S pirituals

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Spirituals
Spirituals sind die geistlichen Gesänge der Neger. Ihre Entstehung ist zumeist nicht nachweisbar.
In den Texten spiegelt sich das Schicksal der schwarzen Menschen, die vor zwei Jahrhunderten
gewaltsam aus der afrikanischen Heimat entführt und als Sklaven in den USA verkauft wurden. Das
große Meer lag zwischen der Heimat und dem verhassten Land ihrer neuen weißen Herren als
unüberwindliches Hindernis für eine Rückkehr. Zwischen Weißen und Schwarzen tat sich eine tiefe
Kluft auf, da auch eine sprachliche Verständigung zuerst nicht möglich war.
Es blieb den Negern nichts anderes übrig, als ihren weißen Herren die Laute vom Mund
abzulauschen, um ihre Sprache zu erlernen. Da vor allem im südlichen Teil der Vereinigten Staaten
Einwanderer und Nachfahren von Eroberern lebten, die Englisch, Französisch oder Spanisch
sprachen, meistens im Dialekt, entstand ein Gemisch aus diesen drei Sprachen.
Musikalisch ist leicht nachweisbar, dass die Spirituals nicht von Weißen abstammen: verschiedene
Melodieabschnitte sind in der Musik der Weißen ungewöhnlich und weisen auf afrikanischen
Ursprung hin. Trommelrhythmen z.B.dienten dem Neger zur Begleitung seiner Stammestänze oder
zur Verständigung im Urwald.
Die rücksichtslose Ausbeutung der schwarzen Sklaven, abfällig “nigger” genannt, durch die Weißen
hat die Arbeit der Missionare in den Südstaaten Amerikas begünstigt und erfolgreich werden lassen.
Im Christentum wurde die ausgleichende Gerechtigkeit im Jüngsten Gericht und die ewige
himmlische Seligkeit nach dem erbärmlichen Leben auf dieser Erde versprochen. In den neu
entstehenden christlichen Gesängen kommt der ganze kindlich-naive Glaube zum Ausdruck. In den
Gottesdiensten, die unter freiem Himmel, in irgendeiner Lagerhalle oder an versteckten Plätzen
gehalten wurden, fanden sich die Neger zusammen und feierten auf ihre Weise: laut betend,
leidenschaftlich singend und tanzend.
Das Erbe ihrer afrikanischen Heimat wurde sichtbar: was einer vorsang, wurde von allen
nachgesungen, abgewandelt oder beantwortet. Diese Art des Vor- und Nachsingens ist ein typisches
Kennzeichen der Spirituals. Leader (Vorsänger), group (kleine Gruppe) und chorus (Gesang für
alle) wechselten sich ab.
Bekannte schwarze Sängerinnen wie Ella Fitzgerald, Mahalia Jackson, Josephine Baker und andere
tragen oder trugen in den großen Konzertsälen der Welt auf ihre unnachahmliche Weise Spirituals
vor. Sie möchten in dem geistlichen Gesang den Glauben an ein besseres Jenseits nach dem Elend
des Lebens auf dieser Erde deutlich werden lassen.
Die Lebendigkeit und der musikalische Reiz der Spirituals fesseln noch immer. Sänger, Bands und
Schallplattenfirmen haben daraus ein Geschäft gemacht und “Schlager” aus Spirituals produziert.
Dadurch verliert das Spiritual seinen ursprünglichen Sinn. Aus dem Gesang der Armut und der
seelischen Not wird ein Pop-song, der sich gut verkauft und in den Hitparaden steht.
Die Neger selbst haben sich von diesen Geschäftemachern abgewandt. Sie sind selbstbewusst
geworden und kämpfen offen um ihre Menschenrechte (Martin Luther King, “black power”).
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