Das Passiv

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Dr. Günter Schopf
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Institut für Übersetzen und Dolmetschen
Das Passiv
Grundsätzlich werden beim Verb 3 Genera unterschieden:
 Aktiv
 Vorgangspassiv (oder werden-Passiv)
 Zustandspassiv (oder sein-Passiv)
1.) Formbildung:
Das Vorgangspassiv wird gebildet aus den konjugierten Formen des Hilfsverbs werden +
Partizip II des Vollverbs. Im Perfekt und Plusquamperfekt verliert das Partizip II von werden
das Präfix ge-.
Ich werde geimpft.
Ich wurde geimpft.
Ich bin geimpft worden.
Ich war geimpft worden.
Das Zustandspassiv wird gebildet aus den konjugierten Formen des Hilfsverbs sein + Partizip
II des Vollverbs. Das Perfekt und Plusquamperfekt sowie das Futur des Zustandspassivs
werden verhältnismäßig selten verwendet. Das Perfekt und Plusquamperfekt werden
gewöhnlich durch das Präteritum, das Futur durch das Präsens ersetzt.
Ich bin geimpft.
Ich war geimpft.
Ich bin/war geimpft gewesen.
Von reflexiven Verben kann in der Regel kein Passiv gebildet werden, weil das
Reflexivpronomen und das Subjekt dasselbe Wesen oder Ding nennen. Vom Satz Ich wasche
mich ist das Passiv Ich werde von mir gewaschen sinnlos.
2.) Inhaltliche Auswirkungen des Passivs:
Das Vorgangspassiv wird zumeist statt des Aktivs verwendet, wenn der Sprecher den
Handlungsträger (= das Subjekt des Aktivs) nicht nennen kann oder will. Wird aber der
Handlungsträger im Passiv genannt, erscheint er in der Position des vom Mitteilungsgehalt
her wesentlichen Satzgliedes (im letzten Teil des Satz) und wird dann kommunikativ als
besonders wichtig empfunden. In Bedienungsanleitungen ist es durch die Verwendung des
Passivs möglich, den menschlichen Handlungsträger, der für das Verständnis des
beschriebenen technischen Sachverhalts meist unwesentlich ist oder gar nicht angegeben
werden kann, unerwähnt zu lassen. Vermittelt wird dadurch der Eindruck von Objektivität.
In Passivkonstruktionen wird das Verb aus der wenig betonten Stelle, an der es im Aktivsatz
erscheinen würde, herausgelöst und in die stark betonte Endposition gebracht. Damit erscheint
das Verb als das wichtigste Satzglied in einer betonten Stellung, was sowohl die Aufnahme
als auch das Einprägen des Inhalts erleichtert. Daraus erklärt sich auch die häufige
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Übungen zur deutschen Grammatik
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Verwendung des Passivs in fachwissenschaftlichen Texten, Gesetzestexten, Anordnungen und
Gebrauchsanweisungen.
In manchen Fällen wird der Gebrauch des Passivs auch dadurch motiviert, dass Vorgänge als
gesetzmäßig dargestellt werden können, die vom Menschen zwar erkennbar oder anwendbar,
aber nicht veränderbar sind. Studien weisen darauf hin, dass die Häufigkeit von
Passivkonstruktionen mit zunehmendem Fachlichkeits- und Abstraktionsgrad der Texte
steigt.1
3.) Gebrauch des Vorgangspassivs:
Nicht jeder aktive Satz lässt die Bildung eines Vorgangspassivs zu. Ein Vorgangspassiv kann
nur gebildet werden, wenn im entsprechenden Aktivsatz das Subjekt ein „Agens“
(=Handlungsfähiger) und das Verb entsprechend ein Tätigkeitsverb ist.
Aktiv: Der Sohn hilft dem Vater.
Passiv: Dem Vater wird (vom Sohn) geholfen.
Aktiv: Der Sohn ähnelt dem Vater.
Passiv: *Dem Vater wird (vom Sohn) geähnelt. (= nicht möglich!!)
Die Bildung des Vorgangspassivs ist nicht möglich, wenn das Verb ein so genanntes
Mittelverb ist:
bekommen, haben, besitzen, erhalten, kosten, enthalten, umfassen, es gibt
Weiters kann man von intransitiven Verben, die ihr Perfekt mit dem Hilfszeitwort sein bilden,
kein Passiv bilden. (zB kommen, reisen, bleiben etc.)
3.1 Passivsätze mit Subjekt:
Das Akkusativobjekt des Aktivsatzes wird Subjekt des Passivsatzes. Das Subjekt des
Aktivsatzes (außer man) kann mit von + Dativ in den Passivsatz aufgenommen oder einfach
weggelassen werden.
Aktiv: Die Ärztin untersucht den Patienten vor der Operation.
Passiv: Der Patient wird vor der Operation (von der Ärztin) untersucht.
3.2 Subjektlose Passivsätze:
Hauptsätze:
Wenn der Aktivsatz kein Akkusativobjekt enthält, kann es auch kein Subjekt im Passivsatz
geben. Man nimmt dann es zu Hilfe. Dieses es kann nur am Anfang des Hauptsatzes stehen.
Wenn ein anderes Satzglied an diese Stelle tritt – was stilistisch meist besser ist – fällt es weg.
Aktiv: Man arbeitet sonntags nicht.
Passiv: Es wird sonntags nicht gearbeitet.
Sonntags wird nicht gearbeitet.
Aktiv: Man half den Verunglückten erst nach zwei Tagen.
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Susanne Göpferich: Textsorten in Naturwissenschaften und Technik. Tübingen 1995. S. 411
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Passiv: Es wurde den Verunglückten erst nach zwei Tagen geholfen.
Den Verunglückten wurde erst nach zwei Tagen geholfen.
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Nebensätze:
In Nebensätzen mit Passiv fällt das unpersönliche es immer weg, weil die Konjunktion (weil,
als etc.) den Anfang des Nebensatzes besetzt.
Aktiv: Er wird immer böse, wenn man ihm sagt, dass er unordentlich ist.
Passiv: Er wird immer böse, wenn ihm gesagt wird, dass er unordentlich ist.
Aktiv: Ich war ratlos, als mir der Arzt von einer Impfung abriet.
Passiv: Ich war ratlos, als mir von einer Impfung abgeraten wurde.
4.) Gebrauch des Zustandspassivs:
Ein Zustandspassiv setzt immer ein entsprechendes Vorgangspassiv voraus. Deshalb ist ein
Zustandpassiv nur dann möglich, wenn es auch ein entsprechendes Vorgangspassiv gibt.
Aktiv: Peter öffnet das Fenster.
Vorgangspassiv: Das Fenster wird geöffnet.
Zustandspassiv: Das Fenster ist geöffnet.
Das Zustandspassiv drückt einen statischen Zustand aus, der das Resultat eines
vorhergehenden dynamischen Vorgangs ist.
5.) Weitere Möglichkeiten, passivische Sehweise auszudrücken:
Bleiben-Passiv:
Das Fenster wird geöffnet.
Das Fenster ist geöffnet.
Das Fenster bleibt geöffnet.
Das bleiben-Passiv im letzten Satz hat als zusätzliche Bedeutung die Kontinuität. Wie nicht
jedes Aktiv ein Vorgangspassiv und nicht jedes Vorgangspassiv ein Zustandspassiv hat, so hat
auch nicht jedes Zustandspassiv ein entsprechendes bleiben-Passiv.
Konstruktionen mit bekommen, erhalten + Partizip II
Er bekommt das Buch geschenkt. (= Ihm wird das Buch geschenkt.)
Diese Konstruktion wird auch „Dativ-Passiv“ genannt, weil nicht der Akkusativ, sondern der
Dativ des aktivischen Satzes im Passiv zum Subjekt wird. Dieses bekommen-Passiv kann von
folgenden Verbgruppen gebildet werden: Verben des Besitzwechsels (zB schenken, schicken,
spendieren, überreichen, zusenden), Verben des Mitteilens (zB sagen, mitteilen, darstellen,
erklären, erläutern) und Verben der aktiven Tätigkeit (zB ziehen, brechen, waschen,
schneiden, reparieren, reinigen).
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Konstruktion mit sein zu + Infinitiv
Diese Form drückt eine Notwendigkeit, einen Zwang aus oder eine Möglichkeit bzw.
Unmöglichkeit. Die Konstruktion kann durch die Modalverben müssen und können ersetzt
werden.
Das Zimmer ist abzuschließen. (= Das Zimmer muss/kann abgeschlossen werden.)
Anträge sind im Rathaus abzuholen. (= Anträge können im Rathaus abgeholt werden.)
Konstruktion lassen + Reflexivpronomen + Infinitiv
Das Buch lässt sich gut verkaufen.
Es lässt sich nicht erklären, warum er gekommen ist.
Warum er nicht gekommen ist, lässt sich nicht erklären.
Auch reflexive Verben in Verbindung mit einem Sachsubjekt können passivische Sehweise
ausdrücken:
Das Buch verkauft sich gut.
Der Schlüssel findet sich sicher wieder.
Arbeitsaufgaben:
DREYER/SCHMITT, S. 111, Übung 4; Seite 113, Übung 9 und 10; Seite 116, Übung 13 und
14; Seite 240, Übung 2 und 3
§ 48 DREYER/SCHMITT, Seite 248 ff. Übungen 1, 3 und 4
Bibliographie
HELBIG, Gerhard und Buscha, Joachim: Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den
Ausländerunterricht. Berlin und München 2001
DREYER/SCHMITT: Lehr- und Übungsbuch der deutschen Grammatik. Neubearbeitung.
Ismaning 2000
DUDEN. Richtiges und gutes Deutsch. Band 9. Mannheim 2001
GÖPFERICH Susanne: Textsorten in Naturwissenschaften und Technik. Tübingen 1995
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