Pressemitteilung

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Nr.: 49/10 vom 8.12.2010
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Erstmals Riesentukane in der Wilhelma zu sehen:
Die Vögel mit dem Kühler-Schnabel
Erstmals in der Wilhelma zu sehen sind ab sofort die Riesentukane, prächtige Vögel mit gewaltigen Schnäbeln aus Südamerika. Zu finden sind sie an einem angesichts des winterlichen
Schmuddelwetters derzeit besonders attraktiven Ort: im üppig grünen, kuschelige 28 Grad
warmen Amazonienhaus.
Sie sind Geschwister, am 28. Mai in Wuppertal aus ihren Eiern geschlüpft und damit etwa ein halbes
Jahr alt, die beiden neuen Riesentukane in der Wilhelma. Im November kamen sie als Leihgabe des
Wuppertaler Zoos nach Stuttgart, wo sie nach kurzer Quarantäne ihre Voliere im Amazonienhaus
bezogen. In der Wilhelma leben auch Fischer- und Dottertukan, doch Riesentukane sind noch einen
„Tick“ größer als diese: Bis zu 60 Zentimeter lang und mehr als 800 Gramm schwer werden die
Männchen – die optisch identischen Weibchen bleiben etwas kleiner. Noch ist unklar, ob die beiden
Neulinge männlich oder weiblich sind, denn das bringt nur der DNA-Test einer Federprobe ans Licht.
Das auffälligste Merkmal der überwiegend schwarz gefiederten Riesentukane ist natürlich ihr Schnabel:
knallgelb-orange gefärbt und von wahrhaft beeindruckender Größe. Bis zu 23 Zentimeter lang wird er
bei Tukan-Männchen, bei Weibchen ist er wenig kürzer. Beim „Schnäbeln“ brauchen diese Vögel mit
Materialeinsatz also nicht zu geizen. Tatsächlich spielt der Schnabel bei Balz und Partnerwahl eine
Rolle – aber er kann noch mehr: Gute Dienste leistet er auch als eingebaute Klimaanlage, denn
überschüssige Wärme wird über feine Äderchen unter seiner Oberfläche abgeleitet. Keine schlechte
Einrichtung so ein Kühler-Schnabel, wenn man im tropisch heißen Dschungel zu Hause ist ...
Die ursprüngliche Heimat der Riesentukane sind die Wälder und Baumsavannen im Osten
Südamerikas. Dank eher mäßiger Flugkünste hüpfen die Wipfelbewohner lieber ihrer Wege, anstatt zu
fliegen, und wenn sie sich einmal aufschwingen, setzen sie auf Gleitflug. Den Boden suchen sie selten
auf. Tukane bilden gern kleine Familiengruppen, die gemeinsam in Baumhöhlen übernachten – um
dabei Platz zu sparen, wird der Schwanz am Rücken hochgeklappt. Auf ihrem Speiseplan stehen vor
allem Früchte, doch auch Insekten, Frösche, Echsen, Eier und Jungvögel sind als Imbiss willkommen.
Größere Früchte pflückt, zerquetscht und „entsaftet“ der Tukan mithilfe des Schnabels, kleine Früchte
schluckt er am Stück. Ein kleines Kunststück vollbringt er stets, um Leckerbissen aus der
Schnabelspitze in die Kehle zu befördern: kurzes Rucken des Kopfes nach oben, eleganter Wurf
rückwärts und schwupp ist der Fall erledigt. Nur beim Bau einer Bruthöhle ist der große Schnabel etwas
hinderlich, weshalb sich der Riesentukan gerne in vorgefertigte Baumhöhlen anderer Vögel, etwa
seiner kleineren Spechtverwandtschaft, einmietet. Den anfangs federlosen, blinden Nachwuchs ziehen
die Tukan-Eltern gemeinsam auf. Nach etwas weniger als zwei Monaten sind die Jungen flügge – und
wenn alles gut geht, können sie etwa 20 Jahre alt werden.
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Bild 1: Besondere Kennzeichen des Riesentukans: Imposanter, gelber Schnabel, weiße Kehle und orangegelbe Augenringe. Bild 2/2a: Beim Schnäbeln haben Tukane jede Menge Schnabel zu koordinieren. In der
Kommunikation setzen sie auf Körpersprache und unmelodische Krächzer. Bild 3: Kühlung per Schnabel:
Die feinen Äderchen unter der Schnabeloberfläche leiten die Wärme ab. Bild 4: Tukan mit Traube: Mit
einem eleganten Wurf rückwärts wird er die Frucht gleich in den Schnabel befördern. (Fotos: Wilhelma)
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