PROGRAMM - Beethoven Orchester Bonn

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Wir spielen für Dich!
4. MENDELSSOHN UM 11
Sonntag, 26. Mai 2013, 11 Uhr
Der „Mozart des 19. Jahrhunderts“
Dominique Horwitz Sprecher
Katharina Hochheiser Sopran
Stephanie Watin Sopran
Vox Bona, Frauenchor der Kreuzkirche
Karin Freist-Wissing Einstudierung
Beethoven Orchester Bonn
Christoph König Dirigent
PROGRAMM
Wir spielen für Dich!
Klingt gut!
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Foto: Barbara Aumüller
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Programm
Der „Mozart des 19. Jahrhunderts“
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Oktett Es-Dur WV³ op. 20 (1825)
in der Fassung für Streichorchester
Allegro moderato ma con fuoco
Andante
Scherzo. Allegro leggierissimo
Presto
Jacques Ibert (1890-1962)
Divertissement (1930)
Introduction: Allegro vivo
Cortège: Moderato molto
Nocturne: Lento
Valse: Animato assai
Parade: Tempo di marcia
Finale: Quasi cadenza
PAUSE
Felix Mendelssohn Bartholdy
Musik zu „Ein Sommernachtstraum“ für Sprecher,
Soli, Frauenchor und Orchester
op. 61
Notturno
Ouvertüre
Scherzo
Dialog und Elfenmarsch
Lied mit Chor
Andante
Intermezzo
Dialog
Dialog
Hochzeitsmarsch
Dialog und Marcia funebre
Ein Tanz von Rüpeln
Szene und Dialog
Finale
Dominique Horwitz Sprecher
Katharina Hochheiser Sopran
Stephanie Watin Sopran
Vox Bona, Frauenchor der Kreuzkirche
Karin Freist-Wissing Einstudierung
Beethoven Orchester Bonn
Christoph König Dirigent
10.25 Uhr: Einführung mit Dr. Hartmut Hein
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Besetzung
Felix Mendelssohn Bartholdy
Oktett Es-Dur WV³ op. 20 in der Fassung
für Streichorchester
Uraufführung des Oktetts wahrscheinlich im Oktober 1825 im
Hause Mendelssohn in Berlin, erste öffentliche Aufführung am
17. März 1832 in Paris
Streicher
Jacques Ibert
Divertissement
Uraufführung 1930 in Paris
1 Flöte (auch Picc.)
1 Klarinette
1 Fagott (auch Kfg.)
1 Horn
1 Trompete
1 Posaune
Klavier
Pauke, Schlagzeug
Streicher
Felix Mendelssohn Bartholdy
Ein Sommernachtstraum für Sprecher, Soli,
Frauenchor und Orchester op. 61
Uraufführung am 20. Februar 1827 in Stettin (Ouvertüre),
14. Oktober 1843 in Berlin (Schauspielmusik)
2 Flöten
2 Hörner
2 Oboen
3 Trompeten
2 Klarinetten
3 Posaunen
2 Fagotte
1 Tuba
Pauke, Schlagzeug
Streicher
2 Solo-Soprane, Sprecher, Frauenchor
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Zauber jugendlicher Frische:
Mendelssohns Oktett Es-Dur op. 20
Im Alter von 14 Jahren hatte der junge Felix schon unter
Aufsicht seines Lehrers Carl Friedrich Zelter – Leiter der Berliner
Sing-Akademie – in Anknüpfung an klassische Vorbilder wie
Haydn und Mozart sowie an die barocke Kunst des Kontrapunkts
nach Bach ein Dutzend Sinfonien für Streichorchester komponiert, welche im großzügigen Berliner Elternhaus, dem Rebeckschen Palais in der Leipziger Straße, aufgeführt worden waren.
Das mit zwei Streichquartetten doppelchörig besetzte Oktett,
das laut handschriftlicher Partitur „von allen Instrumenten im
Style eines symphonischen Orchesters gespielt werden“ soll,
knüpft an diese frühe „Orchesterpraxis“ an, entwickelt aber nun
einen höchst eigenständigen, im Kopfsatz stürmisch drängenden Ton: Das sich auftürmende Eingangsthema entwickelt
einen kaum zu stoppenden Bewegungsdrang, der mit dem
Aufknospen einer Vielzahl höchst einnehmender LiedGedanken einhergeht, und eine gleichwohl frühlingshafte wie
auch kämpferische Stimmung liegt über dem ganzen Satz.
Kontraste und Verwischungen zwischen Dur und Moll prägen
das sehnsuchtsvolle Andante. Dass der Knabe Felix in Zelters
Unterricht durchaus „von Kobolden und Drachen träumen“ durfte, macht das durchaus schon die Welt des Sommernachtstraums spiegelnde g-Moll-Scherzo mit seiner spukhaft-leisen
Anfangsstimmung deutlich (einem in sich kreisenden Perpetuum-mobile-Thema), in das ein marschartiger Gedanke
einbricht. Als poetische Vorlage gab Felix allerdings seiner
Schwester gegenüber vielmehr den Traum einer Walpurgisnacht
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aus Goethes Faust preis, so dass Fanny gleich notierte, man
fühle „sich so nahe der Geisterwelt, so leicht in die Lüfte gehoben, ja man könnte selbst einen Besenstil zur Hand nehmen,
der luftigen Schar besser zu folgen“. Mendelssohn schätzte
diesen Satz – und nach Robert Schumann das ganze Oktett als
„sein liebstes Werk aus seiner Jugendzeit“ – so sehr, dass er
1829 für eine Aufführung seiner ersten Sinfonie c-Moll op. 11 in
London das Scherzo anstelle des Menuetts einfügte und in
voller Orchesterbesetzung aufführte. Der Finalsatz des Oktetts
wird einerseits durch Relikte der Scherzo- und KopfsatzMelodik und deren wilder Bewegung gekennzeichnet, folgt
andererseits aber auch der alten „barocken“ Idee einer kontrapunktischen Zusammenfassung im fugierten Stil. Voller Stolz
schrieb Zelter wenige Tage nach der ersten Aufführung im Salon
des Hauses Mendelssohn seinem Freund Goethe: Man war sich
einig, der Entwicklung eines Mozart vergleichbaren Genies
beizuwohnen.
Bühnenmusik zur Konzertunterhaltung:
Jacques Iberts Divertissement
Am 8. August 1890 in Paris geboren (wo er auch 1862 starb),
galt Iberts Interesse neben Schule und Ausbildung im Unternehmen seines Vaters schon früh – und anfangs noch heimlich –
der Musik und dem Theater. 1910 begann seine Ausbildung am
Pariser Konservatorium, während der sich nicht nur eine Freundschaft mit Arthur Honegger und Darius Milhaud entwickelte, sondern über Broterwerb in den Kinos auch ein Talent zur musikalischen Untermalung der Stummfilme dieser Zeit. Nach der Teil7
nahme am Ersten Weltkrieg gewann er gleich 1919 den Prix de
Rome und begab sich 1920 mit seiner Frau Rosette Veber auf
drei Jahre währende Reisen durch Südeuropa und Tunesien (sein
bekanntestes Werk Escales... von 1922 vermittelt musikalische
Reiseimpressionen).
1923 nach Frankreich zurückgekehrt, schrieb Ibert nicht nur
recht erfolgreich Opern, sondern auch Bühnenmusik zu Eugène
Labiches Un chapeau de paille d'Italie aus dem Jahre 1851 – ein
Klassiker der Boulevardkomödie, fast zeitgleich 1927 verfilmt
von René Clair und 1939 mit Heinz Rühmann (Der Florentiner
Hut). Noch vor der Uraufführung bei einer Produktion des
Stücks in Amsterdam (1929) arbeitete er 1928 einige Sätze zu
einer Konzertsuite um, die 1930 von Vladimir Golschmann mit
dem Orchestre symphonique
de Paris uraufgeführt wurde.
Der Titel Divertissement
spielt auf den unterhaltsamen Charakter der Musik wie
der Vorlage an: Ein Kutscher
muss während laufender
Vorbereitungen seiner eigeJacques Ibert
nen Hochzeit einen von
seinem Pferd verspeisten Hut
wiederbesorgen, um eine
Affäre der Besitzerin mit einem ihn deshalb bedrohenden Offizier geheim zu halten. Iberts Suite setzt in der Hektik der Großstadt an, integriert Jazz- und Zirkusklänge und parodiert in der
Cortège – Relikt des Improvisierens zu Stummfilmen mit klassi8
schen Versatzstücken – einen recht bekannten Hochzeitsmarsch. Aus dem Großstadtdschungel wechselte Ibert in Nachfolge Mendelssohns für Shakespeares Boulevardstück Le songe
d'une nuit d'été (1942) später in den Elfenwald; diese Bühnenmusik erfuhr 1946 in der Suite Élisabéthaine ebenfalls eine
Konzertfassung.
Mendelssohns SommernachtstraumKulissen: Konzert-Ouvertüre op. 21
und Bühnenmusik
Felix poetische Phantasie orientierte sich jedoch die Jahre
darauf nicht nur am Weimarer Literatur-Genie, sondern auch an
jenem dunklen Dramatiker des elisabethanischen Zeitalters, der
in der Romantik so starken und auch musikalischen Widerhall
erfuhr: William Shakespeare. Dessen Komödie Ein Sommernachtstraum (A Midsummer Night's Marriage) war bis 1843 in
Deutschland keineswegs populär: Wahrscheinlich um 1695 aus
Anlass einer Hochzeitsfeier am Hofe von Königin Elisabeth I.
entstanden, erscheint die Handlung des Stücks verworren, da
sich gleich vier Paare ihrer Beziehungen bewußt werden
müssen – noch dazu in einer etwas chaotischen Zauberwelt der
Elfen und flankiert von den Bemühungen einiger etwas täppischer Vertreter des gemeinen Volkes, zu Ehren ihres Herrschers
ein „klassisches“ Theaterstück auf die Bühne zu bringen (hier
betreibt Shakespeare vielmehr eine ironische Spiegelung seines
eigenen Beitrags eines „Hochzeitsstücks“).
Aus dem mythisch-allegorischen Spiel Shakespeares, das Friedrich Schlegel ins Deutsche übertragen hatte, wurde nun nicht
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zuletzt mithilfe der Musik Mendelssohns ein romantisches
Märchenspiel. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. hatte
Mendelssohn 1841 nach dessen musikalischer Beteiligung an
diversen Bühnenproduktionen in Düsseldorf und Leipzig
verpflichtet, als sein „Hauskomponist“ gemeinsam mit dem
romantischen Dichter und regieführenden Theaterdirektor
Ludwig Tieck eine Reihe antiker und klassizistischer Dramen auf
die Bühne des Neuen Palais in Potsdam zu bringen: Ein
Sommernachtstraum folgte auf Antigone von Sophokles (1841),
1845 gefolgt von Oedipus in Kolonos (Sophokles) und Athalia
(Racine). Die Musik Mendelssohns wurde schließlich für die
Durchsetzung des Stückes in Deutschland ausschlaggebend und
blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein untrennbar mit nahezu
jeder öffentlichen Aufführung verbunden; sie nutzt – so sehr
sie auch durch Bezug auf die Dramenvorlage als eine Einheit
erscheinen mag – zwei unterschiedliche Formen musikalischer
Reflexion literarischer Stoffe, die sich grundsätzlich unterscheiden.
Nur ein Jahr nach dem Oktett (op. 20) mit seinem leichtfüßigelfenhaften Scherzo-Satz war nach begeisterter Lektüre der
Schlegelschen Übersetzung bereits eine „Ouvertüre“ entstanden: „Heute oder morgen will ich anfangen, den Sommernachtstraum zu träumen“, schrieb Felix am 7. Juli 1826 an
seine Schwester Fanny; bis zum 6. August war dieser Traum in
Form eines reinen Orchesterstücks fertiggeträumt. Dabei ist
keineswegs schon an Musik für das Theater gedacht; vielmehr
stellt Mendelssohn das Werk zuerst im privaten Kreis als musikalische Fantasie über die ganze Theatervorlage vor: Im
Rahmen der häuslichen „Sonntagsmusiken“ fand im November
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1826 eine Wiedergabe auf dem Klavier zu vier Händen statt; am
20. Februar 1827 leitete Carl Loewe dann in Stettin die Uraufführung der Orchesterfassung als „Concert Ouverture“. Auf
Einladung der Philharmonic Society in London dirigierte
Mendelssohn selbst dort 1829 zwei Aufführungen; das Stück
verbreitete sich in Abschriften und schließlich nach dem Druck
der Stimmen (1832) schnell in den deutschen und europäischen Konzertsälen.
Wesentlich für die breite Rezeption war sicherlich die schon
erfolgte Etablierung der Gattung „Ouvertüre“ neben der Sinfonie als einsätziges, oft auf poetische Vorlagen bezogenes
Konzertstück: Beethoven hatte mit seinen Ouvertüren zu Coriolan (1807; das Schauspiel von Collin war damals schon von den
Bühnen verschwunden), Goethes Egmont (1810) und den
Leonore-Ouvertüren für einen
festen Platz der Gattung im
Konzertrepertoire gesorgt,
wozu dem gleichwohl FestOuvertüren (wie Beethovens
Zur Namensfeier) und tatsächlich auch Übernahmen
von Opern- und Schauspielouvertüren gehörten (zum
Felix Mendelssohn Bartholdy (1830)
Teil wie bei Mozart mit eigens nachkomponierten Konzertschlüssen). Mendelssohns Konzept einer Konzert-Ouvertüre,
die keineswegs das Schauspiel einleiten, sondern dessen Stimmungen und Charaktere musikalisch reflektieren soll (ohne
dabei die Handlung „nachzuerzählen“), folgt in dieser Hinsicht
Beethoven und nimmt zugleich die „Sinfonische Dichtung“ als
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neue Gattungskonzeption von Franz Liszt vorweg – der sich
1854 übrigens gerade in seinen „Dramaturgischen Blättern“,
welche die Schauspiel- und Opernaufführungen in Weimar
publizistisch begleiteten, ausführlich auf die Schauspielmusiken Beethovens zu Egmont und Mendelssohns Sommernachtstraum bezog, um die seine Orchesterwerke wie auch Wagners
Musikdramen kennzeichnende Idee zukunftsträchtiger Verbindungen von Poesie, Drama und sinfonischer Musik zu illustrieren.
Die Konzert-Ouvertüre stellt also ein – formal durch die Orientierung an Sonaten- bzw. Sinfoniehauptsätzen sogar recht festgelegtes – Medium der Reflektion und Überhöhung des dramatischen Sujet in der Musik dar: Mendelssohn findet und reiht
ganz überzeugend charakteristische Themen und Klänge aneinander von im Wald gewobenem „Elfenzauber“ (Streicher zu
Beginn), herrschaftlich-erhabenen Attitüden (TuttiHauptthema), liebe- und sehnsuchtsvollen Seitengedanken bis
hin zu volkstümlich-burleskem „Rüpel-Tanz“ am Ende des
ersten Themen-Durchlaufs (gewürzt mit Nonensprüngen als
„Eselsrufen“); mit einem kurzen durchführenden Teil – überwiegend schlummrigen Waldwebens – und einer leicht veränderten Reprise aller Themen wird einer rein musikalischen Norm
recht strikt entsprochen und zugleich das dramaturgischprogrammatische Potential „charakteristischer“ romantischer
Instrumentalmusik beispielhaft vorgeführt.
Ein direkter Handlungsbezug der eindrucksvollen musikalischen Gestalten und Klangsphären dieser Ouvertüre kann kaum
hergestellt werden; für seine die siebzehn Jahre später
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zwischen Dezember 1842 und der Potsdamer Uraufführung am
14. 10. 1843 komponierte Bühnenmusik (op. 61) nutzte
Mendelssohn sie aber durchaus als thematischen Steinbruch.
Die nun strikt funktional ausgerichtete Zuordnung von insgesamt dreizehn Nummern der neuen Bühnenmusik setzt bezeichnenderweise erst nach dem ersten Akt mit Wechsel der Szene in
den Elfenwald ein – der „realeren“ Welt des Athener Hofes, an
welchem „Herzog“ Theseus und die Amazonenkönigin Hippolyta anfangs ihre standesgemäße Hochzeit vorbereiten, vier
junge Adelige sich hingegen väterlicher Beziehungsplanung
widersetzen und in den Wald fliehen wollen, sowie eine Gruppe
von einfachen Handwerkern, die sich zur Vorbereitung eines
Hochzeitsstücks verabreden, ist bezeichnenderweise keine
Musik zugedacht. Musik und Maskenspiel als Kunstvollzug wird
somit zuerst im Zauberreich der Elfen angesiedelt und wirkt von
dort her in das höfische, alltäglichere Leben hinein.
Synopse: Handlung und Musikfolge
Ein erstes instrumentales Zwischenspiel – ein tänzerischspukhaftes Scherzo (Nr. 1) – leitet somit über in diese Kunstund Märchenwelt, in der das Orchester auch beim ersten
Auftritt des Elfen Puck (bei Schlegel heißt er Droll) und weiterer
Elfen nicht verstummt, sondern zwischen den in der Bühnenfassung recht langen Dialogen erklingt (im Konzertsaal wie auf
Tonträgern zumeist gestrichen): Mendelssohn unterstreicht in
der zweiten Nummer damit die neue märchenhafte Stimmung
und schließt sie gar mit handlungsimmanenter Musik ab: einem
kleinen Elfenmarsch, welcher den Auftritt des Elfenherrschers
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Oberon und seiner Gemahlin Titania begleitet. Jenseits gesprochener Passagen entsteht durch ein ebenfalls handlungsintern
nach Titanias Aufforderung von den Elfen gesungenes Lied mit
Chor (Nr. 3, Libretto im Anhang) eine auch musikalisch übergreifend durchgestaltete, fast schon operngemäße „Introduzione“ in das Elfenreich, die zum Beginn der eigentlichen
Sommernacht hinleitet. Puck wird nun von Oberon als Intrigant
installiert, der Titania den Zaubernektar einer Blume in die
Augenlider reiben soll, um sie verliebt zu machen (gleichwohl
ein Sinnbild für die Kunst). Die Oberons und Pucks Worte wie
Zaubersprüche untermalende Musik der sehr kurzen Nr. 4 ist
gleichfalls als „Melodram“ konzipiert und verstummt mit dem
Auftritt der jungen Athener im Wald. Da Oberon eine gewisse
Verworrenheit ihrer Gefühle aus ihren Unterhaltungen
entnimmt, setzt er auch hier Puck ein, damit die richtigen zwei
Paare zusammenfinden. Erst nach dem Aktschluss setzt wieder
Musik ein: mit einem aufgewühlten instrumentalen Allegro
appassionato (Nr. 5, auch nicht authentisch als „Intermezzo“
bekannt) als Ausdruck sehnsuchtsvoller Gefühle, dem aber
gleich ein kleiner Volkstanz angeschlossen wird, der die
Ankunft der Handwerker zur Probe im Wald begleitet. Puck
beobachtet sie und zaubert einem, nämlich Zettel, einen Eselkopf, welcher die anderen vertreibt; Titania, gerade erwacht,
erblickt Zettel und verliebt sich (Nr. 6 ist – angesichts der Folge
von Zaubern – ein sehr langes „Melodram“ und wird mit Sprechpassagen verschiedener Beteiligter unterlegt). Schließlich
schlafen alle ein, und das Notturno (Nachtstück, Nr. 7) wird
eingeschoben, bevor Oberon amüsiert Pucks Zauber aufhebt
und die richtigen Beziehungen herstellt (auch hier ist durchgehend die Musik einer achten Nummer unterlegt); mit dem
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Auftritt von Theseus und dem Athener Gefolge, welche die
Geflohenen suchen, verstummt zwar die Elfenmusik, eine
Fanfare kündigt jedoch bereits den festlichen Hochzeitsmarsch
an (Nr. 9), der zum Schlussakt überleitet: Dort wird nun Heirat
gefeiert und auch das burleske Spiel der Handwerker – Pyramus
und Thisbe nach Ovid – aufgeführt, tatsächlich mit nun der
Bühne auf der Bühne direkt zugehöriger Musik (Nr. 10 wieder
als Melodram mit Trauermarsch); als von Theseus ausdrücklich
geforderter „Epilog“ erklingt der aus der Ouvertüre bekannte
Rüpeltanz (Nr. 11). Die menschliche Kunst erscheint somit als
eine primitivere, was nach Abzug der Hochzeitsgesellschaft
recht deutlich wird: Puck und die Elfen treten wieder zu eigener
Musik auf (Nr. 12), und das Finale entwickelt Mendelssohn fast
opernhaft aus Material der Ouvertüre nach Oberons und Titanias Aufforderung: „Singt nach meiner Lieder Weise“ – „Singt und
segnet diesen Ort“.
Hartmut Hein
William Blake, Oberon, Titania und Puck mit tanzenden Feen (ca. 1786)
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Ein Sommernachtstraum
Ouvertüre
HANDWERKER: Hier ist das Blatt mit jedermanns Namen, der in ganz Athen für
tüchtig gehalten wird, in unserem Zwischenspiel vor dem Herzog und der
Herzogin zu agieren an seinem Hochzeitstag zu Nacht.
ZETTEL: Sagt was ich für einen Part habe und dann weiter.
HANDWERKER: Pst, ihr seid als Pyramus angeschrieben.
ZETTEL: Was ist Pyramus? Ein Liebhaber oder ein Tyrann?
HANDWERKER: Ein Liebhaber, der sich auf die honetteste Art vor Liebe
umbringt.
ZETTEL: Das wird einige Tränen kosten bei einer wahrhaftigen Vorstellung. Ich
will Sturm erregen, ich will einigermaßen lamentieren … eigentlich habe ich
doch das rechte Genie zu einem Tyrannen; ich könnte einen Herkles kostbarlich spielen oder eine Rolle, wo man alles kurz und klein schlagen muß. Wenn
ich das Gesicht verstecken darf, so gebt mir Thisbe auch. Ich will mit `ner
ferribel feinen Stimme reden: Ach Pyramus mein Liebster schön.
Laßt mich den Löwen auch spielen! Ich will brüllen, daß es einem Menschen
im Leibe wohltun soll, mich zu hören. Ich will brüllen, daß der Herzog sagen
soll: Nochmal brüllen! Noch mal brüllen!
Zugegeben, Freunde, wenn wir die Damen so erschrecken, daß sie um ihre
fünf Sinne kommen, werden sie unvernünftig genug sein, uns aufzuhängen.
Aber ich will meine Stimme forcieren, ich will euch so sanft brüllen, wie ein
saugendes Täubchen, ich will euch brüllen, als wär es ne Nachtigall.
HANDWERKER: Treffen wir uns in dem Schloßwalde bei Mondschein, da
können wir recht unverschämt und herzhaft probieren.
Gebt euch Mühe, könnt eure Rollen perfekt!
Nr. 1 Scherzo
PUCK: He Geist, wo geht die Reise hin?
Nr. 2 Dialog
ELFE: Über Täler und Höh´n
Durch Dornen und Steine,
Über Gräben und Zäune,
Durch Flammen und See´n
Wandel´ ich, schlüpf´ ich überall,
Schneller als der Mondes Ball.
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Ich dien´ dem Elfenkönig.
Jetzt such ich Tropfen Taus hervor
Und häng´ ´ne Perl´ an jeder Primel Ohr.
Leb wohl! Ich geh, du täppischer Gesellel
Der Zug der Königin naht auf der Stelle.
PUCK: Der König will sein Wesen nachts hier treiben.
Warnt nur die Königin, entfernt zu bleiben.
ELFE: Wenn du nicht ganz dich zu verstellen weißt,
So bist du jener schlaue Pollergeist,
Der auf dem Dorf die Dirnen zu erhaschen,
Zu necken pflegt;
Der oft bei Nacht den Wandrer irre leitet,
Dann schadenfroh mit Lachen ihn begleitet.
Bist du der Kobold nicht?
PUCK: Du hast´s geraten,
Ich schwärme nachts umher auf solche Taten,
Doch nun macht Platz, denn hier kommt Oberon!
ELFE: Hier meine Königin – O mach er sich davon!
Elfenmarsch
OBERON: Schlimm treffen wir Titania, bei Mondenlicht zusammen!
TITANIA: Wie Oberon hier? Ihr Elfen, fort mit mir,
Denn Zanck erhebt sich, weil ich länger hier!
OBERON: Gut, zieh nur hin! Mein guter Puck, komm her!
Hol mir die Blume „Lieb im Müßiggang“.
Ich weis dir einst das Kraut.
Ihr Saft, geträufelt auf entschlaf´ne Wimpern,
Die sie zunächst erblicken, toll vergafft.
PUCK: Rund um die Erde, zieh ich einen Gürtel
In viermal zehn Minuten.
OBERON: Hab´ ich den Saft erst,
So träufle ich ihn Titania ins Auge!
Was sie zunächst erblickt, wenn sie erwacht,
Sei´s Löwe, sei es Bär, Wolf oder Stier,
Ein naseweiser Aff´, ein Paviänchen:
Sie soll´s verfolgen mit der Liebe Sinn.
Hast du die Blume?
PUCK: Da ist sie, seht!
OBERON: So treff mich denn vorm ersten Hahnenschrei!
PUCK: Verlaßt euch, Herr, auf eures Dieners Treu!
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Nr. 3 Lied mit Chor
Titania mit Gefolge
TITANIA: Kommt!
Einen Ringel-, einen Feengesang!
Ihr tötet Raupen
in den Rosenknospen,
Ihr andern führt
mit Fiedermäusen Krieg,
Ihr endlich sollt den Kauz,
der nächtlich kreischt,
Von uns verscheuchen!
Singt mich nun in Schlaf
An Eure Dienste dann
und laßt mich ruhn!
ERSTE ELFE: Bunte Schlangen,
zweigezüngt!
Igel, Molche, fort von hier!
Daß ihr euren Gift nicht bringt,
In der Königin Revier!
Fort von hier!
Nr. 4 Andante
OBERON: Was du wirst erwachend sehn,
Wähl es dir zum Liebsten schön,
Seinetwegen schmacht und stöhn,
Sei es Brummbär, Kater, Luchs,
Borst´ger Eber oder Fuchs,
Was sich zeigt an diesem Platz,
Sähst du gleich die ärgste Fratz!
(Oberon verschwindet.)
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CHOR: Nachtigall, mit Melodei
Sing´in unser Eia popei!
Eia popeia! Eia popei!
Daß kein Spruch,
Kein Zauberflucht
Der holden Herrin schädlich sei
Nun gute Nacht mit Eia popei!
Zweiter Elfe: Schwarze Käfer,
uns umgebt
Nicht mit Summen!
Macht euch fort!
Spinnen, die ihr künstlich webt,
Webt an einem andern Ort!
Macht euch fort!
CHOR: Nachtigall, mit Melodei
Sing´in unser Eia popei!
Eia popeia! Eia popei!
Daß kein Spruch,
Kein Zauberflucht
Der holden Herrin schädlich sei
Nun gute Nacht mit Eia popei!
Zweiter Elfe: Alles gut:
nun auf und fort!
Einer halte Wache dort!
Lysander und Hermia kommen, sie lagern sich und schlafen.
PUCK: Wer – oh Still und Nacht –
Liegt da in Athener -Tracht?
Hier schläft auch ruhig und gesund
Das Arme darf nicht liegen nah
Dem Schlagetod der Liebe da!
Allen Zauber dieses Taus,
Flegel, gieß ich auf dich aus!
Wachst du auf, so scheuch den Schlummer
Dir vom Aug der Liebe Kummer!
Nun erwach, ich muß davon,
Denn ich muß zum Oberon.
(Puck verschwindet.)
Demetrius und Helena kommen, Lysander, erwachend, erblickt Helena,
das Verwirrspiel beginnt!
Nr. 5 Intermezzo
Die Handwerker erscheinen
Nr. 6 Dialog
PUCK: Welch hausgebacknes Volk macht sich hier breit,
So nah der Wiege unsrer Königin?
Wie? Gibt´s ein Schauspiel? Ich will Hörer sein,
Mitspieler auch vielleicht, nachdem sich´s fügt!
HANDWERKER: Sprecht, Pyramus! Thisbe, tretet auf!
ZETTEL: Thisbe, wie eine Blum´ von Giften duftet süß…
HANDWERKER: Düften, Düften … von Düften duftet süß.
ZETTEL: So tut dein Atem auch, o Thisbe, meine Zierl
Doch horch, ich hör ein Stimm: es ist mein Vater g´wiß,
Bleibt eine Weile stehn, ich bin gleich wieder hier!
Zettel-Pyramus ab.
PUCK: Ein seltnes Stück von einem Pyramus!
HANDWERKER: Thisbe, zum Henker, ihr müßt jetzt reden, freilich müßt ihr, ihr
müßt wissen, er geht nur weg, um ein Geräusch zu sehen, daß er gehört hat,
und wird gleich wiederkommen.
THISBE: Umstrahlter Pyramus, an Farbe lilienweiß
Und rot wie eine Ros´ auf triumphierendem Strauch,
Du munterer Juvenil, der Männer Zier und Preis,
Treu wie das treuste Roß, das nie ermüdet auch:
Ich will dich treffen an, glaub mir, bei Nickels Grab.
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HANDWERKER: Ninus´ Grab, Kerl. Aber das müßt ihr jetzt nicht sagen, das
antwortet ihr dem Pyramus. Ihr sagt euren ganzen Part auf einmal her, Stichwörter und all den Plunder.
Pyramus tretet auf, euer Stichwort ist schon dagewesen, es ist: ermüdet auch.
Zettel-Pyramus mit einem Eselskopf kommt zurück.
HANDWERKER: O greulich, erschrecklich! Es spukt hier,
ich bitt euch Meisters, lauft, Meisters Hilfe! Zettel, du bist transferiert!
PUCK: Nun jag ich euch und führ euch kreuz und quer
Durch Dorn und Busch, durch Sumpf, durch Wald.
Bald bin ich Pferd, bald Eber, Hund und Bär,
Erschein als Werwolf und als Feuer bald,
Will grunzen, wiehern, bellen, brummen, flammen,
Wie Eber, Pferd, Hund, Bär und Feuer zusammen.
ZETTEL-PYRAMUS: Warum laufen sie weg?
Das ist eine Schelmerei von ihnen, ich merke wohl,
sie wollen einen Esel aus mir machen.
Aber ich will hier nicht von der Stelle;
ich will hier auf und ab spazieren und singen,
damit sie sehen, daß ich mich nicht fürchte.
Die Schwalbe, die den Sommer bringt.
Der Spatz, der Zeisig fein,
Die Lerche, die sich lustig schwingt
Bis in den Himmel nein …
TITANIA: Weckt mich von meinem Blumenbett ein Engel?
ZETTEL-PYRAMUS: Der Kuckuck, der der Grasemück
So gern ins Nestchen heckt,
Und lacht darob mit arger Tück
Und manchen Ehmann neckt …
TITANIA: Ich bitte dich, du holder Sterblicher,
Sing noch einmal! Mein Ohr ist ganz verliebt
In deine Melodie; auch ist mein Aug'
Betört von deiner lieblichen Gestalt.
Ich liebe dich, drum folge mir,
Ich gebe Elfen zur Bedienung dir.
Ihr Elfen, huldigt ihm und neigt euch fein.
Kommt, führt ihn hin zu meinem Heiligtume!
Mich dünkt, von Tränen blinkte Lunas Glanz,
Und wenn sie weint, weint jede kleine Blume
Um einen wild zerrissen Mädchenkranz.
Ein Zauber soll des Liebsten Stimme binden,
Wir wollen still den Weg zur Laube finden.
20
Nr. 7 Notturno
OBERON: Nun, toller Geist, was spuken hier im Wald für Abenteuer?
PUCK: Herr, meine Fürstin liebt ein Ungeheuer!
OBERON: Jetzt fängt mich doch ihr Wahnsinn an zu dauern!
Du, lieber Puck, nimm diese fremde Larve
Vom Kopf des Gesellen aus Athen,
Auf daß er mit den andern hier, erwachend,
Sich wieder heimbegebe
Und alle der Geschichten dieser Nacht
Nur wie der Launen eines Traums gedenken! …
Doch lös ich erst die Elfenkönig!
Nr. 8 Dialog
OBERON: Sei, als wäre nichts geschehn!
Sieh, wie du zuvor gesehn!
So besiegt zu hohem Ruhme
Cynthias Knospe, Arnos Blume.
Nun, holde Königin, wach auf Titania!
TITANIA: Mein Oberon,
was für Gesicht ich sah!
Mir schien, ein Esel hielt mein
Herz gefangen.
OBERON: Da liegt dein Freund.
TITANIA: Wie ist dies zugegangen?
OBERON: Ertön Musik!
PUCK: Elfenkönig, horch, da klang
Schon der Lerche Morgengesang.
OBERON: Hüpfen wir denn, Königin,
Schweigend nach den Schatten hin.
Schneller als die Monde kreisen,
Können wir die Erd umreisen.
Joseph Noel Paton, Oberon
und Titania (1849)
Theseus und Hippolyta mit Gefolge.
EGEUS: Hier schlummert meine Tochter, gnädger Herr!
Dies ist Lysander. Dies Demetrius,
Dies Helena, ich bin erstaunt,
Beisammen sie zu treffen.
THESEUS: Sie machen ohne Zweifel früh sich auf
Den Mai zu feiern, und kamen her zu unsrer Festlichkeit.
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Geh, heiß die Jäger sie
Mit ihrem Hönern wecken.
Ihr Liebenden, ein Glück, daß ich euch traf:
Kommt mit zur Stadt! Wir wollen drei selb drei
Ein Fest begehn, das ohnegleichen sei!
Nr. 9 Hochzeitsmarsch
THESEUS: Nun kommt! Was haben wir für Spiel und Tänze?
Ist kein Schauspiel da?
HANDWERKER: Beliebt es eurer Hoheit, der Prolog ist fertig!
THESEUS: Laßt ihn kommen.
Nr. 10 Dialog
HANDWERKER: Was dies bedeuten soll, das wird euch wundern müssen,
Bis Wahrheit alle Ding´ bringt an das Licht herfür.
Der Mann ist Pyramus, wofern ihr es wollt wissen,
Und dies Fräulein schön ist Thisbe, glaubt es mir.
Der Mann mit Mörtel hier und Kalk, der soll bedeuten
Die Wand, die garstige Wand, die ihre Lieb´ tät scheiden.
Dies gräßlich wilde Tier mit Namen Löwe groß.
Was noch zu sagen ist, das wird, glaubt mir fürwahr,
Euch Mondschein, Wand und Löw´ und das verliebte Paar
Der Läng´ und Breite nach, solang sie hier verweilen,
Erzählen, wenn ihr wollt, in wohlgereimten Zeilen.
Pyramus kommt.
PYRAMUS: O Nacht, so schwarz von Farb´, o grimmerfüllte Nacht!
O Nacht, die immer ist, sobald der Tag vorbei.
O Nacht! O Nacht! O Nacht! ach! ach! Himmel, ach!
Und du, o Wand, o süß´ und liebenswerte Wand
Zeig deine Spalte mir, daß ich dadurch mag sehen,
Hab Dank, du gute Wand, der Himmel lohn es dir!
Jedoch, was seh´ ich dort? Thisbe, die seh´ ich nicht.
O böse Wand, durch die ich nicht seh´ meine Ziel,
Verflucht sei´n deine Stein´, daß du so äffest mich.
Thisbe tritt auf.
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THISBE: O Wand, du hast schon oft gehört das Seufzen mein,
Mein´ schönsten Pyramus weil du so trennst von mir,
Mein roter Mund hat oft geküsset deine Stein´,
Dein Stein´, mit Kalk und Haar gekittet auf in dir.
PYRAMUS: Ein´ Stimm´ ich sehen tu, ich will zur Spalt´ und schauen
Ob ich nicht hören kann meiner Thisbe Antlitz klar.
Thisbe!
THISBE: Dies ist mein Schatz, mein Liebster ist´s fürwahr!
PYRAMUS: O küßt mich durch das Loch von dieser garstgen Wand!
THISBE: Mein Kuß trifft nur das Loch, nicht deiner Lippen Rand.
PYRAMUS: Willst du bei Nickels Grab heut Nacht mich treffen an?
THISBE: Seis lebend oder tot, ich komme, wenn ich kann.
Wand, Pyramus und Thisbe ab, Löwe und Mondschein treten auf.
LÖWE: Ihr, Fräulein, deren Herz fürchtet die kleinste Maus,
Die in monströser G´stalt tut auf dem Boden schweben,
Mögt itzo zweifelsohn´ erzittern und erbeben,
Wenn Löwe, rauh von Wut, läßt sein Gebrüll heraus!
Huah!
THISBE: Dies ist ja Nickels Grab, wo ist mein Liebster denn?
Löwe: Huah!
Der Löwe zerreißt den Mantel der Thisbe, Thisbe und Löwe ab.
Pyramus kommt zurück.
PYRAMUS: Ich dank dir, süßer Mond, für deine Sonnenstrahlen,
Die also hell und schön den Erdenball bemalen,
Doch halt, o Pein, was soll dies sein!
Was für ein Graus ist dies!
Aug´ siehst du noch? O schweres Joch!
Mein Herz, mein Liebchen süß,
Dein Mantel gut
Befleckt mit Blut
Ihr Furien, kommt im Trab
Herbei und rächt
Und löscht und brecht
Den Lebensfaden ab!
Warum denn, o Natur, tatst du den Löwen bauen?
Weil solch ein schnöder Löw mein Lieb hat defloriert,
Sie welche ist – nein war – die schönste aller Frauen,
Die je des Tages Glanz mit ihrem Schein geziert.
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Komm, Tränenschar!
Aus, Schwert, durchfahr
Die Brust dem Pyramo!
Die Linke hier,
Wo´s Herz hüpft mir,
So sterb´ ich denn, so, so!
Nun tot ich bin,
Der Leib ist hin,
Die Seel´ speist Himmelsbrot.
O Zung´, lisch aus!
Mond, lauf nach Haus!
Nun tot, tot, tot, tot, tot!
THISBE: Schläfst, du, mein Kind?
Steh auf geschwind!
Wie, Täubchen, bist du tot?
O sprich, o sprich!
O rege dich!
Ach, tot ist er, o Not!
Dein Lilienmund,
Dein Auge rund,
Wie Schnittlauch frisch und grün,
Dein´ Kirschennas´.
Dein´ Wangen blaß,
Die wie ein Goldlack blühn,
Soll nun ein Stein
Bedecken fein?
O klopf mein Herz und bricht!
Ihr Schwestern drei!
Kommt, kommt herbei
Und legt Hand an mich!
Zung´, nicht ein Wort!
Nun, Dolch, mach fort,
Zerreiß des Busens Schnee!
Lebt wohl, ihr Herrn!
Ich scheide gern.
Ade, ade, ade!
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HANDWERKER: Beliebt es Eure
Hoheit den Epilog zu sehen oder
einen Bergomasker Tanz zu hören?
Theseus: Keinen Epilog, ich bitt
euch euer Stück bedarf keiner
Entschuldigung. Entschuldigt nur
nicht: wenn alle Schauspieler tot
sind, braucht man keinen zu tadeln.
Kommt: euren Bergomasker Tanz,
den Epilog laßt laufen!
Nr. 11 Ein Tanz von Rüpeln
THESEUS: Zu Bett, geliebte Freunde
Nach vierzehn Tag lang
soll die Festlichkeit
Sich nachts erneu´n mit
Spiel und Lustbarkeit.
Nr. 12 Szene und Dialog
PUCK: Jetzt beheult
der Wolf den Mond,
durstig brüllt im Forst der Tiger;
Jetzt, mit schwerem
Dienst verschont,
Schnarcht der arbeitsmüde Pflüger.
Jetzo schmaucht der Brand
im Herd,
Und das Käuzchen kreischt
und jammert;
Daß der Krank´ es ahnend hört
Und sich fest ans Kissen klammert;
Jetzo gähnt Gewölb´ und Grab,
Und, entschlüpft den
kalten Mauern,
Sieht man Geister auf und ab,
Sieht am Kirchhofszaun sie lauern.
Und wir Elfen schwärmen
jetzo! Keine Maus
Störe dies geweihte Haus!
An komm ich Besenreis,
Flur zu fegen blank und weiß.
Nr. 13 Finale
OBERON: Bei des Feuers mattern
Flimmern, Geister, Elfen,
stellt euch ein!
Tanzt in den bunten Zimmern
Manchen leichten Ringelreihn!
Singt nach meiner Lieder Weise!
Singet, Hüpfet! Lose! Leise!
TITANIA: Wirbelt mir
mit zarten Kunst
Eine Not´ auf jedes Wort:
Hand in Hand, mit Feengunst,
Singt und segnet diesen Ort!
CHOR: Bei des Feuers mattern
Flimmern, Geister, Elfen,
stellt euch ein!
Tanzt in den bunten Zimmern
Manchen leichten Ringelreihn!
Singt nach meiner Lieder Weisel
Singet, Hüpfet! Lose! Leise!
SOLO & CHOR: Wirbelt mir mit
zarten Kunst
Eine Not´ auf jedes Wort:
Hand in Hand, mit Feengunst,
Singt und segnet diesen Ort!
OBERON: Nun, bis Tages
Wiederkehr,
Elfen, schwärmt im Haus umher!
Kommt zum besten Brautbett hin,
Daß es Heil durch uns gewinn!
Das Geschlecht, entsprossen dort,
Sie gesegnet immerfort,
Jedes der drei Paare sei
Ewiglich im Lieben treu,
Ihr Geschlecht soll
nimmer schänden
Die Natur mit Feindeshänden,
Und mit Zeichen schlimmer Art,
Muttermal und Hasenschart´,
Werde durch des Himmels Zorn
Ihnen nie ein Kind gebor´n!
Elfen, sprengt durchs ganze Haus
Tropfen heil´gen Wiesentaus!
Jedes Zimmer, jeden Saal
Weiht und segnet allzumal
Friede sei in diesem Schloß,
Und sein Herr ein Glücksgenoß!
Nun genug!
Fort im Sprung!
Trefft mich in der Dämmerung!
CHOR: Nun genug!
Fort im Sprung!
Trefft mich in der Dämmerung!
PUCK: Wenn wir Schatten
euch beleidigt,
O so glaubt – und wohl verteidigt
Sind wir dann: Ihr alle schier
Habet nur geschummert hier
Und geschaut in Nachtgesichten
Eures eignen Hirnes Dichten.
Wollt ihr diesen Kinderfand,
Der wie leere Träume schwand,
Liebe Herrn, nicht gar verschmähn,
Sollt ihr bald was bessres sehn!
Nun, gute Nacht! Das Spiel zu enden,
Begrüßt uns mit gewognen Händen!
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Dominique Horwitz
Dominique Horwitz wurde am
23. April 1957 in Paris geboren und wuchs in der französischen Metropole auf. 1971
zog seine Familie nach Berlin.
Durch die Empfehlung eines
Freundes stand er mit neunzehn Jahren das erste Mal für
das Fernsehen vor der KameDominique Horwitz
ra, nur wenig später gab er als
Leo Singer in Peter Lilienthals
preisgekröntem Film „David“ sein Debüt auf der großen Leinwand. 1978 legte Horwitz für ein Jahr ein kabarettistisches
Zwischenspiel im Berliner CaDeWe ein, gefolgt von einem Engagement am Tübinger Zimmertheater von 1979 bis 1983. 1985
war er am Bayerischen Staatsschauspiel in München unter
Vertrag und von 1985 bis 1988 auch am Hamburger Thalia Theater. Dieter Wedel holte ihn für „Der große Bellheim“ wieder vor
die Kamera, wo ihm 1993 mit der Hauptrolle in Josef Vilsmaiers
„Stalingrad“ endgültig der internationale Durchbruch gelang.
Seither ist er in vielen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen
gewesen, ist aber der Bühne gleichermaßen treu geblieben.
Sein ausgeprägtes Gespür für Musik macht Dominique Horwitz zu
einem der gefragtesten Künstler des musikalisch-literarischen
Genres. 1992 wurde Horwitz mit dem Goldenen Löwen als bester
Darsteller ausgezeichnet und erhielt 2002 für sein Brel Chanson
Programm den Mephisto-Preis.
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VOX BONA
Vox Bona
„Schwungvoll – experimentierfreudig – musikbegeistert – vielseitig“ - mit diesen Begriffen lässt sich der Arbeits- und Musikstil
des jungen Kammerchores der Kreuzkirche VOX BONA am besten
beschreiben. Durch intensive Stimmbildung und Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Musik- und Gesangsstil einer Epoche
erarbeiten sich die rund 45 Sängerinnen und Sänger unter der
Leitung von Karin Freist-Wissing ein Repertoire, das von mittelalterlichen Singspielen über Barock, Romantik und Moderne bis
hin zu experimenteller Improvisation reicht.
Ein Schwerpunkt der Konzerttätigkeit sind barocke Oratorien und
Kantaten in Zusammenarbeit mit Orchestern wie Concerto Köln,
Neue Düsseldorfer Hofmusik und Concerto con Anima. Seit 2008
besteht eine regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Beethoven
Orchester Bonn auch bei den Familien- und Kinderkonzerten.
Rundfunkaufnahmen mit dem WDR und der Deutschen Welle
gehören ebenso zum Repertoire wie CD-Einspielungen, Konzertreisen und nationale und internationale Wettbewerbe. Seit 1996
hat Vox Bona viele verschiedene nationale und internationale
Preise gewonnen, zuletzt den 1. Preis im XII. Concorso Corale
Internazionale Riva del Garda in den Kategorien „Gemischte
Chöre mit Pflichtstück“ und „Sakrale Musik“ sowie „Gran Premio“
(1. Preis der Kategoriesieger) sowie den Publikumspreis.
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Christoph König
Christoph König wuchs in
Dresden auf und war Mitglied
des Dresdner Kreuzchores. In
der Folgezeit studierte er
Orchesterdirigieren, Klavier
Foto: Gunter Glucklich
und Gesang an der Musikhochschule seiner Heimatstadt. Seit 2009 ist er Chefdirigent des SinfonieorchesChristoph König
ters Casa da Musica im spektakulären neuen Konzertsaal
von Porto und seit 2010 der Solistes Européens Luxemburg. Meisterkurse bei Sergiu Celibidache und Assistenz bei Sir Colin Davis
und Riccardo Muti komplettierten seine musikalische Ausbildung, außerdem war er u. a. Erster Kapellmeister an der Oper
Bonn. Christoph König ist Preisträger der Herbert von Karajan
Stiftung.
König ist auch als Gastdirigent gefragt. In der letzten Zeit dirigierte er die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Orchestre de
Paris, das Royal Philharmonic Orchestra London, das Nederlands
Philharmonisch Orkest im Concertgebouw Amsterdam und das
BBC Scottish Symphony Orchestra, das er auf einer erfolgreichen
Tournee nach China begleitete (2008).
Als Operndirigent hat er sich schnell einen Namen gemacht,
nachdem er am Opernhaus Zürich für Franz Welser-Möst eingesprungen war und mit großem Erfolg die Premiere der Entführung aus dem Serail dirigierte. Bereits zuvor hatte er in Zürich
debütiert und in der Folge viele Vorstellungen geleitet.
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Foto: Thilo Beu
Beethoven Orchester Bonn
Beethoven Orchester Bonn
Den Ruf der Stadt Bonn im Geiste Beethovens bei Konzerten in
die Welt zu tragen, ist den Musikerinnen und Musikern des
Orchesters ein wesentliches Anliegen. Die Präsentation ausgefallener Programme ist dabei ein Hauptgedanke der künstlerischen
Arbeit. Exemplarisch hierfür stehen die CD- und SACDAufnahmen der „Leonore 1806“ – einer Frühfassung von Beethovens Oper „Fidelio“, die SACD-Produktionen des Oratoriums
„Christus“ von Franz Liszt und der Oper „Der Golem“ von Eugen
D’Albert, beide mit einem ECHO Klassik-Preis ausgezeichnet. Der
„Preis der deutschen Schallplattenkritik“ sowie ein weiterer ECHO
Klassik 2012 für die Einspielung der Oper „Irrelohe“ von Franz
Schreker ist eine schöne Bestätigung für dieses Engagement.
Was Richard Strauss als einer der ersten Gastdirigenten des
Orchesters begann, setzten später Max Reger, Sergiu Celibidache, Dennis Russell Davies und Kurt Masur fort: Sie führten das
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Orchester zur Spitzenklasse in Deutschland. Seit der Saison
2008/2009 ist Stefan Blunier Generalmusikdirektor. Mit großer
Leidenschaft berührt er das Publikum und begleitet es auf der
überwältigenden musikalischen Reise. Neben der Opern- und
Konzerttätigkeit (ca. 40 Konzerte und 120 Opernaufführungen
pro Saison) bildet die Kinder- und Jugendarbeit unter dem Titel
„Bobbys Klassik“ einen wichtigen Schwerpunkt. Thomas Honickel, Konzertpädagoge des Beethoven Orchester Bonn, steht
dabei als Garant für musikalische Bildung, Entertainment und
Kreativität. 2009 und 2011 wurde das erfolgreiche EducationProgramm mit dem begehrten ECHO Klassik-Preis ausgezeichnet.
Als Botschafter trägt der Bonner Klangkörper den guten Ruf der
Beethovenstadt in alle Welt. Über das Neujahrsfest 2012 war das
Orchester auf seiner ersten China-Tournee unterwegs. Im März
diesen Jahres standen auf einer USA-Tournee elf Konzerte in
Städten an der Ostküste und in Florida auf dem Programm. Auch
hier konnte das Beethoven Orchester Bonn seinen Ruf als exzellentes Orchester bestätigen.
Das Beethoven Orchester Bonn in Worcester, Mechanics Hall
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So 7. Juli 2013, ab 11 Uhr
Beethovenhalle
Eintritt frei!
VIEL SPASS FÜR GROSS UND KLEIN
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Foto: Thilo Beu
• Publikums-Orchester
• Dirigier-Schnupperkurs
• kammermusikalische
Darbietungen
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THEATER- UND KONZERTKASSE
Tel. 0228 - 77 8008
Windeckstraße 1, 53111 Bonn
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Öffnungszeiten: Mo - Fr 9.00 - 18.30 Uhr, Sa von 9.00 - 16.00 Uhr
Tel. Vorbestellung: Mo - Fr 10.00 - 15.30 Uhr, Sa 9.30 - 12.00 Uhr
Kasse in den Kammerspielen
Am Michaelshof 9, 53177 Bad Godesberg
Tel. 0228 - 77 8022
Öffnungszeiten: Mo - Fr 9.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 18.00 Uhr,
Sa 9.00 - 12.00 Uhr
print@home: Karten buchen & drucken von zu Hause aus
BONNTICKET: 0228 - 50 20 10, www.bonnticket.de
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Karten auch in den Zweigstellen des General-Anzeigers und bei allen
bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
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Beethoven Orchester Bonn
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Stefan Blunier
Wachsbleiche 1
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Fax 0228 - 77 6625
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Redaktion
Markus Reifenberg
Brigitte Rudolph
Texte
Dr. Hartmut Hein
Gestaltung
res extensa, Norbert Thomauske
Druck
Druckerei Scholl, Bonn
Bildnachweise:
Für die Überlassung der Fotos
danken wir den Künstlern und
Agenturen.
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HINWEISE
Wir möchten Sie bitten, während des
gesamten Konzertes Ihre Mobiltelefone ausgeschaltet zu lassen.
Wir bitten Sie um Verständnis, dass
wir Konzertbesucher, die zu spät
kommen, nicht sofort einlassen
können. Wir bemühen uns darum,
den Zugang zum Konzert so bald
wie möglich – spätestens zur Pause
– zu gewähren. In diesem Fall
besteht jedoch kein Anspruch auf
eine Rückerstattung des Eintrittspreises.
Wir machen darauf aufmerksam,
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unserer Aufführungen durch jede
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untersagt sind. Zuwiderhandlungen sind nach dem Urheberrechtsgesetz strafbar.
Das Beethoven Orchester Bonn
behält sich notwendige Programmund Besetzungsänderungen vor.
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