Ein absolutes Saisongeschäft

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Tier
BAUERNBLATT l 7. November 2015 ■
Martins- und Weihnachtsgänse
Ein absolutes Saisongeschäft
Der Gänsebraten ist auf den Speiseplänen von uns Deutschen nur noch
stark saisonal und der Verbrauch an
Gänsefleisch gering. Pro Kopf der
Bevölkerung werden weniger als
400 g Gänsefleisch im Jahr verzehrt.
Für die Erzeuger bedeutet das in vielen Gebieten, dass fast 98 % der Tiere Weihnachten abgesetzt werden,
ein paar, erfreulicherweise mit steigender Tendenz, zu Martini.
Vorteile haben Gänsehalter, die in
den Gebieten beheimatet sind, in
denen zu Martini fast so viele Gänse
nachgefragt sind wie zu Weihnachten und es Tradition ist, dass es zur
Kirchweih oder Kirmes auch schon
Gänsebraten gibt. Für viele Halter
wäre es möglich, die Erzeugung zahlenmäßig zu erweitern, aber selbst
bei Dreischichtsystem in der Schlachtung gibt die Schlachtkapazität den
Schlachtumfang vor. Dieser kann natürlich größer sein, wenn sich die
Vermarktungskampagne auf zwei
und mehr Anlässe beziehungsweise
Zeitpunkte erstreckt.
Vom Ei bis zur Gans
bei Direktvermarktung
In der Direktvermarktung zählt
aus dem tierischen Bereich das Ei bei
fast jedem Produzenten zur Palette
des Angebotes. Im Gespräch kann
immer wieder festgestellt werden:
Haben Kunden ihren Direktvermarkter gefunden, folgt irgendwann die Frage, ob nicht auch die
Weihnachtsgans über ihn zu beziehen sei. So sind viele Betriebe zur
Gänsehaltung gekommen.
Für Neueinsteiger sei aber hier erwähnt, dass die erste zu klärende
Frage ist, wo man diese Gänse zu
welchen Konditionen schlachten lassen kann. Bei sehr kleinen Beständen
steht diese Frage vielleicht nicht, da
es oftmals noch „Fachkräfte" in der
Familie sind, die diese paar Tiere
schlachten und von den Federn befreien. Für alle anderen Bestände
muss, bevor das erste Gössel in den
Stall kommt, klar sein, wo man die
Tiere zum gewünschten Termin und
in der entsprechenden Anzahl
schlachten lassen kann.
Unterschiedliche
Mastverfahren
Dann ist abzuklären, welches
Mastverfahren / Mastdauerange-
Wenn das Grünland keinen Aufwuchs mehr bietet, ist natürlich entsprechend zuzufüttern.
strebt wird. Im Prinzip unterscheiden
wir die Kurz- oder Früh- beziehungsweise die Schnellmast, die Mitteloder Junggänsemast und die Langoder Spätmast, Letztere meist integriert auch als Weidemast. Die Länge der Mastverfahren und die damit
gekoppelte Möglichkeit der Schlachtung werden bei der Gans durch die
natürliche Federreife und den daran
gebundenen Federwechsel bestimmt.
● Die Kurzmast dauert 60 Tage, danach sind Mastgänse zu ersten Mal
flügge (Ganter 60 Tage, Gänse etwas
frühreifer mit 58 Tagen)
● Die Mittel- oder Junggänsemast
dauert genau 16 Wochen, diese
Mastform wird für Direktvermarkter
schon interessant.
● Die Lang- oder Spätmast muss
22/23 Wochen dauern, dann sind die
Gänse wieder flügge, und sollte sich
nicht länger als auf 32 Wochen ausdehnen. Der Schlachtpunkt vor der
Geschlechtsreife ist wichtig, da die
Gänse sonst zu diesem Zeitpunkt an
Gewicht und Qualität verlieren. Die
Lang- oder Spätmast ist die übliche
Form für die Erzeugung der Weihnachtsgänse.
Die Bestellung der Gössel sollte
rechtzeitig erfolgen, um diese auch
zum gewünschten Zeitpunkt zu erhalten. Es ist dabei zu überlegen, ob
man Gössel mit einem Alter von einem bis drei Tagen oder mit einem
Alter von drei Wochen, eventuell
auch älter kauft. Dies ist für die Planung der Mast und Schlachtung der
Tiere wichtig.
Ein bis drei Tage alte Gössel haben
den Vorteil, dass man sie meist pro-
blemlos und zum gewünschten Termin beziehen kann, der Transport
einfacher und die Aufzucht optimal
für die Tiere zu gestalten ist. Für die
Weidemast können sie relativ zeitig
an das Grünland gewöhnt werden.
Bei größeren Beständen ist dies oft
von Vorteil. Man benötigt aber ein
separates Abteil mit entsprechender
Ausrüstung, vor allem Wärme, welches nur drei bis vier Wochen im Jahr
genutzt wird.
Gänse im Alter von drei Wochen
oder älter benötigen eigentlich nur
einen vor Raubzeug sicheren Stall,
der anfangs vor Wind und Wetter
schützt. In bestimmter Jahreszeit
können Gössel ab fünfter Lebenswoche stalllosgehalten werden.
Beim Kauf der Gössel muss bereits
die Zielgröße, sprich das anzustrebende Mastendgewicht, welches
durch den Kundenstamm vorgegeben wird, beachtet werden. Oft werden Gänse mit einem Gewicht von
6,5 bis 6,6 kg und Schlachtkörpergewichten von 4 bis 4,5 kg gewünscht.
Ein sehr viel schwererer Genotyp wäre bei diesem Kundenstamm fehl am
Platz. Natürlich gibt es auch Kunden,
bei denen die Weihnachtsgans
schwerer sein sollte, dann muss auch
das beim Kauf mit der Brüterei oder
mit dem Lieferanten abgestimmt
sein.
Stall und
Ausrüstung
In den ersten vier Lebenswochen
können acht bis zehn Tiere je Quadratmeter Stallfläche gerechnet
werden. Von der vierten bis zur ach-
Fotos: landpixel
ten Woche sollten dann noch vier bis
sechs Tiere auf 1 m² Platz finden, später zwei bis drei Tiere. Für alle Altersklassen wird ein Drittel der Bodenfläche als Fensterfläche gefordert.
In den Aufzuchtabteilen sollte in
der ersten Woche eine Temperatur
von 31 °C herrschen, die dann bis
zur vierten Woche auf 18 °C reduziert werden kann. Für Tiere ab der
fünften Woche können, je nach
Jahreszeit, Außentemperaturställe
mit Ganzgitterfronten genutzt werden.
Neben den Wärmequellen sind in
den ersten Wochen ausreichend Tröge und Tränken pro Gans sehr wichtig. So sollten in den ersten vier Wochen 3 bis 4 cm Troglänge und von
der vierten bis zur achten Woche 6
bis 8 cm, später 10 cm Troglänge je
Tier gerechnet werden. Tränkrinnen
sind in den ersten acht Wochen mit
1 cm je Tier und später 2 cm je Tier
zu planen.
Mastphasen
im Überblick
Für die Langmast, die für die
Weihnachtsgänseerzeugung
die
größte Rolle spielt, kann in der Aufzucht und Mast von vier Phasen der
Fütterung ausgegangen werden.
● Phase 1: erste bis dritte/vierte Lebenswoche – Aufzuchtphase, hier
sind optimale Temperatur- und Umweltgestaltung, ausgewogene Fütterung mit Aufzuchtfutter besser
noch Starterfutter erforderlich.
● Phase 2: vierte bis sechste Lebenswoche – Übergangsphase, die Gänse
werden immer stärker an das Grün-
■ BAUERNBLATT l 7. November 2015
land gewöhnt und der Eiweißgehalt reduziert.
● Phase 3: ab siebter Lebenswoche – Weide, maximale Nutzung der Weide je nach Genotyp und Wüchsigkeit des Graslandes; am Abend 100 bis 150g
Beifutter/Konzentrate.
● Phase 4: vier bis maximal
sechs Wochen vor Schlachtung
Ausmast der Tiere. Die Länge
wird von der Kondition der Tiere bestimmt. Als Futter werden
Getreidegemische oder Mastfutter eingesetzt; früher auch
gern Möhren und Hafer.
Für diese Fütterung sind in
den ersten vier Wochen etwa
3,5 kg Kükenstarterfutter für
Wassergeflügel und Geflügelmastfutter erforderlich, in der
fünften bis siebten Woche
2 kg pelletiertes Futter und
Getreide, ab der achten Wo- Die Gans ist ein hervorragendes Weidetier, benötigt aber in der Aufzuchtphase opche mehr oder weniger Wei- timale Temperatur- und Umweltbedingungen.
degang und pro Tag 100 bis
150 g Getreide. In der Endmast bis 100 Gänse je Hektar geweidet licher Schutz erforderlich, bestehend
werden noch einmal 11 kg Gänse- werden. Bei einer Fläche mit einem aus Stacheldraht, 20 cm über dem
mast- oder Broilermastfutter ein- Ertrag von 100 dt und einem Tages- Drahtgeflecht, und zusätzlichen
gesetzt.
bedarf von 200 g Grünfutter sind in Elektrozaun.
der vierten bis sechsten Woche
Wer Gänse aufzieht und mästet,
0,2m² Fläche pro Gans und Tag nö- hat pro Tier mit einem Arbeitsbedarf
Flächen- und
tig. Bei 1.000 g je Tier pro Tag ist da- von 0,7 bis 0,8 Arbeitskraft je Stunde
Weidebedarf
für täglich 1 m² erforderlich.
(AKh) je Gans zu rechnen. Dieser
Die Gans ist ein hervorragendes Wert ist mit der Literatur abgegliDer erste Schnitt im Jahr ist für die
Heu- beziehungsweise Silagegewin- Weidetier. Sie verbeißt aber sehr tief chen. Natürlich spielen die Größe
nung zu nutzen. Eine optimale Höhe und nutzt auch die Flächen sehr se- der Herde, die bauliche Anlage und
des Grasbestandes für die Bewei- lektiv. Demzufolge ist eine straffe die Entfernung des Grünlandes dadung sind bei Gänsen 8 bis 10 cm, Umtriebsweide, besser Portionswei- bei eine Rolle.
maximal 15 cm. Im ersten Jahr der de, von Vorteil. Eine Weidepflege
Dr. Manfred F. Golze
Neuansaat sollte diese nicht als Gän- und Kontrolle sind ständig einzuSächsisches Landesamt für
seweide dienen. Je nach Boden- planen.
Die Einzäunung der Weide kann
Umwelt, Landwirtschaft und
punkten/Grünlandzahl können auf
Geologie
leichten, wenig wüchsigen Böden im mit Knotengitter 15 x 12,5 cm oder
Tel.: 03 42 22-46 22 13
Durchschnitt 40 bis 50 Gänse und bei Maschendraht bis 1,2 m Höhe [email protected]
sehr intensivem Grünlandstandort gen. Je nach Standort ist ein zusätz-
Checkliste der Martins- und Weihnachtsgänseerzeugung
● Absicherung der Schlachtung
- Termin - Stückzahl
- zu welchen Konditionen
● Gösselbestellung
- Termin
- Stück
- Alter ein bis drei Tage oder drei
Wochen
- Genotyp: gewünschtes Schlachtkörpergewicht
● Stall/Aufzucht
Wärme:
- erste Woche: 31 °C;
- je Woche 2 bis 3 °C Reduzierung
Platz:
- erste bis vierte Woche acht bis
zehn Gössel pro Quadratmeter
- vierte bis achte Woche vier bis
sechs Tiere pro Quadratmeter
- ab achte Woche zwei bis drei Tiere pro Quadratmeter
Tröge:
- erste bis vierte Woche 3 bis 4 cm
Troglänge je Gans
- vierte bis achte Woche 6 bis 8 cm
Troglänge je Gans
- dann 10 cm Troglänge je Gans
Tränkrinne:
- erste bis vierte Woche 1 cm Tränkrinne je Gans
- dann 2 cm Tränkrinne je Gans
● Weidevorbereitung
- Höhe des Aufwuchses bei Weideauftrieb 8 bis 10 cm
- je nach Qualität/Wüchsigkeit der
Weide - geringerer Ertrag 40 bis 50
Gänse je Hektar
- bestes Grünland bis 100 Gänse/ha
- Umtriebs- oder Portionsweide
- Einzäunung Knotengitterzaun
oder Maschendraht
- zusätzlich E-Zaun gegen Beutegreifer
● Futterplanung
- erste bis vierte Woche 3,5 kg Starterfutter je Gössel
- fünfte bis siebte Woche 3,5 kg
Pellets je Gans
- ab achte Lebenswoche 700 g bis
1.050 g Getreide oder Aufzuchtfutter je Gans und Woche
- Endmast zirka 11 kg Mastfutter
● Arbeitszeitbedarf
- 0,7 bis 0,8 AKh je Gans Aufzucht
und Mast;
- plus 0,7 bis 0,8 Akh je Gans für
Schlachtung und Vermarktung
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