Grundbegriffe zur Beurteilenden Statistik - minus-p

Werbung
Die Grundaufgabe der beurteilenden Statistik
Zielorientierung: Eine Münze zeigt 6-mal hintereinander „Wappen”. Kann man
behaupten, dass die Münze gezinkt ist? Ein Würfel zeigt bei 36-maligem Werfen
genau 10-mal die Sechs. Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist der Würfel gezinkt
(manipuliert)? Kann man aus einer Stichprobe überhaupt Rückschlüsse auf die
Gesamtheit ziehen?
Definition: Um das Merkmal in der Grundgesamtheit zu untersuchen ist es oft
sinnvoll, das Merkmal in einer Teilmenge zu untersuchen. Diese Teilmenge wird
Stichprobe genannt. Die Anzahl der Elemente der Stichprobe heißt
Stichprobenumfang.
Definition 1: In der beurteilenden Statistik versucht man, von der Stichprobe auf
die Grundgesamtheit zu schließen.
Definition 2: In der beurteilenden Statistik versucht man, aus der mehrmaligen
Durchführung eines Zufallsversuches auf die unbekannte zugrundeliegende
Wahrscheinlichkeit zu schließen.
Beispiel:
Eine Münze wird 6-mal geworfen.
X beschreibt die Anzahl der Wappen
Man führt den Versuch durch und erhält 6-mal Wappen.
Zu erwarten wäre also „3-mal Wappen”, wenn es eine ideale Münze wäre.
Ist es aber ungewöhnlich, dass 6-mal Wappen fällt? Dazu betrachten wir bestimmte
Bereiche. Diese können wir mit Hilfe der Binomialverteilung berechnen.
P(3 [ X [ 3 ) = 0, 3125
P(2 [ X [ 4 ) = 0, 78125
P(1 [ X [ 5 ) = 0, 96875
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 96,875 % liegt die Zufallsgröße X (Anzahl der
Wappen) zwischen 1 und 5. Es ist also doch ungewöhnlich, dass 6-mal Wappen
fällt, aber nicht unwahrscheinlich.
Die Grundaufgabe der beurteilenden Statistik
Begriffe beim Signifikanztest
Das Ziel des Hypothesentests besteht darin, aufgrund einer Stichprobe zu prüfen,
ob eine vermutete Wahrscheinlichkeit, die Hypothese, als wahr angenommen
werden kann oder ob sie verworfen werden muss.
Beispiel (Wahl, linksseitiger Signifikanztest): Die Grünen hoffen, dass sie bei der
Landtagswahl mindestens 7% der Stimmen erhalten. Bei einer Befragung von 100
zufällig ausgewählten Personen zeigt sich, dass 6 Personen die Partei bevorzugen.
Was kann man daraus schlussfolgern?
Die Vorgehensweise ist dabei folgendermaßen:
Man stellt eine Vermutung oder Hypothese auf. Diese wird Nullhypothese H0
genannt. Die wird in der Form H o : p m p o geschrieben. Falls die Hypothese falsch
ist, muss die sogenannte Gegenhypothese wahr sein. Diese nennte man H1. Sie
wird in der Form H 1 : p < p o geschrieben.
Bemerkung: Es handelt sich jeweils um eine zusammengesetzte Hypothese, da p in
einem Intervall liegen kann.
Beispiel:
H o : p m 0, 07 (Der Stimmenanteil beträgt mindestens 7%.)
H 1 : p < 0, 07 (Der Stimmenanteil beträgt weniger als 7%.)
Zur Überprüfung von H0 gegen H1 legt man fest, dass eine Stichprobe vom Umfang
n untersucht wird. Die Zufallsgröße X sei die Anzahl der Personen, die für den
Bürgermeister stimmen. Falls H0 wahr ist, dann wäre die Zufallsgröße X im
schlechtesten binomialverteilt mit n und p0.
Beispiel:
Man untersucht die Binomialverteilung von X mit n = 100 und p = 0,07.
Die Prüfvariable kann theoretisch jeden Wert zwischen 0 und n annehmen. Mann
sollte jetzt überlegen, in welchem Intervall man die Prüfvarialble erwartet, wenn die
Nullhypothese zutrifft. In diesem Fall sprechen „große“ Werte für die Nullhypothese
und „kleine“ Werte gegen die Nullhypothese. Im zweiten Fall wird man H0 also
ablehnen. Die Wahrscheinlichkeit dafür, die Nullhypothese zu verwerfen, heißt
Irrtumswahrscheinlichkeit und wird mit α bezeichnet. Diese Irrtumswahrscheinlichkeit
(Signifikanzniveau) wird i.A. vorgegeben. Die Gegenwahrscheinlichkeit heißt
statistische Sicherheit.
Definition: Die Irrtumswahrscheinlichkeit α gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit
man die Nullhypothese ablehnt, obwohl sie wahr ist.
Für α = 5% spricht man von einem signifikanten Ergebnis.
Für α = 1% spricht man von einem hoch signifikanten Ergebnis.
Beispiel: Kann man mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% schlussfolgern, dass
die Partei mindestens 7% der Stimmen erhält?
Mit dieser Irrtumswahrscheinlichkeit kann der sogenannte kritische Bereich
(Ablehnungsbereich) K angegeben. Es handelt sich um die Werte von X, für die H0
abgelehnt wird. Dazu sucht man eine geeignete Signifikanzgrenze.
Die Grundaufgabe der beurteilenden Statistik
K = 0; ...; g mit P(0 [ X [ g ) [ ✍
Alle Werte die nicht in K liegen, liegen im Nichtablehnungsbereich oder im
Annahmebereich K.
Definition: Bei einem linksseitigen Signifikanztest liegen im kritischen Bereich die
Wert von 0 bis zur Signifikanzgrenze g.
Beispiel: Durch Analyse der Binomialverteilung erhält man den Ablehnungsbereich
K = 0; ...; 2
. Dazu muss man einfach ein wenig proieren (GTR). Es gibt sogar
Programme, die den Ablehnungsbereich ermitteln. Der Annahmebereich ist übrigens
für unser Beispiel A = 3; ...; 100
.
Zum Schluss kann man nach der Untersuchung der Stichprobe anhand dieser
aufgestellten Entscheidungsregel die Hypothese verwerfen oder auch nicht
verwerfen.
Da sich 6 Personen für die Partei entschieden haben und die Zahl 6 im
Annahmebereich liegt, kann man die Nullhypothese nicht verwerfen. Es ist also nicht
unmöglich, dass die Grünen mindestens 7% der Stimmen bekommen.
Liegt ein Versuchsergebnis im Annahmebereich, wird dadurch nicht die Hypothese
bestätigt, sondern man entscheidet sich durch die vorher festgelegte
Entscheidungsregel, sie weiter als richtig anzusehen. (Es kann immer noch die
Gegenhypothese zutreffen.)
Herunterladen
Explore flashcards