Initiative Insektengift-Allergie

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ASSOZ.-PROF. DR. GUNTER STURM
Facharzt für Dermatologie, stellvertretender Leiter des Allergieambulatoriums am Reumannplatz, Wien
Keine Zeit für’s (Über)leben?
Lebensgefährlicher Leichtsinn: Nur jeder fünfte Allergiker lässt sich behandeln
29. April 2015 – Jedes Jahr schockieren mehrere Todesfälle aufgrund eines Bienen- oder
Wespenstiches ganz Österreich. Trotzdem wird die Insektengift-Allergie zu häufig nicht ernst
genommen. Nur zwei von zehn Allergikern werden mit einer Insektengift-Immuntherapie
behandelt, die praktisch zu 100 Prozent wirkt. Nur die Hälfte der Patienten bringt diese
Therapie schließlich auch tatsächlich zu Ende und hat so nachhaltigen Schutz und Sicherheit.
Das häufigste Argument für einen vorzeitigen Therapieabbruch: Zeitmangel. Warnzeichen zu
ignorieren oder die lebensgefährliche Erkrankung zu banalisieren, ist jedoch ein russisches
Roulette!
Ein Stich genügt und Menschen, die gegen Bienen- oder Wespengift allergisch reagieren, können
innerhalb weniger Minuten in Lebensgefahr schweben – oder sogar sterben. Dennoch wird die
Insektengift-Allergie nach wie vor stark unterschätzt. Viele Patienten suchen erst Jahre später einen
Arzt auf – wenn überhaupt. Dabei verpassen Insektengift-Allergiker die wichtige Chance, sich durch
die potenziell lebensrettende Behandlung mit der spezifischen Immuntherapie langfristig und sicher zu
schützen. Nur zwei von zehn der Behandlungsbedürftigen sind in Therapie.1 Anders gesagt: 80
Prozent riskieren Sommer für Sommer aufs Neue ihr Leben.
Hauptargument für Therapieabbruch: Keine Zeit
Sorglosigkeit und Leichtsinn halten von der wichtigen Therapie-Entscheidung ab, sowie die häufige
Tatsache, dass einem Großteil der Allergiker diese Möglichkeit einfach nicht bekannt ist. Weiteres
besorgniserregendes Faktum ist eine hohe Therapieabbruchrate. Eine aktuelle Studie aus Österreich
erhob, wie viele (bzw. wie wenige) der Patienten, die sich für eine Therapie entschieden haben, sie
auch zu Ende führen. Das ernüchternde Ergebnis: Nur die Hälfte der Patienten (51,3%) beendete die
Therapie nach Plan.2 Bei einer spezifischen Immuntherapie treten Nebenwirkungen selten auf und
sind in der Regel mild. Gerade deshalb wirft die hohe Anzahl an Therapie-Abbrechern viele Fragen
auf. Eine weitere österreichische Studie ging dem nach und hat Gründe eruiert – an erster Stelle:
Zeitmangel!3
Spezifische Immuntherapie hilft praktisch immer
Die schlechte Akzeptanz verwundert angesichts der Tatsache, dass kaum eine andere medizinische
Therapie einen derart guten Wirkungsnachweis erbringen kann. Durch eine korrekt ausgeführte
spezifische Immuntherapie kann sich nahezu jeder Patient fast 100-prozentig schützen. Die
Erfolgsrate bei Bienengiftallergie beträgt mehr als 85 Prozent, bei einer Wespengiftallergie kann man
von einem 95-prozentigen Erfolg ausgehen. 4 Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die
Behandlung, deren Kosten von der Krankenkasse zur Gänze übernommen werden, daher
ausdrücklich auch für Kinder.
So funktioniert die Immuntherapie
Im Zuge dieser Behandlung bekommt der Patient den Allergie-Auslöser in anfangs steigender
Dosierung in den Oberarm injiziert. Die Immuntherapie gewöhnt den Körper nachhaltig an das
Insektengift, wodurch die allergische Reaktion deutlich schwächer ausfällt. Der Erfolg zeigt sich
bereits nach einer kurzen Behandlungszeit.
Zur Wahl stehen zwei Varianten: Die konventionelle Therapie, die von einem niedergelassenen Arzt
durchgeführt werden kann. Sie dauert mehrere Monate und sollte daher vor der warmen Jahreszeit
begonnen werden. Weiters gibt es ein Schnell-Schema, für das ein kurzer Aufenthalt im Krankenhaus
erforderlich ist. Vorteil dieser schnellen Option ist, dass die Therapie kurz vor oder sogar während der
Saison gestartet werden kann und dass ein sicherer Schutz bereits nach den ersten Wochen erreicht
ist. Nach diesen Steigerungsphasen ist nur noch eine Spritze etwa alle vier Wochen nötig. Diese
Folgebehandlungen können auch beim niedergelassenen Facharzt in der Ordination durchgeführt
werden. Nach drei bis fünf Jahren Therapie ist in beiden Fällen ein langfristiger Schutz vor einer
lebensgefährlichen Reaktion aufgebaut.
Eine erfreuliche Nachricht gibt es auch für all jene, die auf Stiche von Hummel oder Hornisse
reagieren: Auch hier hilft die Behandlung, da sich die Giftzusammensetzung Biene / Hummel und
Wespe / Hornisse stark ähnelt. Dank der hochwirksamen Therapie können Insektengift-Allergiker mit
einem sicheren Gefühl gefahrlos durch den Sommer kommen. Zusätzlich führt der wirksame Schutz
vor neuerlichen lebensbedrohlichen Reaktionen zu einer wesentlichen Verbesserung der
Lebensqualität. Der Appell: Allergiker sollten dringend die Gefahr ernst und sich die Zeit für eine
Therapie nehmen!
Kein Ausflug ohne Notfallapotheke!
Zusätzlich sollten Allergiker auch immer für den Notfall gerüstet sein. Das gilt vor allem für jene, die
(noch) nicht durch die Immuntherapie geschützt sind. Denn tritt eine allergische Reaktion auf, kann
binnen weniger Minuten der ganze Körper betroffen sein. Das Ausmaß ist nicht vorhersehbar, der
Verlauf unkalkulierbar. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt (siehe Abbildung).
Wird man gestochen, heißt es für den Allergiker rasch handeln und Ruhe bewahren! Den
(Bienen)Stachel rasch wegkratzen, danach die verordneten Notfallmedikamente anwenden und den
Notarzt rufen. Die Medikamente Antihistaminikum und Kortison wirken entzündungshemmend bzw.
antiallergisch und abschwellend, sind aber auf keinen Fall ausreichend, eine schwere allergische
Reaktion zu bekämpfen. Es ist deshalb zusätzlich das Hormon Adrenalin notwendig, das in den
Muskel gespritzt werden muss. Adrenalin ist in Form eines hilfreichen Autoinjektors verfügbar. Es
stabilisiert in Minutenschnelle den Kreislauf und kann damit fatale Schockreaktionen verhindern. Doch
nur bei etwa einem Viertel der selbst behandelten Notfälle wird Adrenalin verabreicht.5 Wichtig:
Lebensrettende Medikamente müssen für den Ernstfall immer griffbereit sein und auch zeitgerecht
erneuert werden (begrenzte Haltbarkeit)!
Kontakt für Journalisten-Rückfragen:
Assoz.Prof. Dr. Gunter Sturm
Facharzt für Dermatologie
Stv. Leiter Allergieambulatorium am Reumannplatz
T: 01 / 604 24 70
E: [email protected]
© privat
1
Przybilla B et al. Anaphylaxie auf Insektenstiche. Der Hautarzt 2014; 768-9
Bokanovic D, Schwarz I, Laipold K, Smolle C, Schrautzer C, Wutte N, Aberer W, Sturm GJ. Adherence to venom
immunotherapy: When do we lose patients? Abstract, in press
3 Jurilj, M; Schuster, C; Fruhauf, J; Horn, T; Aberer, W; Sturm, G Patients' compliance during specific allergen immunotherapy frequency of dropouts and underlying reasons. Allergy. 2008; 63: 146-146
4 Rueff F, Przybilla B. Allergo J 2005; 14:560-8
5 NORA, Allergy 2014;69(10):1397-404
2
Text und Foto in Printqualität gibt’s bei Elisabeth Leeb, T: 0699/1 424 77 79, E: [email protected]
und auf www.initiative-insektengift.at (für Journalisten)
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