Pathophysiologie und Therapie des Strabismus

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Augenärztliche Fortbildung
Pathophysiologie und Therapie des
Strabismus deorsoadductorius
(Pathophysiology and therapy of strabismus deorsoadductorius)
Michael Gräf, Birgit Lorenz
Univ.-Augenklinik Gießen
(Direktorin: Univ. Prof. Dr. med. B. Lorenz)
Zusammenfassung: Als Strabismus deorsoadductorius wird ein Schielen bezeichnet, bei dem der Tieferstand des
schielenden Auges im Blick zur Gegenseite zunimmt. Ist das dominante Auge betroffen, äußert sich die Störung als Höherstand des anderen Auges in Abduktion. Daneben besteht in der Regel eine Inzyklodeviation mit
A-Inkomitanz. Im Auf- und Abblick kann sich die Höhenabweichung relativ konkomitant verhalten. Der Strabismus deorsoadductorius kommt weniger häufig vor als der Strabismus sursoadductorius.
Prinzipiell sind bei beiden Formen zwei pathogenetisch unterschiedliche Möglichkeiten zu unterscheiden. Der
Strabismus deorsoadductorius kann bei manifesten Horizontalschielformen und auch bei zentralen Läsionen aus
einer Obliquus-superior-Überaktivität resultieren. Dies ist vergleichbar dem Strabismus sursoadductorius infolge
einer Obliquus-inferior-Überaktivität beim frühkindlichen Innenschielen. Ein Strabismus deorsoadductorius kann
aber auch bei normalem Binokularsehen und ohne weitere Störungen auftreten, vergleichbar mit dem dekompensierenden Strabismus sursoadductorius. Als Ursachen eines dekompensierenden Strabismus deorsoadductorius
sind Paresen des Obliquus inferior oder des kontralateralen Rectus inferior, Fehlinnervationen und supranukleäre
Störungen zu diskutieren, wobei vermutet wird, dass adaptive Mechanismen das nach den Regeln von Hering und
Sherrington zu erwartende Motilitätsmuster verändern. Eine spontane Normalisierung des Strabismus deorsoadductorius ist nicht zu erwarten. Die Behandlung erfolgt operativ. Die Indikation hängt von den Beschwerden des
Patienten ab. Primär kommen schwächende Eingriffe am ipsilateralen Obliquus superior, alternativ die alleinige
oder zusätzliche Faltung bzw. Vorlagerung des Obliquus inferior in seiner Zugrichtung in Betracht. Abhängig vom
Motilitätsmuster kann die Rücklagerung des kontralateralen Rectus superior sinnvoll sein.
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345-354 (2009)
Summary: Strabismus deorsoadductorius („down-shoot in adduction”) is characterized by hypodeviation of the
deviating eye. The hypodeviation increases with contralateral side gaze and may be widely comitant in up- and
down-gaze. Strabismus deorsoadductorius is less frequent than strabismus sursoadductorius. Strabismus deorsoadductorius may result from superior oblique overaction due to excessive innervation of the superior oblique
muscles. This condition occurs in combination with manifest horizontal strabismus or a central disorder. This is
comparable to inferior oblique overaction which occurs combined with infantile esotropia. On the other hand,
strabismus deorsoadductorius may result from peripheral lesions, comparable to decompensating strabismus sursoadductorius. Paresis of the inferior oblique or contralateral inferior rectus muscles, peripheral and supra-nuclear
misdirection, as well as other supra-nuclear disorder must be considered as possible causes of decompensating
strabismus deorsoadductorius. The ocular motility pattern resulting from the causative lesion expected from the
rules of Hering and Sherrington can be modulated by adaptation. Spontaneous improvement of the disorder is
unlikely. The indication for surgery depends on the patient’s complaints. Recession of the ipsilateral superior
oblique tendon and tucking/advancement of the ipsilateral inferior oblique muscle along its pulling direction are
recommended procedures of first choice. They can be combined within the same session. Alternatively, recession
of the contralateral superior rectus muscle may be beneficial, depending on the individual motility pattern.
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345-354 (2009)
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
Schlüsselwörter: Obliquusinferior-Parese, Obliquus-­
superior-Überfunktion,
Strabismus deorsoadductorius,
Strabismus sursoadductorius
Key Words: inferior oblique
overaction, inferior oblique
palsy, strabismus deorso­
adductorius, strabismus
sursoadductorius, superior
oblique overaction, superior
oblique palsy
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M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
Strabismus deorsoadductorius
bezeichnet ein Höhenschielen,
bei dem das schielende Auge in
Adduktion zunehmend nach
unten abweicht.
Der Begriff Strabismus deorsoadductorius bezeichnet im Prinzip jedes Höhenschielen, bei dem das schielende Auge
in Adduktion zunehmend nach unten
(deorsum) abweicht (Abbildung 1). Der
Begriff ist deskriptiv, er enthält keine
Diagnose. Im engeren Sinn wird er für
Störungen mit einem typischen Motilitätsmuster benutzt, das in einem Tieferstand des betroffenen Auges, einer Inzyklotropie und einer A-Inkomitanz
besteht (Abbildung 2; Tabelle1). Definitionsgemäß nimmt der Tieferstand
bei Adduktion zu. Führt das betroffene
Auge, so imponiert ein Höherstand des
anderen Auges, der in Abduktion zunimmt. Der Einfluss der Kopfneigung
ist weniger markant als beim Strabismus
sursoadductorius. In der Regel ist das
Höhenschielen bei Neigung zur Gegen-
seite größer als bei Neigung zur Seite des
betroffenen Auges. Die bevorzugte Kopfhaltung ist eine Drehung zur Gegenseite
oder Neigung zur betroffenen Seite.
Hypothesen zur Pathophysiologie
des Strabismus deorsoadductorius
Der Strabismus deorsoadductorius wird
in Lehrbüchern relativ kurz abgehandelt,
vielleicht weil seine Entstehung oft unklar ist [1, 18, 29, 33, 35, 40]. Die in diesem Artikel diskutierten, teils hypothetischen Ursachen bilden das Spektrum
ätiologischer Möglichkeiten grob ab. Im
Einzelfall ist die Genese oft unklar. Von
Noorden unterscheidet „primäre“ Formen
unklarer Ätiologie und „sekundäre“ Formen [30]. Als mögliche Ursachen eines
sekundären „downshoot in adduction“
Abbildung 1: Rechtsseitiger Strabismus deorsoadductorius. Zunehmende Hypotropie des rechten Auges im Linksblick.
Tabelle 1: Dekompensierender Strabismus deorsoadductorius:
Typische Befunde
n Tieferstand (VD) in Primärposition, in Adduktion zunehmend
n VD im Auf- und Abblick ähnlich groß
n Zunahme der VD bei kontralateraler Kopfneigung
n Inzyklodeviation
n A-Inkomitanz
Abbildung 2: Rechtsseitiger Strabismus deorsoadductorius. Violett: Zunehmende Hypotropie des rechten Auges bei Adduktion.
Ocker: Geringe A-Inkomitanz von 3°. Blau: In Abduktion betonte
Inzyklodeviation. Grün: Moderates Kopfneigephänomen von 5°.
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Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
(Strabismus deorsoadductorius) werden
genannt [30]:
n Parese oder Paralyse des ipsilateralen
Obliquus inferior
n Parese oder Paralyse des kontralateralen Rectus inferior
n Retraktionssyndrom
nach Stilling,
Türk und Duane
n Inzyklotorsion des Auges oder der Orbita
n Kontraktur des kontralateralen Rectus
superior
n Brown-Syndrom.
Ergänzend sind anzuführen:
n Narbeninduzierte Formen nach orbitalem Trauma oder Eingriff
n Kongenitale oder erworbene periphere
Fehlinnervation
n Supranukleäre Störungen.
Nach dieser Einteilung wäre als „primäre“
Form eine Obliquus-superior-Überfunktion anzusehen. Sie sollte einen Strabismus
deorsoadductorius mit ausgeprägter Inzyklodeviation und A-Inkomitanz verursachen. Simplifizierend könnte man dies
als Gegenteil eines Strabismus sursoadductorius bezeichnen, der im Rahmen des
frühkindlichen Schielsyndroms auftritt
und durch die exzessive Innervation der
Obliqui inferiores infolge einer Entgleisung des Zyklovergenztonus entsteht. Die
Ätiologie des Strabismus deorsoadductorius ist jedoch komplex.
Vestibuläre Störung:
beidseitiger überschießender Senkertonus
Brodsky und Donahue gehen von einem
beidseitigen überschießenden Senkertonus infolge einer Läsion der vestibulären
Afferenz aus [3]. Wenn eine Läsion die
Afferenz aus den vorderen Bogengängen
bzw. die entsprechende otolithäre Afferenz inhibiert oder die Afferenz aus den
hinteren Bogengängen bzw. die entsprechende otolithäre Afferenz enthemmt,
entstünde eine überhöhte Ruheinner-
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
vation der Obliqui superiores und Recti
inferiores, die nicht Herings Regel folgt.
Die exzessive Innervation der Obliqui
superiores würde eine Inzyklodeviation
und durch die horizontale Tertiärwirkung der Obliqui eine im Abblick zunehmende Exodeviation bewirken. Die
A-Inkomitanz würde dadurch verstärkt,
dass die Recti inferiores aufgrund der
Inzyklostellung beider Augen eine geringere adduzierende Tertiärwirkung
hätten als normal. Um die Horizontale zu erreichen, müsste dem pathologischen Senkertonus eine Blickrichtungsinnervation nach oben entgegen wirken,
die jedoch die Inzyklodeviation nicht
ausgleicht. Im Seitblick bleibt eine senkende Wirkung des Rectus inferior am
jeweils adduzierten Auge erhalten, da
die Blickrichtungsinnervation nach
Hering’s Regel erfolgt. Der Obliquus superior wirkt bei Abduktion vornehmlich
als Inzyklorotator. Somit fehlt hier seine senkende Wirkung. Es resultiert ein
Tieferstand des adduzierten bzw. Höherstand des abduzierten Auges.
Läsionen im Bereich der vestibulo-okulären Bahnen können durch strukturelle Veränderungen im Hirnstamm oder
Kleinhirn entstehen. Kinder mit Hydrozephalus, Myelomeningozele oder Arnold-Chiari-Malformation zeigen häufig
einen beidseitigen Strabismus deorso­
adductorius in Verbindung mit einem
tonischen Abblick. Da der pränukleäre
vestibulo-zerebelläre Input ins vestibuläre System vornehmlich inhibitorisch
verschaltet ist, würde eine beidseitige
Kompression oder Verletzung der den
anterioren Kanälen entsprechenden Bahnen die posterioren Kanäle disinhibieren
und dadurch den Tonus der entsprechenden Augenmuskeln, also der Senker,
erhöhen. Diese Erklärung erscheint für
den beidseitigen „primären“ Strabismus
deorsoadductorius im Rahmen neuro­
logischer Erkrankungen attraktiv.
Der Obliquus superior wirkt bei
Abduktion vornehmlich als
Inzyklorotator. Somit fehlt hier
seine senkende Wirkung.
Kinder mit Hydrozephalus,
Myelomeningozele oder
Arnold-Chiari-Malformation
zeigen häufig einen beidseitigen
Strabismus deorsoadductorius
in Verbindung mit einem
tonischen Abblick.
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M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
Im Rahmen der okulären
Gegenrollung werden bei
seitlicher Kopfneigung am
unteren Auge die beiden oberen
und am oberen Auge die beiden
unteren Vertikalmotoren
aktiviert.
Sekundärer Strabismus deorsoadductorius
bei Parese des Obliquus inferior
Eine Parese des ipsilateralen Obliquus
inferior würde das Motilitätsmuster des
Strabismus deorsoadductorius weitgehend erklären [32]. Die fehlende exzyklorotatorische Wirkung bedingt eine
Inzyklodeviation, die fehlende hebende
Wirkung einen in Adduktion zunehmenden Tieferstand und die vor allem im
Aufblick fehlende abduktorische Wirkung eine A-Inkomitanz. Wenn als zyklorotatorische Ausgleichsinnervation die
Ansteuerung der Obliqui superiores herab- und die der Obliqui inferiores hochreguliert wird, wirkt die erhöhte Innervation aufgrund der Parese vornehmlich
oder ausschließlich am kontralateralen
Obliquus inferior und kann dadurch das
Höhenschielen verstärken. Im Rahmen
Abbildung 3: Okuläre Gegenrollung. Synkinetisch werden bei seitlicher Kopfneigung am jeweils unteren Auge die beiden oberen und am oberen Auge die
beiden unteren Muskeln verstärkt und ihre Antagonisten vermindert angesteuert. Die dynamische Gegenrollung wird während der Neigungsbewegung
durch Rückstellbewegungen weitgehend annulliert. Die in der Neigungshaltung verbleibende, otolithär und visuell evozierte, statische Gegenrollung
macht beim Menschen nur ca. 10-15% der Kopfneigung aus. Sie wird bei
Konvergenz supprimiert. Die statische okuläre Gegenrollung ist als entwicklungsgeschichtliches Relikt zu verstehen. Für panoramasehende Lebewesen
mit lateralen Gesichtslinien, für Fische zum Beispiel, ist sie zur Stabilisierung
der retinalen Abbildung sinnvoll. Nach Sagittalisierung der Gesichtslinien
und der damit möglichen Entwicklung korrespondierenden Binokularsehens,
zum Beispiel beim Menschen, wäre starke Gegenrollung im Nahblick störend.
Sie würde bei Konvergenz durch die rollungsbedingt alterierte Zugrichtung
der Recti mediales eine Vertikaldeviation induzieren.
348
fusionaler Vergenz ist außerdem eine
Innervationsänderung der vertikalen
Recti erforderlich. Zur okulären Gegenrollung werden bei seitlicher Kopfneigung am unteren Auge die beiden oberen
und am oberen Auge die beiden unteren
Vertikalmotoren aktiviert. Somit sollte
bei einer Obliquus-inferior-Parese ein
Kopfneigephänomen mit der größeren
Höhenabweichung bei Neigung zur Gegenseite vorliegen (Abbildung 2, 3). In
der Tat ist dies häufig der Fall.
Ein Einwand gegen die Annahme einer
Obliquus-inferior-Parese besteht darin,
dass damit ein auffälliges Hebungsdefizit in Adduktion einhergehen müsse.
Einfache Modelle und ein verbreitetes
Motilitätsdiagramm stellen die Obliqui
als hauptsächliche Vertikalmotoren in
Adduktion dar. Tatsächlich nimmt das
vertikale Drehmoment der Obliqui in
Adduktion zu, bleibt aber normalerweise deutlich geringer als jenes der Recti
(Abbildung 4). Daher ist das Höhenschielen bei einer Trochlearisparese selbst in
Adduktion nicht sehr groß, es nimmt
jedoch im Abblick zu. Ein größeres Höhenschielen bei länger bestehenden
Paresen ist als Nebenwirkung der Ausgleichsinnervation zu erklären, die auch
eine Zunahme des Kopfneigephänomens
bewirkt [11, 12, 13, 24, 25, 26, 34, 37].
Sehr deutlich ist dies beim Strabismus
sursoadductorius. Obwohl eine Schwäche des Obliquus superior zugrundeliegt,
unterscheidet sich das Schielwinkelmuster des Strabismus sursoadductorius von
dem der Trochlearisparese. Das Höhenschielen kann sehr groß sein, ohne wesentliche Inkomitanz im Auf- und Abblick, und die Zyklodeviation ist gering
[12, 17, 21, 36]. Es ist vorstellbar, dass
fusionale Ausgleichsinnervation auch
das nach Sherringtons und Herings Regeln zu erwartende Motilitätsmuster einer Obliquus-inferior-Parese beeinflusst.
Damit wäre die Vertikaldeviation im Abblick zu erklären.
Kernspintomographisch fiel bei Patienten mit einer als Obliquus-inferior-PareZ. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
se bezeichneten (dem Strabismus deorsoadductorius entsprechenden) Störung,
ein verminderter Querschnitt des ipsilateralen im Vergleich zum kontralateralen
Obliquus inferior und zum Normalbefund
auf [5]. Dies unterstützt die Annahme einer Obliquus-inferior-Parese, beweist sie
allerdings nicht. Unklar bliebe die Ursache einer isolierten Obliquus-inferiorParese. Bei einer peripheren Läsion des
N. oculomotorius wäre eine Mitbeteiligung anderer Muskeln und gelegentlich
des M. sphincter pupillae zu erwarten,
die wir jedoch nicht beobachtet haben.
Es ist daher eher an eine Kernläsion zu
denken.
„Deorso“-Auges zunehmen, anders als in
den „typischen“ Fällen von Strabismus
deorsoadductorius, die eine Zunahme
des Höhenschielens bei Kopfneigung zur
Gegenseite zeigen. Bei einem entsprechenden Schielwinkelverhältnis ist die
Möglichkeit der kontralateralen Rectusinferior-Parese als Ursache eines Strabismus deorsoadductorius nicht von der
Hand zu weisen. Offen bleibt aber auch
hier die Frage nach der Ursache einer
isolierten Rectus-inferior-Parese. Die
fehlende Mitbeteiligung anderer Okulomotorius-innervierter Muskeln spräche
wiederum eher für eine nukleäre als periphere Ursache (s.o.).
Geringe Parese oder Paralyse des
kontralateralen Rectus inferior:
kann das vertikale Schielwinkelmuster
erklären
Retraktionssyndrom nach
Stilling, Türk und Duane:
typischer Befund ermöglicht
Differenzialdiagnose
Bei einer Rectus-inferior-Paralyse kann
das betroffene Auge nicht gesenkt werden. Allenfalls in Adduktion ist durch
den Obliquus superior eine geringe Exkursion unter die Horizontale möglich.
Dadurch nimmt der Tieferstand des nicht
paretischen Auges in Adduktion zu. Diese offensichtliche Störung würden wir
nicht Strabismus deorsoadductorius,
sondern bei ihrem Namen nennen. Eine
geringe Parese des Rectus inferior, ohne
auffälliges Senkungsdefizit, kann das
vertikale Schielwinkelmuster eines kontralateralen Strabismus deorsoadductorius erklären. Durch die reduzierte senkende Kraft des Rectus inferior resultiert
ein im Abblick und bei Abduktion zunehmender Höherstand des paretischen
Auges, der am nicht paretischen Auge als
in Adduktion zunehmender Tieferstand
imponiert. Da der Rectus inferior nur
ein schwacher Adduktor und Exzyklorotator ist, sind gerade bei einer geringen
Parese keine wesentliche A-Inkomitanz
und Inzyklodeviation zu erwarten. Im
Fall einer Rectus-inferior-Parese sollte
das Höhenschielen bei Kopfneigung zur
Gegenseite der Parese, also zur Seite des
Ein Retraktionssyndrom entsteht, wenn
die Innervation des Rectus lateralis
durch den N. abducens ganz oder teil-
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
Bei einer Rectus-inferior-Paralyse kann das betroffene Auge
nicht gesenkt werden.
Abbildung 4: Das obere Motilitätsdiagramm ist irreführend, weil es die Obliqui in Adduktion als
die wesentlichen Vertikalmotoren darstellt. Tatsächlich (unten) erfolgen Hebung und Senkung
auch in Adduktion vor allem durch den Rectus superior und den Rectus inferior. Die vertikale
Wirkung der Obliqui ist in Adduktion am stärksten, aber geringer als die der Recti. Die zyklorotatorischen und horizontalen Wirkungen der (Zyklo-) Vertikalmotoren sind nicht abgebildet.
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M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
Ein Retraktionssyndrom fällt
durch die Lidspaltenverengung,
die Retraktion des Auges und
den eventuellen Zügeleffekt bei
Adduktion des betroffenen
Auges auf.
Dem dekompensierenden
Strabismus sursoadductorius
liegt meist eine Schwäche des
Obliquus superior zugrunde.
Eine Kontraktur des kontra­
lateralen Rectus superior wurde
als mögliche Erklärung eines
Strabismus deorsoadductorius
angeführt [30].
350
weise ausbleibt und der Muskel mehr
oder weniger durch Okulomotoriusneurone mit innerviert wird, die in der Regel
für den Rectus medialis bestimmt sind
[4, 20]. Dadurch ist die Abduktion eingeschränkt und in Adduktion wird das
Auge aufgrund der Kokontraktion beider Horizontalmotoren retrahiert, was
zur Verengung der Lidspalte führt. Da
die geraden Augenmuskeln vor dem Augendrehpunkt inserieren, wirken sie bei
gleichzeitiger Kontraktion wie Zügel, die
das Auge in Adduktion bzw. bei intendierter Adduktion nach oben oder unten
ziehen und dadurch einem Strabismus
sursoadductorius oder deorsoadductorius
ähneln können. Aufgrund der Retraktion, der Lidspaltenverengung und der
Abduktionseinschränkung (bzw. Adduktionseinschränkung beim divergenten
Retraktionssyndrom) ist die Diagnose
jedoch einfach.
Inzyklotorsion der Orbita:
schon in der älteren Literatur beschrieben
Die Annahme einer Ein- oder Auswärtsverdrehung des gesamten Orbitainhalts als Erklärung für A- und
V-Inkomitanzen, den Strabismus deorso- und sursoadductorius und entsprechende Ex- und Inzyklodeviationen findet sich schon in der älteren
Literatur [29]. Dem Strabismus deorsoadductorius sollte demnach eine Inzyklotorsion der Orbita und des Auges
zugrunde liegen. Der Rectus superior
solle dadurch stärker, der Rectus inferior geringer adduzierend wirken als
normal.
Kontralateraler
Strabismus sursoadductorius:
durch Kontraktur des
kontralateralen Rectus superior
Eine Kontraktur des kontralateralen Rectus superior wurde als mögliche Erklärung eines Strabismus deorsoadductorius angeführt [30]. Sie könnte tatsächlich
einen zunehmenden Höherstand des betroffenen Auges bzw. einen Tieferstand,
eben den Strabismus deorsoadductorius,
des anderen Auges beim Blick zur Seite
des primär betroffenen Auges bedingen.
Die Kontraktur wurde als Folge einer
Obliquus-superior-Schwäche (congenital
superior oblique palsy; entspricht weitgehend der im Deutschen als dekompensierender Strabismus sursoadductorius
bezeichneten Schielform [12]) postuliert,
um die ausgeprägte Vertikaldeviation bei
dieser Schielform zu erklären [16]. Läge
diese Kontraktur tatsächlich vor, so wäre
jedoch in Abduktion und beim Abblick
in Abduktion eine deutlichere Vertikaldeviation zu erwarten. Beim Strabismus
sursoadductorius hingegen ist die Vertikaldeviation in diesen Richtungen nur
gering. Auch eine Abnahme der Vertikaldeviation unter diagnostischer Okklusion [23] ist mit einer Kontraktur schwer
in Einklang zu bringen, ebenso das
Kopfneigephänomen. Die Hypothese der
Rectus-superior-Kontraktur wurde daher
in Frage gestellt [28]. Dem dekompensierenden Strabismus sursoadductorius
liegt meist eine Schwäche des Obliquus
superior zugrunde. Zu dem starken Höherstand des betroffenen Auges scheint
es infolge der Ausgleichsinnervation zu
kommen [12, 13]. Die vertikale Fusionsbreite ist groß. Ein dekompensierender
Strabismus sursoadductorius ist in der
Regel einfach zu erkennen: Der Höherstand des betroffenen Auges nimmt bei
Adduktion zu. Die Vertikaldeviation ist
im Auf- und Abblick relativ ähnlich [17,
21, 22]. Falls eine Alphabet-Inkomitanz
besteht, dann eine V-Inkomitanz. Die
Exzyklodeviation kann zwar gering sein,
aber sie schlägt fast nie in eine Inzyklodeviation um. Typisch sind die deutliche
Zunahme des Höhenschielens bei Kopfneigung zur betroffenen Seite und die
Abnahme bei Neigung zur anderen Seite.
Anhand dieser Merkmale ist die Abgrenzung des Strabismus deorsoadductorius
vom kontralateralen Strabismus sursoadductorius in der Regel unproblematisch.
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
Eine tatsächlich verminderte Dehnbarkeit des Rectus superior, zum Beispiel im
Rahmen einer endokrinen Orbitopathie,
sollte durch eine Senkungseinschränkung des betroffenen Auges und weitere
Symptome der Erkrankung auffallen [2,
6, 11].
Brown-Syndrom:
Vortreten des Auges mit Erweiterung
der Lidspalte in Adduktion ist möglich
Das Brown-Syndrom ist durch eine Hebungseinschränkung in Adduktion gekennzeichnet, die auch bei der passiven
Motilitätsprüfung in Narkose persistiert
[14]. Nach dem Abtrennen der Sehne ist
die passive Hebung frei. Die Ursache des
Brown-Syndroms besteht oft in einer primär mechanischen Störung, indem die
Sehne des Obliquus superior bei Hebung
des Auges nicht weit genug distalwärts
durch die Trochlea gleiten kann. Beim
Klick-Syndrom rutscht eine umschriebene Verdickung der Sehne bei forcierter
Hebung in Adduktion hörbar durch die
Trochlea, wonach die Hebung frei oder
zumindest wesentlich besser ist. Der
kongenitalen Form des Brown-Syndrioms kann eine Fehlinnervation zugrunde liegen, indem der Obliquus superior
bei ausbleibender normaler Innervation
durch den N. trochlearis durch Okulomotoriusneurone innerviert wird, die für
den Rectus superior, den Rectus medialis oder den Obliquus inferior bestimmt
sind [7, 31]. Unabhängig von der Ätiologie gibt die Obliquus superior-Sehne
im Aufblick nicht nach. Das Auge zeigt
bei forcierter Hebung eine zunehmende
Inzyklodeviation und weicht durch den
Zügeleffekt der Obliqui nach außen ab.
Es resultiert eine V- oder Y-Inkomitanz
(Abbildung 5). Bei genauem Hinsehen
kann ein geringes Vortreten des Auges
mit Erweiterung der Lidspalte in Adduktion auffallen. Anhand der genannten
Kriterien lässt sich der Strabismus deorsoadductorius phänotypisch recht gut
vom Brown-Syndrom abgrenzen (Tabelle
2). Ätiologisch sind gewisse Parallelen
denkbar.
Das Brown-Syndrom ist durch
eine Hebungseinschränkung in
Adduktion gekennzeichnet,
die auch bei der passiven
Motilitätsprüfung in Narkose
persistiert
Abbildung 5: Konnatales Brown-Syndrom RA. Restriktives Hebungsdefizit in Adduktion. Exodeviation im Aufblick
(Y-Inkomitanz). Im Aufblick vom RA ausgehende, funduskopisch erkennbare und subjektiv messbare Inzyklodeviation.
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
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M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
Periphere und nukleäre Fehlinnervation:
hypothetisch aber nicht ausgeschlossen
Eine Fehlinnervation des
Obliquus superior durch
Okulomotoriusneurone muss
nicht zwangsläufig zu einem
Brown-Syndrom führen.
Bei hoher Achsenmyopie kann
der Rectus lateralis nach unten
dislozieren.
Eine Fehlinnervation des Obliquus superior
durch Okulomotoriusneurone muss nicht
zwangsläufig zu einem Brown-Syndrom
führen. Wenn die Neurone für den Rectus inferior bestimmt sind, können durch
überschießende Innervation des Obliquus superior eine im Abblick zunehmende
Inzyklodeviation und ein Tieferstand in
Adduktion entstehen, sofern dem Rectus inferior nicht zu viel autochtone Innervation fehlt. Auf nukleärer Ebene ist
eine Fehlinnervation des ipsilateralen
Okulomotorius-Subnukleus für den Rectus inferior durch aberrierende Interneurone denkbar. Beim Blick zur Gegenseite
würden dadurch aus dem kontralateralen
Abduzenskerngebiet nicht nur Okulomotoriusneurone für den Rectus medialis
sondern auch solche für den Rectus inferior stimuliert. Fehlende Impulse für
den Rectus medialis könnten durch Konvergenz substituiert werden. Dies würde
einen Tieferstand in Adduktion erklären,
aber keine wesentliche Inzyklodeviation
und A-Inkomitanz. Dasselbe gilt, wenn
aberrierende Interneurone am Subnukleus für den Rectus superior andocken,
Tabelle 2: Differenzialdiagnose Strabismus deorsoadductorius
vs. Brown-Syndrom
Strabismus deorsoadductorius Brown-Syndrom
Hebung sagittal
frei
etwas eingeschränkt
Hebung in Adduktion wenig/nicht eingeschränkt
stets eingeschränkt
passive Hebung
in Adduktion
stets eingeschränkt
frei
Hebung in Abduktion freiwenig/nicht eingeschränkt
Inzyklotropie
352
im Abblick zunehmendim Aufblick
zunehmend
Alphabet-Inkomitanz A-Inkomitanz
V-/Y-Inkomitanz
Anterotraktion
gelegentlich
nie
dessen Neurone auf den kontralateralen
Rectus superior projizieren [38]. Auch
Fehlinnervationen auf höherer supranukleärer Ebene sind nicht ausgeschlossen.
Ebenso wie bei den zuvor genannten
Störungen kann man sich gut vorstellen,
dass bei vorhandenem korrespondierenden Binokularsehen das primär resultierende Motilitätsmuster durch die Ausgleichsinnervation verändert wird.
Rein mechanisch:
bei Myopie oder nach Trauma, Chirurgie
Adhärenzen im Bereich der Tenon-Kapsel, des orbitalen Auf hängeapparates
oder der äußeren Augenmuskeln infolge
eines Traumas oder chirurgischen Eingriffs sind als Ursache für einen Strabismus deorsoadductorius denkbar. Die
Anamnese würde auf diese Ursache hinweisen. Bei hoher Achsenmyopie kann
der Rectus lateralis nach unten dislozieren [15]. Er verliert dadurch abduktorische und erhält senkende Wirkung.
Wenn die Störung früher oder später
dekompensiert, resultiert eine Esotropie
und bei asymmetrischer Ausprägung
eine Hypotropie des Auges, an dem der
Muskel stärker disloziert ist, in der Regel des höher myopen Auges. Zusätzlich
sind die horizontale Motilität und die Hebung eingeschränkt. Nicht selten besteht
eine Exzyklodeviation. Liegt dieser Mechanismus zugrunde, so ist im Rahmen
der operativen Behandlung eine sklerale
Fixation des Rectus lateralis in seiner
physiologischen Verlaufsrichtung erforderlich [15, 27].
Behandlung des dekompensierenden
Strabismus deorsoadductorius:
bei Kopfschmerzen, Diplopie und
ausgeprägter Kopfzwangshaltung
Ein Strabismus deorsoadductorius erfordert in der Regel keine neurologische
Abklärung. Eine spontane Verbesserung
ist nicht zu erwarten. Die Indikation zur
Behandlung hängt vom Ausmaß der BeZ. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
schwerden ab. Die Behandlung erfolgt
operativ [19]. Dazu sollte der Patient in
eine qualifizierte Einrichtung überwiesen
werden, wo neben umfangreichen diagnostischen Möglichkeiten entsprechende
Erfahrung in der Therapie zyklovertikaler
Schielformen vorhanden ist. Bei Vorliegen
eines typischen Strabismus deorsoadductorius ist die Obliquus-superior-Rücklagerung der Eingriff der ersten Wahl,
wenngleich sie die Schielwinkel in vielen
Fällen nicht vollständig korrigiert. Schon
die Reduktion kann jedoch für beschwerdefreies Binokularsehen ausreichen. Als
Zugang ist eine radiäre Bindehaut-TenonEröffnung temporal des Rectus superior
geeignet. Mit einem Schielhaken unter
dem Rectus superior wird das Auge nach
unten rotiert. Besonderes Augenmerk gilt
der Darstellung der Obliquus-Sehneninsertion bis zu ihrem dorsalen, nasalen
Rand, wobei auf Insertionsanomalien zu
achten ist. Die komplette Abtrennung
der Sehne von der Sklera muss gewährleistet sein. Übliche Rücklagerungsstrecken liegen um 10 mm, von der Vorderkante der Insertion gemessen. Die Sehne
kommt dann nasal des Rectus superior
zum Liegen. Die Refixation darf nicht zu
limbusnah erfolgen (Orientierungswert:
13 mm Limbusabstand), um kein Senkungsdefizit in Abduktion zu induzieren.
Kunststoff-Interponate [39; 40] sollen die
(unter Umständen gar nicht erwünschte)
differenzierte Kraftübertragung auf die
normale Sehneninsertion gewährleisten,
bergen aber Komplikationsrisiken und
lassen keinen Vorteil erkennen, der diese Risiken rechtfertigt. Die Tatsache, dass
ein Strabismus deorsoadductorius durch
eine großstreckige, korrekt durchgeführte
Obliquus-superior-Rücklagerung in manchen Fällen nur gering beeinflusst wird,
zeigt, dass die Störung nicht grundsätzlich
auf einer Obliquus-superior-Überaktivität
basiert, denn in dem Fall wäre ein starker Effekt zu erwarten. Bei zu geringem
Operationseffekt kommt als Zweiteingriff
die Faltung bzw. Vorlagerung des ipsilateralen Obliquus inferior in Zugrichtung
des Muskels (mit stärkerer zyklorotatorischer Wirkung) oder eine Rücklagerung
des kontralateralen Rectus superior (mit
geringerer zyklorotatorischer Wirkung)
in Betracht. Die Obliquus-inferior-Vorlagerung wurde auch als Ersteingriff beschrieben [9]. In ausgeprägten Fällen ist
eine primäre kombinierte Obliquusoperation sinnvoll. Eine völlige Normalisierung des Motilitätsmusters ist bei gering
ausgeprägter Störung möglich, bei ausgeprägten Formen können die Schielwinkel reduziert werden, was häufig für ein
beschwerdefreies Binokularsehen im Gebrauchsblickfeld genügt.
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Bei Vorliegen eines typischen
Strabismus deorsoadductorius
ist die Obliquus-superior-Rücklagerung der Eingriff der ersten
Wahl,
Bei zu geringem Operationseffekt kommt als Zweiteingriff die
Faltung bzw. Vorlagerung des
ipsilateralen Obliquus inferior in
Zugrichtung des Muskels oder
eine Rücklagerung des kontralateralen Rectus superior in
Betracht.
353
M. Gräf, B. Lorenz: Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. med. M. Gräf
UKGM Standort Gießen
Univ.-Augenklinik
Friedrichstr. 18
35392 Gießen
E-mail: michael.h.graef@
augen.med.uni-giessen.de
354
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Z. prakt. Augenheilkd. 30: 345 - 354 (2009)
Fragen zur CME-Fortbildung
Fragen zum Artikel „Pathophysiologie und Therapie des Strabismus deorsoadductorius“
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1
Welche Aussage zum Strabismus deorsoadductorius
trifft nicht zu?
I.Die Ätiologie des Strabismus deorsoadductorius ist
heterogen.
II.Der Strabismus deorsoadductorius ist mit einem
Tieferstand des betroffenen Auges beim Blick zur
Gegenseite verbunden.
III.Der Strabismus deorsoadductorius ist mit einer
Inzyklodeviation verbunden.
IV.Der Strabismus deorsoadductorius ist mit einer
Exzyklodeviation verbunden.
V.Der Strabismus deorsoadductorius ist mit einer
A-Inkomitanz verbunden.
a) I ist falsch
b) II ist falsch
c) III ist falsch
d) IV ist falsch
e) V ist falsch
2
Welche Aussagen sind richtig?
Das Brown-Syndrom ist gekennzeichnet durch:
I. Hebungsdefizit in Adduktion
II. A-Inkomitanz
III.Hebung in Adduktion auch intraoperativ eingeschränkt
IV.Exzyklodeviation
V. Senkungsdefizit in Abduktion
a) I ist richtig
b) I und III sind richtig
c) I, II und III sind richtig
d) III ist richtig
e) I, III, IV und V sind richtig
3
elche Augenmuskeln werden im Rahmen der
W
physiologischen okulären Gegenrollung bei Kopfneigung
nach rechts aktiviert?
I. Rectus und Obliquus superior rechts
II. Rectus und Obliquus superior links
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 355 - 356 (2009)
III.Rectus und Obliquus inferior rechts
IV.Rectus und Obliquus inferior links
V. Rectus superior und Obliquus inferior rechts
a) I ist richtig
b) II ist richtig
c) I und IV sind richtig
d) I und V sind richtig
e) V ist richtig
4
Welcher Muskel trägt in Adduktion am stärksten zur
Hebung des Auges bei?
I. Rectus superior
II. Rectus inferior
III.Obliquus superior
IV.Obliquus inferior
V. Rectus medialis
a) I ist richtig
b) II ist richtig
c) III ist richtig
d) IV ist richtig
e) V ist richtig
5
elche der Aussagen sind richtig?
W
Beim Strabismus deorsoadductorius nimmt das
Höhenschielen typischerweise zu bei:
I.Adduktion des „betroffenen“ Auges
(Blick zur Gegenseite)
II. Abduktion des „betroffenen“ Auges
III.Kopfneigung zur Gegenseite
IV.beim Blick nach oben
V. Fixation mit dem nicht betroffenen Auge
a) I ist richtig
b) II ist richtig
c) I und III sind richtig
d) I und IV sind richtig
e) I und V sind richtig
355
Fragen zur CME-Fortbildung
6
Welche der Aussagen ist richtig? Eine Retraktion des
Auges bei Adduktion tritt auf beim:
I. Brown-Syndrom
II. Strabismus sursoadductorius
III.Strabismus deorsoadductorius
IV.Stilling-Türk-Duane-Syndrom
V. Kopfneigephänomen
a) I ist richtig
b) II ist richtig
c) III ist richtig
d) IV ist richtig
e) V ist richtig
7
elche der Aussagen sind richtig? Die operative
W
Behandlung bei Strabismus deorsoadductorius erfolgt
vorteilhaft durch:
I. Rücklagerung des Obliquus superior
II. Rücklagerung des Obliquus inferior
III.Faltung/Vorlagerung des Obliquus inferior
IV.Faltung/Vorlagerung des Obliquus superior
V. evtl. Rücklagerung des kontralateralen Rectus superior
a) I ist richtig
b) II ist richtig
c) I und III sind richtig
d) III ist richtig
e) I, III und V sind richtig
8
Welche der Aussagen sind richtig? Die operative Therapie
bei Strabismus deorsoadductorius ist indiziert bei:
9
Welche der Aussagen sind richtig? Als mögliche Ursachen
eines Strabismus deorsoadductorius werden diskutiert:
I. Kontraktur des kontralateralen Rectus superior
II. Narben nach orbitalem Trauma
III.Supranukleäre Störungen
IV.Exzyklotorsion des Auges oder der Orbita
V.Parese oder Paralyse des kontralateralen Rectus
inferior
a) I-III sind richtig
b) I-IV sind richtig
c) Alle sind richtig
d) I, II, III und V sind richtig
e) IV ist richtig
10
Welche der Aussagen sind richtig? Ein Strabismus
deorsoadductorius tritt gehäuft auf bei:
I. Kindern mit Arnold-Chiari-Malformation
II. Kindern mit Hydrozephalus
III.Kindern mit Obliquus-superior-Überaktivität bei
manifesten Horizontalschielformen oder zentralen
Läsionen
IV.Endokriner Orbitopathie
V. Myelomeningozele
a) I und II sind richtig
b) I-III sind richtig
c) Alle sind richtig
d) I, II, III und V sind richtig
e) Keine der Antworten ist richtig
I. störender kompensatorischer Kopfhaltung
II. störender Diplopie
III.störender Diplopie im Seitblick
IV.asthenopischen Beschwerden (wie z. B. Kopfschmerzen),
die unter diagnostischer Okklusion verschwinden
V. störende A-Inkomitanz mit Exotropie im Abblick
a) I, II und IV sind richtig
b) I, II und V sind richtig
c) II und III sind richtig
d) I-IV sind richtig
e) Alle sind richtig
Die Lösungen zu der CME-Fortbildungseinheit lauten:
1d, 2b, 3c, 4a, 5c, 6d, 7e, 8e, 9b, 10d
356
Z. prakt. Augenheilkd. 30: 355 - 356 (2009)
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