Alternativmethoden und ihre Genehmigung

Werbung
Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen
Institut für Pädagogik und Psychologie
Thema: Erprobung von Unterrichtsmaterialien
für ein Buchprojekt zu Alternativen zu Tierversuchen
Arbeitsauftrag für die Gruppenarbeiten:
1. Bitte erarbeiten Sie sich in der Dreiergruppe die Inhalte der Ihnen vorliegenden
Materialien.
2. Bereiten Sie eine Kurzpräsentation (3-5 Minuten) vor, in der Sie ihren MitschülerInnen
folgende Inhalte (gut strukturiert!) vorstellen:
a) Zusammenfassung der zentralen Aspekte des Themas
b) eine (kritische) Stellungnahme zum Thema
c) offen gebliebene Fragen
3. Alle von Ihnen werden in der nächsten Stunde diese Präsentation vor einer Gruppe von 7
MitschülerInnen halten!
Sie haben bis zum Ende der heutigen Doppelstunde Zeit, die Präsentation für die nächste
Stunde vorzubereiten! (Die nicht in der Stunde erledigte Vorbereitung wird automatisch
zur Hausübung!)
Unterrichtmaterial 4:
Alternativmethoden und ihre Genehmigung
Die Genehmigung von Alternativmethoden ist ein
zentrales Problem. Ein Grund warum nicht bereits mehr
alternative Methoden zu Tierversuchen eingesetzt
werden liegt in einigen folgenschweren Vorschriften.
Diese besagen, dass jede Alternativmethode, bevor sie
offiziell anerkannt wird einer umfangreichen Prüfung
unterzogen werden muss. Diese Prüfung heißt
Validierung, sie ist aufwendig und teuer und ein Grund
dafür, dass viele Alternativmethoden erst nach zehn
Jahren von den Behörden offiziell anerkannt werden.
Aus der Sicht des Tierschutzes ist eine ideale
Tierversuchsalternative nur in der kompletten
Abschaffung von Versuchen an Tieren zu sehen. Wenn
das der Fall ist, kann man von tierversuchsfreien
Methoden sprechen. Derzeit gibt es jedoch vielfach
noch Methoden, die den Vorteil haben, sehr starkes Leid
zu reduzieren aber noch nicht als tierversuchsfreie
Methode gelten können, da noch immer Tiere
verwendet werden
Material 4a:
Der Augenreiztest und seine Alternative der Hühnerei-Test
Es gibt einen Tierversuch, der ohne Zweifel als der Inbegriff eines enorm belastenden
und für viele Tiere mit großen Schmerzen verbundenen Versuchs gelten kann: der so
genannte Draize-Augenreiztest am Kaninchen. Dieser Test zählt auch zu den
umstrittensten Tierversuchen überhaupt. Der Augenreiztest wurde bereits 1944
entwickelt und sollte dazu dienen festzustellen, ob bestimmte Substanzen eine reizende
oder schädigende Wirkung auf das Auge haben. Bei diesen Substanzen handelt es sich
entweder um einzelne chemische Substanzen oder auch um Mischungen wie zum Beispiel
Spülmittel, Shampoos, Lacke, aber auch Raumsprays etc. Dabei werden Kaninchen die
Testsubstanzen ins Auge geträufelt und beobachtet, welche Reaktionen auftreten. Die
Reaktionen des Auges reichen von einer leichten Reizung der Bindehaut über
Verätzungen bis hin zur völligen Zerstörung des Auges. Da Kaninchen kaum
Tränenflüssigkeit bilden können, bleibt die Testsubstanz für mehrere Stunden in
konzentrierter Form im Auge. Außerdem werden die Kaninchen in der Regel rund 3
Wochen beobachtet, um festzustellen, wie sich das Auge in dieser Zeit verhält. Da dieser
Test meist ohne eine örtliche Betäubung durchgeführt wird, erfahren die Kaninchen in
einem sehr hohen Ausmaß Schmerz und Leid. Dieser Test ist wissenschaftlich sehr
umstritten: Die Bewertung der auftretenden Verletzungen am Kaninchenauge lässt sich
kaum verallgemeinern. Anhand eines Bilderkataloges sollen die Wissenschaftler die
Verletzungen einstufen. Eine solche Beurteilung bleibt aber sehr subjektiv. Dieser Test ist
zudem nur sehr schlecht reproduzierbar. Das heißt, dass selbst innerhalb ein und
desselben Labors unterschiedliche Ergebnisse mit diesem Test erzielt werden. Damit steht
die wissenschaftliche Aussagekraft in Frage. Hinzu kommt, dass dafür viele Kaninchen
zum Teil stärkste Schmerzen ertragen müssen.
1
Eine Alternative - das bebrütete Hühnerei
Bereits Mitte der 80er Jahre wurde eine Methode entwickelt, die den schmerzhaften Test
am Kaninchenauge vielfach ersetzen kann: der Hühner-Ei-Test. Dieser Test funktioniert
folgendermaßen: Ein befruchtetes Hühnerei einer speziellen Hühnerart wird mit der
stumpfen Seite nach oben mehrere Tage bebrütet, so dass sich dort die Luftblase, die man
in jedem Ei findet, ausbilden kann. An dieser Stelle wird das Ei aufgefräst. Nun werden
sowohl die Schale des Eies als auch die darunter liegende Ei-Membranen entfernt. Zum
Vorschein kommt die schmerzunempfindliche Aderhaut des Eies. An dieser ist es nun
möglich, Substanzen auf ihre reizende Eigenschaft hin zu testen. Dafür wird die
Testsubstanz auf die Aderhaut aufgebracht. Aufgrund der Reaktionen der Membran, ob
es zum Beispiel zu Blutungen kommt, lässt sich beurteilen, ob eine Substanz reizende
Eigenschaften hat oder nicht. Dieser Hühner-Ei-Test hat im Vergleich zum
Kaninchenaugenreiztest nicht nur den Vorteil, dass er vielen Versuchstieren sehr viel Leid
erspart. Er ist zudem auch noch weitaus schneller und dadurch auch weitaus günstiger, da
der Hühner-Ei-Test auf Augenreizung nur rund 15 Minuten dauert.
Material 4b:
Wie läuft das Genehmingungsverfahren für tierversuchsfreie Methoden ab?
Etwa 23% der Tierversuche werden aufgrund gesetzlicher Vorschriften durchgeführt.
Jeweils ungefähr 20 Bestimmungen auf nationaler sowie auf EU-Ebene schreiben
Tierversuche direkt oder indirekt vor, wie z. B. das Arzneimittelgesetz oder das
Chemikaliengesetz. Dazu kommen noch Vorgaben, die weltweit Gültigkeit haben, wie die
Richtlinien der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD). Damit tierversuchsfreie Verfahren in diese Richtlinien und Rechtsvorschriften
Eingang finden, müssen sie einen langwierigen Prozess, die so genannte Validierung,
durchlaufen. Tierversuche im Bereich der Grundlagenforschung müssen allerdings nicht
validiert werden. Hier kann ein Wissenschaftler ein Verfahren, das ohne Tiere auskommt,
sofort anwenden.
Einige der tierfreundlichen Forschungsverfahren, die gesetzlich vorgeschriebene
Tierversuche ersetzen können, sind validiert und werden heute bereits angewendet,
während andere noch nicht anerkannt sind. Die Validierung kann bis zu zehn Jahre
dauern und erfolgt in einem umfangreichen Prozess in fünf Schritten:
a) Testentwicklung: Das neue Verfahren wird entwickelt und der Bereich, für
welchen der Test eingesetzt werden soll, wird genau bestimmt.
b) Prävalidierung: Labore überprüfen mit der neuen Methode bestimmte, bereits im
Tierversuch untersuchte Substanzen. Es soll festgestellt werden, ob die Methode
reproduzierbare Ergebnisse liefert und standardisierbar ist.
c) Experimentelle Validierung: Die neue Methode wird in mehreren Laboren
getestet, um zu ermitteln, ob die Versuchsdaten der verschiedenen Labore sich
untereinander entsprechen.
d) Evaluierung: Die Versuchsergebnisse aus dem neuen Testverfahren werden mit
den Daten aus dem Tierexperiment verglichen. Bewertet die neue Methode die
Prüfsubstanz genauso wie den Tierversuch, ist sie aussagefähig (valide).
e) Akzeptierung: Das Verfahren gewinnt Eingang in die bestehenden
Prüfvorschriften.
2
Hierbei gibt es eine besondere Schwierigkeit: Die Versuchsergebnisse aus dem neuen
Testverfahren werden mit den Daten aus dem Tierexperiment verglichen. Nur, wenn
beide übereinstimmen, gilt die neue Methode als aussagefähig. Anders ausgedrückt, eine
tierversuchsfreie Methode wird nur behördlich anerkannt, wenn ihre Ergebnisse mit
denen des entsprechenden Tierversuchs übereinstimmen. Doch der Tierversuch selbst
musste sich nie vergleichen lassen. Er wurde nie validiert und wird von den
Wissenschaftlern noch immer einfach akzeptiert, obwohl die Ergebnisse aus
Tierversuchen ungenau, nicht verlässlich reproduzierbar und nicht auf die Situation beim
Menschen übertragbar sind. Die Qualität neuer, sinnvoller Testsysteme wird also an einer
schlechten, veralteten Methode gemessen. Viele, wirklich aussagekräftige In-vitro-Systeme
haben so kaum eine Chance, jemals behördlich anerkannt zu werden.
Die Validierung am Tierversuch ist unsinnig, sinnvoll wäre ein Vergleich der neuen
Methode mit bekannten Daten aus der Humanmedizin. Trotz dieser erheblichen Hürde
haben es einige Reagenzglasmethoden bereits zu einer weltweiten Akzeptanz gebracht.
Doch diese Entwicklung könnte schneller verlaufen, daher muss der Vorgang der
behördlichen Anerkennung unbedingt beschleunigt und vereinfacht werden.“
Quelle: Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner www.tierrechte.de
3
Herunterladen