Armut, Ausgrenzung, Unterklasse

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Nachbarschaften und ihre Effekte
Stefanie Magel, Manuela Kälbling, Andrej Ruesch,
Tanja Hafner, Sandra Manz
30. April 2012
Ablauf
 Forschungsentwicklung
 Kronauer: Armut, Ausgrenzung und Unterklasse
 «Exclusion» und «Underclass»
 Quartierseffekte
 Mechanismen von Quartierseffekten
 Diskussion
Forschungsentwicklung I
Oberwittler, Dietrich (2004): Stadtstruktur, Freundeskreise und Delinquenz, in:
Dietrich Oberwittler (Hrsg.): Soziologie der Kriminalität, Wiesbaden: VS
Verlag,135-170.
 Bis in die 1960er Jahre, Thematik vor allem durch die Chicago
School geprägt.
Desorganisationsansatz dominierte die Forschung.
 Clifford Shaw und Henry McKay (1969):
Fokus auf den kollektiven Eigenschaften.
(Aggregatsebene)
Forschungsentwicklung II
Vgl. Oberwittler (2004)
 Kritik Aggregatsebene / Desorganisationsansatz
 Seit den 1980er Jahren neue statistische Instrumente:
Mehrebenenanalyse, Verfügbarkeit von Befragungsdaten
 Zunahme der sozialen und ethnischen Polarisierung und
Segregation von Wohngebieten (USA und Europa)
 Herausbildung von «Hyper-Ghettos»
 Zunahme der sozialökologischen stadtviertelbezogenen
Delinquenzforschung.
Armut, Ausgrenzung und Unterklasse
Kronauer, Martin (2000): Armut, Ausgrenzung und Unterklasse, in: Hartmut
Häussermann (Hrsg.): Grossstadt. Soziologische Stichworte. Opladen: Leske
und Budrich, S. 13.27.
 16. Jh.: Krise der traditionellen agrarischen
Produktionsweise trieb Arme in die Stadt.
 19. Jh.: Suche nach Arbeit trieb Arme in die Industriestädte
 Entstehung des industriellen Proletariats.
 Heute: Grosse Armut in Entwicklungsländern treibt
Migranten in die Städte Europas und Nordamerikas.
Armut, Ausgrenzung und Unterklasse II
 Wandel der Armut:
 Absolute Armut
 Relative Armut
 Ausgrenzung: Zunftordnung, würdige/unwürdige Arme,
Armenhäuser (Verlust der bürgerlichen Rechte),
Ausgrenzung aus gesellschaftlichen Bereichen.
Armut, Ausgrenzung und Unterklasse III
 Nach dem 2 Weltkrieg: «soziale Frage»:
 Wohlfahrtsstaat, soziale Reformen, Frage nach der
Verantwortung.
 Rückgang der Armut bis in die 1970er Jahre.
 Erneuter Anstieg seit den 1980er Jahren:
 Neue Form der Armut:
Deindustrialisierung, Internationalisierung,
Rationalisierung.
Exclusion & Underclass
Kronauer, Martin (2000): Armut, Ausgrenzung und Unterklasse, in: Hartmut Häussermann (Hrsg.):
Grossstadt. Soziologische Stichworte. Opladen: Leske und Budrich, S. 13.27.
 Begriff «Exclusion» aus Frankreich (1970er Jahre Buch «les
exclus»).
 Seit den späten 1980er Jahren politische und gesellschaftliche
Debatte.
 Begriff «Underclass» aus den USA seit den frühen 1960er
Jahren.
 Seit den späten 1980er Jahren William J.Wilson: «The truly
disadvantaged»
Begriffsdebatte I
 Schnittmenge der beiden Begriffe:
«Sie besteht in der Feststellung, dass sich für eine wachsende
Zahl von Menschen in den hochentwickelten kapitalistischen
Gesellschaften Marginalisierung oder Ausschluss am
Arbeitsmarkt mit gesellschaftlicher Isolation verbindet.»
(Kronauer 2000:25)
Begriffsdebatte II
 «Exklusion» hebt weniger auf den Zustand als den Prozess
der Ausschliessung ab.»
(Kronauer 2000:26)
 <-> ««Underclass» bezeichnet dagegen eine fixierte soziale
Lage, mit der sich die Betroffenen arrangieren mussten.»
(Kronauer 2000:26)
Begriffsdebatte III
 Begriff «Underclass» stigmatisierender als der Begriff
«Exclusion».
 Konservative Besetzung des «Underclass»-Begriffs in den
USA.
 Die modernen «unwürdigen» Armen.
Quartierseffekte
 Annahme, dass individuelles Handeln von den Bedingungen
der sozialen oder sozial-räumlichen Umgebung abhängt.
 Zusätzlich zu den Individualmerkmalen
Makro-Mikro-Modell sozialen Handelns
Quelle: Friedrichs & Nonnenmacher (2010, S. 470)
Direkte Kontexteffekte
 Ausstattung des Gebiets
Möglichkeiten bzw. Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten
 Ansteckungseffekt
Wahrnehmung von Unordnung und abweichendem
Verhalten
 Kollektive Sozialisation und Rollenmodelle
Gegenseitige Unterstützung und Kontrolle
Indirekte Kontexteffekte
 Netzwerke
Gelegenheitsstrukturen
 Institutionen
Widerspiegeln Sozialstruktur im Wohngebiet
Makro-Mikro-Modell indirekter
Kontexteffekte
Quelle: Friedrichs & Nonnenmacher (2010, S. 485)
Mechanismen bei
Nachbarschaftseffekten
Drei wesentliche direkte Kontexteffekte bzw.
Modelle nach Friedrichs/Nonnenmacher
(2010)

Ausstattung des Gebiets

Kollektive Sozialisation und Rollenmodelle

Ansteckungseffekt
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Sozialisation durch die Bewohner des Gebiets, v.a.
Rollenmodelle
– „Positive“ Nachbarschaft: grosser Anteil wohlhabender
Personen
– „Negative“ Nachbarschaft: hohe Arbeitslosenquote, grosser
Anteil Alleinerziehender, usw.
– Hoher Sozialstatus der Nachbarschaft  positiver Einfluss,
geringes „deviantes Verhalten“ (Teenagerschwangerschaften,
Schulabbruch, …)
– „Positive“ Nachbarschaft übt einen grösseren (positiven) Einfluss
auf die Mitbewohner aus als eine negative Nachbarschaft einen
negativen Einfluss
 Soziales Lernen!
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Makro-Mikro-Modell (für soziales Lernen)
Worin besteht dieser (sowie der Ansteckungs-) Effekt genau?
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Sinnvoll, auf Überlegungen zu „sozialen Mechanismen“
zurückzugreifen
– Mechanismus (Opp, 2004): kausale Prozesse oder
Wirkungsketten; Kette aufeinander bezogener Hypothesen, die
spezifizieren, wie eine Bedingung (Input) mit einem Ergebnis
(Output) verbunden ist
Indirekte Kontexteffekte des Wohngebiets sind ein spezieller Fall
der kausalen Prozesse oder Wirkungsketten, die es zu finden gilt
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
• Beispiel Bildungserfolg (Helbig, 2010)
– Anhand ELEMENT-Studie in Berlin: wirkt sich die Sozialstruktur
des Wohngebiets neben den individuellen Herkunftsmerkmalen
auf die Entwicklung kognitiver Kompetenzen der Schüler in Lesen
und Mathematik aus?
•
•
•
•
•
Längsschnittstichprobe 2003, 2004 und 2005, 4.-6. Klasse
Daten: 3169 Grundschüler an 71 Grundschulen
Kumulierte Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfängerquote, welche die
Deprivation eines Gebietes am besten beschreibt
Deprivation auf Schulebene: Anteil von Schülern nichtdeutscher
Herkunftssprache
Abhängige Variable: Mathematik- und Lesekompetenzen in der 6. Klasse,
mit Kontrolle der Kompetenzen in der 4. Klasse
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Beispiel Bildungserfolg (Helbig, 2010)
– MehrebenenstrukturelleWirkungsweise der Nachbarschaft:
Direkte und indirekte (soziale Institutionen) Wirkungen auf
Bildung
•
Vermittlung über die Mesoebene der Schule
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Beispiel Bildungserfolg (Helbig, 2010)
– Quartiere mit hoher Konzentration von Erwachsenen mit hohem
Sozialstatus: mehr positive Rollenmodelle für Jugendliche
vorhanden
Ausgeprägte soziale Kontrolle
– Kinder in Nachbarschaften mit günstiger Sozialstruktur
profitieren bei ihrer Kompetenzentwicklung davon
– Angenommene Effekte wirken sich wahrscheinlich stärker auf
Jungen als auf Mädchen aus
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Beispiel Bildungserfolg (Helbig, 2010)
– Ergebnisse:
•
•
•
•
Effekte von Nachbarschaftscharakteristika und Schulcharakteristika
korrelieren stark  unklar, ob die Nachbarschafts- oder
Schulzusammensetzung die Kompetenzen der Schüler beeinflusst
Auf der Schul- oder Nachbarschaftsebene ist 5,47 (M: 10,38) der Varianz
der Lesekompetenzentwicklung zu finden (mit Kontrolle der
Individualmerkmale: 3,06 (M: 6,42))
Die höchste Varianz der Lesekompetenzentwicklung ist auf der
Individualebene zu finden
Schüler profitieren in ihren Lesekompetenzen nur davon, wenn sie in einer
sozial besser gestellten Nachbarschaft mit einer kumulierten Arbeitslosenund Sozialhilfequote unter 15,15% (M: 10,29%) leben
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Beispiel Bildungserfolg (Helbig, 2010)
– Ergebnisse:
•
Epidemische Theorie: Ballung negativer soziostruktureller Merkmale in
einer Nachbarschaft wirkt sich negativ auf die Bildungschancen der in ihr
lebenden Kindern und Jugendlichen aus
 konnte nicht bestätigt werden!
•
Hypothese, dass Jungen stärker durch die sie umgebende Nachbarschaft in
ihrer Kompetenzentwicklung beeinflusst werden, ist zu verwerfen
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Beispiel inter-ethnische Freundschaften (Farwick, 2007)
– Indirekter Effekt des Wohngebiets auf individuelle Einstellungen und
Verhaltensweisen, vermittelt über das soziale Netzwerk
– Studie in Bremen durchgeführt
•
•
Jahr 2001
194 türkische Haushalte, 93 türkische Haushalte in Kontrollgebieten mit
geringerer räumlicher Konzentration
– Zusammenhang zwischen der ethnischen Segregation türkischer
Migranten und dem Ausmass inter-ethnischer Freundschaften sowohl
auf der räumlichen Ebene der Wohnquartieren als auch auf der
kleinräumigeren Ebene der näheren Wohnumgebung der Migranten
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Beispiel inter-ethnische Freundschaften (Farwick, 2007)
– Inwieweit sich bei einem Zusammentreffen von Migranten mit
Personen der ansässigen Bevölkerung inter-ethnische
Freundschaftsbeziehungen herausbilden, hängt wesentlich von den
individuellen Präferenzen der Akteure in Bezug auf potentielle
freundschaftliche Beziehungen ab
Prinzip der Homophilie: gemeinsame
Einstellungen
und Wertvorstellungen; geringe
soziale Distanz
– Die Sozialstruktur eines Wohngebiets stellt gleichzeitig eine
Gelegenheitsstruktur dar
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
• Beispiel inter-ethnische Freundschaften (Farwick, 2007)
– Ergebnisse
• Total: 28,5% der Befragten haben eine inter-ethnische Freundschaftsbeziehung
zu mindestens einem Deutschen
• Gröpelingen (15% türkische Bewohner): 26,1%
• Kontrollgebiete: 33,7%
Bestätigung der These eines Einflusses ethnisch segregierter Wohnquartiere auf
das Ausmass inter-ethnischer Freundschaftsbeziehungen
 Es ist jedoch keine Verallgemeinerung auf alle türkischen Migranten möglich (keine
signifikante Ergebnisse!)
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
• Beispiel inter-ethnische Freundschaften (Farwick, 2007)
– Verkleinerung der Analyseeinheit auf die nähere Wohnumgebung
(Wohnblöcke und unmittelbare Nachbarschaft)
•
•
Baublöcke: Mit einem Anteil türkischer Bewohner über 20% verringert
sich die Chance einer inter-ethnischen Freundschaft um 49%
Mit zusätzlicher Berücksichtigung (Interaktionsvariable) einer täglichen
Aufenthaltsdauer von über 40% verringert sich die Chance um einen Wert
von 68%
Nicht-Linearität, Schwellenwerte, Uförmige Zusammenhänge
 Normalerweise werden Kontexteffekte als lineare Effekte
modelliert  wenn diese Annahme falsch ist, kann sie zu
ungenauen Befunden führen und die Aufdeckung der
Mechanismen verhindern, die Kontexteffekte produzieren
 Theorie des Tropfens, der ein Fass zum Überlaufen bringt
Schwellenwert: erst nach diesem Wert breitet sich das Verhalten in
einem Ansteckungsprozess aus. Bei Überschreiten eines zweiten,
wesentlich höheren Schwellenwerte steigt der Einfluss des
Wohngebiets exponentiell an
2) Kollektive Sozialisation und
Rollenmodelle
 Beispiel inter-ethnische Freundschaften (Farwick, 2007)
– Diese inter-ethnischen Freundschaftsbeziehungen fördern in
einem zweiten Schritt die kognitive Assimilation und Kulturation
(Esser, 1980)
3) Ansteckungseffekt
(vgl. Mayer und Jencks, 1989)
 Auch epidemische Theorie genannt (Crane, 1991)
 Beispiel Kriminalität (Oberwittler, 2004)
Oberwittler (2004)
 „Mein Johnny ist wirklich ein guter Junge, aber er geriet an falsche
Freunde und dann in Schwierigkeiten.“
 Zitat aus Albert Cohens Delinquent Boys.The Culture of the Gang
(1955)
Oberwittler (2004)
 „Mein Johnny ist wirklich ein guter Junge, aber er geriet an falsche
Freunde und dann in Schwierigkeiten.“
 Zitat aus Albert Cohens Delinquent Boys.The Culture of the Gang
(1955)
 Hinweis auf Ansteckungseffekt durch peer groups
(Subkulturtheorie)
Oberwittler (2004)
 „Mein Johnny ist wirklich ein guter Junge, aber er geriet an falsche
Freunde und dann in Schwierigkeiten.“
 Zitat aus Albert Cohens Delinquent Boys.The Culture of the Gang
(1955)
 Hinweis auf Ansteckungseffekt durch peer groups
(Subkulturtheorie)
 Alternative: Mangelnde soziale Kontrolle, Mangel an positiven
Vorbildern (Desorganisationsansatz)
Oberwittler (2004)
 Lern- und Subkulturtheorie: Verhaltensansteckung zwischen
devianten Gleichaltrigen
Oberwittler (2004)
 Lern- und Subkulturtheorie: Verhaltensansteckung zwischen
devianten Gleichaltrigen
• Problem: Effekt der Selbstselektion
Oberwittler (2004)
 Lern- und Subkulturtheorie: Verhaltensansteckung zwischen
devianten Gleichaltrigen
• Problem: Effekt der Selbstselektion
 Desorganisationsansatz oder 'kollektive Kontrolltheorie': Mangel
von erwachsenen Rollenvorbildern, von informeller sozialer
Kontrolle durch Erwachsene, von Kontakten unter Eltern
(kollektive Wirksamkeit bei Sampson et al. 2002)
Oberwittler (2004)
 Lern- und Subkulturtheorie: Verhaltensansteckung zwischen
devianten Gleichaltrigen
• Problem: Effekt der Selbstselektion
 Desorganisationsansatz oder 'kollektive Kontrolltheorie': Mangel
von erwachsenen Rollenvorbildern, von informeller sozialer
Kontrolle durch Erwachsene, von Kontakten unter Eltern
(kollektive Wirksamkeit bei Sampson et al. 2002)
• Problem: Alter schützt nicht vor deviantem Verhalten
Oberwittler (2004)
 Mehrebenenanalyse zur Suche nach Kontexteffekten von
sozialräumlicher Konzentration sozialer Benachteiligung auf
selbstberichtete schwere Jugenddelinquenz
Oberwittler (2004)
 Mehrebenenanalyse zur Suche nach Kontexteffekten von
sozialräumlicher Konzentration sozialer Benachteiligung auf
selbstberichtete schwere Jugenddelinquenz
 cross-level interactions: Familiäre Ressourcen können z.B. vor
negativen Quartiereinflüssen schützen
Oberwittler (2004)
Oberwittler (2004)
 Subkulturtheorie wird anhand einer Skala zur Gewaltakzeptanz
geprüft, um die Ausbreitung devianter Normen unter den
Jugendlichen zu messen
Oberwittler (2004)
 Subkulturtheorie wird anhand einer Skala zur Gewaltakzeptanz
geprüft, um die Ausbreitung devianter Normen unter den
Jugendlichen zu messen
 Desorganisationsansatz soll mit der Dichte intergenerationaler
Bindungen geprüft werden (Familienform)
Oberwittler (2004)
 Einflüsse auf Inzidenz schwerer Diebstahlsdelikte:
Oberwittler (2004)
 Einflüsse auf Inzidenz schwerer Diebstahlsdelikte:
 Ebene 1 (Individualmerkmale):
• Geschlecht***, Alter*, Bildung Eltern, Familienform***,
Berufsprestige, Sozialhilfebezug /Arbeitslosigkeit,
Gewalttoleranz***
Oberwittler (2004)
 Einflüsse auf Inzidenz schwerer Diebstahlsdelikte:
 Ebene 1 (Individualmerkmale):
• Geschlecht***, Alter*, Bildung Eltern, Familienform***,
Berufsprestige, Sozialhilfebezug /Arbeitslosigkeit,
Gewalttoleranz***
 Ebene 2 (Quartiermerkmale):
• Sozialhilfequote**, Mittelwert Gewalttoleranz
Oberwittler (2004)
 Einflüsse auf Inzidenz von Gewaltdelikten:
Oberwittler (2004)
 Einflüsse auf Inzidenz von Gewaltdelikten:
 Ebene 1 (Individualmerkmale):
• Geschlecht**, Alter, Bildung Eltern, Familienform**,
Berufsprestige***, Sozialhilfebezug /Arbeitslosigkeit*,
Gewalttoleranz***
Oberwittler (2004)
 Einflüsse auf Inzidenz von Gewaltdelikten:
 Ebene 1 (Individualmerkmale):
• Geschlecht**, Alter, Bildung Eltern, Familienform**,
Berufsprestige***, Sozialhilfebezug /Arbeitslosigkeit*,
Gewalttoleranz***
 Ebene 2 (Quartiermerkmale):
• Sozialhilfequote, Mittelwert Gewalttoleranz*. Letzteres
spricht für Einfluss der Gleichaltrigen und für die
Subkulturtheorie
Oberwittler (2004)
 Räumliche Organisation der peer groups:
 Distanz zur Schule
 Vorherrschende deviante Subkultur
– Ablehnung / Zustimmung und räumliche Konsequenzen für
Freundeskreis
 Zustimmung zum Quartier
Sampson et al. (2002)
 Vier Klassen von Nachbarschaftsmechanismen:
Sampson et al. (2002)
 Vier Klassen von Nachbarschaftsmechanismen:
– 1. Soziale Bindungen und Interaktionen
• Positiv als Grundlage von Freundschaftseffekten (vgl. Farwick)
• Negativ als Grundlage für Formationen delinquenter gangs (vgl. Oberwittler:
Ansteckungsffekt von peer group delinquency)
Sampson et al. (2002)
 Vier Klassen von Nachbarschaftsmechanismen:
– 2. Normen und kollektive Wirksamkeit
• Gegenseitiges Vertrauen und geteilte Erwartungshaltungen, Stabilität
informeller Regeln als Grundlage für Intervention und soziale Kontrolle
Sampson et al. (2002)
 Vier Klassen von Nachbarschaftsmechanismen:
– 3. Institutionelle Ressourcen
• vgl. Ausstattungsmerkmale bei Friedrichs
Sampson et al. (2002)
 Vier Klassen von Nachbarschaftsmechanismen:
– 4. routine activities
• “Charakter“ eines Quartiers im Sinne struktureller Merkmale, die
Gelegenheitsstrukturen schaffen und damit etwa den Typus der dort
verkehrenden Menschen bestimmen
Sampson et al. (2002)
 Strukturelle Charakteristika, konzentrierte Benachteiligung
Sampson et al. (2002)
 Strukturelle Charakteristika, Konzentrierte Benachteiligung
 Disorder: Einflussgrösse oder Resultat
– z.B. als Resultat mangelnder sozialer Kontrolle
– und gleichzeitig als Gelegenheit für deviantes Verhalten
Sampson et al. (2002)
 Forderungen:
– Vorsicht mit direkten Querschnittsmodellen
– Eventbasierte Modelle, weil sich das Leben zu grossen Teilen
ausserhalb des Quartiers abspielt
Sampson et al. (2002)
 Neue Tendenzen:
– Analyseeinheit verkleinern (tertiary communities)
Sampson et al. (2002)
 Neue Tendenzen:
– Analyseeinheit verkleinern (tertiary communities)
– Analyseeinheit vergrössern (wegen spillovers der Nachbarquartiere)
Sampson et al. (2002)
 Neue Tendenzen:
– Analyseeinheit verkleinern (tertiary communities)
– Analyseeinheit vergrössern (wegen spillovers der Nachbarquartiere)
– Beurteilung der Quartiere durch Beobachtung vor Ort (physical &
social disorder) statt aufgrund statistischer Merkmale
Sampson et al. (2002)
 Neue Tendenzen:
– Analyseeinheit verkleinern (tertiary communities)
– Analyseeinheit vergrössern (wegen spillovers der Nachbarquartiere)
– Beurteilung der Quartiere durch Beobachtung vor Ort (physical &
social disorder)
– Systematisches Sammeln von Richtwerten (ökometrischen Daten)
für Vergleiche: Quartierratings
Literatur









Crane, Jonathan (1991). The epidemicTheory of Ghettos and Neighbourhood Effects on Dropping Out andTeenage Childbearing.
In: American Journal of Sociology, 96, S. 1266-1259.
Esser, Hartmut (1980). Aspekte derWanderungssoziologie. Assimilation und Integration vonWanderern, ethnischen Gruppen und
Minderheiten. Eine handlungstheoretische Analyse. Darmstadt.
Farwick, Andreas (2007). Ethnische Segregation und die Herausbildung inter-ethnischer Freundschaften. In: Meyer, Frank
(Hrsg.). Wohnen – Arbeit – Zuwanderung. Stand und Perspektiven der Segregationsforschung Beiträge zur europäischen Stadt- und
Regionalforschung. Münster u.a.: LIT-Verlag, S . 147-164.
Friedrichs, Jürgen / Nonnenmacher, Alexandra (2010). Welche Mechanismen erklären Kontexteffekte? In: Beckers, Tilo /
Birkelbach, Klaus / Hagenah, Jörg / Rosar, Ulrich (Hrsg.). Komparative empirische Sozialforschung.Wiesbaden: VS, S. 469497.
Helbig, Marcel (2010). Neighborhood Does Matter! Sozialstrukturelle Nachbarschaftscharakteristika und Bildungserfolg. Kölner
Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 62, S. 655-679.
Kronauer, Martin (2000). Armut, Ausgrenzung, Unterklasse. In: Häussermann, Hartmut (Hrsg.). Grossstadt. Soziologische
Stichcworte. Opladen: Leske + Budrich, S. 13-27.
Oberwittler, Dietrich (2004). Stadtstruktur, Freundeskreise und Delinquenz: Eine Mehrebenenanalyse zu sozialökologischen
Kontexteffekten auf schwere Jugenddelinquenz. In: Oberwittler, Dietrich / Karstedt, Susanne (Hrsg.). Soziologie der
Kriminalität 8special issue 43 of Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie). Wiesbaden: VS, S. 135-170.
Opp, Karl-Dieter (2004). Erklärung durch Mechanismen: Probleme und Alternative. In: Kecskes et al. S. 361-379.
Sampson, Robert J. / Morenoff, Jeffrey D. / Gannon-Rowley, Thomas (2002). Assessing „Neighborhood Effects“: Social
Processes and New Directions in Research. In: Annual Review of Sociology 28, 1, S. 443-478.
Diskussion
 Verhältnis von direkten zu indirekten Kontexteffekten: kann
man diese Trennung mit gutem Gewissen vollziehen? Sind
direkte Effekte überhaupt denkbar?
 Was spricht vor dem Hintergrund der massiven Komplexität
des Mechanismenknäuels für quantitative
Querschnittanalysen?
 Bestehen Quartierseffekte auch in Zürich? Wie könnten diese
aussehen?
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