Antibiotika im Schweinestall

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Antibiotika im Schweinestall
Niklaus Scheiwiller, Ing. Agr. ETH, Vital Beratungsdienst Ostschweiz
Durch reisserisch aufgemachte Presseartikel über Keimresistenzen wird Antibiotika in der Landwirtschaft zu einem Reizwort. Der Landwirtschaft wird eine Teilverantwortung für die zunehmenden
Antibiotikaresistenzen zugewiesen. Der Druck aus Politik und Öffentlichkeit steigt. Die Schweinebranche stellt sich dieser Herausforderung.
Flächensanierung
Ein weiterer Meilenstein war die Flächensanierung
der Schweinebestände, die mehrheitlich 2003 abgeschlossen wurde. Unsere Schweinebestände sind frei
von den Lungenkrankheiten Enzootische Pneumonie
(EP) und Actinobacillose (APP). Unsere Schweine weisen innerhalb Europas einen einzigartigen Gesundheitsstatus auf. In der Folge bedeutet auch dies eine
Reduktion des Antibiotikaeinsatzes.
Beweglich wie die Schweinebranche ist, hat sie sich
sofort dieser Thematik angenommen. Es werden Projekte lanciert (z.B. PathoPig und MMA-Projekt) und an
diversen Veranstaltungen Fachvorträge gehalten, um
dem Schweinehalter Wege aufzuzeigen, den Antibiotikaeinsatz möglichst zu vermeiden. Teilweise bekommt
man den Eindruck, dass damit völliges Neuland betreten wird.
Verbot antimikrobieller Leistungsförderer
Doch werfen wir einen Blick in die Vergangenheit.
1999 wurden richtigerweise Antibiotika als sogenannte
antimikrobielle Leistungsförderer (AML) verboten. Niemand wusste, was mit diesem Schritt auf die Schweinehalter zukommt. Die Futtermittelhersteller standen einer riesigen Herausforderung gegenüber. Anstelle
der Wachstumsförderer traten Alternativprodukte wie
Säuren, Enzyme, Milchsäurebakterien und andere Futtermittelzusatzstoffe. Mit diesen Produkten wurden in
der Zwischenzeit viele Erfahrungen gesammelt. Der
Prozess, den Antibiotikaverbrauch zu senken, hat also
damals schon begonnen. Es war damals schon das
Ziel, Produkte zu entwickeln, die eine Senkung des Antibiotikaverbrauchs ermöglichen.
Das Ziel der Antibiotikareduktion konsequent weiterverfolgen
Die Schweinebranche hat in der Vergangenheit schon
vieles gut gemacht (Abbildung 1). Es ist schade, wenn
dies durch eine entsprechende Berichterstattung zu
wenig gewürdigt oder ganz ausgeblendet wird. Gerade solche Massnahmen, wie das Verbot der antimikrobiellen Leistungsförderer und die Flächensanierung
zeigen, wie innovativ die Schweinebranche ist. So
gesehen ist die aktuelle Entwicklung nur der logische
nächste Schritt in Richtung einer weiteren Antibiotikareduktion.
Antibiotische Wirkstoffe in der Veterinärmedizin
Vetriebsmenge in Tonnen
75
70
65
60
55
50
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Jahren
Abbildung 1: Seit 2008 ist der Verbrauch an antibiotischen Wirkstoffen um
26% zurückgegangen (Quelle: BLV)
1
Auszug aus dem Vital Aktuell März 2013
Kranke Tiere haben ein Anrecht auf Heilung
Trotz aller Bemühungen kann es zu einem Krankheitseinbruch kommen. Wenn nach sorgfältiger Abklärung
mit dem Tierarzt feststeht, dass die Tiere behandelt
werden müssen, soll dies im Sinne von Artikel 1 des
Tierschutzgesetzes auch geschehen! Wichtig ist, dass
das Antibiotikum richtig dosiert und die empfohlene
Behandlungsdauer eingehalten wird. Es darf auf keinen Fall passieren, dass aufgrund des Druckes auf die
Antibiotika Therapien verkürzt oder die Dosierung herabgesetzt wird. Dies wäre kontraproduktiv und würde
die Entstehung resistenter Keime erst recht fördern.
satz als unspezifische Schutzmassnahme missbraucht
wird. Ausser Impfungen sind andere prophylaktische
Massnahmen zahlreich vorhanden. Zuerst sind die
grundlegenden Anforderungen für eine gesunde und
leistungsfähige Tierhaltung zu erfüllen. Dazu seien hier
nur einige Stichworte aufgeführt: Bauliche Massnahmen, Management, Stallklima, Temperatur, Hygiene,
Wasserversorgung und so weiter. Vieles ist bekannt. Es
geht darum, dass einiges noch besser gemacht wird.
Hier sind wir alle gefordert, denn nur gesunde Tiere
können ihr Leistungspotential voll entfalten. Wir helfen
Ihnen dabei!
Der vorbeugende Einsatz von Antibiotika
hat in Schweineställen keinen Platz mehr
Was keine Zukunft hat, ist der vorbeugende Einsatz von
Antibiotika. Es darf nicht sein, dass der Antibiotikaein-
Die Schweinebranche muss offen sein für die Herausforderung der Antibiotikareduktion. Es geht dabei nur
um die konsequente Weiterverfolgung des Weges, der
schon vor längerer Zeit beschritten wurde.
Abbildung 2: Gesunde Schweine sind glücklicher und leisten mehr
2
Auszug aus dem Vital Aktuell Mai 2015
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