Zwang und Zwangskrankheit Zwang Die zentrale Rolle

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von Christian Luksch
Zwang und Zwangskrankheit
Zwang
Unter dem Begriff Zwang werden Vorstellungen, Handlungsimpulse und Handlungen verstanden, die sich einem
Menschen aufdrängen und gegen deren Auftreten er sich vergebens wehrt. Es ist sozusagen das Unvermögen
bestimmte Gedanken oder Handlungsweisen zu unterdrücken, obgleich sie als unsinnig erkannt werden.
Dabei muss nicht der Inhalt des Zwanges an sich unsinnig sein - als unsinnig wird aber die Neigung zum ständigen
gleichförmigen Wiederholen empfunden. Der Patient wehrt sich dagegen, kommt aber nicht dagegen an. Auch durch
Ablenkung oder ähnliche Strategien können diese Zwangshandlungen nicht vermieden werden. Im Gegensatz zum
Wahn wird die Zwangshandlung als nicht von außen aufgetragen erlebt.
Die zentrale Rolle der Angst??
Zwangshandlungen können als Versuch angesehen werden, eine angstbesetzte Situation oder eine Befürchtung zu
bewältigen. Hat eine solche - ritualisierte - Handlung Erfolg (Angstreduktion) wird sie in der Regel wiederholt. An die
Stelle der Angst tritt die Zwangshandlung. Wird die Zwangshandlung nicht ausgeführt, bzw. versucht, sich den
Zwangsphänomenen zu widersetzen, tritt eine intensive innerer Spannung mit vorherrschender Angst auf.? Beim
gesunden Menschen sind ebenfalls manchmal zwangshafte Verhaltensweisen, etwa eine strikt eingehaltene Ordnung
am Schreibtisch oder bestimmte ritualisierte Handlungsabläufe, beobachtbar. Pathologische Zwangsphänomene
stellen in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen jedoch eine Erlebnisweise dar, die einem Patienten in seinem
gesamten Denken, Handeln und sozialen Verhalten massiv beeinträchtigen können. So können durch progrediente
Ausbreitung der Zwangssymptome große Teile des Tagesablaufes für Zwangshandlungen benutzt werden. Dadurch
kann es zu einem ausgeprägten sozialen Rückzug, bis hin zur Isolation, aber auch zu massiven körperlichen Schäden
kommen.
Klinische Subtypen
Zwangsgedanken
?sind sich aufdrängende, immer wieder kehrende, als unsinnig erkannte Denkinhalte (etwa sich zu beschmutzen;
Zweifel, bestimmte Dinge getan oder unterlassen zu haben; gefährdet zu sein, etc.) Der Versuch diese Gedanken zu
unterdrücken gelingt nicht.
Zwangsimpulse
?sind Handlungsimpulse, die sich gegen den Willen durchsetzen, verbunden mit der Angst diese Handlung könne auch
ausgeführt werden, was aber gewöhnlich nicht geschieht (z.B.: Aggressionen gegen sich selbst oder andere
auszulösen oder sexuelle Handlungen, bzw. Praktiken zu vollziehen). Das Auftreten dieser Zwangsimpulse löst beim
Betroffenen extreme Angst aus, die Gefahr, dass diese Handlungen vollzogen werden ist jedoch äußerst gering.
Zwangshandlungen?
sind gegen oder ohne den eigenen Willen ausgeführte Handlungen. Bei dem Versuch diese Handlungen zu
unterlassen treten massive innerer Anspannungen und Angstzustände auf. Das Ausführen dieser Handlungen führt zu
einer Erleichterung, die jedoch nur kurzfristig anhält und sehr bald schon wiederholt werden muss. Solche Handlungen
können sich zu komplexen Ritualen zusammenfügen, die in einer fixen Reihenfolge ablaufen müssen. Bei der
geringsten Störung oder Abweichung muss der gesamte Handlungsablauf neu vollzogen werden. Die häufigsten dieser
Zwangshandlungen sind:
der Vergewisserungszwang
der Zählzwang
der Wasch- bzw. Putzzwang
Therapie??
Wie bei den meisten anderen psychiatrischen Krankheiten wird auch bei den Zwangserkrankungen in der Regel eine
mehrdimensionale Therapie angeschlagen. Pharmakologisch werden die besten Erfolge durch serotonerge
Antidepressiva erzielt. Psychotherapeutisch werden Entspannungsverfahren und kognitive Therapien kombiniert,
wodurch die Patienten lernen sollen ihre Zwänge zu erkennen, zu verbalisieren und zu vermeiden. In der Regel bedingt
dies eine dichte Einbeziehung des unmittelbaren sozialen Umfeldes des Patienten.?Eine Beurteilung des Erfolges der
veranschlagten Therapien sollte nicht vor einem Zeitraum von drei Wochen erfolgen. Dieser besteht im übrigen nicht in
einem vollständigen Rückgang der Symptome, jedoch in einer zunehmenden Kontrollfähigkeit.
Zwang im Alter??
In der Regel werden Zwangskrankheiten im Alter seltener beobachtet, als bei Erwachsenen und jungen Menschen.
Handlungen alter Menschen, die wir als zwanghaft bezeichnen, sind entweder sehr oft stereotyp wiederholte
Handlungsmuster, eher ein Symptom der Demenz vom Alzheimer Typ, oder aber regressiv bedingte
Handlungen.?Kennzeichen einer tatsächlichen Zwangsstörung ist das Erkennen der Sinnlosigkeit der Wiederholung
durch den Patienten selbst - liegt diese nicht vor, sind es eher Störungen des Kurzzeitgedächtnisses oder wahnhafte
Zustände. Handelt es sich aber tatsächlich um eine Zwangskrankheit, oder zumindest um eine zwanghafte
Persönlichkeit, deren Charakterzüge im Rahmen eines dementiellen Abbauprozesses verstärkt hervortreten, ist diese
Krankheit genauso zu behandeln, wie bei jungen und jüngeren Erwachsenen.?Als Faustregel gilt auch hier:
angstlindernd wirken durch Schaffen einer Bezugsperson
vermeiden von angst- und damit zwangsfördernden Situationen
kognitives Training mit Ankern von Vermeidungsstrategien
Quellen:?MÖLLER Jürgen, Psychiatrie, Stuttgard 1996?DÖRNER & PFLOG; Irren ist menschlich; Stuttgard
1995;?THIEL & JENSEN; Klinikleitfaden Psychiatrische Pflege; Stuttgard 1997
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