Wissenswertes rund um die Schilddrüse

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Schilddrüsenerkrankungen sind in unseren Breiten die Volkskrankheit Nr. 1.
­Ursache für die Mehrzahl der Schilddrüsenerkrankungen ist Jodmangel.
Dr. Dr. med. Peter Schlüter erklärt die wichtigsten Symptome und Folgen.
Mit welchen Symptomen
äußern sich Schilddrüsenerkrankungen?
Unterschiedliche Symptome geben Hinweise auf die
Art der Schilddrüsenerkrankung. So sind Stoffwechsel- und Befindlichkeitsstörungen typisch für eine
Über- oder Unterfunktion­
des Organs. Entzündungen der Schilddrüse können mit Schmerzen verbunden sein. Eine Vergrößerung
der Schilddrüse geht meist
mit einem mit Druck- oder
Engegefühl einher. Einige
Schilddrüsenerkrankungen
verlaufen lange Zeit symptomlos und bereiten erst im
fortgeschrittenen Stadium
Beschwerden.
Was steckt hinter einer
Schilddrüsenvergrößerung?
Eine Vergrößerung der
Schilddrüse kann gleichmäßig das gesamte Organ erfassen, auf einzelne
Regio­nen des Drüsengewebes beschränkt bleiben
oder als knotige Vergrößerung in Erscheinung treten.
Am häufigsten ist die homogen vergrößerte Schilddrüse, die „Struma“. In den
meisten Fällen ist Jodmangel die Ursache. Diesen ManStoffwechsel- und Befindlichkeitsstörungen
sind typisch für eine
Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse.
gel versucht die Schilddrüse auszugleichen, indem
sie hormonproduzierendes Gewebe entwickelt und
beginnt, unkontrolliert zu
wachsen. Dadurch soll die
normale Schilddrüsenfunktion aufrechterhalten werden. Daneben gibt es auch
erbliche Veranlagungen, die
die Ausbildung einer Struma fördern. So ist in manchen Familien ein gehäuftes Auftreten vergrößerter
Schilddrüsen zu beobachten.
Durch eine rechtzeitige und
aus­reichende Jodzufuhr von
Kindheit an kann die Entwicklung einer Struma fast
immer vermieden werden.
Was sind Schilddrüsenknoten?
Schilddrüsenknoten sind
herdförmige Veränderungen innerhalb der Schilddrüse, die einzeln (solitäre
Knoten) oder vermehrt (multiple Knoten) und in unterschiedlicher Größe auftreten
können. Sie kommen meist
gemeinsam mit einer Schilddrüsenvergrößerung vor,
können aber auch die einzige
krankhafte Veränderung innerhalb einer ansonsten gesunden Schilddrüse sein.
Zu den herdförmigen oder
knotenförmig auftretenden Schilddrüsenvergrößerungen zählen hormonproduzierende Drüsenbereiche,
die nicht mehr der Regulation durch das Hypophysenhormon TSH (thyreoidstimulierendes Hormon)
unterliegen. Diese Adenome arbeiten autonom (autonomes Adenom). Sie werden
als „heiße Knoten“ bezeichnet und sind fast immer gutartig. Demgegenüber sind
„kalte Knoten“ solche Organbereiche, in denen eine
Gewebevermehrung stattgeDer Hausarzt 08/2016
Foto undIllustration: fotolia
Sprechstunde
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Wissenswertes rund um
die Schilddrüse
Hausarzt Medizin
funden hat, jedoch ohne dass
Schilddrüsenhormon pro­
duziert wird. Auch bei die­
sen Knoten handelt es sich
fast immer um gutartige Ge­
webevermehrungen. Nur in
höchstens 5 Prozent der Fäl­
le verbirgt sich ein bösartiger
Tumor hinter der Störung.
Welche Folgen haben
Entzündungen der Schild­
drüse?
Zwei wichtige Formen der
Schilddrüsenerkrankun­
gen sind Entzündungen, die
auf eine fehlgeleitete Ab­
wehrreaktion des körper­
eigenen Immunsystems zu­
rückgehen. Dabei handelt
es sich um die HashimotoThyreoiditis und den Morbus Basedow. Während die
Hashimoto-Thyreoiditis zu­
nächst mit einer Schilddrü­
senüberfunktion einhergeht,
später aber immer zu einer
Zerstörung des Drüsenge­
webes und einer dauerhaf­
ten Unterfunktion führt, ist
der Morbus Basedow stets
mit einer Schilddrüsenüber­
funktion verbunden.
Foto: Alexander Raths - Fotolia
Welche Schilddrüsen­
funktionsstörungen gibt es?
Seltener als vergrößert oder
knotig verändert ist die
Schilddrüse auch in ihrer
Funktion gestört. Dann pro­
duziert sie entweder zu vie­
le Hormone (Überfunktion/
Hyperthyreose) oder zu we­
nige (Unterfunktion/Hypo­
thyreose). Beides beeinflusst
den Stoffwechsel, was sich
in unterschiedlichen Symp­
tomen äußert. Es kann zum
Der Hausarzt 08/2016
Beispiel sein, dass Betroffe­
ne besonders viel oder wenig
Appetit verspüren, dass sie
abnehmen, obwohl sie viel
essen, grundlos zunehmen,
oder dass sie nervös und auf­
Bei der Hyper-­
thyreose läuft der
­gesamte Stoff­wechsel
auf Hochtouren.
gekratzt sind oder niederge­
schlagen und antriebslos.
Wie äußert sich eine
Hyperthyreose?
Bei der Hyperthyreose läuft
der gesamte Stoffwechsel auf
Hochtouren: Die typischen
Symptome einer Schilddrü­
senüberfunktion sind vor
allem verstärktes Schwit­
zen, Wärmeunverträglich­
keit, warme Haut, Herzklop­
fen, schneller und manchmal
unregelmäßiger Puls, mä­
ßiger Bluthochdruck, Ner­
vosität, Unruhe, Rastlosig­
keit, innere Anspannung,
Zittern, Gewichtsverlust
trotz guten Appetits, manch­
mal Diarrhö, Durst, körper­
liche Leistungsschwäche,
Konzentrationsstörungen,
Schlafstörungen, Regelstö­
rungen und Potenzprobleme.
Da vor allem Herz und Kreis­
lauf von einer Schilddrüsen­
überfunktion betroffen sind,
können langfristig Herz­
rhythmusstörungen und
Vorhofflimmern auftreten,
durch die ständige Überlas­
tung kann es zu einer Herz­
insuffizienz kommen.
Eine Schilddrüsenüberfunk­
tion wird am häufigsten
durch „heiße Knoten“ oder
eine Basedowsche Erkran­
kung ausgelöst. Während die
Basedow-Erkrankung meist
in jüngeren Jahren zum ers­
Dr. Dr. Peter Schlüter
Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, E-Mail:
[email protected]
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Hausarzt Medizin
Was ist Morbus Basedow?
Die Basedowsche Krankheit
(Morbus Basedow, Autoimmunhyperthyreose) ist eine
Autoimmunerkrankung. Dabei bildet das Immunsystem
Antikörper gegen die TSHRezeptoren. Diese TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK)
steigern unkontrolliert die
Produktion und Freisetzung
von Schilddrüsenhormonen.
Dadurch entwickelt sich eine oft schwere Hyperthyreose, die mit starken Beschwerden einhergehen kann. Der
Zur Merseburger Trias­
gehören Exophthalmus, Tachykardie und
Schilddrüsenvergrößerung.
Name der Erkrankung leitet sich von dem Merseburger Arzt Carl von Basedow
ab, der die Schilddrüsenstörung und ihre wichtigsten
Symptome 1840 erstmals beschrieben hat. Als klassisch
gilt die „Merseburger Trias“,
die nach dem Wohnort von
Carl von Basedow benannt
ist. Zu ihr gehören Exophthalmus (endokrine Orbitopathie), Tachykardie und
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Schilddrüsenvergrößerung
(Kropf, Struma).
Die hormonfreisetzenden
Antikörper sind am Anfang
der Erkrankungen so typisch
für die Basedowsche Krankheit, dass die Diagnose nur
dann gestellt wird, wenn
im Blut der Patienten TRAK
nachgewiesen werden können. Im Verlauf können sich
die TRAK-Werte wieder normalisieren.
Was passiert bei einer
Schilddrüsenunterfunktion?
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden zu wenig
Schilddrüsenhormone gebildet und der Körper ist unzureichend damit versorgt.
Dieser Mangel führt zu einer
Verlangsamung der Körperfunktionen – der gesamte
Stoffwechsel läuft auf Sparflamme. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann als Folge
einer Schilddrüsenentzündung (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis), Operation oder Radiojodbehandlung auftreten,
aber auch angeboren sein.
Die Betroffenen sind extrem­
kälteempfindlich und frieren leicht, leiden unter
dauernder Müdigkeit und
Antriebsschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, nachlassender Leistungsfähigkeit,
einem verlangsamten Puls
und ­Wassereinlagerungen
an verschiedenen Stellen
des Körpers, z. B. am Lid. Sie
nehmen häufig an Gewicht
zu, obwohl sie nicht anders essen als vorher. Eine
raue Stimme, kalte, trockene,
schuppende und blassgelbe
Was ist HashimotoThyreoiditis?
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Entzündung der S­ childdrüse
(Thyreoiditis), die ihren
Namen dem japanischen
Arzt Nakaru Hashimoto
verdankt, der die Erkrankung im Jahr 1912 erstmals beschrieben hat. Gelegentlich wird diese Form
der Schilddrüsenentzündung auch als lymphozytäre oder einfach nur als
chronische Thyreoiditis
bezeichnet.
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist ebenfalls eine
­Autoimmunerkrankung.
Zu Beginn der Erkrankung kann die Hashimoto-Thyreoiditis über lange Zeit mild verlaufen und
von den Betroffenen unbemerkt bleiben. Hinweise auf die Erkrankung liefern in dieser Phase aber
Ultraschalluntersuchungen
der Schilddrüse und das
Auftreten von Antikörpern
(Tg-AK und TPO-AK).
Haut, Verstopfung, Zyklus­
störungen und Unfruchtbarkeit, Libido- und Potenzstörungen sind ebenfalls
Zeichen der Schilddrüsenunterfunktion. Babys und
Kleinkinder fallen u. a. durch
Trinkschwäche, vermehrtes
Schlafbedürfnis, besonderes
„Bravsein“ sowie geistige und
körperliche Entwicklungsstörungen auf.
Eine leichte Schilddrüsenunterfunktion ist besonders
bei älteren Menschen ein
häufiges Krankheitsbild und
wird aufgrund der allgemeinen Beschwerden oft mit Alterserscheinungen oder bei
Auch wenn eine
Schilddrüsenunterfunktion nur leicht
ausgeprägt ist, kann
sie langfristige Folgen
haben.
Frauen als Wechseljahresbeschwerden fehlgedeutet
und häufig zu spät behandelt. Doch selbst wenn eine
Schilddrüsenunterfunktion nur leicht ausgeprägt ist,
kann sie langfristige Folgen
haben: Durch den verlangsamten Stoffwechsel steigen
die Blutfettwerte und damit
auch das Risiko für Atherosklerose mit entsprechenden
Folgeerkrankungen, wie z. B.
Herzinfarkt.
Der Hausarzt 08/2016
Foto: Gernard Seybert - Fotolia
ten Mal auftritt, sind unentdeckte heiße Knoten
bei Menschen über 45 Jahren häufig. Da in diesem Alter auch erste Herzprobleme
auftreten können, wird hier
oft nicht an eine Schilddrüsenüberfunktion als Ursache
gedacht.
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