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Universität Bern
Historisches Institut
Prof. Dr. Thomas Späth
Bachelorarbeit
Aristoteles in Valladolid
Thomas Leibundgut
Aristoteles in Valladolid
Eine Untersuchung des Einflusses von Aristoteles auf Las Casas und Sepúlveda
Bachelorarbeit
in Alter Geschichte
eingereicht bei
Prof. Dr. Thomas Späth
am Historischen Institut
an der Philosophisch-historischen Fakultät
der Universität Bern
am 01. Juli 2011
Thomas Leibundgut
Blauensteinerstrasse 4
4053 Basel
076 536 87 23
[email protected]
08-117-376
BA Major in Geschichte
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Aristoteles in Valladolid
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INHALT
Einleitung
...........................................................................................................
03
Sklaverei in der Antike
......................................................................................
05
Sklaverei bei Aristoteles
......................................................................................
10
......................................................................................
10
Leben und Werk
SklavInnen von Natur
...........................................................................
11
Die Rezeption Aristoteles ...........................................................................
16
Die spanische Sklaverei in Lateinamerika
Die Disputation von Valladolid
......................................................
18
...........................................................................
24
BefürworterInnen der Sklaverei: Sepúlveda
......................................................
27
......................................................................................
27
Die gerechten Gründe des Krieges in Lateinamerika ................................
29
Sepúlveda und Aristoteles
................................................................
31
GegnerInnen der Sklaverei: Las Casas ................................................................
36
Leben und Werk
Leben und Werk
......................................................................................
36
BarbarInnen und Indígenas
................................................................
37
Las Casas und Aristoteles
................................................................
41
Fazit .....................................................................................................................
44
Bibliographie
................................................................................................
47
...........................................................................................................
52
Anhang
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EINLEITUNG
Kurz nach der Wiederentdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 begann nicht nur die
Suche nach Gold, sondern auch die landwirtschaftliche Ausbeutung des Bodens in
Plantagen. Schon die ersten Conquistadores bemerkten den ihrer Meinung nach
glücklichen Zufall, dass sie hier nicht nur Landstriche mit einem reichen Boden, sondern
auch gerade noch Millionen von Menschen gefunden hatten, um diesen zu bearbeiten. Da
die indigene Bevölkerung aber meist noch in subsistenz-basierenden Wirtschaften lebte,
hatten sie wenig bis kein Verständnis für das ausbeuterische und gewinnmaximierende
Handeln der EuropäerInnen. Es entsprach nicht ihrer Lebensweise, dem Boden das
Möglichste abzupressen, und entsprechend weigerten sie sich. Darauf begannen die
Conquistadores, sie zur Arbeit zu zwingen.
In der europäischen Zentrale blieb diese Entwicklung nicht unbemerkt. Da einerseits von
Seiten der spanischen Krone ein enormes Interesse an der Rentabilität der Expeditionen
nach Lateinamerika bestand, gleichzeitig die Vereinbarkeit von Zwangsarbeit und
Sklaverei mit der christlichen Moral und dem Christentum an sich problematisch war,
berief der spanische König Karl V. 1550 die Disputation von Valladolid ein, um zu klären,
wie mit der indigenen Bevölkerung umgegangen werden sollte.
Für die Beibehaltung des Status Quo argumentierte der Humanist, Hofhistoriker und
berühmte Aristoteles-Übersetzer Juan Gines de Sepúlveda. Er argumentierte mit der
aristotelischen Naturrechtslehre dafür, dass die Indígenas BarbarInnen und als solche
SklavInnen von Natur seien, ihre Versklavung sei also gerecht und angezeigt.
Sein Gegner in dieser Disputation war der Dominikanermönch, Bischof von Chiapas und
langjährige Lateinamerika-Kenner Bartolomé de Las Casas. Er hatte schon zuvor in
mehreren Schriften auf die Ausbeutung und Ermordung von Millionen von Indígenas und
die Zerstörung Lateinamerikas aufmerksam gemacht, und argumentierte ebenfalls unter
Zuhilfenahme von Aristoteles, jedoch im Unterschied zu Sepúlveda gegen die Versklavung
der Indígenas, da diese eben keine SklavInnen von Natur aus seien.
Grundlegend für die Argumentation sowohl von Sepúlveda und Las Casas ist also der
antike griechische Philosoph Aristoteles (384 - 322 v. Chr.), der sich in einem Teil seines
umfassenden Werkes auch zur Frage der Sklaverei und insbesondere zur Sklaverei von
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Natur geäussert hatte. Die Frage stellt sich nun, wie zwei Personen aus dem selben
kulturellen, geographischen und sozialen Raum unter Zuhilfenahme derselben antiken
Texten zu so konträren Meinungen gelangen konnten. Genau diese Frage soll in der
vorliegenden Arbeit untersucht werden. Dazu dienen folgende Leitfragen:
 Welche Bilder der Antike wurden rezipiert?
 Wie wurde Aristoteles von Las Casas und Sepúlveda interpretiert?
 Weswegen kamen Las Casas und Sepúlveda zu solch konträren Resultaten?
Um diese Fragen möglichst umfassend und präzise beantworten zu können, soll zuerst ein
Abriss über die antike Sklaverei gegeben werden, auf deren Basis dann die Sklaverei bei
Aristoteles untersucht werden soll. Nach einem kurzen Überblick über die Conquista und
die spanische Sklaverei in Lateinamerika soll dargelegt werden, wie und weshalb es zur
Disputation von Valladolid kam, und welches die Argumente der BefürworterInnen,
vertreten durch Sepúlveda, und der GegnerInnen, vertreten durch Las Casas, der
Sklaverei waren. Am Ende werden die Ergebnisse in einem Fazit festgehalten und
nochmals den Leitfragen gegenüber gestellt.
Zur Beantwortung der Leitfragen wurden die jeweiligen Schriften der beiden spanischen
Autoren sowie die antiken Quellen von Aristoteles analysiert und eine umfassende
Auswahl an Sekundärliteratur mit einbezogen. Da insbesondere Las Casas und Aristoteles
eine Unmenge an Quellen hinterlassen haben, ist es im Rahmen dieser Arbeit nicht
möglich, auf alle Aspekte ihrer Argumentation einzugehen. Berücksichtigt wurden nur
diejenigen Texte und Textpassagen, die sich wirklich zentral mit der Frage der natürlichen
Sklaverei und ihre Anwendung auf Lateinamerika befassen. Durch den kritischen Vergleich
und
die
Gegenüberstellungen
von
unterschiedlichen
Interpretationen
und
Erklärungsansätzen soll versucht werden, die Fragen so präzise und wissenschaftlich
fundiert wie möglich zu beantworten.
Diese Arbeit befasst sich explizit nur mit der griechischen Antike und lässt die römischen
Praktiken und Theorien zur Sklaverei ausser acht, genau wie nur die Philosophie des
Aristoteles und ihre Stellung bei Sepúlveda und Las Casas hier detaillierter
wiedergegeben wird, nicht aber diejenige der vielen anderen antiken, mittelalterlichen und
modernen AutorInnen oder Teile der Positionen von Sepúlveda und Las Casas, die nicht
zumindest indirekt mit Aristoteles in Verbindung gesetzt werden können.
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SKLAVEREI IN DER ANTIKE
Nachweisen lässt sich die Sklaverei in der griechischen Antike schon im 12. Jahrhundert v.
Chr., vermutlich gab es sie schon zur Zeit der mykenischen Palastkulturen. In dieser
existierten eine Vielzahl von Abstufungen zwischen dem einzig und vollständig freien
Herrscher und den total abhängigen SklavInnen, abhängig von der Nähe zum Palast bzw.
zum Herrscher.1 Letztere waren oft Kriegsgefangene und dadurch meist weiblich, hatten
aber vergleichbar viele Rechte und Möglichkeiten, da es noch keine starre Unterscheidung
zwischen Freien und SklavInnen gab.2
In den homerischen Epen werden SklavInnen als Selbstverständlichkeit und StatistInnen
behandelt. In der Illias ist die Sklaverei eindeutig weiblich, aber selten: Hausgeburt von
SklavInnen kommt nicht vor, ihre Quelle ist die Versklavung durch Krieg. In der Odyssee
ist das Geschlechterverhältnis ausgewogener und SklavInnen weit verbreitet. Die Herkunft
ist umstritten, insbesondere die Frage, ob es Hausgeburt gab oder nicht. 3 Die Arbeit ist
geteilt, auch geschlechtsbezogen: Männer arbeiten ausserhalb, Frauen innerhalb des
Hauses. Der ihnen zugeschriebene Wert und die ihnen zugeschriebene Vernunft sind
bedeutend geringer als die von Freien, sie gelten nur als halbe Menschen. Weder ist die
Freilassung bekannt noch wird sie von den SklavInnen angestrebt, im Gegenteil, ihr
grösster Wunsch ist der nach einer eigenen Familie und einem eigenen Haus. 4 Die Anzahl
ist aber in den Epen viel geringer als in der mykenischen Zeit, "mit dem Untergang der
Paläste ist auch ihr Bewirtschaftungspotential verschwunden."5
Seit archaischer Zeit, verstärkt ab dem 6. Jh., verkauften sich viele zuvor wohlhabende
Bauern in die Sklaverei, da sie verarmten oder sich verschuldeten, was zu sozialen
Spannungen sowie oligarchischen und tyrannischen Tendenzen führte. Da SklavInnen
keinen Boden besitzen konnten, fiel so immer mehr des an sich unveräusserlichen Boden
an Grossgrundbesitzende, was zu allgemeiner Unzufriedenheit und den solonischen
1
2
3
4
5
Finley, Moses, Die Sklaverei in der Antike. Geschichte und Probleme, Frankfurt a.M. 1985, S. 37.
Flaig, Egon, Weltgeschichte der Sklaverei. München 2009, S. 47, Brockmeyer, Norbert,
Sklaverei, Darmstadt 1987, S. 77-84,
Brockmeyer, Antike Sklaverei S. 93f.; Herrmann-Otto, Elisabeth, Sklaverei und Freilassung
griechisch-römischen Welt, Hildesheim / New York / Zürich 2009, S. 57.
Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 37f., Herrmann-Otto, Sklaverei und Freilassung, S.
Delacampagne, Christian, Die Geschichte der Sklaverei, Düsseldorf 2004, S. 48f, Brockmeyer,
Sklaverei S. 95f.,
Herrmann-Otto, Sklaverei und Freilassung, S. 60.
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Antike
in der
53-59,
Antike
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Reformen führte. Diese beinhalteten eine Umverteilung des Bodens und eine Abschaffung
sowie ein Verbot von Schuldknechtschaft für attische Bürger.6 Die Versklavung von
Ihresgleichen wurde nun stark kritisiert bis verboten und sie wurden durch versklavte
BarbarInnen ersetzt,7 was durch Kleistenes noch verstärkt wurde, da die Demokratie das
Fundament für die immer grösser werdende SklavInnenarbeit legte. Auch ausserhalb
Athens lässt sich diese Tendenz feststellen: im 6. und 5. Jh. entstand die griechische
SklavInnenhalterordnung, da Sklavereiarbeit zum wichtigsten, wenn auch nicht einzigen
Produktionsmittel wurde. Dies auch, weil Arbeit von den Bürgern verachtete wurde.8
Erst dadurch wurde die Sklaverei ein wichtiges Thema in der Literatur und der politischen
Diskussion, jedoch wurde die Institution nie grundsätzlich in Frage gestellt. Sie galt als
normal, sowohl im Alltag als auch in philosophischen oder literarischen Werken, wobei sich
erstere meist auf die richtige Behandlung von SklavInnen beschränkten.9 Die meisten
Bürger Athens hatten zwei bis drei SklavInnen, die sie v.a. im Haushalt und auf dem Feld
einsetzen. Ein kleine Minderheit hatte mehr, und eine ebenfalls kleine Minderheit hatte
keine SklavInnen. Auch auf dem Land war Arbeit meist SklavInnenarbeit, v.a. auf
grösseren Betrieben.10 Durch ihre Allgegenwart stellte sie jedoch auch eine Bedrohung
dar: In Athen machten die SklavInnen ca. ein Viertel der Bevölkerung oder ca. 30'000
Personen aus, auch wenn die genauen Zahlen stark umstritten sind. Jedoch blieben
kollektive Aufstände eine Seltenheit, auch wenn sie wie das Beispiel der messenischen
HelotInnen zeigt, durchaus Chancen auf Erfolg hatten. Alltägliche Widerstandsformen
waren aber normal.11 Grundsätzlich war die Sklaverei in Griechenland meist weiblich und
SklavInnen überwiegend im Dienstleistungssektor tätig,12 es lässt sich aber schon früh
eine geschlechtsspeziefische Arbeitsteilung feststellen. Eingesetzt wurden sie in allen
Lebensbereichen, vom Haushalt bis zu Bergwerken, von öffentlicher Sicherheit bis zum
6
DuBois, Page, Slavery. Antiquity and its Legacy, London 2010, S. 80, Davis, David Brion, Inhuman
Bondage. The Rise and Fall of Slavery in the New World, Oxford 2006, S. 41, Herrmann-Otto, Sklaverei
und Freilassung, S. 76, Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 50f, Brockmeyer, Antike Sklaverei
S. 98-105.
7 Herrmann-Otto, Sklaverei und Freilassung, S. 71-85, Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 40.
8 Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 51.
9 Walvin, James, A short History of Slavery, London 2007, S. 10.
10 Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 56f.
11 DuBois, Slavery, S. 91.
12 Scheidel, Walter, The comparative economics of slavery in the Greco-Roman world, in: Dal Lago, Enrico
/ Katsari, Constantina (Hrsg.), Slave Systems. Ancient and Modern, Cambridge 2008, S. 105-126, hier:
S. 106.
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Handel, von Gewerbe bis zur Prostitution. Damit bildeten sie aber auch keine eigene
soziale Klasse.13
Nach Abschaffung der Schuldknechtschaft und der Verpönung der Versklavung von
GriechInnen stammten die meisten SklavInnen aus peripheren Gebieten, kamen als
Ergebnis von Kriegsgefangenschaft, Piraterie oder eigentlichen Menschenraubzügen und
SklavInnenhandel nach Griechenland und waren so an Haut- und Haarfarbe klar als
solche zu erkennen. Zudem trugen sie meist auch Kleidung von minderer Qualität, wenn
auch gewisse antike Autoren beklagten, man könne in Athen einen Freien und einen
Sklaven kaum mehr unterscheiden: Am Vorabend des Peloponnesischen Krieges gingen
SklavInnen in Athen selbständig einer Arbeit nach, erhielten einen Lohn, wovon sie
Abgaben an den Herrn zahlen mussten, und konnten so reich werden und sich freikaufen.
Zudem hatten sie Redefreiheit, um ihren Herrn bei Geschäften vertreten zu können. 14
Jedoch drohte ihnen ständig der Verkauf oder der Tod, unabhängig davon, wie gut es
ihnen gerade ging.15
SklavInnen wurden als verstandslose Wesen begriffen, ähnlich kleinen Kindern oder
Tieren, die Führung bedürfen. Rechtlich gesehen war einE SklavIn ein beseeltes
Werkzeug, ein Besitztum. Sie hatten weder Rechte an sich noch eine eigene
Rechtspersönlichkeit: Sie konnte nicht kaufen oder besitzen, keinen Vertrag eingehen und
keine Familie im juristischen Sinne haben.16 Vor Gericht galten ihre Zeugenaussagen nur
unter Folter,17 sie konnten nur als Rechtsperson auftreten, wenn es um Verrat, Sakrileg
oder Amtsmissbrauch ging, oder es in der Funktion als Kaufmann erforderlich war. Nur
hier hatte ihr Zeugnis den gleichen Wert wie das eines Freien.18 Ihr Preis schwankte
zwischen 50 und 1000 Drachmen, je nach Ausbildung und geplantem Einsatzort. Da Freie
sich nicht in Abhängigkeit begeben wollten, wechselten sie oft ihren Arbeitsort, was für
Tätigkeiten, die eine Ausbildung erforderte, nur SklavInnen übrig liess. 19
13 Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 56.
14 Herrmann-Otto, Sklaverei und Freilassung, S. 71f., Maezawa, Nobuyuki, Slave Societies in the GrecoRoman Antiquity, in: Doi, Masaoki / Yuge, Toru (Hrsg.), Forms of Control and Subordination in Antiquity,
Leiden 1988, S. 16-18, hier: S. 17f.
15 Davis, Inhuman Bondage, S. 37.
16 Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 52f.
17 DuBois, Slavery, S. 87
18 Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 54.
19 Flaig, Weltgeschichte der Sklaverei, S. 42.
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Als basale Institution vergrösserte sich die Anzahl der SklavInnen sich auch durch
Geburten, da Kinder einer Sklavin automatisch auch SklavInnen waren, durch die
Versklavung von ausgesetzten Kindern oder durch Kindesverkauf. Normalerweise war
eine Versklavung aber gewaltsam,20 genau wie die spätere Beziehung eine gewaltsame
war. So wurden SklavInnen immer physisch bestraft.21
In Sparta bildete sich eine spezielle Form der Sklaverei heraus, die Helotie. Diese
HelotInnen gehörten nicht einer bestimmten Person, sondern der spartanischen Polis,
auch wenn sie klare Bezugs- und Herrschaftspersonen hatten. Sie arbeiteten in
Familienverbänden in der Landwirtschaft, konnten sich frei reproduzieren und übertrafen
die nur wenige tausend Männer umfassende spartiatische Oberschicht um ein Vielfaches.
Sie waren grundlegend für die Entstehung und die Entwicklung der einzigartigen
spartanischen Kultur, da sie erst durch ihre Existenz die Befreiung der Männer von
sämtlichen
Pflichten
erlaubte,
und
es ihnen
so
ermöglichte,
sich
ganz dem
Kriegshandwerk zu widmen. Gleichzeitig zwang die Helotie die Spartiaten durch die stetige
Bedrohung
auch
zu
einem
solchen
Lebenswandel
und
einer
solchen
Gesellschaftsstruktur.22
Sklaverei war grundlegend für die griechische Lebensweise, indem sie dazu diente, dass
die Bürger ihr Leben so leben konnten, wie sie es taten: Dadurch, dass die täglichen
Arbeiten und die Deckung der Grundbedürfnisse von den SklavInnen übernommen
wurden, hatten die Bürger Zeit, sich der Politik, der Kriegsführung und der
Rechtssprechung zu widmen. Somit war die Sklaverei auch die Basis für die entstehende
Demokratie. Sie war das Schlüsselprinzip der sozialen Organisation.23
Cuffel kommt zum Schluss, dass die tiefe Stellung der SklavInnen daraus resultiere, dass
die GriechInnen es nicht mochten, irgendetwas tun zu müssen. Das ideale Leben war
komplett frei von untergeordneten Pflichten. Freiheit bedeutete, tun zu können, was man
wollte. So ist es nur natürlich, dass diejenigen Tätigkeiten, die für ein Leben notwendig
waren, als eine Form des Zwangs angesehen wurden. Die tiefe Meinung gegenüber
20 Walvin, A Short History of Slavery, S. 7.
21 Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 55.
22 DuBois, Slavery, S. 82, Herrman-Ott, Sklaverei und Freilassung, S. 61-71, Flaig, Weltgeschichte der
Sklaverei, S. 38f.,
23 Walvin, A Short History of Slavery, S. 7ff.
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SklavInnen resultierte aus der Arbeit, die sie tätigten.24
Für die Entstehung der Sklaverei gibt es mehrere Theorien. Eine geht davon aus, dass in
der Antike ein ausgetrockneter Arbeitsmarkt vorherrschte, und mit Sklaverei konnten
"turnover-costs" vermieden werden, auch weil so Gender-Normen weniger mit den
Arbetsibedürfnissen interferierten.25 Es brauchte also für ihre Entstehung zwei
fundamentale Bedingungen: Eine "shortage of labour" und Zugang zu SklavInnen.
Sekundär kam eine Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, die von SklavInnen
geliefert wurden, sowie höhere Löhne für Freie und Kapitalakkumulation dazu. Auch wenn
dieses Erklärungmodell auf das antike Griechenland nicht vollständig zutrifft, so waren
doch alle Elemente vorhanden.26 Daneben begünstigte das Polis-Ideal die Entstehung und
Verbreitung der Sklaverei: Durch die Absorption der Bürger in Politik, Gerichtswesen und
Militär mussten neue Arbeitskräfte gefunden werden. Entweder wurden wie in Sparta
NachbarInnen unterworfen, oder SklavInnen aus der Peripherie importiert.27
24 Cuffel, Victoria, The Classical Greek Concept of Slavery, in: Journal of the HIstoriy of Ideas, Vol. 27, No.
3, Philadelphia 1966, S. 323-342, hier: 337f.
25 Scheidel, Economics of slavery, S. 111f.
26 Scheidel, Economics of slavery, S. 115f.
27 Scheidel, Economics of slavery, S. 117f.
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SKLAVEREI BEI ARISTOTELES
Als bedeutender antiker Philosoph hat sich Aristoteles unter anderem auch zur Sklaverei
geäussert. Warum er dies tat, zu welchem Zweck, der in Aristoteles teleologischen
Schriften von grosser Wichtigkeit ist, ist umstritten, genau so wie der eigentliche Inhalt
bzw. die Bedeutung seiner Texte. Zentral für das Thema der vorliegenden Arbeit ist die
'Politik'.
Auch vor Aristoteles gab es bereits antike Autoren, die sich zur Sklaverei äusserten. So
fand es sein Lehrmeister Platon richtig, dass Griechen ihre natürlichen Feinde, die
BarbarInnen, versklaven können. Viel wurde auch geschrieben über die richtige
Behandlung von SklavInnen, nicht nur, um Revolten abzuwenden, sondern auch um die
Seele des Herrn zu schützen. Es war allgemeiner Konsens, dass auch in einer idealen
Polis Sklaverei existieren würde.28 Sklaverei war meist nur Thema von Staatstheorien,
Moralphilosophie und Rechtstheorie. Alle uns bekannten Werke wurden aus einer
Herrenperspektive geschrieben und ihre Legitimation wurde zumindest bis zur Zeit
Aristoteles nicht in Frage gestellt,29 erst ab der Wende vom 5. zum 4. Jahrhundert wurde
kontrovers diskutiert, ob Sklaverei von Natur aus existiere, oder ob es eine naturrechtliche
Gleichheit aller Menschen gäbe.30
Leben und Werk
Über das Leben Aristoteles wissen wir nur wenig. Er wurde 384 v. Chr. in Stageira als
Sohn des Hofarztes Makedoniens geboren, lebte aber einen Grossteil seines Lebens als
Metöke in Athen, wo er ab 367 bei Platon studierte, Athen aber 347 aus politischen
Gründen verlassen musste. Nach dieser ersten Athenischen Phase reiste er während gut
zwanzig Jahren in ganz Griechenland umher. Währenddessen heiratete er und
unterrichtete Alexander, den Sohn von Philipp II. Ab 334 leitete er, wieder in Athen, eine
Akademie, wurde jedoch 322 erneut vertrieben und starb kurz darauf.
Viele von seinen Schriften sind verloren gegangen, jedoch ist sein Werk auch so bis auf
die Medizin noch umfassend. Jedoch gibt es keine kontinuierliche Auslegungstradition,
28 DuBois, Slavery, S. 55-58.
29 Walvin, A Short HIstory of Slavery, S. 7.
30 Herrmann-Otto, Sklaverei und Freilassung, S. 16f.
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sondern eine grosse zeitliche und kulturelle Lücke.31
SklavInnen von Natur
In der 'Politik' geht Aristoteles ganz zu Beginn auf die Sklaverei ein. Gemäss Schlaifer tut
er dies, da die Institution der Sklaverei angegriffen worden sei, und Aristoteles sie
verteidigen wolle.32 Gemäss der Quelle hat Aristoteles aber mindestens noch einen
anderen Grund: Er will zeigen, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Herrschaft
eines Staatsmannes, Fürst, Hausverwalter und Herrn, und zwar in der Art, nicht nur
graduell. Dies steht im Unterschied zu zwei antiken Meinungen, gemäss derer ein
Herrenverhältnis die Kunst des Hausverwalters, Staatsmannes oder Fürsten sei, bzw.
dass jedes Herrenverhältnis ohnehin widernatürlich und damit die Sklaverei ungerecht da
konventionell und gewaltsam sei.33 Dazu geht er auf die Entstehung der Polis ein. Die
ersten Gemeinschaften entstehen aus Haus, Weib und Ochse, mehrere von ihnen bilden
ein Dorf. Da Menschen von Natur aus staatenbildende Wesen sind, kommt es zur
Entstehung der Polis: "Die aus mehreren Dörfern bestehende vollkommene Gemeinschaft
[ist] der Staat".34 Jeder Staat existiert wie die ersten Gemeinschaften von Natur aus, er ist
das Ziel.
"Das vollständige Haus setzt sich aus Sklaven und Freien zusammen", seine drei
kleinsten und ursprünglichen Teile sind Herr und Sklave, Gatte und Gattin, Vater und
Kinder. Die erste Beziehung ist diejenige, die im Rahmen dieser Arbeit interessiert.
Grundsätzlich hat jedes Lebewesen eine Seele und einen Leib, wobei erstere letzteren
von Natur aus regiert, und zwar in einem despotischen Herrenverhältnis, nicht in einem
Staatsmannverhältnis. Dies, da "was mit dem Verstand vorauszuschauen vermag, [...] von
Natur aus das Regierende und Herrschende, was aber mit seinem Körper das
Vorgesehene auszuführen vermag, [...] das von Natur Regierte und Dienende" ist. 35
Deswegen haben beide denselben Nutzen, es ist für den "Körper naturgemäss und
zuträglich [...], von der Seele beherrscht zu werden".36 "Diejenigen, die so weit
31 Höffe, Otfried, Aristoteles, München 32006, S. 13-30; http://plato.stanford.edu/entries/aristotle/ (15. Juni
2011).
32 Schlaifer, Robert, Greek Theories of Slavery from Homer to Aristotle, in: Harvard Studies in Classical
Philology, Vol. 47, Cambridge 1936, S. 165-204, hier: S. 165.
33 Aristoteles, Politik. übers. u. hrsg. v. Olof Gigon, München 81998, 1253b.
34 Aristoteles, Politik, 1252b.
35 Aristoteles, Politik, 1252a.
36 Aristoteles, Politik, 1254b.
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voneinander verschieden sind wie die Seele vom Körper und der Mensch vom Tier (dies
gilt bei allen denjenigen, deren Aufgabe die Verwendung ihres Körpers ist und bei denen
dies das Beste ist, was sie leisten können), diese sind Sklaven von Natur" 37 welche zu
ihren Gunsten regiert werden. "Von Natur ist also jener ein Sklave [...] der so weit an der
Vernunft Teil hat, dass er sie annimmt, aber nicht selbstständig besitzt". 38 "Es ist also klar,
dass es von Natur Freie und Sklaven gibt und dass das Dienen für diese zuträglich und
gerecht ist".39 Hier konstruiert also Aristoteles die SklavInnen von Natur. SklavInnen im
allgemeinen sind beseelte Werkzeuge oder Besitz, und stehen stellvertretend für andere
Werkzeuge, wobei hier keine saubere Abgrenzung zwischen SklavInnen und DienerInnen
aufgrund der Quelle gemacht werden kann.40 Besitz ist Teil des Besitzers, er gehört ihm:
"Der Sklave ist ein Teil des Herrn, gewissermassen ein beseelter, aber getrennter Teil des
Leibes".41 Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen Freien und SklavInnen, da einE
SklavIn ein Besitz des Herrn ist, und somit "ist der Herr bloss Herr des Sklaven, gehört ihm
aber nicht; der Sklave dagegen ist nicht nur Sklave des Herrn, sondern gehört ihm
ganz".42 Hier bringt Aristoteles auch eine andere Definition der natürlichen Sklaverei: "Der
Mensch, der seiner Natur nach nicht sich selbst, sondern einem anderen Menschen
gehört, ist von Natur ein Sklave",43 wobei 'gehören' hier soviel bedeutet wie 'ein
Besitzstück sein' oder 'dem Handelnden als Werkzeug dienen'.
Nachdem Aristoteles nun also die Sklaverei von Natur aus definiert hat, stellt sich die
Frage, wie denn einE solche SklavIn von Natur erkannt werden könnte. Denn sie ist nicht
einfach gleich der tatsächlichen Sklaverei nach dem nomos, welche es erlaubte, die
BewohnerInnen einer unterlegenen Stadt zu versklaven, und obwohl die Natur die
Tendenz hat, die Körper von Freien und SklavInnen unterschiedlich zu gestalten, je nach
den ihnen zustehenden Aufgaben wie Arbeit bzw. das politische Leben, kommt oft das
Gegenteil vor. Entsprechend muss der Unterschied in der Seele gesucht werden, jedoch
ist es hier nicht mehr so einfach wie es aufgrund physischer Merkmale wäre. Dies auch
37
38
39
40
41
42
43
Aristoteles, Politik, 1254b.
Aristoteles, Politik, 1254b.
Aristoteles, Politik, 1255a.
Aristoteles, Politik, 1253b.
Aristoteles, Politik, 1255b.
Aristoteles, Politik, 1254a.
Aristoteles, Politik, 1254a.
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deswegen, weil "der Mensch aber [...] das einzige Lebewesen [ist] das Sprache besitzt",44
und SklavInnen diese ja offensichtlicherweise besitzen. Ein einfaches Kriterium, wie nun
Freie und SklavInnen von Natur unterschieden werden könnten, bietet Aristoteles nicht. Er
hält jedoch fest, dass die BarbarInnen das von Natur Herrschende nicht haben und ihre
Gemeinschaft aus SklavInnen bestehe: Sie haben einen sklavischeren Charakter als
GriechInnen, da sie eine despotische Herrschaft ertragen, ohne aufzubegehren. Diesen
haben sie aus klimatischen Gründen: Genau wie die Völker der kalten Regionen, also aus
Europa, zwar tapfer seien, jedoch nur geringe Kunstfertigkeit und Intelligenz haben, und so
ohne Staaten leben, so seien die Völker Asiens genau umgekehrt und lebten deswegen
als Untertanen und Knechte. Da Griechenland dazwischen ist, vereint das griechische
Volk das Beste beider auf sich: es ist energisch und intelligent. "So ist es frei, hat die beste
Staatsverfassung und die Fähigkeit, über alle zu herrschen, wenn es einen einzigen Staat
bilden würde".45 Darum sagen gemäss Aristoteles die Dichter, dass es gerecht sei, dass
GriechInnen über BarbarInnen herrschten, "da nämlich von Natur der Barbar und der
Sklave dasselbe sei".46 Weiter unterscheidet Aristoteles in seinem idealen Staat stark
zwischen dem planenden und aufführenden Teil der BewohnerInnen. Zudem schliesst er
aus verschiedenen Gründen mehrere Gesellschaftsgruppen vom Vollbürgerrecht aus:
Nicht-GriechInnen aus den oben erwähnten klimatischen Bedingungen, mehrere tiefere
soziale Schichten sowie SklavInnen, da sie "ihrer Natur nach zum Gehorchen und
ausführen da sind".47
Mehrere AutorInnen haben verschiedene Interpretationen dieser Abschnitte geliefert. Höffe
entschuldigt Aristoteles Konstruktion der natürliche Sklaverei damit, dass die Beziehung ja
für beide Seiten vorteilhaft sei, und vergleicht SklavInnen von Natur mit unmündigen oder
behinderten Personen im modernen Sinne. Auch hält er fest, dass Aristoteles keine Eloge
auf die Sklaverei liefere, sondern im Einsatz von SklavInnen nichts erhebendes erkenne.
Zudem sei es zuviel verlangt, von einem Philosophen der Antike eine Ablehnung der
Sklaverei zu verlangen.48
44
45
46
47
Aristoteles, Politik, 1253a.
Aristoteles, Politik, 1327b.
Aristoteles, Politik, 1252a.
Flashar, Helmut, Aristoteles, in: Flashar, Hellmut, Die Philosophie der Antike Band 3: Ältere Akademie.
Aristoteles. Peripatos (Grundriss der Geschichte der Philosophie), Basel 22004, S. 167-492, hier: S. 311f.
48 Höffe, Aristoteles, S. 256f.
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Gemäss Song war es Aristoteles Absicht, einen idealen Staat zu skizzieren, weswegen er
nicht an der Frage der Sklaverei, die er zudem gegen sophistische Angriffe verteidigen
wollte, herumkam. Insbesondere dieser Punkt wird von Cambiano stark betont. 49 Gemäss
Aristoteles Theorie gibt in der Welt Herrschaft und Unterordnung, welche sich bei den
Menschen durch Herren und SklavInnen zeugt, zwischen welchen ein grundlegender
Unterschied bestehe: Sie sind wie Seele und Körper, und somit seien SklavInnen von
Natur aus für die Arbeit geschaffen und dem Herrn, von dem sie ein Teil sind,
untergeordnet. Da sie jedoch genau wie Körper und Seele gleiche Interessen haben, ist
ihre Zusammenarbeit für beide von Vorteil. Jedoch konstruiere Aristoteles hier vor allem
ein theoretisches Modell, in dem vieles unklar bis widersprüchlich bzw. zirkulär sei.50
Einen anderen Ansatz verfolgt Monoson: Aristoteles will zeigen, dass es verschiedene
Herrschaftsformen gibt, die sich in ihrer Art unterschieden, und die natürliche Sklaverei
diene ihm dabei nur als ein Beispiel. Weil Aristoteles jedoch die herrschende Lebensart
legitimieren und einen idealen Staat konstruieren will, welche beide auf Sklaverei basieren,
ist er gezwungen, auch sie zu legitimieren. Denn obwohl SklavInnen grundsätzlich über
Sprache und Vernunft verfügten, so fehle es ihnen doch an praktischer Vernunft und der
Fähigkeit, zu planen, was die Herr-SklavIn-Beziehung vorteilhaft und gerecht mache, da
beide davon profitieren. In einem Idealen Staat müsste denn auch jede Person an dem
Platz sein, der ihr die Natur vorgibt. Auch wenn es im Einzelfall schwierig sei, zu erkennen,
wer nun Herr oder SklavIn von Natur aus sei, so sei es klar, dass BarbarInnen von Natur
aus sklavisch seien, und durch die verschiedenen klimatischen Bedingungen bilden sich
auch verschiedene SklavInnen-Typen heraus. Die GriechInnen, v.a. die aus Athen, sind
Herren von Natur aus, da sie vor Solon immer wieder gegen die Tatsache, dass die Armen
die SklavInnen der Reichen waren, rebellierten. Aristoteles legitimiere also die
Versklavung der umliegenden BarbarInnen, um die griechische Lebensart zu schützen. 51
Schlaifer hielt schon 1936 fest, dass Aristoteles es schaffe, innerhalb eines Satzes
49 Cambiano, Guiseppe, Aristotle and the Anonymous Opponents of Slavery, in: Finley, Moses (Hrsg.),
Classical Slavery, London et al 1987, S. 22-41, hier: S. 22-36.
50 Song, Mun-Hyun, A Study on Aristotle's Theory of Slavery, in: Doi, Masaoki / Yuge, Toru (Hrsg.), Forms
of Control and Subordination in Antiquity, Leiden 1988, S. 360-363.
51 Monoson, Sara, Navigating Race, Class, Polis and Empire. The Place of Empirical Analysis in Aristotle's
Account of Natural Slavery, in: Alston, Richard / Hall, Edith / Proffitt, Laura (Hrsg.). Reading ancient
Slavery, London 2011, S. 133-151, hier: S: 135-144.
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inkonsistent zu sein, und dass die Unterschiede, welche er zwischen (natürlichen)
SklavInnen und (natürlichen) Freien bemerke viel eher ein Effekt der Sklaverei oder
Evidenz für ein tiefes Niveau der Kultur seien als Zeichen für eine natürliche Eignung zur
Sklaverei oder Uneignung zu höherer Kultur. Seine gesamten Äusserungen zur Sklaverei
seien nur ein Ausdruck des pan-hellenischen Nationalismus und dem seit dem Sieg in den
Perserkriegen weit verbreiteten Überlegenheitsgefühl der GriechInnen.52
Ambler hingegen versucht zu zeigen, dass Aristoteles mit seiner Konzeption der
natürlichen Sklaverei Standards gesetzt hat, die die Natürlichkeit der tatsächlichen
Sklaverei viel eher verneinen als begründeten. Zum einen spricht er stets von 'das von
Natur regieren-de', also im Neutrum, was zeige, dass er hier nicht über Beziehungen
zwischen Menschen spreche, sondern viel eher von der Beziehung zwischen der Seele
und dem Körper. Diese natürliche despotische Herrschaft entspreche aber keiner
Beziehung zwischen Menschen. Auch legt er die Aussage, dass es gerecht sei, dass
GriechInnen über BarbarInnen herrschen, den Dichtern in den Mund, und äussert sie nicht
selbst. Weiter zweifelt er viele antike Legitimationen und Verteidigungen der Sklaverei an.
Mit seiner natürlichen Sklaverei etabliere er viel mehr Standards, an denen die tatsächliche
Sklaverei gemessen werden müsse, und auch wenn er die tatsächliche Sklaverei nicht
angreift, so bezweifle Aristoteles doch, dass Menschen in zwei ungleiche Subspezies, d.h.
Herren und SklavInnen, geteilt werden könnten. Ambler geht aber noch weiter, und
behauptet, dass selbst die Natur nicht dazu fähig sei, die Bedingungen der natürlichen
Sklaverei herzustellen.53 Ambler kommt wie Bluhm zum Schluss, dass natürliche Sklaverei
eigentlich ein Widerspruch in sich sei.54
Dobbs wiederum betont stark die teleologische Natur von Aristoteles Werk, und behauptet,
dass natürliche SklavInnen nicht als solche geboren werden, sondern zu ihnen werden:
"The percasive and unrelenting influence of a dysfunctional culture can inculcate a
slavishness so ingrained by habit as to become a second nature". 55 Im aristotelischen
Verständnis von Natur beinhalte diese auch Umwelteinflüsse und kulturelle Produkte. Jede
52 Schlaifer, Greek Theories, S. 165-204.
53 Ambler, Wayne, Aristotle on Nature and Politics. The Case of Slavery, in: Political Theory, Vol. 15, No. 3,
London 1987, S. 390-410.
54 Dobbs, Darrell, Natural Right and the Problem of Aristotle's Defense of Slavery, in: The Jurnal of Poltics,
Vo. 56, No. 1, Cambridge et al. 1994, S. 69-94, hier: S. 71.
55 Dobbs, Natural Right, S. 73.
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teleologische Vorstellung der Natur beinhalte die Möglichkeit des Versagens, und einE
SklavIn von Natur ist ein Beispiel für genau ein solches Versagen, und die despotische
Herrschaft sei gemäss Aristoteles das natürlichste Abhilfemittel dafür.56
Garnsey kommt zum Schluss, dass der von Natur aus konservative Aristoteles nicht dazu
bereit war, einzugestehen, dass Sklaverei nur eine aus Gewalt resultierende Konvention
war, sondern dass er sich nicht vorstellen konnte, dass in seiner idealen Polis die 'besten'
Menschen ihr ganzes Potential an Tugend ausschöpfen könnten, ohne über SklavInnen zu
verfügen. Da seine Polis gemäss den Gesetzen der Natur aufgebaut war, musste also
auch Sklaverei von Natur aus exisiteren. In den BarbarInnen fand er eine Gruppe von
Personen, "who would do nicely as natural slaves". Dieser Beschluss war fundamental, da
sonst seine Konzeption der SklavInnen von Natur rein theoretisch gewesen wäre. Auch
wollte er damit von den tausenden von unnatürlichen SklavInnen ablenken.57
Die Rezeption Aristoteles
Aristoteles wurde von seinen ZeitgenossInnen und den unmittelbaren Nachkommen vor
allem für seine Logik und Ethik geschätzt, geriet aber bald in den Hintergrund. 58 Erst in der
späten römischen Republik wird Aristoteles wieder populär, insbesondere während der
Kaiserzeit. Um ca. 200 n. Chr. entwickelt die Aristoteles-Kommentierung ihren Höhepunkt,
er war eine Autorität und Teil der Schulbildung, auch dank dem von Marc Aurel
eingerichteten Aristoteles-Lehrstuhl in Athen.59 Die Auseinandersetzung beschränkte sich
aber meist auf eine Interpretation, und schon hier, und verstärkt noch im Frühchristentum
kam es zu einer dogmatischen und orthodoxen Rezeption. Nach dieser Phase kam es zu
Harmonisierungsversuchen mit Platon durch die Neuplatoniker, bis ihre Schule 529
geschlossen wurde. Ab dem 7. Jh. bis ins 14. Jh. findet auch im Oströmischen Reich eine
Auseinandersetzung mit Aristoteles statt, die breiter und einflussreicher ist, wenn er hier
auch oft im Schatten Platons steht.60 Noch stärker stand er in der arabischen Welt im
Mittelpunkt des Denkens. Hier hatte er seinen Höhepunkt 830 in Bagdad, wo er
unglaublich viel breiter rezipiert wurde als im Christentum, wo nur eine kleine Auswahl
56
57
58
59
60
Dobbs, Natural Right, S. 69-94, insbesondere S. 92.
Garnsey, Peter, Ideas of slavery from Aristotle to Augustine, Cambridge 1996, S. 107-127, Zitat: S. 126.
Höffe, Aristoteles, S. 274f.
Flashar, Aristoteles, S. 388f.
Höffe, Aristoteles, S. 277-280.
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seiner Werke bekannt war. Die Aristotelesrezeption fand ihr Ende 1055 mit der Eroberung
Bagdads durch die Türken. In der westlichen Expansion Arabiens ab dem 9. Jh. und v.a.
ab 1230 finden sich bedeutende Grundlagen für den katholischen Aristotelismus, v.a. in
Sizilien und Córdoba, insbesondere für die Scholasitk.61 Zeitgleich wird er auch im
jüdischen Raum stark rezipiert, wo aristotelische Gedanken mit neuplatonischen
Elementen und der Schöpfungsidee kombiniert wurden, was insbesondere Thomas von
Aquin später stark beeinflusst hatte.62
Bis zu diesem Zeitpunkt beschränkten sich die Klosterschulen auf die Logica vetus,
bestehend aus den 'Kategorien', 'De Interpretatione' und der 'Isagoge'. Erst im 11.,
verstärkt im 12. Jh. und mit einem Höhepunkt im 13. Jh. wurde wieder mehr von
Aristoteles Werk in Europa bekannt. Zu diesem Zeitpunkt taucht auch die im arabischen
Raum gänzlich von Platons 'Politeia' verdrängte 'Politik' wieder auf, welche bald
grundlegend für "die Auseinandersetzung mit der politischen und gesellschaftlichen
Gegebenheiten"63 wurde. Jedoch erliess die Kriche zwischen 1150 und 1250 mehrere
Verbote und exkommunizierte Gelehrte, erst durch Thomas von Aquin konnte eine
Versöhnung erreicht werden.
Ab hier lassen sich drei Richtungen unterscheiden: die thomasistische interpretatio
chistiana, die eine Verschmelzung des aristotelischen Denken mit dem Christentum
praktizierte, den auf Averroes basierenden Aristotelismus, der die Gleichwertigkeit
Aristoteles und der kirchlichen Lehre betonte, und deswegen von der Kirche stark
angegriffen wurde, und die platonisch-augustinische Richtung, die Aristoteles dem
Christentum strikte unterordnete und ihn nur partiell nutzte.64 Mitte des 13. Jh. war er die
intellektuell Autorität des Abendlandes, und insbesondere Thomas von Aquin berief sich
stark auf ihn. Er lehnt auch Aristoteles Thesen zur Sklaverei nicht ab. 65 Ab dem 14. Jh.
fand jedoch erneut eine Verkrustung statt, die erst von der Renaissance und dem
Humanismus kritisiert wurde, da dort Personen wie Juan Gines de Sepúlveda Zugriff auf
die griechischen Originaltexte hatten. Aristoteles blieb jedoch bis ins 17. Jh. eine
61
62
63
64
65
Flashar, Aristoteles, S 390.
Höffe, Aristoteles, S. 281.
Flashar, Aristoteles, S. 391.
Flashar, Aristoteles, S. 392.
Höffe, Aristoteles, S. 284-286.
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Autorität.66
Die 'Politik' blieb in Griechenland ohne Wirkung, erst im 2. Jh. fand eine sporadische
Auseinandersetzung statt, welche ab dem 11. Jh. zunimmt und ungebrochen bleibt. Sie
galt lange als gültige Begründung wissenschaftlicher Politik, und die von Aristoteles
geprägten und kreierten Begriffe wurden von der Polis auf den Staat übertragen. Erst mit
der französischen Revolution fand ein Bruch statt.67 Die Idee der Sklaverei von Natur
existierte jedoch durch das gesamte christliche Mittelalter, wobei hier die natürlichen
SklavInnen oft als Ungläubige oder als Personen, die das Christentum zurückgewiesen
hatten, identifiziert wurden.68
66 Flashar, Aristoteles, S. 392.
67 Flashar, Aristoteles, S. 396f.
68 Yaeger, Timothy, Encomienda or Slavery? The Spanish Crown's Choice of Labour Organization in
Sixteenth-Century Spanish America, in: The Journal of Economic History, Vol. 55, No. 4, Cambridge et
al. 1995, S. 842-859, hier: S. 856.
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DIE SPANISCHE SKLAVEREI IN LATEINAMERIKA
1492 wurde die Reconquista mit der Rückeroberung von Granada abgeschlossen. Ihre
Ideen der Machterweiterung und Christianisierung fanden in der Conquista ihre
Fortsetzung. Die Reconquista hatte hatte eine grosse Anzahl von Hidalgos, Angehörige
des Niederadels, zurückgelassen, welche, da in Europa nichts mehr zu erobern war und
sie so ihre Perspektiven verloren und den wirtschaftlichen Ruin befürchten mussten, ihre
triste Lage durch Erfolge in Lateinamerika verbessern wollten.69
Gemäss dem Vertrag von Tordesillas waren diese Länder jedoch Eigentum der
katholischen Könige Spaniens, die Conquistadores benötigten also eine königliche
Legitimation, welche sie auch erhielten, da die spanische Kolonialpolitik von spirituellen
und materiellen Motiven geleitet wurde. Dass die Christianisierung nicht nur Ablenkung
von wahren materiellen Motiven war, zeigt sich daran, dass es Colóns erster Auftrag war,
die Indígenas zu konvertieren. Jedoch lassen sich auch materielle Motive nicht leugnen,
war die Spanische Krone doch zutiefst expansionistisch: "Their desire to extend the
Catholic religion and to increase their posessions led to nomerous and costly wars" welche
mit den Reichtümern der 'Neuen Welt' bezahlt werden konnten. Jedoch gab es wiederholt
Belege für die Bereitschaft der Krone, auf Erträge zugunsten der Konvertierung der
Indígenas zu verzichten.70
Trotz königlicher Legitimität mussten aber die Conquistadores alles privat organisieren und
finanzieren, womit sie auf rasche und grosse Gewinne angewiesen waren, sobald sie
Lateinamerika erreicht hatten.71 Aus diesem Grund bauten sie auf den Lateinamerika
vorgelagerten Inseln eine Wirtschaft auf, bei der der Profit über alles gestellt wurde, und
die einen grossen Bedarf an Arbeitskräften hatte, welcher zuerst mit den Indígenas der
Inseln und später versklavten FestlandbewohnerInnen gedeckt wurde. Diese erste
Wirtschaft basierte auf SklavInnenarbeit und ging erst mit dem Bevölkerungsrückgang
zurück. Bis 1550 wurden ca. 500'000 Indígenas aus Mittelamerika versklavt und
69 Edelmayer, Friedrich, Die spanische Monarchie und Amerika im 16. Jahrhundert, In: Edelmayer,
Friedrich / Hausberger, Bernd / Potthast, Barbara (Hrsg.), Lateinamerika 1492-1850/70, Wien 2006, S.
39-61, hier: S. 40-43.
70 Carney, James Jr., Early Spanish Imperialism, in: The Hispanic American Historical Review, Vol. 19, No.
2, Durham 1939, S. 138-146, Zitat: S. 140.
71 Edelmayer, Amerika im 16. Jahrhundert, S. 44.
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verschleppt.72 Diesen zwangen die Conquistadores einen unerträglichen Arbeitsrhythmus
auf, ohne sich um ihre Gesundheit oder ihr Überleben zu kümmern. Viele davon wurden
nicht älter als 25 Jahre.73
Sklaverei gab es in Lateinamerika aber nicht erst ab der Ankunft der EuropäerInnen. Vor
1492 war sie aber eher temporär, und die Kinder einer Sklavin waren nicht automatisch
auch SklavInnen, aber auch diese Formen der Sklaverei waren nicht weniger gewaltsam
und
unterdrückend.
Die
EuropäerInnen
brachten
jedoch
neue
Formen
und
Grössenordnungen der Sklaverei mit sich.74 Auch war die Eroberung Lateinamerikas keine
rein europäische Angelegenheit: Sowohl Cortés als auch Pizarro unterwarfen Land und
Menschen mithilfe von Indígenas: Entweder konnten sie die Heterogenität und
Zerstrittenheit von Grossreichen für sich ausnutzen, oder sich in Grenzregionen mit
einzelnen Dörfern und Städten verbünden, die zusammen mit den Conquistadores gegen
ihre Feinde kämpften.75
Die ersten Expeditionen von den Inseln auf das Festland waren SklavInnenjagden. Diese
Indígenas, und später auch die des Festlandes, arbeiteten in der Landwirtschaft, um
Nahrung für die Conquistadores zu produzieren, oder wuschen Gold, während sie vorher
oft JägerInnen und SammlerInnen waren,76 oder aber nur gerade so viel produzierten, wie
sie benötigten, was sie in keinster Weise auf die Anforderungen der Conquistadores
vorbereitete.77 Viele von ihnen gingen durch diese Arbeit zugrunde. Jedoch ist dies kein
Vergleich mit den Millionen, die aus anderen Gründen starben: Es wird davon
ausgegangen, dass in Lateinamerika vor 1492 ca. 50-80 Millionen Menschen lebten. Um
1550 lebten schätzungsweise noch 10-25% von ihnen, also ungefähr 5-10 Millionen
Menschen.78 Der grösste Teil von ihnen starb durch Krankheiten, die vor 1492 in
Lateinamerika unbekannt waren, meist schon bevor sie effektiven Kontakt mit den
72 Bolland, Nigel, Colonialization and Slalvery in Central America, in: Slavery and Abolition, Vol. 15, No. 2,
London 1994, S. 6-30, hier: S. 11.
73 Todorov, Tzvetan, Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen, Frankfurt a. M. 2005, S. 162.
74 Bolland, Central America, S. 11f.
75 Blackburn, Robin, The Making of New World Slavery. From the Baroque to the Modern, 1492-1800,
London 1999, S. 129f.; Bolland, Central America, S. 12.
76 Blackburn, New World Slavery, S. 133.
77 Delacampagne, Geschichte der Sklaverei, S. 153.
78 Gabbert, Wolfgang, Koloniale und Post-Koloniale Gewalt. Die indigene Bevölkerung Lateinamerikas,
1492-1870, In: Edelmayer, Friedrich / Hausberger, Bernd / Potthast, Barbara (Hrsg.), Lateinamerika
1492-1850/70, Wien 2006, S. 79-95, S. 80; Bolland, Central America, S. 22f.; Edelmayer, Amerika im 16.
Jahrhundert, S. 48f.
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Conquistadores hatten. Ein nicht zu verachtender Teil starb auch durch die Kriege, die
nach dem Eintreffen der EuropäerInnen geführt wurden. Dadurch verschwanden ganze
Gesellschaften und Kulturen. Diejenigen, die dies überlebten, wurden von den
Conquistadores versklavt und teilweise verschleppt, teilweise vor Ort zur Arbeit
gezwungen. Insbesondere nach der Eroberung der Reiche der AztekInnen und Inkas
wurden mehr und mehr Arbeitskräfte benötigt.79
Schon 1503 wurde das Encomienda-System eingeführt. Sämtliche Indígenas wurden in
diesem
System
einem
Spanier,
dem
Encomendero,
unterstellt,
der
für
ihre
Christianisierung und ihren Schutz verantwortlich war, sich als Gegenleistung Tribute
erheben konnten, oder, wo Gold- und Silberminen fehlten und Indígenas daher die einzige
ausbeutbare Ressource darstellten, sich ihrer Arbeitskraft bedienen konnte. Die Indígenas
wurden aufgrund des Amortisationszwangs und der Gier der Conquistadores grausam
ausgebeutet, wodurch Tausende in Minen, auf Plantagen oder beim Perlentauchen
starben.80 Zudem mussten sie sich auch selbst ausbeuten, um die Abgaben begleichen zu
können, welche Encomenderos erhoben, die sich ihre Arbeitskraft nicht direkt zunutze
machen wollten oder konnten. Dadurch, und durch den Bevölkerungsrückgang durch
verschleppte SklavInnen, sank die Geburtenrate. An einigen Orten war dies von den
Indígenas sogar bezweckt, um den Conquistadores nicht noch mehr SklavInnen und
ausbeutbare Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Jedoch selbst wenn sie sich hätten
fortpflanzen wollen, so wären sie doch gemäss Las Casas zu erschöpft dazu gewesen,
oder aber die Mütter hätten ihre Kinder aufgrund der Unterernährung nicht stillen können.
Durch hohe Abgaben, Dienste und Schwerstarbeit verarmten und starben ganze
Landstriche.81
Von der Spanischen Krone wurde dieses System aber gegenüber der Sklaverei bevorzugt,
auch wenn es weniger produktiv war. Die Besitzrechte über Indígenas wurden damit aber
in drei Wegen beschränkt: Erstens besassen die Encomenderos die Indígenas nicht,
zweitens konnten Encomiendas nicht vererbt werden und drittens konnten die Indígenas
nicht entfernt und an einem anderen Ort wieder angesiedelt werden. Die spanischen
Krone verlor durch diese Gesetze jedoch viel: Dadurch, dass Encomiendas nicht vererbt
79 Bolland, Central America, S. 12f.
80 Edelmayer, Amerika im 16. Jahrhundert, S. 49; Yaeger, Encomienda or Slavery, S. 843.
81 Todorov, Die Eroberung Amerikas, S. 162-167.
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werden konnten, hatten die Encomenderos kein Interesse, längerfristig zu denken, und
beuteten die Indígenas gnadenlos und bis zur Zerstörung aus. Zweitens zwangen die
Handels- und Relokationsrestriktionen die Encomenderos, ihre indigenen Arbeitskräfte am
'Fundort' einzusetzen anstatt an ertragreichen Orten wie den peruanischen oder
mexikanischen Silberminen. Und drittens war es aus dem selben Grund nicht möglich, auf
die Arbeitsbedürfnisse verschiedener geographischer Orte Rücksicht zu nehmen. Neben
ideologischen und theologischen Motiven waren auch Sicherheitsüberlegungen für diese
Politik verantwortlich. Erbschaftsrestriktionen stärkten die Herrschaft der Krone auf drei
Weisen: Die Encomendero-Familie konnte keinen Reichtum über Zeit anhäufen, zweitens
konnten Encomiendas leicht konfisziert werden, wenn ein Encomendero unbequem
wurde, und drittens hatte die Krone durch die Drohung, genau dies zu tun, eine sehr
starke Position. Mit Handelsrestriktionen konnte die Krone Steuern für sich beanspruchen,
welche die Krone aufgrund chronischer Illiquidität und mehrmaligen Staatsbankrotten
dringend nötig hatte.82 Mit Relokationsrestriktionen schliesslich konnten sie die Indígenas
vor Gesundheitsschäden durch dramatische Veränderungen der Umwelt, der sie
ausgesetzt waren, schützen.83
Ab 1512 verlangten die Leyes de Burgos eine gute Behandlung der Indígenas und dazu
einmal mehr ihre Christianisierung. Neu konnten sie zwar für neun Monate pro Jahr zur
Arbeit herangezogen werden, mussten jedoch gut behandelt werden und konnten die
restlichen drei Monate selbständig arbeiten, sei es auf eigenem Land oder gegen einen
Lohn.84 Ein Jahr später wurde das Requerimiento eingeführt, das nun von allen
Conquistadores mitgeführt werden musste. Dies, da für die Eroberung Mittelamerkas eine
Entscheidung über die Kriterien für einen gerechten Krieges her mussten. Das
Requerimiento als theologisch-juristische Schrift, welche allen Indígenas vorgelesen
werden musste, bevor irgend eine andere Interaktion mit ihnen stattfand, fordert sie alle
dazu auf, sich der Herrschaft der spanischen Krone zu unterwerfen und das Christentum
anzunehmen. Wenn sie sich nicht fügten, so drohte ihnen Krieg und Versklavung. Das
Requerimiento ist jedoch keineswegs auf Partnerschaft oder Handel ausgerichtet, sondern
82 Gomez, Fernando, The Legal Reformation of Indian Subjectivities: Quiroga's "Información en Derecho"
(1535), in: Revista de Historia de América, No. 122, México D.F. 1997, S. 25-107, S. 66.
83 Yaeger, Encomienda or Slavery, S. 843-857 (Ganzer Abschnitt).
84 Bolland, Central America, S. 13.
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auf eine vollständige und bedingungslose Unterwerfung.
Inhaltlich zieht es einen Bogen von der Schöpfung, gemäss derer alle Menschen von
Adam und Eva abstammten, welche sich auf der ganzen Erde verteilten. Gott beauftragte
Petrus, über alle Menschen als ihr Oberhaupt zu herrschen, egal wo sie lebten und welche
Gesetze und Religionen sie hätten. Er solle von Rom über die ganze Welt herrschen.
Diese Macht und den Herrschaftsauftrag wurde an alle Nachfolger weitergegeben, und ein
solcher erklärte Lateinamerika zum Besitz der katholischen Könige von Spanien. Wenn die
Indígenas nun seine Herrschaft annähmen, so würden sie gleich behandelt und hätten die
gleichen Verpflichtungen wie andere Untertanen und VasallInnen. Sie seien frei und ohne
Dienstpflicht, sie müssten nicht einmal sofort ChristInnen werden. Wenn nicht, so würden
sie bekriegt und versklavt, wofür nur sie die Verantwortung zu tragen hätten.
Dieses Requerimiento nahmen aber weder die Conquistadores, welche die Sprachbarriere
zu ihren Gunsten ausnutzten und so ganze Städte versklavten, noch seine Schöpfer
wirklich ernst.85 Die Indígenas wurden also weiterhin versklavt und zur Arbeit gezwungen.
Sie wurden brutal ausgebeutet und starben oft schon nach zwei Jahren, was unter
anderem Las Casas dazu bewegte, ihren Ersatz mit afrikanischen SklavInnen zu
propagieren. Diese hätten mehr natürliche Abwehrkräfte und durch die längere
Verwendung einen legalen Status gehabt, der ihnen mehr Rechte zugestand. 86 Zudem
wurden schon seit Beginn der Eroberung Lateinamerikas afrikanische SklavInnen und
Freigelassene nach Lateinamerika gebracht, wo sie z.T. auch gegen die Indígenas
kämpften. Später arbeiteten sie neben ihnen auf Plantagen und in den Minen. 87
Nach der Eroberung weiter Teile Mittelamerikas durch Cortés wurde rasch auch ein
Verwaltungssystem mit Appelationsgerichtshöfen, den Audiencias, eingerichtet. Diese
wären theoretisch extrem unabhängig gewesen, und hätten so die Möglichkeit gehabt, die
Indígenas effektiv zu schützen, was z.T. auch geschah.88 Aufgrund der hohen
Lebenshaltungskosten und der geringen Zahlungsmoral der Krone waren sie aber oft
85 Engl, Lieselotte / Engl, Theo, Das „Requerimiento“. Vom „gerechten Krieg“ gegen die Indios, In: Beck,
Rainer (Hrsg.), 1492. Ein Lesebuch, München 1992, S. 207-212; Todorov, Die Erboberung Amerikas, S.
177ff.
86 Blackburn, New World Slavery, S. 135f.
87 Phillips, William, Slavery from Roman Times to the early transatlantic Trade, Manchester 1985, S. 215f.
88 Sherman, William, Indian Slavery and the Cerrato Reforms, in: The Hispanic American Historical
Review, Vol. 51, No. 1, Durham 1971, S. 25-50.
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korrupt.89
Da viele Personen, unter ihnen Las Casas, das grosse Sterben anklagten und die
Autoritäten einen weiteren Aufstand fürchteten, wurden 1542 die Leyes Nuevas erlassen,
die eine Versklavung der Indígenas abschafften, es sei denn, sie seien durch das
Requerimiento versklavt worden,90 und die Neuausgabe von Encomiendas verboten.
Insbesondere in peripheren Regionen wurden diese Gesetze aber missachtet.91
Das Encomienda-System wurde 1544 durch das Repartimiento ersetzt, wo nicht mehr ein
privater sondern ein Staatsangestellter an der Spitze stand, und nur noch 5-20% der
Indígenas zur Arbeit herbeigezogen werden durften. Zudem gab es auch einige
Schutzbestimmungen
gegenüber
den
Indígenas.
Durch
die
Intensivierung
der
Landwirtschaft, welche eine Verdrängung der traditionellen Nahrungsmittel zur Folge
hatte, verhungerten aber erneut Tausende, welche dann deswegen als Arbeitskräfte,
welche es sowieso immer mehr brauchte, fehlten, und zunehmend mit afrikanischen
SklavInnen ersetzte wurden.92 1550 befanden sich aber nur gerade ca. 15'000
afrikanische SklavInnen offiziell in Lateinamerika,93 und Indígenas wurden auch nach 1550
allen Gesetzen zum Trotz noch unter grausamen Umständen als SklavInnen gehalten,94
welche jedoch "never answered the Europeans' labour needs".95
89
90
91
92
93
94
95
Edelmayer, Amerika im 16. Jahrhundert, S. 46; Sherman, The Cerrato Reforms, S. 30.
Gabbert, Koloniale und Post-Koloniale Gewalt, S. 83.
Blackburn, New World Slavery, S. 134; Sherman, The Cerrato Reforms, S. 27.
Edelmayer, Amerika im 16. Jahrhundert, S. 50.
Blackburn, New World Slavery, S. 134f.
Sherman, The Cerrato Reforms, S. 27-48.
Walvin, A Short History of Slavery, S. 41.
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DIE DISPUTATION VON VALLADOLID
Sämtliche zu dem Zeitpunkt bekannten und noch zu entdeckenden Gebiete in
Lateinamerika wurden am 4. Mai 1493 vom Papst Alexander mit der Bulle Inter Cetera den
katholischen Königen Spaniens und Portugals geschenkt. Diese Schenkung war die
Rechtfertigung der Eroberung. Eine andere lieferte die Krone nicht, und sie wurde so auch
in der europäischen Öffentlichkeit akzeptiert.96 Ab 1511 begannen Kleriker, die Praktiken in
Lateinamerika und insbesondere die Sklaverei zu kritisieren und fundamentale Fragen zu
stellen. Genau so früh wurden auch schon verschiedene weitere Legitimationsversuche
erarbeitet. Diese waren alle ähnlich, fokussierten jedoch auf unterschiedliche Punkte: Bei
einigen stand die Bekehrung im Mittelpunkt, bei anderen der Kampf gegen den Teufel oder
eine Kompensationsidee für die an die Türken verlorenen Gebiete im Osten Europas und
bei wieder anderen stand die Bestrafung der Indígenas im Mittelpunkt. 97 Eine Bestrafung
deshalb, weil Papst Gregor der Grosse (590-604) erklärt hatte, das Christentum sei in der
ganzen Welt verkündet worden, die Indígenas im 16. Jh. hatten also nicht nur den wahren
Glauben verloren, sondern auch wieder ihre alte heidnische Lebensweise angenommen.
Ein prominenter Vertreter dieser These war Gonzalo Fernández de Ovieda y Valdés, auf
den sich Sepúlveda sehr stark berief.98
Auch nicht-religiöse Legitimationen wurden vorgeschlagen. Erstens sei die Conquista ein
ethisch gerechtfertigter Paternalismus: da die Indígenas erst ab der Bulle 'Sublimis Deus'
den Status von Menschen hatten, sie jedoch weiterhin als kindlich oder unvollständig
angesehen wurden, müssten sie paternalistisch behandelt werden, da sie nicht in der
Lage seien, sich selbst zu regieren. Zweitens sei es durch die Conquista möglich
geworden, die Tyrannei in Lateinamerika abzuschaffen: Schon im 16. Jh. gab es
Vorstellungen von einem rechtmässigen Interventionsrecht, das hier Spanien dazu
96 Castañeda Delgado, Paulino, Die ethische Rechtfertigung der Eroberung Amerikas, in: Kohut, Karl et al.
(Hrsg.), Der eroberte Kontinent. Historische Realität, Rechtfertigung und literarische Darstellung der
Kolonisation Amerikas, Frankfurt am Main 1991, S. 71-85, hier: S. 71f.
97 Garzón Valdés, Ernesto, Die Debatte über die ethische Rechtfertigung der Conquista, in: Kohut, Karl et
al. (Hrsg.), Der eroberte Kontinent. Historische Realität, Rechtfertigung und literarische Darstellung der
Kolonisation Amerikas, Frankfurt am Main 1991, S. 55-70, S. 57f.
98 Hanke, Lewis, All Mankind is One. A Study of the Disputation between Bartolomé de Las Casas and
Juan Ginés de Sepulveda in 1550 on the Intellectual and Religious Capacity of the American Indians,
Chicago 1974, S 41.
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berechtigte, den unterdrückten Indígenas in Lateinamerika beizustehen.99
Diese
Unterdrückung habe in Lateinamerika durch Tyrannei und ungerechten Gesetzen
bestanden, wo z.B. die TlaxcaltekInnen durch die AztekInnen unterdrückt wurden. 100
Drittens habe die Conquista die Zivilisation nach Lateinamerika gebracht und viertens sei
dadurch der Handel gefördert worden.
Die theologische Rechtfertigung mit der Schenkung des Papstes, welche auch nach der
Junta von Burgos noch immer als grundlegend anerkannt wurde, hatte jedoch ebenfalls
bedeutende Gegenstimmen: Thomas von Aquin behauptete, auch Ungläubige hätten ein
natürliches Menschenrecht auf Besitz und weltliche Macht. Der Papst könne diese zwar
durch einen Richtspruch aufheben, aber nur, wenn religiöse Belange wie z.B. Gefahr für
KonvertitInnen bestand, reine Ungläubigkeit reiche nicht. Diese Theorie impliziert aber,
dass die Indígenas rechtsfähig seien, d.h. rechtmässig Besitz und Fürsten und Herren
hätten, was aber im 16. Jh. von vielen aristotelisch geprägten Sklavereitheorien und
theologisch-abwertenden Theorien bestritten wurde.101
1537 publizierte Paul III. die Bulle 'Sublimis Deus', da er vorher von mehreren Spaniern
auf die offene Frage der Christianisierungsfähigkeit aufmerksam gemacht wurde. Die
Dispute fanden damit aber kein Ende. Insbesondere die Etablierung und teilweise
Rücknahme der Leyes Nuevas 1542 und 1545 sorgten für grosse Diskussionen, und
während der Zeit begann sich auch Sepúlveda für dieses Thema zu interessieren: Auf
Anraten eines Mitgliedes des Consejo de Indias verfasste er ein Traktat, in dem er dafür
argumentierte, die Encomienda und der Krieg gegen die Indígenas seien gerecht. Für
dieses beantragte er 1549 eine Druckerlaubnis, welche er aber nie bekam.102
Sepúlveda gab aber nicht auf und versuchte, weitere Stellen von seinem Anliegen zu
überzeugen, während Las Casas zur gleichen Zeit den Consejo de Indias davon
überzeugte, dem König zu raten, keine weiteren Expeditionen ohne eine ausdrückliche
königliche Erlaubnis zu gestatten und dass ein Treffen von Juristen und Theologen
einberufen werden sollte, um zu diskutieren, "how conquest may be conducted justly and
99
100
101
102
Garzón Valdés, Rechtfertigung, S. 60-62.
Castañeda Delgado, Rechtfertigung, S. 80f.
Castañeda Delgado, Rechtfertigung, S. 75-78.
Hanke, All Mankind is One, S. 17-34.
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with security of conscience".103 Dies und "[t]he continuing excess of the Conquistadores
persuaded the Emperor Charles himself to request that the validity of the Conquest, and
the proper rights of the indigenous people, be submitet to a 'great debate' at Valladolid in
1550 between the partisans of the conflicting schools of thought". 104 Am 16. April 1550
befahl Karl V., dass alle Eroberungen in Lateinamerika ausgesetzt würden, bis diese
Debatte eine gerechte Methode für die weitere Conquista hervorgebracht hätte. Las Casas
und Sepúlveda stimmten diesem Vorgehen zu, und so kam es im August 1550 zu der
Disputation von Valladolid, welche ca. einen Monat dauerte. Die zentrale Frage war: "Is it
lawful for the King of Spain to wage war on the Indians, before preaching the faith to them,
in order to subject them to his rule, so that afterward they may be more easily instructed in
the faith?"105
103 Hanke, All Mankind is One, S. 62-66, Zitat: S. 66.
104 Blackburn, New World Slavery, S. 151.
105 Hanke, All Mankind is One, S. 67.
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BEFÜRWORTERINNEN DER SKLAVEREI: SEPÚLVEDA
Aufgrund der Tatsache, dass Sepúlveda in der Disputation von Valladolid der Gegner Las
Casas war, welcher den modernen Überzeugungen der Gleichwertigkeit aller Menschen
eher entsprach, wird Sepúlveda oft als reiner Interessenvertreter der Encomenderos
gesehen, dessen Lehre nichts anderes sei als eine Verherrlichung imperialistischer Ideen
um die universelle, d.h. weltweite Autorität des Kaisers zu untermauern. 106 Diese Tendenz
wurde noch verstärkt durch die Tatsache, dass sehr lange seine Texte nicht in editierter
Form zugänglich waren, womit über ihn sehr viele Klischees und Simplifizierungen
existieren.107 Dies wird ihm aber nicht gerecht. Die folgenden Kapitel widmen sich der
Frage, was für eine Person Sepúlveda war, und welche Position er den Indígenas
gegenüber einnahm unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Philosophie
Aristoteles.
Leben und Werk
Juan Gines de Sepúlveda wurde um die Jahreswende 1489/90 entweder in Pozoblanco in
der Nähe von Córdoba oder in Córdoba selbst geboren. Sowohl hierüber als auch über
seine Eltern besteht in der Forschung kein Konsens. Als gesichert gilt, dass er aus einer
eher bescheidenen und nichtadeligen Familie stammte, in Córdoba eine höhere
Schulbildung erhielt und ca. seit 1510 in Alcalá Philosophie und in Sigüenza Theologie
studierte. Unterstützt von Kardinal Jiménez de Cisneros erhielt er 1515 ein Stipendium für
ein Studium der Philosophie und Theologie in Bologna, wo er auch seine Latein- und
Griechischkenntnisse vervollkommnete. Nach seinem Doktorat erhielt er von Giulio Medici,
dem späteren Papst Clemens VII. den Auftrag, Aristoteles Werk ins Lateinische zu
übersetzen. Hier nahm auch Sepúlvedas Verehrung für Aristoteles seinen Anfang, die ihn
sein ganzes Leben begleiten sollte. In seinen Übersetzungen war er ganz Humanist, wollte
er sei doch so originalgetreu wie möglich übersetzen, und hielt nicht sehr viel von den
spätmittelalterlichen Übersetzungen. Seit 1520 verfasste er mehrere Schriften und
106 Pérez Luño, Antonio-Enrique, Die klassische spanische Naturrechtslehre in 5 Jahrhunderten, Berlin
1994, S. 211.
107 Pietschmann, Horst, Aristotelischer Humanismus und Inhumanität? Sepúlveda und die amerikanischen
Ureinwohner, in: Reinhard, Wolfgang (Hrsg.), Humanismus und Neue Welt, Weinheim 1987, S. 143-166,
S. 144ff.
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Traktaten, in welchen er sich als grosser Verteidiger der hergebrachten Ordnungzeigte, er
interessierte sich aber auch für weitere Themen. Ab 1536 war er Hofchronist von Kaiser
Karl V. und Erzieher des Kronprinzen Philipp. Ab 1540 lebte er immer zurückgezogener,
stand jedoch bis zu seinem Tod 1573 im Dienste der Krone.108
Neben seinen Aristoteles-Übersetzungen, die die besten bis dahin bekannten waren,
insbesondere die 'Politik', welche er 1548 publizierte und zwar zu seinen Lebzeiten nicht
erwähnt wurden, dafür aber dann bis ins 19. Jh. kommentiert und "highly valued as a good
example of a sensitive and intelligent attempt to tread a middle path between the word-forword technique of the Middle Ages and the over-refined Ciceronian Latin of certain
humanis translators of Aristotle" bezeichnet wurde,109 stand vor allem die Frage der
Rechtfertigung von Krieg im Zentrum seines Werks: Schon 1535 erschien sein
'Demócrates Primus', in dem er einigen Studierenden der Universität Bologna, die mit
Verweis auf die christlich-neutestamentarische Moral die pazifistische Auffassung
vertraten, dass es keinen gerechten Krieg gäbe, in Dialogform antwortete. In diesem
Dialog diskutieren Leopoldo, "ein deutscher Zivilist mit lutherischen Neigungen" der wie
die oben genannten Studierenden aufgrund des neutestamentarischen Gewaltverbotes die
Möglichkeit eines gerechten Krieges bezweifelt, der spanische Veteran Alfonso und der
Grieche Demócrates, wobei letzterer Sepúlveda verkörpert. Dieser kommt zum Schluss,
dass ein Krieg dann gerecht sei, wenn er den Frieden zum Ziel hat, und vorher alle
anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, denn nur im Frieden kann ein Mensch das
aristotelische Ideal eines politischen und sozialen Wesens verwirklichen. Dabei beruft er
sich auf die Bibel, Kirchenväter und antike Autoren, allen voran Aristoteles, spart aber die
mittelalterlichen Autoritäten aus. Ob ein Krieg gut sei oder nicht, können aber ihm zufolge
nur tugendhafte und weise Männer beurteilen.110 Diese grundlegende Bejahung der
Möglichkeit eines gerechten Krieges wendet er im 'Demócrates Segundo / Alter' auf die
108 Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 213ff; Pietschmann, Aristotelischer Humanismus, S. 152ff; Coroleu,
Alejandro, The Fortuna of Juan Ginés de Sepúlveda's Translations of Aristotle and of Alexander of
Aphrodisias, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, Vol. 59, London 1996, S. 325-332, hier:
S. 325f; Schäfer, Christian, Die These der natürlichen Sklaverei in antiker Philosophie und spanischer
Conquista, in: Baumbach, Manuel (Hrsg.), Tradita et inventa. Beiträge zur Rezeption der Antike,
Heidelberg 2000, S. 111-130, hier: S. 114f.
109 Coroleu, Translations, S. 325-331, Zitat: S. 331; Green, Otis, A Note on Spanish Humanism: Sepúlveda
and His Translation of Aristotle's Politics, in: Hispanic Review, Vol. 8, No. 4, Philadelphia 1940, S. 339342, hier: S. 339f.
110 Pietschmann, Aristotelischer Humanismus, S. 155ff, Zitat: S. 155.
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indigene Bevölkerung Lateinamerikas an, dessen Hauptargumente in der Apoligía noch
einmal zusammengefasst werden.
Die gerechten Gründe des Krieges in Lateinamerika
Im 'Demócrates Segundo', der 1545 fertig gestellt, jedoch erst 1892 veröffentlicht wurde,
diskutieren Leopoldo und Demócrates die vom ersteren aufgeworfene Frage, ob der Krieg
in Lateinamerika gerecht sein könne, wenn die Bibel doch klar zum Frieden aufrufe. 111
Auch hier bejaht Demócrates diese Frage wieder, denn der Krieg sei ein Mittel zum
Frieden, und als solcher ist er gemäss Naturrecht, das in Übereinstimmung mit göttlichem
Recht steht, gerechtfertigt um eine gewaltsame Verletzung gewaltsam abzuweisen. 112 Ein
gerechter Krieg muss aber erklärt werden, und er kann nur gerecht sein, wenn er aus
einem gerechten Grund von einer legitimen Autorität erklärt wird. 113 Die Herrschaft dieser
Autorität über Freie ist aber genau wie bei Aristoteles anders als über Unfreie, die
Herrschaft König-UntertanInnen ist anders als die Herr-SklavInnen. Alle verschiedenen
Herrschaftsformen, sei es die oben erwähnten oder Mann-Frau, Vater-Kinder, MenschenTiere, Sanftmut-Wildheit, Mässigung-Masslosigkeit, Form-Materie, Seele-Körper, VernunftBegierde, Gut-Böse etc. lassen sich aber auf ein zentrales Prinzip zurückführen: die
Herrschaft des Besseren über das Schlechtere. Dieses Prinzip lässt sich auch auf die
Menschen anwenden: Es gibt bessere, also zivilisierte und christianisierte Nationen und
schlechtere, also barbarische und heidnische Nationen. Da das Bessere aber
natürlicherweise immer über das Schlechtere herrschen muss, gibt es natürliche Herren
und natürliche SklavInnen, wobei erstere über letztere herrschen. Diese Herrschaft
gereicht beiden zum Vorteil, da die natürlichen SklavInnen so aus der Barbarei in die
Zivilisation und vom Heidentum ins Christentum geführt werden können.114
Nach diesen eher generellen Betrachtungen, die Demócrates-Sepúlveda immer wieder mit
Aristoteles begründet, geht er schliesslich auf das eigentliche Thema ein: Ob der Krieg
gegen die Indígenas und die Herrschaft Spaniens über Lateinamerika gerecht sei. Dazu
macht er erst einige allgemeine Betrachtungen über Spanien: Es ist von allen zivilisierten
und christlichen Ländern das Beste, was sich auch daran zeigt, dass die spanischen
111 Sepúlveda, Juan Ginés de, Demócrates Segundo, in: Cabrera, Emilio (Hrsg.), Obras completas, Vol. 3,
Ayuntamiento 1997, S. 29-134, hier: S. 40ff.
112 Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 43ff.
113 Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 49f.
114 Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 54f.
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Legionen überall am tapfersten und tugendhaftesten gekämpft hätten, und sie die besten
ChristInnen seien. Sie erfüllen also wie keine andere Nation die Bedingungen für
natürliche Herren.115
Die Indígenas hingegen sind schlecht und inperfekt: Sie ertragen ihre tyrannische
Herrschaft, und sind barbarisch bzw. primitiv, da die meisten von ihnen weder Schrift noch
Institutionen kennen. Jedoch auch diejenigen, die welche kennen wie z.B. die AztekInnen
als fortschrittlichstes Volk in Lateinamerika hätten nur gerade barbarische und sklavische
Institutionen, welche nur zeigen dass sie keine Tiere sind, nicht aber mehr. Sie alle haben
zudem kein Christentum, und negieren Gott, haben barbarische Sitten wie Kannibalismus
und Menschenopfer und kennen keine schriftlichen Gesetze. 116 In ihnen findet
Demócrates-Sepúlveda seine SklavInnen von Natur.
Es ist also natürlicherweise gerecht, dass die Spanier über die Indígenas herrschen. Die
Indígenas müssen von Natur aus anderen gehorchen, während die Spanier von Natur aus
Herren sind. Wenn die Indígenas diese Herrschaft ablehnen, und es kein anderes Mittel
gibt, so müssen die Spanier sie mit Waffengewalt beherrschen. Der Krieg ist also in
Übereinstimmung mit den wichtigsten Philosophen, d.h. Aristoteles als bedeutendster
Philosoph von allen,117 gerecht, da die Indígenas aufgrund ihrer inhumanen und
barbarischen Gebräuchen SklavInnen von Natur aus sind. 118
Neben diesem Grund nennt er noch drei weitere: Erstens können sie zwar nicht zum
Glauben gezwungen werden, da dieser etwas Freiwilliges ist, aber sie können davon
abgehalten werden, noch mehr barbarische Verstösse gegen das Naturrecht zu begehen
wie z.B. Menschenopfer, Kannibalismus oder Götzenkult, was den gerechten Krieg gegen
sie legitimiert.119 Zweitens gibt es gemäss Demócrates-Sepúlveda die Verpflichtung, die
Menschen zu schützen, die von diesen barbarischen Indígenas durch die Möglichkeit des
Menschenopfers bedroht werden.120 Drittens ist es die Pflicht aller Christen, den anderen
das Evangelium und die Erlösung zu bringen. Es ist gerecht, die zu bekämpfen, die dies
115
116
117
118
119
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 64f.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 65ff.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 48.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 53f.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 84ff; Sepúlveda, Juan Ginés de, Apología, in: Cabrera, Emilio
(Hrsg.), Obras completas, Vol. 3, Ayuntamiento 1997, S. 137-222, hier: S. 212f.
120 Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 88ff.
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verhindern wollen, und zudem ist es einfacher, die Mission durchzuführen, wenn das Land
schon erobert ist.121
Der Krieg gegen die Indígenas ist also aus vielerlei Gründen gerecht. Auch wenn
Demócrates-Sepúlveda gar nicht abstreitet, dass es im Krieg zu schlimmen Dingen
kommt, so ändert dies einerseits nichts an der Gerechtigkeit des Krieges und andererseits
werden diese durch all die positiven Folgen des Krieges mehr als wieder wett gemacht:
Die Indígenas erhalten z.B. für das Gold und Silber, das sie verlieren, jedoch nie wirklich
zu schätzen wussten, Eisen, das für sie von viel grösserem Nutzen ist. Zudem haben die
Spanier viele Tiere und Pflanzen nach Lateinamerika eingeführt, und als wichtigstes haben
sie ihnen die Zivilisation und das Christentum gebracht.122
Genau so rechtmässig ist es, dass die Indígenas versklavt werden. Da die Spanier einen
gerechten Krieg gegen die Indígenas führen, ist es ihr Naturrecht, die überlebenden
Besiegten zu versklaven,123 da diese Widerstand geleistet hatten.124 Über sie sollen
hervorragende, ja perfekte Menschen regieren, und bei einigen Völkern ist es notwendig,
dass dies auf despotische Weise geschieht: Einige sind aufgrund ihrer klimatischen
Herkunft von Natur aus SklavInnen und andere haben solch barbarische Bräuche, dass es
mit anderen Formen der Herrschaft gar nicht möglich ist. Beides treffe auf die Indígenas
zu, da sie nicht wie die Spanier frei sondern zur Sklaverei geboren sind.125
Nichtsdestotrotz soll die Herrschaft über sie stets von ihrem Ziel motiviert sein. Dieses ist,
die Indígenas über Zeit zur Zivilisation und zum Christentum zu führen, und sobald sie
zivilisiert seien und den wahren Glauben angenommen hätten, können sie mehr Freiheiten
haben und weniger despotisch-paternalistisch beherrscht werden. Dieser Punkt ist
Demócrates-Sepúlveda enorm wichtig.126
Sepúlveda und Aristoteles
Dieser starke Rückgriff auf die Antike bei Sepúlveda fand zu einem Zeitpunkt statt, als die
Wiederentdeckung Amerikas das gesamte politische, geistige und kulturelle Leben
121
122
123
124
125
126
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 88; Sepúlveda, Apología, S. 203ff.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 97f.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 108ff.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 129.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 130f.
Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 131f.
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beeinflusste
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jahrhundertealte
Gewissheiten
wie
den
Geschichtshorizont,
Lebensentwürfe und Menschenbegriff in Frage stellte.127 Die europäischen Kulturen waren
jedoch von der griechisch-römischen Antike geprägt und definierten sich durch den
Rückgriff auf sie, weswegen die EuropäerInnen oft antike Darstellungen und Ideen zur
Verarbeitung und Einordnung des 'Fremden' benutzten.128 Der Gegensatz Grieche/Römer
- Barbar wurde im 13. Jh. während den Kreuzzügen deckungsgleich mit dem Gegensatz
Christ - Heide,129 was die Beschreibung der Indígenas als BarabrInnen durch Sepúlveda
stark vereinfachte.
Jedoch war Sepúlveda bei weitem nicht der erste, der die Indígenas als BarbarInnen und
SklavInnen von Natur beschrieb. Schon 1510 argumentierte John Mayor, dass die
Indígenas wie Tiere lebten und deswegen SklavInnen von Natur seien. Dies wurde von
Spanien übernommen, da es eine einfache naturrechtliche Legitimation der Conquista und
der spanischen Herrschaft in Lateinamerika bot, da sie nun nicht mehr auf unsichere
päpstliche Rechtstitel sondern auf der Natur der Beherrschten basierte. Auf Grundlage der
Autorität Aristoteles wurden nun bei ihnen Erkennungsmerkmale gesucht, und mangels
physischen wurde im Fehlen der politisch-institutionellen Charakteristika und den
barbarischen Sitten auch solche gefunden. 130
Im 'Demócrates Segundo' finden sich zahlreiche direkte und indirekte Zitate von
Aristoteles. Aber auch anhand der Art und Weise, wie er im Text behandelt wird, lässt sich
die grosse Bewunderung für ihn feststellen, die Sepúlveda hegt. So bezeichnet er ihn als
den grössten Philosophen, und verwendet mehrere Seiten darauf zu zeigen, dass er als
Argumentationsgrundlage mindestens so gut geeignet sei wie die Bibel. Schon die antiken
Philosophen hätten nämlich an einen Gott geglaubt, und wenn sie von mehreren Göttern
sprachen, so seien dies Metaphern gewesen.131 Auch unterscheiden sich gemäss
Sepúlveda Aristoteles "politische und moralische Lehren [...] kaum oder gar nicht von der
christlichen Philosophie".132 In seiner Argumentation folgt er ihm teilweise wortwörtlich,
127 Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 216.
128 Nippel, Wilfried, Griechen, Barbaren und »Wilde«. Alte Geschichte und Sozialanthropologie, Frankfurt
a.M. 1990, S. 31.
129 Nippel, Griechen, Barbaren und »Wilde«, S. 38f.
130 Nippel, Griechen, Barbaren und »Wilde«, S. 40f.
131 Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 75ff.
132 Sepúlveda, Juan Ginés de, Del reino y los deberes del rey, in: Angél Losada (Hrsg.), Tratados políticos
de Juan Ginés de Sepúlveda, Madrid 1963, S. 32, zit. nach: Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 220.
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teilweise sinngemäss, jedoch ist er wie Aristoteles der Meinung, dass das Vollkommene
über das Unvollkommene herrschen soll: die Indígenas sind homunculi, da sie kaum
Anzeichen von Menschlichkeit hätten sondern nur "barbarische Institutionen und Sitten".133
Gemäss Schäfer stellt der Rückgriff auf Aristoteles den bedeutendsten der drei
Hautpargumentationssträge bei Sepúlveda dar. Daneben argumentiert er noch mit der
Bibel, die im Alten Testament den Versklavungskrieg des Volk Gottes gegen die Heiden
gut heisst, und den Kirchenvätern, wo z.B. Augustinus postulierte, dass die christliche
Lehre in Übereinstimmung mit der militärischen Bestrafung der Ungläubigen und dem
religiösen Expanisionskrieg gegen die HeidInnen steht. Aristoteles ist jedoch der
fundamentalste, da er eine naturrechtliche Absicherung der Unterwerfung und Versklavung
von natürlicherweise unterlegenen Menschen bietet. So ist denn auch bei beiden das
fundamentalste Naturrecht die Herrschaft des Besseren über das Minderwertige.134
Gemäss Todorov ist dies die Grundlage für die gesamte Position von Sepúlveda:"Nicht die
Gleichheit, sondern die Hierarchie [ist] der natürliche Zustand der Gesellschaft". 135 Als
Aristoteleskenner und -übersetzer baue er seine Argumentation auf diesem auf, und er
schliesst sich dem gemäss Sepúlveda bedeutendstem Philosophen an, wenn er erklärt,
dass eine zivilisierte Nation Krieg gegen unzivilisierte Völker unternehmen darf, da diese in
Barbarei leben. Dass alle Hierarchien auf dem Prinzip der Herrschaft des besseren über
das Schlechtere basiert, ist für Sepúlveda eine analytische Proposition, und da die Spanier
den Indígenas in allem überlegen seien, sei der Eroberungskrieg gerechtfertigt. Für
Todorov ist klar, dass "bei der hierarchischen Konzeption Sepúlvedas eindeutig Aristoteles
Pate gestanden hatte".136
Jedoch ist es nicht ganz einfach herauszufinden, wie stark Sepúlveda nun tatsächlich der
Aristotelischen Argumentation gefolgt ist. Zum einen wurde weiter oben festgehalten, dass
die dem Demócrats Segundo zugrunde liegenden Textstellen unklar sind, und
unterschiedlichste Lesarten zulassen,137 andererseits gibt es in der Forschung auch eine
grundsätzliche Diskussion darüber, wie Sepúlveda zu verstehen sei. Der Streit basiert
hauptsächlich darauf, ob er mit dem Begriff 'servus' Sklave oder Diener meinte.
133
134
135
136
137
Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 220f.
Schäfer, Natürliche Sklaverei, S. 116-118.
Todorov, Die Eroberung Amerikas, S. 184.
Todorov, Die Eroberung Amerikas, S. 184ff, Zitat: S. 194.
Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 223.
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Pietschmann z.B. vertritt die These, Sepúlveda habe nie von natürlicher Sklaverei
gesprochen, sondern immer nur von DienerInnen von Natur. Er sei zwar von der
Überlegenheit der europäischen Kultur überzeugt gewesen, sei aber "kein Verfechter von
Inhumanität, Kolonialismus und Ausbeutung, [...] sicherlich [aber] Vertreter einer
Imperiumsidee, die die amerikanischen Indianer einbezog", über die paternalistisch
geherrscht werden soll. 138
Quirk führt diesen Gedanken weiter und gelangt zu der Überzeugung, dass Sepúlveda
keineswegs für die Versklavung der Indígenas argumentierte. Im Gegenteil sei Sepúlveda
missinterpretiert und falsch übersetzt worden, da er mit 'natura servus' keineswegs
'SklavIn von Natur' gemeint habe. Er habe als Nicht-Historiker nämlich kein vertieftes
Wissen über die griechische Sklaverei gehabt, dagegen war er "obviously familiar with
servile institutions in Spain".139 Der Schlüssel, um ihn zu verstehen liege also nicht in einer
Aristoteles-Exegese, sondern in einer tieferen Betrachtung des 16.Jh.-Konzept von
Leibeigenschaft und Dienertum, und wenn Sepúlveda von der rohen Natur der Indígenas
gesprochen habe, so dachte er an mittelalterliche Spanische Leibeigene oder
DienerInnen. Diese These wird gestützt von der Tatsache, dass Las Casas, der oft auch
auf Spanisch schrieb, stets von "siervos a natura, [...] not esclavos" geschrieben habe. 140
Hanke widerspricht dieser Idee jedoch massiv. Er erinnert daran, dass Sepúlveda die
Koryphäe für Aristoteles in Spanien war, und sich extrem gut mit seinen Schriften, seiner
Philosophie und seinen Konzepten auskannte. Deshalb wäre es anzunehmen, dass er,
wenn er in diesem Punkt von der aristotelischen Theorie abgewichen wäre, es sehr viel
klarar und expliziter gemacht hätte. Jedoch betont Sepúlveda mehrmals, dass die
Indígenas so minderwertig seien, dass sie als natürliche SklavInnen gemäss Aristoteles
Philosophie bezeichnet werden können. Auch betont Hanke, dass im 16. Jh. das Wort
'servus' auf Spanisch sowohl mit siervo als auch mit esclavo übersetzt werden könnte, die
beiden Wörter als Äquivalente galten und austauschbar waren. Er betont, dass
Seupúlveda die Indígenas klar als SklavInnen von Natur im aristotelischen Sinne
138 Pietschmann, Aristotelischer Humanismus, S. 165f, Zitat: S. 166.
139 Quirk, Robert, Some Notes on a Controversial Controversy: Juan Gines de Supulveda and Natural
Servitude, in: The Hispanic American Historical Review, Vol. 34, No. 3, Durham 1954, S. 357-364, hier:
S. 358.
140 Quirk, Natural Servitude, S. 358ff, Zitat: S. 361.
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betrachtete, und die Spanier deswegen rechtmässig Krieg gegen sie führen konnten. 141
Auch gemäss Pérez Luño ist Sepúlveda sehr nahe an Aristoteles, auch da er seine Lehre
" in ihrere unrsprünglichen Reinheit wider zum Leben erwecken" wollte.142
Die Versklavung der Indígenas ist gemäss Schäfer nur ein De-iure-Ausdruck ihrer Defacto-Situation, da eine Person nicht SklavIn wird, sondern aufgrund ihrer rationalen und
seelischen Defiziten schon ist. Sie waren schon vor der Conquista SklavInnen, da sie es
von Natur aus waren. Diese Defizite haben die Indígenas gemäss Sepúlveda, da sie
vernunftlose Körper sind, welche von der vernünftigen Seele beherrscht werden
müssen.143 Sepúlveda bemerkt explizit, dass der Körper der Sklave der über ihn
herrschenden Seele ist. Zudem ist es auch eine der Stellen, wo er Aristoteles am
ausführlichsten zitiert.144
Delgado bringt es auf den Punkt: "Aristoteles ist für ihn [Sepúlveda] nicht nur der
Philosoph schlechthin, sondern das grösste Naturwunder, in dem alles, was das
Menschengeschlecht kraft der natürlichen Vernunft erreichen kann, schon enthalten ist.
[...] Seine Lehre hat nicht nur den Rang des – vollkommenen – Naturrechts, sondern sie
ist auch mit dem göttlichen Gesetz gleichzustellen. so dass der Schluss naheliegt, im
Zweifelsfalle
sei
Aristoteles
für
Sepúlveda
sogar
der
wahre
Massstab
der
Bibelinterpretation."145
141 Hanke, Lewis., Aristotle and the American Indians. A Study in Race Prejudice in the Modern World,
Bloomington 1975, S. 58ff.
142 Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 226.
143 Schäfer, Natürliche Sklaverei, S. 120ff.
144 Sepúlveda, Demócrates Segundo, S. 54f.
145 Delgado, Mariano, Die Indios als Sklaven von Natur? Zur Aristoteles-Rezeption in der AmerikaKontroverse im Schatten der spanischen Expansion, in: Speer, Andreas / Frank, Günther (Hrsg.), Der
Aristotelismus in der Frühen Neuzeit nach dem Fall von Konstantinopel. Kontinuität oder
Wiederaneignung?, Wiesbaden 2007, S. 353-382, hier: S. 369.
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GEGNERINNEN DER SKLAVEREI - LAS CASAS
Wie Sepúlveda wird auch Las Casas vor allem in seiner Rolle während der Disputation
von Valladolid, als Verteidiger der Indígenas, wahrgenommen. Sein Leben und Werk ist
jedoch weit umfassender als dies und auch genauso wenig eindeutig, wie das von
Sepúlveda. So war er während mehren Jahren ein grosser Befürworter der Versklavung
von AfrikanerInnen, die an der Stelle der Indígenas in Lateinamerika arbeiten sollten.146
Auch wenn er schon vor Valladolid von dieser Überzeugung abgekommen ist, so steht
diese Tatsache doch in grossem Kontrast mit der Wahrnehmung seiner Person als
Vorreiter der Menschenrechte.147 Dass Las Casas so unterschiedlich wahrgenommen und
bewertet werden kann, liegt nicht zuletzt auch daran, dass sein Werk eine unglaubliche
Grösse hat, und er Zeit seines Lebens Traktate, Berichte und Polemiken veröffentlicht hat.
Im Rahmen dieser Arbeit ist nicht Platz für eine angemessene Würdigung seines
Gesamtwerkes, weshalb sich dieser Abschnitt nur mit den für die Fragestellung relevanten
Schriften und Passagen beschäftigen wird.
Leben und Werk
Las Casas wurde 1484 in Sevilla als Sohn eines Kaufmanns geboren. Nachdem er kurz
Rechtswissenschaften und Theologie in Salamanca studiert hatte, nahm er 1502 an der
Eroberung von Hispaniola teil, wo er Gold suchte und Encomendero war. 1507 wurde er
nach Fortsetzung seiner Studien in Rom zum Priester geweiht und kehrte nach
Lateinamerika zurück, wo er als Feldgeistlicher an der Eroberung Kubas teilnahm, und
eine neue Encomienda führte, auf der Plantagen- und Goldschürfwirtschaft betrieben
wurde. Nachdem er 1514 den Tod von einer halben Million Indígenas durch Krieg oder
Schwerstarbeit erlebt hatte, wandte er sich entschieden gegen die Praktiken der Conquista
und propagierte eine genossenschaftliche Gemeinschaftswirtschaft und die Freiheit der
Indígenas als Untertanen der Krone. 1523 trat er dem Dominikanerorden bei und zog sich
für zehn Jahre in ein Kloster auf Santo Domingo zurück, wo er verschiedene Schriften
146 Blackburn, New World Slavery, S. 35.
147 Gschwend, Lukas / Good, Christoph, Die spanische Conquista und die Idee der Menschenrechte im
Werk des Bartolomé de Las Casas (1484-1566), in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für
Rechtsgeschichte. Kanonistische Abteilung, Bd. 126, Wien / Köln / Weimar 2009, S. 217-256, hier: S.
236-254.
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studierte und selbst auch mit Schreiben begann. Ab 1527 schrieb er während 25 Jahren
an seiner 'Historia de las Indias' und setzte sich stark für eine friedliche Missionierung ein,
die schliesslich Paul III. zu seiner Bulle 'Sublimis Deus' bewegen sollte. Er war in
beratender Funktion an der Ausarbeitung der Leyes Nuevas tätig, die stark in seinem
Sinne erlassen wurden. 1543 wurde er auf Vorschlag von Karl V. zum Bischof von Chiapas
ernannt, wo er sich für die Einhaltung der Leyes Nuevas einsetzte. In einer hochreligiösen
Zeit verweigerte er Encomenderos und SklavInnenhaltern auch auf dem Sterbebett die
Absolution, konnte damit aber auch nicht verhindern, dass die wesentlichen Punkte der
Leyes Nuevas 1545 zurückgenommen wurden. Aufgrund des grossen Widerstandes
gegen ihn wurde er 1547 vom Kaiser nach Spanien zurückgerufen, wo er sich auf die
Disputation von Valladolid vorbereitete, welche er seiner Meinung nach gewann. 1566
starb er in Madrid.148
BarbarInnen und Indígenas
Für die Fragestellung der vorliegenden Arbeit sind vor allem drei Werke von Las Casas
von Bedeutung: die 'Apología', die 'Apologética Historia Sumaria' und die 'Disputation'
(Aquí se contiene una disputa). Im folgenden wird versucht, aus diesen drei Werken eine
schlüssige und in sich kohärente Zusammenfassung seiner Position zu der Frage, ob die
Indígenas SklavInnen von Natur im aristotelischen Sinne seien, zu geben. Nicht
berücksichtigt werden dabei die zahlreichen Kapitel dieser drei Werke, die sich nicht
explizit mit dieser Frage beschäftigen.
Sämtliche seine Schriften zu dieser Frage sind als Antwort auf Sepúlvedas These zu
verstehen, was er zu Beginn der 'Apología' auch klar so deklariert. Er ist der Auffassung,
dass Sepúlveda Aristoteles nicht richtig verstanden habe, da letzterer nämlich nicht
einfach generell über BarbarInnen schreibe, sondern dass es gemäss Aristoteles drei
Arten von ihnen gäbe: Erstens gibt es BarbarInnen im weiten Sinne, was alle grausamen,
unmenschlichen und gnadenlosen Menschen meint, die gegen die menschliche Vernunft
handeln. Dies tun sie aus Wut oder natürlicher Beschaffenheit, so dass sie "hard, severe,
148 Gschwend / Good, Menschenrechte, S. 220ff.; Janik, Dieter / Lustig, Wolf (Hrsg.), Die spanische
Eroberung Amerikas. Akteure, Autoren, Texte. Eine kommentierte Anthologie von Originalzeugnissen,
Frankfurt a.M. 1989, S. 77ff.; Rech, Bruno, Bartolomé de las Casas und die Antike, in: Reinhard,
Wolfgang (Hrsg.), Humanismus und Neue Welt, Weinheim 1987, S. 167-197, hier: S. 169f.; Las Casas,
Bartolomé de, In Defense of the Indians, DeKalb 1992, S. 9.
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quarrelsome, unbearable, cruel" und wie wilde Tiere seien, während sie alle "decency,
meekness and human moderation" beiseite legen.149 Aristoteles sagt zu dieser ersten Art,
dass dies Einzelfälle seien, zu denen jeder noch so gute Mensch, also auch GriechInnen,
werden könne, was auch von vielen Kirchenvätern unterstützt wird. Zu dieser ersten
Gruppe gehören alle diejenigen, die aus Wut, Hass oder einem anderen starken Gefühl
irgendetwas gewaltsam verteidigen und dabei die Vernunft und Tugend komplett
vergessen.150 So können hier auch ChristInnen eingeordnet werden, wie z.B. die
Conquistadores, die Indígenas misshandelt hatten. 151
In der 'Disputation' definiert er diese erste Art ein wenig anders. Zu ihr gehören "jene
Leute, die in ihren Auffassungen oder Gewohnheiten eine gewisse Fremdartigkeit an den
Tag legten, denen es aber nicht an politischer Ordnung oder Klarheit für ihr Regiment
fehlte".152
Die zweite Art sind die, die keine Schriftsprache haben, die zu der gesprochenen gehört,
und sich so nicht ausdrücken können. Sie sind unkultiviert und "ignorant of letters and
learnung". Diese Ansicht vertreten auch Aquin und viele andere Kirchenväter. BarbarInnen
dieser Art sind es aber nicht im absoluten sondern in einem beschränkten Sinne durch
Umstände. Diese können immer noch weise, mutig und klug sein und ein sesshaftes
Leben führen, so wie die Griechen die Römer BarbarInnen nannten. Entsprechend meint
Aristoteles auch nicht diese, wenn er von der natürlichen Sklaverei schreibt, da sich
natürliche SklavInnen nicht selbst regieren können. Im Gegenteil, BarbarInnen zweiter Art
können sogar Königreiche mit rechtmässigen Herrschern haben, welche zwar fast
tyrannisch herrschen, aber vom Volk geliebt werden. 153 Über diese schreibt Aristoteles im
dritten Buch der 'Politik', wo er anerkannte, dass auch sie "wahre Reiche und natürliche
Könige und Herren samt Regierung" haben.154 Auch wenn sie sonst vieles nicht
beherrschen, weil ihnen vieles wie z.B. die Schrift fehlt, so haben sie doch die Fähigkeit,
sich selbst zu regieren. Ihre Regierung ist legitim und natürlich, auch wenn sie tyrannische
149 Las Casas, Defense, S. 28f.
150 Las Casas, Defense, S. 29; Las Casas, Bartolomé de, Kurze apologetische Geschichte, in: Mariano
Delgado (Hrsg.), Werkauswahl, Bd. 2, Paderborn et al. 1995, S. 325-512, hier: S. 496ff.
151 Las Casas, Defense, S. 53.
152 Las Casas, Bartolomé de, Die Disputation von Valladolid, in: Mariano Delgado (Hrsg.), Werkauswahl,
Bd. 1, Paderborn et al. 1995, S. 337-436, hier: S. 371.
153 Las Casas, Defense, S. 30ff, Zitat: S. 30; Las Casas, Apologética, S. 498.
154 Las Casas, Disputation, S. 371.
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Züge hat. Diese Völker gebrauchen also die Vernunft und die Bevölkerung erfährt Frieden
und Gerechtigkeit. Sie sind deswegen in Übereinstimmung mit Aristoteles keine
SklavInnen von Natur, sondern leben "in accord with justice and nature, have kingdoms,
royal dignities, jurisdiction, and good laws, and there is among them lawful
governement".155
Die dritte Art sind BarbarInnen im eigentlichen Sinne des Wortes. Dies, da sie aufgrund
ihres schlechten und boshaften Charakters grausam, wild, dumm und bar jeder Vernunft
sind. Sie können nicht von Gesetzen regiert werden, kennen keine Freundschaft und
haben weder Staaten oder politisch organisierten Gemeinschaften. Sie sind ohne
Herrscher, Gesetze und Institutionen, heiraten nicht, betrieben keinen Handel und
schliessen auch keine Verträge ab, sondern leben wie wilde Tiere. Es sind "diejenigen, die
dank ihren verderbten Sitten und ihrem ungebildeten Geist sowie durch brutale Neigung
wilden Tieren gleich sind und auf dem Land leben, ohne Städte und Häuser, ohne
zivilisierte Lebensweise und Gesetze, ohne Riten oder Verträge".156 Diese Art wird von
Aristoteles SklavInnen von Natur genannt, da sie keine natürliche Regierung und keine
politischen Institutionen haben.
157
Hier sollten wir die aristotelische Lehre anwenden, und
diese BarbarInnen sollten von natürlichen Herren beherrscht werden, um sie so zu
zivilisierten und rationalen Menschen zu erziehen, während sie im Gegenzug für ihre
Herrn arbeiten, womit beide profitieren. Jedoch müssen auch diese sanft überzeugt und
liebend zur Zivilisation geführt werden, nicht gejagt und gezwungen, wie Aristoteles dies
vorschlage: "Good-bye Aristotle! From Christ the eternal truth, we have the command 'You
must love your neighbour as yourself'", eine Ausbeutung ist also verboten. 158 Solche
BarbarInnen sind aber in Übereinstimmung mit Aquin sehr selten, genau wie Helden oder
Halbgöttinnen oder Menschen, die mit einem Auge oder den Sohlen auf den Füssen
geboren werden. Es sei aus natürlichen und göttlichen Gründen nicht möglich, dass es ein
ganzes Volk oder eine ganze Region gibt, das so ist, da dies der rationalen Natur und der
Schöpfung zuwiderlaufe.159 Dies, da Gott allmächtig, allwissend und allgütig ist.
Neben den drei oben genannten Arten der Barbarei gibt es aber gemäss Las Casas auch
155
156
157
158
159
Las Casas, Defense, S. 42.
Las Casas, Disputation, S. 371; Las Casas, Apologética, S. 499ff.
Las Casas, Defense, S. 32f.
Las Casas, Defense, S. 38ff, Zitat: S. 40.
Las Casas, Defense, S. 33ff.
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noch eine vierte, die sich bei Aristoteles nicht finden lässt. Diese Art umfasst all diejenigen,
die nicht an Gott glauben, die keine ChristInnen sind. Nur das Christentum führt aus der
Barbarei, egal wie zivilisiert ein Volk auch ist. Die TürkInnen und AraberInnen sind also
genau so BarbarInnen wie es die GriechInnen und RömerInnen waren, unabhängig wie
hoch entwickelt ihr Regierungssystem ist oder war. 160
Nach dieser Kategorisierung der BarbarInnen schliesst Las Casas, dass die Indígenas
zwar BarbarInnen seien, aber solche der zweiten Art, und ihnen fehle nur das Christentum,
welches sie bereitwillig als vernunftbegabte Wesen annehmen wollen. 161 Trotz gewisser
minderwertigen Gewohnheiten seien sie keine BarbarInnen der dritten Art, da sie eine
hinreichend zivilisierte Lebensweise besitzen:162 Sie beherrschen mechanische Künste,
teilweise besser als zivilisierte Länder, kennen Kunst und lernen Grammatik und Logik
sehr schnell. Ebenso schnell geben sie ihre barbarischen Bräuche wie das Menschenopfer
auf, sobald sie von dem Christentum erfahren haben.163
Er gibt sich grosse Mühe, zu zeigen, dass "alle Völkerschaften dieses unseres Westindien
staatskundig und gut regiert waren" und die Indígenas auf vernünftige Weise lebten.
Zudem seien sie mit den drei Arten der Klugheit begabt und erfüllen die sechs
Bedingungen, die Aristoteles für den funktionierenden Staat aufstellt:164 sie verfügen
sowohl über monastische, ökonomische, als auch politische Klugheit 165, und das zwar
sowohl bei der Priesterschaft, bei den Richtern, den BäuerInnen, den HandwerkerInnen,
den Kriegern und den Wohlhabenden,166 was er in der 'Apologética' während 220 Kapiteln
zeigt. Ihr Staatswesen kam vielen anderen bedeutenden und staatskundigen Völkern wie
z.B. Rom oder Griechenland gleich und übertraf noch mehr, wie z.B. England, Frankreich
und Teile von Spanien. Auch in ihren Sitten seien die Indígenas unzähligen weiteren
Völkern überlegen.167
Die Indígenas sind also nicht barbarischer als die SpanierInnen, wenn vom fehlenden
Christentum abgesehen wird. Sie gehören weder zu der ersten Art, weil diese akzidentiell
160
161
162
163
164
165
166
167
Las Casas, Defense, S. 53; Las Casas, Apologética, S. 502ff.
Las Casas, Defense, S. 42ff.
Las Casas, Disputation, S. 371f.
Las Casas, Defense, S. 44f.
Las Casas, Apologética, S. 489.
Las Casas, Apologética, S. 353-367.
Las Casas, Apologética, S. 380-489.
Las Casas, Apologética, S. 490.
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und nicht naturgegeben ist, da nicht ein ganzes Volk in solche Fehler verfallen könne, aber
auch nicht zur dritten Art, "weil sie ihre Königreiche und Könige, ihre Staatsordnungen, ihre
gut regierten und wohlgeordneten Gemeinwesen, ihre Heimatorte, Besitzungen und
Haushalte haben; sie leben mit Gesetzen, besonderen Rechten und Verordnungen; sie
üben eigene Gerichtsbarkeit aus, und damit schaden sie niemandem".168
Wenn Aristoteles also über SklavInnen von Natur schreibt, dann meint er damit nur die
dritte Art von BarbarInnen, denn nur über diese schreibt er gemäss Las Casas im ersten
Buch der 'Politik'. Sepúlveda kann also die aristotelische Theorie der Sklaverei von Natur
nicht benutzen, um seine Position zu untermauern, da er nicht versteht, dass Aristoteles
genau wie die Kirchenväter Unterscheidungen zwischen verschiedenen Barbarei-Arten
macht.169 Auch ist die Beschreibung der Indígenas durch Sepúlveda falsch. Dieser
erzähle, da er selbst nie in Lateinamerika war, gestützt auf Oviedo nur Lügen über sie, da
Oviedo ein "räuberischer Tyrann und Hauptfeind der Indios gewesen ist, wie er selbst [...]
eingesteht". Er könne also nicht, wie von Sepúlveda behauptet, als gewichtige und
führende Quelle aufgeführt werden, um zu zeigen, dass die Indígenas minderwertig
seien.170 Im Gegenteil: "The Indians are our brothers and Christ has given his life for them"
und sie sind weder dumm noch barbarisch sondern sehr bereit, den Glauben zu
empfangen.171
Las Casas und Aristoteles
Las Casas ist Teil einer weit ins Mittelalter zurückreichenden Tradition und hatte
insbesondere zu Thomas von Aquin grosse Bezüge. 172 So hatte er denn auch
verschiedene Berührungspunkte mit Aristoteles, der im 16. Jh. noch immer eine Autorität
war, an der niemand vorbei kam.173 Wie dieser war Las Casas auch der Auffassung, dass
das Klima die Menschen bzw. Völker, ihren Geist und ihre Sitten beeinflusst. 174 Die
Theorie, dass es von Natur aus Herren und SklavInnen gäbe, war für Las Casas
168
169
170
171
172
173
174
Las Casas, Apologética, S. 509ff, Zitat; S. 511.
Las Casas, Defense, S. 53.
Las Casas, Disputation, S. 406f.
Las Casas, Defense, S. 362.
Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 164ff, 180ff.
Delgado, Sklaven von Natur?, S. 371f.
Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 174f.
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grundsätzlich denkbar, wenn auch noch nicht nachgewiesen.175 Auch stellt er mit
ausdrücklichem Bezug auf Aristoteles und seine 'Politik' fest, dass der Mensch von Natur
ein soziales Wesen sei.176
Für die These, dass Las Casas ein Aristoteliker sei, spricht, dass er in der 'Apologética'
hunderte von Kapiteln dafür aufwendet, um zu beweisen, dass die Indígenas die von
Aristoteles formulierten Kriterien des funktionierenden Staates erfüllen.177
Auch konnte er durch seine vierte, rein theologische Art der Barbarei eine Kategorie
schaffen, in die die Indígenas zusammen mit dem antiken Rom und Griechenland
einzuordnen sind, was einen Kulturvergleich erst wirklich erlaubt, auch was die
Menschenopfer angeht, die auch in der europäischen Antike praktiziert wurden. 178 Auch
sah Las Casas in Lateinamerika die Erfüllung der Versprechen der Antike und stellte so
eine weitere Verbindung her. Selbst wenn er an Lateinamerika oder den Indígenas etwas
kritisierte, so verband er dies mit der Antike.179
Des weiteren war Aristoteles eine Grundlage des gelehrten Unterrichts, den Las Casas
kennen musste. Seine Argumentation zu Gunsten der Indígenas ist im Gegensatz zu
Sepúlveda und den Vertretern der natürlichen Sklaverei auch wesentlich breiter, brauchte
er doch nicht nur die 'Politik', sondern auch noch weitere Werke Aristoteles. Dabei betont
er mehrmals Gemeinsamkeiten zwischen ihm und Aristoteles, was gemäss Rech darauf
schliessen lässt, dass Aristoteles für ihn normative Bedeutung erlangt hatte: "Ohne
Aristoteles ist auch die christliche Ethik nicht denkbar".180 Die Antike und ihre Autoren
waren für Las Casas eine geistige Macht, "ohne die seine Gedanken nicht verständlich
wären".181
O'Gorman war gar der Meinung, dass "all of Las Casas' thought [...] fundamentally
Aristotelian" sei.182 Hanke weist dies aber scharf zurück: Es treffe zwar zu, dass Las
175 Delgado, Sklaven von Natur?, S. 374; Phelan, John, The Apologetic History of Fray Bartolome de las
Casas, in: The Hispanic American Historical Review, Vol. 49, No. 1, Durham 1969, S. 94-99, hier: S. 98.
176 Pérez Luño, Naturrechtslehre, S. 192f.
177 Phelan, Las Casas, S. 96.
178 Nippel, Griechen, Barbaren und »Wilde«, S. 49.
179 Rech, Las Casas, S. 193f.
180 Rech, Las Casas, S. 170-177, Zitat; S. 177.
181 Rech, Las Casas, S. 193.
182 O'Gorman, Eduardo, Sobre la naturaleza besital del indio americano, in: Filosofía y Letras, No. 2,
Mexico 1941, S. 305-315, hier: S. 312, zit nach: Hanke, Lewis, Bartolome de Las Casas. An Essay in
Hagiography and Historiography, in: The Hispanic American Historical Review, Vol. 33, No. 1, Durham
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Casas 1550/1 die These Aristoteles bezüglich der Sklaverei von Natur zu akzeptieren
scheint, und es in seinem Werk auch viele Referenzen auf ihn gibt. Jedoch verteidigt oder
erweitert er diese Theorie nie, sondern begrenzt sie enorm, da natürliche SklavInnen, wie
oben gezeigt, gemäss Las Casas als Fehler der Natur zu bezeichnen seien. Auch ist es
argumentativ besser und stärker, zu zeigen, dass Aristoteles Konzept nicht auf
Lateinamerika und die Indígenas anwendbar ist, anstatt Aristoteles frontal anzugreifen. 183
Auch wenn dies grundsätzlich zutrifft, und es bis heute in der Philosophie als elegante und
überlegene Art zu argumentieren gilt, den Gegner quasi auf eigenem Terrain zu schlagen,
so stellt Hanke doch in diesem Aufsatz Las Casas auf ein sehr hohes Podest, und weist
alles zurück, was nicht in sein Las Casas-Bild passt.184
Gegen die These, Las Casas sei Aristoteliker, spricht auch, dass er, im Unterschied zu
Sepúlveda, der seine Argumentation sehr stark auf Aristoteles aufbaut, diese These
ebenfalls mit einem Rückgriff auf Aristoteles zu widerlegen versucht, daneben aber auch
noch sehr viele andere Autoritäten zitiert, allen voran Thomas von Aquin, auf welchen er
immer wieder explizite und implizite Verweise macht.185 Daneben bringt er eine Fülle von
Argumenten gegen Sepúlvedas Standpunkt vor, die keinerlei Zusammenhang mit
Aristoteles haben. So ist es denn auch nur einer von zwölf Einwänden gegen Sepúlveda,
die er in der 'Disputation' macht.186 Auch in der Disputation von Valladolid ist Aristoteles
nur ein Punkt unter anderen, über den sich Las Casas nicht sehr breit auslässt.187
Im Unterschied zu Aristoteles war Las Casas absolut der Ansicht, dass es keine
fundamentalen Unterschiede zwischen SpanierInnen und Indígenas gibt: "So gibt es denn
ein einziges Menschengeschlecht, und alle Menschen sind, was ihre Schöpfung und die
natürlichen Bedingungen betrifft, einander ähnlich".188 Daraus ergibt sich in Einklang mit
dem aristotelisch-thomistischen Denken der Grundsatz, dass jeder Mensch frei über sich,
1953, S. 136-151, hier: S. 144.
183 Hanke, Las Casas, S. 145f.
184 Hanke, Las Casas, S. 149ff.
185 Eggensperger, Thomas, Der Einfluss des Thomas von Aquin auf das politische Denken des Bartolomé
de Las Casas im Traktat „De imperatoria vel regia potestate“. Eine theologisch-politische Theorie
zwischen Mittelalter und Neuzeit (Philosophie Bd. 42), Münster 2001, S. 155-160.
186 Las Casas, Disputation, S. 350-372, S. 390-436.
187 Hanke, All Mankind is One, S. 87-107.
188 Las Casas, Apologética, S. 377.
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seine Person und seine Güter bestimmen kann.189
Gschwend und Good versuchen diesen Konflikt aufzulösen: Las Casas relativiere die von
Thomas von Aquin rezipierte aristotelische These, wonach es geborene Untertanen oder
SklavInnen und geborene Herren gäbe, welche erstere zum Menschsein hinführen
müssen. Er "erkannte jedoch bald, dass eine wissenschaftliche Fundierung im System der
Scholastik nur dann im politischen Diskurs auf Akzeptanz stossen konnte, wenn die eigene
Lehre und Argumentation mit der aristotelischen Philosophie synthetisiert wurden, beruhte
doch die spanische Spätscholasitk wie die gesamte christliche Naturrechtslehre seit dem
13. Jh. weitgehend auf dem Aristotelismus".190
189 Gschwend / Good, Menschenrechte, S. 243.
190 Gschwend / Good, Menschenrechte, S. 240f.
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FAZIT
Wie festgestellt wurde, gibt es nicht einfach die antike Sklaverei. Von der mykenischen
Palastkultur über die frühdorischen Abhängigkeitsverhältnisse bis hin zu Athen, das von
vielen ForscherInnen als Sklavereigesellschaft angesehen wird, gibt es über die
Jahrhunderte unzählige Formen und Abstufungen von Unfreiheit und Sklaverei, und mit
der Gegenüberstellung von athenischer Sklaverei und der spartanischen Praxis des
Helotismus existieren sogar zeitgleich so verschiedene Sklavereiformen, dass gewisse
antike Autoren, die sonst kein grosses Problem mit der Sklaverei hatten, zum Schluss
kommen konnten, dass die HelotInnen das bedauernswerteste Schicksal unter allen
Menschen tragen mussten.191
Ebenfalls lässt sich auf einer theoretischen Ebene kein einheitliches Sklavereibild
feststellen. Auch wenn es nichts als vernünftig ist, dass verschiedene AutorInnen
verschiedene Meinungen haben, so erstaunt es doch sehr, festzustellen, wie inkohärent
und widersprüchlich auch ein einziger Autor, hier Aristoteles, über die Sklaverei schreiben
kann. Nichtsdestotrotz war seine Theorie der SklavInnen von Natur eine wegweisende und
jahrhundertelang auch grundlegende Idee in der europäischen Geistesgeschichte. Die
Idee, dass gewisse Personen oder gar Gruppen von Personen minderwertig aufgrund
ihrer Natur seien, lässt sich von Aristoteles über Thomas von Aquin bis hin zu John Mayor
und Sepúlveda feststellen. Letzterer, bekannt als Aristoteles-Übersetzer und -Verehrer,
kam zum Schluss, dass die Indígenas aufgrund ihrer fehlenden politischen Strukturen,
ihrer barbarischen Lebensart, dem Fehlen von schriftlichen Gesetzen und Schrift
allgemein, ihren Riten und Sitten wie Kannibalismus, Menschenopfer und Götzenkult
sowie ihren zahlreichen Verstössen gegen natürliches und göttliches Recht SklavInnen
von Natur seien, und als solche von den SpanierInnen, die er als die beste Nation
überhaupt charakterisierte, beherrscht werden müssten.
Diese Position blieb jedoch nicht unwidersprochen. Mehrere Personen, insbesondere aus
dem Umfeld der Kirche, protestierten scharf gegen diese Einstellung und die daraus
resultierenden Konsequenzen sowie die tatsächliche Situation in Lateinamerika, wo
Millionen von Indígenas ausgebeutet wurden, Schwerstarbeit leisten mussten und direkt
191 Herrmann-Otto, Sklaverei und Freilassung, S. 62.
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oder indirekt wegen der Conquista starben. Sie erreichten mehrere Gesetze in Spanien,
die jedoch alle die Situation nicht grundlegend ändern konnten, trotz expliziten Verboten
von Sklaverei, Ausbeutung und unangekündigten Angriffen. Im Gegenteil: Auf Druck der
Conquistadores und Encomenderos wurden sogar mehrere zentrale Gesetze wieder
zurückgenommen, und die Situation der Indígenas bleibt bis heute menschenverachtend
und diskriminierend.
Eine Person, die sich sowohl auf einer theoretischen als auch auf einer praktischen Ebene
sehr stark für die Indígenas einsetzte, war Las Casas. Er, der ein Grossteil seines Lebens
in Lateinamerika verbracht hatte, und so das Potential des Landes und der Menschen,
aber auch die furchtbaren Verbrechen, die ihnen angetan wurden, aus erster Hand kannte,
verfasste neben seinem Einsatz als Bischof und Lobbyist mehrere Schriften zu dem
Thema. Darin widerspricht er den Sepúlvedas seiner Zeit, die behaupteten, die Indígenas
seien so barbarisch, dass sie SklavInnen von Natur aus seien, in dem er seine eigenen
Erfahrungen und Wahrnehmung der Indígenas verbreitet, und auf hohem theoretischen
Niveau gegen die These, die Indígenas seien SklavInnen von Natur, argumentiert. Dabei
benutzt er wie auch sein grösster Gegner Aristoteles, stützt sich jedoch auch auf unzählige
weitere Autoren und Quellen.
Wie dargestellt ist sich die Forschung in keiner Bewertung der drei zentralen Autoren einig.
Aristoteles wird als ethnozentrischer Verteidiger seiner Lebensart diffamiert und als
eigentlicher Gegner der Sklaverei verteidigt, Sepúlveda als bezahlter Interessenvertreter
der Encomenderos und Befürworter der Sklaverei verdammt und als Humanist gelobt, der
für eine menschliche und positiv-paternalistische Beziehung zu den Indígenas eintrat, und
Las Casas wird als Befürworter der Versklavung von AfrikanerInnen verabscheut und als
brillanter Verteidiger der Indígenas bejubelt.
Beide hatten eine sehr verschiedene Wahrnehmung der Antike. Während Las Casas stark
in der scholastischen Tradition der Antikerezeption stand, und sowohl die Antike als auch
Aristoteles christlich umdeutete, wollte Sepúlveda in seinen Aristoteles-Übersetzungen
möglichst nahe und in unverfälschter Art und Weise an das Original gelangen, auch wenn
er sich zu der Behauptung verstieg, schon Aristoteles sei eigentlich Christ gewesen.
Bezüglich der Interpretation Aristoteles könnte der Unterschied zwischen ihnen nicht
grösser sein. Während Sepúlveda versuchte, die zahlreichen Widersprüche und
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Unklarheiten bei Aristoteles und seinem Konzept der Sklaverei von Natur in Einklang zu
bringen, um daraus ein brauchbares Mittel zu erhalten, um zu beurteilen, ob die Indígenas
SklavInnen von Natur aus seien, und dies bejahen kann, geht Las Casas einen
entgegengesetzten Weg: Er interpretiert diese Widersprüche und Unklarheiten bei
Aristoteles als verschiedene Formen der Barbarei und Sklaverei, und kann so nicht völlig
abwegig aufzeigen, dass die Indígenas auch gemäss Aristoteles keine SklavInnen von
Natur aus, sondern im Gegenteil den SpanierInnen in vielem überlegen und sehr bereit
seien, das Christentum anzunehmen.
Bei der Art und Weise, wie sie zu ihren Resultaten gelangen, sind sie sich aber ziemlich
ähnlich. Beide gehen von ihrem Ziel her vor, und benutzen Aristoteles danach, um für ihre
Position ein Autoritätsargument zu finden. Bei Sepúlveda ist diese teleologische
Herangehensweise extrem stark, er ähnelt hier weitgehend seinem antiken Vorbild, und
betont auch bei der Diskussion über die Behandlung der Indígenas immer wieder das Ziel
dieser Herrschaft, dem alles unterzuordnen sei: ihre Erziehung zu zivilisierten ChristInnen.
Auch wenn Las Casas nicht ganz so stark teleologisch argumentiert, sondern in den
Indígenas viele Werte und Tugenden an sich entdecken kann, so dient ihm Aristoteles viel
mehr als bei Sepúlevda als Mittel zum Zweck, um zu zeigen, dass die Indígenas nur ohne
die von Sepúlveda propagierte Versklavung wirklich zum Christentum finden können.
Aufgrund der umfassenden Literatur zu allen drei Autoren konnte im Rahmen dieser Arbeit
leider nicht auf alle Aspekte eingegangen werden, und auch die Darstellung und Analyse
musste an mehreren Orten unvollständig bleiben. Weitere spannende Forschungsthemen
wären die angesprochenen Interpretationsunterschiede bei Aristoteles SklavInnen von
Natur, die Frage, ob Sepúlveda wirklich für Sklaverei von Natur oder nicht doch eher für
Leibeigenschaft bzw. Dienertum von Natur argumentierte oder die wahre Stellung von
Aristoteles bei Las Casas. Auch ein Vergleich der teleologischen Geisteshaltungen der
drei Autoren könnte viele spannende und neue Erkenntnisse hervorbringen, genau wie
Untersuchung der Einflüsse der römischen Philosophie, Gesetze und Gedanken zu
diesem Thema auf Sepúlveda oder Las Casas.
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Aristoteles in Valladolid
Thomas Leibundgut
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SELBSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG192
Ich erkläre hiermit, dass ich diese Arbeit selbständig verfasst und keine anderen als die
angegebenen Quellen benutzt habe. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäss aus
Quellen entnommen wurden, habe ich als solche gekennzeichnet. Ich erkläre ausserdem,
dass ich weder die ganze Arbeit noch Teile davon ohne Absprache mit der Betreuerin/dem
Betreuer in einer anderen Lehrveranstaltung in mündlicher oder schriftlicher Form zur
Erlangung eines Leistungsnachweises eingereicht habe. Mir ist bekannt, dass ich
andernfalls ein Plagiat beziehungsweise einen Betrug begangen habe und dies mit der
Note 1 bestraft wird. Ich weiss, dass zusätzlich weitere Sanktionen gemäss den
„Richtlinien der Universitätsleitung betreffend das Vorgehen bei Plagiaten“ vom 28. August
2007 und gemäss Artikel 36 Absatz 1 Buchstabe o des Gesetzes vom 5. September 1996
über die Universität ergriffen werden können. Dazu gehört im Falle von BA-Arbeiten
insbesondere der Entzug des aufgrund dieser Arbeiten verliehenen Titels.
Basel, am 01. Juli 2011
..........................................................
Thomas Leibundgut
192 http://www.hist.unibe.ch/content/studium/ahndung_von_plagiaten/index_ger.html (14. Juni 2011)
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