Wahrheitsanspruch

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Hausarbeit im Rahmen der Kulturanthropologie/Historische Anthropologie (Modul 5)
des B.A. Studiengangs Kulturwissenschaften an der Fernuniversität Hagen
vorgelegt von
Fidel-Sebastián Hunrichse-Lara
Matrikel-Nr.: 6820379
Betreuung: Prof. Dr. Gisbert Ter-Nedden
Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas
Abgabedatum: 29. 03. 2005
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The General Prologue von Geoffrey Chaucer’s &DQWHUEXU\7DOHV
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
,QKDOWVYHU]HLFKQLV
1
2
3
Einleitung.................................................................................................................. 3
1.1
Problemstellung ................................................................................................ 4
1.2
Gang der Untersuchung .................................................................................... 4
Definitionen .............................................................................................................. 5
2.1
Die literarische Anthropologie im 18. und 19. Jahrhundert.............................. 5
2.2
Die ästhetische Präsentation im 18. und 19. Jahrhundert ................................. 9
Interpretationsmodelle ............................................................................................ 12
3.1
„Wahrheit“ – nach G. Wilhelm Friedrich Hegel ............................................ 13
3.2
„Wahrheit“ – nach Friedrich Wilhelm Nietzsche ........................................... 16
3.3
„Wahrheit“ – als ästhetische Präsentation ...................................................... 19
4
Schlußfolgerungen .................................................................................................. 22
5
Zusammenfassung .................................................................................................. 22
6
Literaturverzeichnis ................................................................................................ 23
7
Ehrenwörtliche Erklärung....................................................................................... 26
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
Einleitung
3
(LQOHLWXQJ
Literarische Anthropologie, wie sie beim zugrundeliegenden Kurs 044681
subsumiert wird, d.h. als eine populäre Reaktion auf die ontologisch-epistemologische
Aufspaltung der Innen- und Außenwelt im 17. Jahrhundert, impliziert freilich immer
auch den Begriff der Wahrheit als eine latent mitschwingende, explizite Konnotation.
Doch was ist Wahrheit nun konkret? Wie kann ein Wahrheitsanspruch überhaupt
sprachlich verankert werden? Ist nicht bereits die simple Forderung nach Wahrheit eine
unzulässige DSULRUL Unterstellung an die realexistierende Wirklichkeit? Explizit im 21.
Jahrhundert? Wird die Sprach- und Objektebene hierdurch nicht lediglich irregulär
vermengt?2 Diese Fragestellungen betreffen die syllogischen Intensionsabgrenzungen
der verwendeten Begrifflichkeiten und bedürfen daher abschließend einer konsequenten
hermeneutischen Klärung.3 Dies kann aus transzendentalphilosophischer Sicht indessen
ausschließlich dank axiomatisch-tautologischer DSULRUL Setzungen entwickelt werden.4
Da hierbei allerdings jegliche axiomatische Methodologie zur Erkenntnisaneignung,
infolge der Offenen Frage nach der Gültigkeit der getroffenen Setzungen,5 beifolgend
zu einer ästhetischen Obliegenheit wird, d.h. ohne irgendeinen Anspruch auf objektive
Gewißheit, aber deswegen nicht gänzlich bar von einem realen Wahrheitsanspruch,6
muß notwendig gleichfalls die Frage nach der ästhetischen Präsentation eingehender
geklärt werden. Hierüber handelt diese Hausarbeit. Da schon die deduktive Annäherung
des Wahrheitsbegriffes den Rahmen jedoch sprengen würde, beschränke ich mich nur
auf die epistemologische Wahrheitsdefinition im Sinne zweier Namensvettern: Georg
Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Nietzsche – die Beschäftigung mit der
literarischen Anthropologie muß aus analogen Gründen eingegrenzt werden.
1
Helmut Pfotenhauer, /LWHUDULVFKHQ$QWKURSRORJLHLP-DKUKXQGHUW, Originalausgabe 1986.
2
Josef Mitterer, 'LH)OXFKWDXVGHU%HOLHELJNHLW, Originalausgabe 2001.
3
Hans-Georg Gadamer, :DKUKHLWXQG0HWKRGH, Originalausgabe 1960.
4
Siehe hierzu: Universal- (Jürgen Habermas) bzw. Transzendentalpragmatik (Karl-Otto Apel).
5
Douglas R. Hofstadter, *|GHO(VFKHU%DFKHLQ(QGORVHV*HIORFKWHQHV%DQG, Originalausgabe 1979.
6
Jean-François Lyotard, 'DVSRVWPRGHUQH:LVVHQ, Originalausgabe 1979.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
Einleitung
4
3UREOHPVWHOOXQJ
Mit der unmittelbar einleuchtenden HUVWHQ 3HUVRQ 6LQJXODU eines skeptischen
René Descartes7, die als wesentlicher Ausgangspunkt und letzter Rechtfertigungsgrund
methodisch, rekursiv und zirkulär nur auf das eigene Selbst reflektierte, wurde die
neuzeitliche Philosophie entbunden. Der Philosoph neuen Stils verläßt sich nur noch auf
die eigene selbstkritische Einsicht und steht ausschließlich mit seiner Reputation für den
Wahrheitsgehalt seiner Theorien da. Daraus folgt jedoch, daß man Philosophie nun
nicht länger lehren kann, sondern bloß ihre Methoden. Hieraus ergibt sich einerseits
eine allgemeine Demokratisierung der Philosophie, denn nun kann generell jedermann
am Diskurs teilnehmen, solange man auf dem jeweiligen Stand der philosophischen
Spekulation ist, wodurch es andererseits zu etwas radikal Elitärem wird. Die literarische
Anthropologie im 18. und 19. Jahrhundert unterläuft jedoch Descartes’ Dualismus der
denkenden und ausgedehnten Substanz und untersucht statt dessen Natur und Wesen
des Menschen im Hinblick auf die Art des Aufeinanderbezogenseins des Menschen und
seiner Umwelt und den Sinn und das Ziel seines Daseins, geht also über bloß empirischphysiologische Datenerhebungen weit hinaus und sucht vielmehr nach den Spezifika
menschlich-individueller Existenz inmitten des Weltganzen. Der zugrundeliegende
Wahrheitsbegriff erfährt (aus heutiger Sicht) eine fundamentale Verschiebung, jenseits
der empirischen Heuristik – sie versucht den Sinn des Transzendenten durch Intuition
zu erfassen. Dies liegt objektiv in der Maschinentheorie des Lebendigen begründet, die
damals allgemein vorherrschende intersubjektive Projektionspraxis.8 Ergo haben wir es
mit dem historischen Konglomerat einer vormodernen Krise der Wirklichkeit9 zu tun.
*DQJGHU8QWHUVXFKXQJ
Durch ausdauernde hermeneutische Kontextualisierung des Geschichtsprozesses
soll entrierend die Emergenz der literarischen Anthropologie im 18. und 19. Jahrhundert
7
René Descartes, 0HGLWDWLRQHQEHUGLH(UVWH3KLORVRSKLH, Originalausgabe 1631.
8
Nelson Goodman, 7DWVDFKH)LNWLRQ9RUDXVVDJH, Originalausgabe 1955.
9
Ludwik Fleck, =XU.ULVHGHUª:LUNOLFKNHLW© Originalausgabe 1929.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Definitionen
5
erörtert werden und zwar u.a. am Beispiel von Karl Philipp Moritzens $QWRQ 5HLVHU10
und Johann Paul Friedrich Richters .RQMHNWXUDO%LRJUDSKLH11, um dann die ästhetischtheoretische Präsentation des Hauptzeitalters der selbstreflektierenden Autobiographie
zu diskutieren. Antithetisch daran anbändelnd gehen wir dann zur Vorstellung des
Wahrheitsbegriffes Georg Wilhelm Friedrich Hegels und Friedrich Wilhelm Nietzsches
über und leiten anknüpfend zum Diskurs der Wahrheitspräsentation der zwei dublierten
Namensvetter über. Infolge der objektiven Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem
Gegenstand ist eine dialektische Synthese formal nun zulässig, denn die Kriterien für
die Erkennbarkeit von Wahrheit sind erkenntnistheoretisch einheitlich, d.h. sind absolut
abhängig von der ästhetischen Natur des Gegenstandes, sowohl auf der Sprach- als auch
auf der Objektebene. Der Wahrheitsanspruch ist damit zureichend sprachlich verankert.
'HILQLWLRQHQ
Nachfolgend soll einesteils die historische Einordnung der Selbstbiographie im
Kanon der weltlichen Schriften als eine Form des sprachlichen Kunstwerks stattfinden
und andernteils die zugrundeliegenden Grundkategorien sinnlicher Erfahrung erörtert
werden, d.h. die Bedingungen der Konstruktion von Kunstwerken, das Verhältnis von
Kunst und überlieferter Vergangenheit und ergänzend die Bedingungen und Formen der
ästhetischen Rezeption durch den Einzelnen sowie durch die Gesellschaft.
'LHOLWHUDULVFKH$QWKURSRORJLHLPXQG-DKUKXQGHUW
Die Memoirenschreibung, eine Darstellung der eigenen Erlebnisse, bei der im
Gegensatz zur Autobiographie der schriftstellerische Schwerpunkt auf die objektiven
äußeren Ereignisse gelegt wird, blühte im 16. bis 18. Jahrhundert zuerst in Frankreich
und verbreitete sich dann auch in Deutschland. Die literarische Introspektion beinhaltet
dagegen auch die Auskunft zur inneren Entwicklung einer Person, unter Einbeziehung
der Art ihres Aufeinanderbezogenseins mit Zeitgenossen sowie ihrer Selbsteinschätzung
und Stellung inmitten des Geschichtsverlaufs.
10
Karl Philipp Moritz, $QWRQ5HLVHU Originalausgabe 1785–1790.
11
Jean Paul, %HYRUVWHKHQGHU/HEHQVODXI Originalausgabe 1799.
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Definitionen
6
Im Zeitalter der Aufklärung waren die Prinzipien der kritischen Vernunft und
befreiter Natur maßgebend, die Literatur wurde dieserhalb als ein Bildungsmittel für die
Gesellschaft verstanden. Bis etwa 1740 war allerdings Johann Christoph Gottsched als
Leipziger Literaturtheoretiker richtungsweisend und für ihn war Dichtkunst, nach dem
Muster der französischen Klassiker, nur vernünftige Ordnung und Spiegel universaler
Harmonien. Dementsprechend bestimmte der Subjektivismus der Empfindsamkeit die
unter pietistischem Einfluß stehende weinerliche Innenschau des berühmt-berüchtigten
Adam Bernds,12 den Anpfiff für die literarische Anthropologie in Deutschland. Dabei
knüpfte Bernd auch an die Lyrik des Barock an, die ebenfalls notorisch zwischen Pathos
und Innerlichkeit oszillierte, speziell aber an die dichterische Gestaltung der barocken
Grunderfahrung der Vergänglichkeit alles Irdischen. Ferner besteht ein Zusammenhang
zur englischen Gefühlsdichtung eines Edward Youngs13 oder Samuel Richardsons,14
welche ebenso einer gegen den Rationalismus der Aufklärung gerichteten literarischen
Bewegung angehörten und darum explizit die Gefühlseindrücke und -erlebnisse in den
Brennpunkt ihrer künstlerischen Darbietung rückten – ohne sich derweil aus der Sphäre
der Aufklärung auszusondern. In Anlehnung an Descartes’ skeptischen Sensualismus
stützten insbesondere Jean-Jacques Rousseaus „Exister pour nous, c'est sentir“,15 aber
auch Johann Gottfried Herders „Ich fühle mich! Ich bin!“,16 das Empfindungsvermögen
und sorgten hierdurch erst für die notwendige dialektische Verzahnung von Sinnlichkeit
und Intellekt. Diese Ontogenese innerhalb der intraspezifischen Bewußtseinsdisposition
wurde dann durch Immanuel Kant17 auch transzendentalphilosophisch nachvollzogen
und dadurch zementiert; die Erkenntnis wird nunmehr nicht länger als von den Dingen
unabhängig betrachtet, sie hat sich jetzt vielmehr nach dem Erkenntnisvermögen, der
DSULRULVFKHQ Struktur des Bewußtseins, zu richten. Der immer noch transzendentale
12
13
Adam Bernd, (LJHQH/HEHQV%HVFKUHLEXQJ Originalausgabe 1738.
Edward Young, .ODJHQRGHU1DFKWJHGDQNHQEHU/HEHQ7RGXQG8QVWHUEOLFKNHLWLQQHXQ1lFKWHQ
Originalausgabe 1742–1745.
14
Samuel Richardson, 3DPHOD Originalausgabe 1740.
15
Jean-Jacques Rousseau, ePLOHRGHUEHUGLH(U]LHKXQJ, Originalausgabe 1762.
16
Johann Gottfried Herder, =XP6LQQGHV*HIKOV, Entstanden 1769.
17
Immanuel Kant, .ULWLNGHUUHLQHQ9HUQXQIW, Originalausgabe 1781.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Definitionen
7
Wahrheitsbegriff ist auf diese Weise erst diesseits der empirischen Heuristik angelangt,
weil nun ultimativ an die sinnliche Anschauung gebunden. Die äußerst emotional und
subjektiv geprägte Geniekonzeption der Sturm und Drang-Dichtung (speziell erwähnt
seien hier nur zwei herausragende Vertreter: der junge Johann Wolfgang Goethe18 und
der junge Johann Christoph Friedrich Schiller19) sind dementsprechend als ein soziokognitiver Seitenzweig der evolutionären Fortentwicklung der humanen Zivilisation zu
betrachten, die erst hierdurch die Möglichkeit für diese explizite Form der Überhöhung
der Innenwelt schaffte.20
Unter diesem gesamtgesellschaftlichen Einfluß schrieb Karl Philipp Moritz also
seinen selbstbiografischen Entwicklungsroman in 4 Bänden.21 Die neuartige bürgerliche
Kleinfamilie mit ihren intim-privaten Strukturen gehörte ebenso dazu, wie die parallele
Entdeckung der Kindheit, die Proklamierung der Liebesheirat und die gleichzeitig damit
einhergehende Aufwertung der ehelichen Liebe. Für die deutsche Realität spielte das
alte Idioplasma pietistisch-säkularisierter Obrigkeitsergebenheit und Gottesfürchtigkeit
gleichfalls eine gewichtige Rolle. Aus heuriger Sicht war die damalige Konstellation ein
kapitaler Kulturkampf,22 welche den kriselnden Makrokosmos des europäischen Ancien
Régime sowohl innerlich, indem sie die sozio-strukturelle Basis für die Bourgeoisie des
19. Jahrhunderts schuf, als auch äußerlich zerstören sollte, indem sie dem Gedanken des
Nationalstaats zum Durchbruch verhalf. Bezeichnenderweise verwendet der Freimaurer
Moritz, dereinst Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und Hofrat, im
ganzen Oeuvre lediglich 1 Mal (im Plural) das Wort „Revolution“ und 2 Mal das Wort
„Frankreich“, freilich in einem metaphysisch-entflammten Kontext. Das Romanwerk
verblüffte jedoch durch seine komplex-psychologische Pathographie des Individuums
und die akkurate Perzeption der unbewußten Anteile des Gefühlslebens. Der auffällige
18
Johann Wolfgang Goethe, 'LH/HLGHQGHVMXQJHQ:HUWKHUV, Originalausgabe 1774.
19
Johann Christoph Friedrich von Schiller, 'LH5lXEHU, Originalausgabe 1781.
20
Norbert Elias, hEHUGHQ3UR]H‰GHU=LYLOLVDWLRQ, Originalausgabe 1939.
21
Karl Philipp Moritz, $QWRQ5HLVHU Originalausgabe 1785–1790.
22
Samuel Phillips Huntington, .DPSIGHU.XOWXUHQ Originalausgabe 1996.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Definitionen
8
Minderwertigkeitskomplex und die charakteristischen Verdrängungsformen des jungen
Reiser werden schonungslos entlarvt, darunter seine ästhetisierende Empfindsamkeit als
eine strukturerhaltende Kompensationshandlung und seine Theatromanie als funktionale
Ersatzbefriedigung. Ganz anders indessen Jean Pauls kapriziöser, weder der Klassik
noch Romantik zuzurechnender Opus.23 Speziell vom angloirischen Laurence Sterne24
und dem Londoner Friedensrichter Henry Fielding25 beeinflußt, stellt es vielmehr eine
ironische Szenerie idyllisch-kauziger Selbstbescheidung, als eine kritisch-differenzierte
Seelenschilderung dar. Die repräsentativ-kontradiktorischen Erzählelemente, reflexive
Abschweifungen und den zeitlichen Ablauf der Ereignisse aufbrechende assoziative
Stockungen, welche den Bewußtseinsinhalt des Icherzählers in seiner strukturellen
Unstetigkeit spiegelt, weisen in ihrer Erzählweise und ästhetischen Konzeption bereits
auf die Moderne und bewältigen die Umbrüche der Epoche literarisch. Geprägt war jene
Zeit freilich von der Wirkungsgemeinschaft Johann Wolfgang Goethes und Johann
Christoph Friedrich Schillers, welche die klassische Antike zum universellen Leitbild
vollendeter Menschennatur und Kunstschönheit idealisierten, was in den sehr polemisch
verfaßten 414 epigrammatischen Distichen26 gegen die zeitgenössischen literatur- und
kunstkritischen Widersacher gipfelte, und die Bedeutung von Jean Paul total verkannte.
Die Goethe-Autobiographie27 stellte allerdings für die literarische Anthropologie
eine radikale Zäsur dar – die subjektive Überhöhung inszeniert nunmehr die objektive
Weltgeschichte als pure ästhetische Nabelschau. Der Schöpfergeist des 19. Jahrhunderts
wurde dieserhalb primär durch den Mythos um Napoleone Buonaparte geprägt: Auf
seinen Befehl hin entstanden neue Staaten, viele erlitten Gebietsverluste und das Heilige
Römische Reich Deutscher Nation ruhte endlich in Frieden. Tonangebend war daher die
inhaltlich sehr konträre Literatur des Biedermeiers und der revolutionären Gesinnung
23
Jean Paul, %HYRUVWHKHQGHU/HEHQVODXI Originalausgabe 1799.
24
Laurence Sterne, /HEHQXQG0HLQXQJHQYRQ7ULVWUDP6KDQG\*HQWOHPDQ Originalausgabe 1759–1767.
25
Henry Fielding, -RVHSK$QGUHZV$EHQWHXHU Originalausgabe 1742.
26
Johann Wolfgang Goethe, Johann Christoph Friedrich Schiller, ;HQLHQ Originalausgabe 1797.
27
Johann Wolfgang von Goethe, 'LFKWXQJXQG:DKUKHLW Originalausgabe 1811-1833.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Definitionen
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des Jungen Deutschlands, welche symptomatisch für die grassierende sozio-politische
Verunsicherung bezüglich der allseitigen Legitimität überlieferter Traditionen waren.
Heinrich Heine verklärte demzufolge die abendländische Geburt der gesellschaftlichen
Moderne konsequent zur „Endschaft der ‚Goetheschen Kunstperiode’“.28
'LHlVWKHWLVFKH3UlVHQWDWLRQLPXQG-DKUKXQGHUW
Ein generelles Grundproblem der Wahrnehmung ist in einer Grundkategorie der
sinnlichen Erfahrung fundiert, nämlich in „der Verwunderung, daß die Dinge so sind,
wie sie sind“.29 Die somatische Erkennbarkeit der Textstrukturen ist für die syntaktischsemantische Codeinterpretation beim Leseprozeß indessen fundamental. Die komplexinterpretativen Bedeutungstranskriptionen, um den pragmatischen Informationsgehalt
aus dem Negentropie-Wahrscheinlichkeitsfeld dynamisch zu extrahieren, die sich aus
dem geschlossenen Zeichenvorrat der zugrundeliegenden Notation ergeben, wären sonst
undurchführbar.30 Die Aísthesis ist also die zyklisch-funktionale &RQGLWLRVLQHTXDQRQ
der Literaturtheorie. Infolge des einseitigen und nichtkooperativen Kopplungscharakters
der literarischen Kommunikation und ihre formal offene Codestruktur ergibt sich daher
prinzipiell eine unendliche algorithmische Tiefe.31 Die Form der Apperzeption wird bei
Kant also zur transzendentalen Fähigkeit des Bewußtseins, Begriffe und Anschauungen
zur Einheit der Vorstellung eines Gegenstandes zu verknüpfen, weiterentwickelt, d.h. zu
einer Theorie der Sinnlichkeit, welche die ästhetische Geltung eines Objektes lediglich
über die Sinnhaftigkeit des damit verwobenen Codesystems definiert.32 Die Ästhetik als
philosophische Disziplin hat indes schon Alexander Gottlieb Baumgarten begründet.33
Die antike und mittelalterliche Metaphysik des Schönen bzw. der Kunst sind nicht mit
der neuzeitlichen Ästhetik vergleichbar. Die moderne Ästhetik setzt explizit die Wende
28
Heinrich Heine, 'LHURPDQWLVFKH6FKXOH Originalausgabe 1836.
29
Aristoteles, 0HWDSK\VLN, Entstanden um 334-322 v. Chr..
30
Holger Lyre, ,QIRUPDWLRQVWKHRULH, Originalausgabe 2002.
31
Alfred North Whitehead, 3UR]H‰XQG5HDOLWlW, Originalausgabe 1979.
32
Immanuel Kant, .ULWLNGHUUHLQHQ9HUQXQIW, Originalausgabe 1781.
33
Alexander Gottlieb Baumgarten, $HVWKHWLFD, Originalausgabe 1750–1758.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Definitionen
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zur Subjektivität voraus – Schönheit wird jetzt nur aus der ästhetischen Wahrnehmung,
die Kunst ausschließlich kraft der unikalen Diktion des Künstlers erfaßt. L'art pour l'art
wäre nach Théophile Gautier34 reiner Selbstzweck, losgelöst von ethischen, politischen
oder anderweitigen außerkünstlerischen Zielrichtungen.
Im Zeitalter der Aufklärung war faktisch das Ideal der Klarheit und Einfachheit
maßgebend, die Metaphysik des Schönen wurde somit als Medium für die Gesellschaft
verstanden. Durch Nachahmung der klassischen Dichter deutete bereits die Renaissance
die Metaphysik der Kunst als humaner Archetypus von Symmetrie und Geordnetheit
und hatte folglich in der barocken Adelskultur, mit ihren schwülstigen und gespreizten
Darstellungen, die didaktische Funktion der standesgemäßen Repräsentation, d.h. die
hof- und salonfähige Illustration universaler Wertschätzungskriterien: Die Preciositas,
Curiositas und Raritas als Diktionen der Perfectio fanden demnach in die Spectatio ihre
Vollendung.35 Im Fluß des Bewußtseinswandels zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert
wurde daher en passant auch die Individualität reanimiert. Im 18. Jahrhundert bildete
die Ästhetik also längst keine irrelevante Disposition der Welt mehr, die Realität wurde
statt dessen eher in kontrastierenden Gegensätzen eingebettet, die vereint erst die wahre
Harmonie formten.36 Dies implizierte die Auffassung des selbstbestimmten Individuums
als quasi würdige und schöne Handlung, bedurfte aber noch des komplexen Rückgriffes
auf die Moral um die Kongruenz der Schönheit und des Guten zu postulieren.37 Die
ästhetische Apologie der Ethik zielte aber letztlich auf eine veränderte Einstellung zur
Natürlichkeit als bürgerliche Antithese zur feudalen Schönheitslehre und hatte demnach
einen inhärent politisch-subversiven Impetus zur absoluten Souveränitätsthese,38 welche
elementar im natürlichen Recht verwachsen war. Dieses verkappte Naturverständnis
führte derweil in medias res zu Rousseaus Fundamentalkritik der Kultur, zur Maxime
34
Théophile Gautier, 0DGHPRLVHOOHGH0DXSLQ, Originalausgabe 1835.
35
Erich Schön, *HVFKLFKWHGHV/HVHQV, Originalausgabe 1999.
36
Gottfried Wilhelm Leibniz, 7KHRGL]HH, Originalausgabe 1710.
37
Anthony Ashley Cooper, Earl of Shaftesbury, 'LH0RUDOLVWHQ, Originalausgabe 1709.
38
Jean Bodin, 6HFKV%FKHUEHUGHQ6WDDW, Originalausgabe 1576.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
Definitionen
11
der gesellschaftlichen Entfremdung.39 Seine Rückwendung zur subjektiven Innerlichkeit
war darum uneingeschränkt nachvollziehbar, dito sein Hang zur Selbststilisierung.40 Die
Gewähr des abnormen Unikums wirkte sich folglich stilprägend. Die Neuorientierung
der Literatur, bedingt durch den Zusammenbruch des lateinsprachlich begrifflichdiskursiven Marktes, die Sättigung bei der Erbauungsliteratur und Akquirierung neuer,
speziell femininer Käuferschichten, führte zur Expansion bei der nationalsprachlichen
Belletristik und begünstigte über die Dialektik von Angebot und Nachfrage insofern die
emotional-empathische Ausbildung bei den Autoren.
Die Formierung der Welt nach ästhetischen Gesetzmäßigkeiten, d.h. die Bildung
und Verwirklichung dieser Wertvorstellungen im individuellen und gesellschaftlichen
Lebensprozeß, wird als ein integrales Grundelement der Vergegenständlichung humaner
Wesenskräfte aufgefaßt, als ein unmittelbarer Ausdruck des kreativen Vermögens des
Menschen, der durchdringenden Realisation seines Gattungswesens.41 Hierauf ruht die
Auffassung, die das Schöne zur „Manifestation geheimer Naturgesetze“42 stilisierte. Sie
ist aber auch die Wendung zu einer dialektischen Form der Ästhetik, welche sich auf
alle Bereiche menschlicher Aktivität ausdehnte: Natur und Gesellschaft, Denken und
Handeln. Der Mensch ist nach Goethe nur schön, sofern er sich weiterentwickelt.43 Die
Welt als ein konstanter Entwicklungsprozeß wird demzufolge zu einer Kategorie der
Ästhetik. Diese innovative Wende innerhalb der ästhetischen Interpretation im 18. und
19. Jahrhundert, aus dem Bewußtsein überfeinerter Kultur entstanden und als Zeichen
einer Stufe des kulturellen Verfalls dereinst gedeutet,44 geht einher mit einem Prozeß
veränderter Präsentation. Ästhetik und Kunstphilosophie werden durch die Romantik
gleichbedeutend und postulieren insofern eine autonome Schönheitslehre jenseits einer
39
Jean-Jacques Rousseau, $EKDQGOXQJEHUGLH:LVVHQVFKDIWHQXQG.QVWH, Originalausgabe 1750.
40
Jean-Jacques Rousseau, %HNHQQWQLVVH, Originalausgabe 1782.
41
Immanuel Kant, .ULWLNGHU8UWHLOVNUDIW, Originalausgabe 1790.
42
Johann Wolfgang von Goethe, 0D[LPHQXQG5HIOH[LRQHQ Originalausgabe 1833.
43
Johann Wolfgang von Goethe, )DXVW,, Originalausgabe 1831.
44
George Gordon Noël, Baron of Byron, 5LWWHU+DUROGV3LOJHUIDKUW Originalausgabe 1812–1818.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Interpretationsmodelle
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Welt von fest gefügten Moral- und Wertvorstellungen.45 Die Vermittlungsfähigkeiten
der ästhetischen Erkenntnis zwischen Natur und Freiheit, sowie zwischen Sinnlichkeit
und Vernunft,46 relativieren sich indessen bei Moritz einmal zur Vergegenwärtigung des
Vollendeten,47 andermal bei Jean Paul zur These eines ästhetisierenden Unernsten.48
Die medienhistorische Krise im 18. Jahrhundert,49 welche hernach mittelbar zur
dichotomischen Differenzierung der Literatur führte, entlarvt sich insoweit als Krise der
Sprachebene, bzw. der sozialökonomischen Basis des vorherrschenden Systems. Da die
Ästhetik politisch nun nicht in einer zur dialektischen Einheit gefaßten soziokulturellen
Mannigfaltigkeit der Naturerkenntnis und Entwurfsverwirklichung begründet, sondern
nur als Produktion und Rezeption eines Einzelwesens bemeistert werde konnte, was den
gesellschaftlichen Ursprung aller ästhetischen Bestimmungen insofern obligatorisch zur
psychischen Abstraktion generalisierte,50 blieb diese elementare Krise der literarischen
Produktionsverhältnisse zwingend nebulös. Dieser grassierende Psychologismus sollte
erst durch die phänomenologische Ästhetik alsdann endgültig überwunden werden.51
,QWHUSUHWDWLRQVPRGHOOH
Die hermeneutische Sinndeutung des Wahrheitsbegriffes G. Wilhelm Friedrich
Hegels und Friedrich Wilhelm Nietzsches soll nun sowohl fortschreitend demonstriert
werden, als auch die Inszenierung und nachfolgende Interpretation des Literaturwerks
historisch hinterfragt werden. Ergänzend wird zum Diskurs ihrer Wahrheitspräsentation
übergeleitet und zu den hieraus sich ableitenden wirkungsspezifischen Implikationen
der ästhetischen Wahrheitserfahrung der Realität, Utopie und Gesellschaftskritik.
45
Johann Christoph Friedrich Schiller, 8HEHU$QPXWKXQG:UGH Originalausgabe 1793.
46
Immanuel Kant, .ULWLNGHUUHLQHQ9HUQXQIW, Originalausgabe 1781.
47
Karl Philipp Moritz, hEHUGLHELOGHQGH1DFKDKPXQJGHV6FK|QHQ Originalausgabe 1788.
48
Jean Paul, 9RUVFKXOHGHUbVWKHWLN Originalausgabe 1803.
49
Gisbert Ter-Nedden, 'LH8QOXVW]X)DEXOLHUHQXQGGHU*HLVWGHU6FKULIW, Originalausgabe 1997.
50
Friedrich Theodor Vischer, )DXVW'HU7UDJ|GLH7HLO, Originalausgabe 1862.
51
Roman Ingarden, 'DVOLWHUDULVFKH.XQVWZHUN, Originalausgabe 1931.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
Interpretationsmodelle
13
Ä:DKUKHLW³±QDFK*:LOKHOP)ULHGULFK+HJHO
Der Wahrheitsbegriff ist ein von Hegel sehr zahlreich benutztes Diktum, schon
im Vorwort zur 3KlQRPHQRORJLHGHV*HLVWHV wird es z.B. bereits 46 mal bemüht. Dies
mag bei einem Philosophen nun nicht sonderlich verwundern, ebensowenig bei einem
Theologen – Hegel studierte beides. Philosophie wird ergo als systematisch-dialektische
Analyse für alles, worauf sich das menschliche Bewußtsein richten kann, determiniert;
sie hat deshalb notwendigerweise mit Ethik und Religion bündige Schnittmengen. Eine
spekulativ-metaphysische Rückwendung zum Absoluten war hierzu unabdingbar. Dies
fand im Anschluß an seine erste philosophische Veröffentlichung, die Beurteilung der
Reflexionsphilosophie Kants, Friedrich Heinrich Jacobis und Johann Gottlieb Fichtes,52
statt. Hierzu wird methodisch die humane Wissensbildung als kontinuierliche Gradation
des philosophischen Bewußtseinsgedankens als absolute Ausprägung der elementaren
Welterfahrung vom vorstellenden Bewußtsein, die als Erkenntnis das Bewußtsein vom
Ichbewußtsein als subjektive Selbsterfahrung am absolutem Selbstbewußtsein macht
und dementsprechend die urteilsfähige Intelligenz als gattungsgeschichtlich vermittelter
Bildungsprozesse rekonstruiert.53 Diesem Logikprolog folgten dann die theoretischen
Grundstrukturen für das Gesamtsystem des reinen Sinngehalts der Denkbestimmungen
des Absoluten, welche die Deduktion der Begrifflichkeiten der tradierten Metaphysik
aus der dialektischen Perspektive beinhaltete und zur Rekonstruktion der klassischen
Logik aus der Entwicklung der begrifflich-diskursiven Gegensätze überleitete, d.h. die
Wahrheit „an und für sich selbst“ abbildete.54 Die ergänzende Veranschaulichung seines
abgeschloßnen Systems stellte erstmalig den Leitfaden der vorausgesetzten begrifflichlogischen Ordnungszusammenhänge des subjektiven, objektiven und absoluten Geistes
summarisch gedrängt dar, also wie der Geist aus der Natur zu sich selbst heimfindet.55
Familie, bürgerliche Gesellschaft und Staat werden darin als objektive Notwendigkeiten
52
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 'LIIHUHQ]GHV)LFKWHVFKHQXQG6FKHOOLQJVFKHQ6\VWHPVGHU
3KLORVRSKLH, Originalausgabe 1801.
53
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 3KlQRPHQRORJLHGHV*HLVWHV, Originalausgabe 1807.
54
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, :LVVHQVFKDIWGHU/RJLN, Originalausgabe 1812-16.
55
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, (Q]\NORSlGLHGHUSKLORVRSKLVFKHQ:LVVHQVFKDIWHQ, Originalausgabe
1817.
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von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
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der Freiheit und immanente Kategorien der Subjektivität postuliert. Diese Gesamtschau
sollte somit zum Katechismus der hegelschen Lehre avancieren. Später leitete Hegel in
einem Kompendium56 noch Recht, Moral und Ethos als Willensformen des Geistes ab.
Die praktische Philosophie des objektiven Geistes geht dediziert der Frage nach den
sittlichen Institutionen der Gesellschaft und ihrer Überführung aus dem metaphysischen
Prinzip der kategorischen Emanzipation des Menschen im Geist der absoluten Freiheit
nach. Die bourgeoise Gesellschaftsstruktur wird dieserhalb als wildwüchsige Kultur der
Bedürfnisbefriedigung zusammengefaßt, ihr Bersten im Klassengegensatz kann insofern
nur durch soziale Institutionen retardiert werden, primär jedoch durch den Staat. Hegels
epochale Breitenwirkung ging freilich weniger von seinen Druckschriften als von den
Berliner Vorlesungen aus, hier entfaltete sich sein Geschichtsbewußtsein,57 indem er
sein System im Kontext der abendländischen Philosophiegeschichte als Synthese zum
klassisch-griechischen Vorbild initiierte, seine Stilisierung der christlichen Religion als
vermeintliche Synthese aller traditionellen Typen von Religion zur absoluten Religion58
und seine neuzeitlich hochaktuelle Lehre vom Ende der Kunst.59
Die ursprüngliche Kunst der intellektuellen Gesprächsführung, von Zenon dem
Älteren zum logischen Widerspruchsnachweis ausgebildet und von Sokrates und Platon
zur philosophischen Methode fortentwickelt, erhielt erst durch Hegel seine derzeitige
Ausprägung. Die allgemeine Dialektik wird hierdurch zu einer logischen Methodologie
zur kritisch-genetischen Entwicklung der Welt; indem die realen Unversöhnlichkeiten
als lichte Widersprüche begriffen und aufgelöst werden können, d.h. als Verbundenheit
von analytischer und synthetischer Methode und infolge der expliziten Etikettierung der
dauernden Direktion des Bewußtseinsinhalts nach seinen inhärenten Gesetzmäßigkeiten
auch als eine Einheit von Inhalt und Form. Kernstück ist die Negation der Negation aus
56
57
58
59
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 1DWXUUHFKWXQG6WDDWVZLVVHQVFKDIWLP*UXQGULVVH, Originalausgabe
1820.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 9RUOHVXQJHQEHUGLH*HVFKLFKWHGHU3KLORVRSKLH, Originalausgabe
1833.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 9RUOHVXQJHQEHUGLH3KLORVRSKLHGHU5HOLJLRQ, Originalausgabe
1832.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 9RUOHVXQJHQEHUGLHbVWKHWLN, Originalausgabe 1835-38.
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der Sphäre der Antinomie, die eine konkrete Rückkehr zur entwickelten Totalität als
Einheit des Widerspruchs der ihr immanenten Bestimmtheiten darstellt: Der berühmtberüchtigte dialektische Dreischritt Fichtes.60 Hegels elementare Zureichung ist sein
tieferes Verständnis der Synthese – die kontrastierenden Gegensätze sind also im Sinne
Leibnitz’61 nur Augenblicke inmitten der Totalität, die in sich fassend erst die Wahrheit
erschaffen und daher nur einzeln betrachtet paradox sind, ergo unwahr. Da nach seinem
erweitertem identitätsphilosophischem Ansatz Denken und Realität kongruent sind, ist
die Dialektik nicht nur eine Denkweise, welche die begrifflichen Antagonismen in der
Seinsverfassung der Dinge herausarbeitet, sondern objektiv-idealistische Realdialektik.
Hegels philosophisches Denkgebäude, welches essentiell auf der rhetorisch arg
geschickten Ausgangsfrage basierte, ob man überhaupt wahre Aussagen machen könne,
ist literatur- und philosophiehistorisch eine unwiederholbare ästhetische Obliegenheit
zum Dispens des Selbstbewußtseins seiner Ära. Nach Hegels Tod begann unmittelbar
der erbitterte Streit zwischen den Jung- bzw. Linkshegelianer, das Hegel’sche Zentrum
und Alt- bzw. Rechtshegelianer, wie die divergenten Denkrichtungen der Hegel-Schüler
von David Friedrich Strauß disponiert wurden. Während letztere mit der dreideutigdialektischen Aufhebung der Religion in Hegels Philosophie noch konform gingen und
seinen konstitutionell-monarchischen Liberalismus teilten, interpretierten erstere Hegel
vom revolutionären Gesichtspunkt aus und fokussierten demzufolge die geschichtliche
Durchsetzungskraft des Menschen. Die Mitte stellte Johann Karl Friedrich Rosenkranz
dar, der Hegel zwar in theistische Richtung vereinseitigte,62 dessen ästhetische Theorie63
aber wesentlichen Einfluß auf die zeitgenössische Kunsttheorie haben sollte. Mit Hegel,
darüber ist sich die Nachwelt einig, kommt die von Descartes angestoßene und an Kants
Transzendentalphilosophie anschließende Richtung der idealistischen Philosophie zu
ihrem logischen Abschluß. Ein modernes Bild der humanen Lebenspraxis lag nun vor.
60
Johann Gottlieb Fichte, *UXQGODJHGHUJHVDPWHQ:LVVHQVFKDIWVOHKUH, Originalausgabe 1794.
61
Gottfried Wilhelm Leibniz, 0RQDGRORJLH, Originalausgabe 1714.
62
Johann Karl Friedrich Rosenkranz, :LVVHQVFKDIWGHUORJLVFKHQ,GHH, Originalausgabe 1852–1859.
63
Johann Karl Friedrich Rosenkranz, bVWKHWLNGHV+l‰OLFKHQ, Originalausgabe 1853.
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Auch bei Nietzsche ist der Begriff der Wahrheit ein markant häufig benutztes
Diktum, aber anders als Hegel thematisiert er interessanterweise desgleichen dito die
Lüge. Die Frage allerdings, inwieweit Nietzsche überhaupt philosophiert, ist auch heute
noch strittig. Die Quintessenz seiner philosophierenden Aphorismen ist zumindest mit
dem althergebrachten Verständnis von Philosophie unvereinbar, hierzu ist sein Werk zu
selbstwidersprüchlich. Nietzsches Experimentalphilosophie ist eher ein existentieller
Ausblick des Zuteil werden und Examinieren von Fallstudien, die sich mit praktischer
Notwendigkeit absehbar ergeben; sie hat darum mit Moral, Philologie und Psychologie
evidente Schnittmengen. Rezeptionsästhetisch ist sein Werkgang dreiphasig einteilbar.
Schon 1865 hatte Nietzsche Arthur Schopenhauers Philosophie kennen gelernt und
hierüber mit Richard Wagner 1868 Bekanntschaft gemacht; unter diesem Einfluß bricht
Nietzsche mit allen klassisch-altphilologischen Lehrmeinungen vom Wesen des antiken
Griechentums und proklamiert statt dessen eine antiklassische, tragisch-pessimistische
Betrachtung, die unter Zugrundelegung eines mythologischen Irrationalismus in Form
der kausalen Dichotomie von apollinisch und dionysisch den Niedergang der attischen
Tragödie, als sukzessive Apotheose des sokratischen Geistes, welcher die Wirklichkeit
abstrakt und am Leitfaden der Kausalität einzusehen erhoffte, zu deuten und zu erklären
suchte.64 Die dialektische Synthese dieser ästhetischen Antipoden der Natur stellte er
freilich in der Musik Wagners in Aussicht. Paßte es zu diesem Auftakt, wenn Nietzsche
die Verfallstendenzen seiner Epoche entlarvte, um zugunsten einer kommenden Ära zu
wirken,65 so hatte er sich essentiell doch schon so weit von Schopenhauers VedantaMetaphysik66 und Wagnerverehrung distanziert, daß er partiell zum sokratischen Geist
konvergierte, d.h. sich im Umfeld des psychologisch-kritischen Positivismus bewegte
und parallel zum Diseur des Nihilismus avancierte.67 Damit endete die Bekanntschaft
64
Friedrich Wilhelm Nietzsche, 'LH*HEXUWGHU7UDJ|GLHRGHU*ULHFKHQWXPXQG3HVVLPLVPXV,
Originalausgabe 1872.
65
Friedrich Wilhelm Nietzsche, 8Q]HLWJHPl‰HQ%HWUDFKWXQJHQ, Originalausgabe 1873-76.
66
Arthur Schopenhauer, 'LH:HOWDOV:LOOHXQG9RUVWHOOXQJ, Originalausgabe 1819–1844.
67
Friedrich Wilhelm Nietzsche, 0HQVFKOLFKHV$OO]XPHQVFKOLFKHV, Originalausgabe 1878–1880.
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mit Wagner 1878 im offenen Zwist. Die Emergenz der kontinuierlichen Negation aller
Werte, Glaubensinhalte, Endzwecke und Erkenntnismöglichkeiten wird angesichts des
diametralen Bruchs Descartes vom antikem Dogma der Philosophie, welche explizit die
reflexiven Mannigfaltigkeiten des Seienden als inhärent in objektiver Faktizität und
konstant gültiger Autorität der göttlichen Ontologie noch begriffen, zum Stigma der
abendländischen Geistesentwicklung karikiert. Dieser Prozeß der „Selbstaufhebung der
Moral“68 wird somit als historischer Fanal analysiert, das mittlerweile in medias res zur
Abschlußformel „Gott ist tot“69 führte. Sein Wille, den zukünftigen Zeiträumen neue
Gesetzestafeln mitzugeben, führte ihn in der letzten Phase seiner Werkentwicklung zur
Kreation seines Hauptwerkes als positiv-optimistische Gedankendichtung, in welchem
er seine dialektische Lehre von der maskulinen Geraden zum „Übermenschen“ und vom
femininen Kreis der „Ewigen Wiederkehr des Gleichen“ als implizite Grundcharaktere
des „Willen zur Macht“ in rhetorisch-symbolischer Sprache kundtat.70 Hierauf war nun
Nietzsche, bedrückend das Versagen der Inspiration spürend, fieberhaft bemüht, seiner
Philosophie wissenschaftliche Prägung zu verleihen. Da es jedoch für ihn nunmehr kein
zur Wahrheitserkenntnis befähigtes Individuum mehr gab, ist die Wahrheitsperspektive
kausal und begrifflich jetzt immer extrem unscharf, ein systematisch-philosophisches
Werk ist als FRQWUDGLFWLRLQDGLHFWR also eigentlich unmöglich – es kann demzufolge nur
im Präludium einer künftigen Philosophie gipfeln.71 Seine beifolgende Streitschrift zur
fundamentalen Destruktion der Moral, indem er die zugrundeliegenden Triebfedern und
Konzessionsstellungen ihrer Genesis aufklärte, aus denen sich die mosaisch-christliche
Ethik entfaltet hat, legt sodann dar, daß diese Ethologie lediglich als „Sklavenaufstand
in der Moral“ ablief.72 Nietzsches anknüpfenden letzten 5 Druckschriften, 1888 in Turin
beendet, sind ostentativer Überkompensationsausdruck seiner faktischen Isolation und
putativer Resonanzlosigkeit und standen allfällig im Schatten des progressiven Zerfalls.
68
Friedrich Wilhelm Nietzsche, 0RUJHQU|WH, Originalausgabe 1881.
69
Friedrich Wilhelm Nietzsche, 'LHIU|KOLFKH:LVVHQVFKDIW, Originalausgabe 1882.
70
Friedrich Wilhelm Nietzsche, $OVRVSUDFK=DUDWKXVWUD, Originalausgabe 1883-1891.
71
Friedrich Wilhelm Nietzsche, -HQVHLWVYRQ*XWXQG%|VH, Originalausgabe 1886.
72
Friedrich Wilhelm Nietzsche, =XU*HQHDORJLHGHU0RUDO, Originalausgabe 1887.
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Der Beitrag Nietzsches zur Philosophie ist eng mit seinem leiblichen Werdegang
verflochten. Ab dem 12. Lebensjahr klagte er über Kopf- und Augenschmerzen, die sich
in den 70er Jahren zu migräneartigen Schmerzanfällen steigerten. Diese Qualen konnten
bis zur Betäubung und temporärer Blindheit führen. Die Symptome explizieren insoweit
auf einen Hirntumor in der Nähe des rechten Sehnervs hin. Der Verlauf der Kollapse
determinierte demzufolge den Rhythmus seiner Schaffensperioden. Seine rücksichtlose
kosmologisch-evolutionäre Radikalität spiegelt sich in der abgründigen Konsequenz
seiner sozialen Lebensführung und stellt eine tragende Ingredienz seiner unforensischen
Psychologie der Entlarvungen der involvierten Wertmotivationen dar – die Wahrheit
wird daher als dienstbare Konvention aufgefaßt.73 Der Idealisierung des Menschen wird
als verklärender Betrug entsagt, ein ästhetisch-dionysischer Gegenentwurf wird statt
dessen postuliert.74 Die Impression einer aufkommenden Rezeption Nietzsches an der
Universität Kopenhagen durch den Literarhistoriker Morris Cohen alias Georg Brandes
als Repräsentant eines neuen Geistes führte zur autobiographischen Selbststilisierung,
welche seine literatur- und philosophiehistorische Wirkung aber akkurat antizipierte.75
Nietzsche gilt, darüber ist sich die Nachwelt einig, als Vordenker der Expressionisten,
Wegbereiter des Existentialismus und Inspirationsquelle des Post-Strukturalismus sowie
der Postmoderne. Sein verspielt-experimentierender Umgang mit den Phänomenen, was
von der leistungs- und nutzenorientierten, aber auch auf Zerstreuung und Andacht
bedachten Bourgeoisie abgelehnt oder verschmäht wurde, ist das essentiell Animierende
an Nietzsche und gerade hierfür entwickelte die Kunstavantgarde einen offenen Sinn.
Die allseitige Demontage der geschichtsphilosophischen Fortschrittskonzeptionen, wie
das Hegelsche Geschichtswerk als Verwirklichungsprinzip der absoluten Freiheit oder
die Marxsche Eigendynamik von Klassenkämpfen, nahm mit ihm seinen Lauf. Die
Tragik seines Lebens bestand jedoch gerade darin, daß durch ihn, mit ihm und in ihm
sich diese Ideen der Destruktion verwirklichten. Die ganze Skala zwischen Stolz und
Schmerz, Verachtung und Sehnsucht, Einsamkeit und theatralische Inszenierung wird
im Werk des lebensbejahendem Menschenpropheten spürbar.
73
Friedrich Wilhelm Nietzsche, hEHU:DKUKHLWXQG/JHLPDX‰HUPRUDOLVFKHQ6LQQH, Entstanden 1873.
74
Friedrich Wilhelm Nietzsche, -HQVHLWVYRQ*XWXQG%|VH, Originalausgabe 1886.
75
Friedrich Wilhelm Nietzsche, (FFHKRPR, Originalausgabe 1908.
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Die Parallelität der ästhetischen Präsentation zwischen Moritz-Hegel einerseits
und Jean Paul-Nietzsche anderseits liegt nun frei. Beide Argumentationssäulen arbeiten
mit weitgehend deckungsgleichen Prämissen. Während für erstere DSULRUL schon immer
eine letztgültige Wahrheitsgewißheit existiert hat, sind sich letztere hierüber im Zweifel.
Die Prämisse, die Vergegenwärtigung des Vollendeten76 sei ein Verwirklichungsprinzip
der Realität, mag zwar entwicklungsgeschichtlich derzeit als überholt gelten, verworfen
ist es dennoch nicht, denn eine definitive Klärung ist prinzipiell unmöglich. Innerhalb
eines abgeschlossen-axiomatischen Referenzmodells ist die Unentschiedenheit betreffs
der Gültigkeit der getroffenen Setzungen grundsätzlich unauflösbar.77 Ein alternatives
Referenzmodell zur Triangulation der Erkenntnis ist diesbezüglich wenig hilfreich. Ein
Gegenreferenzmodell kann generell keinerlei Aussagen über die dogmatische Gültigkeit
des ursprünglichen Referenzmodells machen, sondern einzig und allein über die eigene
orthodoxe Gültigkeit.78 Damit sind wir nolens volens bei der begrifflichen Obliegenheit
der sprachlichen Verankerung der Wahrheit angelangt, d.h. bei der Projektierbarkeit von
Wahrscheinlichkeitsaussagen im Bezug auf die menschliche Wahrheitsperspektive. Die
Schranken des Objektivitätsanspruches der vorausgesetzten Wahrheitsaussagen werden
hierdurch wieder aufgezeigt, es bleibt ein Produkt intersubjektiver Projektionspraxis.79
Wenn jedoch der objektive Gehalt der menschlichen Wahrheitskonzeption immer gegen
Null strebt, d.h. rein fiktionaler Natur ist, dann stellt sich natürlich sofort die Frage, wie
die Menschheit Mithilfe dieser Anhäufung an ausgewachsenen Illusionen überhaupt hat
historisch überleben können? Offenkundig müssen einige Setzungen prinzipiell wahr
sein, auch wenn wir dies DSRVWHULRUL nicht mehr beweisen können. Daraus folgt zwar,
daß zumindest eine Verknüpfung zwischen der Sprach- und Objektebene bestehen muß,
welche gleichwohl sogar eine unhintergehbare Unterscheidung zwischen der Sprachund Objektebene impliziert, wie diese existentielle Beziehung jedoch konkret aussehen
76
Karl Philipp Moritz, hEHUGLHELOGHQGH1DFKDKPXQJGHV6FK|QHQ Originalausgabe 1788.
77
Douglas R. Hofstadter, *|GHO(VFKHU%DFKHLQ(QGORVHV*HIORFKWHQHV%DQG, Originalausgabe 1979.
78
Ludwig Wittgenstein, 7UDFWDWXVORJLFRSKLORVRSKLFXV, Originalausgabe 1922.
79
Nelson Goodman, 7DWVDFKH)LNWLRQ9RUDXVVDJH, Originalausgabe 1955.
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soll, ist derweil nach wie vor unaufgeklärt.80 Die Definition der Wahrheit determiniert
somit sehr wenig über das Definiendum, als eher etwas über den Definierenden, über
seine ausdrückliche Erwartungshaltung an die Welt, über seine höchstpersönliche
epistemologische Theorie der Wirklichkeit also. Es verrät uns danach nur etwas über die
zugrundegelegte transzendentale Ästhetik.81 Viel schlimmer noch:
„Der dualistische Wahrheits- und Erkenntnistheoretiker hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder er
gibt als Bedingung für die Wiederlegung seiner Theorie Elemente seiner Theorie an: dann bleibt
seine Theorie trotz Wiederlegung erhalten, oder er gibt dafür Elemente einer anderen Theorie an:
dann hat er sich insofern von seiner eigenen Theorie bereits verabschiedet. Wenn etwa ein
Kritischer Rationalist sagt, dass der Kritische Rationalismus dann scheitert, wenn über ihn kein
vernünftiger / wahrer Konsens erzielbar ist, dann ist er insofern kein Kritischer Rationalist
(mehr).“82
Diskursduelle zwischen rivalisierenden Referenzmodellen tragen also überhaupt
nichts zur Wahrheitsfindung bei. Derartige Disputationen sind folglich reine Monologe.
Die Wahrheitspräsentation wird somit zum Zweckutensil des internalisierten Denkens
degradiert. Sie wird quasi als ästhetisch-rhetorische Argumentationstechnik verwendet,
um Rechte auf den Wahrheits-Anspruch einzufordern. Unsere Sprache determiniert sich
durch einen chronischen Objektbezug und damit sind wir automatisch dem Dualismus
verfallen. Um einen Fall überhaupt fokussieren zu können, muß man ihn vom NichtFall unterscheiden – dies geschieht durch dualsprachliche Setzungen. Diese Setzungen
implizieren allerdings D SULRUL nicht nur bereits alles was wir damit jemals werden
fokussieren können, sondern zugleich alle hieraus ableitbaren Erkenntnisse.
Für die ontologisch-metaphysische Orientierung der modernen Ästhetik, welche
den Begriff des Schönen weitgehend durch die Kategorie des Wahren bzw. Wahrhaften
vertauscht hatte,83 ist die zwischenzeitliche Auflösung des Wahrheitsbegriffes durch die
Postmoderne äußerst destruktiv. Für ihre sozio-historische Version, welche die Ästhetik
als integrale Manifestation humaner Lebenspraxis in seiner überlieferten und sozialen
80
Hoimar von Ditfurth, 'HU*HLVWILHOQLFKWYRP+LPPHO, Originalausgabe 1976.
81
Immanuel Kant, .ULWLNGHUUHLQHQ9HUQXQIW, Originalausgabe 1781.
82
Josef Mitterer, 'LH)OXFKWDXVGHU%HOLHELJNHLW, Originalausgabe 2001.
83
Theodor Wiesengrund Adorno, bVWKHWLVFKH7KHRULH, Originalausgabe 1970.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Formation betrachtete,84 ist der Zerfall gesamtgesellschaftlicher Utopien gleichermaßen
zersetzend. Überhaupt läßt sich feststellen, daß die ästhetische Wahrheitserfahrung eher
einer ideologischen Verbrämung hierdurch unterlag, welche zur Sinnesart der Kunst
nichts wesentliches beitrug. Die Bestimmung der Ästhetik als eine Einheit aus Utopie
und Gesellschaftskritik mag aus der praktisch-genuinen Selbstbestimmung des Werks
statthaft sein, von außen letztlich aufoktroyiert geht dies an der dialektischen Praxis
zwischen Geltung und Inbegriff eines Kunstobjekts sowie der Verständnisbereitschaft
des faktischen Rezipienten jedoch ohnehin vorbei. Insoweit ist die konzeptinduzierte
Fehl- und Unterbestimmung der Ästhetik systemimmanent für die verstandesmäßigen
Begrifflichkeiten des philosophischen Dualismus. Der putativ-chronische Objektbezug
unserer Sprache läßt uns viel zu oft vergessen, daß dieser sprachliche Objektbezug zwar
vorausgesetzt wird, aber definitiv nicht erwiesen ist. Nietzsche drückt es pointierter aus:
„Wahrheiten sind Illusionen“85 – sie sind im dualistischen Denken demnach nichts
weiter als Lügen und wer immer dies behauptet ist höchstselbst ein Lügner.
Unsere Reise, welche mit der unmittelbar einleuchtenden HUVWHQ3HUVRQ6LQJXODU
eines skeptischen Descartes’ begann,86 neigt sich nun dem Ende. Der von Lyotard noch
proklamierte Wahrheitsanspruch dank der „Heterogenität der Sprachspiele“87 entpuppt
sich somit als ästhetisches Utensil zur Postulierung von Wahrheits-Anrechten auf einer
fiktiven Wahrheits-Börse, wo offenbar fingierte Wahrheits-Aktien gehandelt werden.
Die Relativierung überkommener Wertmaßstäbe, welche parallel zum unkontrollierten
Wuchern wirtschaftsdynamischer und technokratischer Systeme einhergeht, führte uns
schlußendlich nicht nur zum philosophischen Nullsummenspiel der Wahrheit, sondern
auch die Ästhetik zur vermeintlichen Autonomie im weißen Rauschen der Indifferenz,
kraft der strukturalen Befreiung der Signifikanz von den Konstellationen der Realität.88
84
György Lukács, %HLWUlJH]XU*HVFKLFKWHGHUbVWKHWLN, Originalausgabe 1954.
85
Friedrich Wilhelm Nietzsche, hEHU:DKUKHLWXQG/JHLPDX‰HUPRUDOLVFKHQ6LQQH, Entstanden 1873.
86
René Descartes, 0HGLWDWLRQHQEHUGLH(UVWH3KLORVRSKLH, Originalausgabe 1631.
87
Jean-François Lyotard, 'DVSRVWPRGHUQH:LVVHQ, Originalausgabe 1979.
88
Jean Baudrillard, 'HUV\PEROLVFKH7DXVFKXQGGHU7RG, Originalausgabe 1976.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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Schlußfolgerungen
22
6FKOX‰IROJHUXQJHQ
Im 17. Jahrhundert wurde der philosophische Wahrheitsbegriff durch Descartes
in die selbstkritische Emanzipation vertrieben. Damit wurde eine Entwicklung initiiert,
die sondergleichen in der Geschichte des Menschen war. Einmal von den Fesseln der
göttlichen Ordnung entbunden, entfaltete die Philosophie unter der Vorrangstellung der
Wahrheitsfindung eine derartige gesellschaftliche Durchsetzungskraft, daß sie politische
Herrschaftsstrukturen dahinfegte. Hierzu diente auch die vorbereitende Umformung der
Welt unter ästhetischen Vorgaben. Dabei stellte sich immer deutlicher heraus, daß ein
Grundelement menschlicher Wesenskräfte die subversive Metamorphose des Realen
war. Die dialektische Verzahnung von Sinnlichkeit und Intellekt konnte nämlich nicht
über die zugrundeliegende Dichotomie des Menschen hinweghelfen. Denken und Sein
sind uneigentlich keine zwei Seiten einer Medaille, als vielmehr nur ein Aspekt
derselben Medaillenseite, diejenige der Sprache. Innerhalb der Sprachebene ist aber
schlußendlich jede nur denkbare Wahrheitsnovellierung der Wirklichkeit postulierbar.
Die ästhetische Ausgestaltung der vermeintlich objektiven Wahrheit ist de facto nur
eine Direktion des internalisierten Denkens zur Postulierung von Wahrheitsansprüche in
bezug auf die Objektebene. Hierbei greift man auf einen menschlichen Archetypus von
Symmetrie und Geordnetheit zurück, der die Ästhetik empirisch laboriert hatte. Zuletzt
emanzipierte sich konsequenterweise die ästhetische Signifikanz zur putativen Autarkie.
=XVDPPHQIDVVXQJ
Die literarische Anthropologie machte sich vormals auf, zunächst den Menschen
im Hinblick auf die Art des Aufeinanderbezogenseins zu sich und seiner Umwelt und
dem Wesen und Intention seines Daseins zu untersuchen. Dies ist ihr mehr oder weniger
gut gelungen. Descartes’ „cogito ergo sum“ hat sich entwicklungsgeschichtlich zum
„mentioo ergo sum“ entwertet. Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie
entspricht demzufolge dem fiktiven Wahrheitsgehalt einer ästhetischen Lebenslüge. Es
vermag nur höchst indirekt zur Wahrheitsfindung beitragen, explizit durch die dauernde
Entlarvung der Fragwürdigkeit der Lebenswirklichkeit, die latent am Rande des Chaos
navigiert. Vom dual-nihilistischen Standpunkt muß meine Dialektik also daher als total
unwahr betrachtet werden, als primärer Ausdruck meines internalisierten Denkens.
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
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*
Aus Projekt Gutenberg-DE <http://projekt.gutenberg.de/>
**
Aus Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
Ehrenwörtliche Erklärung
26
(KUHQZ|UWOLFKH(UNOlUXQJ
Hiermit erkläre ich, das ich die vorliegende Hausarbeit mit dem Thema „Der
Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches
am Beispiel von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls
Konjektural-Biographie“ ohne fremde Hilfe erstellt habe. Alle verwendeten Quellen
habe ich angegeben. Ich versichere, daß ich bisher keine Hausarbeit oder sonstige
schriftliche Arbeit mit gleichem oder ähnlichem Thema an der Fernuniversität oder
einer anderen (Fach-) Hochschule abgegeben habe.
Ort, Datum:
Stuttgart, den 26. März 2005
Unterschrift:
Der Wahrheitsanspruch der literarischen Anthropologie im Sinne Hegels, bzw. Nietzsches am Beispiel
von Moritzens ästhetischer Theorie im Anton Reiser und Jean Pauls Konjektural-Biographie
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