Marketing 3.0 – die Mischung aus Tradition und Moderne

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Marketing 3.0 – die Mischung
aus Tradition und Moderne
KARRIERE Schneller, individueller, vergänglicher: Digitales Marketing ist auf der Überholspur. Als RundumPatentlösung ist es jedoch ungeeignet. Davon sind zumindest die Bildungsanbieter überzeugt und setzen immer stärker auf Lehrgänge, die Altes und Neues integriert behandeln.
von Robert Wildi
«Die digitale Transformation
ist unumkehrbar und dringt immer weiter in die Bereiche des
traditionellen Marketings vor»,
sagt Peter Petrin, Direktor des
Schweizerischen Instituts für Betriebsökonomie (SIB) in Zürich.
Was sich seit Jahren abzeichnet,
wird am SIB und für viele weitere
Anbieter von Marketing-Weiterbildung immer deutlicher zur Gewissheit. Die Vermittlung von immer moderneren, innovativeren
und technologisch ausgereifteren
Kommunikationsmethoden ist
kein netter Mehrwert im Rahmen
von Marketingkursen, sondern
eines ihrer tragenden Elemente.
Denn die Kundschaft dafür wächst. «In sehr vielen Geschäftsmodellen werden die digitalen Aspekte aus dem Marketing
nie mehr wegzudenken sein», so
Petrin. Dies wirkt sich natürlich
auf die Bildungsinhalte aus. Diese müssen den neusten Entwicklungen praktisch in Echtzeit folgen oder diese gar prospektiv antizipieren. Ein Beispiel dafür ist
der aktuelle Trend «Mobile First».
Smartphones und Tablets sind gemäss Petrin heute die unbestrittenen Taktgeber für künftige Neuerungen im Online-Marketing. «Zuerst werden Inhalte für das Smartphone und Tablet bereitgestellt.»
Er geht noch weiter und sagt voraus: «Inhalte und Formate, die
nicht für Smartphones optimiert
sind, werden auf dem Aufmerksamkeitsradar der Konsumentinnen und Konsumenten in Zukunft gänzlich verschwinden.»
«Digital Natives» werden die
Arbeitswelt prägen
Am SIB richtet man sich danach
aus und ist intensiv damit beschäftigt, digitale TransformatiMarketing & Kommunikation 9/14 onsprozesse zu analysieren und
in die Bildungsprogramme zu integrieren. «Bestehende Angebote
sind bei uns einem ständigen
Anpassungsprozess unterworfen und werden jeweils auf die
nächs­te Durchführung inhaltlich
aktualisiert sowie mit neuen Themen ergänzt», erklärt Peter Petrin.
Ganz konkret wird am SIB zurzeit
ein Weiterbildungsangebot mit
dem Namen «Digitale Transformation» vorbereitet.
Auch andere Bildungsanbieter investieren viel Zeit und Aufwand, um mit ihren Programmen
Schritt zu halten. Am SAWI in
Dübendorf wird dabei zweigleisig vorgegangen. «Einerseits fokussieren wir mit der Entwicklung von neuen Kursen künftig
noch intensiver auf das Thema
Social Media», sagt Michael Broglin, Leiter Marketing und Lehrgänge sowie Geschäftsleitungsmitglied. Der noch junge «SocialMedia-Kurs» des SAWI stösst im
Markt auf Anklang. «Anderseits
integrieren wir die neuen Medien in die bestehenden Lehrgänge
und zeigen deren Anwendung in
der Praxis mit ‹Best Cases› auf.»
Die Mischung aus Modern und
Traditionell als Erfolgsrezept
Der gegenwärtige Hype um Social
Media und weitere digitale Kommunikationskanäle wird sich aus
Broglins Sicht gleichwohl etwas
legen, sobald alle «Digital Immigrants» auf dem aktuellsten Wissenstand sind und die Arbeitswelt von den «Digital Natives»
geprägt sein wird. Dann, so seine
Überzeugung, werde vielerorts
eine Rückbesinnung auf das traditionelle Marketing stattfinden.
«Die altbewährten Methoden haben nichts von ihrer Wirksamkeit
Peter Petrin, Direktor
Institut für
Betriebsökonomie SIB
MIchael Broglin, Leiter
Marketing und
Lehrgänge am
SAWI
Joachim
Tillessen vom
Kompetenzzentrum an
der FHNW
eingebüsst, sondern werden auch
künftig als perfekte Ergänzung
zum optimalen Marketing-Mix
beitragen», so seine Überzeugung.
Diese teilt auch Peter Petrin.
«Trotz ihrer rasanten Entwicklung werden die digitalen Marketinginstrumente ihre klassischen
Vorgänger in relevanter Zukunft
nicht vollkommen verdrängen,
sondern diese vielmehr ergänzen.» Er geht davon aus, dass
die Begriffe «Social Media» und
«Mobile Computing» in drei bis
fünf Jahren terminologisch komplett in die «Integrierte Kommunikation» subsumiert sein werden. «Die hauptsächliche Herausforderung für die Unternehmen besteht deshalb darin, die
besten Marketinginstrumente in
Kombination und gezielt sowie
abgestimmt aufeinander einzusetzen», sagt Peter Petrin.
Trennung von Digital und
Traditionell macht wenig Sinn
Auf diese Linie setzt auch
die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Laut Joachim
Tillessen vom Kompetenzzentrum
Integriertes Kommunikationsmanagement nimmt die Notwendigkeit einer zielgruppengenauen
Ansprache laufend zu. «So können bestimmte Zielgruppen heute nur noch mit Bildern, etwa mit
Videos oder via Social Media im
Internet oder auf dem Smartphone
erreicht werden.» Auf der anderen
Seite beobachtet Tillessen aber
auch, dass die traditionellen und
digitalen Kommunikationsinstrumente immer stärker integriert angewendet werden. «Wir sind daher der Meinung, dass in der Ausund Weiterbildung eine Trennung
immer weniger Sinn macht.»
Tillessen geht deshalb davon aus, dass die heute noch boomenden Weiterbildungsangebote
im Bereich der digitalen Medien schon auf mittlere Frist eher
abnehmen bzw. diese Themen
wie selbstverständlich in bestehende, traditionelle MarketingBildungsinhalte integriert werden. Gegenwärtig werden an der
FHNW Kurse zu trendigen Themen wie Social Media sowie
Online- und Mobile-Marketing
ebenso gut nachgefragt wie langjährige Dauerbrenner, etwa Key-­
Account-Management oder Integrierte Kommunikation. Die einzelnen Programme werden wohl
künftig zu integrierten Bildungsinhalten verschmelzen. Nicht nur
an der FHNW. n
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