KRONE Kultur - 12.07.2015 - "Spiel der Verirrungen"

advertisement
PRÄS
Festival Schloss Weitra: „Brautschau“
Spiel der Verirrungen
Besucht doch da ein junger Herr mit seinem Diener eine Stadt, um eine Frau zu finden – und findet
nicht nur diese, sondern auch seinen Zwillingsbruder und den Zwillingsbruder seines Dieners: Ein
Stoff, aus dem gut Theaterstücke gemacht werden
können. Das dachte sich auch Peter Hofbauer und
schrieb seine Komödie „Verrückte Brautschau“.
ENT
Foto: ViennaPress / Andreas Tischler
Für Weitra hat Hofbauer das sommertheatertauglichste Theaterstückl
gezimmert. Bonbonfarben die Häuser im Bühnenbild, quietschbunt die
VON OLIVER A. LÁNG
„Jedermann“: Roxanne Rapp, Bruno Thost, Christian Hauser (v. li.)
Karmeliterkirche, Döbling: „Jedermann“
Mit Starkoch Gerer!
Er ist zur Tradition geworden: Der „Jedermann“, den
Burgschauspieler Bruno Thost in Wien-Döbling herausbringt, wird auch heuer wieder im Garten des Karmeliterklosters – und bei Regen in der Karmeliterkirche
– aufgeführt. Thost selbst übernimmt im Spiel vom Sterben des reichen Mannes die Rolle des Mammon.
Hugo von Hofmannsthals
„Jedermann“, Hauptstück
der Salzburger Festspiele
seit ihrer Gründung, wird
von Katja Thost-Hauser, Intendantin der Freiluftspiele
Seelbach
im
badischen
Schwarzwald und u. a. Regisseurin der Josefstadt, inszeniert; Jenny Thost entwarf die Kostüme, Mirka
Masjenjak die Masken.
Thost verwirklichte mit
seinen Familienmitgliedern
sein „Jedermann im Neunzehnten“-Projekt:
Seine
Frau führt Regie, seine
Tochter Jenny entwirft die
Kostüme und spielt den
Tod, sein Schwiegersohn
Christian Peter Hauser
übernimmt die Titelrolle des
Jedermann, Thost selbst ist
der Mammon.
Roxanne Rapp ist als verführerische Buhlschaft zu
sehen, Tobias Eiselt als Jedermanns Guter Gesell und
Teufel, Joe Pechhacker als
Dicker Vetter, Tany Gabriel
als Gute Werke, Renate
Kastelik als Glaube. Und
auch Gourmets kommen auf
ihre Rechnung: Starkoch
Reinhard Gerer (früher
„Korso“) übernimmt die
Rolle des Kochs.
Nächste Aufführungen:
heute (12.) sowie am 19.,
25., 26., 31. Juli und 1. und
2. August (16 Uhr).
Karten: im Vorverkauf 15
Euro, an der Abendkassa 18
Euro. Per E-Mail: karten@thost-hauser.com; Trafik Albrecht, 1190 Wien,
Silbergasse 4.
Kostüme (beide von Ilona
Glöckel), sommerlich eingängig die Melodien von
Matthias Bauer.
Und gefahrenfrei bewegt sich die Handlung –
sehr frei nach Plautus und
Shakespeare – fort, bei
der Irrungen und andere
Komplikationen immer
im Unterschmerz-Bereich
bleiben. Um Aufregung
und das große Drama
geht es ja auch nicht! Sondern um eine fröhliche
und irgendwie auch drollige Theaterjause (Inszenierung: Isabella Fritdum),
die im Handlungsverlauf
offensichtlich sein will.
Ja, da sind sie, die beiden Brüder – Christof
Messner, Johannes Nepomuk –, die zwischen fremdem Ehebett, Bordell und
Gefängnis herumschlingern. Dazu tritt die ver-
Autor/Regisseur Peter Hofbauer & Caroline Vasicek.
nachlässigte Ehefrau –
sehr präzise führt sie das
Ensemble mit Drive an:
die ausgezeichnete Caroline Vasicek. Daneben die
Single-Schwester – sehr
flott und amüsant: Anna
Sophie Krenn. Nicht zuletzt die Diener: Als bewegungsfreudig
erweisen
sich Timo Verse und
Bernhard Viktorin, aber
auch allerlei anderes Komödienpersonal.
Ein
stimmungsvoller
Abend im prächtigen
Schloss Weitra. Mehr als
sonst lautet es hier: Ende
gut, alles gut!
Karlheinz Roschitz
KULTUR heute
WIEN
Theater „Die neue Tribüne“ im
Café Landtmann, p 0664 23 44
256: Dalles & Dowidl, jüdisches Kabarett aus den 20er Jahren (mit Günter
Tolar) 20 Uhr.
NIEDERÖSTERREICH
THEATERSOMMER NÖ:
Teatro Barocco in Stift Altenburg:
Medea/Der Apotheker, So 19.30 Uhr,
p 0699/183 96 969; Theatersommer Haag: Thomas Gansch und Georg Breinschmid, So am Hauptplatz,
p 07434/44 600; Kultursommer
Laxenburg: Ewig jung, So 16.30 Uhr
im Hof der Franzensburg im Schlosspark, p 02236/736 40; Festival
Retz: Curlew River, So 20.30 Uhr in
der Stadtpfarrkirche St. Stephan, p
02942/222 352; Sommernachtskomödie Rosenburg: Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie, So 18 Uhr,
p 0664/16 305 43; Festival Schloss
Weitra: Eine verrückte Brautschau, So
16 Uhr, p 0664/51 50 986; Märchensommer NÖ: Der Zauberer von
Oz (für Kinder), So 11 und 16 Uhr im
Schloss Poysbrunn im Weinviertel, p
0699/134 41 144; Kinder.Musical.Sommer Niederösterreich: Rit-
ter Rost und die Hexe Verstexe, So 15
Uhr in der Garten.Arena.Schiltern in
den Kittenberger Erlebnisgärten/Schiltern, p 02734/82 280.
BURGENLAND
Güssing: Burgspiele: Die Schöne und
das Biest auf der Festwiese, 19.30 Uhr,
p 0 33 22/42 102; Kobersdorf:
Schloss-Spiele: Der Preis des Monsieur
Martin, 20.30 Uhr, p 0 26 82/7198000; Mörbisch: Seefestspiele: Eine
Nacht in Venedig, 20.30 Uhr, p 0 26
82/66 210; Parndorf: Die Wirtin,
19.30 Uhr, p 0 21 66/22 772.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
Sonntag, 12. Juli 2015
› KULTUR ›
Seite 43
Foto: Werner Meyer/Meyer Originals
rone.at
www.k IERT
Sonntag, 12. Juli 2015
„Schutzflehende“ nennt
Art.Carnuntum–Chef Piero
Bordin seine Produktion von
Aischylos „Hiketides“ – Uraufführung 463 v. Chr. –,
dem einzigen erhaltenen Teil
einer antiken Trilogie über
das Schicksal der Danaiden:
Die Geschichte von der
Flucht der Danaiden aus
Ägypten in die neue Heimat
Europa wurde vom prominenten griechischen Regisseur Kostas Papakostopoulos in packendes Gegenwartstheater über die in
Griechenland
landenden
Flüchtlingsscharen verwandelt. Das effektvolle Bühnenbild entwarf Ulrike Mitschke
(Foto). Premiere war gestern in Carnuntum.
KHR
JazzfestWien 2015: Dianne Reeves im Arkadenhof, Jason Marsalis im Porgy&Bess
Jede Menge gute Schwingungen
Freischwingender Tango in der Trioformation um Akkordeonist Christian Bakanic und die betörend-vielseitige Stimme von Dianne Reeves mit ihrem kongenialen
Quartett: Mit dem jazzigen Doppelkonzert im wunderbaren Arkadenhof des Rathauses neigte sich das JazzfestWien 2015 am Freitagabend seinem würdigen Ende zu.
Jede Menge gute Schwingungen! Dianne Reeves ist
eine liebenswürdig charmante Jazzdiva, die sich in wohlklingender Stimmakrobatik
mit lustvollen Tonfolgen
und Intervallsprüngen
lsprü g treff-
Charme
und
tolle
Stimmakrobatik:
Star Dianne
Reeves. §
sicher in den dunklen Tiefen
wie in den lichten Höhen bewegt. Ihre Ansagen und Erzählungen baut sie in das
melodiöse Ereignis ein, und
gemeinsam mit ihren musikalischen Gefährten legt sie
die Wurzeln des Jazz hingebungsvoll
im
erdigen
Rhythmus der Vorfahren
frei. Bezaubernd berührt
sie im Duett mit ihrem
langjährigen Gitarristen
Russel Malone, taucht
hinein in den Blues oder
bietet eine Prise Karibikfeeling: Voll Poesie und
sinnlicher Lebenslust!
Höchst
geistreiche
Mission!
g
Da ist es wieder: Das Bekenntnis zur
Gültigkeit der
Geschichte
und Tradition.
Im
Porgy&Bess
bewies
der Schlagzeuger, Vibraphonist und Komponist Jason
Marsalis, jüngster in Sachen
Jazz aktiver Spross der talentreichen Musikerfamilie
Marsalis, mit seinem Vibes
Quartet die Aktualität der
Wurzeln.
Im Reigen von Eigenkompositionen und Referenzen
an die Wegbereiter pflegt
man die melodische Schönheit ebenso wie beflügelte
Gedankengänge, lässt die
Marsalis’sche Vibraphonlinie mit den sprudelnden
Klavierkaskaden von Austin
Johnson ineinanderfließen,
sich verschlingen und mit
dem im Solo kunstvoll skizzierenden Kontrabass von
Will Goble und dem gediegen-akzentuierten Schlagzeug von David Potter wieder willig abheben und das
Gemüt befreien.
Manches kommt, so wie
Marsalis selbst, zunächst
scheinbar schamlos fromm
daher – und entpuppt sich
bald als ziemlich hintergründig und höchst geistreich,
mit prächtig trockenem Humor: Zitate bis zu Musicalhits, Walzer, Filmmusik und
Slapstick, verwoben in die
eloquente Erzählung und
mit wonnigem Groove und
immer wieder überraschenden Wendungen vorantreibend. Da folgt man gerne –
und freut sich schon auf den
ältesten Bruder, den Saxophonisten Branford, der
kommende Woche die Porgy-Saison hochkarätig abschließen wird.
Ki
Foto: C.T.C.
Kronen
Zeitung
› KULTUR ›
Foto: Bruno Thost
Seite 42
Start bei den Salzburger
Festspielen: Samstag (18.)
beginnt Ouverture spirituelle mit Haydns „Schöpfung“. Und Ingo Metzmacher probt bereits Wolfgang Rihms „Eroberung
von Mexiko“ (ab 26.).
Herunterladen