärungen oder Antworten zu entwickeln, die womöglich auch
fürs große Ganze taugen.
Wir eröffnen die Festspiele mit einem Schwerpunktwochenende
OFFENE WELT. Seit wir dieses Festival im März 2015 ins Leben
riefen, hat sich manches verändert. Die Lage ist diffiziler geworden,
die Utopie eines friedlichen, von Akzeptanz getragenen Zusammenlebens der Kulturen wird stärker befragt und hat manche
Blessuren erlitten. Dem möchten wir mit guter Kunst und bürgerschaftlichem Engagement begegnen. Im Juli bereits haben
wir das Projekt Friedensstraße mit Ludwigshafener Jugendlichen
und jungen unbegleiteten Flüchtlingen aufgeführt. Die zahlreichen
Zuschauer konnten bewegende Studien der Begegnung und der
Wahrnehmung erleben. Das sind kostbare Momente, für die ich
das Theater auch weiterhin zur Verfügung stellen möchte. An
der Erschaffung einer Offenen Welt im Herbst 2016 sind deshalb
Und so wünsche ich mir, dass Sie die Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen so oft wie möglich sehr bewegt verlassen. Nur das würde
meinem Anspruch gerecht, dieses Haus als Ort der großen
Kunst, der Auseinandersetzung, der Gefühle und des leidenschaftlichen Miteinanders zu bewahren.
zu meiner großen Freude viele, insbesondere junge, Bewohner
und Bewohnerinnen unserer Stadt und der Region beteiligt.
Ihr
Dass die Festspiele Ihnen dann bis in den Dezember herausra-
Tilman Gersch
Intendant Pfalzbau Bühnen
gende Schauspiel- und Tanzproduktionen bieten, hat Tradition,
und ist doch jedesmal aufs Neue aufregend und wunderbar. In
diesem Jahr sind wir eine Allianz mit dem Thalia Theater Hamburg
eingegangen, das in sechs Produktionen die große Bandbreite
02
03
DO, 29.09.
FR, 30.09.
19:30 UHR
19:30 UHR
Tanztheater von Gabriela Carrizo und
Franck Chartier
Peeping Tom in Koproduktion mit
Theater im Pfalzbau/Pfalzbau Bühnen
Ludwigshafen
FR, 07.10.
SA, 08.10.
SA, 15.10.
SO, 16.10.
18:00 UHR
15:30 UHR
SA, 22.10.
SA, 22.10.
18:00 UHR
21:00 UHR
MAHALA INTERNATIONAL
Leitung Luise Rist
Musik Hans Kaul
SA, 15.10.
20:00 UHR
Tanztheater von Yui Kawaguchi und
Yoshimasa Ishibashi
in Koproduktion mit
Sophiensæle Berlin u.a.
SA, 26.10.
SO, 27.10.
Koproduktion Theater im Pfalzbau /
Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen u.a.
Choreographie für Tänzer ab 40 von
William Forsythe (UA) u.a.
MI, 12.10.
DO, 13.10.
20:00 UHR
20:00 UHR
Werke von Smetana, Dun und Britten
(12.10.)
Werke von Prokofjew und Dun (13.10.)
Deutsche Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz
FR, 14.10.
19:30 UHR
17:00 UHR
A Negro Producciones in Koproduktion
mit Théâtre de la Ville de Paris und
Théâtre de Nimes
19:30 UHR
14:30 UHR
Eine Projektpräsentation des wandernden Kunst- und Kulturprojekts
Matchbox der Metropolregion
Rhein-Neckar
SO, 16.10.
19:00 UHR
19:30 UHR
Upper Eastside / #Hybrid / Lego
Choreographien Michele di Stefano,
Philippe Kratz und Giuseppe Spota
DI, 01.11.
MI, 02.11.
MI, 19.10.
Von Johann Wolfgang von Goethe
Werkschau Thalia Theater Hamburg
19:30 UHR
19:30 UHR
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Inszenierung Ersan Mondtag
Inszenierung Jette Steckel
SA, 15.10.
Nach Romanen von Gert Ledig
11:00 UHR
Respekt: Menschen! in Kooperation
mit Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen
SA, 15.10.
16:00 UHR
Willkommen(s)kultur
Koproduktion Pfalzbau Bühnen
Ludwigshafen mit dem
Badischen Staatstheater Karlsruhe
Inszenierung Tilman Gersch
FR, 21.10.
SA, 22.10.
19:30 UHR
19:30 UHR
MI, 02.11.
DO, 03.11.
20:00 UHR
20:00 UHR
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Werke von Tschaikowsky und Brahms
Brüsseler Philharmoniker
SA, 05.11.
SO, 06.11.
19:30 UHR
19:30 UHR
Vertigo Dance Company
Choreographie Noa Wertheim
Choreographie Sharon Eyal / Gai Behar
04
Dokumentartheater von Hans-Werner Kroesinger
MI, 16.11.
DO, 17.11.
Projekt mit Jugendlichen aus Ludwigshafen
Leitung Barbara Kantel, Jürgen Salzmann
L-E-V Dance Company
El Cristal / Cénit / Matria Etnocentra
DI, 22.11.
19:00 UHR
19:30 UHR
19:30 UHR
Tanztheater von Omar Rajeh/Maqamat,
in Zusammenarbeit mit Le Trio Joubran
Koproduktion Pfalzbau Bühnen
Ludwigshafen u.a.
MI, 30.11.
Ein Minifestival
19:30 UHR
tanzmainz
Choreographien Lander Patrick, Csaba Molnàr,
Taneli Törmä, Cecilia Moisio, Eléonore Valère
Lachky, Adrienn Hód
DO, 24.11.
19:30 UHR
Koproduktion KVS Brüssel, Les ballets
C de la B Gent & A.M. Foundation
(Ramallah), Theater Spektakel Zürich
und Les Théâtres de Ville de Luxemburg
Choreographie Koen Augustijnen, Rosalba
Torres Guerrero, Hildegard de Vuyst
19:30 UHR
Von William Shakespeare
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Koproduziert von STUK Leuven, Life Long
Burning/workspace Brüssel mit Unterstützung
des Kulturprogramms der EU, Brüssel
Inszenierung Simon Stone
MO, 14.11.
Von Orhan Pamuk
Tanzstück von Vera Tussing
Inszenierung Nicolas Stemann
Burgtheater Wien in Koproduktion
mit Wiener Festwochen und
Theater Basel
19:30 UHR
19:30 UHR
MO, 28.11.
DI, 29.11.
Von Henrik Ibsen
Needcompany
SO, 19.11.
19:30 UHR
19:30 UHR
19:30 UHR
Tanztheater von Jan Lauwers
Tanzperformance aus Israel
Choreographie Hillel Kogan
Choreographien Julio Cesar Iglesias,
Laura Domingo und George Cespedes
SA, 12.11.
SO, 13.11.
18:00 UHR
21:00 UHR
20:00 UHR
Werkschau Thalia Theater Hamburg
SA, 29.10.
SA, 26.11.
SA, 26.11.
Ein Vera–T Projekt, London
Inszenierung Alvis Hermanis
Mammalian Diving Reflex/Darren O'Donnell
21:00 UHR
21:00 UHR
Konzert
DO, 10.11.
Nach Isaac B. Singer
MI, 16.11.
DO, 17.11.
Choreographie Israel Galván, Pedro G. Romero
MI, 09.11.
Konzert
SA, 16.10.
19:30 UHR
Israel Galván in concert
19:30 UHR
19:30 UHR
7 Dialogues / Untitled Duo (AT)
DI, 08.11.
MI, 30.11.
D0, 01.12.
MARCHE TEATRO in Koproduktion
mit Fabbrica Europa
Choreographie Glen Çaçi
SA, 26.11.
19:30 UHR
Werke von Ravel, Ginastera und de Falla
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
SO, 04.12.
19:30 UHR
19:30 UHR
Doosan Art Center (DAC) in Ko­
produktion mit Eun-Me Ahn Company
und Festival Paris Quartier D’Eté
20:00 UHR
20:00 UHR
19:30 UHR
Von Samuel Beckett
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Inszenierung Stefan Pucher
Choreographie Eun-Me Ahn
Von Bertolt Brecht
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Musik Kurt Weill
Inszenierung Antú Romero Nunes
05
KURZ
UND
WICHTIG
Tour der Kultur
Wie im letzten Jahr beteiligen sich die Pfalzbau Bühnen auch in
dieser Spielzeit wieder am städtischen Kulturtag Tour der Kultur
am Samstag, 17.9.2016. Neben Wilhelm-Hack-Museum, Musikschule, Kunstverein, Stadtmuseum und anderen Kultureinrichtungen öffnen wir unsere Pforten für interessierte Zuschauer ab
13.30 Uhr. Nach einer Vorstellung des Theaterspielplanes und
einer Lesung aus dem Roman Sophia, der Tod und ich, den Intendant Tilman Gersch in der zweiten Hälfte der Spielzeit als
Theater­stück inszeniert, gibt es auch eine Führung hinter die
Kulissen der Pfalzbau Bühnen. Bei einer öffentlichen Probe mit
anschließendem Gespräch können sich Interessierte einen ersten Eindruck vom Tanztheaterstück Moeder / Mutter der Gruppe
Peeping Tom verschaffen, das nach 14-tägigen Proben am
29.9. im Theater im Pfalzbau uraufgeführt wird.
Das Programm im Überblick
14:00 Uhr
Vorstellung des Spielplanes bei Kaffee und Kuchen
(Gläsernes Foyer)
14:30 Uhr
Lesung aus Sophia, der Tod und ich (Gläsernes Foyer)
15:00 Uhr
Führung hinter die Kulissen (Treffpunkt Kassenhalle)
16:00 Uhr
Öffentliche Probe Peeping Tom, Moeder und Nachgespräch
mit dem Ensemble (Große Bühne)
Die Theaterkasse hat an diesem Tag von 13:30 Uhr bis 17 Uhr
geöffnet. Wir beraten die Besucher gerne auch zu unseren
Abonnements.
06
MOEDER / MUTTER
Der Junge Pfalzbau auf der Bühne
Kurz vor und kurz nach den Sommerferien zeigte der Junge Pfalzbau,
wie viel Schönes in den Kursen der vergangenen Spielzeit passiert
ist. Bei Hodscha und Till unter der Leitung von Gülhan Akin standen
Grundschulkinder auf der Bühne und erzählten in vielen Sprachen
von einer märchenhaften Begegnung wischen Orient und Okzident. Im Inklusionskurs von Jan Werbelow beschäftigten sich
Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung mit der Erzählung
Das kalte Herz. Friederike Hartung erarbeitete mit zahlreichen
Jugendlichen eine eigene Version des Erfolgsstücks Frau Müller
muss weg. In vier Vorstellungen zeigten Jugendliche und junge
Erwachsene aus Ludwigshafen das Musical Der kleine Horrorladen
– quasi unplugged nur mit Klavierbegleitung, aber darum nicht
weniger wirkungsvoll. Die Regisseurin und Choreographin Iris
Limbarth setzte damit ihre professionelle Arbeit mit begeisterten
Amateuren fort. Das Projekt Friedensstraße, das Luise Rist mit
geflüchteten und mit hier beheimateten Jugendlichen entwickelt
hat, wird im Rahmen der OFFENEN WELT im Oktober 2016
nochmals aufgeführt.
Einführungen und Nachgespräche
Zu vielen verschiedenen Veranstaltungen bieten wir Einführungen
und Nachgespräche an. Bitte beachten Sie hierzu die Hinweise
bei den jeweiligen Aufführungen in diesem Heft.
Theater - live und in Farbe!
Unter dem Titel Theater - live und in Farbe! bietet das Theater im
Pfalzbau in Kooperation mit der VHS Ludwigshafen ein Seminar
an, das gemeinsame Vorstellungsbesuche mit Vor- und Nachbereitung sowie eine exklusive Führung durch das Theater einschließt. Besucht werden folgende Vorstellungen: die Koproduktion Faustrecht nach Gert Ledig und drei Vorstellungen des
Thalia Theaters Hamburg: Die Tragöde von Romeo und Julia,
Faust I sowie Warten auf Godot. Eine ausführliche Beschreibung
findet sich im Programm der VHS (das auch an der Theaterkasse
ausliegt). Anmeldungen bitte über die VHS Ludwigshafen.
Mitspieler gesucht
Für das Bürgerprojekt Woyzeck/WUT unter der Regie von Intendant Tilman Gersch werden noch Mitspieler*innen gesucht.
Die Proben beginnen am MI, 28. September 2016 um 17 Uhr,
auch ein späterer Einstieg ist möglich. Informationen gibt
Ihnen gerne Barbara Wendland unter 0621/504-2554 oder
[email protected]
Premiere der Uraufführung
Tanztheater von Gabriela Carrizo und
Franck Chartier
GROSSE BÜHNE
DO, 29.09.16, 19:30 Uhr, TT, PAS, WA
FR, 30.09.16, 19:30 Uhr, AL 1, JA
Eine Öffentliche Probe mit anschließendem Publikumsgespräch findet im Rahmen von Tour der
Kultur am 19.09.16 auf der Großen Bühne statt.
D
as Stück Moeder ist der zweite Teil einer Trilogie, die 2014 mit Vader begann
und 2018 mit dem dritten Teil Kinderen enden wird. Das Gesamtwerk spielt mit
Erinnerungen und geht von der Vorstellung aus, dass sich unser Leben aus vielen
verschiedenen Partikeln wie ein Mosaik zusammensetzt. Dabei wirft unsere Erinnerung
ein Netz aus, in dem sich ein ganzes Kollektiv an Bildern und Eindrücken verfangen hat.
Moeder dringt in den Speicher unserer Erinnerung ein, in dem eine stetig anwachsende
Kombination von Ereignissen eingelagert ist. Das Gedächtnis dient dabei nicht als Museum,
sondern vielmehr als Labor, in dem Techniker wie Archäologen in der Vergangenheit graben.
Oder sie werden wie Zeugen in einem offenen Verhör zu Details befragt, die ihnen unbekannt sind. Oder sie agieren wie Darsteller in einem Schauspiel.
Das belgische Ensemble Peeping Tom nimmt sich dieses Themas und der zentralen
Figur, der Erinnerung und der Mutter, aus demselben zärtlich-bissigen Blickwinkel an,
von dem all seine Produktionen bestimmt werden. Moeder ist schaurig-schön, verwirrend und doch auch wieder seltsam vertraut. Die Aufführung erreicht uns mit der gleichen
Faszination, mit der wir uns mit der Welt konfrontiert sehen: Alles ist ein bisschen zu
viel für uns und so bleibt uns nur ein amüsierter Blick in Anbetracht unserer zögernden
Versuche, unsere Wahrnehmungen zu begreifen. Es beginnt schon mit der Frage, welche
der Figuren auf der Bühne wohl die Mutter ist. Womöglich ist sie gar nicht da, jedenfalls
beschwören die Spieler dieses Gefühl durch entsprechende Bewegungen, Geräusche
und sonstige Artikulationsformen herauf. Somit ist die Mutter nicht unbedingt die
Hauptperson und verweilt an der Grenze des Unfassbaren. Unklar ist auch, wo wir uns
überhaupt befinden: Wohnen wir einer Beerdigung bei oder blicken wir auf die Szenerie,
wie sie möglicherweise in einem Aufnahmestudio nachgestellt wird? Oder sind wir an
einem ganz anderen Ort, zusammengepfercht in der Zelle irgendeiner Polizeistation?
All diese Möglichkeiten existieren gleichzeitig in der befremdlichen Welt von Moeder.
Wie in den vorangegangenen Kreationen von Peeping Tom stellen Gabriela Carrizo und
Franck Chartier auch in Moeder ein von Unsicherheiten geprägtes Universum her, das
sich der Logik von Zeit und Raum widersetzt. Das Gefühl der Einsamkeit ruft eine Welt
des Unbewussten hervor, die für Alpträume, Ängste und Sehnsüchte prädestiniert ist.
Die Inszenierung macht sich diese Atmosphäre geschickt zunutze, um die dunkle Seite
eines Charakters oder einer Gemeinschaft zu beleuchten. Der geschlossene Mikrokosmos der Familie und der damit verwobenen Situationen und Konstellationen stellt für
Peeping Tom eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration und Kreativität dar.
Peeping Tom, Belgien
Koproduktion mit Theater im Pfalzbau / Pfalzbau
Bühnen Ludwigshafen u.a.
Choreographie Gabriela Carrizo
Choreographie-Assistenz und Dramaturgie Franck
Chartier
Kostüme Diane Fourdrignier, Peeping Tom (TBA)
Bühnenbild Peeping Tom, Amber Vandenhoeck,
Filip Timmerman
Preise 35 € / 30 € / 25 € / 20 €
07
DANCE ON
ENSEMBLE
7 Dialogues
7 Dialogues ist als erste Produktion der DANCE ON 1. EDITION den exzellenten Tänzern
gewidmet. In Zusammenarbeit mit künstlerischen Dialogpartnern entstanden
individuelle Porträts der Tänzer, die von Komponist Matteo Fargion zu einer Gesamtkomposition ineinander verflochten werden. Christopher Roman traf auf den bulgarischen Performance-Künstler Ivo Dimchev, Amancio Gonzalez arbeitete mit dem Londoner Shooting Star und Visual Artist Hetain Patel und Jone San Martin mit dem britischen Regisseur, Autor und Performer Tim Etchells, Leiter der berühmten
Performance-Gruppe Forced Entertainment. Ty Boomershine entwickelte sein Solo
mit der New Yorker Choreographin Beth Gill. Brit Rodemunds Dialogpartnerin war die
Londoner Choreographin und Tänzerin Lucy Suggate, während Ami Shulman den französischen Choreographen Étienne Guilloteau an ihrer Seite hatte. Im Sinne eines siebten Dialogs konzipierte Fargion auf der Grundlage von Schuberts Erlkönig gemeinsam
mit den Tänzern aus diesen höchst unterschiedlichen Soli einen Abend, der das gesamte DANCE ON ENSEMBLE kongenial präsentiert.
7 Dialogues
von Matteo Fargion
Untitled Duo (AT)
von William Forsythe
Uraufführung der Premiere
GROSSE BÜHNE
FR, 07.10.16, 19:30 UHR, WA
SA, 08.10.16, 19:30 UHR
D
ANCE ON – Neues Tanzrepertoire für Tänzer 40+ ist das erste großangelegte Projekt in Deutschland, das sich dem blinden Fleck Tanz und Alter mit einem
künstlerischen Zugang nähert: Namhafte Choreographen entwickeln Stücke,
die das Potential von herausragenden Tänzern über 40 voll ausschöpfen. Mit ihrer Ausstrahlung und Darstellungskraft bereichern diese erfahrenen Tänzer das Erleben der
Zuschauer um eine wesentliche Dimension.
Den Auftakt bildete im Januar 2016 die Premiere der Choreographie 7 Dialogues im Rahmen des Holland Dance Festival. Es folgten die Stücke Water between three hands von
Rabih Mroué und Those specks of dust von Kat Válastur. Die neueste Produktion
Untitled Duo (AT) von William Forsythe erlebt nun in Ludwigshafen ihre Uraufführung.
Kooperationspartner sind neben dem Theater im Pfalzbau renommierte nationale und
internationale Partner wie das tanzhaus nrw, Kampnagel Hamburg, Tanz im August, das
Londoner Sadler’s Wells Theatre und das Holland Dance Festival.
Nachgespräch
SA, 08.10.16
im Anschluss an die Vorstellung
Gläsernes Foyer
Gefördert durch
Untitled Duo (AT)
Zusammen mit seinen zwei langjährigen Partnern und ehemaligen Tänzern des Ballets
Frankfurt und der Forsythe Company, Christopher Roman und Jill Johnson, entwickelt
der bekannte Choreograph William Forsythe für das DANCE ON ENSEMBLE eine
neues Duett. Mit Jill Johnson wird zum ersten Mal eine Gast-Tänzerin in einer DANCE
ON Produktion mitwirken. Wie kaum ein anderer Choreograph hat William Forsythe die
Sprache des Tanzes erweitert und ihr neue Kontexte verschafft. Sein Name steht für experimentelle Tanzstücke, digitale Tanzpartituren sowie raumbezogene Installationen –
die Choreographic Objects.
Im Mittelpunkt des Stückes stehen natürlich die fulminanten Tänzerpersönlichkeiten,
deren Kurzchoreographien ganz individuell auf ihre persönlichen Charakteristika zu­
geschnitten sind: Die frühere Forsythe-Tänzerin Jone San Martin wendet sich in verschiedenen winzigen Episoden und mit Hilfe kleiner Spickzettel zurück in die Vergangenheit, Amancio Gonzalez, ebenfalls ehemaliger Tänzer bei Forsythe und verschiedenen
anderen Compagnien, ist bemüht, sich dem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes
mit Händen und Füßen verständlich zu machen. Ami Shulman, früher Tänzerin bei der
Compagnie Marie Chouinard, zitiert in ihrem wunderschönen eleganten Solo in Körperhaltung und aufgefächerten Fingern immer wieder den indischen Tanz Bharatanatyam. Der Amerikaner Christopher Roman, künstlerischer Leiter des DANCE ON
ENSEMBLES, zeigt in blonder Perücke und Unterhose eine Art queere Lebensbeichte,
während die Tänzerin Brit Rodemund, in Ludwigshafen von ihrem eindrucksvollen und
preisgekrönten Solo revolver besorgen bekannt, eine leise und dezente Episode beisteuert.
Schließlich folgt der abschließende Höhepunkt mit dem edel ausstaffierten Amerikaner
Ty Boomershine und seinem stilisierten Solo als Hommage an Merce Cunningham.
DANCE ON ENSEMBLE
Koproduktion Theater im Pfalzbau /
Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen u.a.
Künstlerische Leitung DANCE ON ENSEMBLE
Christopher Roman
Untitled Duo (AT)
Choreographie William Forsythe
In künstlerischer Zusammenarbeit mit Jill
Johnson, Brit Rodemund und Christopher Roman
Koproduktion Theater im Pfalzbau / Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen, tanzhaus nrw
Uraufführung am 7. Oktober 2016, Pfalzbau Bühnen
Mit Unterstützung der BASF SE
In Zusammenarbeit mit der USC Glorya Kaufman
School of Dance, Los Angeles
7 Dialogues
Künstlerische Leitung/ Komposition
Matteo Fargion
In künstlerischer Zusammenarbeit mit und von
Ty Boomershine und Beth Gill
Amancio Gonzalez und Hetain Patel
Brit Rodemund und Lucy Suggate
Christopher Roman und Ivo Dimchev
Jone San Martin und Tim Etchells
Ami Shulman und Étienne Guilloteau
Koproduktion Holland Dance Festival, Theater
im Pfalzbau / Pfalzbau Bühnen, tanzhaus nrw
Uraufführung am 28. Januar 2016, Holland Dance
Festival
Mit Unterstützung der BASF SE
DANCE ON ist ein Projekt der DIEHL+RITTER
gUG, gefördert durch die Beauftragte der
Bundesregierung für Kultur und Medien.
Einheitspreis 26 €, ermäßigt 17 €
Kofinanziert durch das Programm Kreatives Europa
der Europäischen Union im Rahmen von DANCE
ON, PASS ON, DREAM ON
So erwarten die Zuschauer faszinierende und beeindruckende Choreographien mit herausragenden Tänzern, die an diesem Abend beweisen, dass tänzerische Ausdruckskraft
und Virtuosität jenseits der Vierzig noch genauso präsent sind wie in früheren Jahren.
„1984 hatte er das Ballett Frankfurt übernommen und es zwanzig Jahre
lang zum Mittelpunkt des zeitgenössischen Tanzgeschehens gemacht. Er
enthierarchisierte das Geschehen auf der Bühne, bildete seine Tänzer zu
Co-Autoren aus und entwickelte eine vollkommen neue Semantik.“
Deutschlandradio Kultur
08
09
G
emeinsam mit den Brüsseler Philharmonikern bringt die in Moskau
geborene Pianistin Lilya Zilberstein
Peter Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 in
b-Moll zu Gehör, das drei Jahre nach der
Erstaufführung durch die Pariser Weltausstellung 1878 zu einem großen Erfolg
wurde. Dieses Werk wollte Tschaikowsky
zuerst für seinen Freund, den Pianisten
Nikolaj Rubinstein, schreiben. Nachdem
dieser Tschaikowskys Arbeit aber hart kritisierte und sich weigerte, das Konzert zu
spielen, widmete er es Hans von Bülow,
einem ebenfalls von ihm sehr geschätzten
Klaviervirtuosen. Dieser geriet bereits 1876
mit Johannes Brahms aneinander, als er
dessen 1. Sinfonie als eine Kopie von der „Zehnten Beethovens“ bezeichnete. Verständlicherweise war der Komponist verärgert, fand bei anderen Zeitgenossen dafür aber
umso mehr Zuspruch. Clara Schumann schrieb, der erste Satz sei „voller wunderbarer
Schönheiten“. Dirigiert wird der Abend von dem Schweizer Komponisten und Dirigenten Michel Tabachnik, der in Genf Klavier, Dirigieren und Komposition studierte und
bereits mit zahlreichen großen Orchestern arbeitete. Seit 2008 ist er Chefdirigent und
Künstlerischer Leiter der Brüsseler Philharmoniker.
1. Sinfoniekonzert
Deutsche Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz
BASF-FEIERABENDHAUS
MI, 12.10.16, 20:00 Uhr, SINF A
DO, 13.10.16, 20:00 Uhr, SINF B
12.10.
Bedřich Smetana Die Moldau
Tan Dun Intercourse of Fire & Water; Passacaglia:
Secret of Wind and Birds – Deutsche Erstaufführung
Benjamin Britten Four Sea Interludes op. 33 a
13.10.
Sergej Prokofjew Die Liebe zu den drei Orangen op.
33 a
Tan Dun Farewell my Concubine – Deutsche Erstaufführung; Out of Peking Opera
Sergej Prokofjew Romeo & Julia op. 64 a (Auszüge)
Tan Dun Dirigent
Siqing Luv Violine
Liwei Qin Violincello
Yingdi Sun Klavier
Preise 47 € / 41 € / 33 € / 26 € zzgl. 3 € an der
Abendkasse
10
D
as erste Sinfoniekonzert der deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
bietet den Zuhörern zwei unterschiedliche Programme. Dirigiert werden sie
von Tan Dun, einem in New York lebenden chinesischen Komponisten, der an
den beiden Abenden auch zwei seiner eigenen Werke vorstellen wird.
Am ersten Abend werden neben Musik von Benjamin Britten auch Werke von Bedřich
Smetana erklingen. In Vlatva (Moldau), einer von sechs symphonischen Dichtungen
aus seinem Zyklus Mein Vaterland, schildert der ertaubte Komponist den Verlauf der
Moldau auf fast märchenhafte Weise. Bilder von Wiesen und Hainen, Nymphen im
silbernen Mondlicht und verträumte Burgen, Schlösser und Ruinen ziehen vor dem
imaginären Auge vorbei. Das Hauptthema erhält durch Holzbläser und hohe Streicher
einen zarten Glanz, die tiefen Streicher symbolisieren die Wellenbewegungen. Nach
der Polka der Bauernhochzeit und den von zarten Nuancen lebenden Nymphenreigen
endet das Rondo in einem wahren Klangorkan.
Benjamin Britten schrieb seine vier Sea Interludes als Orchesterzwischenspiele für die Oper
Peter Grimes, diese können dennoch auch als ein eigenständiges Konzertwerk angesehen
werden. Sie schildern „Seelenlandschaften“ und Bilder aus Brittens Heimat Suffolk.
Am zweiten Abend werden neben der Deutschen Erstaufführung Farewell my Concubine
von Tan Dun auch zwei Werke von Sergej Prokofjew erklingen. Romeo und Julia ist ein
Ballett in vier Akten nach William Shakespeare. Heute ist es kaum zu glauben, dass dieses am Leningrader Kirow-Theater zunächst als untanzbar abgelehnt wurde, sodass die
Uraufführung erst 1938 in Brünn stattfinden konnte und nach einigen Änderungen
1940 in Leningrad inszeniert wurde. Die Oper in vier Akten Die Liebe zu den drei Orangen
versetzt die Zuschauer in eine Märchenwelt und ist dementsprechend zugleich witzig
und unterhaltsam. Premiere feierte diese 1921 in Chicago.
S
ämtliche Komponisten dieses Konzertes haben auf ihre jeweils eigene Weise
ihre Leidenschaft für südländische
Klänge entdeckt. Maurice Ravels Boléro war
ursprünglich als Ballett gedacht und zählt
heute zu der meistgespielten Orchesterliteratur. 1928 widmete Ravel das Werk der Tänzerin
Ida Rubinstein. Das Interesse des Komponisten
für das Ballett zeigt sich auch in seinem berühmten Werk La Valse, das er 1919 als Auftragsarbeit für die Ballets Russes komponierte.
Darin verbindet er Elemente des Wiener
Walzers mit impressionistischer Harmonik und
Rhythmik. Solist des Violoncellokonzertes
Nr. 2 op. 50 des argentinischen Komponisten
Alberto Ginastera ist der in Deutschland geborene Cellist Claudio Bohórquez peruanisch-uruguayischer Herkunft. In seinem Werk kombiniert Ginastera die Rhythmen
seiner Heimat mit Klassik aus der Moderne. Manuel da Falla schuf sein Ballett El
sombrero de tros picos, zu Deutsch Der Dreispitz, in seiner zweiten großen Schaffensperiode.
Sein Werk weist große Einflüsse der spanischen Folklore auf, dazu gehört auch der
Flamenco, dem er sozusagen ein zweites Dasein gibt. Die Uraufführung fand 1919 im
Londoner Alhambra-­Theater mit den Ballets Russes unter Sergej Diaghilew statt.
2. Sinfoniekonzert
Brüsseler Philharmoniker
BASF-FEIERABENDHAUS
MI, 02.11.16, 20:00 Uhr, SINF A
DO, 03.11.16, 20:00 Uhr, SINF B
19:00 Uhr Einführung
Peter Tschaikowsky Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68
Dirigent Michel Tabachnik
Solistin Lilya Zilberstein, Klavier
Preise 47 € / 41 € / 33 € / 26 € zzgl. 3 € an der
Abendkasse
3. Sinfoniekonzert
Deutsche Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz
BASF-FEIERABENDHAUS
MI, 30.11.16, 20:00 Uhr, SINF A
DO, 01.12.16, 20:00 Uhr, SINF B
19:00 Uhr Einführung
Maurice Ravel La Valse
Alberto Ginastera Violoncellokonzert Nr. 2 op. 50
Manuel da Falla El sombrero de tros picos
Maurice Ravel Boléro
Dirigent Karl-Heinz Steffens
Solist Claudio Bohórquez, Violoncello
Preise 47 € / 41 € / 33 € / 26 € zzgl. 3 € an der
Abendkasse
11
Schnee
Von Orhan Pamuk
GROSSE BÜHNE
FR, 14.10.16, 19:30 UHR, S 1
A
ls der Regisseur Ersan Mondtag das Konzept für seine Inszenierung von Orhan
Pamuks preisgekröntem Roman Schnee erdachte, war schnell klar, dass es
nicht darum gehen konnte, die vielschichtige und personenreiche Handlung
eins zu eins auf die Bühne zu bringen. Der Ich-Erzähler, ein Schriftsteller, reist nach
vielen Jahren des Exils in die Grenzstadt Kars, um seine Studentenliebe wiederzusehen,
aber auch, um als Journalist eine Reihe religiös motivierter Selbstmorde junger Frauen
in der Region zu recherchieren.
Statt die vielen verschiedenen Szenen konkret nachzustellen, hat sich der Regisseur für
eine abstrahierende und zugleich sinnlich faszinierende Inszenierungsform entschieden,
in der durch Musik und monologisierendes bzw. chorisches Sprechen eine hohe Intensität entsteht, die die Zuschauer verzaubert. „Eigentlich ist es eine kollektive Erzählung.
Es ergibt sich wie bei einer Wellenbewegung, bei der Zufälliges aus dem Nichts entsteht. Wir haben zentrale Motive, Themenblöcke aus dem Roman gefiltert.“ äußert
Mondtag dazu.
Die sieben Darsteller stehen mit hoch aufgetürmten, zerzausten weißen Perücken und
in schwarze, lange Gewänder gehüllt, eng aneinander geschmiegt in der Bühnenmitte.
Wie ein lebender Organismus, ein perfekt aufeinander abgestimmtes System bewegen
sie sich in einer Art Ritual über die Bühne, bilden immer wieder neue Formationen,
summen, stehen stumm und lauschen auf die sphärische Musik. In seiner Choreographie,
die sich klug einzelne Szenen des Romanes herausgreift, verweist Mondtag auf Machtstrukturen, kollektive Zwänge, Massenphänomene. Stets sind die Mitwirkenden Teil eines
nicht näher definierten Ganzen, konkrete Personen lösen sich in einem assoziativen
Geschehen auf, das einen ganz eigenen Bilderzauber entfaltet. Gespielt wird in einem
türkisfarbenen Oktagon mit gemusterten Fliesen, das, ähnlich wie die Kostüme, Assoziationsräume öffnet, ohne sich konkret eindeutig festzulegen. So denkt man an Verschleierung und Moscheen, ohne dass diese Räume sich tatsächlich verorten lassen.
Viele Bilder lassen sich nicht sofort entschlüsseln, und dennoch entsteht aus akustischen
und visuellen Signalen, komödiantischen Szenen, Bewegungen von abrupten Stopps
und Beschleunigung eine dynamische und zugleich distanzierende Darstellungsform,
eine Art „Lehrstück des Gefühls“, das Gedankenräume öffnet und noch lange nachhallt.
”Der Abend endet folgerichtig in Ratlosigkeit. Aber die Realität abbilden
soll er nicht. Die Zuschauer sollen eine fremde Welt betreten, um sich über
die eigene Welt Gedanken machen zu können.“, sagt Ersan Mondtag, der
soeben in der Kritikerumfrage von Theater heute als Nachwuchsregisseur
des Jahres ausgezeichnet wurde.
Gefördert durch
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Eröffnung der Festspiele Ludwigshafen 2016
und des Schwerpunktes OFFENE WELT
19:00 Uhr, Gläsernes Foyer
Inszenierung Ersan Mondtag
Bühne Paula Wellmann
Kostüme Josa David Marx
Musik Max Andrzejewski
Mit Marie Löcker, Cathérine Seifert, Pascal
Houdus, Thomas Niehaus, Steffen Siegmund, Tilo
Werner, Sebastian Zimmer
Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
Dauer ca. 1 Stunde 45 Minuten
Die Pfalzbau Freunde laden im Anschluss an die
Vorstellung alle Zuschauer zum feierlichen
Empfang ins Gläserne Foyer.
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Schnee
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SALAM!
Matinée international
Ludwigshafen als Ort des Ankommens
GLÄSERNES FOYER
SA, 15.10.16, 11:00 Uhr
RESPEKT: MENSCHEN!
in Kooperation mit Pfalzbau Bühnen
Ludwigshafen
Eintritt frei
V
iele Menschen sind im letzten Jahr in unserer Stadt gelandet. Sind sie auch
angekommen? Der Verein RESPEKT: MENSCHEN! begrüßt Geflüchtete,
Unterstützer*innen und alle Interessierten bei einem Vormittag des Austauschs.
Wir starten mit der Musik von Juan Miranda und filmischen Eindrücken aus dem Theaterstück Friedensstraße. Im vierzig Minuten langen Film Morgenland begegnen wir einer
Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge an ungewöhnlichen Orten in Situationen
zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Theater- und Filmemacher*innen Luise Rist,
Sonja Elena Schroeder und Hans Kaul sprechen gemeinsam mit den jugendlichen Akteur*innen und den Zuschauern über Wege des Ankommens, hier in dieser Stadt; Wege,
die über die Kunst führen.
Zum Schluss liest Luise Rist aus ihrem Buch Rosenwinkel, das von der Abschiebung eines
Roma-Mädchens aus Deutschland erzählt.
Willkommen (s)
Kultur
Theater-Recherche zur Eröffnung einer
Jungen OFFENEN WELT 2016
TREFFPUNKT KASSENFOYER
SA, 15.10.16, 16:00 Uhr
Projekt von und mit 25 Jugendlichen
aus Ludwigshafen
FRIEDENSSTRASSE
Herzlich Willkommen! - Welcome! - ! ‫ راحلا بيحرتلا‬- Hoş geldiniz! ! ‫ مرگ لابقتسا‬- Xêrhatineke germ! - Benvenuto! - Bienvenido! Bienvenue!
FRIEDENSSTRASSE
von Luise Rist
PROBEBÜHNE 2
SA, 15.10.16, 18:00 Uhr
SO, 16.10.16, 15:30 Uhr
Gefördert durch
Junger Pfalzbau/Mahala International
Inszenierung Luise Rist, Martin Jurk, Sonja Elena
Schroeder
Musikalische Leitung Hans Kaul
Bühne und Video Sonja Elena Schroeder
(BILDWERFER)
Mitarbeit Bühne Jan Werbelow
Für und mit Mohammed Alkamel, Omar Al Falousi,
Kaseem Altawba, Rose Abbas, Kashmir Ammarhel,
Katrin Fissl, Betül Kaplan, Shaukat Kamaluddin,
Khaled Tintawi, Milena Lutz, Antonia Potraffke, Sami
Jowhans, Marc van Dijk
Einheitspreis 5 €, ermäßigt 3 €, Familienpaket 10 €
Dauer ca. 50 Minuten
16
I
n der Ludwigshafener Friedensstraße hat das Projekt begonnen. An der gleichnamigen Haltestelle
stieg Luise Rist vor einem Jahr aus, um die nahe
gelegene Unterkunft für Geflüchtete zu besuchen.
Sie lernte dort viele Menschen kennen und lud sie in
ihre „Mahala“ in den Pfalzbau Bühnen ein. Dreizehn
Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und
Deutschland erarbeiteten schließlich mit ihr ein Theaterstück, das berührend vermittelt, wie Menschen
mit sehr unterschiedlichen Sprachen, Biographien
und Traditionen zu einer homogenen Gruppe zusammenwachsen können.
E
FRIEDENSSTRASSE
OKTOBER 2016
Die Jugendlichen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten, kamen alleine, ohne
ihre Eltern, nach Deutschland. Auf der Flucht mussten sie erleben, wie viel Krieg die
Menschen von Land zu Land mitschleppen. Bei der Arbeit an Friedensstraße aber war zu
erleben, wie sich Jugendliche in jeder Minute um Frieden bemühen, wie solidarisch
junge Männer aus Afghanistan, Syrien und Eritrea miteinander umgehen und sich gegenseitig unterstützen. Dass seit längerer Zeit Ludwigshafener Jugendliche zur Gruppe
gehören, ist von größter Bedeutung. Diejenigen, die hier aufgewachsen sind, haben
Türen geöffnet, für die anderen, und auch in sich. Alle haben etwas von sich geschenkt.
„Anrührend, bewegend, fesselnd hebt sich das Theaterstück von dem an
deutschen Bühnen ausgebrochenen Flüchtlingsaktivismus wohltuend ab.
Politische und soziale Zusammenhänge macht es mit zeitgemäßen Theater­
mitteln sichtbar.“ Rheinpfalz
s ist erst ein Jahr her, dass eine Bevölkerungsmehrheit die ‚Flüchtlingsfrage‘ ganz
und gar angstfrei betrachtete und – obwohl Politik und Medien beständig ein
Kippen der Stimmung befürchteten – unverdrossen zu Protokoll gab, dass sie für
die Aufnahme von Geflüchteten sei. Auch heute noch engagieren sich Unzählige, um
Geflüchtete zu unterstützen. Doch der Referenzrahmen für die Wahrnehmung und
Deutung der Situation hat sich rasant und radikal geändert. Die atemberaubende
Demo­kratiefähigkeit der Bürger*innen wurde in der Ökonomie der Aufmerksamkeit in
gleichem Maße abgewertet, wie ‚Krise‘, ‚Probleme‘ und ‚Rechtsradikale‘ aufgewertet
wurden. Von Menschenfeindlichkeit und Abschottung geprägte Maßnahmen gelten
nun als moralisch integer. „Gutmensch“ wurde zum Unwort des Jahres 2015, die hochgelobte „Willkommenskultur“ steht mittlerweile unter Generalverdacht.
Globale Migrationsbewegungen sind längst eine Tatsache, und mit den Migrant*innen
gelangten und gelangen auch deren Traditionen an neue Orte, wo sie bereits vorhandenen
lokalen Traditionen begegnen. Ist das der viel beschworene Clash der Kulturen? Oder
ist es „jetzt einfach ’ne neue Phase und nichts Schlimmes!“ – wie eine 17jährige Schülerin
unlängst auf einer Diskussionsveranstaltung im Deutschen Theater in Berlin der „Panik
der Älteren wegen der Flüchtlinge“ entgegen hielt? Und bietet die Vielfalt der Erzählungen, ihre Widersprüche, Konfrontationen und Kompromisse möglicherweise sogar
das Gestaltungspotential für die Gesellschaften von morgen?
In der Jungen Offenen Welt kommen diejenigen zusammen, die die Zukunft unserer
Gesellschaft bilden. Ein Wochenende und eine (Herbstferien-)Woche lang besetzen
insgesamt 20 – 25 junge Ludwigshafener*innen aus unterschiedlichen Lebensbereichen
das Theater. Sie erforschen das Phänomen Willkommenskultur und gehen der Frage
nach, wie wir gemeinsam leben wollen. In welcher künstlerischen Form die Ergebnisse
der Recherche am Ende des Projekts präsentiert werden – ob als Parcours, KochEvent, Lecture-Performance, Reenactment oder … – ist noch offen. Denn das entscheiden die Jugendlichen erst in ihrer jungen OFFENEN WELT.
Barbara Kantel ist Dramaturgin, Regisseurin und
Projektleiterin. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf
partizipatorischen, interkulturellen und intergenerativen Theaterprojekten, u.a. leitet sie das „Montagscafé“ am Staatsschauspiel Dresden, einen interkulturellen Begegnungs- und Diskursort für
Geflüchtete und Einheimische. Sie war außerdem
stellvertretende Leiterin der Jugendtheatersparte
am Schauspiel Hannover, Co-Leiterin des jungen
dt am Deutschen Theater Berlin und Künstlerische Leiterin des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf. Ab der Spielzeit 2016/17 übernimmt sie
die Leitung des Jungen Schauspiels Hannover.
Jürgen Salzmann ist Videokünstler, Schauspieler /
Performer und Regisseur. Der Schwerpunkt seiner
Arbeit liegt auf der Überprüfung, Bearbeitung und
Weiterentwicklung zeitgenössischer Bildmedien
in theatralen Kontexten. In Zusammenarbeit mit
verschiedenen Theatern, Performancegruppen
und Einzelkünstlern u.a. in Berlin, Lissabon, Athen,
Hamburg und Bremen entwickelt er Installationen
und Videokonzepte. Außerdem hat er Lehraufträge
an diversen Bildungsinstitutionen.
Gefördert durch
Einheitspreis 5 €, ermäßigt 3 €,
Familienpaket 10 €
17
Mark Ernestus‘
Ndagga Rhythm Force
WELTFest
Konzert
One-Earth-Konzert UNSER MEER
Preisverleihung DER GOLDENE
ANKER
GLÄSERNES FOYER
GLÄSERNES FOYER
SA, 15.10.16, 20:00 Uhr, JA
SO, 16.10.16, 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr
D
W
ohlfühlmusik für den Popmarkt spielt diese Truppe gewiss nicht. Die
Musiker aus dem Senegal, handverlesen durch den Deutschen Mark Ernestus, spielt die einzig wahre Musik, konzentriert auf das Wesentliche – hier
treffen starke Grooves auf rhythmische Komplexität. Ernestus, Gründer des legendären
Plattenladens Hard Wax, aus dem 1989 Berlins Clubszene für elektronische Musik
hervorging, reiste auf den Spuren traditioneller Rhythmen wie Sabar und Mbalax nach
Gambia und in den Senegal. Mbalax ist eine in Westafrika populäre Musikrichtung, die
viele verschiedene regionale Einflüsse mit schnellem Rhythm and Blues und z.B. Soca
vermischt. Nach einer spontanen Aufnahme-Session in Dakar bildete sich eine kleinere
Gruppe von professionellen Musikern, die unter dem Namen Mark Ernestus' Ndagga
Rhythm Force seither durch Europa tourte und auch einige große Festivals wie das
Melt!, Roskilde oder die Ile de France in Paris bespielte. Veröffentlicht wird die Musik
der Gruppe auf dem eigens dafür gegründeten Label Ndagga. Ernestus' Sets bestehen
vor allem aus Dub und Reggae, meist in instrumentalen Versionen von Deep-Roots bis
zu militanten Stepper-Rhythmen. Raue Electronic-Sounds treffen auf digitalen Minimalismus, düsteren Doom Metal und rasanten Hardcore.
Gefördert durch
Einheitspreis 20€, ermäßigt 12€
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Die hinreißende Sängerin Mbene Diatta Seck, Percussionist Modou Mbaye und Tänzerin Fatou Wore Mboup mit ihrer atemberaubenden Bühnenpräsenz und Energie
treffen auf legendäre Veteranen der senegalesischen Musikszene wie den Sabar-Schlagzeuger Bada Seck (der auf der langen einfelligen Trommel der Wolof spielt) und den
Gitarristen Assane "Ndoye" Cisse – die beide 30 Jahre lang in der Band des senegalesichen Sängers Baaba Maal mitwirkten. Hinzu kommen junge Hotshots aus der Szene
in Dakar.
Ein neues Album der Gruppe erscheint im Sommer 2016. Im Oktober präsentiert die
charismatische Band ihre Version des Mbalax im Gläsernen Foyer der Pfalzbau Bühnen.
as WELTFest 2016 setzt auf Traditionen, aber nicht als bloße Rückschau oder
als hübsche Folklore. Wir begreifen kulturelle Bräuche, Künste, Speisen als
verlässlichen Teil einer sich im ständigen Wandel befindenden Identität. Wer
hier zu Hause ist, aber seine Wurzeln in einem anderen Land hat, braucht diese Überlieferungen, um sich seiner selbst sicher zu sein. In einer von Migranten geprägten
Stadt wie Ludwigshafen hat die Traditionspflege einen besonders hohen Stellenwert,
und so versammeln sich an einem Sonntag im Oktober Musiker, Tänzer, Sänger und
Köche zu einem großen Fest, um das Eigene zu zeigen und das Andere zu erleben.
Den Auftakt machen der Musiker Volker Staub und die Mitglieder seines One-Earth-­
Orchestra mit einem großen, verbindenden Akt: dem One-Earth-Konzert Unser Meer.
Aus ihren Begegnungen mit Musikern verschiedenster Kulturen, darunter Ludwigshafener Bürger, die einst aus fernen Ländern ihre Lieder und Instrumente importierten,
sind neue Kompositionen entstanden.
Der international bekannte zeitgenössische Komponist Volker Staub ist Gründer des One-Earth-­
Orchestra, ein multikulturell besetztes Ensemble,
das seit 2012 große interkulturelle Musikprojekte in
verschiedenen Kontinenten initiierte und realisierte,
um die musikalische Vielfalt in einer von der Globalisierung zunehmend geprägten Welt zu stärken und
zu erhalten. Mit Ludwigshafen Sound Surround hat er
beim Festival OFFENE WELT 2015 ein Klangevent
der besonderen Art geschaffen, bei dem sich ein
Liveauftritt von Musiker*innen aus Afrika, der Türkei und Korea mit einer Soundinstallation aus Alltagsgeräuschen der Stadt verband.
Gefördert durch
Um 11 Uhr versammeln sich alle auf dem Berliner Platz, es wird getrommelt, geklatscht
und gepfiffen, und auch die Zuschauer sind eingeladen, sich an dem Spektakel zu beteiligen. Alle begeben sich dann ins Gläserne Foyer, wo sich syrische, afghanische, bulgarische, senegalische, israelische und deutsche Klänge mit Texten aus Michael Serres‘
Musik und der Orpheus-Sage verbinden. Und auch hier darf und soll das Publikum einstimmen. Musikalisch bereichert wird das One Earth Orchestra durch Ustad Ghulam
Hussain aus Afghanistan und Modou Seck aus dem Senegal. Ustad ist von Afghanistan
bis Nordindien der Ehrentitel für große Meister. Ghulam Hussain ist ein solcher, ein
Virtuose auf der Rubab, einem faszinierenden Saiteninstrument. Von den musikfeindlichen Taliban massiv bedroht, floh er 2016 nach Deutschland. Der senegalesische
Meistertrommler und -tänzer Modou Seck lebt hier schon seit einigen Jahren.
Im Anschluss heißt es Bühne frei und Deckel hoch für alle, die ihre Spezialität mitgebracht haben. Menschen aus Ludwigshafen und der Region präsentieren Kunst und Essen
u.a. aus Griechenland, der Mongolei, Syrien, Afghanistan, Italien, Thailand und
Deutschland. Gekrönt wird das Fest durch die Verleihung eines Preises. Mit dem
‚Goldenen Anker‘ werden vier Personen gewürdigt, die durch bürgerschaftliches Engagement wertvolle Dienste in der Integration und Flüchtlingshilfe geleistet haben.
Freier Eintritt, freie Speisen
19
Hemsbach Protocol
The Blind Poet
Mammalian Diving Reflex / Darren O'Donnell
Von Jan Lauwers
GROSSE BÜHNE
STUDIO
SO, 16.10.16, 19:00 Uhr, WA
SO, 16.10.16, 17:00 Uhr
Darren O’Donnell ist Gründer und künstlerischer
Leiter von Mammalian Diving Reflex, Dramatiker,
Theater- und Filmregisseur, Stadtplaner sowie Autor
u. a. des Buches Social Acupuncture, das sich für
eine Ästhetik von bürgerschaftlichem Engagement
ausspricht. Die Arbeiten von Mammalian Diving
Reflex wurden mehrfach ausgezeichnet und
weltweit gezeigt, u. a. bei Kunstenfestivaldesart
(Brüssel), PuSh Festival (Vancouver), Performa
(New York), TBA Festival (Portland) sowie zuletzt
am Sydney Opera House, LIFT (London) und bei
der Ruhrtriennale.
Eine Projektpräsentation des wandernden
Kunst- und Kulturprojekts Matchbox
Team Igor Avramovski, Konstantin Bock, Nuha
Bojang, Ebrima Colley, Jana Eiting, Alice Fleming,
Lea Gerschwitz, Marie-Luise Hohenadel, Darren
O’Donnell, Fitim Pajazitaj, Nwachukwu Samuel,
Arman Sharifi, Ibrahim Sulaiman, Onwe Sunday,
Jenna Winter, Papa Yankis u.a.
Einheitspreis 5 €, ermäßigt 3 €, Familienpaket 10 €
Partner:
Unterstützer:
20
F
ür das zweijährige Projekt Hemsbach Protocol zog Darren O’Donnell, Gründer
und künstlerischer Leiter des kanadischen Künstlerkollektivs Mammalian Diving
Reflex, zunächst mehrere Wochen in ein Flüchtlingswohnheim in Hemsbach, um
schließlich seinen Lebensmittelpunkt von Toronto in den kleinen Ort an der Bergstraße
zu verlegen. Dort entwickelten Darren O’Donnell und sein Team über mehrere Monate
gemeinsam mit Geflüchteten und Einheimischen innovative Ansätze von Integration,
um auszutesten, was (nicht) funktioniert und Einsichten zu gewinnen, die auch andern­
orts von Nutzen sein können. Dabei reicht das Spektrum dieser „Tests“ vom internatio­
nalen Kochwettbewerb Hausgemachtes Hemsbach und gemeinsamen Performances
über das Knüpfen neuer sozialer und professioneller Netzwerke bis zur unkonventionellen
Umsetzung einzelner Pilotprojekte, etwa eines Autoexports von Hemsbach nach Gambia.
Mit den Mitteln der Kunst schafft Mammalian Diving Reflex ein kreatives Labor, in
dem das interkulturelle Zusammenleben und die Zukunft nicht nur theoretisch befragt,
sondern en miniature ausprobiert werden. Was bedeuten Weinfeste für die regionale
Identität, und warum überrascht die Perspektive Geflüchteter auf diese Tradition?
Welche kulturellen Codes gilt es beim Dating in Deutschland zu beachten? Hemsbach
Protocol konzentriert sich dabei auf das Hier und Jetzt und – mit dem bewährten
Optimismus von Mammalian Diving Reflex – darauf, was aus der Selbstermächtigung
der Neu-Hemsbacher entstehen kann. Die Etappen dieser Recherche im Mikrokosmos
präsentieren die Geflüchteten in einer Performance, die mit entwaffnender Leichtigkeit
und Energie von ihrer aktuellen Lebenswirklichkeit berichtet.
Hemsbach Protocol ist ein Projekt des wandernden Kunst- und Kulturprojekts Matchbox
der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH und Mammalian Diving Reflex in Zusammenarbeit mit der Stadt Hemsbach, dem Rhein-Neckar-Kreis sowie dem BürgerschaftlichenIntergrationsProjekt BIP.
I
n den 1980iger Jahren entwickelten flämische Künstler eine überraschende, neue
Theaterästhetik. Tanz, Schauspiel, Musik und Performance flossen zusammen zu einem
genreübergreifenden Stil, der sich von den eng gesteckten Grenzen des Theaters
löste und andere, flexible Räume eröffnete. Tänzer und Schauspieler brachten ihre vielschichtigen Persönlichkeiten und die stets präsente eigene Biographie mit auf die Bühne.
So entstanden offene, fragmentarische Projekte jenseits eines Primates von Text oder Choreographie. Der bildende Künstler Jan Lauwers und die Tänzerin Grace Ellen Barkey gründeten zu dieser Zeit die noch heute existierende und weltweit erfolgreiche Needcompany.
Das Ensemble verstand sich von Anfang an als international und multikulturell, und so lag
es nahe, sich auf die Spur der Ahnen zu machen und die globalen Einflüsse nachzuverfolgen,
die charakteristisch für die Kunst der Needcompany stehen. Bis ins 11. Jahrhundert gehen
die Darsteller ihren Stammbäumen nach. Zu dieser Zeit war Cordoba die Hauptstadt der
Welt, Frauen hatten dort mächtige Positionen inne, es gab unzählige Bibliotheken und
Atheismus war gesellschaftlicher Konsens. Ein blinder syrischer Dichter überlieferte das
Gedankengut einer Welt, die in vielem moderner scheint als unsere Gegenwart. Heute
weiß man wenig über diese Zeit, denn Geschichte wird von Siegern geschrieben, von
Männern, und so verschweigt sie manche unbequeme Details.
Mit den Legenden ihrer Vorfahren schaffen die Mitglieder der Needcompany eine
neue, sehr persönliche Erzählung unserer Historie. Sie zeigt, wie sehr die Menschen
schon immer in Bewegung waren und wie stark ihr Leben von globalen Entwicklungen
bestimmt ist. The Blind Poet ist ein zauberhaftes Tanz-Theater-Spektakel, das viele
kulturelle und künstlerische Einflüsse vereint. Sprache, Lieder, Tänze, Artistik und
phantasievolle Kostüme zeichnen das Bild einer anderen, bunteren, optimistischeren
und durchaus möglichen Weltgeschichte.
Gefördert durch
Needcompany, Belgien
In Koproduktion mit Künstlerhaus Mousonturm,
den KunstFestSpielen Herrenhausen, Kunsten­
festivaldesarts, Brüssel, FIBA – Festival
Internacional de Buenos Aires
Mit Unterstützung der Flämischen Regierung.
Text, Inszenierung, Bühne, Licht Jan Lauwers
Choreographie Grace Ellen Barkey
Musik Maarten Seghers
Kostüme Lot Lemm
Assistenz der künstlerischen Leitung und Dramaturgie Elke Janssens
Mit Grace Ellen Barkey, Jules Beckman, Anna Sophie Bonnema, Hans Petter Melø Dahl, Benoît
Gob, Maarten Seghers, Mohamed Toukabri
Mehrsprachig mit deutschen Übertiteln
Einheitspreis 26 €, ermäßigt 17 €
Dauer 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause
21
Faustrecht
MatchAtria
Nach Romanen von Gert Ledig
Für die Bühne bearbeitet von
Barbara Wendland
Von Yui Kawaguchi und Yoshimasa
Ishibashi
HINTERBÜHNE
HINTERBÜHNE
SA, 22.10.16, 18:00 und 21:00 Uhr
MI, 19.10.16, 19:30 Uhr
Nachgespräch
im Anschluss an die Vorstellung
Foyer Hinterbühne
Bitte beachten Sie
Am selben Abend ist OCD Love zu sehen.
19:30 Uhr, Große Bühne
I
n seiner Romantrilogie Stalinorgel, Vergeltung und Faustrecht hat der Autor Gert Ledig
seine eigenen Erlebnisse im Krieg und Nachkrieg verarbeitet und das berührende
Porträt einer, wie er selbst sagt, „vergessenen Generation“ gezeichnet: junge Männer
und Frauen, die das Grauen der Schlachtfelder und der Bombennächte erlebt hatten und
dann den Zusammenbruch all dessen, woran sie glaubten. Für sie gab es kein Gehör und
keinen Anwalt, und viele von ihnen fanden erst im hohen Alter Worte für den Schrecken,
der sich fest in die Seele eingeschrieben hatte und in Kindern und Enkeln weiterlebte.
Gefördert durch
Die Bühnenadaption von Tilman Gersch und Barbara Wendland stellt die Geschichte von
Faustrecht in den Mittelpunkt. Sie erzählt von vier Menschen um die zwanzig, die sich im
anarchischen München der Nachkriegszeit Orientierung und eine Lebensperspektive
schaffen möchten. Das ist nicht leicht, denn ein brutaler Überlebenskampf fordert Härte
gegen sich selbst und andere. Edel ist ein begabter Maler, aber leider ist seine rechte Hand
zerschossen. Rob liebt Olga, aber sie verkauft ihren Körper an die amerikanischen Besatzer. Hai hat viel Energie, aber er gebraucht sie für die falschen Dinge. Der gemeinsam
geplante Überfall auf einen amerikanischen Lastwagen beginnt als großes Abenteuer und
endet im Fiasko.
Ein wenig erinnern Ledigs Szenen aus einer Großstadt in Trümmern und im Aufbruch an
die Filme der Nouvelle Vague. Dazu montiert die Theaterfassung die überwältigenden
Schilderungen aus den anderen beiden Romanen, Bilder eines Bombenangriffs in
Deutschland und eines Gefechtes an der russischen Front. So wird fassbar, warum die
Figuren aus Faustrecht so sehr mit ihrem Dasein ringen; dass die seelischen Verletzungen,
die sie mit sich tragen, noch weit mehr schmerzen als ihre physische Versehrtheit.
Badisches Staatstheater Karlsruhe/
Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen
Inszenierung Tilman Gersch
Bühne und Kostüme Henrike Engel
Musik Alex Gunia
Dramaturgie Barbara Wendland/Marlies Kink
Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
Dauer 1 Stunde 40 Minuten
22
„Die vier exzellenten Schauspieler vom Badischen Staatstheater zeigen diese
Menschen in bedrohlicher Instabilität. Es sind unschuldige Schuldige,
bleischwere Träumer, voller waghalsiger Zuversicht und doch eingekerkert in
der Vergangenheit.“ Süddeutsche Zeitung
„...wie lebendig dieser Erzählstoff ist, zeigt die klug arrangierte, atmosphärisch dichte und intensiv gespielte Bühnenadaption...“ Theater heute
Z
u Beginn der Vorstellung setzen die Zuschauer 3D-Brillen und Kopfhörer auf,
über die der Herzschlag der Tänzerin übertragen wird. Yui Kawaguchi überreicht
jedem Besucher ein kleines Herz aus Silikon, das im Puls-Rhythmus aufleuchtet
und vibriert. Man erschaudert, wenn das Herz in der Hand zu flimmern beginnt, das der
Forscher Junji Watanabe entworfen hat, der sein Leben dem Taktilen widmete, dem
einzigen Sinn, dem der Tanz nie wirklich nachkommen kann. Über das pulsierende Herz
ist das Publikum direkt mit der Tänzerin verbunden und es entsteht ein intimer Kontakt
zum Geschehen auf der Bühne. Der disziplinierte Körper der Tänzerin taucht in einen
einzigartigen surrealen Kosmos aus 3D-Projektionen, Soundeffekten, Stimm- und
Klanglandschaften ein. In faszinierenden Bildern sich bewegender Elemente, aufblitzender Sterne und sprühender Flüssigkeiten in leuchtenden Farben erleben die Zuschauer eine vibrierende Innenwelt. Rote Blutkörperchen fließen durch das Bild,
manchmal abstrakt, manchmal zerklüftet wie der Mond. Mal scheint die Tänzerin über
dem Meer zu schweben, mal befindet sie sich im Dickicht eines Waldes, und immer spiegeln sich ihre Bewegungen in den überwältigenden Bildern der Projektionen, die den
Betrachter in andere Dimensionen zu entführen scheinen.
Das Tanzstück kombiniert im Titel das Wort „Matcha“ für den Tee der japanischen Teezeremonien und die anatomische Bezeichnung des Herzvorhofs „Atria“. Und so lädt die
multimediale Tanzinstallation MatchAtria zu einer einzigartigen Berührung der Herzen
ein. In Zusammenarbeit mit dem international renommierten bildenden Künstler und
Filmregisseur Yoshimasa Ishibashi gestaltet die japanische Tänzerin Yui Kawaguchi eine
Herz-Zeremonie, die ihre Besucher im wahrsten Sinne des Wortes „herzlich“ empfängt. Dabei sind allerdings weder Tee noch Kimono auf der Bühne zu sehen – vielmehr
wird das Prinzip der Teezeremonie als Sinnbild der „Gastfreundschaft“ interpretiert
und künstlerisch umgesetzt. Die japanische Teezeremonie steht in der ihr zugrundeliegenden Philosophie dem Zen nahe. So sucht die experimentelle Inszenierung nach
einer Verschmelzung von alter und moderner japanischer Kultur, um den Gästen die
Möglichkeit einer inneren Einkehr in der heutigen Zeit anzubieten. MatchAtria verspricht ein Tanzerlebnis mit allen Sinnen, ein einzigartiges physisches Empfinden, eine
fremdartige Reise in unser Innerstes.
Gefördert durch
Yui Kawaguchi und Yoshimasa Ishibashi in Ko­
produktion mit Sophiensæle Berlin, Blueproject
Barcelona, FFT Düsseldorf und
MA scène nationale Pays de Montbéliard Japan
Konzept, Tanz, Tongestaltung, Text Yui Kawaguchi
Konzept, Visuelle Gestaltung, Musik Yoshimasa
Ishibashi
Stereoscopic 3D/CG Masahiro Teraoka
Videotechnik Ichiro Awazu, Henne Fritze
Kostüme Saša Kovacevic
Einheitspreis 20 €, ermäßigt 12 €
Dauer ca. 40 Minuten
23
TANZ, DER ÜBER
DEN TELLERRAND
HINAUSBLICKT
Interview mit Honne Dohrmann, dem neuen
Tanzkurator der Festspiele Ludwigshafen
I
n der Spielzeit 2016/17 kuratiert der Kulturmanager, Dramaturg und Tanzspezialist Honne Dohrmann das Tanzprogramm
der Festspiele Ludwigshafen. Wir stellten ihm ein paar Fragen
zum Tanzprogramm "Mighty Moves".
Erstmals haben Sie für die Festspiele Ludwigshafen das Tanzprogramm zusammengestellt. Nach welchen Kriterien sind Sie
vorgegangen?
Mein Ziel ist es, im Rahmen der Festspiele aktuelle Entwicklungen des zeitgenössischen Tanzes vorzustellen. Der Titel
„Mighty Moves“ war dabei für mich so etwas wie eine Leitlinie.
Viele der eingeladenen Künstler haben mit ihren Produktionen
einen großen sozialen und/oder ästhetischen Sprung gewagt. In
sozialer bzw. politischer Hinsicht gilt das zum Beispiel für die
mittlerweile weltweit gefeierte Produktion Badke, die als eine der
ganz wenigen zeitgenössischen Choreographien ein ganz anderes
Bild von palästinensischen Traditionen vermittelt als gemeinhin
bekannt. Spannend sind aber auch kleinere Arbeiten wie z.B. die
des in Italien lebenden Performancekünstlers Glen Çaçi, der
sich gemeinsam mit seinem Bruder, einem Zirkusartisten, auf eine
berührende Spurensuche nach ihren gemeinsamen albanischen
Wurzeln begibt. Den Tanz der „großen Bewegung oder Veränderungen“ – nichts anderes heißt ja „Mighty Moves“ – verkörpert
in ästhetischer Hinsicht auch Israel Galván, der gefeierte Erneuerer
des Flamencos. Aber auch Sharon Eyal und Gai Behar haben mit
ihrer Compagnie L-E-V ein neues Kapitel des Tanzes aufgeschlagen,
in dem sie, ausgehend von Balletttechniken und Technorhythmen,
eine hypnotisierende neue Form des Tanzes entwickelt haben.
Knüpfen Sie bei der Konzeption des Programmes an Traditionen
des Theaters im Pfalzbau an?
Ja und nein. In den vergangenen Jahrzehnten ist hier
Großartiges geleistet worden und das Theater im Pfalzbau hat
sich auch international als eines der wichtigsten Gastspielhäuser
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in Deutschland etabliert. Spitzencompagnien aus aller Welt, innovative Formensprachen, ein aufgeschlossenes Publikum; all
das verbindet man mit dem Theater im Pfalzbau und besonders
mit den Festspielen.
Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich diese Tradition fortsetzen
darf. Gleichzeitig möchte ich natürlich neue Akzente setzen und
mich in Zukunft verstärkt auf tanzästhetische und im weitesten
Sinne auch soziale Aspekte konzentrieren. Ich mag Tanz, der
über den Tellerrand hinausblickt und sich auch aus der Beziehung zu seinen Zuschauern speist. Mit seiner Internationalität
und Vielgestaltigkeit ist er ein ebenso sinnliches wie kluges Medium,
das Austausch und neue Perspektiven schafft.
Neben Compagnien wie dem Aterballetto Reggio Emilia und
Danza Contemporánea de Cuba gibt es auch einige Neuentdeckungen im Programm, zum Teil recht originell und ungewöhnlich. Ich denke zum Beispiel an die Dancing Grandmothers aus
Südkorea. Worauf dürfen sich die Zuschauer da freuen?
Der Choreographin Eun-Me Ahn ist ein faszinierendes
Kunststück gelungen, das Menschen jeden Alters in den Bann
zieht. Als Leiterin einer Compagnie aus Seoul zog sie zunächst
mit einigen ihrer jungen Tänzer übers Land und forderte Senioren
auf, für ihre Kamera so zu tanzen, wie sie in ihrer Jugend getanzt
haben. Eigentlich sollte dies das Ausgangsmaterial für ein eigenständiges Stück werden. Und das wurde es auch. Aber Eun-Me
Ahn teilt mit dem Publikum auch die Videos, die einen fast privaten Einblick in die Kultur und Geschichte ihrer Heimat geben.
Der große Coup des Abends sind aber die tanzenden Großmütter
selbst. Im letzten Teil des Stückes entern sie live und in Farbe die
Bühne, tanzen mit den jungen Profitänzern und verbreiten eine
überschäumende Lebensfreude. So holt die Realität die Kunst
am Ende wieder ein. Die Frage nach dem, was nun eigentlich
„jung“ heißt, darf sich dann jeder Zuschauer selbst beantworten.
Die Dancing Grandmothers jedenfalls sind auf anrührende Weise
spektakulär, passen in unsere immer älter werdende Gesellschaft
und sind nicht nur deshalb in Frankreich schon ein Riesenhit. Im
Rahmen der Festspiele sind sie nun erstmals in Deutschland zu
erleben.
An einigen Abenden haben Sie zwei Programmpunkte hintereinander gestellt. Gibt es inhaltliche Bezugspunkte zwischen den
jeweiligen Veranstaltungen? Und an welches Zielpublikum
richten sich die ausgewählten Stücke?
Ich bin bei der Recherche zum Festspielprogramm auf
einige äußerst bemerkenswerte, manchmal nur 45 Minuten lange
Programme gestoßen, die einen intimeren Rahmen erfordern.
Man kann kaum anders, als Vera Tussings wunderbare kleine Arbeit The Palm of Your Hand mit einem Lächeln auf den Lippen zu
verlassen. In Yui Kawaguchis MatchAtria schenkt die Künstlerin
den Besuchern im wahrsten Sinne des Wortes ihr Herz. Diese
kleinen Kostbarkeiten kann man sich auf der Hinterbühne direkt
vor oder nach den am selben Abend stattfindenden Vorstellungen
im Großen Haus ansehen.
Einen engeren Zusammenhang gibt es im weitesten Sinne zwischen den Vorstellungen der Vertigo Dance Company und dem
ebenso knappen wie hoch subversiven Duett We Love Arabs von
Hillel Kogan. Wer beide Vorstellungen sieht, erlebt an einem
Abend das große Spannungsfeld, in dem sich Künstler aus Israel
heute bewegen.
Sie stellen dem Ludwigshafener Publikum auch die Choreographien HOM & FAM vor, ein Minifestival der Compagnie tanzmainz, deren Direktor Sie seit der Spielzeit 2014/15 sind.
Choreographiert haben aber nicht Sie selbst?
Nein, ich bin ein kuratierender Direktor. D.h. dass wir in
Mainz verschiedene Choreographen einladen, um mit unserem
festen Ensemble von 20 Tänzern zu arbeiten. Damit suchen wir
einen Weg, der unseren Besuchern vielgestaltige Handschriften
von hoher Qualität bietet. Beim Publikum kommt das gut an, wir
freuen uns über einen schnell wachsenden Zuspruch und zahlreiche
Gastspielanfragen.
Innovativ geht es auch bei HOM & FAM zu. tanzmainz hat sechs
außergewöhnliche junge Choreographen und Choreographinnen
eingeladen, die sich international schon erste Meriten erworben
haben. Sie haben jeweils mit zwei Männern bzw. zwei Frauen gearbeitet. Dabei waren die Teams klaren Regeln unterworfen: 20
Probentage, 20 Minuten Dauer, 10 Scheinwerfer, alles muss in
einen Koffer passen. Wir wollen damit das Staatstheater für neue
Handschriften öffnen und für frischen Wind sorgen. Was man in
diesen sechs Duetten zu sehen bekommt, ist abwechselnd virtuos,
radikal, saukomisch, verrückt und noch viel mehr. Selten geht man
als Zuschauer in so kurzer Zeit durch so viele Stimmungsbäder.
Vor Ihrem Engagement in Mainz haben Sie einige Stationen an
verschiedenen renommierten Theatern und Festivals durchlaufen. Würden Sie uns etwas über Ihren künstlerischen Werdegang verraten?
Ich bin ein Quereinsteiger, der erst vergleichsweise spät
seine Liebe zum Tanz entdeckt hat. Nach Anfängen als Sportjournalist habe ich das Veranstalterhandwerk als ProgrammKoordinator in der Kulturetage Oldenburg gelernt. Wir haben
dort in den 1990er Jahren mit wenig Geld und einfachen Mitteln
internationale Gastspiele gezeigt und ich habe mich für eine
Weile sehr auf Theater aus Ost- und Mitteleuropa spezialisiert.
Dann gründete ich ein Büro für Kulturmanagement und machte
für viele Jahre alles, was so anfiel und mir Spaß machte, Straßen­
theaterfestivals, Kulturprogramm für die Landesgartenschau,
Kabaretttage. Mit zwei Freunden veranstaltete ich die ersten
Sandskulpturenfestivals in Deutschland, vor gut 10 Jahren eine
große Sache mit über hunderttausend Besuchern pro Jahr. Parallel hatte etwa im Jahr 2000 mein Tanzleben begonnen, als ich
über Umwege einer der künstlerischen Leiter des TANZ Bremen
Festivals wurde. Ab dann hat mich Tanz wegen seiner ästhetischen Offenheit und Internationalität zunehmend fasziniert und
ich begann meine anderen Tätigkeiten sukzessive zurückzufahren.
Nach einigen Tanz- und Theaterfestivals, die ich für die Internationale Kulturfabrik Kampnagel Hamburg kuratiert habe, kam
ich 2006 mit dem designierten Generalintendanten des Oldenburgischen Staatstheaters, Markus Müller, ins Gespräch. Es war
2007 dann ein bis dahin für ein Staatstheater sehr unüblicher
und wohl auch mutiger Schritt, einen Tanzautodidakten einzuladen,
Tanzdirektor zu werden. Wir begannen von da an kontinuierlich
das aufzubauen, was wir seit 2014 in größerer Form am Staatstheater Mainz fortsetzen: Eine lebendige Tanzsparte mit einem
starken Ensemble, den Handschriften aufregender Choreographen und einem Festival, das Türen und Sinne öffnen soll. Und
Letzteres freue ich mich jetzt auch für dieses große Haus in
Ludwigshafen konzipieren zu dürfen...
Und nun noch eine persönliche Frage: Welches der eingeladenen Stücke ist Ihr Favorit?
Das lässt sich leicht beantworten: Alle :)
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OCD Love
der Schaffensprozess stark davon beeinflusst. Für gewöhnlich beginnt Eyal mit der Bewegung und überlässt es dem Fließen des Körpers, die Richtung für die Choreographie
vorzugeben. Im Falle von OCD Love ging sie von einem Bild oder einer Struktur aus, die
bereits in ihrem Kopf war.
„Zum ersten Mal waren die Umrisse des Kerns, aus dem später das Stück erwachsen
würde, schon in meiner Vorstellung vorgeformt, bevor wir überhaupt angefangen hatten
zu arbeiten. Ich wusste schon, wie es roch und wie es sich anfühlte. Wie das Ende der
Welt, ohne Gnade. Der Duft von Blumen, aber sehr stark. Als ob man in ein Loch fallen
und nie mehr zurückkommen würde. Sehr viel Krach, aber zur Ruhe entschlossen. Es ist
nicht so, dass ich etwas Trauriges machen will. Ich muss einfach etwas aus mir hervorholen,
so als hätte ich einen dunklen Stein in der Brust.“, erläutert Eyal.
Choreographie von Sharon Eyal und
Gai Behar
GROSSE BÜHNE
FR, 21.10.16, 19:30 Uhr, BR 1
SA, 22.10.16, 19:30 Uhr, TT
L-E-V Dance Company, Israel
Klangkünstler Ori Lichtik
Licht Thierry Dreyfus
Kostüme Odelia Arnold
Von Rebecca Hytting, Gon Biran, Sharon Eyal,
Gai Behar
Preise 46 € / 39 € / 32 € / 25 €
Dauer 55 Minuten
Bitte beachten Sie: Am Sa, 22.10., ist vor und nach
dieser Vorstellung MatchAtria von Yui Kawaguchi
und Yoshimasa Ishibashi zu sehen.
18:00 und 21:00 Uhr, Hinterbühne
D
Gefördert durch
26
er Titel OCD bezieht sich auf das gleichnamige Gedicht von Neil Hilborn. Als
Sharon Eyal darauf stieß, kam es ihr so vor, als habe sie einen Seelenfreund getroffen. In dem Gedicht, das in einem Stil abgefasst ist, als sei es für einen Poetry
Slam geschrieben worden, nimmt Hilborn die Perspektive eines Menschen ein, der an
einer obsessiven Zwangsstörung leidet, und führt vor Augen, wie sich eine solche Persönlichkeit auf eine Liebesbeziehung auswirkt. Er schildert das permanente Händewaschen,
das An- und Ausschalten von Licht und das gnadenlose Bedürfnis nach Vollkommenheit,
das zunächst einen Reiz ausübt, die Partnerin aber schließlich abstößt. „Nachts liegt sie
im Bett und beobachtet mich dabei, wie ich die Lichter ausschalte. Und an und aus und an
und aus und an und aus...“, schreibt Hilborn.
"Wenn mich Dinge nicht mehr loslassen, stelle ich mir zum Beispiel vor, wie mir Keime
unter die Haut kriechen, oder wie ich von einer endlosen Autoschlange zerquetscht
werde... Sie war das Erste, das schön war.“
Sharon Eyal fand Hilborns Text so stark, dass sie ihn gar nicht mehr weglegen konnte. Sie
sah darin eine bereits angelegte Choreographie. Sie betrachtete den Text als Gussform,
in den sie ihre Inspiration und sich selbst gießen konnte.
Sharon Eyal zählt zu den herausragenden Kreativen der israelischen Tanzszene. Über zwei
Dekaden galt sie geradezu als Aushängeschild der Batsheva Dance Company, zunächst
als Tänzerin, später als Hauschoreographin. Zusammen mit Gai Behar führte sie eine vollkommen neue Ästhetik ein, die von Nachtleben, Dunkelheit und Sinnlichkeit zehrte.
Verstärkt wurde diese Ästhetik durch die Musik Ori Lichtiks. Im Jahre 2013 beschlossen
Eyal und Behar, die Komfortzone bei Batsheva zu verlassen und ihre eigene Company zu
gründen. Ohne an einen bestimmten Ort oder auch an ein Land gebunden zu sein, stellt
L-E-V im Bereich des Tanzes ein neues Modell dar. Mit seinen sechs internationalen
Tänzern bereist L-E-V den Globus und probt in Studios von Schweden bis Tel Aviv für
Auftritte weltweit. Zu früheren Werken für L-E-V gehören House für die Batsheva Dance
Company, Killer Pig für Carte Blanche in Norwegen und L-E-V Night Show. Letztere lädt
das Publikum dazu ein, Tanz in ungewohnter Umgebung zu erleben: in einem Nachtclub.
Mit OCD Love setzen Eyal und Behar ihre dunkle Reise fort, gesäumt von Leidenschaft,
Verzweiflung und Techno-Beats. Indem sie Hilborns Text als Grundlage benutzten, war
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Späte Nachbarn
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Späte Nachbarn
Aterballetto
Reggio Emilia
Zwei Séancen von Alvis Hermanis nach
Geschichten von Isaac B. Singer
GROSSE BÜHNE
GROSSE BÜHNE
SA, 29.10.16, 19:30 Uhr, BR 2, PAS,
WA
MI, 26.10.16, 19:30 Uhr, S 2, TG 5, TG 6
DO, 27.10.16, 14:30 Uhr, SEN 1
Nachgespräch MI, 26.10.16
im Anschluss an die Vorstellung
Gläsernes Foyer
„Die meisten meiner Arbeiten spielen in privaten Räumen – Wohnungen, Zimmern,
Häusern, mit all den kleinen Details und Gegenständen, Gerüchen und Atmosphären, die für gewöhnlich zu intim sind, um sie Fremden zu zeigen. Und nur im Schutz
dieser begrenzten Räume trauen wir uns, wir selbst zu sein. Von dem Moment an, wo
wir unsere Wohnungen verlassen, sind wir nicht mehr ehrlich. Unsere ‚geheimen Engel‘
gehen nicht nach draußen. Unsere ‚geheimen Dämonen‘ auch nicht. Sie sind lebenslänglich in unserem Zuhause gefangen.“ Alvis Hermanis
E
Gefördert durch
in Appartement in einer seltsam trostlosen Wohnanlage in Florida und eine mit
indischen Devotionalien überladene New Yorker Hippie-Wohnung, entworfen von
Bühnenbildnerin Monika Pormale, bilden im zitierten Sinne des lettischen Theater­
machers Alvis Hermanis den jeweils intimen Rahmen zweier Episoden, in denen sich
Barbara Nüsse und André Jung als schräge Paare begegnen. Die Figuren, die sie verkörpern, sind den Geschichten des jüdischen Nobelpreisträgers Isaac B. Singer entstiegen.
Wie Singer, der 1935 von Warschau nach New York emigrierte, sind die Juden, denen sein
Augenmerk gilt, aus Ost-Europa in die Vereinigten Staaten geflohen, ohne jedoch in
Amerika jemals ganz und gar anzukommen. Sie mussten ihre Wurzeln ausreißen, sich
zwangsweise verpflanzen und blieben so Fremde in einem unbekannten Land.
Der in den 30er Jahren von der Alten in die Neue Welt immigrierte Harry ist mit Immobilien zu Geld gekommen, doch glücklich hat es ihn nicht gemacht. Einsam ringt er in seinem
Appartement in Miami Beach mit Schlaflosigkeit und anderen körperlichen Bedürfnissen,
bis eines Tages seine neue, schrill herausgeputzte Nachbarin vor der Tür steht und in dem
innerlich Erstarrten schlummernde Leidenschaften wieder erweckt.
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Inszenierung Alvis Hermanis
Dramaturgie Julia Lochte
Darsteller André Jung, Barbara Nüsse
Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
SEN 1 Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
Dauer 3 Stunden 15 Minuten
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Alte Nachbarn dagegen sind Dr. Kalischer und Mrs. Kopitzki, zwei in die Jahre gekommene
jüdische Einwanderer in New York. Mrs. Kopitzki, die als Nebenverdienst telepathische
Séancen abhält, bietet ihrem in der Vergangenheit lebenden Nachbarn Trost: Gastfreundlich und selbstlos serviert sie ihm nicht nur ein Abendbrot, sondern schenkt ihm
außerdem die Illusion einer telepathischen Wiederbegegnung mit seiner im alten Europa,
in Krieg und Holocaust zurückgebliebenen Geliebten.
Barbara Nüsse und André Jung verleihen den beiden unterschiedlichen Paaren tragische
Größe und Würde und lassen die Aufführung, die von den Münchner Kammerspielen ans
Thalia Theater übernommen wurde, zu einer Sternstunde des Theaters werden.
E
s ist vollendet, es ist perfekt, es ist atemberaubend“, hieß es angesichts eines
Auftritts von Aterballetto in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. 1979 gegründet, entwickelte sich Aterballetto rasch zu einem Tanzensemble von Weltklasse, wie es in Italien kein zweites gibt. Zunächst eher klassisch orientiert, steht
Aterballetto heute für moderne Choreographien von bewegender Intensität, Leichtigkeit, Sinnlichkeit und Witz. Bei ihrem einmaligen Gastspiel im Rahmen der Herbstfestspiele präsentiert Aterballetto die Werke dreier Choreographen, die der Compagnie
seit langem eng verbunden sind.
Ausgangspunkt von Michele di Stefanos Stück Upper Eastside ist der Vergleich der choreographischen Struktur mit einem mathematischen System, das es den Tänzern erst
möglich macht, die vermeintlich willkürlichen Bewegungsabläufe wieder abzurufen und
zu reproduzieren. Wie in einer Art Grammatik beginnt die physische Information zu
zirkulieren und im Raum eine Linguistik zu entfalten. Einzelne Sequenzen kristallisieren
sich heraus, denen die Tänzer Leben einhauchen. Durch die Dynamik der Körper entsteht eine Architektur des Tanzes, ganze Landschaften werden sichtbar.
In seinem kurzen Stück #Hybrid kombiniert Philippe Kratz zwei unterschiedliche (Tanz-)
Stile miteinander: Spitzentanz trifft auf Street Dance, melodische Akkordfolgen werden
in einem Mix afro-amerikanischer Musik von Romare in Variationen wieder aufgegriffen.
In der Verknüpfung durchbrechen zwei als gegensätzlich empfundene Stilrichtungen
ihre Grenzen und erschaffen ein reizvolles neues Mosaik.
Giuseppe Spota hat sich in seiner Choreographie Lego vom Leben in der Großstadt inspirieren lassen. Indem wir Straßen und Brücken überqueren, führt uns der Weg zu
Freunden, Familie, der Liebe. Um zum Ziel zu gelangen, ist es unvermeidbar zu laufen,
doch manchmal verirren wir uns auch, denn eine Stadt ist nicht perfekt. Straßen können
gesperrt sein und verhindern, dass wir unsere Verabredungen einhalten. Die Menschen
reagieren dabei sehr verschieden auf solche Hindernisse: manche kehren um und gehen
zu ihrem Ausgangspunkt zurück, manche geben auf und andere lassen sich auf das
Abenteuer ein, unbekannte Wege zu gehen und am Ende doch noch anzukommen.
Gefördert durch
Upper Eastside (DE)
Choreographie Michele di Stefano
Musik Lorenzo Bianchi Hoesch
#Hybrid (DE)
Choreographie Philippe Kratz
Musik Romare
Lego
Choreographie, Bühne und Kostüme Giuseppe Spota
Musik Ezio Bosso, A Filetta, Jóhann Jóhannsson,
Ólafur Arnalds/Nils Frahm
Preis 46 € / 39 € / 32 € / 25 €
Dauer 1 Stunde 35 Minuten
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DAS THALIA
THEATER
HAMBURG
D
as Hamburger Thalia Theater, eine der ältesten Schauspielbühnen Deutschlands, liegt inmitten von Wohn- und Geschäftshäusern im Herzen der Stadt an
der Alster. Gegründet wurde es 1843 von Cheri Maurice, 1912 erhielt es seinen
heutigen Standort. Nach der weitgehenden Zerstörung im Jahr 1943 wurde es restauriert und im Dezember 1960 wiedereröffnet. Schon immer stand das Haus für großes
Schauspiel und virtuose Darsteller. Unter der Intendanz von Boy Gobert ab 1969 wird
es auch zu einem Markenzeichen für zeitgenössisches Regietheater mit Namen wie
Peter Zadek, Hans Neuenfels und Jürgen Flimm. 1972 eröffnet Gobert als Experimentierstätte eine Studiobühne in der Kunsthalle. 1980 bis 1985 leitet der vom Ensemble
gewählte Peter Striebeck das Theater, abgelöst wird er dann von Jürgen Flimm.
Hatte das Thalia bis dahin das Image des eher bürgerlichen Theaters, begibt sich Flimm
mit Regisseuren wie Jürgen Gosch, Alexander Lang, Ruth Berghaus, Thomas Langhoff,
George Tabori in eine modernere Richtung. Die Musicals von Robert Wilson (zusammen
mit Tom Waits und Lou Reed) sind Legende und gehen weltweit auf Tournee – auch in
Ludwigshafen werden sie gezeigt. Das Theater wird mehrmals zum Berliner Theatertreffen eingeladen und zum Theater des Jahres gewählt. „Nebenbei“ wird das Thalia
Theater das wirtschaftlich erfolgreichste Sprechtheater Deutschlands. Nach Jürgen
Flimm übernimmt Ulrich Khuon das Haus und eröffnet in seiner ersten Spielzeit das
„Thalia in der Gaußstraße“. Er setzt ebenfalls auf starke Regiehandschriften (Andreas
Kriegenburg, Stephan Kimmig, Michael Thalheimer, Armin Petras) und verstärkt auf
Uraufführungen. Tilman Gersch inszeniert in der Auftaktspielzeit Wedekinds Frühlings
Erwachen, die erfolgreiche Arbeit läuft vier Jahre lang meist vor ausverkauftem Haus.
Mit den Autorentheatertagen wird der schreibende Nachwuchs gefördert, und in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung entsteht mit dem Körber Studio Junge Regie eine
Bühne für junge Regisseure. Das Theater wird regelmäßig zum Theatertreffen eingeladen
und zum Theater des Jahres gekürt.
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Seit Sommer 2009 ist Joachim Lux Intendant des Thalia Theaters.
Bereits in seiner ersten Spielzeit konnte er starke Regisseure an
das Haus binden: Luk Perceval als leitenden Regisseur, Nicolas
Stemann, Jan Bosse, Dimiter Gotscheff sind nur einige Namen.
Lux setzt sich verstärkt für die Verständigung zwischen den Kulturen, gesellschaftlichen Schichten und Religionen ein. Dafür
steht auch das interkulturelle Festival „Um alles in der Welt –
Lessingtage“, das seit 2010 zwischen Ende Januar und Anfang
Februar, ausgehend von Lessings aufklärerischen Gedanken, am
Thalia Theater mit renommierten internationalen Gastspielen
stattfindet. Ein Schwerpunkt des Spielplans ist die Pflege von Gegenwartsautoren wie Elfriede Jelinek, deren Stücke unter anderem
von Nicolas Stemann uraufgeführt werden. Viele internationale
Gastspieleinladungen – u.a. nach Russland, China, Bogotá und
in die europäischen Länder – sowie zahlreiche Auszeichnungen
für Schauspieler, Inszenierungen, Regisseure und Bühnenbildner
bestätigen die kontinuierliche Arbeit des Thalia Theaters und
seiner Mitarbeiter. Joachim Lux publiziert regelmäßig. Für dieses
Magazin beantwortete er uns einige Fragen.
In einer Werkschau stellt sich bei den Festspielen
Ludwigshafen 2016 das traditionsreiche Thalia
Theater Hamburg vor. Insgesamt sechs Produktionen zeigen einen Querschnitt der vielfältigen
Regiehandschriften des Hauses und bringen eine
Reihe hervorragender Schauspielerinnen und
Schauspieler nach Ludwigshafen.
Sie eröffnen die Spielzeit 2016/17 u.a. mit einem neuen Stück
von Elfriede Jelinek. WUT ist der Versuch, einem Gefühl auf
die Spur zu kommen, das mehr und mehr unsere Öffentlichkeit
beherrscht und sich in verbaler oder auch physischer Gewalt Platz
schafft. Was macht die Menschen wütend? Worüber könnten Sie
sich zur Zeit besonders ärgern?
Wut und Angst sind zwei komplementäre Zustände. Wut
entsteht aus Angst. Wenn es nicht so traurig und gefährlich wäre,
wäre es ein Witz: erstmals überhaupt gibt es eine tief in den Bevölkerungen verankerte europäische Bewegung: sie ist nur leider
anti-europäisch. Eine Internationale des Nationalismus! Eine
europäische Allianz der Europagegner! Europa hat sich für viele
zur abstrakten Negativ-Projektionsfläche für alle Todsünden
und Plagen entwickelt. Das Phänomen hat uns alle überrascht,
erstaunen allerdings tut es mich nicht. Erstaunlich – und deutlicher – ärgerlich ist, mit welcher Naturreflexivität die Menschen
die nationale Karte ziehen und Politikern vertrauen, die auf
äußerst durchsichtige Weise verantwortungslose Hasardeure
sind. Das ärgert mich gewaltig.
bieten Versammlungsmöglichkeiten, Hilfestellung bei Ämtergängen, Sprachunterricht etc.
Abgesehen davon lebt das Theater davon, sich in den Anderen
hinein zu versetzen und immer neugierig auf den Anderen, auch
auf den ganz Anderen zu sein. Er ist nicht Bedrohung, sondern
Bereicherung.
Das Thalia Theater Hamburg ist viel in der Welt unterwegs –
Gastspiele führten sogar bis nach Russland und nach China.
Was treibt Sie immer wieder in die Ferne?
Die Gastspiele in Beijing, Shanghai oder Tianjin, in
Sydney, St. Petersburg, Moskau oder Bogotá, von den vielen
europäischen Gastspielen in Avignon, Edinburgh oder anderswo
ganz zu schweigen, sind eine unendliche Bereicherung. Wir sind
stolz und glücklich, dass wir all diese Erfahrungen machen dürfen.
Sie verändern auch den Blick auf zu Hause und relativieren die
eigene Engstirnigkeit.
Seit sieben Jahren sind Sie Intendant am Thalia Theater. Bei einer
Ehe spricht man vom verflixten siebten Jahr, das es zu überstehen gilt. Wie geht es Ihnen in Ihrer Ehe mit dem Hamburger
Publikum?
Naja, also verheiratet bin ich mit meiner Frau. Das Publikum ist unser stetiger Begleiter, mal kritischer, mal freudvoller,
offenbar eher selten gelangweilt. Im Durchschnitt haben wir
270–280.000 Zuschauer – mit Abstand mehr als jede andere
Schauspielbühne in Deutschland, in Spitzenzeiten sogar deutlich
über 300.000 Zuschauer. Aber genauso wichtig wie Quantitäten
ist die Qualität der Beziehung. Ich habe den Eindruck, dass wir
uns aneinander entwickeln. Und solange das fern von Routine so
ist, ist alles gut.
In einem Vortrag, nachzulesen auf der Homepage Ihres Hauses,
bezeichnen Sie das Theater als Sinnstiftungsorgan. Wo finden
Sie Ihren ganz persönlichen Sinn in dieser Kunst?
Ich hoffe, dass die Kunst, dass das Theater mir hilft, meine
Poren zu öffnen. Für geglückte Augenblicke jenseits des Alltags.
Gegenwelten mit Möglichkeitssinn.
Im Herbst 2015 haben Sie und Ihre Mitarbeiter in der Flüchtlingsdebatte eindeutig Stellung bezogen und Flüchtlingen auf
verschiedenste Weise Hilfe angeboten. Was war das Motiv für
dieses Engagement? Was kann das Theater von den Geflüchteten
lernen?
Es ist eine humanitäre Selbstverständlichkeit, Notleidenden
und Flüchtlingen zu helfen. Wir unterstützen die Flüchtlinge in
unserem internationalen Café „Embassy of hope“ imme noch,
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Die Tragödie von
Romeo und Julia
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Von William Shakespeare
GROSSE BÜHNE
„Wenn zehn Romeos an der Rampe stehen und brachial laut auf E-Gitarren spielen,
bringt einem das mehr über Shakespeare bei als zehn andere Aufführungen.“ FAZ
DI, 01.11.16, 19:30 Uhr, S 1
MI, 02.11.16, 19:30 Uhr, AL 1, JA
Jette Steckel ist ein Theaterkind. Als Tochter
einer Bühnenbildnerin und eines renommierten
Regisseurs und Shakespeare-Übersetzers ist ihr
das Talent in die Wiege gelegt. Direkt nach der
Schule begann sie mit Hospitanzen und Assistenzen
an der Schaubühne Berlin, am Burgtheater Wien
und am Hamburger Thalia Theater. Noch vor
Beginn ihres Regiestudiums in Hamburg inszenierte sie erstmals am Schauspielhaus Bochum,
und schon vor ihrem Abschluss wurde sie mit
einer Arbeit zum Mülheimer Stückemarkt eingeladen. Seither inszeniert sie regelmäßig in Hamburg,
Berlin, Köln und Wien. In einem Porträt des
Goethe-Instituts bescheinigt ihr der Kritiker Till
Briegleb ein „Verständnis von Realismus als
Kunst, das mehr psychologisch als emotional
agiert, mehr an Begründungen interessiert ist
denn an Assoziationen“.
Inszenierung Jette Steckel
Musik Anja Plaschg (Soap&Skin),
Anton Spielmann (1000 Robota)
Bühne Florian Lösche
Kostüme Pauline Hüners
Choreographie Dorothea Ratzel
Dramaturgie Carl Hegemann
Mit Birte Schnöink, Anja Plaschg, Mirco Kreibich,
Anton Spielmann, Karin Neuhäuser,
Stephan Bissmeier, Julian Greis, Pascal Houdus,
Matthias Leja, Oda Thormeyer, Rafael Stachowiak,
Sven Schelker sowie ca. 40 Jugendlichen aus
Hamburg
Preise 40 € / 34 € / 28 € /22 €
Dauer 3 Stunden 30 Minuten
S
Gefördert durch
34
hakespeares Tragödie von Romeo und Julia ist zeitlos. Nicht nur, weil darin die Liebe
in ihrer größten Absolutheit beschworen wird; die fatale und tödliche Feindschaft
zweier Familien in einer Stadt bleibt ein immer aktuelles Sujet und ist oft politisch
gedeutet worden. Die Regisseurin Jette Steckel konzentriert sich auf das Liebesthema,
und für sie ist es das Drama zweier Pubertierender an der Grenze zwischen Kindheit und
Erwachsenwerden. Birte Schnöink und Mirco Kreibich spielen zwei Jugendliche, die wie
berauscht sind voneinander und überwältigt von den Gefühlen, die sie zum ersten Mal
erleben und in ihrer ganzen, letztlich tödlichen Konsequenz auskosten.
Erste Liebe ist ohne den passenden Sound kaum denkbar, darum gibt Jette Steckel der
Musik einen wichtigen Part. Mit Anja Plaschg, in der Gothic-Szene berühmt als Soap &
Skin, und Anton Spielmann von der Band 1000 Robota stehen zwei Ikonen der heutigen
Popkultur auf der Bühne und kommen besonders da zum Zuge, wo die Sprache ihre
Grenzen hat. Sie doppeln das Liebespaar, begleiten ihr Pendant durch die Höhen und
Tiefen des Gefühlslebens und erzählen parallel ihre ganz eigene Geschichte. Und dann
sind da noch die vierzig Jugendlichen aus Hamburg, die ebenfalls als Verstärker und Echo
des Paars die Geschichte im Hier und Jetzt verorten. Es ist immer eine Gratwanderung,
von großen Gefühlen zu erzählen. Jette Steckel schreckt davor nicht zurück, und glücklicherweise ist es ihr auch nicht peinlich, die Insignien und Codes der Jugendkultur zu
nutzen. So gelingt ihr eine glaubhafte und ausgesprochen unterhaltende Inszenierung,
die Menschen jeden Alters ins Herz trifft, sofern ihre Erinnerung an die Entgrenztheit
und das Chaos jugendlicher Gefühlswelten noch nicht ganz erloschen ist. Für ihre überzeugende Regiearbeit wurde sie mit dem Preis DER FAUST 2015 ausgezeichnet.
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Die Dreigroschenoper
Von Bertolt Brecht
Musik von Kurt Weill
GROSSE BÜHNE
SA, 05.11.16, 19:30 Uhr, AL 2
SO, 06.11.16, 19:30 Uhr, TG 1, TG 4, WA
Nachgespräch SA, 05.11.16
im Anschluss an die Vorstellung
Gläsernes Foyer
Gefördert durch
D
er Clou kommt gleich am Anfang: wer bei Antú Romero Nunes‘ umwerfend
anderer Inszenierung der Dreigroschenoper mit üppigen Kulissen und Kostümen
gerechnet hat, sieht sich erst einmal enttäuscht. Wenn sich der Vorhang hebt,
meint man, dem Autor leibhaftig zu begegnen. Alle Darsteller ähneln dem großen
Brecht in seiner typischen Montur mit Blaumann, Schiebermütze, Meckie-Schnitt,
Nickelbrille und natürlich der unvermeidlichen Zigarre. „Es muss etwas Neues geschehen!“ lautet der erste Satz des Werkes, und wahrhaftig sehen die Zuschauer das altbekannte Werk auf ganz neue Art und dennoch irgendwie vertraut.
Der Kampf zwischen dem Bettlerkönig Peachum und dem Verbrecherkönig Mackie
Messer um die Macht und um die Zuneigung der Frauen, in dem Brecht die Grundzüge
des Raubtierkapitalismus unterhaltsam darlegt, wird hier zum ironisch unterlegten
Kampf um die richtige Brecht-Auslegung erweitert. Das fulminante Ensemble des Thalia
Theaters Hamburg schlüpft mit Verve und einer großen Portion Komödiantik in die
verschiedenen Rollen und gibt dabei ganz nebenbei einen unterhaltsamen Einführungskurs in den Brecht’schen Verfremdungseffekt: da werden Kulissen gespielt, Regieanweisungen zitiert, immer wieder wird gezeigt, mit welchen Mitteln man Effekte
erzielt, und dabei wiederholen die Darsteller auch mal gekonnt eine Szene. Angereichert ist das Ganze mit Slapstick, grellen Kabarettnummern und mitreißenden Juxszenen,
dargeboten mit überbordender Spielfreude. „Langsam begreifen wir, dass der V-Effekt
kein Energiegetränk ist“ – das ungezwungene Spiel mit der Verfremdung verhilft dem
Stück zu neuer Blüte, ohne den pädagogischen Zeigefinger zu erheben. Ob Victoria
Trauttmansdorff als zänkische Mrs. Peachum, Jörg Pohl als herrlich zynischer Peachum
oder der larmoyante Macho Mackie Messer – die Schauspieler werfen sich mit Begeisterung in das doppelbödige Spiel und bieten eine hinreißend alberne, witzige Neuinterpretation des Brecht-Klassikers.
Dabei kommt auch die Musik ausgiebig zu ihrem Recht: Unterstützt von der herausragenden Band unter der Leitung von Schlagzeugerin Carolina Bigge werden die Songs
bravourös dargeboten. Zeitlos frisch kommen die berühmten Lieder über die Rampe,
balladesk oder kämpferisch, und dazu tanzt das Ensemble Tango oder Charleston. Dass
am Schluss der rettende reitende Bote im historischen Kostüm auch noch auf einem
echten Gaul dahergeritten kommt, ist dann nur noch das I-Tüpfelchen einer gelungenen
Inszenierung voller Doppelbödigkeit.
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Werkschau Thalia Theater Hamburg
Inszenierung Antú Romero Nunes
Musikalische Leitung Johannes Hofmann
Bühne Florian Lösche
Kostüme Viktoria Behr
Mit Sven Schelker, Jörg Pohl, Victoria Trauttmansdorff, Katharina Maria Schubert, Thomas Niehaus,
Lisa Schmalz, Franziska Hartmann, Paul Schröder
Musiker Carolina Bigge, Anna Katharina Bauer,
Eva Barta, Natascha Protze, Jonathan Krause,
Chris Lüers, Anita Wälti, Kerstin Sund
Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
Dauer 3 Stunden 10 Minuten
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Fla.co.men
Tortoise
Israel Galván im Konzert mit Davis
Lagos, Tomas de Perrate, Eloisa Canton,
Caracafe und Proyecto Lorca
Konzert
GLÄSERNES FOYER
MI, 09.11.16, 20:00 Uhr
GROSSE BÜHNE
DI, 08.11.16, 19:30 Uhr, TG 2, TG 3, WA
Gefördert durch
E
Israel Galván in concert
A Negro Producciones in Koproduktion
mit Théâtre de la Ville de Paris und
Théâtre de Nîmes, Spanien
Sevillanas
Inszenierung, Choreographie, Tanz Israel Galván
Alegrias
Künstlerische Leitung, Choreographie Pedro G.
Romero
Inszenierung, Choreographie Patricia Caballero
Kostüme Concha Rodriguez
Licht Ruben Camacho
Preise 35 € / 30 € / 25 € / 20 €
Dauer 1 Stunde 30 Minuten
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s kann fast ein wenig einschüchternd sein, sich mit der künstlerischen Persönlichkeit von Israel Galván zu beschäftigen. Kaum jemand würde es wagen, ihm
Genialität abzusprechen, auch wenn einige seiner Werke insbesondere für eingefleischte Flamenco-Anhänger kantig erscheinen. In der Art und Weise, wie er Dinge
zum Ausdruck bringt, ist er absolut bedingungslos und ihm ist jedes Mittel recht, nichts
ist ihm heilig. Manche seiner Werke sind obskur und verlangsamt, weisen kaum noch
Bezugspunkte zum Flamenco auf und sind intellektuell sehr anspruchsvoll. Anders bei
Fla.co.men. Hierfür hat der Avantgarde-Tänzer jeglichen düsteren Konzeptualismus über
Bord geworfen, der gelegentlich frühere Werke überschattet hat, ohne dabei in Trivialität oder reine Unterhaltung abzurutschen. Fla.co.men ist eine herrlich vergnügliche Aufführung, die ihren Erfolg gerade auch den eingestreuten witzigen Details verdankt. Israel
Galván fordert uns darin auf, nicht alles so ernst zu nehmen.
Vor einigen Jahren warf Paco de Lucía folgende Frage auf: „Warum sollten wir nur zehn
Worte verwenden, wenn uns doch tausende zur Verfügung stehen?“ Israel Galváns
Philosophie könnte nicht besser auf den Punkt gebracht werden als durch diese Aussage.
Die Erweiterung eines Vokabulars sollte aber auch die Verantwortung für einen respektvollen Umgang mit sich bringen. Im Falle von Fla.co.men respektiert der Tänzer den
Rahmen, den die Formen des Flamenco ihm vorgeben.
Die Pseudo-Sevillanas und -Seguidillas entfalten einen exklusiv maskulinen Charme
auf der Bühne, ebenso wie die Anspielung auf das Corps de Ballet aus Schwanensee das
Publikum erheitert, wenn die Tänzer auf wippenden Zehen die Szenerie wieder verlassen.
Zugunsten dieser neuen galvanischen Momente trennt er sich gerne von früheren charakteristischen Bewegungen wie von alten Gewohnheiten, die seine Kreativität nur
hemmen würden.
Als Leitmotiv fungiert eine der schönsten und geheimnisvollsten Liedzeilen im Flamenco:
„Fui piedra y perdé mi centro“ / „Ich war ein Stein und verlor mein Zentrum“, die an
diesem Abend auf immer wieder neue Weise wiederholt wird.
S
ie haben in den Neunzigern den Postrock miterfunden und danach nie aufgehört,
aufregende, gensprengende Musik zu machen“, schreibt der „Spiegel“ zum Wirken
der Instrumentalband Tortoise aus Chicago. Tortoise besteht aus den Multi­
instrumentalisten Dan Bitney, John Herndon, Doug McCombs, John McEntire und
Jeff Parker, die seit 25 Jahren zusammen als eine der ersten amerikanischen IndieRock-Bands Krautrock, Dub, Minimalismus, elektronische Musik und Jazzelemente in
ihre Musik einbringen. Typisch für den Klang der Gruppe ist der oft collagenartige
Umgang mit verschiedenen stilistischen Elementen und deren Verfremdung im Studio.
Die fast vollständig instrumentale Musik von Tortoise entzieht sich daher aufgrund
ihrer vielfältigen Einflüsse einer einfachen Kategorisierung.
The Catastrophist, das aktuelle Studioalbum, ist ein Album, das von launischen Synthie-­
Jams geprägt wird und dabei alles zu bieten hat, was das Tortoise-Universum so hergibt.
Die Songs entstanden, als die Band von der Stadt Chicago, eine der Jazz-Hauptstädte
weltweit, beauftragt wurde, über die lokale Jazz- und Impro-Musikszene zu schreiben.
Mit The Catastrophist zeigt sich die Band auf der Höhe ihres Schaffens. Angefangen bei
dem namensgebenden Track über hypnotische, von Bass und Beat gesteuerten Songs
wie Shake Hands With Danger bis hin zu einem Cover von David Essex‘ Radiohit Rock on.
In der taz schrieb Jens Uthoff über den schon Wochen im Voraus ausverkauften sensationellen Auftritt von Tortoise im Berliner Berghain: „Die Besucher, die gegen Ende laut
‚We love you, Tortoise‘ brüllen, kann man gut verstehen.“ Und selbst nach zahlreichen internationalen Auftritten ist die Schildkröte auf ihrem Weg noch lange nicht am Ende…
Gefördert durch
Einheitspreis 24 €
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Philipp Hochmair lebt seinen Beruf mit absoluter
Hingabe. Das feste Engagement am Thalia Theater
in Hamburg hat er irgendwann aufgegeben, zugunsten größtmöglicher Flexibilität. Jetzt ist er vor allem
unterwegs, mit einer One-Man-Show von Goethes
Werther, als zwielichtiger Minister Schnitzler in der
Erfolgsserie Die Vorstadtweiber und vielen weiteren
Rollen im Film und auf der Bühne
Sebastian Rudolph kommt aus einer bekannten
Theaterfamilie. Längst ist er in die Fußstapfen der
Eltern getreten, gehört nach Engagements u.a. an
der Schaubühne Berlin, an der Volksbühne Berlin,
am Berliner Ensemble und Schauspielhaus Zürich
zum festen Ensemble des Thalia Theaters Hamburg.
Für seine Darstellung in Faust I+II wurde er 2012
von der Zeitschrift Theater heute zum Schauspieler
des Jahres gewählt.
Faust I
Von Johann Wolfgang von Goethe
GROSSE BÜHNE
DO, 10.11.16, 19:30 Uhr, S2, JA
Exklusive Einführung für die
Pfalzbau Freunde
19:00 Uhr, Gläsernes Foyer
Gefördert durch
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Inszenierung Nicolas Stemann
Bühne Thomas Dreißigacker, Nicolas Stemann
Kostüme Marysol del Castillo
Musik Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Video Claudia Lehmann, Eike Zuleeg
Musiker Burkhard Niggemeier, Sebastian Vogel,
Sven Kaiser, Thomas Kürstner
Dramaturgie Benjamin von Blomberg
Mit Philipp Hochmair, Sebastian Rudolph, Patrycia
Ziolkowska, Friederike Harmsen (Gesang), Andy
Zondag (Tanz)
Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
Dauer 3 Stunden
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D
en ganzen Faust in einem Stück zu inszenieren, ist eine Mammutaufgabe.
Nicolas Stemann, der sich in den letzten Jahren als Uraufführungsregisseur
der Textflächen von Elfriede Jelinek einen Namen gemacht hat, nahm die
Herausforderung an, Faust I+II auf die Bühne zu bringen – in viereinhalb Monaten
Probenarbeit und mit einer erstaunlich kleinen Besetzung.
Patrycia Zyolkowska besuchte bereits mit 17 Jahren
die Westfälische Schauspielschule in Bochum.
Engagements führten sie ans Schauspiel Bonn,
ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg und an die
Volksbühne Berlin. Seit 2009 ist sie festes
Ensemble­mitglied am Thalia Theater und wurde für
ihre herausragende darstellerische Leistung bei
Faust I+II mit dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet.
Das sprachmächtige, ausufernde Drama, an dem der Dichter sein ganzes Leben arbeitete,
liest Stemann als inneren Monolog, als Bewusstseinsstrom eines einzigen Individuums,
das, an der Schwelle zur Moderne stehend, mit seinem Drang nach Fortschritt und
Selbstbestimmung ringt. Er betont die Ambivalenz dieser Figur, die große Schuld auf
sich lädt und die Konsequenzen ihres Handelns nur zu gern verdrängt. Die Widersprüchlichkeit der Standpunkte, der Streit zwischen dem Menschlichen und dem Diabolischen, die reine Liebe und der jede Verantwortung von sich weisende Egoismus – all
das sind in dieser Inszenierung Facetten eines Menschen, der versucht, mit sich selbst
ins Reine zu kommen.
Den komplexen Texten und Szenen Goethes begegnet Nicolas Stemann mit Purismus.
Für Faust I braucht er nur zwei Darsteller und eine Darstellerin. Jeder trägt einen Teil
des Stücks allein, in allen Rollen, erst nach zwei Stunden findet ein erster Dialog statt.
Eine treffendere Umsetzung für das Drama eines Menschen, der nicht nur in seiner
engen Studierstube, der vor allem in sich selbst gefangen ist, ist kaum denkbar. Im Rahmen
der Werkschau reist Faust I nach Ludwigshafen – großes Schauspielertheater, das sich
voll und ganz auf Goethes Dichtung konzentriert. Für Sebastian Rudolph, Philipp
Hochmair und Patrycia Ziolkowska war es denn auch die größte Aufgabe, den Text von
aller Routine zu befreien und jenseits des bloßen Zitats neu hörbar zu machen. Faust I + II
wurde mit einer Einladung zum Berliner Theatertreffen 2012 geehrt.
„Und so wird Faust I zu einem inhaltlich wie atmosphärisch sehr dichten,
zunehmend berührenden Texttheater, in dem drei (auch sprachlich) grandiose Schauspieler zu bestaunen sind.“ Süddeutsche Zeitung
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John Gabriel Borkman
Aus der Pfalz sind Sie an die Schauspielschule nach Hannover gegangen – in
den Norden, wo die Menschen bekanntlich anders ticken. Brauchten Sie interkulturelle Kompetenz, um dort leben zu können?
Von Henrik Ibsen
GROSSE BÜHNE
SA, 12.11.16, 19:30 Uhr, S 1
SO, 13.11.16, 19:30 Uhr, TG 5, TG 6
Während der Schauspielschulzeit ist man bis zum Verrücktwerden mit sich und den anderen Studenten beschäftigt, und die kamen von überallher. Der Pfälzer trägt das Herz
auf der Zunge, der Hannoveraner ist zurückhaltender, das ist mir schon aufgefallen.
In einem Gespräch anlässlich der Einladung zum Berliner Theatertreffen berichten Sie, dass außergewöhnlich lange an der Textfassung gearbeitet und vergleichsweise wenig geprobt wurde. Ist das eine charakteristische Arbeitsweise
von Simon Stone? Wie haben Sie die Proben erlebt?
Die Textfassung entstand während der Probenzeit bis zum Premierentag. Wir Schauspieler waren in den Prozess stark eingebunden, so dass man sich mit den Kollegen, dem
Stück, der Rolle permanent auseinandersetzt. Deshalb kann man Proben und Arbeit an
der Fassung gar nicht trennen. Wenn die Dinge im Kopf und im Herzen klar sind, muss
man nicht viel proben.
Nachgespräch SA, 12.11.16
im Anschluss an die Vorstellung
Gläsernes Foyer
Der 32-jährige Simon Stone gilt als außergewöhn­
liches Regietalent und ist für konsequente
Klassiker-­Überschreibungen bekannt. Durch seinen
unkonventionellen Umgang mit überlieferten
Texten schafft er es, klassische Dramen mit großer
Plausibilität in einen heutigen Kontext zu setzen.
Seine Inszenierung Thyestes sorgte 2014 beim
Festival Theater der Welt in Mannheim für Furore.
Simon Stone ist seit der Spielzeit 2015/16 Hausregisseur am Theater Basel. In der Kritikerumfrage
der Zeitschrift Theater heute wurde er zum Regisseur des Jahres ernannt.
John Gabriel Borkman wurde in Theater heute soeben
zur Inszenierung des Jahres gekürt, Caroline Peters
für ihre Darstellung der Ella Rentheim in diesem
Stück als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet.
Martin Wuttke schaffte es mit seiner Interpretation der Hauptrolle auf den zweiten Platz als Schauspieler des Jahres.
M
it Martin Wuttke in der Titelrolle inszeniert Simon Stone John Gabriel Borkman
als hochaktuellen und sehr modernen Kommentar zu unserer Gegenwart, als
schonungslosen Blick auf eine Familie der bürgerlichen Elite, die jegliche
Moral und Haltung über Bord wirft. Seine scharfe, heutige und außergewöhnliche Sicht
auf das 120 Jahre alte Stück wurde mit einer Einladung zum Berliner Theatertreffen 2016
belohnt. Zu Stones Ensemble gehört auch ein Kind dieser Stadt. Nicola Kirsch ist in
Ludwigshafen geboren und aufgewachsen. Sie ist Schauspielerin geworden und, nach
ihrer Ausbildung in Hannover und Engagements u.a. am Burgtheater Wien und am
Schauspielhaus Wien, seit einem Jahr am Theater Basel engagiert. Von dort aus gab sie
uns bereitwillig Auskunft.
Sie haben einen guten Teil Ihres Lebens in Ludwigshafen verbracht. Wo sind
die Stätten Ihrer Kindheit? Und wie ist Ihr Verhältnis zu dieser Stadt heute?
Gefördert durch
Ich bin in Ludwigshafen geboren, hier zur Schule gegangen, mein bester Freund wohnte
in Maudach, meine Freundinnen in der Gartenstadt, nach Oppau bin ich zum Turnen,
in der Nähe vom Hack-Museum habe ich Gitarre gelernt, im Pfalzbau hatte ich Tanzstundenabschlussball und war im Jugendtheaterclub... Mein Verhältnis zu Ludwigshafen
ist ein zutiefst sentimentales, weil es die Stadt meiner Kindheit und Jugend ist. Vieles
verbinde ich mit Erlebnissen von früher.
Gab es ein Initiationserlebnis, eine bestimmte Aufführung, die Ihr Interesse
für das Theater geweckt hat?
Am Nationaltheater Mannheim habe ich Schillers Jungfrau von Orleans siebenmal
gesehen. Die Kraft der Hauptdarstellerin hat mich so angefasst, dass ich auf dem
Nachhauseweg ins Rennen gekommen bin und völlig euphorisiert war.
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Burgtheater Wien in Koproduktion mit
Wiener Festwochen und Theater Basel
Inszenierung Simon Stone
Bühne Katrin Brack
Kostüme Tabea Braun
Musik Bernhard Moshammer
Licht Friedrich Rom
Dramaturgie Klaus Missbach
Mit Martin Wuttke, Birgit Minichmayr,
Max Rothbart, Caroline Peters, Nicola Kirsch,
Roland Koch, Liliane Amuat
Preise 40 € / 34 € / 28 € /22 €
Dauer ca. 2 Stunden
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We Love Arabs
Stolpersteine
Staatstheater
Von Hillel Kogan
HINTERBÜHNE
Dokumentartheater von
Hans-Werner Kroesinger
MI, 16.11.16, 21:00 Uhr, JA
DO, 17.11.16, 21:00 Uhr
Textfassung Regine Dura
HINTERBÜHNE
MO, 14.11.16, 19:30 Uhr
D
er Vollzug beginnt schleichend. Höfliche, formal korrekte Briefe werden
geschrieben. Altgediente Mitarbeiter, sogar Publikumslieblinge sehen sich
„beurlaubt“. Oder sie erfahren aus der Presse, dass ihre Verträge aufgelöst
oder nicht verlängert sind. Und schon bald sind am Landestheater Karlsruhe all jene
verschwunden, die jüdischer Herkunft sind. 2015 feierte die Stadt Karlsruhe ihren
300. Geburtstag. Das Badische Staatstheater machte es sich zur Aufgabe, inmitten
aller Festlichkeiten auch an ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Stadt zu erinnern.
Gefördert durch
Nachgespräch
im Anschluss an die Vorstellung
Foyer Hinterbühne
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Inszenierung Hans-Werner Kroesinger
Bühne, Kostüme und Video Rob Moonen
Musik Daniel Dorsch
Künstlerische Mitarbeit Regine Dura
Dramaturgie Annalena Schott
Mit Veronika Bachfischer, Antonia Mohr,
Jonathan Bruckmeier, Gunnar Schmidt
Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
Dauer 1 Stunde 45 Minuten
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Die sogenannten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig gemahnen an vielen
Orten Deutschlands an die Deportation unzähliger Opfer im Dritten Reich. Vor der
letzten selbstgewählten Wohnung von Juden, Homosexuellen, politisch Verfolgten
und anderen sind die kleinen eckigen Messingplatten in den Boden eingelassen. Die
Steine für die Sängerin Lilly Jank und den Schauspieler Paul Gemmecke aber liegen
vor dem Eingang zur Kassenhalle des Staatstheaters, ihrer letzten Wirkungsstätte.
Ihre Verfolgung und Vertreibung im Zuge der ‚Gleichschaltung’ haben beide nicht
überlebt. Hans-Werner Kroesinger, Regine Dura und Schauspieler*innen des Theaters
recherchierten monatelang, sammelten Personalakten, alte Zeitungen, Flugblätter,
Propagandatexte, Briefe und Postkarten. Entstanden ist ein dokumentarischer Theaterabend, der eindringlich an historische Prozesse erinnert, vor denen man sich auch heute
nicht sicher fühlen sollte.
Das subtile Klima der Bedrohung, die fehlende Courage von Kolleginnen und Kollegen,
die das Verschwinden von Konkurrenten auch als Chance betrachteten, das Schweigen
der Öffentlichkeit, der Fortgang einer erschreckenden Normalität – all das wird präsent
in dieser Inszenierung, die mit sparsamen Mitteln arbeitet und doch so wirkungsvoll ist.
Auf der Bühne des bildenden Künstlers Rob Moonen sitzen alle, Zuschauer und Spieler,
an einem Tisch. Von dort aus entwickelt sich das Geflecht der Zitate, kleinen Szenen,
Sounds, Videoeinspielungen, die zum bedrückenden Zeugnis einer düsteren Zeit werden.
Anlässlich der Einladung des Dokumentarstücks zum Berliner Theatertreffen kommentierte der RBB: „Kroesinger ist seit fast einem Vierteljahrhundert mit seiner Methode
des dokumentarischen Theaters auf unterschiedlichen Bühnen unterwegs. Seine Einladung zum Theatertreffen war überfällig – und die Beschäftigung des Karlsruher Theaters
mit seiner Vergangenheit auch.“
Hillel Kogan, geboren 1974, absolvierte seine Tanzausbildung am Merce Cunningham Studio, New
York. Er tanzte bei der Westschweizer Compagnie
Nomades und beim portugiesischen Gulbenkian Ballet. Die israelische Tanzkritik zeichnete ihn für We
Love Arabs als „herausragenden Choreographen“ des
Jahres 2013 aus.
B
efragt zu seiner preisgekrönten Tanzperformance We Love Arabs, bezeichnet
der Choreograph und Tänzer Hillel Kogan sein Werk als „Studie darüber, wie
der Rassismus unseren Alltag durchdringt“. In Israel, besonders auch in der
dortigen Kulturszene, gebe es eine gläserne Wand, die die arabische Kultur und ihre
Folklore streng von der jüdischen abgrenze, Araber blieben von der Teilhabe an der
Main­stream-Gesellschaft ausgeschlossen. Und so will er sein Stück, das er selbst als
„lecture performance“ bezeichnet, als durchaus humorvolle Auseinandersetzung mit
dem Zusammenleben von Israelis und Arabern verstanden wissen, als Suche nach der
Bedeutung seiner israelischen Identität.
Die Ausgangsposition ist klar: Ein jüdischer Choreograph, getanzt von Hillel Kogan,
erarbeitet mit einem arabischen Tänzer eine Choreographie, deren Botschaft die
friedliche Koexistenz zwischen Juden und Arabern proklamiert. Voller Ironie nimmt
Kogan dabei die gängigen Klischees über die beiden Bevölkerungsgruppen ins Visier
und hinterfragt sie kritisch. Bald merkt der Choreograph, dass der arabische Tänzer
Adi Boutrous nicht seinen Vorstellungen vom typischen Araber entspricht. So ist er
etwa Christ, was der Choreograph einfach leugnet, indem er ihm einen islamischen
Halbmond auf die Stirn malt. Er selbst soll mit dem Davidstern ebenfalls eindeutig
gekennzeichnet werden. Die Proteste seines Tänzers übergeht Kogan geflissentlich.
Mit beißendem Humor und gesellschaftspolitischem Scharfsinn hinterfragt Kogan,
der während der Vorstellung pausenlos redet (Englischkenntnisse sind empfehlenswert), Machtkonstellationen nicht nur auf politisch-gesellschaftlicher Ebene, sondern auch bei künstlerischen Schaffensprozessen. „Mit brillantem Timing gelingt es
Kogan, Text und Subtext stets gleichzeitig zu transportieren und nebenbei auch geläufiges Gaga-Vokabular zu demaskieren“ formuliert Ora Brafman in der Zeitschrift
tanz. Die intelligenten und subversiven Texte halten den Zuschauern einen Spiegel
vor, und Kogans ebenso scharfen wie witzigen Seitenhieben entgeht niemand – auch
er selbst nicht. Am Ende mündet die erkenntnisreiche Performance in eine ironisch
persiflierte Zeremonie mit Pita und Hummus, wobei die beiden Tänzer das Fladenbrot und den Kichererbsenbrei mit dem Publikum teilen.
Gefördert durch
Tanzperformance, Israel
Choreographie Hillel Kogan
Tanz Adi Boutrous und Hillel Kogan
Licht und Produktion Amir Castro
Musik Kazem Alsaher, W.A. Mozart
Künstlerische Beratung Inbal Yaacobi und
Rotem Tashach
Einheitspreis 20 €, ermäßigt 12 €
Dauer ca. 45 Minuten
Bitte beachten Sie: Am selben Abend ist
Vertigo 20 / Vertigo Dance Company zu sehen.
19:30 Uhr, Große Bühne
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Vertigo 20
Die Musik zu dieser schwindelerregenden Choreographie liefert Noa Wertheims langjähriger künstlerischer Partner Ran Bagno. Er unterstützt die Sprunghaftigkeit der
Choreographie mit einem vielseitigen Soundtrack zwischen Leierkasten, harter Rhythmik
und walzerhafter Melodik. Vertigo 20 ist wie eine Traumreise voller surrealistischer Bilder,
großer Emotionen und absurder Gegensätze – ein Fest für Auge und Ohr, in dem unmöglich Scheinendes möglich wird.
Von Noa Wertheim
GROSSE BÜHNE
MI, 16.11.16, 19:30 Uhr, BR1
DO, 17.11.16, 19:30 Uhr, TT
Exklusive Einführung für die
Pfalzbau Freunde
MI, 16.11.16, 19:00 Uhr, Gläsernes Foyer
„Wertheims ‚Vertigo’-Effekt ist ein wahrer Rausch. Und zwar ganz ohne
Absturzgefahr. Ovationen im Stehen.“ Hannoversche Allgemeine Zeitung
Bitte beachten Sie: Im Anschluss ist We
love Arabs von Hillel Kogan zu sehen.
Vertigo Dance Company, Israel
Choreographie Noa Wertheim
Musik Ran Bagno
Kostüm & Bühne Rakefet Levy
(School of Theatrical Design)
Licht Dani Fishof (Magenta)
Mit Yael Cibulski, Ron Cohen, Yuval Lev, Micah Amos,
Nitzan Moshe, Tomer Navot, Sian Olles, Etai Peri,
Marija Slavec, Eyal Visner, Emmy Wielunski
Preise 46 € / 39 € / 32 € / 25 €
Dauer 60 Minuten
21:00 Uhr, Hinterbühne
Gefördert durch
1
992 gründete die Tänzerin und Choreographin Noa Wertheim gemeinsam mit
ihrem Lebenspartner Adi Sha’al in Jerusalem die Vertigo Dance Company. Aus
dem Ensemble, das schon bald international erfolgreich war, ist inzwischen eine
Lebensform geworden. Noa Wertheim hat sich zur Aufgabe gemacht, den Tanz in einen
Kontext nachhaltigen ökologischen Bewusstseins zu setzen und jedem, der sich dafür
interessiert, nahezubringen. 2007 gründete sie in einem Tal bei Jerusalem das Eco Art
Village. Ähnlich einer Kibbuz-Gemeinschaft leben und arbeiten ihre Tänzer dort zusammen, immer unter dem Aspekt der Verbindung von Kunst und Ökologie. Die
Vertigo School of Dance in Jerusalem bietet neben professionellem Training auch
Kurse für Laien mit und ohne Beeinträchtigung.
Zum 20jährigen Bestehen ihrer Company hat Noa Wertheim sich und ihren Tänzern
die Choreographie Vertigo 20 geschenkt. Ausgehend von den Höhepunkten ihres
bisherigen Schaffens und als eine Form produktiven Rückblicks hat sie Bewährtes neu
zusammengefügt und weiterentwickelt. In einem zunächst karg anmutenden Raum
entwickelt sich ein Feuerwerk tänzerischer Elemente, die kaum eine Atempause zulassen. Die Kostüme der Tänzerinnen machen Anleihen beim viktorianischen Zeitalter,
das Ensemble selbst scheint den Martial Arts zu entstammen. Allesamt wirken sie wie
fremdartige Wesen, deren getanzte Rituale den Zuschauer in ihren Bann ziehen. Mal
lassen sie sich wie Marionetten an unsichtbaren Fäden ziehen, dann wieder feiern sie
höchst lebendig ein rauschendes Fest.
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Vertigo 20
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Danza Contemporánea
de Cuba
GROSSE BÜHNE
SA, 19.11.16 , 19:30 Uhr, AL 2
D
ie Danza Contemporánea de Cuba, kurz DCC genannt, kann auf eine Geschichte zurückblicken, die ein halbes Jahrhundert umfasst. Es ist Jahrzehnte
her, dass sich die Company zu einer der drei führenden Ensembles in Kuba
entwickelte. Um sich international behaupten zu können, blieb es nicht aus, dass sich
die Truppe nicht nur einmal, sondern mehrmals neu erfinden musste, insbesondere
immer dann, wenn namhafte Tänzerpersönlichkeiten neue Wege gingen. Dem jetzigen
künstlerischen Leiter Miguel Iglesias ist es gelungen, der Danza Contemporánea auf
wundersame Weise ein neues junges Gesicht zu verleihen, wodurch auf der Bühne
eine umwerfende Magie entfaltet wird.
Auch George Céspedes‘ Choreographie Matria Etnocentra gibt dieser Magie Ausdruck,
so als würde jede Geste schwebend eingefroren und dem Publikum Emotionen wie in
einem Ritual dargeboten. Impulse werden in Bewegung eingefangen, der Tanz
schwingt sich zur Übersetzung unhörbarer Worte auf. Durch seine liebliche Poesie
erreicht dieses Werk die erlesene Harmonie neoklassischer Schönheit, für die physische Grenzen keine Gültigkeit mehr zu haben scheinen.
Gefördert durch
Cenit ist die erste Arbeit, die Laura Domingo Agüero für Danza Contemporánea de
Cuba choreographiert hat. Dank ihrer enormen Virtuosität lassen sich die Tänzer und
Tänzerinnen des Ensembles in einen Schwebezustand von erstaunlicher Leichtigkeit
hineinfallen, als würde im Tanz einerseits ein Ritual dargeboten, andererseits aber
auch Gefühlsaufwallungen und emotionale Impulse in Bewegung übersetzt. Drehungen,
Hebefiguren und das erneute Nachgeben der Erdanziehungskraft bestimmen dabei
die Dynamik der Bewegung. Cenit frönt der Schönheit der Neoklassik, verliert sich
geradezu selbstvergessen in Harmonie und lässt sich von der Süße einer selbsterfundenen Poesie leiten, ohne jedoch physische, emotionale und räumliche Beschränkungen zu ignorieren.Cenit folgt keinem Handlungsstrang, das Stück stützt sich auf
kein Ereignis, und doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Bewegung
auf existentielle Lebenserfahrungen verweist.
In dem vieldeutigen Stück El Cristal überträgt Julio César Iglesias die Strömung des
Sturm und Drang auf karibische Gegebenheiten, eine vermeintliche Engstirnigkeit begegnet der Offenheit anderer geographischer Regionen und Menschen und setzt sich
mit Fragen von Identität auseinander.
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El Cristal (Europäische Erstaufführung)
Choreographie Julio Cesar Iglesias
Cénit
Choreographie Laura Domingo
Matria Etnocentra
Choreographie George Cespedes
Musik Max Richter, Jack White, Tropic of Cancer,
J-Lawton, Desierto de los leones
Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
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HOM & FAM ein Minifestival
KK
(I’m a communist kid)
HINTERBÜHNE
Choreographie Glen Çaçi
DI, 22.11.16, 19:00 Uhr, WA
HINTERBÜHNE
DO, 24.11.16, 19:30 Uhr
GLEN ÇAÇI
D
as Tanzensemble des Staatstheaters Mainz unterscheidet sich von anderen
Häusern dadurch, dass es ausschließlich mit Gastchoreographen arbeitet. Da
tanzmainz nur Uraufführungen zeigt, an deren Entwicklung die Tänzer auch
selbst beteiligt waren, sind sie eng in den jeweiligen Entstehungsprozess eingebunden.
Um sich diesen hohen Anforderungen stellen zu können, müssen sich die tanzmainzTänzer durch eine große tänzerische Vielseitigkeit und kreative Offenheit auszeichnen.
Mit den HOM & FAM Duetten spiegelt tanzmainz seine Neugierde neuen choreographischen Handschriften gegenüber wider und präsentiert dem Publikum ein überaus
abwechslungsreiches und unterhaltsames Format, das sich in Mainz bereits großer
Beliebtheit erfreut. Im Rahmen der Festspiele Ludwigshafen werden erstmals alle
sechs Choreographien an einem Abend gezeigt.
TANZMAINZ
Gefördert durch
tanzmainz, Deutschland
Choreographie Lander Patrick, Csaba Molnàr, Taneli Törmä, Cecilia Moisio, Eléonore Valère Lachky, Adrienn Hód
Ausstattung Lucia Vonrhein
Einheitspreis 26 €, ermäßigt 17 €
Dauer 2 Stunden 50 Minuten
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Der Titel HOM & FAM verspricht Duette aufregender europäischer Choreographen.
Die Inspiration kam vom europäischen Aerowaves Network. Es kürt jedes Jahr die
Aerowaves Twenty und damit jene vielversprechenden Choreographen, die jährlich von
einer Veranstalterjury aus 33 Ländern aus ca. 600 eingesandten Arbeitsproben hervorgehoben werden. Drei der Aerowaves Twenty der letzten beiden Jahre hat tanzmainz in der Spielzeit 2015/2016 dazu eingeladen, jeweils ein Männerduett zu kreieren.
Entstanden ist der Abend HOM – Das Schweigen der Männer. Im Herbst 2016 folgten
drei Choreografinnen und es entstand FAM - Frauen zu zweit. Alle sechs Arbeiten sind
gelegentlich radikal, oft überraschend und immer sehr unterhaltsam.
Die sechs Künstler kamen und kommen jeweils mit einem ganzen Rucksack voller unkonventioneller Ideen nach Mainz. Alle sechs gelten auf europäischem Parkett als
ebenso unangepasste wie vielversprechende Hoffnungsträger. Ein spannendes Experiment für ein Staatstheater. Aber nicht nur die Mainzer Tanzsparte wollte sich herausfordern lassen, auch den Choreographen wurde einiges abverlangt. Denn die Regeln
für die sechs Kreationen waren streng: jeweils zwei Akteure, 20 Probentage, 20 Minuten Dauer, 8 × 8 Meter schwarzer Tanzboden, 10 Scheinwerfer, und die Ausstattung
jedes Duetts muss in einen Koffer passen. Die Kreativen haben diese Aufforderung zur
Konzentration auf das Wesentliche gerne angenommen. Herausgekommen sind trotz
oder gerade wegen dieser Beschränkungen ebenso originäre wie grundverschiedene
Arbeiten. tanzmainz begibt sich mit HOM & FAM auf eine Reise zum Tanz von morgen.
Der albanische Choreograph, Tänzer, Gitarrist, Über­
setzer und Kriegsreporter von 1999, Glen Çaçi, lebt
in Italien. Nach ersten Auftritten mit der albanischen
A-Cappella-Gruppe R&B und Erfahrungen als
Gitarrist und Rocksänger zwischen Albanien und
Neapel widmete er sich der Choreographie und
dem Theater. Als Tänzer arbeitet er zur Zeit in den
Stücken Der Sturm und König Arthur mit Motus
zusammen. Mit seiner Choreographie Hospice
(Die Herberge), produziert von Inteatro, gewann
er 2013 den Equilibrio-Preis.
Jener, der sich nach seinem süßen Vaterland sehnt, ist nur ein niedlicher
Anfänger; derjenige, der jedes Land als sein eigenes ansieht, ist bereits ein
starker Mann; aber erst derjenige hat die Perfektion erlangt, der die ganze
Welt als ein fremdes Land betrachtet. Ugo da San Vittore
KK
beginnt damit, dass der Choreograph Glen Çaçi seinen Bruder Olger
interviewt: „Wie lange bist Du schon aus Albanien ausgewandert? Hast
Du einen Personalausweis dabei? Kannst Du singen?“ Ist das Feld ihres
Diskurses erst einmal abgesteckt, schlägt Glen seinem Bruder eine Reihe von Übungen
und imaginierten Szenen vor, damit sie sich gemeinsam in eine geisterhafte albanische
Identität hineinversetzen können. Sie hinterfragen ihr Heimatgefühl, indem sie in ihren
Erinnerungen nach Stereotypen, überliefertem Gedankengut und historischen Episoden
fischen: Sie geben Karaoke und italienische Lieder zum Besten (von Toto Cutugno bis
Adriano Celentano), zeigen traditionelle Tänze (die sie lernten, indem sie sich von
Youtube-­Videos inspirieren ließen) und Körperhaltungen, die einer stereotypen Vorstellung von albanischer Männlichkeit folgen; aber sie beschäftigen sich auch mit dem
Ende des Kommunismus und dem Sog des Kapitalismus, sie beschwören die weit zurück
liegende Sufi-Abstammung ihres Vaters und die Sprache der Emigranten, die immer
noch nach den 90er Jahren klingt.
In seiner berührenden Tanzperformance über territoriales Eigentum und kulturelle
Identität stellt Glen Çaçi Fragen nach dem richtigen Ort, nach der Vereinbarkeit von
Kunst und Leben, nach Vergangenheit und Modernität, nach Freiheit und Zugehörigkeit. Als neuer europäischer Bürger entdeckt er zusammen mit seinem Bruder seine
reichen albanischen Wurzeln. Beide konfrontieren sich von ihren unterschiedlichen
Standpunkten und Lebensumständen aus mit ihren Erinnerungen an Albanien, an ein
Albanien vor der Globalisierung, in dem sie während ihrer Kindheit und Jugend gelebt
haben. Ein Albanien, das sie deshalb notgedrungen auf der Grundlage ihrer Phantasien
aus ihrer gegenwärtigen Perspektive neu definieren.
Gefördert durch
MARCHE TEATRO – Theatre of Relevant Cultural Interest in Koproduktion
mit Fabbrica Europa, Italien, Albanien
Mit Glen Çaçi und Olger Çaçi
Video und Licht Andrea Saggiomo
Einheitspreis 20 €, ermäßigt 12 €
Dauer ca. 45 Minuten
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Dancing Grandmothers
Deutsche Erstaufführung
GROSSE BÜHNE
SA, 26.11.16, 19:30 Uhr, BR 2
E
un-Me Ahn ist eine draufgängerische Performerin und ihre Arbeiten sind Ausdruck verschiedenster Piraterien. In Anbetracht dessen ist es schwer zu glauben,
dass sie ein Kind koreanischer Disziplin ist und als solches eine strenge und anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen hat. Offenbar wird sie von ansteckender Neugierde
angetrieben und Worte wie „zu hoch“, „zu abwegig“ oder „zu gewagt“ scheinen für sie
nicht zu existieren. Und so konnte man sie schon von einem Kran springen sehen oder
erleben, wie sie ein Piano mit Axt und Schere attackierte. Über Kostüm und Ausstattung
zaubert sie phantasievolle Bilder, wenn sie sich beispielsweise aus einem weißen Feenkostüm wickelt und die Stoffteile an das Publikum verteilt, während sie sich selbst in
einem Teddybär-Tanz verliert, wenn sie in einem Clownskostüm verkleidet unter einer
Kaskade von Luftballons herumwirbelt, wenn sie ein Duett mit einem Huhn tanzt, eingepfercht zwischen Barren, oder wenn sie ausstaffiert wie ein Pilz auf der Szenerie
erscheint... All diese Phantasiespiele sind nicht als Provokation gemeint, sondern
einer kindlichen Freude an der Freiheit zuzuschreiben, die sie über unerwartete Grenzen
hinwegführt.
Auch für das Tanztheater Dancing Grandmothers hat sie Grenzen überquert und hinterfragt, indem sie auf einer landesweiten Tour durch Korea, begleitet von vier Tänzern und
drei Kameras, offen war für die Menschen, die ihr in den Provinzen Cungcheong, Jeolla,
Gyeongsang und Gangwan begegneten: einfache Landfrauen zwischen 60 und 90, die
nicht nur darüber glücklich waren, dass sie noch tanzen konnten, sondern auch darüber,
dass jemand kam und sie bat, das zu tun:
„Sie sahen alle glücklich aus beim Tanzen. Ihr Tanz war so natürlich und reizend, dass die
jungen professionellen Tänzer meiner Company nicht widerstehen konnten, mit ihnen
zu tanzen. Jede ihrer Bewegungen spiegelte ihre eigene Welt wider, die nicht immer
einfach war, wie ein Auszug eines Dokumentarfilms, der die Vergangenheit festhält.
Die faltigen Körper dieser Großmütter waren wie ein Buch, in dem das Leben eingraviert war, das zum Teil fast ein Jahrhundert umfasste. Jeder Tanz kam mir wie eine Novelle
vor, die in einem wunderbaren Rhythmus in kurzer Zeit vorgetragen wurde. Jedes Mal,
wenn wir wieder eine Großmutter trafen, konnten wir durch ihren Körper die moderne
Geschichte Koreas erkennen, so als wäre der Körper ein Geschichtsbuch unserer Heimat,
nur viel konkreter als jedes geschriebene Wort.“
Aus diesen Begegnungen, Filmsequenzen und den Reaktionen der Tänzer entwickelte
sich eine zärtlich-faszinierende Aufführung, in der die Energien von Jung und Alt zusammenfließen und die die Zuschauer mitten hineinzieht in einen Strudel aus Bewegungsund Lebensfreude.
54
Gefördert durch
Eine Produktion von Doosan Art Center
(DAC) in Koproduktion mit Eun-Me
Ahn Company und Festival Paris Quartier
D’Ete, Südkorea
Choreographie, künstlerische Leitung
und Bühnenbild Eun-Me Ahn
Komposition Young-Gyu Jang
Lichtdesign Jin-Young Jang
Video Tae-Seok Lee
Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
Dauer 1 Stunde 30 Minuten
Bitte beachten Sie: Am selben Abend ist vor und
nach dieser Vorstellung The Palm of Your Hands von
Vera Tussing zu sehen.
18:00 und 21:00 Uhr, Hinterbühne
55
The Palm of Your Hand
BEYTNA (our home)
Choreographie von Vera Tussing
Deutsche Erstaufführung
Von Omar Rajeh
HINTERBÜHNE
HINTERBÜHNE
SA, 26.11.16, 18:00 und 21:00 Uhr
MO, 28.11.16, 19:30 Uhr
DI, 29.11.16, 19:30 Uhr
Gefördert durch
„Ich ging früher an jedem Wochenende, immer sonntags, zum Haus meines
Großvaters, wo die ganze Familie zusammenkam, um zusammen zu essen,
zu trinken und zu tanzen. Mein Großvater war ein sehr geselliger, gastfreundlicher Mensch und lud gerne Freunde und Bekannte ein, die von unter­
schiedlichen Orten kamen, um mit uns zu essen. Diese Momente der Begegnungen und des Teilens bedeuteten ihm viel. Bevor er starb, habe ich
mir nie Gedanken darüber gemacht – erst dann, als ich diese Momente
verloren hatte. Mein Großvater flüchtete sich in diese wenigen Stunden
zwischen ein Uhr und fünf Uhr nachmittags. Sie waren wie ein heiliges
Ritual mit seiner Familie, seinen Gästen und Freunden. Am Tisch saßen
viele Leute und prosteten sich mit ihren Gläsern zu, stimmten ein Hoch an
auf Gesundheit, Glück, Freude, die Liebe und die Freundschaft.“ Omar Rajeh
W
enn die Zuschauer den Bühnenraum betreten, werden sie von den sechs
Tänzern bereits erwartet und freundlich begrüßt. Alle stellen sich in Form
einer Ellipse auf, so dass jeder Anwesende in der ersten Reihe steht, in größter
Nähe zu den Mitwirkenden. Die Darsteller laden die Gäste ein, ihnen ihre Handflächen
zu reichen. Nun beginnt ein intimes Spiel mit Berührungen und körperlicher Nähe: ein
Tänzer ergreift zärtlich die Hand einer Besucherin und führt diese an seine Wange, um
dann gleich zu ihrem Nachbarn weiterzugehen. Dort ein kurzes Festhalten und schon
geht es weiter. Zur selben Zeit steht eine Tänzerin vor einer anderen, sichtlich amüsierten
Zuschauerin, stellt sich Rücken an Rücken mit dieser, sie drehen sich umeinander und
wagen sogar so etwas wie ein kleines Tänzchen. In Vera Tussings Tanz-Projekt The Palm
of Your Hand sind die Zuschauer ins Geschehen aktiv eingebunden, sie teilen sich die
Bühne mit den Darstellern. Manch ein Besucher geht locker und spielfreudig in die Interaktion, andere verhalten sich eher zurückhaltend. Zwischendurch bewegen sich die
Tänzer in Sprüngen und Drehungen im Bühnenraum, die Umstehenden rücken dann
wieder in eine reine Zuschauerposition mit etwas mehr Distanz.
Ein Vera-T Projekt, London
Koproduziert von STUK Leuven, Life
Long Burning/ workspace Brüssel mit
Unterstützung des Kulturprogramms
der EU, Brüssel
Konzeption, Recherche und Tanz Typhaine
Delaup, Ben McEwen, Zoltan Vakulya, Camille
Prieux, Solene Weinachter, Vera Tussing
Einheitspreis 26 €, ermäßigt 17 €
Dauer ca. 40 Minuten
Bitte beachten Sie: Am selben Abend
ist Dancing Grandmothers zu sehen.
19:30 Uhr, Große Bühne
56
I
n dem Tanztheater BEYTNA (our home) kommen vier Choreographen zusammen,
um gemeinsam zu essen. Sie stammen von unterschiedlichen Kontinenten, Ländern,
aus verschiedenen Kulturen: dem Libanon, Togo, Japan, Belgien. Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen mit, ihr Weg hat sie unterschiedliche künstlerische Pfade einschlagen lassen. Was sie eint, ist ihr Werk. Sie reden, trinken, lachen, tanzen und essen
miteinander.
Die deutsche Choreographin Vera Tussing beschäftigte sich in den letzten Jahren mit
verschiedenen Sinneserfahrungen des Menschen. In ihrer in Ludwigshafen gezeigten
Arbeit geht es um Berührung und Tastsinn und deren Auswirkung auf die Beziehung zu
anderen Menschen.
Vier Tänzer, ein Gast, drei Musiker – und eine Köchin stehen auf der ungewöhnlichen
Besetzungsliste von BEYTNA (Unser Haus). Die Köchin ist die Mutter des Libanesen
Omar Rajeh, die für das leibliche Wohl der internationalen Gäste ihres Sohnes sorgt.
Diese versammeln sich zu einem echten Künstlersymposion und erweitern damit dasgriechische Wort, das ursprünglich Gastmahl oder Trinkgelage bedeutet.
Sie, das Publikum, werden zu Mitwirkenden. Ihre Reaktionen und die Art
Ihrer Verbundenheit bestimmen nicht nur die Wege der Choreographie,
sondern werden selbst zum Tanz. Sie erlauben uns, in Ihnen zu lesen, aber
Sie lernen auch uns aus großer Nähe kennen. Ihre Augen können nur sehen, was Ihre Hände gefühlt haben. Die Berührung auf Ihrer Haut wird zu
einem anderen Sehen. Wir agieren nur durch unsere Verbindung. Dennoch
bleiben Sie das Publikum und wir die Akteure. Vera Tussing
Der Titel Unser Haus steht einerseits für die Gastfreundschaft und das gemeinsame
Essen, andererseits metaphorisch auch für das, was sich rund um den Tisch ergibt: Aus
dem Austausch über die Vielfalt der Kulturen, Identitäten und Traditionen entsteht ein
gemeinsames Werk, bei dem der kollektive Schaffensprozess mindestens ebenso
wichtig ist wie das fertige Resultat. Omar Rajehs Compagnie Maqamat hat das Stück
gemeinsam mit drei Choreographen und dem Trio Joubran produziert, das für die
Tafelmusik sorgt.
Gefördert durch
Maqamat in Zusammenarbeit mit
Le Trio Joubran, Libanon / Koproduktion
Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen u.a.
Choreographie Koen Augustijnen, Omar Rajeh,
Anani Sanouvi und Hiroaki Umeda
Konzept und Leitung Omar Rajeh
Musik und Komposition Le Trio Joubran
Bühne und Kostüme Mia Habis
Lichtdesign Jonathan Samuels
Einheitspreis 26 €, ermäßigt 17 €
57
Badke
Choreographie von Koen Augustijnen,
Rosalba Torres Guerrero, Hildegard De
Vuyst
GROSSE BÜHNE
MI, 30.11.16, 19:30 Uhr, TT, JA
M
it ansteckender Fröhlichkeit und überbordendem Temperament feiern zehn
palästinensische Tänzer und Akrobaten auf der Bühne ein wildes Fest, an
dessen Beginn der levantinisch-arabische Volkstanz Dabke steht. "Was bedeutet Euch Dabke?" Diese Frage stellten sich die Mitwirkenden, die diesen Tanz als Teil
ihrer kulturellen Identität begreifen. Sie verwandelten den Reihentanz, der im Nahen
Osten zu Hochzeiten und Festen getanzt wird, in ein zeitgenössisches Tanzspektakel, in
dem das traditionelle Bewegungsvokabular mit neuen Elementen von Hip Hop bis Flick
Flack, von Capoeira bis Disco angereichert wird. Und so wurde im Laufe des Entstehungsprozesses aus Dabke das titelgebende Badke, eine Wortneuschöpfung, deren
Zusammensetzung einiges über den im Laufe der Produktion vollzogenen Wandel des
zugrundeliegenden Tanzes verrät.
Dabke heißt übersetzt „mit den Füßen auf den Boden stampfen“. Daher steht am
Anfang der Aufführung das vertraute Bild des Line-Dances: die zehn palästinensischen Tänzer*innen fassen einander an den Schultern, zeigen die gewohnten Schritte
und steigern ihren Tanz zu schwindelerregendem Tempo. Nach und nach entstehen
Brüche, einzelne tanzen aus der Reihe und nun wird der Dabke auch choreographisch
dekonstruiert.
Badke sprudelt vor Lebensfreude und Energie: In den gemeinsamen Tänzen wird die
vitale Kraft und Solidarität des Kollektivs spürbar, das Ausbrechen einzelner Protagonisten zelebriert rasant den Triumph der Individualität. Ganz unterschiedliche Bewegungselemente bringen die Mitwirkenden ein – von Modern Dance über HipHop, Artistik bis zur
Folklore. Aber auch nachdenkliche Momente sind Teil der Aufführung, die daran erinnern, dass diese Tänze inmitten des alltäglichen Grauens in Palästina stattfinden. Die
Tänzerinnen und Tänzer aus Galiläa, Ramallah und Jerusalem reklamieren hier bei aller
Unterschiedlichkeit die vereinende Kraft des Tanzes und einen ansteckenden Lebensmut,
der sich vom widrigen Alltag nicht unterkriegen lässt. Und so lautet die unmittelbare
Botschaft dieses Tanzereignisses: „Wir werden uns von niemandem in die Knie zwingen
lassen. Wir werden tanzen bis zum Umfallen.“
Gefördert durch
Koproduktion KVS Brüssel, Les ballets
C de la B Gent & A.M. Foundation
(Ramallah); Theater Spektakel Zürich
und Les Théâtres de Ville de Luxemburg,
Palästina, Belgien
Kostüme Britt Angé & Nicole Petit
Soundtrack Naser Al-Fares,
bearbeitet von Sam Serruys
Lichtdesign Ralf Nonn
Preise 35 € / 30 € / 25 € / 20 €
Dauer 60 Minuten
58
„Ein Feuerwerk von einem Tanzstück.“ Neue Zürcher Zeitung
Badke entstand aus der Zusammenarbeit von les
ballets C de la B (Gent), KVS (Brüssel) und der A.M
Qattan Foundation (Ramallah). Verantwortlich für
die Produktion zeichnen Koen Augustijnen, einst
Tänzer bei Alain Platel, der seit 15 Jahren eigene
Choreographien entwickelt, Rosalba Torres Guerrero, die bei Anne Teresa De Keersmaekers Compagnie Rosas und Alain Platels les ballets C de la B
tanzte und inzwischen ebenfalls selbst als Choreographin tätig ist, sowie Hildegard de Vuyst, seit 1995
Dramaturgin von Alain Platel.
59
Mit Jens Harzer, Mirco Kreibich, Oliver Mallison
und Jörg Pohl versammeln sich vier große Schau­­
spieler­p ersönlichkeiten auf der Bühne.
Virtuos spielen sie mit den verrätselten Sätzen
Samuel Becketts und lassen dabei nie vergessen,
dass sie Menschen von heute sind. Lässig und
souverän interpretieren sie die altbekannten Texte
neu und versetzen sie mit Rap-Einlagen, eigenen
Kommen­taren und überraschenden szenischen
Phantasien. Auf diese Weise gestalten sie das ewige
Warten auf einen Godot, der niemals kommen
wird, ausge­sprochen kurzweilig.
Warten auf Godot
Von Samuel Beckett
GROSSE BÜHNE
SO, 04.12.16, 19:30 Uhr, S 2, TG 3,
TG 4, WA
Empfang zum Abschluss der Festspiele
Ludwigshafen
im Anschluss an die Vorstellung
Gläsernes Foyer
D
er Regisseur Stefan Pucher ist in mehr als zwanzig Jahren künstlerischer Arbeit
zu einer unverwechselbaren Marke im etablierten Theaterbetrieb geworden.
Nicht immer hat er sich dort aufgehalten; Mitte der 1990iger Jahre, zur Hochzeit der Popkultur, experimentierte er in der freien Szene mit neuen digitalen Instrumenten wie Video und Technomusik. Seine Bühnen waren zum Teil der öffentliche
Raum, zum Teil Laboratorien wie das TAT Frankfurt oder die Studiobühnen der Universitäten in Frankfurt und Gießen. Dort schuf er wilde Mixturen aus Konzert, Performance
und Installation – bis ihn große Theater auf der immerwährenden Suche nach Innovation
entdeckten. Seit Ende der neunziger Jahre arbeitet Stefan Pucher an Häusern wie der
Volksbühne und dem Deutschen Theater in Berlin, dem Burgtheater Wien, dem
Schauspielhaus Zürich und dem Thalia Theater Hamburg. Seinem ursprünglichen Stil ist
er treu geblieben, aber längst hat er sich den Klassikern der Theaterliteratur zugewandt.
Besonders die Figuren Tschechows und Shakespeares untersucht er auf Gegenwartstauglichkeit und setzt sie den Mitteln des heutigen multimedialen Alltags aus. Mit seinen
überzeugenden Inszenierungen ist er regelmäßiger Gast beim Berliner Theatertreffen.
Auch mit Warten auf Godot gelingt es ihm, einen vielfach erzählten und zuweilen überstrapazierten Theaterstoff neu zu sichten. Die literarische Forschung tendiert in den
letzten Jahren dazu, das Stück über die zwei endlos wartenden Landstreicher aus dem
existentialistischen Kontext zu lösen und als Vertreter der französischen Resistance zu
werten, die an der Grenze auf den rettenden Schlepper warten – Becketts eigene Biographie legt diesen Schluss nahe. Pucher spielt darauf besonders in seinen Videosequenzen an. Diese Konkretisierung gibt den vier herausragenden Darstellern Spielfutter
und nimmt ihnen nichts von ihrer Traurigkeit, von der absurden Komik, die ihre Geworfenheit in einen wüsten, lebensunwerten Raum erzeugt. Stephan Puchers Warten auf
Godot schafft den schweren Beckett’schen Spagat zwischen beißendem Witz und unendlicher Traurigkeit. Eine berührende, sehenswerte Inszenierung.
„Becketts scheinbar nihilistischen Ansatz, der den Glauben an das Wahrgenommene, das Gute im Menschen, den Sinn, an Gott und die Erlösung,
ja an die eigene Erinnerung immer wieder triumphierend zunichte macht,
hat Pucher noch einmal durch den Fleischwolf unserer Gegenwart gedreht.
Wie viel Kälte, wie viel Gewalt und Zerstörung in Becketts Dialogen
lauern, um sich im Lachen zu entladen, daran lässt er keinen Zweifel.“
Frankfurter Rundschau
60
Gefördert durch
12
Werkschau Thalia Theater Hamburg
Inszenierung Stefan Pucher
Bühne Stéphane Laimé
Kostüme Tabea Braun
Musik Christopher Uhe
Video Meika Dresenkamp
Licht Christiane Petschat
Dramaturgie Susanne Meister
Mit Jens Harzer (Wladimir), Mirco Kreibisch (Lucky), Oliver Mallison (Pozzo), Jörg Pohl (Estragon);
David Goya Brunnert/Nikita Lysko/Paul Zeschky/
David Hofner (Ein Junge)
Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
Dauer 2 Stunden 30 Minuten
61
VORSCHAU AUF DAS THEATERPROGRAMM 06.12. – 29.03.17
DEZEMBER ’16
DI, 06.12.16
FR, 16.12.16
11:00 UND 17:00 UHR
11:00 UHR
S1
S 2, TG 3, TG 4, WA
Schauspiel von Molière in französischer Sprache
American Drama Group Europe
Große Bühne, Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
FR, 09.12.16
SO, 11.12.16 AL 1, TG 1, TG 2, WA
SEN 1
19:30 UHR
14:30 UHR
Pfalztheater Kaiserslautern
Inszenierung Andreas Bronkalla
Große Bühne, Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
SEN1 Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €,
Familienpaket 52 €
19:30 UHR
19:30 UHR
Moderation Tilman Gersch
In Kooperation mit der Städtischen Musikschule
Ludwigshafen
MO, 12.12.16
11:00 UND 19:00 UHR
Schauspiel nach Charles Dickens
in englischer Sprache
American Drama Group Europe
Große Bühne, Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
MI, 14.12.16
10:00 UND 16:00 UHR
Ein surreales Spiel mit Puppen und Objekten
für Kinder ab 4 Jahren
Compagnie Sac à Dos, Brüssel
Inszenierung Didier de Neck
Hinterbühne, Einheitspreis Kinder 5 €,
Erwachsene 9 €, Familienpaket 20 €
62
JA
17:00 UHR
Theater an der Ruhr Mülheim in
Koproduktion mit dem FFT Düsseldorf
Inszenierung und Video Jo Fabian
Große Bühne, Einheitspreis Kinder 9 €,
Erwachsene 14 €, Familienpaket 28 €
MO, 19.12.16
D0, 20.12.16
COM 1
TG 3, TG 5, TG 6, WA
19:30 UHR
19:30 UHR
FR,10.02.17
SO,12.02.17
MO,13.02.17
19:30 UHR
14:30 UHR
SV 11:00 UHR
AL1, TG2, TG3, TG6, JA
SEN 2
Schauspiel von Friedrich Dürrenmatt
Pfalztheater Kaiserslautern
Schauspiel von Franz Grillparzer
Theater Pforzheim in Koproduktion mit
Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen
Inszenierung Tilman Gersch
Große Bühne, Preise 35 € / 30 € / 25 € / 20 €
SA, 07.01.17
SO, 08.01.17
Von Wilhelm Hauff
Ein märchenhaftes Abenteuer für Kinder ab 8
Jahren, Jugendliche und Erwachsene
Märchenspiel in drei Bildern von
Engelbert Humperdinck
SA, 10.12.16
SA, 28.01.17
SO, 18.12.16
SEN 1
19:30 UHR
19:30 UHR
14:30 UHR
19:30 UHR
19:30 UHR
Phantastische Geschichten von
Franz Hohler für Kinder ab 6 Jahren
Inszenierung Elisabeth Gabriel
Hinterbühne, Einheitspreis Kinder 5 €,
Erwachsene 9 €, Familienpaket 20 €
COM 1, TG 2
COM 2, TG 6
MI, 15.03.17
DO, 15.03.17
SINF A
SINF B
20:00 UHR
20:00 UHR
JANUAR ’17
DO, 05.01.17
DI, 24.01.17 Theaterhaus Frankfurt
FR, 20.01.17
SA, 21.01.17
SO, 22.01.17
19:30 UHR
19:30 UHR
Eine musikalische Liebeserklärung
Gesang Sandra Maria Schöner
Klavier Alexander Hopf
Gläsernes Foyer, Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
SO, 15.01.17
MO, 16.01.17
17:00 UHR
11:00UHR
Operette von Carl Zeller
Libretto von Moritz West und Ludwig Held
Landestheater Coburg
Inszenierung Volker Vogel
Musikalische Leitung Dominik Tremel
Große Bühne, Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
SEN1 Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
DO, 26.01.17
FR, 27.01.17
SA, 18.02.17
19:30 UHR
BR 2, TG 1
16:00 UHR
10:00 UHR
Ensemblestück für Kinder ab 2 Jahren
Helios Theater
Koproduktion mit dem Théâtre Jeune Public
Strasbourg
Inszenierung Barbara Kölling
Studiobühne, Einheitspreis Kinder 5 €,
Erwachsene 7 €, Familienpaket 15 €
FR, 27.01.17
SO, 29.01.17
Inszenierung Katharina Ramser
Große Bühne, Preise 35 € / 30 € / 25 € / 20 €
SEN 2 Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
SV Einheitspreis 11 €
19:30 UHR
19:30 UHR
Werke von Britten, Ravel und Elgar
Deutsche Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz
Dirigentin Sung Shi-yeon
BASF-Feierabendhaus, Preise 47 € / 41 € /
33 € / 26 € zzgl. 3 € an der Abendkasse
SA, 18.03.17
COM 1, TG 2, JA
19:30 UHR
Geschwister Pfister
Eine Koproduktion von Kulturhuset Stads­
teatern Stockholm, K.Kvarnström & Co,
Andersson Dance und zero visibitity corp.
Idee, Choreographie und Bühnenbild
Örjan Andersson, Ina Christel Johanessen,
Kenneth Kvarnström
Musik Franz Schubert
Große Bühne, Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
FR, 24.02.17
SO, 26.02.17
COM 2, TG 5
SEN 2
19:30 UHR
14:30 UHR
Ursli und Toni Pfister mit dem Jo-Roloff-Trio
Große Bühne, Preise 35 € / 30 € / 25 € / 20 €
DI, 21.03.17
11:00 UND 19:00 UHR
Stück nach einem Roman von Jeanette Walls
in englischer Sprache
American Drama Group Europe
Große Bühne, Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
FR, 24.03.17
SO, 26.03.17
MT, TG 3, 4, 5, 6, WA
AL 2
19:30 UHR
19:30 UHR
Lustspiel von Karl Bunje
Ohnsorg-Theater Hamburg
Inszenierung Anatol Preissler
Große Bühne, Preise 28 € / 24 € / 20 € / 16 €
MI, 28.12.16
DO, 29.12.16
COM 2
AL 2, TG 2, TG 4
19:30 UHR
19:30 UHR
Kinderstück von Dietrich Taube
nach einem „Märchen aus 1001er Nacht“
für Kinder ab 6 Jahren
Pfalztheater Kaiserslautern
Inszenierung Andreas Kloos
Große Bühne, Einheitspreis Kinder 9 €,
Erwachsene 14 €,Familienpaket 28 €
Tragikomödie mit Musik von Dirk Heidicke
Hamburger Kammerspiele in Kooperation
mit den Kammerspielen Magdeburg
Inszenierung Klaus Noack
Musikalische Leitung Jens-Uwe Günther
Mit Susanne Bard und Jörg Schüttauf
Große Bühne, Preise 28 € / 24 € / 20 € / 16 €
MI, 18.01.17
DO, 19.01.17
20:00 UHR
20:00 UHR
Oper von Giuseppe Verdi in italienischer
Sprache mit deutschen Übertiteln
Operette in drei Akten von Emmerich Kálmán
Musikalische Leitung Uwe Sandner
Inszenierung und Bühne Bruno Klimek
Große Bühne, Preise 46 € / 39 € / 32 € / 25 €
Musikalische Leitung Rodrigo Tomillo
Inszenierung Stefan Tilch
Große Bühne, Preise 40 € / 34 € / 28 € / 22 €
SEN 2 Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
Pfalztheater Kaiserslautern
FEBRUAR ’17
SO, 05.02.17
19:30 UHR
Pfalztheater Kaiserslautern
MÄRZ ’17
SA, 04.03.17
T T, WA
Oper von Georges Bizet in französischer
Sprache mit deutschen Übertiteln
Pfalztheater Kaiserslautern in Koproduktion
mit dem Tiroler Landestheater Innsbruck
Text von Michel Carré und Eugène Cormon
Inszenierung Urs Häberli
Große Bühne, Preise 46 € / 39 € / 32 € / 25 €
DI, 28.03.17
MI, 29.03.17
COM 2, TG 1
SEN 2, TG 1
19:30 UHR
14:30 UHR
19:30 UHR
Schauspiel mit Musik von Kay Pollak
Werke von Milhaud, Prokofjew und
Schostakowitsch
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Dirigent Dmitrij Kitajenko
Solist Sergej Malov, Violine
BASF-Feierabendhaus, Preise 47 € / 41 € /
33 € / 26 € zzgl. 3 € an der Abendkasse
Landestheater Tübingen
Songs der sechziger und siebziger Jahre
The Little Blues Brothers
Von und mit Hanns Jörg Krumpholz und
Martin Theuer
Hinterbühne, Einheitspreis 23 €, ermäßigt 13 €
Premiere der Uraufführung
Tanzstück von Helena Waldmann
Eine Produktion von Helena Waldmann und
ecotopia dance productions in Koproduktion
mit Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen u.a.
Große Bühne, Preise 35 € / 30 € / 25 € / 20 €
Inszenierung Christoph Roos
Mit dem Beethovenchor Ludwigshafen
Große Bühne, Preise 28 € / 24 € / 20 € / 16 €
SEN 2 Einheitspreis 16 €
63
THEATER IM PFALZBAU
IMPRESSUM
Berliner Straße 30, 67059 Ludwigshafen
www.theater-im-pfalzbau.de
[email protected]
Herausgeber
Theater im Pfalzbau Ludwigshafen
Intendant
Tilman Gersch
Redaktion
Carolin Grein, Dr. Roswita Schwarz, Barbara
Wendland, Michelle Nicklis
Konzept und Gestaltung
Double Standards
Druck
Frotscher Druck
Fotos
Dance on Dorothea Tuch, 1. Sinfoniekonzert
courtesy of parnassus-productions, 2. Sinfonie­
konzert Diesner, 3. Sinfoniekonzert Neda
Navaee, Schnee Armin Smailovic, Friedensstrasse Eva Wunder, Mark Ernestus‘ Ndgagga
Rhythm Force Ndagga , Weltfest Richard
Gersch, Hemsbach Protocol Mammalian
Diving Reflex, The Blind Poet Maarten Vanden Abeele, Faustrecht Felix Grünschloß,
MatchAtria Kunihiro Fukumori, OCD Love
Regina Brocke, Späte Nachbarn Krafft Angerer,
Aterballetto A. Anceschi, Die Tragödie von
Romeo und Julia Armin Smailovic, Die
Dreigroschenoper Armin Smailovic, Tortoise
Andrew Paynter, Fla.co.men Hugo Gumiel,
Faust l Krafft Angerer, John Gabriel Borkman
Reinhard Werner, Stolpersteine Staatstheater
Florian Merdes, We love Arabs Gadi Dagon,
Vertigo 20 Gadi Dagon, Danza Contemporanea
de Cuba Arbel Carmenante, HOM & FAM
Andreas Etter, KK (I’m a communist kid)
Alessandro Cecchi, Dancing Grandmothers
Young Mo Cheo, The Palm of Your Hand Rozenn
Quéré, BEYTNA Tony Elieh, Badke Danny
Willems, Warten auf Godot Armin Smailovic
THEATERKASSE /
RESERVIERUNGEN
Telefon (0621) 504 25 58
Fax (0621) 504 25 26
Mail [email protected]­hafen.de
Telefonisch ist die Kasse 30 Minuten nach
Öffnung erreichbar.
ÖFFNUNGSZEITEN
Montags bis freitags von 10:00 – 13:00 Uhr und von
16:30 – 18:30 Uhr, samstags von 11:00 – 13:00 Uhr.
Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
ONLINE-VERKAUF
www.theater-im-pfalzbau.de unter „Tickets kaufen“
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