Bewegung ist gesund! - Bayerischer Rundfunk

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Gesundheitsgespräch
Bewegung ist gesund!
Sendedatum: 09.04.2016
Experte:
Prof. Martin Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und
Sportmedizin, Zentrum für Prävention, Ernährung und Sportmedizin,
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Autoren: Monika Dollinger, Beate Beheim-Schwarzbach
Bewegung ist gut für die Gesundheit – das ist lange bekannt.
Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs
treten dann weniger oft auf. Aber warum ist Bewegung eigentlich so
gesund? Patienten haben auch seltener einen zweiten Herzinfarkt,
wenn sie Sport treiben.
"Täglich fragen mich Patienten, wie sie gesund bleiben können. Ich
vermeide es, von „Risikofaktoren“ wie Cholesterin und erhöhtem
Blutdruck zu sprechen, sondern ich spreche über das Altern. Das ist
griffiger und wird besser verstanden als ein Risiko von x-Prozent.
Zum Beispiel: Wenn ich Sie anschaue, dann stelle ich fest: Sie
sehen älter aus als ihr Geburtsdatum vermuten lässt. Aber noch
wichtiger ist es, wie es im Inneren mit dem Altern aussieht. Das ist
für fast alle Patienten wichtig und sie stimmen einer Untersuchung
des Organalters meist zu, denn wir wollen ja alle wissen, wie alt
unsere Organe sind und ob diese wie die eines Jugendlichen oder
jungen Erwachsenen funktionieren. Vor allem untersuche ich das
Gefäßsystem, unser zentrales Organsystem, welches Nährstoffe und
Sauerstoff in jede Zelle transportiert. Ist dieses System vorgealtert,
funktioniert es nur noch eingeschränkt und Zellen altern schneller.
Denn wenn sie den Zusammenhang von Alter und Blutgefäßen
verstehen, ist es einsichtiger, dass Sport treiben jung hält, denn dies
hält die Gefäße elastisch. Jemand der als 60-Jähriger sein Leben
lang regelmäßig Sport getrieben hat, kann seine Gefäße wie die
eines 30-Jährigen erhalten." Prof. Martin Halle
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Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!
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Die wichtige Rolle der Blutgefäße
Die Blutgefäße sind wichtig für die Versorgung des ganzen Körpers
mit Nährstoffen wie Sauerstoff, Vitaminen, Zucker und Fetten. Und
wenn die Gefäße nicht mehr richtig funktionieren, können
Herzinfarkt, Schlaganfall, Beeinträchtigung der Nierenfunktion und
weitere Krankheiten auftreten. Wenn die Gefäße gut funktionieren,
altern die Zellen und Organe langsamer, chronische Erkrankungen
treten später und seltener auf.
Bewegte Gefäße
Durch höheren Puls und höhere Blutfluss zirkuliert das Blut schneller
durch den Körper. Der Effekt: Gefäße werden gedehnt und der
Blutstrom reizt die Gefäßwände. Diese Dehnung löst einen
chemischen Reiz in der Gefäßwand aus, der Alterungsprozessen der
Gefäße entgegen wirkt und diese elastischer hält.
Jung bleiben
Ein 60-Jähriger, der sportlich immer aktiv war, kann seine Gefäße so
jung halten, wie sie mit 30 waren. Das heißt: Die Gefäßelastizität
kann man über 30 Jahre hinweg erhalten. Die eigentlich
zunehmende Steifigkeit mit dem Altersgang wird aufgehalten. Damit
bleibt auch das Herz jünger, weil es weniger belastet wird. Denn
grundsätzlich gilt: Ein 70-Jähriger, der natürlicherweise mehr
Bindegewebe und einen fortgeschrittenen Alterungsprozesse der
Zellen hat, hat auch ein steiferes Herz als ein Jüngerer. Und
Menschen mit Risikofaktoren wie Übergewicht, erhöhtem Blutdruck
oder Vorstufen des Diabetes, entwickeln frühzeitig sowohl steife
Gefäße als auch einen steifen Herzmuskel. Letzteres kann auch
durch ein körperliches Trainingsprogramm aus Ausdauer- und
Krafttraining (etwa dreimal pro Woche für 30 min) verbessert werden.
Verstopfte Gefäße
Über die Jahre lagert sich Cholesterin an den Gefäßwänden an. Ein
zu hoher Zuckerspiegel im Blut verändert das Cholesterin und macht
es aggressiver. Es greift dadurch die Gefäßwände an und macht
diese spröde. Die Blutgefäße werden so geschädigt und werden
durch die Cholesterinauflagerungen über die Jahre immer enger.
Durch regelmäßiges Training kann die Ablagerung in den
Gefäßwänden verringert werden.
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Folgen kranker Blutgefäße
Wenn sich die Blutgefäße über die Zeit versteifen und verengen,
dann ist der Sauerstofftransport jenseits der Engstellen reduziert.
Dieser ist aber lebensnotwendig für jede Zelle im Körper, ansonsten
sterben die Zellen innerhalb von wenigen Minuten ab. In
fortgeschritten Fällen ist die Durchblutungsstörung am Herzen
erkennbar und macht sich durch Beschwerden wie Druck auf dem
Brustkorb während körperlicher Anstrengung bemerkbar. Das
Problem ist gravierend, wenn die Gefäße komplett verstopft sind:
Dann können die Zellen nicht mehr arbeiten, Organteile fallen aus,
so zum Beispiel am Herz oder im Gehirn. Fallen die kleinen Gefäße
aus, betrifft dies besonders die Nieren.
Was verloren ist, ist verloren?
Man kann die Gefäße in gewisser Weise revitalisieren: In sechs bis
acht Wochen lässt sich die Steifigkeit der Gefäße, die noch nicht
verhärtet sind, fast wieder bis in den Normalzustand rückführen.
Wenn es aber bereits aufgrund einer deutlichen
Cholesterinablagerung zu einer Verkalkung oder Verhärtung der
Blutgefäße gekommen ist, kann dies nicht rückgängig gemacht
werden. Allerdings kann ein körperliches Training die
Cholesterinablagerungen praktisch „versiegeln“, d.h. quasi mit einer
Kappe versehen. Dadurch wird das Aufplatzen dieser
Cholesterinablagerungen in das Gefäß hinein verhindert - ein
wichtiger Schutz vor dem Herzinfarkt.
Achtung Gefahr: Wenn man sich nicht bewegt...
...dann fördert man die Entstehung von Herzinfarkt und Schlaganfall.
Bei steifen Gefäßen können sich die Ablagerungen leichter ablösen,
oder die Cholesterinansammlungen können platzen. Dies führt im
schlimmsten Fall zum Verschluss des Gefäßes und zum kompletten
Zelluntergang jenseits dieses Verschlusses. Je größer das Gefäß,
desto größer der Schaden.
Und wenn man sich regelmäßig bewegt...
...kann man das Risiko für einen Herzinfarkt um 25 Prozent und das
Risiko für einen Schlaganfall um 20 Prozent senken.
Jung übt sich
Der Prozess der Gefäßalterung beginnt schon ganz früh: Bereits
übergewichtige und inaktive Kinder haben steifere Gefäße. Je mehr
Alterungsfaktoren vorhanden sind, umso schneller läuft er
Gefäßalterungsprozess ab. In westlichen Ländern haben bereits
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Männer mit dem 35. Lebensjahr zu 15 Prozent und Frauen zu fünf
Prozent merkliche Cholesterinablagerungen, vor allem wenn sie
rauchen. Blutgefäße "merken" sich dies, auch wieviel sie durch
Bewegung aktiviert werden. Das bedeutet, dass man sich auch
schon in jungen Jahren regelmäßig bewegen, möglichst schlank
bleiben und nicht rauchen sollte.
Rauchen
Die Schadstoffe, die man beim Rauchen aufnimmt, sind hochgiftig.
Sie gehen direkt über die Lunge in die Blutgefäße und führen dort zu
einer frühzeitigen Alterung, vor allem, wenn sie sich mit hohen
Cholesterinspiegeln verbinden. Beispiel: Wenn ein Jugendlicher
zehn Jahre geraucht hat, sind seine Blutgefäße schon weit älter. Sie
entsprechen denen eines 30- oder 40-Jährigen.
Das Gehirn will bewegt werden
Grundsätzlich gilt: Bewegung unterstützt die kognitive Arbeit des
Gehirns. Denn die Vernetzung der Synapsen im Gehirn wird durch
Bewegung begünstigt, was besonders im frühen Kindesalter
besonders wichtig ist. Auch scheint das Auftreten der Altersdemenz
durch regelmäßige Bewegung reduziert zu werden.
Beispiel Parkinson:
Parkinson-Patienten sind in ihrer Motorik eingeschränkt, da sich die
Krankheit auch auf die Muskeln auswirkt. Für sie ist es besonders
wichtig, die Motorik zu erhalten. Deswegen ist für ParkinsonPatienten Bewegung als Training für die Muskeln und das
Gleichgewicht zentral.
"Parkinson-Patienten fällt es oft schwer, eine Bewegung zu
beginnen. Wenn sie erst im Tritt sind, geht es oft leichter. Aber es
gibt auch Patienten, die große Schwierigkeiten mit dem Gehen
haben, sich aber auf dem Fahrrad oder Crosstrainer sehr gut
bewegen können – sie rasen fast los. Es ist also wichtig, die richtige
Bewegungsform für den Parkinson-Patienten herauszufinden. Dies
wird leider oft vernachlässigt." Prof. Halle
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Sport gegen Krebs - Warum Bewegung gegen Karzinome hilft
Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre zeigen: Brust-, Darmund Prostatakrebs lassen sich durch regelmäßiges und
umfangreiches Ausdauertraining positiv beeinflussen. Denn diese
drei Krebsarten sind vom Stoffwechsel abhängig. Wenn man den
Stoffwechsel in Schwung bringt, kann man die Bildung neuer
Tumorzellen verringern. Genauso ist der Effekt bei Patienten mit
Krebserkrankungen zu beobachten. Auch sie profitieren zusätzlich
zur Tumortherapie von einem gezielten körperlichen Training.
Übergewicht und Krebs
Generell ist der Stoffwechsel vor allem dann inaktiv, wenn man
übergewichtig ist, sich wenig bewegt oder Diabetes hat (eine
Vorstufe reicht bereits aus). Seit langem ist bekannt, dass man unter
den Bedingungen besonders Herzinfarkt gefährdet ist. Doch
inzwischen wissen Mediziner auch, dass bei dieser Konstellation
auch ein höheres Risiko besteht, eine der drei genannten
Tumorarten zu bekommen.
Folge von Übergewicht
Übergewicht, vor allem wenn dies im Bauchraum lagert, löst eine
erhöhte Entzündungsreaktion aus, d.h. die Fettzellen geben
Entzündungsfaktoren ab, die im Blut messbar nachzuweisen sind.
Diese Entzündungsfaktoren führen dazu, dass die Körperzellen
weniger sensibel auf das Hormon Insulin reagieren. Die Folge ist ein
Typ-2-Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit.
Rolle des Insulins
Insulin hat generell die Aufgabe, die Zellen des Körpers für die
Aufnahme von Blutzucker zu öffnen. Denn Zucker geht zwar über die
Nahrung ins Blut über, aber nur mit Hilfe des Insulins auch in Leber-,
Herz-, Gehirn- und Muskelzellen. Bildlich gesprochen ist Insulin eine
Art Türöffner.
Hoher Blutzucker
Kann das Insulin seine Aufgaben als Türöffner nicht wahrnehmen,
z.B. weil zu wenig davon in der Bauchspeicheldrüse produziert wird,
oder weil die Körperzellen auf ausreichende Hormonspiegel nicht
mehr empfindlich reagieren, dann resultieren daraus erhöhte
Blutzuckerwerte. Das heißt, der Zucker bleibt im Blut und versorgt
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die Zellen nicht mehr. Er selber ist aber auch aggressiv und kann
besonders zusammen mit erhöhten Cholesterinspiegeln im Blut
Gefäßwände besonders schädigen.
Falsche Zellteilung
Generell sind bei inaktivem Stoffwechsel die Blutzuckerwerte hoch
und das Insulin funktioniert nicht richtig. Sind zusätzlich auch noch
die Entzündungswerte hoch, dann besteht sowohl das Risiko einer
Arterienverkalkung, als auch einer falschen Zellteilung.
„Bei inaktivem Stoffwechsel sind die Veränderungen, die in einer
Zelle falsch ablaufen, besonders ausgeprägt, mit der Folge, dass
auch falsche Zellwege um ein Vielfaches erhöht sind, wie die Bildung
einer Tumorzelle.“ Prof. Halle
Genereller Zusammenhang
Wer insgesamt inaktiv und übergewichtig ist, eine Vorstufe von
Diabetes oder bereits Diabetes hat, dessen Blutzucker- und
Entzündungswerte sind in der Regel erhöht – dies kann man im Blut
nachweisen. Alles zusammen führt dazu, dass sich Zellen schneller
und falsch teilen können und das begünstigt die Entstehung von
bestimmten Tumorzellen.
Immunsystem
Solche Tumorzellen entwickeln sich bei jedem Menschen, doch bei
Gesunden sorgt das Immunsystem dafür, dass sie abgefangen und
abgetötet werden. Ist das Immunsystem aber überlastet und nimmt
die falsche Zellteilung überhand, dann kann die Abwehr in den
Frühstadien nicht mehr greifen. Die Folge: Ein Tumor entsteht.
Forschung zu Sport gegen Krebs
Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass der Zusammenhang
zwischen einerseits inaktivem Stoffwechsel mit hohen Entzündungsund Blutzuckerwerten und andererseits Krebs bei Brustkrebs am
häufigsten ist, dann folgt Darm- und schließlich Prostatakrebs.
Brustkrebs
Nach einer Brustkrebs-Operation mit anschließender Chemound/oder Strahlentherapie ist der Körper geschwächt und nicht
selten tritt ein sogenanntes Müdigkeitssyndrom auf. Patienten, die
während dieser Phase der Erkrankung angepasst und angemessen
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körperlich aktiv sind, vertragen die Chemotherapie besser. Die
Therapie kann somit häufiger nach vorgegebenem Schema
durchgeführt werden. Dies ist einer der wesentlichen Gründe, warum
insgesamt die Prognose dieser Patienten besser ist. Auch spielt eine
Gewichtsstabilisierung eine wichtige Rolle. Eine Gewichtszunahme
beeinflusst den Krankheitsverlauf eher negativ.
Neue Erkenntnisse
Das Thema einer optimalen ganzheitlichen Therapie ist neu. Neben
der klassischen Therapie aus Operation, Chemo- und
Strahlentherapie wird eine optimale Ernährung und gezielte
Bewegungstherapie möglichst bereits während der klassischen
Therapie begonnen. Dadurch soll die Verträglichkeit der
Chemotherapie verbessert und das für die Patienten sehr belastende
Müdigkeitssyndrom verbessert werden.
Brustkrebsstudie
Mediziner der TU-München koordinieren zusammen mit der
Deutschen Krebshilfe derzeit eine deutschlandweite
Brustkrebsstudie, an der 900 Patientinnen mit einer familiären
Veranlagung für Brust- und Eierstockkrebs teilnehmen. Sie werden in
zwei Gruppen eingeteilt, die eine absolviert ein sportliches
Trainingsprogramm und stellt die Ernährung um, die zweite Gruppe
nicht und wird behandelt wie bisher. Ergebnisse sind in etwa 5-10
Jahren zu erwarten.
Untersuchung zu Darmkrebs
Ähnlich funktioniert auch die Darmkrebsstudie, die in München und
Ingolstadt in der Pilotphase erfolgreich getestet wurde. In einer
ersten Phase wurden grundlegende Erkenntnisse erhoben z.B. ob
und wie viele Patienten ein ganzes Jahr an so einem sportlichen
Trainingsprogramm mitmachen, ohne abzuspringen. Die Ergebnisse
zeigen, dass die Akzeptanz sehr hoch ist, so dass die Grundlage für
eine große Studie an vielen Darmzentren in Deutschland gelegt
worden ist. Es soll mit dieser Studie belegt werden, dass ein
körperliches Training die Prognose der Patienten verbessern kann,
wie es bereits mehrere Chemotherapiestudien, die die Aktivität der
Patienten registriert hatten, gezeigt haben.
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Tipps für Krebs-Patienten
Bis noch vor etwa fünf Jahren war die Mehrzahl der Gynäkologen,
Onkologen, Hausärzte und Patienten der Überzeugung, dass Sport
bei Krebs nicht sinnvoll oder schädlich sei. Doch Publikationen der
letzten zehn Jahre zeigen das Gegenteil. Trotzdem ist bis heute ein
Bewegungsproramm nach Krebs keine allgemeine Empfehlung.
Allerdings ist das Thema auf den großen wissenschaftlichen
Krebskongressen inzwischen ein überall präsentes Thema
geworden.
„Häufig erlebe ich, dass Patienten in die Krebs-Sport-Sprechstunde
kommen, deren Arzt ihnen vom Training abgeraten hat. Sie möchten
aber nichts unversucht lassen und wenn sie mit dem Training
beginnen, spüren sie, dass sie trotz Erkrankung wieder belastbarer
werden und es ihnen nach kurzer Zeit besser geht.“ Prof. Halle
Oft informieren solche Patienten dann ihren betreuenden Arzt, der
wird dadurch hellhörig, informiert sich und erfährt von den neuen
Erkenntnissen. Doch die fehlende praktische Erfahrung der
Mediziner führt zu Unsicherheit und zu fehlender oder
eingeschränkter Empfehlung.
Sportart
Allerdings muss das Trainingsprogramm ganz individuell auf jeden
Patienten abgestimmt sein. Wassergymnastik bei
Brustkrebspatientinnen mit Lymphstau, Ausdauersport besonders bei
Darmkrebs, Beckenbodentraining nach Prostataoperation. Die Basis
bilden Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Fahrradfahren oder
Schwimmen, denn diese bringen den Stoffwechsel wieder besonders
in Schwung und steigern die körperliche Belastbarkeit.
Training
Allerdings sollte man wissen, dass das nötige Training bei Krebs
relativ umfangreich ist. Für Nordic Walking und Fahrradfahren muss
man eine Dreiviertelstunde rechnen, für Schwimmen vierzig Minuten
pro Tag. Spätestens nach vier bis sechs Wochen Training zeigt sich
der Erfolg.
Fatigue
Viele Krebspatienten, die eine Strahlen- und Chemotherapie erhalten
oder hinter sich haben, leiden unter dem Müdigkeitssyndrom
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(„Fatigue“). Bisher ist das körperliche Ausdauertraining die einzige
bekannte Möglichkeit, die Folgen dieses Syndroms zu verbessern.
Tipp:
Wer bereits während der Strahlen- und Chemotherapie angepasst
Ausdauersport macht, ist insgesamt fitter und verträgt die
Chemotherapie besser. Auch die Fatigue ist seltener oder weniger
ausgeprägt.
Die Psyche nicht vergessen
"Sportliche Bewegung wirkt sich auch immer positiv auf die
Stimmung aus. Dies ist sehr wichtig für Krebspatienten. Denn sie
können sich damit selbst ein bisschen aus ihrem persönlichen
„Sumpf“ und aus ihrer Passivität im Krankenhaus herausholen, die
durch die medizinische Therapie wie Operation und Strahlentherapie
bedingt ist. Sie merken, dass sie noch aktiv sein können, was sich
ungemein auf die Psyche auswirkt." Prof. Halle, Zentrum für
Prävention, Ernährung und Sportmedizin
Depression
Bekannt ist auch, dass viele Patienten nach einer Krebsoperation
und anschließender Strahlen- und/oder Chemotherapie mit
depressiven Phasen zu tun haben: Sie wollen mit ihrem Körper am
liebsten nichts mehr zu tun haben. Ein Trainingsplan kann da eine
Hilfe sein, denn dieser gibt ein Ziel vor, das man erreichen will.
„Das Wesentliche ist, dass Patienten erst einmal langsam anfangen
mit z.B. fünf bis zehn Minuten am Tag, dann langsam steigern, so
dass sie in drei Monaten so weit kommen, dass sie jeden Tag eine
Dreiviertelstunde durchhalten. Angepasst werden muss dieses
Training natürlich und sollte reduziert oder nicht durchgeführt
werden, wenn sie schlapp und angegriffen sind.“ Prof. Martin Halle
Informationen
Bereits in der Reha-Klinik könnten Krebspatienten stärker zum Sport
motiviert werden. Anschließend lohnt es sich, eine Krebs-SportGruppe zu suchen, in vielen Orten wird diese zweimal pro Woche
angeboten. Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten,
allerdings nur für eine gewisse Zeit. Wer sich informieren möchte,
kann das bei der Bayerischen Krebsgesellschaft tun:
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Für alle Patienten:
Die gesunden Sportarten in der Prävention und Therapie von
Erkrankungen
Patienten wollen gerne eine genaue Regel: wie und wie lange sollen
sie sich bewegen. Wichtig ist aber auch, dass sie die körperlichen
Zusammenhänge verstehen:
"Die Muskeln sind nicht nur das Organ, das die Gelenke hin- und her
bewegt, sondern sie spielten an vielen Stellen im Körper eine
wichtige Rolle, weil sie Informationen an andere Organe weitergeben
wie Leber und Fettgewebe. Das Ziel der körperlichen Aktivität sollte
es sein, dieses Organ anzusprechen, es ist eines der wesentlichen
zur Gesunderhaltung." Prof. Halle
Das reicht nicht
Für Patienten mit z.B. Depression kann aber Spazierengehen eine
sehr wichtige Rolle spielen und sich deutlich auf den Grad der
Erkrankung auswirken. Aber dennoch gilt: Ein bisschen
Spazierengehen oder langsam Treppen steigen, erzeugt keine
Belastung der Muskulatur und damit auch keinen körperlichen
Trainingseffekt.
"Ich bin fest davon überzeugt, dass man eine gewisse Intensität für
die Muskulatur aufbringen muss, damit es eine Auswirkung auf den
gesamten Körper hat. Damit meine ich: Im Zentrum sollte ein
Ausdauertraining stehen, bei dem die Muskulatur über einen
gewissen Zeitraum gefordert wird. Ergänzend kann auch ein
Krafttraining sehr sinnvoll sein, weil dadurch die Muskulatur mit
Gewichten belastet wird, und positive Effekte aussendet." Prof. Halle
Beispiel: Täglich mit dem Rad zur Arbeit
Wenn man einen mindesten 20-minütigen Weg zur Arbeit hat und
diesen zügig mit dem Fahrrad fährt (oder auch geht), hat das
durchaus einen Effekt auf die Gesundheit. Ein Zeichen für das
richtige Anstrengungsmaß ist, dass man ganz leicht ins
„Transpirieren“ oder sehr leichtes Schwitzen kommt.
Warum regelmäßiger Sport?
Die zellulären Effekte, die man mit Bewegung im Körper erzielt, sind
nach drei Tagen wieder deutlich vermindert. Wenn man sich dann
nicht wieder anstrengt, verpufft der Effekt. Man fängt nach einer
Woche wieder bei null an. Wenn man den Stoffwechsel und die
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Muskulatur kontinuierlich ansprechen und gesundheitlich profitieren
will, sollte man deshalb alle zwei bis drei Tage einen Impuls setzen.
Wer täglich trainiert, erzielt deswegen natürlich einen nachhaltigeren
Effekt.
Welcher Sport ist der beste?
Die Regel lautet: Je größere Muskelgruppen bewegt werden und je
mehr es zu einer Herz-Kreislauf-Belastung kommt, umso effektiver
ist das Training.
Walking, Joggen und andere
Nordic Walking ist effektiver als Walking, da durch den Stockeinsatz
die Oberarme mittrainiert werden - so steigt auch der Puls mehr an.
• Joggen ist wiederum effektiver als Nordic Walking: Denn
dabei hat man einen größeren Effekt auf Muskulatur und das
Herz-Kreislauf-System.
• Ski-Langlauf ist noch anstrengender für den Körper und damit
anhaltender.
• Wer im Fitnessstudio trainieren will, kann den Crosstrainer
nutzen: Auch dabei werden die Oberarme eingesetzt und
folglich mehr Muskeln angesprochen bzw. aktiviert.
• Beim Fahrradfahren steigt der Puls weniger als beim Joggen,
aber es ist auch weniger belastend für die Gelenke.
"Fahrrad fahren ist gut, weil die Gelenke geschont werden, vor allem
die Knie-, Fuß- und Hüftgelenke. Aber die größten Muskelgruppen,
nämlich Ober- und Unterschenkel, werden trotzdem intensiv bewegt.
Für Übergewichtige ist es deswegen eine gute Sportart." Prof. Halle
Schwimmen als Alternative für Übergewichtige
Die Belastung der Muskeln ist laut dem Prof. für Sportmedizin beim
Schwimmen relativ gering, vergleichbar mit Nordic Walking,
allerdings natürlich abhängig von Intensität und Technik. Wie beim
Radfahren wird das Gewicht des Körpers weggenommen, durch den
Auftrieb des Wassers. Es ist auch gelenkschonend und deswegen
für Übergewichtige besonders geeignet.
"Aber untrainierte Schwimmer kommen schnell außer Puste und der
Aufwand, bis man im Schwimmbad ist, ist relativ gesehen groß."
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Grenzen des Sports: Zu viel ist zu viel
Wenn jemand, der übergewichtig ist und bisher inaktiv war, zum
Beispiel an einem Walking-Kurs teilnimmt, kann das auch
kontraproduktiv sein: Dreimal die Woche dreißig oder mehr Minuten
in ordentlichem Tempo – das ist für die meisten dieser Menschen
eindeutig zu viel. Das kann frustrieren oder auch eine
Überlastungsstörung mit Abgeschlagenheit und Müdigkeit zur Folge
haben. Der Untrainierte gibt häufig frustriert auf.
"Im Februar ist bei uns in der Ambulanz sehr viel los. Dann kommen
meistens Männer mit leichtem Übergewicht, die sich Sylvester
vorgenommen hatten, ihr Leben umzustellen. Sie stellen fest, dass
es ihnen nicht gut geht und der Hausarzt überweist sie an den
Sportmediziner. Meist haben sie unter Belastung erhöhte
Blutdruckwerte. Der Grund dafür: Sie haben mit viel Power ein
Training begonnen, das oberhalb ihrer Belastungsgrenze liegt." Prof.
Halle
Wie man richtig beginnt
Das Wichtigste ist maßvoll zu starten: Es reicht völlig, wenn man mit
fünf Minuten am Tag beginnt und dann jede Woche eine Minute
mehr trainiert. Nach 15 Wochen ist man dann bei 20 Minuten am Tag
angekommen.
Ist Faulheit tödlich?
Übergewicht wird oft als sehr ungesund beschrieben. Natürlich ist
stärkeres Übergewicht nicht gesund, aber die Rolle des Gewichtes
wird überschätzt. Was oft vergessen wird, ist, dass sich
Übergewichtige auch weniger bewegen und dieser
Bewegungsmangel hat einen viel ungünstigeren Effekt auf die
Gesundheit als das reine Gewicht.
„Die zehn bis 20 Prozent der Übergewichtigen, die regelmäßig Sport
treiben, haben kein erhöhtes Herz-Kreislauf- und Diabetes-Risiko.
Damit wird deutlich, dass sportliche Faulheit größeren Schaden
anrichtet als ein paar Kilo zu viel.“ Prof. Halle
Welchen Sport treibt der Sportmediziner?
„Ich fahre täglich mit dem Rad, manchmal bis zu 20 Kilometer von zu
Hause zur Arbeit und wieder zurück. Außerdem gehe ich mindestens
zweimal die Woche in der Früh joggen, manchmal auch dreimal.“
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