Kapitel 2_2005

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KAPITEL 2
ZELLUNTERGANG
___________________________________________________________________________
2.1.
2.1.1.
2.1.2.
2.2.
2.2.1.
2.2.2.
2.2.3.
ZUSAMMENFASSUNG
1
HAUPTURSACHE DES ZELLUNTERGANGES ÜBER EINE SCHWELLUNG
(ONKOSE) IST DIE ISCHÄMIE.
2
Der «Leichnam» der Zelle, welche durch eine Onkose
zugrundegegangen ist, wird Nekrose genannt.
Was entsteht aus dem nekrotischen Gewebe ?
DER ZELLUNTERGANG ÜBER EINE SCHRUMPFUNG (APOPTOSE) IST
EIN VORGANG, DER ALS «OPPOSITION» ZUR ZELLTEILUNG
(MITOSE) VERSTANDEN WERDEN KANN.
Eine Apoptose kann auf verschiedene Signale hin
ausgelöst werden.
Eine Apoptose kann über den Fas- oder den PerforinGranzym-Weg induziert werden.
Die Apoptose wird durch Gene gesteuert.
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ZUSAMMENFASSUNG
Zellen können aus verschiedenen Ursachen zugrundegehen: wegen eines «Unfalls»,
durch «Suizid» oder durch «Killer». Unabhängig von diesen Ursachen kann der Zelluntergang
auf zwei Arten manifest werden: durch eine Onkose (Schwellung der Zellen), oder eine
Apoptose (Schrumpfung der Zellen).
Eine Onkose wird entweder über eine Denaturierung zellulärer Proteine oder einen
Abbau der Proteine durch eigene Enzyme hervorgerufen. Direkte Ursache des Zellunterganges
durch Onkose ist eine erhöhte Permeabilität der Zellmembranen, hervorgerufen durch eine
Zunahme der intrazellulären Konzentration der Ca2+-Ionen. Grund dafür ist eine Drosselung der
ATP-abhängigen Ionenpumpen wegen einer Hypoxie. Die aus den Mitochondrien und dem
endoplasmatischen Retikulum ins Zytoplasma ausgetretenen Ca2+-Ionen aktivieren
Phospholipasen, ATPasen, Proteasen und Endonukleasen.
Die Nekrose ist das morphologische Korrelat der Zelle, welche durch eine Onkose
zugrundegegangen ist. Anhand der vorherrschenden Morphologie werden vier Typen von
Nekrosen unterschieden: (1) Koagulationsnekrosen (Koagulation der Proteine durch
Denaturierung), (2) Kolliquationsnekrosen (Lyse der Proteine durch Enzyme), (3) verkäsende
Nekrosen (Mischform) und (4) fibrinoide Nekrosen. Die Koagulationsnekrosen bestehen aus
abgestorbenen Zellen, deren Proteine während des intravitalen Prozesses des Zellunterganges
koagulierten, die Kolliquationsnekrosen aus Zellen, deren Proteine durch die Einwirkung von
Proteasen verflüssigt worden sind. Verkäsende Nekrosen zeigen folgende Eigenschaften: (1)
Sie sind stark angereichert mit Glykolipiden, (2) sie können expandieren und (3) sich
verflüssigen. Verkäsende Nekrosen sind typischerweise bei der Tuberkulose zu beobachten.In
nekrotischen Geweben kann es zu einer Akkumulation von Ca2+-Ionen und einer
anschliessenden Verkalkung kommen, die Nekrose kann resorbiert und der Gewebedefekt
repariert oder die Nekrose sekundär bakteriell infiziert werden.
Ein Abszess ist definiert als eine Ansammlung von Eiter in einem durch eine
Kolliquationsnekrose entstandenen zystischen Hohlraum. Eiter entspricht lytisch-nekrotisch
eingeschmolzenen Gewebe- und Zelltrümmern (z.B. Fragmente zugrundegegangener
Granulozyten).
Der Zelluntergang über eine Apoptose ist ein Vorgang, der als «Opposition» zu einer
Zellteilung (Mitose) verstanden werden kann. Die beiden Hauptcharakteristika der Apoptose
sind: (1) Die Kern-Desoxyribonukleinsäure (DNA) ist zwischen den Nukleosomen aufgebrochen
und liegt in Fragmenten aus ungefähr 185-200 Basenpaaren oder einem ganzzahligen
Mehrfachen davon vor. (2) Die Apoptose kann durch eine Hemmung der Proteinsynthese
unterbunden werden. Die Apoptose wird durch eine Aktivierung des myc-, bax- oder p53-Gens
stimuliert und durch eine Aktivierung des bcl-2-Gens gehemmt. Entscheidend für die Wirkung
des Bcl-2-Proteins (Bcl-2) als Apoptose-Hemmer ist nicht dessen Menge, sondern das Verhältnis
zwischen der Menge des vorhandenen Bcl-2 und jener des Bax-Proteins. Wenn - im Vergleich
zum Bax-Protein - relativ viel Bcl-2 vorhanden ist, bleibt eine Apoptose aus, wenn relativ wenig
Bcl-2 vorhanden ist, tritt eine Apoptose ein. Das Bcl-2 scheint die Lipidperoxidation von
Membranen über einen Einfluss auf den Austausch von Ca2+-Ionen verhindern zu können.
Zellen können zugrundegehen, (1) zufällig wegen eines «Unfalls», (2) beabsichtigt durch
«Suizid» oder (3) gezielt durch «Killer» bei einer Entzündungs- oder Immunreaktion.
Unabhängig von den Ursachen kann der Zelluntergang auf zwei Arten manifest werden: durch
eine Schwellung (Onkose) oder eine Schrumpfung (Apoptose).
2.1.
HAUPTURSACHE DES ZELLUNTERGANGES
SCHWELLUNG (ONKOSE) IST DIE ISCHÄMIE.
ÜBER
EINE
Eine Ischämie [ (griechisch) = anhalten] ist eine Minderdurchblutung von Geweben
infolge einer Obstruktion arterieller Gefässe durch einen Verschluss des Lumens wegen eines
Embolus oder Thrombus oder durch eine Verdickung der Gefässwand wegen einer
Atherosklerose. Bei einer Ischämie kann der Zelltod für einzelne Zellen sehr schnell (innerhalb
von Minuten) erfolgen (z.B. für Neuronen), für andere langsam (z.B. für Fibroblasten).
Eine Onkose wird entweder über eine Denaturierung zelleigener Proteine oder über eine
Zerstörung zellulärer Proteine durch zelleigene Enzyme hervorgerufen. Welcher dieser beiden
Mechanismen abläuft, hängt von der Umgebung der Zellen und dem Enzymgehalt der Zellen ab.
Die Onkose beginnt mit einer Denaturierung der zellulären Proteine. Startsignal ist
wahrscheinlich ein Abfall des intrazellulären pH-Wertes. Die Denaturierung der Proteine besteht
in einer Veränderung ihrer Tertiärstruktur. Dadurch wird die Tendenz der Proteine sich zu
aggregieren verstärkt.
Eine Denaturierung zellulärer Proteine hat folgende Auswirkungen: (1) Sie hemmt die
lysosomalen, proteolytischen Enzyme. (2) Sie verhindert eine Diffusion zellulärer Proteine aus
der Zelle hinaus, weil die denaturierten Proteine nicht mehr löslich sind. (3) Sie hebt die
antigenen Eigenschaften der intrazellulären Proteine auf.
Direkte Ursache des Zellunterganges durch Onkose ist eine erhöhte Permeabilität der
Zellmembranen - hervorgerufen durch eine Zunahme der intrazellulären Ca2+-IonenKonzentration (siehe Abb.1-1). Grund dafür ist eine Drosselung der ATP-abhängigen
Ionenpumpen bei einer Hypoxie. Die aus den Mitochondrien und dem endoplasmatischen
Retikulum ins Zytoplasma ausgetretenen Ca2+-Ionen aktivieren Phospholipasen, ATPasen,
Proteasen und Endonukleasen.
2.1.1.
Der «Leichnam» der Zelle, welche durch
zugrundegegangen ist, wird Nekrose genannt.
eine
Onkose
Eine Nekrose kann sich als Koagulationsnekrose (Tab.2-1), als Kolliquationsnekrose, als
verkäsende Nekrose (Mischform) und (4) als fibrinoide Nekrose präsentieren.
Tab.2-1
Die zwei Hauptformen der Nekrose sind die Koagulationsnekrose und die Kolliquationsnekrose.
___________________________________________________________________________
Merkmal
Koagulationsnekrose
Kolliquationsnekrose
___________________________________________________________________________
Zelluläre Proteine
Denaturiert, koaguliert
Zellkonturen
Längere Zeit noch erkennbar
Gewebestruktur
Längere Zeit noch erkennbar
Färbbarkeit des
Hypereosinophil 1
Zytoplasmas mit
Hämatoxilin-Eosin
Zellkern
Karyolyse
Durch Enzyme aufgelöst
Nicht mehr erkennbar
Nicht mehr erkennbar
Nicht anfärbbar
Basophile Pyknose, gefolgt von einer
Karyorhexis
Persistenz
Kurzlebig
Langlebig
___________________________________________________________________________
Beispiele
Akute Virushepatitis
Enzephalomalazie
(anämischer oder hämorrhagischer
Hirninfarkt
Extremitäteninfarkt (feuchte Gangrän 2)
Abszess (Heterolyse)
Akute Pankreatitis
Fettgewebsnekrosen
Dekubitus 2
___________________________________________________________________________
1
Akute Virushepatitis
Myocardinfarkt
Niereninfarkt
Milzinfarkt
Extremitäteninfarkt (trockene Gangrän)
Mesenterialinfarkt
Durch die Denaturierung der Proteine wird deren Tertiärstruktur verändert: Basische Regionen werden
freigelegt und können verstärkt mit Eosin reagieren.
2
Primär liegt eine Koagulationsnekrose vor. Sekundär kommt es infolge eines zusätzlichen
bakteriellen Infektes zu einer Heterolyse des Gewebes (siehe unten).
Die Koagulationsnekrosen bestehen aus abgestorbenen Zellen, deren Proteine während
des
intravitalen
Prozesses
des
Zellunterganges
koagulierten
(Abb.2-1),
die
Kolliquationsnekrosen aus Zellen, deren Proteine durch die Einwirkung von Proteasen
verflüssigt worden sind. Dies erklärt, warum in Kolliquationsnekrosen die Gewebestruktur und
die Zellkonturen aufgehoben sind und aus Kolliquationsnekrosen schnell zystische Hohlräume
entstehen können.
Ein Abszess ist definiert als eine Ansammlung von Eiter in einem zystischen Hohlraum,
der sich auf dem Boden einer Kolliquationsnekrose gebildet hat. Eiter entspricht lytischnekrotisch eingeschmolzenen Gewebe- und Zelltrümmern (z.B. Fragmente neutrophiler
Granulozyten). Bei einer Phlegmone breitet sich eine akute Entzündung (oft durch
Staphylococcus aureus oder Streptococcus Typ A verursacht) breit im Gewebe aus: Man
beobachtet eine diffuse Infiltration von neutrophilen Granulozyten, noch ohne Destruktion des
Gewebes.
Abb.2-1
Das morphologische Korrelat eines Myocardinfarktes ist eine Koagulationsnekrose: Die zellulären Proteine
aggregieren infolge einer Denaturierung. Die Zellkonturen bleiben bei der Koagulationsnekrose noch relativ
lange erkennbar. (Myocard, Hämatoxylin-Eosin, Vergrösserung: 400 x)
Verkäsende Nekrosen enthalten viele Glykolipide (aus Zellmembranen oder Bakterien),
können sich ausdehnen, weil die Makrophagen während ihrer Phagozytose selber zugrundegehen
und können sich verflüssigen. Verkäsende Nekrosen sind typischerweise bei der Tuberkulose,
einer chronischen granulomatösen Entzündung) zu beobachten.
Von den Kolliquationsnekrosen sind Zellveränderungen zu unterscheiden, welche durch
die beiden Prozesse Heterolyse und Autolyse zustandekommen. Die Heterolyse ist die
Proteolyse der noch lebenden, jedoch zugrundegehenden Zellen durch (1) Zellen in ihrer
Umgebung (z.B. neutrophile Granulozyten), (2) Mikroorganismen (z.B. Bakterien) oder (3)
aktivierte Faktoren im Blutplasma. Die Autolyse ist die weitere Auflösung bereits toter Zellen
durch noch vorhandene aktive lysosomale Enzyme.
Neben einer Ischämie können auch zytotoxische Prozesse zu einer Nekrose führen. Die
beiden wichtigsten solchen Prozesse sind immunologische Abwehrreaktionen und die
Aktivierung
des
Komplementsystem.
Bakterielle
Toxine
erzeugen
meistens
Kolliquationsnekrosen.
Die Entstehung und Ausbreitung von Nekrosen kann auf verschiedene Art und Weise
«abgewehrt» werden: (1) intrazellulär durch eine Aktivierung von Autophagosomen und durch
eine vermehrte Synthese von Proteinen, welche Ca2+-Ionen binden, (2) durch einen Verschluss
von Gap Junctions zwischen den Zellen sowie (3) durch das Auftreten von Fibrin in den
Randzonen der Nekrosen («Demarkierung») und (4) über eine Phagozytose derjenigen Zellen,
welche zugrundegegangen sind, durch neutrophile Granulozyten und Makrophagen.
2.1.2. Was entsteht aus dem nekrotischen Gewebe ?
In nekrotischen Geweben kann es zu vier Veränderungen kommen: (1) In der
Nekrosezone häufen sich Ca2+-Ionen an; die Nekrose verkalkt schlussendlich. (2) Aus den
Zellmembranen frei gewordenes Cholesterin kristallisiert aus. Um diese Herde herum bilden sich
Granulome (Cholesteringranulome). (3) Die nekrotischen Zellen werden vollständig resorbiert
und der Gewebedefekt wird repariert werden. (4) Die Nekrosezone wird sekundär bakteriell
infiziert und dehnt sich weiter aus.
2.2.
DER ZELLUNTERGANG ÜBER EINE SCHRUMPFUNG
(APOPTOSE) IST EIN VORGANG, DER ALS «OPPOSITION»
ZUR ZELLTEILUNG (MITOSE) VERSTANDEN WERDEN KANN.
Die Apoptose [ (griechisch) = weg, ab, herunter;  = fallen] entspricht einem
beabsichtigten oder programmierten Zelltod. Die Apoptose ist dadurch charakterisiert, dass die
Desoxyribonukleinsäure (DNA) des Zellkernes zwischen den Nukleosomen aufgebrochen wird
und in Fragmenten aus ungefähr 185-200 Basenpaaren oder einem ganzzahligen Mehrfachen
davon vorliegt. Die Fragmentierung erfolgt über eine Aktivierung einer Endonuklease (durch
intrazytoplasmatische Ca2+-Ionen). Die Apoptose kann demnach durch eine Hemmung der
Proteinsynthese unterbunden werden.
Durch eine Selbstzerstörung ihrer DNA kommt die Zelle möglicherweise einem Transfer
irregulärer genetischer Informationen nach dem Auftreten eines irreparablen DNA-Schadens
zuvor. Die Apoptose unterscheidet sich morphologisch von einer Onkose in erster Linie durch
eine Schrumpfung der apoptotischen Zelle (Tab.2-2).
Tab.2-2
Die Apoptose unterscheidet sich von einer Onkose anhand verschiedener Merkmale, vor allem aber durch
eine Schrumpfung der apoptotischen Zellen. Die Apoptose ist ein aktiver Prozess und erfordert Energie.
___________________________________________________________________________
Merkmal
Onkose
Apoptose
___________________________________________________________________________
Zelle
Zellkern
DNA
Geschwollen, zu einem späteren
Zeitpunkt rupturiert
Pyknose
Pyknose
Karyolyse
-
Intrazytoplasmatische
Konzentration der
Ca2+-Ionen
Zytoskelett
Zellmembran
Organellen
Lage in einer Ischämie
Begleitentzündung
Erhöht
Geschrumpft
Karyorhexis 1
Aufgebrochen in Fragmente mit einer
systematischen Grösse
Erhöht
Lytisch verändert
Rupturiert
Rupturiert
Intakt
Destruiert
Intakt
Im Zentrum der Ischämie
Am Rand der Ischämie
Vorhanden
Fehlt
(Reaktion auf die Freisetzung zellulärer
Bestandteile infolge der Ruptur)
Gesamtprozess
Passiv
Aktiv
(Erfordert eine Neusynthese von Proteinen)
___________________________________________________________________________
1
2.2.1.
Die Karyorhexis ist der beste zytologische Marker für eine Apoptose.
Eine Apoptose kann auf verschiedene Signale hin ausgelöst werden.
Apoptosen können bei der Involution (Atrophie) von Organen, der Einwirkung von
verschiedenen Zytokinen, bei immunologischen Reaktionen [z.B. im Rahmen von
Autoimmunkrankheiten oder des Acquired Immunodeficiency Syndrome (AIDS)], der Zell- und
Gewebeerneuerung (z.B. Granulopoiese, Lymphopoiese, in Basalzellen oder in embryonalen
Geweben) und in malignen Tumoren auftreten (Tab.2-3).
Die Apoptose wurde anfangs 1970 entdeckt. Viele Kenntnisse über das Modell der
Apoptose wurden am Nematoden Caenorhabditis elegans gewonnen. Dabei stellte es sich heraus,
dass die apoptotischen Kontrollmechanismen in der Evolution stark konserviert sind. Dies
beweist die grosse Bedeutung der Apoptose in der Morphogenese und der Sicherung der
gesunden Gewebe.
Tab.2-3
Eine Apoptose kann durch verschiedene Faktoren induziert oder gehemmt werden.
___________________________________________________________________________
Auslösendes Signal
Beispiele
Apoptose
Wirkung auf ...
___________________________________________________________________________
Hormone
Glukokortikoide
Erythropoietin
Entzug von Östrogen
Entzug von Testosteron
HIV-Infekt
Tumornekrosefaktor 1
Entzug von Interleukin-2
induziert
gehemmt
induziert
induziert
induziert
induziert
induziert
induziert
Gene
Entzug von Nervenwachstumsfaktor
fas-Gen-Defekt
Toxische Stoffe
Nikotin
gehemmt
Viren
Zytokine
Wachstumsfaktoren
gehemmt
Lymphozyten
Vorläuferzellen der Erythropoiese
Epithelzellen der Mamma (Involution)
Epithelzellen der Prostata (Involution)
Helfer-T-Lymphozyten
Endothelzellen
Lymphozyten
Hämatopoietische Stammzellen
Neuronen
Lymphozyten (Gefahr: Entstehung
maligner Lymphome)
Neuronen
(Gefahr: Tumorentstehung und
Chemotherapie-Resistenz)
andere
induziert
Stimulation des Fasinduziert
Lymphozyten
Rezeptors (FasR2)
(CD 95)
Ionisierende Strahlen
induziert
___________________________________________________________________________
1
2.2.2.
Der Tumornekrosefaktor- induziert eine Erhöhung der Ca2+-Ionen-Konzentration im Zytoplasma.
2
Bei Osteosarkomen kann eine lösliche Variante des normalerweise membranständigen CD95Rezeptors (Fas-Rezeptor: FasR) vorhanden sein. Es wird vermutet, dass diese lösliche Variante Ursache der
Chemotherapie-Resistenz von Tumoren sein kann, weil ein Teil der Zytostatika-Moleküle durch den
löslichen FasR absorbiert wird.
Eine Apoptose kann über den Fas- oder den Perforin-Granzym-Weg
induziert werden.
Die Apoptose über den Fas-Weg läuft in vier Phasen ab. Er beginnt in der Zellmembran
mit einer Aggregation von Proteinen, welche die «Todesdomäne» besitzen (Abb.2-2). Die
wichtigsten beiden Vertreter dieser speziellen Protein-Familie sind der Fas-Rezeptor (FasR) und
der Tumornekrosefaktor-Rezeptor-1 (TNFR-1). Diese Aggregation führt zu einer Aktivierung
der Caspase 8 über eine zweite «Todesdomäne», die Fas Associated Death Domaine (FADD, ein
Adaptorprotein). Die FADD bindet an den FasR. Dieser Kontakt wird durch das ubiquitär
vorhanene Protein Sentrin kontrolliert. Die Caspasen sind Proteasen; in ihrem Name
widerspiegeln sich ihre wichtigsten Komponenten und ihre Funktion (Cystein-AspartylProteasen). Die Caspasen sind an verschiedenen zellulären Prozessen beteiligt
(Signaltransduktion, Aktionen der Zytokine, enzymatischer Abbau intrazellulärer Proteine). Bei
einer Induktion der Apoptose über den Perforin-Granzym-Weg werden die Caspasen durch die
Granzyme direkt aktiviert.
Im Zentrum der zweiten Phase der Apoptose steht eine Schädigung der
mitochondrialen Membranen durch eine vermehrte Bildung von Sauerstoffradikalen (z.B. als
Folge der Einwirkung toxischer Substanzen). Daran beteiligt ist die Caspase 8. Es konnte
beobachtet werden, dass Zellen mit einer reduzierten Sauerstoffversorgung gegenüber Apoptosen
resistenter sind als Zellen mit einer normalen Sauerstoffaufnahme. Aus den geschädigten
Mitochondrien tritt mehr Cytochrom c als normal ins Zytoplasma aus. Die Störung dieser
funktionellen Homostase der Mitchondrien kann durch Proteine aus der Familie der Bcl-2Proteine (Bcl-2, Bcl-x und Mcl-1) unterdrückt werden. Der genaue Wirkungsmechanismus der
Bcl-2-Proteine, auch «Überlebensfaktoren» genannt, ist noch nicht definitiv bekannt.
Die dritte Phase beginnt damit, dass sich das freigesetzte Cytochrom c an das Protein
Apaf-1 bindet und auf diesem Weg die Caspase 9 aktiviert. Die Caspase 9 kann durch -Strahlen
direkt aktiviert werden. Folge der Aktivierung der Caspase 9 ist eine Kettenreaktion aus mit dem
Ziel, wichtige Zellkomponenten (DNA, Zytoskelett-Protein, Proteinkinasen und Proteine im
Dienste der DNA-Reparatur) zu zerstören. So spaltet schlussendlich die Caspase-Activated
Deoxyribonuclase (CAD), eine Endonuclease, die DNA jeweils zwischen den einzelnen
Nucleosomen (siehe oben). Es sind heute Bestrebungen im Gange, Inhibitoren von Caspasen zu
entwickeln mit dem Ziel, sie therapeutisch einzusetzen.
In der letzten Phase der Apoptose werden die Trümmer der apoptotischen Zellen
(Apoptose-Körper) von Zellen in der Umgebung phagozytiert. Es kann sein, dass dabei
Proteine, welche in den Apoptose-Körpern enthalten sind, fälschlicherweise als fremd erkannt
werden und Anlass zu einer Autoimmunkrankheit geben können.
Abb.2-2 Apoptose
Die Apoptose läuft in vier Phasen ab: (1) Aggregation des «Todessignal-Komplexes», (2) Schädigung der
Mitochondrien und Austritt von Cytochrom c aus den Mitochondrien, (3) Aktivierung von intrazellulären Proteasen
und Nukleasen, enzymatische Lyse der DNA und wichtiger zellulärer Proteine und (4) Phagozytose der ApoptoseKörper. Der Tumornekrosefaktor-Rezeptor-1 (TNFR-1) ist ähnlich aufgebaut wie der FasL: Er besitzt ebenfalls eine
«Todes-Domäne» (siehe Text). FasL: Fas-Ligand; FasR: Fas-Rezeptor; CAD: Caspase Activated
Deoxyribonuclease; T-Zellen: T-Lymphozyten (Nach: Yeh ETH: Life and death of the cell. Hospital Practice 33 (8):
85-92, 1998)
Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit der Apoptosen von Neuronen im Hirn zu.
Epidemiologen konnten feststellen, dass das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen
(Alzheimer und Parkinson Krankheit) bei Patienten mit einem Nikotinabusus kleiner ist als in
einem Kollektiv von Nichtrauchern. Auf der Basis dieser Beobachtungen wird vermutet, dass
Nikotin möglicherweise das Auftreten von Apoptosen zu verhindern vermag. Dies wäre dann
eine mögliche Erklärung dafür, dass die Chemotherapie maligner Tumoren bei Rauchern nicht
selten weniger erfolgreich verläuft als bei Nichtrauchern und dass bei Patientinnen mit einem
Mammakarzinom und bei Patienten mit einem malignen Melanom die Patientinnen und
Patienten mit Nikotinabusus häufiger Metastasen aufweisen als Nichtraucherinnen und
Nichtraucher.
2.2.3.
Die Apoptose wird durch Gene gesteuert.
Lymphozyten und Thymozyten gehen nach der Gabe von Glucokorticosteroiden nicht
zugrunde, wenn vorher die Synthese der Protein- oder Ribonukleinsäure (RNA) blockiert worden
ist. Das Gleiche gilt für die Wirkung niedriger Strahlendosen auf die beiden Zelltypen. Diese
beiden Beobachtungen werden als Hinweis darauf interpretiert, dass die Apoptose genetisch
kontrolliert ablaufen muss.
Die Apoptose ist das «Gegenprinzip» der Zellproliferation. Das Wachstum eines
Tumors kann entweder (1) als Folge einer gesteigerten Proliferation oder (2) einer verlängerten
Überlebenszeit seiner Zellen interpretiert werden. Die Proliferation der Tumorzellen wird durch
Onkogene und Suppressor-Gene gesteuert, die Apoptose durch das bax- und p53-Gens sowie die
Familie der bcl-2-Gene (Tab.2-4).
Tab.2-4
Die Bilanz zwischen der proliferativen und apoptotischen Aktivität des Tumorgewebes prägt das Ausmass
der Progression eines malignen Tumors. Das p53-Gen ist ein Suppressorgen.
___________________________________________________________________________
Einflussfaktor
Proliferation
Apoptose
Verhalten des
Tumors
___________________________________________________________________________
Aktivierung von Onkogenen
Aktivierung der Familie der bcl-2-Gene
intensiviert
-
gehemmt
Aktivierung des p53-Gens
Aktivierung des bax-Gens
gehemmt
-
intensiviert
intensiviert
Progression
Progression
Regression
Regression
Aktivierung des Tumornekrosefaktors
intensiviert
Regression
___________________________________________________________________________
Die Proteine der Bcl-2-Familie kommen nicht nur in mitochondrialen Membranen,
sondern auch in der Kernmembran und im endoplasmatischen Retikulum vor. Es gibt Hinweise
darauf, dass die Proteine der Bcl-2-Familie am intrazellulären Fluss von Ionen beteiligt sind. So
scheint das Bcl-2 einen Anstieg der Konzentration der Ca2+-Ionen im Zytoplasma zu hemmen.
Dadurch verhindert es eine Lipidperoxidation von Membranen, wie sie durch eine Vermehrung
von Ca2+-Ionen induziert werden kann. Entscheidend für die Wirkung des Bcl-2 als ApoptoseHemmer ist nicht seine Menge, sondern das Verhältnis zwischen der Menge des Bcl-2 und jener
des Bax-Proteins (Bcl-2 assoziiertes x Protein; x steht für unbekannt). Das Bax kann mit dem
Bcl-2 Heterodimere bilden und so das Bcl-2 inaktivieren. Wenn, im Vergleich zum Bax, relativ
viel Bcl-2 vorhanden ist, bleibt eine Apoptose aus, andernfalls tritt eine Apoptose ein.
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