Presseinformation - Medizin & PR GmbH Gesundheitskommunikation

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P R E S S E I N F O R M A T I O N
Lungenhochdruck
Neue Wirkstoffe auf dem Prüfstand
Rheinstetten, 20. September 2010. Eine neue Generation von Medikamenten
sowie
weitere
Präparate
gegen
die
schwerwiegende
Erkrankung
Lungenhochdruck stehen derzeit auf dem Prüfstand. Die Hoffnung auf eine
Verbesserung in der Behandlung der seltenen Krankheit ist groß. Noch vor
wenigen Jahren gab es keine Medikamente, die bei dieser zum Teil
lebensbedrohlichen Krankheit helfen konnten. Erst seit zirka zehn Jahren
stehen
wirksame
Präparate
zur
Verfügung.
Mitglieder
des
Selbsthilfevereins pulmonale hypertonie e.v. (ph e.v.) haben an klinischen
Studien mit den neuen Medikamenten teilgenommen und berichten über
ihre Erfahrungen.
Beim Lungenhochdruck, auch pulmonale Hypertonie genannt, ist der Blutdruck in
den Gefäßen, die Herz und Lunge miteinander verbinden, deutlich erhöht.
Dadurch wird die rechte Herzkammer ständig überlastet, was für die Patienten
fatale Folgen haben kann. Die Krankheit macht sich meist durch Atemnot
bemerkbar, die Patienten sind kaum körperlich belastbar. Treppensteigen und
einfache alltägliche Arbeiten werden zur Tortur. Bruno Kopp, Vorsitzender des
Selbsthilfevereins pulmonale hypertonie e.v., sagte zur Bedeutung der
medikamentösen PH-Behandlung: „Eine Therapie mit wirksamen Medikamenten
kann bei schweren Formen des Lungenhochdrucks verloren gegangene
Lebensqualität wieder zurückbringen. Auch eine Verbesserung in kleinen
Schritten bedeutet für die Betroffenen im Alltag die Überwindung eines
Meilensteins.
Die
Entwicklung
von
modernen
und
verbesserten
Therapiemöglichkeiten kann deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden.“
Erst vor wenigen Jahren haben Wissenschaftler begonnen, die Ursachen zu
enträtseln, die zu einer pulmonalen Hypertonie führen. Dadurch wurde es
erstmals möglich, wirksame Medikamente gegen den Lungenhochdruck
einzusetzen. Die Präparate haben eine gefäßerweiternde Wirkung, so dass der
Blutdruck in den Lungengefäßen absinken kann. Doch nicht jeder Patient verträgt
die Medikamente gleich gut.
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Der Einsatz von Krebsmedikamenten
In klinischen Studien wird nun eine neue Generation von Substanzen auf ihre
Wirksamkeit und Verträglichkeit hin überprüft. Diese Medikamente sind
ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt worden. Da sie das übermäßige
Wachstum von Tumorzellen hemmen können, war die Vermutung nahe
liegend,dass
sie
auch
das
Dickenwachstum
der
Gefäßwände
beim
Lungenhochdruck hemmen.
Imatinib ist ein Vertreter dieser Wirkstoffklasse, der bislang gegen verschiedene
Tumorerkrankungen zugelassen ist. „Die Ähnlichkeit zwischen Wucherungen in
den Lungengefäßen und dem unkontrollierten Wachstum von Tumoren eröffnet
Erfolg versprechende Perspektiven für die Therapie des Lungenhochdrucks. Ein
Zurückdrängen des Umbaus der Lungengefäße mit Imatinib konnte zunächst in
Tierexperimenten gezeigt werden. Inzwischen deutet in einer weltweiten
klinischen Studie alles darauf hin, dass es mit Imatinib zu einem deutlichen
Rückgang des Gefäßwachstums kommt. Die Leistungsfähigkeit der Patienten
verbesserte sich, und das Herz wurde entlastet“, betont Prof. Hossein Ardeschir
Ghofrani, Leiter der Abteilung pulmonale Hypertonie am Zentrum der Inneren
Medizin des Universitätsklinikums Gießen und Marburg und Leiter der Abteilung
für allgemeine Pneumologie an der Kerckhoff Klinik, Bad Nauheim.
Ein langer Weg bis zur Besserung
Monika Vollmar aus Pfaffenhofen ist Mitglied im ph e.v. und leitet inzwischen
gemeinsam mit ihrem Mann die Selbsthilfegruppe in Bayern. Sie hat an einer der
Studien mit Imatinib teilgenommen. Im Jahr 1982 wurde bei der damals 39jährigen
durch
eine
Herzkatheter-Untersuchung
die
Diagnose
arterieller
Lungenhochdruck gestellt. Jahrelang litt sie zuvor unter wiederkehrenden
Ohnmachtsanfällen, Atemnot und geringer körperlicher Belastbarkeit. „Die
Diagnose war für mich zunächst ein großer Schock, aber dann ist es mir während
der nächsten Jahre gelungen, mein Leben so zu gestalten, dass ich alles
machen konnte, bis ich meine Grenzen gespürt habe“, berichtet Vollmar. Erst im
Jahr 1997 begann Vollmar eine Therapie mit einem Medikament, das spezifisch
bei Lungenhochdruck wirkt.
„So wie Frau Vollmar erging es vielen PAH-Patienten. Erst in den letzten zehn
Jahren haben Medikamente die Zulassung zur spezifischen Behandlung des
Lungenhochdrucks erhalten. Im Wesentlichen ist mit diesen Medikamenten eine
Verbesserung der Symptome zu erreichen. Bislang ist es jedoch nicht gelungen,
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die pulmonale Hypertonie ursächlich zu therapieren. Zukünftige Therapieansätze
sollten deshalb das Ziel haben, eine Heilung herbei zu führen“, erklärt Ghofrani.
Vollmar konnte ihre Therapie im Jahr 2005 aufgrund von verstärkten
Nebenwirkungen nicht mehr fortsetzen. Anfang 2006 wurde sie deshalb auf eine
neue
Kombinationstherapie
mit
zwei
verschiedenen
PH-Medikamenten
umgestellt, was nach rund zwei Monaten zu einer Verbesserung führte. Im
weiteren Verlauf des Jahres entschied sie sich an einer klinischen Studie mit
Imatinib teilzunehmen. „In den ersten Wochen der Einnahme bekam ich starke
Muskelschmerzen in den Oberschenkeln. Nach drei Wochen waren die
Schmerzen so plötzlich, wie sie gekommen waren, wieder verschwunden. Nach
einem halben Jahr kam dann endlich eine gute Nachricht: Bei einer
Herzkatheteruntersuchung wurde festgestellt, dass es eine positive Veränderung
gibt. Dann ergab schließlich das Röntgen, dass sogar die Vergrößerung des
rechten
Herzens
zurückgegangen
ist.
Inzwischen
nehme
ich
an
der
Langzeitbeobachtung teil und bekomme Imatinib bis heute“, schildert Vollmar ihre
Erfahrungen.
Neue Option für bislang unbehandelbare Formen des Lungenhochdrucks
Für besondere Formen des Lungenhochdrucks sind bislang überhaupt keine
Medikamente zugelassen. Ein neuartiger Wirkstoff, das Riociguat, ist nun auch
bei diesen Varianten des Lungenhochdrucks in der klinischen Prüfung. Riociguat
wirkt über denselben Weg wie die körpereigene gefäßerweiternde Substanz
Stickstoffmonoxid (NO). NO entspannt die Muskulatur der Gefäßwände, senkt
den Blutdruck in der Lunge und entlastet das Herz, indem es die Aktivität eines
bestimmten Enzyms beeinflusst. Bei Patienten mit Lungenhochdruck sind die
NO-Spiegel im Lungenkreislauf vermindert. Hier setzt der Wirkmechanismus von
Riociguat an.
„Erste
Langzeitergebnisse
dieser
Studien
bei
Patienten
mit
chronisch-
thromboembolischem Lungenhochdruck und pulmonaler arterieller Hypertonie
liegen nun vor. Sie zeigen, dass die Probanden ihre körperliche Belastbarkeit
dauerhaft verbessern konnten“, berichtet Ghofrani. „Mittlerweile werden je eine
zulassungsrelevante weltweite Studie für Patienten mit pulmonaler arterieller
Hypertonie und Patienten mit chronisch-thromboembolischem Lungenhochdruck
durchgeführt.“
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Weltrekordversuch
Pucker Up 4 PH ist eine Kampagne, die vom britischen PH-Selbsthilfeverein
initiiert wurde, um die Aufmerksamkeit zum Thema Lungenhochdruck weltweit zu
erhöhen. In mehr als zwölf Ländern unterstützen 20 PH-Verbände die Aktion.
Das Logo der Kampagne, die blauen Lippen, symbolisiert Zyanose als mögliches
Symptom der pulmonalen Hypertonie. Im Jahr 2010 wurde der Versuch gestartet,
einen Guinnes Weltrekord aufzustellen, mit der größten Sammlung blauer
Lippenabdrücke. Wer mithelfen will, die pulmonale Hypertonie bekannter zu
machen,
findet
weitere
Informationen
über
die
Aktion
unter
www.puckerup4ph.com.
Eine Information des
pulmonale hypertonie e.v.
Bundesgeschäftsstelle
Wormser Str. 20
76287 Rheinstetten
Bei Rückfragen:
Bruno Kopp, Vorsitzender ph e.v.
Tel.: 0721 / 3528 381
Fax: 0721 / 3528 880
E-Mail: info@phev.de
Homepage: www.phev.de
Redaktion:
Medizin & PR GmbH – Gesundheitskommunikation
Im Klapperhof 33a
50670 Köln
Bei Rückfragen:
Birgit Dickoré
0221 / 77 543 - 11
Dr. Judith Schmitz
0221 / 77 543 - 16
Ricarda Wille
0221 / 77 543 - 14
E-Mail: kontakt@medizin-pr.de
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