Wildbienen-Anatomie

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Wildbienen-Anatomie
Wildbienen sind Insekten, also 'Kerbtiere', deren drei Hauptabschnitte deutlich durch "Einkerbungen"
voneinander getrennt sind: Kopf, Bruststück (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Hinzu kommen die
Flügel und Beine zur Fortbewegung.
Kopf – Caput
Besonders auffällig sind die großen Facettenaugen auf beiden Seiten des Bienenkopfes:
schillernde ovale und stark gewölbte Flächen. Sie ermöglichen einen weiten Rundumblick,
aber kein räumliches Sehen. Oberhalb dieser großen Augen liegen weiter hinten auf dem
Scheitel noch drei kleine Punktaugen (Ocellen).
Vor den Facettenaugen befinden sich zwei Fühler (Antennen), die bei Weibchen aus 12
und bei den Männchen in der Regel aus 13 Gliedern bestehen. Unterschieden wird der Schaft
(Scapus) und die mehrgliedrige Geißel (Flagellum). Die Fühler sind meist so lang wie der
Kopf, erreichen bei Männchen aber auch Körperlänge.
Zwischen den Antennen unterhalb der Stirn liegt das Stirnschildchen, das unten an den
Kopfschild (Clypeus) stößt. Darunter schließen sich die Oberlippe (Labrum), die Oberkiefer
(Mandibeln) und Unterkiefer (Maxillen) und die Unterlippe (Labium) an. Unterkiefer und
Unterlippe bilden den Saugrüssel.
Bruststück – Thorax
Der mittlere, fast kugelförmige Teil des Bienenkörpers ist der Thorax, der aus drei
Brustsegmenten (Prothorax, Mesothorax, Metathorax bzw. Brustschildern: Scutum, Scutellum,
Postscutellum) und einem Hinterleibsegment (Propodeum) besteht. Getragen wird er vorn, in
der Mitte und hinten von drei Beinpaaren. In der "Schultergegend" setzen vier Flügel an, die
von der mächtigen Brustmuskulatur angetrieben werden.
Hinterleib – Abdomen, Metasoma
Genaugenommen ist der Hinterleib einer Biene nicht nur das, was man zu sehen glaubt: Da
das erste Segment des Hinterleibs bzw. Abdomens in der Evolution mit den Brustsegmenten
verwuchs, befindet sich die "Wespentaille" der Bienen nicht zwischen Thorax und Abdomen,
sondern ist eine Einschnürung des Hinterleibs selbst, nämlich zwischen (Propodeum) und
dem langen Körperende, dem Metasoma (von altgriechisch meta = ′nach, hinter′ etc. & soma
= ′Körper′). Eigentlich müßte man also bei der Beschreibung einer Biene den Hinterleib korrekt
"Metasoma" nennen, dennoch spricht man meist (und fälschlich) vom "Abdomen". Die
Existenz der "Wespentaille" unterscheidet übrigens die Bienen und andere Insekten – etwa
Schlupfwespen, Gallwespen, Goldwespen, Ameisen etc. – von den Pflanzenwespen
(Symphyta).
Das Abdomen bzw. korrekt Metasoma besteht aus Segmenten bzw. halben Ringen: Die
oberen (= dorsalen) Segmente sind die Terga (Einzahl: Tergum), die unteren (= ventralen)
sind die Sterna (von Sternum). Verbunden werden beide Segmente jeweils von den Pleuren.
Die harten (sklerotisierten) Teile der Terga und Sterna bezeichnet man als Tergite und
Sternite, sie sind die eigentlichen Panzerringe. Die Sternite vieler Arten tragen Sammelhaare,
die eine ′Bauchbürste′ bilden, die Ventralscopa.
Flügel
Auch wenn man an ruhenden Bienen auf den ersten Blick nur zwei Fügel wahrnimmt:
Wildbienen besitzen zwei meist durchsichtige oder durchscheinende Flügelpaare, die deutlich
sichtbar von Adern durchzogen sind, die die Flügelhaut in Zellen teilen und stabilisieren. Am
äußeren Flügelrand ist eine kleine schmale dunkle Zelle zu sehen, ein Stigma (′Mal, Fleck′)
bzw. Pterostigma. Die Äderung und Form und Größe der Zellen helfen, die
Wildbienengattungen zu unterscheiden. Die Vorder- und Hinterflügel werden an ihren
Rändern durch Häkchen (Hamuli) verbunden, wodurch großere Tragflächen entstehen.
Beine
Drei Beinpaare weisen die Bienen als Insekten aus. Ein Bein besteht aus fünf Teilen: Hüfte
(Coxa), Schenkelring (Trochanter), Schenkel (Femur), Schiene (Tibia) und Fuß (Tarsus), der
wiederum in fünf Glieder (Tarsomeren) unterteilt ist. Das erste Fußglied ist das Fersenglied
(Metatarsus), das letzte das Krallenglied (Prätarsus). Die Begriffe sind überwiegend der
menschlichen bzw. Säugetieranatomie entlehnt.
Die Schienen sind oft deutlich verbreitert und weisen bei Weibchen oft eine Schienenbürste
(Körbchenhaare bzw. Scopa) auf, die dem Transport der Pollen dient; diese bilden an
blütenreichen Tagen auffällig dicke goldige Polster.
Der Fuß (Tarsus) setzt sich genaugenommen aus fünf Gliedern (Tarsen) zusammen, deren
erster verlängert und abgeflacht ist. Die Weibchen mancher Gattungen besitzen hier eine
Pollenbürste. Das letzte, fünfte Fußglied besitzt ein Paar Klauen.
Pelz, Behaarung
Viele Wildbienen weisen eine nur spärliche oder kurzflorige, jedenfalls wenig auffällige
Behaarung auf, die sich vor allem am seitlichen und hinteren Thorax, zwischen den Tergiten
und auf den Beinen konzentriert, andere (Maskenbienen: Hylaeus spec.) sind unbehaart;
geprägt wird ihr Erscheinungsbild überwiegend oder ausschließlich durch die Größe, Form
und Farben ihres Körpers. Etliche Arten aber tragen einen dichten und hohen Pelz, der oft
durch eine leuchtend bräunliche oder gelbliche Färbung auffällt und besonders den Thorax
viel dicker erscheinen läßt, als er in Wirklichkeit ist. Solche Bienenarten lassen sich auf den
ersten Blick von der Honigbiene unterscheiden, auch wenn sie ansonsten gleichgroß sind.
Besonders aufällig ist dies bei den Hummeln, die durch ihren Pelz kompakter
("pummeliger") erscheinen, als sie es unbepelzt wären. Der Pelz trägt nicht nur die auffälligen
Farbstreifenmuster, die uns Menschen die Artbestimmung erleichtern, sondern hält diese an
sich wechselwarmen Tiere bei niedrigen Außentemperaturen auch warm.
Die Helle Erdhummel, Bombus lucorum, W N an Salix nigricans; Salzburg, Zell/Wallersee;
ein gelungenes Portrait, fotografiert vom Hummelexperten Johann Neumayer
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