Absolute Vermittlung

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Slide 1

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 2

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 3

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 4

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 5

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 6

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 7

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 8

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 9

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 10

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 11

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 12

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 13

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 14

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 15

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 16

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 17

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 18

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 19

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 20

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 21

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 22

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 23

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 24

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 25

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 26

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 27

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 28

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 29

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 30

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 31

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 32

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 33

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 34

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 35

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 36

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 37

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 38

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 39

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 40

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 41

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 42

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 43

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 44

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 45

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 46

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
(Forts.)

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

1. Dieser Unterschied ist der
Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied
des Wesens. ...
Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch ein
Äußerliches, sondern sich auf sich
beziehender ... Unterschied.“ (Zitat Ende)

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
Das sich wissende Subjekt weiß sich
als im (absoluten) Unterschied mit sich
Identisches (absolut Vermitteltes).
Absolute Vermittlung:
Kehrgedanke zum absoluten
Unterschied.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, PDG, 442

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 2/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
Wäre das Unendliche das Gegenteil des
Endlichen, hätte es das Endliche als
Anderes seiner, wäre also kein
Unendliches, sondern ein Endliches.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Die wahrhafte Bestimmung des
Endlichen in dem Verhältnis zum
Unendlichen ist die unmittelbare
Einheit beider.“

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Teil 1 (n. d. Vorlesung von 1824) 211

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 3/3

Endlichkeit und Unendlichkeit
„Es ist daher nur Bewusstlosigkeit, nicht
einzusehen, dass eben die Bezeichnung
von etwas als einem Endlichen ... den
Beweis von der wirklichen Gegenwart
des Unendlichen ... enthält, dass das
Wissen von Grenze nur sein kann,
insofern das Unbegrenzte diesseits im
Bewusstsein ist.*
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* cf. G.W.F. Hegel, EDP, § 60 (stw 8, 144)

Und wie steht es um das Opfer?

?
Das heidnische Opfer:
Daseinsberechtigung hat das Individuelle nur,
wenn es sich dem Substanziellen unterwirft.
Die Unterwerfung geschieht im Opfer.
Türcke 1994, 71

Das heidnische Opfer als Vermittlung

Das (religiöse) Opfern zelebriert die
Versöhnung von Göttlichem und
Menschlichem, es vollzieht Vermittlung
als Gewaltakt gegen das Einzelne.
Türcke 1994, 71

Das Opfer in der absoluten Religion

Versöhnung des Göttlichen mit dem
Menschlichen nach Hegel ist die absolute
Vermittlung Gottes mit sich selbst.
Das Zugrundegehen des Lebendigen
(Endlichen) ist sein (des Lebendigen)
Opfer, ist sein Übergang ins Göttliche.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Das Opfer in der absoluten Religion
Das wahre Opfer hat damit keinen
Darbringer (Mensch) und keinen
Empfänger (Gott), sondern ist sich selbst
Darbringer und Empfänger.
Es geschieht um keines höheren Zweckes
willen, sondern ist sich selbst Zweck.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106

Die Begriffe ‚Gott‘ und ‚Religion‘
Religion ist allumfassende Vermittlung.*
Das Christentum ist ihre höchste Stufe,
ist absolute Religion, ist absolute
Entfaltung dessen, was immer schon
Religion war.*

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

„Gott ist die absolute Wahrheit.“
„Religion ist das absolut wahre
Wissen.“**

*Türcke 1994, 106 ; **Hegel, Vorlesungen über die Religionsphilosophie 1827, 266

Religion als allumfassende Vermittlung

Ist das überhaupt neu?

Religion als allumfassende Vermittlung

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung
HAΝAΣ

Torcello, Basilica Santa Maria Assunta, 11./12. Jh.

Religion als allumfassende Vermittlung

Das Kreuz, Symbol für die nicht erlöste Welt,
wird durch die Auferstehung durchbrochen.

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie:
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Trotz Hegel keinen Schritt weiter? Doch? Inwiefern?
Hegel hat die Religion der Mystik entrissen

und sie Verstand und Vernunft
begreifbar gemacht.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Christoph Türcke
Vermittlung als Gott
Klappe 4 die letzte

Von den Vorsokratikern bis Hegel
Ein Versuch, Gott und die Welt
widerspruchsfrei zu denken

Literatur (1/2):

Augustinus von Hippo, Sermo 43, 9
Gessmann, Martin: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen
Wissenschaften, stw, Frankfurt/Main 1970
- Phänomenologie des Geistes, stw, Frankfurt/Main 1970
- Wissenschaft der Logik, Bd. I und II, stw, Frankfurt/Main 1969

- Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, stw,
Frankfurt/Main 1969
-Vorlesungen über die Philosophie der Religion: Der Begriff der
Religion, Meiner, Hamburg, 1993

Literatur (2/2):

Henrich, Dieter: Hegels Logik der Reflexion – Neue Fassung,
Hegel-Studien, Beiheft 18, 1978
Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie, Band I, München 1994

de Spinoza, Baruch: Ethik
Türcke, Christoph: Vermittlung als Gott, Lüneburg 1994
Vattimo, Gianni: Glauben – Philosophieren, Stuttgart 1997

Kritik, Anregungen, Hinweise, Kommentare gerne an
Horst-Helmut Krause

mail: [email protected]


Slide 47

Christoph Türcke

Vermittlung als
Gott
zu Klampen, Lüneburg 1994

Teil 4 von 4

Teil 4 von 4
„Absolute
Vermittlung“

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Gott ist substanzlos,
muss als Nichtiges begriffen werden.
Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 62

Die Göttliche Trinität ist eine himmlische
Projektion des menschlichen
Selbstbewusstseins: Gott ist Fiktion.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Augustinus
354-430
Tagaste/Hippo
Numidien
Türcke 1994, 96

Trinität des menschlichen
Selbstbewusstseins und
das Substanzielle der Göttlichen
Dreifaltigkeit stürzen beide in den
Abgrund gegenseitiger
Auf-sich-Bezogenheit.

Der religionsphilosophische Strahlenkater

Wie kommt die Religionsphilosophie
aus dieser Nummer wieder raus?

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Die Französische Revolution
1789 - 1799

Der neue religionsphilosophische Nährboden

Feudalgesellschaft

Bürgergesellschaft

Prinzip: starre Substanzialität,
gegenseitige Bezogenheit
Fundament: hierarchische Gliederung

Prinzip: Mobilität,
Selbstbezug
Fundament: die Gesellschaft selbst

Türcke 1994, 99, 102

Der neue Stern am Philosophenhimmel

Georg Wilhelm Friedrich

Hegel
1770 - 1831

Hegels Religionsphilosophie
Die traditionelle Theologie

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

hat Gott von den Menschen
losgelöst und ins Jenseits
transferiert.

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 99, 102

Diesseits

Jenseits

Mensch

Gott

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Jenseits in der traditionellen Theologie:
„allerrealstes, reines Sein, ewig in sich
verharrend“

Türcke 1994, 99, 102

Hegels Religionsphilosophie

„... der Du bist
im Himmel“

Diesseits
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Jenseits

Vermittlungsmonopol!
Aber Achtung: „Dritter Mensch“!
= Funktioniert nicht!

Hegels Sein und Nichts

bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

noch weniger bestimmtes Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Hegel, WDL

Hegel: reines Sein
=
reine Bestimmungslosigkeit
=
Nichts

Hegels Sein und Nichts

reines Sein

G. W. F. Hegel

Von einem Seienden ohne
Bestimmung kann nichts gewusst
werden.

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Wohnte Gott tatsächlich als
allerreinstes Sein in diesem Jenseits,
könnte von Gott nichts gewusst
werden.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Nun hat aber der Mensch ein
Bewusstsein von Gott.
Also ist Gott für die Menschen da.
Allerdings nur, wenn sie ‚Gott‘
denken.

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gott: Denkprodukt des Menschen

reines Sein

G. W. F. Hegel

Demnach wäre Gott ein bloßes
Denkprodukt des Menschen
und nicht wirklich existierend!

1770 - 1831

Türcke 1994, 102; cf. Hegel, WDL

Gottes Jenseitigkeit: Die falsche Prämisse
Hegel stimmt der
inneren Logik dieses
religionskritischen
Gedankens zu,

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

„... der Du bist
im Himmel“

weist aber sodann auf die Prämisse
dieses Gedankens hin:
Die Prämisse ist, dass Gott ins
unerreichbare Jenseits verbannt ist.
Und diese Prämisse ist (so Hegel) falsch.

Gottes Wirklichkeit: Beziehung auf den
menschlichen Geist
Gott ist Denkprodukt
des Menschen, aber das
tut Gott keinen Abbruch,
denn:
Gottes Wirklichkeit ist nichts anderes
als Beziehung auf den menschlichen
Geist, durch dessen Tätigkeit hindurch
sich die Wirklichkeit Gottes entfaltet –
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
wodurch Gott wirklich wirksam wirkt.
Türcke 1994, 102

Der an-sich seiende Gott
das An-sich Gottes:
Das reine Sein,
das Nichts,
das völlig Abstrakte

Das An-sich Gottes ist das völlig Abstrakte,
das Bestimmungslose, das Nichts.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

Wo aber der Mensch Gott denkt,
ist Gott längst aus dieser Leere in eine Fülle
von Bestimmungen und Konkretionen
hinübergetreten:
Schöpfung.

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„Gott offenbart sich. Sich offenbaren heißt ...,
sich bestimmen, sein für Anderes; dies
Sichmanifestieren gehört zum Wesen des
Geistes selbst. Ein Geist, der nicht offenbar ist,
ist nicht Geist.“

Türcke 1994, 102 f; Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 102

bestimmtes Sein

Gottes Wirklichkeit ist nicht vor diesem
Hinübertreten, sondern Gottes Wirklichkeit
ist dieses Hinübertreten.
Gottes Wirklichkeit ist der Übergang
vom Nichts zum bestimmten Sein:
Gott ist Schöpfung, ist Bewegung.

Der sich offenbarende Gott

Gottes Wirklichkeit
reines Sein

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

bestimmtes Sein

„... Gott ist als Geist wesentlich dies
Sichoffenbaren; er erschafft nicht einmal
die Welt, sondern ist der ewige Schöpfer,
dies ewige Sichoffenbaren, dieser Aktus.
Dies ist sein Begriff, seine Bestimmung.“

Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 193

Der sich offenbarende Gott

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 103

Die theologischen Lehrstücke
• von der Zeugung des Sohnes,
• von der Schöpfung der Welt,
• von der Inkarnation Gottes
verlieren ihre herkömmliche Selbständigkeit
gegeneinander.
Sie sind in die ewige Bewegung
der Offenbarung Gottes hineingezogen.

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein

„Das ewige Anundfürsichsein ist dies, sich aufzuschließen, zu bestimmen, zu urteilen, sich als
Unterschiedenes seiner selbst zu setzen.
G. W. F. Hegel
So treten wir in die Sphäre der Bestimmung ein,
1770 - 1831
in den Raum und die Welt des endlichen Geistes.“
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 242

Der an-und-für-sich seiende Gott

bestimmtes Sein
„In Gott selbst ist dieses Jetzt und Fürsichsein
das verschwindende Moment der Erscheinung.
Dies Moment ... ist der Himmel und die Erde
und deren in sich und nach außen unendliche
G. W. F. Hegel
Organisation.“
1770 - 1831
Türcke 1994, 103; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 246

Werden in Endlichkeit

}

Gott spezifiziert sich zum menschlichen
Geist.
Doch dieser ist ans Endliche gebunden
und selber endlich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Bewegung Gottes als Nicht-Endlichem
kann folglich nicht anders, als auch diese
höchste Form der Endlichkeit aufzuheben.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Aufheben der Endlichkeit

}

Die Aufhebung des endlichen Geistes zu Gott
ist die Vermittlung Gottes mit sich selbst, ist
absolute Vermittlung, ist (christliche) Religion.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

}

Türcke 1994, 103 f

Die vollendete Religion
Im Christentum erhält die
Göttliche Vermittlung die „... Form
unmittelbarer sinnlicher Anschauung,
äußerlichen Daseins ... in einem
Diesen [Christus], der zugleich gewusst
werde als Göttliche Idee ... .“
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 274

Der Tod Gottes
„Die Menschlichkeit ist an ihm bis auf
den äußersten Punkt [Tod in Schande
und Schmach am Kreuze] erschienen.“

G. W. F. Hegel

Weil Gott selbst es ist, der sich auf
diesem Punkt entäußert hat, so folgt:
„Gott ist gestorben, Gott ist tot ... .“
und es folgt damit weiter, dass
„... die Negation selbst in Gott ist; ...“

1770 - 1831

Türcke 1994, 104; Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 291; cf. ibid., 528

Der Tod Gottes
Ein neues Dilemma?

In der traditionelle Theologie hätte das
das Ende Gottes bedeutet, jedenfalls
bedürfte es der Mystik der Auferstehung,
um dem neuen Dilemma abzuhelfen.
Nicht so bei Hegel:
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 104

Gott als absolute Vermittlung
Weil das Ansich Gottes das Nichts ist,
ist Jesu/Gottes Tod der Tod des Nichts;
der Tod des Nichts ist die Bewegung des
Nichts ins ewige Leben, ist die
Vermittlung des Nichts mit der Ewigkeit,
ist die Vermittlung der Momente Gottes
mit sich selbst, ist absolute Vermittlung
Gottes mit sich.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

cf. Türcke 1994, 104 ff

Gott als absolute Vermittlung
(1) Schöpfung im Geist aus dem Nichts als
bestimmungslosem, reinen Sein in die Endlichkeit
der Negation/in die Sterblichkeit, sowie
(2) Karfreitagsgeschehen (Negation der Negation)
und Ostergeschehen (Sinnbild für die Überwindung der natürlichen Endlichkeit) sind
die Wegmarken der Momente eines
vernünftig/begrifflich fassbaren,
logisch
widerspruchsfrei
denkbaren
G. W. F. Hegel
1770 - 1831
trinitarischen Gottes.
Türcke 1994, 104 f

Gott als absolute Vermittlung
So verstandenen, bedarf der
Weltprozess keiner Erlösung:
Der Weltprozess ist seine Erlösung:

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 106/7

Gott ist
(1) stete Schöpfung als absolute
Unterscheidung (Negation) und
(2) Negation der Negation als
absolute Vermittlung.

Gott als absolute Vermittlung

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 109

Die Wirklichkeit Gottes ist das
Übergehen in den Sohn, in die Welt und
zurück zu sich selbst.
Diese Bewegung ist Gottes Selbstmitteilung, seine Offenbarung.
Das Geheimnis der Welt ist,
keines zu haben. Sie ist ihre eigene
Erklärung und Erlösung. Der Weltprozess
ist das geoffenbarte Angesicht Gottes.

Gott als absolute Vermittlung
In Abstracto:

Substanz (das letzte Wirkliche) und
Subjekt (Wissen von sich) sind als Einheit
zu denken.
Denn das allem zugrundeliegende
Eine ist eine Tätigkeit, die wesentlich
... Erkennen von sich ist.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Henrich, D., 1978

Die Gemeinde

Es ist Aufgabe der christlichen Gemeinde,
den Geist in seiner ganzen Konkretion
in Gestalt von Lehre und Sakramenten
auszubreiten.

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 107

Wo Gemeinde und Welt noch zwei
getrennte Sphären sind, da ist Gottes
vermittelnde Bewegung noch nicht
verstanden.
Wo aber die Gemeinde zum vollen
Bewusstsein ihrer selbst als in der
Weltlichkeit versöhnte gekommen ist,
wird sie gewahr, dass das Innerste der
Religion mit dem Wesen des Staates
identisch ist: Christliche Gemeinde.

Die Gemeinde

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Türcke 1994, 108

Religion und Staat hören auf, zweierlei
zu sein. Der begriffene Staat ist die
realisierte Gemeinde, das selbstbewusste Staatsleben ist der wahre Kult.
Die Profanisierung der Religion
ist die Sakralisierung des Staates:
Realisierung der communicatio
idiomatum (der göttlichen und der
menschlichen Natur Christi).

Hegels Pointe
Wer immer Gott und Mensch als das
Andere des Anderen begreift*, benötigt
zur Versöhnung beider einen Vermittler.
Der Dritte Mensch als Denkfigur eines
Vermittlers scheitert an dessen
Unableitbarkeit.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

* wer also in der Seinslogik stehenbleibt (cf. Hegel, WDL I)

Hegels Pointe
Wer auf den Dritten Menschen als
Denkfigur eines Vermittlers verzichten
will (wie z.B. Augustinus), kann Vermittlung nicht positiv fassen. Sie bleibt
unableitbar, unergründlich, ein Moment
der Diskontinuität (Chorismos).
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Pointe
Indem mit Hegel die Gegenstände der
Schöpfung nicht als von Gott losgelöst,
sondern als von Gott absolut unterschieden begriffen werden, bedarf es
keines Dritten als Vermittler:
Vermittlung geschieht als absolute
Vermittlung, und zwar notwendig.
G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegels Grammatik des Denkens: Splitter 1/3

Absoluter Unterschied und absolute Vermittlung
WDL: DIE LEHRE VOM WESEN
B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied

G. W. F. Hegel
1770 - 1831

Hegel, WDL II, 46

„Der Unterschied ist die Negativität,
welche die Reflexion in sich hat, ...
das wesentliche Moment der Identität
selbst, die zugleich als Negativität ihrer
selbst sich bestimmt und unterschieden
vom Unterschied ist. (Forts. nächste Folie)

Hegels Grammatik des Denkens: