«Einmal werden wir doch wieder Menschen und nicht nur Juden sein»

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Zürichsee-Zeitung Obersee
Montag, 21. März 2016
Beachtenswerte Umsetzung einer bemerkenswerten Komposition: Der Teamchor Jona und das Orchester Sinfonietta Vorarlberg führen das Oratorium «Annelies» auf, begleitet von der Pianistin Claudia Dischl (links).
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Bilder David Baer
«Einmal werden wir doch wieder Menschen
und nicht nur Juden sein»
jona Unter der Leitung von Max Aeberli wurde am Samstag
in der katholischen Kirche das Oratorium «Annelies» von
James Whitbourn aufgeführt. Die Vertonung von Anne Franks
Tagebuch hinterliess einen bleibenden Eindruck.
«Solange all das existiert, dieser
Sonnenschein und der wolkenlose Himmel, wie könnte ich da
traurig sein?», schrieb Annelies
Marie Frank am 23. Februar 1944
im Haus Prinsengracht in Amsterdam in ihr berühmtes Tagebuch. Anlässlich der Schweizer
Uraufführung des programmatischen Werks «Annelies» für Solosopran, Chor und Orchester von
James Whitbourn berührte am
Samstag auch dieser Satz das Publikum. Unter der Leitung von
Max Aeberli wagte sich der Teamchor Jona in der ausverkauften
katholischen Pfarrkirche von
Jona an das aufwühlende Projekt,
das in den Augen des Komponisten als Oratorium zu bezeichnen
ist.
Intensive Stimmung
Aufgrund der anhaltenden stehenden Beifallsbekundungen war
eindeutig, dass das Publikum die
Umsetzung der ambitionierten
Vertonung als gelungen betrach-
tete. Nicht zuletzt die Inszenierung trug dazu bei, dass das beklemmende Werk trotz einiger
leichter Momente für ein besonderes Erlebnis sorgte. Dass zu Beginn das Kirchenlicht ausgeschaltet wurde, während Anne Franks
Bild bei totaler Stille eingeblendet
wurde, liess intensive Stimmung
aufkommen. Sprecherin Marlene
Burlet las jeweils eindrücklich
Auszüge aus den vertonten Textstellen aus Franks Tagebuch vor,
bevor Chor und Orchester in Erscheinung traten.
Begeisternd trat die amerikanische Solosopranistin Arianna Zukerman in Erscheinung, die auch
auf der Referenzaufnahme des
Stücks zu hören ist. Die auf dem
renommierten Plattenlabel Naxos veröffentlichte Vertonung
war 2013 für einen Grammy nominiert. Mit ihrem dramatischen
Vibrato hauchte sie den Texten
Leben ein. Dass ihre eigene Familiengeschichte vom Holocaust geprägt wurde, dürfte die Schweizer
Uraufführung auch für sie selber
bedeutend gemacht haben.
Unter der Leitung von Aeberli
überzeugte der Teamchor, der
sich intensiv mit den Texten und
ihrer musikalischen Umsetzung
auseinandergesetzt hat. Das hervorragend aufspielende Orchester Sinfonietta Vorarlberg punktete sowohl in ruhigen wie in virtuosen Momenten mit seinem
Spiel. Am Piano trat Claudia
Dischl in Erscheinung, die in
ruhigen Momenten schöne
Akzente setzten.
Dynamische Interpretation
Aeberli schaffte es, eine dynamische Interpretation umzusetzen,
die in ruhigen Momenten einlullen konnte, um bei schreckhaften
Ausbrüchen das Publikum direkt
zu konfrontieren. Die beachtenswerte Umsetzung einer bemerkenswerten Komposition war
programmatischer Natur. Ob
Frank die Bombardierung Amsterdams beschrieb oder einen
jener aussergewöhnlichen Hoffnungsschimmer
aufkommen
liess, die Musik versuchte die
jeweilige Stimmung pointiert
umzusetzen. «Eines Tages wird
Unter der Leitung von Max Aeberli begeisterte die Solosopranistin Arianna Zukerman das Publikum.
dieser schreckliche Krieg vorbei
sein, und wir werden wieder Menschen sein, nicht mehr nur Juden», erklang es in der katholischen Kirche.
Mit dem Wissen, dass Frank im
Frühjahr 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen sterben
sollte, entfalteten solche Aussagen besondere Wirkung. Dass
nach der Aufführung betretene
Stille herrschte und erneut das
Bild von Frank gezeigt wurde, bildete den angebrachten Schlusspunkt.
Markus Richter
Kein Kandidat schaffte die Wahl in der ersten Runde
Kaltbrunn Es kommt zu einer zweiten Runde um den freien
Sitz im Gemeinderat Kaltbrunn: Keiner der drei Kandidaten
erreichte im ersten Wahlgang das absolute Mehr. Ruedi Gmür
und Daniela Brunner treten zum zweiten Wahlgang an.
Das Ergebnis des ersten Wahlgangs für den frei werdenden
Gemeinderatssitz in Kaltbrunn
überrascht kaum: Keiner der drei
Anwärter schaffte den Einzug in
die Exekutive in der ersten Runde. Damit kommt es am 24. April
zu einem zweiten Wahlgang. Am
besten schnitt in der ersten
Runde Ruedi Gmür (SVP) ab. Der
61-jährige Landwirt erreichte
478 Stimmen und klassierte sich
damit vor der CVP-Kandidatin
Daniela Brunner. Die 48-jährige Kommunikationsfachfrau er-
reichte exakt 400 Stimmen.
Deutlich zurück liegt Jacqueline
Hämmerli (FDP). Die 49-jährige
Administrationsleiterin erreichte
nur 190 Stimmen. Das absolute
Mehr lag bei 543 Stimmen, die
Stimmbeteiligung bei lediglich
36 Prozent.
«Ich habe mit diesem Resultat
gerechnet und werde wieder antreten», sagte Ruedi Gmür. Sehr
zufrieden zeigte sich Daniela
Brunner aufgrund ihrer hohen
Stimmenzahl: «Meine Chancen,
in der zweiten Runde gewählt zu
werden, sind intakt.» Es sei gut
möglich, dass ein Teil der Stimmen, die Hämmerli holte, auf sie
fallen werden – wegen des Frauenbonus. Jacqueline Hämmerli
verzichtet auf eine Teilnahme am
zweiten Wahlgang: «Der Rückstand auf die beiden anderen
Kandidaten ist zu gross.» Weil
Kaltbrunn eine CVP- und SVPHochburg sei, habe sie als FDPFrau keine grosse Chance gehabt,
die Wahl zu gewinnen, glaubt
Hämmerli. Magnus Leibundgut
Der zweite Wahlgang findet am
24. April statt. Wahlvorschläge
sind bis 29. März, 16.30 Uhr, bei
der Gemeindekanzlei Kaltbrunn
einzureichen.
Jacqueline Hämmerli (FDP) holte
190 Stimmen.
Ruedi Gmür (SVP) erreichte
478 Stimmen.
Daniela Brunner (CVP) erhielt
Bilder zvg
400 Stimmen.
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