Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 1 Prof. Dr.-Ing. Michael Wahle Fachhochschule Aachen Fahrzeugdynamik und MKS- Fachbereich 6 Simulation Luft- und Raumfahrttechnik Wintersemester Übung Lösung Aufstellung der Bewegungsgleichung eines ebenen Viertelfahrzeugmodells aus Diplomarbeit Schorn mit der Lagrange’schen Gleichung 2. Art mit der Ermittlung der beiden Eigenfrequenzen und der statischen Ruhelage z mA , J A kA cA mR φ mQL , J Ql kR cR z x y s(t), s(t ) Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 2 Gegebene Daten: Abstand Achsaufhängung /Federbeinaufhängung l1 = 341[mm] Abstand Achsaufhängung/Radmittelpunkt l2 = 570 [mm] Radmasse (Rad/Bremse/Reifen etc.) mR = 30 [kg] Masse des Querlenkers mQL = 5 [kg] Aufbaumasse (Viertelfahrzeug) mA = 300 [kg] Statische Reifensteifigkeit kR = 160000 [N/m] Steifigkeit der Aufbaufeder kA = 60000 [N/m] Dämpfung des Stoßdämpfers cA = 4200 [N/(m/s)] Dämpfung des Reifens cR = 300 [N/(m/s)] Anmerkungen zur Lösung: - Der Querlenker kann als schmaler dreiecksförmiger Körper angenähert werden - Die Masse m2 ist die äquivalente reduzierte Masse aus Querlenker und Radmasse (Das Massenträgheitsmoment des Querlenkers kann nicht vernachlässigt werden) - Die Aufbaumasse vollführt nur Vertikalbewegungen - In der gezeichneten Lage sind alle Federn ungespannt, wenn s(t) = 0 gilt. Folgende Absolutkoordinaten sind für die gezeichnete Lage gegeben (Angaben in [m]): Schwerpunkt des Aufbaus in der gezeichneten Lage: 0 0 rA1 y SA0 0.45 z 0.6 SA0 Anlenkpunkt des Querlenkers: 0 r1 0.1 0.3 Anlenkpunkt der Aufbaufeder am Aufbau: 0 r2 0.441 0.55 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 3 Aufgabenstellungen: 1.Bewegungsgleichung aufstellen: a) Bestimmen Sie die Schwerpunktslage des Querlenkers sowie sein Massenträgheitsmoment. b) Geben sie an, wie viele Freiheitsgrade das System hat. Stellen sie den Lagevektor mit den in der Zeichnung verwendeten Größen dar. c) Stellen sie die Ortsvektoren der Körperschwerpunkte auf. d) Linearisieren Sie diese Ortsvektoren. e) Bestimmen Sie die Jacobi-Matrizen der Translation. f) Bestimmen Sie die Schwerpunktsgeschwindigkeiten. g) Stellen Sie die Drehmatrizen der Körper auf. h) Bestimmen Sie die Jacobi-Matrizen der Rotation. i) Bestimmen Sie die Winkelgeschwindigkeiten. j) Bestimmen Sie die kinetische Energie des Systems. k) Stellen Sie die linke Seite der Bewegungsgleichung nach Lagrange auf. l) Bestimmen Sie alle eingeprägten Kräfte und Momente. m) Berechnen Sie den Vektor der verallgemeinerten Kräfte (die rechte Seite der Bewegungsgleichung). o) Formulieren Sie die Bewegungsgleichung in Matrizenschreibweise. 2.Berechnen Sie die statische Ruhelage 3.Berechnen Sie die Eigenwerte des ungedämpften Systems Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 4 1.Bewegungsgleichung aufstellen: a) Bestimmen Sie die Schwerpunktslage des Querlenkers sowie sein Massenträgheitsmoment. Lösung: 1.Massenträgheitsmoment bestimmen Die Breite eines Dreiecks beträgt: b( y ) b y b und es gilt: h l l Allgemein gilt: I xx , 0 ( z 2 y 2 )dm , hier mit: dm h b( y) dy Ergibt sich: L L 0 0 I xx , 0 y 2 dm y 2 h b( y ) dy y 2 h (b y b b y3 b y4 L ) dy h ( )0 l 3 4L 1 1 1 h b l3 ( ) h b l3 3 4 12 Die Masse des Querlenkers berechnet sich zu: m b l h. 2 Damit ergibt sich für das Trägheitsmoment um die Aufhängung an der Karosserie: 1 I xx , 0 m l 2 6 Für das MTM um den Schwerpunkt des Querlenkers gilt: 2 I xx ,Sp I xx , 0 1 l 2 m 2 mQL l2 3 18 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 5 2.Gesamtschwerpunkt und Gesamtmasse Die Gesamtmasse der Masse 2 beträgt: m2 mR mQL 35kg Der Gesamtscherpunkt wird durch eine Momentenäquivalenz um den Aufhängepunkt berechnet: m2 l s 2 mR l2 mQL ls 2 mR l2 mQL l2 3 l2 3 m2 l s 2 0.5157 m 3.Gesamt-MTM J s 2 J xx ,Sp,QL mR (l2 l s 2 ) 2 mQL ( l2 l s 2 ) 2 0.7091kgm2 3 b) Geben sie an, wie viele Freiheitsgrade das System hat. Stellen sie den Lagevektor mit den in der Zeichnung verwendeten Größen dar. Lösung: Das System hat folgende Freiheitsgrade: 1. Die Vertikalbewegung des Aufbaus 2. Die Drehbewegung des Querlenkers z Somit ergibt sich der Lagevektor q zu q . c) Stellen sie die Ortsvektoren der Körperschwerpunkte auf. Hierbei ist zu beachten, dass die Lagevektoren nur zeitabhängige Stellfunktionen sowie Lagegrößen des Lagevektors q enthalten dürfen. Alle Angaben sind in einem gewählten oder vorgegebenen Inertialsystem in Absolutkoordinaten anzugeben. Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation Lösung: 0 0 rsA 0.45m rs 2 0.1m l s 2 cos 0.3m z l sin z s2 d) Linearisieren Sie diese Ortsvektoren. Bei der Linearisierung wird hier jeder Kosinus-Term durch eine 1 und jeder SinusTerm durch sein Argument ersetzt. Dies ist nur für kleine Ausschläge um die statische Ruhelage zulässig. Lösung: 0 0 rsA 0.45m rs 2 0.1m l s 2 z 0.3m z l s 2 e) Bestimmen Sie die Jacobi-Matrizen der Translation. Die Jacobi-Matrix der Translation ist erforderlich, um die Schwerpunktsgeschwindigkeiten zu bestimmen. Für jeden Körper im System muss eine eigene Jacobi-Matrix berechnet werden. Diese stellt die Ableitung der Schwerpunktsvektoren nach den Lagegrößen dar. Mathematisch ausgedrückt: x si q1 y r J Ti siT si q q1 z si q 1 xsi q2 y si q2 z si q2 xsi xsi q3 ..... q f y si y ..... si q3 q f ..... z si z si q3 q f Lösung: 0 0 JT1 0 0 1 0 JT 2 0 0 0 0 1 l s2 6 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation f) Bestimmen Sie die Schwerpunktsgeschwindigkeiten. Die Schwerpunktsgeschwindigkeit errechnet sich aus zwei Anteilen: einem Anteil, der durch zeitabhängige Stellgrößen hervorgerufen wird und dem Anteil resultierend aus den Freiheitsgraden des Körpers. Es lässt sich formulieren: vsi J Ti q vsi xsi t rsi y si mit v si t t z si t Lösung: In diesem Beispiel existieren keine zeitabhängigen Stellgrößen, dementsprechen sind diese Anteile nicht vorhanden, also: vsi 0 . Die Absolutgeschwindigkeiten der Schwerpunkte ergeben sich also zu: 0 0 0 z vs1 J T 1 q 0 0 0 1 0 z 0 0 0 z vs 2 J T 2 q 0 0 0 1 l z l s2 s2 g) Stellen Sie die Drehmatrizen der Körper auf. Der erste Schritt zur Beschreibung des rotatorischen Bewegungsverhaltens eines Körpers besteht darin, seine Drehmatrix aufzustellen. Im Allgemeinen kann eine beliebige Position im Raum durch maximal drei Drehungen dargestellt werden. Beim Aufstellen der Gesamtdrehmatrix ist die Reihenfolge der Rotationen wichtig. Ist die Gesamtdrehmatrix durch 7 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 8 S1 S1 S1 S1 gegeben, dann ist die Rotation um den Winkel Alpha die erste Rotation, um aus dem Inertialkoordinatensystem schrittweise das körperfeste Koordinatensystem zu erhalten. Das heißt, dass die einzelnen Teildrehungen in der Formel die selbe Reihenfolge einnehmen wie eine durchgeführte Drehung aus dem Inertialsystem ins körperfeste System. Es ist darauf zu achten, dass beim Aufstellen der kinetischen Energie entweder im Parallel- oder im körperfesten System gearbeitet wird. Die Winkelgeschwindigkeit, die im weiteren Verlauf berechnet wird, ist die Winkelgeschwindigkeit im Inertial-, also Parallelsystem. Es ist dann möglich, die Winkelgeschwindigkeit auf das körperfeste System zurückzurechnen, oder es ist die Transformation des Massenträgheitstensors durchzuführen: J iP Si J iK SiT Bei zweidimensionalen Problemstellungen, wie hier in diesem Beispiel, ist die Vorgehensweise recht einfach. Es gibt stets nur eine Rotation und Winkelgeschwindigkeiten im körperfesten System sowie im Inertialsystem sind identisch. Anmerkung: Bei den Drehungen sind alle Drehungen zu berücksichtigen, auch diese um vorgegebene zeitabhängige Winkelverläufe, die keine echten Freiheitsgrade darstellen. Die Drehmatrizen für die Rotationen um die 1., 2. bzw. 3. Koordinatenachse (meist x, y und z) um die Winkel Alpha, Beta und Gamma sind: 0 1 S 0 cos 0 sin cos S 0 sin cos S sin 0 sin cos 0 0 sin 1 0 0 cos sin cos 0 0 0 1 Rotation um die erste Koordinatenachse Rotation um die zweite Koordinatenachse Rotation um die dritte Koordinatenachse Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 9 Lösung: In diesem Beispiel vollführt nur der Körper 2 eine Rotation um die X-Achse. Dementsprechend ist die Drehmatrix gegeben durch: 0 1 S 2 S 0 cos 0 sin sin cos 0 h) Bestimmen Sie die Jacobi-Matrizen der Rotation. Im Allgemeinen muss für jeden Freiheitsgrad und jeden Körper eine eigene Differentiation durchgeführt werden. Im Folgenden wird in mathematischer Form die Jakobimatrix der Rotation für einen Körper erstellt. Die Drehmatrix des Körpers sei S i . Dann muss für alle f Einträge des Lagevektors, also alle Freiheitsgrade die folgende Operation durchgeführt werden. Der aktuelle Freiheitsgrad habe den Index j (j= 1…f). 0 S i T siz Si q j q j siy q j s iz q j 0 six q j siy q j six q j 0 Die Einträge dieser Matrix ergeben dann die j-te Spalte in der Jacobi-Matrix der Rotation. six q1 s J Ri iy q1 siz q1 six q 2 siy q 2 siz q 2 ..... q f siz ..... q f ..... six q f siy Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation Der Ausdruck 10 S i T S i stellt sich ausgeschrieben wie folgt dar. q j S1 S1 S1 S1 S S i T S1 Si S1 S1 S1T S1T S1T S1 1 S1 S1T S1T S1T q j q j q j S1 S1 S1 q j S1T S1T S1T Dabei ist zu beachten, dass eine Drehmatrix mit ihrer Transponierten die Einheitsmatrix ergibt, also beispielsweise S1 S1 E . Dies folgt aus der T Orthogonalität von Drehmatrizen. Lösung: Da der erste Körper keine Drehbewegung vollführt, ist eine Berechnung nicht notwendig. Der zweite Körper hatte folgende Drehmatrix: 0 1 S 2 S 0 cos 0 sin sin cos 0 Die Ableitung nach dem ersten Freiheitsgrad z ist trivialerweise gleich Null. Dementsprechend ergibt sich in der Jacobi-Matrix der Rotation die erste Spalte zu einer Null-Spalte. 0 0 S 2 T S 2 0 sin 0 cos 0 1 cos 0 cos sin 0 sin 0 0 0 0 0 sin 0 0 1 cos 0 1 0 Somit ist die zweite Spalte der Jacobi-Matrix der Rotation bestimmt. Die Gesamtmatrix ergibt sich zu: 0 0 J2 0 0 0 1 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 11 i) Bestimmen Sie die Winkelgeschwindigkeiten. Ähnlich wie bei der Berechnung der Schwerpunktsgeschwindigkeiten gibt es auch hier zwei Anteile, einen stellgrößenabhängigen Anteil sowie einen Anteil, der von den Freiheitsgraden abhängt: i J Ri q i i erfolgt analog zur Berechnung der Jacobi-Matrix der Die Berechnung von Rotation. Die partielle Differentiation geschieht hier allerdings nach der Zeit und nicht nach einer Lagegröße: 0 S i T siz Si t t siy t siz t 0 six t siy t s ix t 0 six t s i iy t siz t Bei der Berechnung ist, ähnlich wie zuvor, in gleicher Weise die Produktregel bei der Differentiation einzusetzen, falls mehr als eine Drehmatrix zeitabhängige Größen enthält. Lösung: Da es keine zeitabhängigen erzwungenen Rotationen gibt, ergibt sich: i 0 . Weiterhin vollführt nur Körper 2 eine Drehbewegung: 0 0 0 z 2 J R 2 q 0 0 0 0 1 Bemerkung: Dieses Ergebnis erscheint trivial. Bei einfachen Systemen hat diese Vorgehensweise gewiss einige Nachteile. Dennoch ist es nötig, eine solche verallgemeinerte Vorgehensweise zu wählen, um Programmierbarkeit zu Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 12 gewährleisten. Bei komplexen, dreidimensionalen Problemen ist diese Methode beim „per-Hand-Rechnen“ weiterhin weit weniger fehleranfällig als andere, die ein schnelleres Vorgehen durch Problemlösen „durch Hinsehen“ versprechen. j) Bestimmen Sie die kinetische Energie des Systems. Für die kinetische Energie gilt ganz allgemein bei p Körpern: EK 1 p T vsi mi vsi iT J iP i 2 i 1 Lösung: 0 0 0 1 E K 0 0 z m A 0 0 0 z l s 2 m2 0 0 0 J 2 0 2 z z l s2 1 2 m A z 2 m2 z l s 2 J 2 2 2 k) Stellen Sie die linke Seite der Bewegungsgleichung nach Lagrange auf. Lagrange’sche Gleichung 2.Art: d EK dt q T EK T d q Die linke Seite der Gleichung ist berechenbar, sobald die kinetische Energie des Systems berechnet wurde. Die rechte Seite der Gleichung wird als „Vektor der verallgemeinerten Kräfte“ bezeichnet. Die Berechnung von d folgt in einem späteren Unterpunkt. Die Anzahl der Zeilen des Gleichungssystems entspricht der Anzahl der Freiheitsgrade des Systems. Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 13 Lösung: 1 2 mA z 2 m2 z ls 2 J 2 2 2 Erster Freiheitsgrad: z EK d E K E K d1 dt z z 1) E K 0 z 2) E K m A z m2 z l s 2 z d E K m A z m2 z l s 2 dt z Zweiter Freiheitsgrad: d EK EK d2 dt 1) EK 0 2) EK J 2 m2 ls 2 z ls 2 d EK J 2 m2 ls 2 z ls 2 dt Damit ergibt sich das Gleichungssystem zu: m A z m2 z l s 2 d1 J m l z l 2 2 s2 s2 d2 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 14 l) Bestimmen Sie alle eingeprägten Kräfte und Momente. Eingeprägte Kräfte sind: -Federkräfte -Dämpferkräfte -Gewichtskräfte -Prozesskräfte -Antriebskräfte/-momente Im Gegensatz zu Zwangskräften wie: -Stabkräfte -Gelenkkräfte Kräfte und Momente müssen im Allgemeinen für jeden Körper aufgestellt werden. Wenn ein Körper keine Drehbewegung vollführt, also die Jacobi-Matrix der Rotation nur Nulleinträge besitzt, dann ist es nicht nötig die Momente auf diesen Körper aufzustellen, da diese sich nicht auf das Bewegungsverhalten des Systems auswirken. Entsprechend verhält es sich mit den eingeprägten Kräften bei reiner Rotation. Anmerkung: Es empfiehlt sich, eine ausgelenkte Lage zu zeichnen, um die eingeprägten Kräfte und Momente aufzustellen. Lösung: 0 f E1 0 l k l c m g 1 A A 1 A fE2 0 0 l k l c m g ( z z l s(t )) k ( z l s(t )) c 1 A 1 A 2 sA0 2 R 2 R z sA0 0.6m (entspricht dem Betrag von z (absolut), bei dem falls gleichzeitig s(t) = 0 und =0 die Aufbaufeder ungespannt ist. Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 15 (ls 2 l1 ) ( l1 k A l1 c A ) (l2 ls 2 ) ( z z sA0 l2 s (t )) k R ( z l2 s(t )) cR mE 2 0 0 m) Berechnen Sie den Vektor der verallgemeinerten Kräfte (die rechte Seite der Bewegungsgleichung). Der Vektor der verallgemeinerten Kräfte berechnet sich zu: d J TiT f Ei J RiT mEi p i 1 Bei konservativen Systemen, d.h. bei Systemen, die keine Energie verlieren (beispielsweise durch Dämpfer, Coulomb’sche Reibung etc.) kann vereinfacht berechnet werden: E E d TP P q q1 E P q 2 E .... P q f T Lösung: Bei dem gegebenen Beispiel handelt es sich nicht um ein konservatives System. Dementsprechend wird die erste Formel angewendet: d JTT1 f E1 JTT2 f E 2 J RT 2 mE 2 0 l1 k A l1 c A m A g 0 0 1 J f E1 0 0 0 0 0 l1 k A l1 c A m A g T T1 J TT2 f E 2 0 0 0 1 0 0 0 l l1 c A m2 g s 2 l1 k A ( z z l s (t )) k ( z l s(t )) c sA0 2 R 2 R l1 k A l1 c A m2 g ( z z sA0 l 2 s (t )) k R ( z l 2 s(t )) c R l l k l c m g ( z z l s ( t )) k ( z l s ( t )) c s2 1 A 1 A 2 sA0 2 R 2 R Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 16 (l s 2 l1 ) ( l1 k A l1 c A ) ( l l ) ( z z l s ( t )) k ( z l s ( t )) c sA0 2 R 2 R 0 0 0 2 s2 J RT 2 mE 2 0 1 0 0 0 0 ( l l ) ( l k l c ) 1 A 1 A s2 1 (l l ) ( z z l s (t )) k ( z l s(t )) c 2 s2 sA0 2 R 2 R Nach Addition und Vereinfachung ergibt sich d zu: m1 g m2 g ( z z sA0 l 2 s(t )) k R ( z l 2 s(t )) c R d 2 2 m g l l k l c l k ( z z l s ( t )) l c ( z l s ( t )) 2 s2 1 A 1 A 2 R sA0 2 2 R 2 o) Formulieren Sie die Bewegungsgleichung in Matrizenschreibweise. Eine lineare Bewegungs-Differentialgleichung hat die Form: Mq Cq Kq F M: Massenmatrix C: Dämpfungsmatrix K: Steifigkeitsmatrix F: Erregungsmatrix (Störglied) Im ersten Schritt sollten alle Terme, in denen Bewegungsgrößen sowie ihre Ableitungen vorkommen, auf die linke Seite des Gleichungssystems gebracht werden. Im nächsten Schritt kann man das Gleichungssystem in Matrizenform angeben. Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 17 Die beiden Zeilen der Bewegungsgleichung ergeben sich sortiert zu: m A z m2 z m2 l s 2 c R z c R l2 k R z k R l2 m1 g m2 g k R z sA0 k R s(t ) c R s(t ) (1) m2 l s 2 z ( J 2 m2 l s22 ) l 2 c R z (c R l 2 c A l 2 ) 2 1 l 2 k R z (k R l k A l ) m2 g l s 2 l 2 k R z sA0 l 2 k R s(t ) l 2 c R s(t ) 2 2 2 1 (2) Nun kann abschließend die Bewegungsgleichung in Matrizenschreibweise aufgestellt werden: cR l2 m2 l s 2 z c R z k R m A m2 2 2 2 m2 l s 2 J 2 m2 l s 2 c R l 2 c R l c A l k R l 2 m1 g m2 g k R z sA0 k R s(t ) c R s(t ) m g l l k z l k s ( t ) l c s ( t ) 2 s2 2 R sA0 2 R 2 R 2 1 k R l2 z 2 2 k R l k A l 2 1 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 18 2.Berechnen Sie die statische Ruhelage Für die statische Ruhelage gilt: Alle beschleunigungs- sowie geschwindigkeitsabhängige Terme sind gleich Null. Weiterhin sind die Erregerterme gleich Null. Mathematisch heißt das: q , q , s(t ), s(t ) 0 . Somit gilt für die statische Ruhelage: q K 1 F Die Berechnung der Inversen der Stefigkeitsmatrix erfolgt nach den üblichen Regeln der Mathematik. Für eine 2x2 Matrix soll die vereinfachte Berechnungsformel kurz angegeben werden: 1 a b d b 1 d b 1 A det A c a a d b c c a c d 1 Somit ergibt sich: 1 k R l2 m1 g m2 g k R z sA0 2 2 k R l k A l m2 g l s 2 l 2 k R z sA0 kR q k R l2 2 1 k R l 2 m1 g m2 g k R z sA0 k R m2 g l s 2 l 2 k R z sA0 kR l k A l 2 1 k R k A l 2 k R l 2 2 2 1 1 (k R l 2 k A l 2 ) (m1 g m2 g k R z sA0 ) k R l 2 (m2 g l s 2 l 2 k R z sA0 ) 1 k R k A l 2 k R l 2 (m1 g m2 g k R z sA0 ) k R (m2 g l s 2 l 2 k R z sA0 ) 2 1 1 Mit den vorgegebenen Daten ergibt sich ein numerisches Ergebnis von: 0.4409 m 0.4409 m ˆ qlinear 0.243 13.93 In Simpack ergibt sich bei nichtlinearer Rechnung zum Vergleich ein Ergebnis von: 0.434 m . Dies entspricht einer Abweichung von +1.59 und -5.45 Prozent. qnichtlinear 0 . 257 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 19 3.Berechnen Sie die Eigenwerte des ungedämpften Systems Der Eigenwertansatz lautet: x einen Eigenvektor darstellt. stellt den zugehörigen x(t ) ~ x e t , wobei ~ Eigenwert dar. Es gilt: K K i k . K : Abklingkonstante (Nicht mit Lehr’schem Dämpfungsmaß zu verwechseln) k : Eigenfrequenz Damit ergibt sich das allgemeine Eigenwertproblem zu: (M 2 C K ) ~ x 0 Die nichttriviale Lösung dieses Gleichungssystems für die Eigenwerte des Systems ergibt sich aus dem charakteristischen Polynom: p( ) det(M 2 C K ) 0 Um eine analytische Lösung zu erhalten, ist es nötig, die Dämpfung zu vernachlässigen. Andernfalls müssten numerische Nullstellenverfahren, herangezogen werden, um die komplexen Eigenwerte zu berechnen. Dies ist bei schwach gedämpften Systemen in der Regel in erster Näherung zulässig. Damit erhalten wir: p( ) det(M 2 K ) 0 m m2 det A m2 ls 2 m2 ls 2 2 kR J 2 m2 l k R l2 2 s2 (m A m2 ) ( J 2 m2 l ) (m2 ls 2 ) 4 2 s2 2 k R l2 0 k R l k A l 2 2 2 1 (m A m2 ) (k R l k A l ) k R ( J 2 m2 ls22 ) 2 m2 ls 2 k R l2 k R k A l 2 0 2 2 2 2 1 1 Mit: A (mA m2 ) ( J 2 m2 ls22 ) (m2 ls 2 ) 2 , B (mA m2 ) (k R l 2 k A l 2 ) k R ( J 2 m2 ls22 ) 2 m2 ls 2 k R l2 , 2 C k R k A l 2 und 1 I ,II 2 ergibt sich: 1 Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 20 2I , II A I , II B C 0 I , II B C B2 2 2A A 4 A Damit ergeben sich numerische Ergebnisse von: I 62.4566 s 2 II 5898 .8s 2 Mit: I ,II 2 und K K ik ergeben sich die beiden Eigenfrequenzen zu: 1 I 7.903 s 1 ˆ f1 1.2578 Hz 2 II 76.8s 1 ˆ f 2 12.22 Hz Vergleich mit SIMPACK (gedämpfte Eigenwerte um statische Ruhelage): f1,SIMPACK 1.1079 Hz f 2 ,SIMPACK 10.8782 Hz 1 0.2647 2 0.3657 Damit ergibt sich für die erste Eigenfrequenz eine Abweichung von +13.53 % und für die zweite Eigenfrequenz eine Abweichung von +12.33 % im Vergleich zur Berechnung mit SIMPACK. Hier ist noch anzumerken, dass die Linearisierung um die Ausgangsposition in diesem Beispiel stattfand. Es kommt zu relativ großen Abweichungen, da die statische Ruhelage recht stark von der Ausgangsposition abweicht. Berechnet man in SIMPACK die Eigenwerte um die Ausgangsposition ergeben sich geringere Abweichungen. Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 21 4.Berechnung einer harmonische Erregung Bei der Berechnung der harmonischen Erregung betrachtet man eine harmonische Schwingung um die statische Ruhelage, die normalerweise den Linearisierungspunkt darstellt, in dessen Nähe die linearen Ansätze meist in guter Näherung gültig sind (bei nichtlinearen Systemen). Anmerkung: Hier soll nur das allgemeine Vorgehen beschrieben werden, somit sind die verwendeten Koordinaten nicht in Korrespondenz zum Beispiel gewählt. Hier stellt x den allgemeinen Auslenkungsvektor des Systems dar. x(t ) xstat xdyn e it (stationäre Lösung, Einschwingvorgänge abgeklungen) Die statische Lösung wurde zuvor schon behandelt. Sie ergibt sich zu: xstat K 1 Fstat Setzt man den Ansatz in die Bewegungsgleichung ein erhält man folgende Bestimmungsgleichung in komplexer Form: ( M 2 i C K ) xdyn Fdyn xdyn ( M 2 i C K ) 1 Fdyn A1 Fdyn Mit: A ( M 2 i C K ) Diese Form erzwingt eine Lösung im komplexen Raum. Teilt man die Matrix A in Real- und Imaginärteil auf, so kann man zwei Bestimmungsgleichungen im realen Zahlenraum berechnen: A Ar i Ai mit: Ar M 2 K und Ai C Eingesetzt erhält man: ( Ar i Ai )( xr i xi ) Fr i Fi Fahrzeugdynamik und MKS-Simulation 22 Durch Koeffizientenvergleich erhält man: Ar xr Ai xi Fr (1) Ai xr Ar xi Fi (2) Aus (1) erhält man: 1 xr Ar ( Ai xi Fr ) (3) Eingesetzt in (2) ergibt sich für den Imaginärteil der Lösung: 1 Ai Ar ( Ai xi Fr ) Ar xi Fi 1 1 ( Ai Ar Ai Ar ) xi Fi Ai Ar Fr 1 1 xi ( Ai Ar Ai Ar ) 1 ( Fi Ai Ar Fr ) Und abschließend für den Realteil aus (3): 1 1 1 xr Ar [ Ai ( Ai Ar Ai Ar ) 1 ( Fi Ai Ar Fr ) Fr ] Die Gesamtlösung lautet nun: x(t ) xstat ( xr i xi ) eit Anmerkung: Dieses Vorgehen gilt für eine Erregung von s(t) mit einer Frequenz. Liegt eine periodische Erregung mit mehreren Frequenzanteilen vor, so muss das Verfahren für jede einzelne Erregerfrequenz separat durchgeführt werden. Die Gesamtlösung kann dann durch Superposition der Einzellösungen erzeugt werden. Dies ist nur bei linearer Betrachtung möglich.