Rossini, Gioachino

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GIOACHINO ROSSINI
(1792 - 1868)
Rossini war der Sohn eines Waldhornbläsers und einer Sängerin. Als der Vater in den Wirren der
Revolution verhaftet wurde, erlebte der Sohn mit seiner Mutter seit frühester Kindheit die
Bühnenpraxis eines wandernden Theaters, bis die Familie 1799 in Bologna zusammen fand und sich
niederliess, so dass Rossini dort bei Mattei Komposition studieren konnte. In Lugo lernte er noch bei
Don G. Malerbi. Ueberdies nahm er Gesangsunterricht bei Tesei, beendete aber das Theoriestudium
vorzeitig, da er meinte, für die von ihm beabsichtigte und bevorzugte Komposition von Opern nur den
einfachen Kontrapunkt beherrschen zu müssen. Als Achtzehnjähriger hatte er mit dem
Heiratswechsel (zuletzt 1980 mit jungen Sängern der Wiener Oper in Klagenfurt wiederentdeckt)
bereits Erfolg und erhielt zahlreiche Aufträge. Seine eigentliche Massenproduktion begann aber erst
1815, als sich der berühmte neapolitanische Theatermann Domenico Barbaja des aufstrebenden
Komponisten annahm und ihn verpflichtete, jährlich zwei Opern zu liefern, was dazu führte, dass
Rossini für Babaja insgesamt 20 Opern komponierte, darunter den nach unglücklicher Uraufführung
ab der zweiten Vorstellung triumphal aufgenommenen Barbier von Sevilla, der mittlerweile das
gleichnamige, kurz zuvor erschienene Werk des damals sehr populären Giovanni Paisiello
weitgehend verdrängt hat. 1822 heiratete Rossini die Mezzosopranistin Isabella Colbran, zuvor
Freundin Barbajas und des neapolitanischen Königs Ferdinand. Für sie schrieb er zahlreiche seiner
charakteristischen Mezzo-Koloraturpartien, mit ihr reiste er noch im ersten Jahr seiner Ehe nach
Wien, wo Barbaja zwei Theater leitete und wo Rossinis Opern das Publikum in Begeisterung
versetzten, was insbesondere Beethoven grimmig registrieren musste. Längst hatte Rossini seinen
Beinamen Der Schwan von Pesaro verdient. 1823 beendete Rossini sein Dienstverhältnis bei Barbaja
und ging nach London, liess sich jedoch bald in Paris nieder, wo er Erster Königlicher Komponist
wurde und 1829 einen Zehnjahresvertrag erhielt, der jedoch bald der Juni-Revolution zum Opfer fiel.
Rossini führte Prozesse, spekulierte geschickt und wurde zusehends wohlhabender, dafür endete
nach der Komposition Wilhelm Tell seine schöpferische Tätigkeit fast gänzlich. Mit Ausnahme des
Stabat Maters und einiger Kammermusikwerke komponierte er die restlichen 39 Lebensjahre nichts
mehr, führte ein vergnügtes, gänzlich den leiblichen Genüssen gewidmetes Leben, und befasste sich
leidenschaftlich mit Kochkunst (Tournedos Rossini). Er heiratete nach Scheidung und Tod der
Colbran eine Französin, hielt sich ab 1836 wieder gelegentlich in Italien auf, wurde 1839 sogar
Direktor des Liceo Musicale in Bologna und verbrachte den Rest seines Lebens vorwiegend in seiner
Villa in Passy, wo er berühmte Gäste begrüssen konnte, darunter 1860 Richard Wagner und 1866
Franz Liszt. Rossinis Bedeutung beruht darauf, dass er die bereits etwas schematisch gewordene
italienische Opera buffa durch seinen unerschöpflichen musikalischen Erfindungsreichtum und Humor
dermassen aufzuwerten verstand, dass er damit die Basis für die grosse romantische Oper Italiens im
19. Jahrhundert schuf und gemeinsam mit Donizetti und Bellini das Heranreifen eines Verdi möglich
machte. Bei der Masse der von ihm geschriebenen Werke ist nicht alles von gleicher Qualität, doch
vermochte sein Theaterinstinkt auch mässigen Libretti zum Erfolg zu verhelfen, wobei ihm nicht hoch
genug anzurechnen ist, dass er als einer der ersten daranging, die sängerischen Eigenmächtigkeiten
einzuschränken und alle Koloraturen und Verzierungen genau vorzuschreiben. Eine seiner besten
Ideen ist die Einführung des Orchestercrescendo, mit dem er (z.B. im Barbier) unglaublich komische
Wirkungen erzielt.
Auszug aus „OPER DER WELT“ von Prof. Dr. Kurt Pahlen.
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